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Full text of "Physikalisches Wörterbuch"

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E.BIBL . RADCL. 



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1^ 



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Johann Samnel Traugott Gehler*» 

Physikalisches 

W^örterbuch 



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neu bearbeitet 



▼ OD 



Brandes. Gmelia» Homer. Muncke. PfafL 



i«i 



Siebenter Band« 

Erste Abtheilung* 

N Pn. 



■M*MM^«aMW«MtaM 



Mit Knpfertafcln I bis VII. 



L e i p s i g, 

b«i B. B. Seh Wickert. 

1888. 



Trangott Geh! 



Physils.ali5|ö4iifei 



Wörterbuc 



ften bearbeitet 




Siebenter Band. 

Brfte Abtheilnngt 

N Pn. 



Mit Knpf«rt«felii Ilul VIL 

t. e i p X 1 g, 

bti B. B. Schw'i'akstt. 
1 8 S S. 



N. 



Nacht. 

Nox; Nuit; Night. Die Nacht i«t der Zeitraum, während 
dessen die Sonne , eigentlich der Mittelpunct der Sonne , unter 
dem Horizonte verweilt) oder die Zeit Vom Untergange bis zum 
Aufgange der Sonne« 

Es sey HR der Horizont, AQ derAequator, C der Durch- ^j^* 
schnittspiinct des Aequators mit dem Horizonte, P der Pol, S 
die Sonne, SD ihre Abweichung, US V der Parallelkreis , auf 
dem die Sonne sich befindet und den sie "also am Himmel zu 
durchlaufen scheint, so ist, wenn die Sonne im Horizonte steht| 
CD die AscensionaldifFerenz, und das Verweilen der Sonne un-» 
ter dem Horizonte oder die Zeit, in welcher sie vom Horizonte 
bis zum Meridiane den Bogen SV und vom Meridiane bis zum 
Aufgangspuncte einen gleichen Bogen durchläuft, durch 2.SPV 
oder 2 . D Q = 2 . (90*^ — CD) gegeben. Die halbe Dauer der 
Nacht wird also gefunden , wenn man 90* — AscensionaldilFe* 
renz in Stunden verwandelt« Da Sin. CD = Tang. Abwelch.X 
Tang. Polhöhe ist, so ist CD = für die Polhöhe = und die 
halbe Länge der Nacht ist daher unter dem Aequator = 6 Stun- 
den , nämlich dem Winkel = 90** entsprechend. Die Nacht 
dauert daher unter dem Aequator zu allen Zeiten des Jahres 12 
Stunden* Für andere Puncte der Erde ist CD nur dann = 0, 
wenn die Abweichung der Sonne = ist, und dieser Zeitpünct 
ist daher die Zeit der Nachtgleiche. Die AscensionaldifFerenz 
ist für uns auf der nördlichen Halbkugel positiv, so lange die 
Abweichung der Sonne nördlich ist ; während dieser Zeit ist 
daher die Nacht kürzer als 12 Stunden , weil der der halben 
Länge der Nacht entsprechende Winkel kleiner als 90** ist, in 
Vir. Bd. A 



2 Nacht. 

der andern Hälfte des Jahres ist die Nacht langer als 12 Stunden* 
Dafs die Nacht für einen bestimmten Ort auf der nördlichen 
Kalbkugel am kürzesten ist, wenn die nördliche Abweichung 
ihren gröfsten Werth erreicht, dafs die Nacht am längsten ist 
zur Zeit der südlichen gröfsten Abweichung der Sonne, erhellt 
von selbst. Für die südliche Halbkugel findet das Entgegenge- 
setzte statt. Wenn Tang. Ab weich. X Tang. Polhöhe = 1 ist, so 
ist C D = 90** und die Länge der Nacht = 0; dieses tritt ein, 
wenn die Deklination der Sonne mit der Polhöhe zusammen 90^ 
ausmacht« Dagegen wenn Tang. Abw.XTang, Polhöhe =: — 1 
i^ , so ist C D = — 90*^ und die halbe Länge der Nacht dem 
"Winkel = 90"* — C D = ISO"* entsprechend , = 12 Stunden, 
80 dafs die ganze Nacht 24 Stunden dauert , und dieses findet 
für die nördliche Halbkugel statt, wenn die südliche Abwei-: 
chung = 90' — nördl. Polhöhe ist. Es läfst sich leicht zei- 
gen , dafs beide Falle nur für Puncte innerhalb des Polarkreises 
oder auf dem Polarkreise selbst statt finden können , indem der 
Polarkreis da liegt, wo die Polhöhe =90' — gröfste Abweichung 
der Sonne = 90** — Schiefe der Ekliptik ist. 

Wenn Tang. Abw. X Tang. Polh. > 1 ist, so deutet die- 
ses an, dafs es keinen Werth für CD mehrgiebt, das heifst, 
dafs die Sonne gar nicht mehr den Horizont erreicht, entweder 
weil sie gar nicht mehr an dem bestimmten Orte untergeht, .odeiC 
gar nicht mehr aufgeht. Wenn die Sonne in dem ganzen Laufe 
der 24 Stunden nicht aufgeht, so ist die lange Nacht eingetre« 
ten , welche in der Nähe des Polarkreises nur so lange dauert, 
als die Sonne ihrer gröfsten Abweichung ganz nahe ist, also nur 
^ einige Tage um die Zeit, wo wir unsern kürzesten Tag haben; 
näher gegen den Pol hin dauert sie länger, und es ist für jede 
g^ebene Polhöhe eines Ortes innerhalb des Polarkreises leicht, 
ihre Dauer zu bestimmen, wenn man die Zeit aufsucht, welche 
zwischen den beiden Zeitpuncten verfliefst, wo die Sonne die süd^ 
liehe Deklination erreicht, die das Complement der Polhöhe ist« 
Für 70° nördliche Polhöhe fängt die lange Nacht ah , wenn die 
Sonne am 21. Nov. die südliche Abweichung = 20" erreicht, 
und dauert, bis die Sonne am 20« Januar wieder zu eben der De- 
klination zurückkehrt. Unter dem Pole dauert die so be- 
rechnete Wintemacht 6 Monate, von einer Nachtgleiche bis 
zur andern. 

Die wahre Dauer unserer Nächte , sofern wir darunter die 



N^cht. 8 

Zeit yersteheii, wo die Sonne gar nicht über dem Horizonte er« 
scheint, nnd ebenso die Daaer der langen Winternacht in den 
Polargegenden y wird durch drei Umstände bedeutend abge- 
kürzt durch die Gröfse des scheinbaren Halbmessers der 
Sonne, durch die Strahlenbrechung und durch die Dämmerung. 
Jene Rechnung wurde für den Mittelpunct der Sonne so geführt, 
dafs Anfang und Ende der Nacht dann angenommen werden, 
-wenn der Mittelpunct der Sonne sich im Horizonte befindet; 
aber schon darum ist die Nacht ein wenig kürzer, \^eil der 
obere Sonnenrand später als der Mittelpunct untergeht ; dieser 
Unterschied beträgt wenig in unsern Breiten, aber am Pole ver- 
-vv^eilt der obere Rand 16 Stunden länger als der Mittelpunct 
über dem Horizonte. Merklicher ist noch die Abkürzung der 
Nacht durch die Strahlenbrechung , da diese selbst bei uns und 
bei gewöhnlichem Zustande der Luft die Sonne gegen 4 Minu« 
ten £rtiher am Morgen und gegen 4 Minuten später am Abend 
sichtbar bleiben läfst, als ohne Strahlenbrechung der Fall seyn 
"würde. In den^Polargegenden ist dieser Unterschied viel erheb- 
licher. Denn wenn auch unter 70® Breite die Strahlenbrechung 
am Horizonte nur 32 Minuten beträgt, so geht doch die Sonne 
zwei Tage früher schon auf einige Augenblicke über den Hori- 
zont hervor und zeigt sich auch am Anfange der langen Nacht 
zwei Tage später, als ohne Strahlenbrechung der Fall seyn 
würde. Die Strahlenbrechung ist in den Polargegenden um die 
Zeit, "^enn die Sonne so nahe zum Aequator zurückkehrt, dafs 
sie sich im Meridiane auf einige Augenblicke zeigen kann , viel 
STöfser, und die ununterbrochene Nacht wird daher sehr bedeu- 
tend abgekürzt. Ja, wenn in der Angabe, dafs die auf Nova 
Zembla überwinternden Holländer schon am 24. und 27- Januar 
1597 die Sonne sahen , kein Irrthum ist , so war damals die 
Polarnacht um mehr als 2 Wochen abgekürzt *. Endlich aber 
ist bekannt, dafs in allen Gegenden der Erde die Dämmerung^ 
die Nacht sehr stark abkürzt. Auf dem Pole selbst mufs sich 
vom Ende des Januars an bis zu Aufgang der Sonne und vom 
Untergänge der Sonne bis zur Mitte des Novembers eine Spur 
von Dämmerung zeigen, und in Gegenden, die dem Polarkreise 
näher liegen, zeigt sich, wenn auch die Sonne nicht mehr 



1 S. Art. Slrahlenhrechung, 

2 S« Art. Dämmerung» 

A 2 



4 Naohtgleiche. 

aufgeht y doch um die Zeit , da sie dem Horizonte am nKchsten 
kommt, eine Dämmerung; unter 70^ Breite tritt diese selbst 
mitten im Winter sehr merklich ein', unter 80* Breite ist die 
Zeit, da die Sonne nie bis auf 10^ sich dem Horizonte nfihert, 
auf die Tage vom 21' Nov. bis 20. Jan. beschränkt und also 
2 Monate nach und 2 Monate vor dem Nichtaufgehen 'der Sonne 
eine starke mittägliche Dämmerung bemerkbar. B. 

Nachtgleiche. 

Zeit der Nachtgleiche; Aequinoctium ; 

Equinoxe ; the Equinox. Sie ist der Zeitpunct, da der Mit- 
telpunct der Sonne sich im Aequator des Himmels bafindet, wo 
er also genau einem Puncte des Aequators der Erde im Scheitel- 
pnncte steht* Es findet dieses im Jahre zweimal statt , bei der 
Friihlingsnachtgleiche , wenn die Sonne in die nördliche Halb- 
kugel , bei der Herbstnachtgleiche , wenn sie in die südliche 
Halbkugel übergeht*. 

Da wir gewöhnlich auf den geringen Abstand vom Aequa*^ 
tor nicht sehen , den die Sonne schon im Laufe eines Tages er- 
reicht, so sagen wir von dem Tage, wo das wahre Aequinoctium 
eintriiFt , dafs da Tag und Nacht gleich sey ; strenge genommen 
geht die Sonne ein wenig nach 6 Uhr auf, wenn ungefähr um 
die Zeit des Mittags die Sonne im Aequator ist , so dafs in die- 
sem Falle die dem wahren Aequinoctio vorangehende Nacht 
noch etwas zu lang, die folgende etwas zu kurz ist, was indeüs 
immer wenig beträgt. Sofern wir dieses bei Seite setzen, ist 
der Tag der Nachtgleiche derjenige , wo auf der ganzen Erde 
die Sonne ebeii' so lange über als unter dem Horizonte verweilt, 
wo sie im genaujen Ostpuncte aufgeht und im genanen West- 
puncte untergeht. 

Der Tag der Nachtgleiche ist im Frühling der 21ste März, 
im Herbste der 23ste September, und nur, weil das Jahr etwas 
länger als 365 Tage ist , trifft diefs nicht immer genau ein ; un- 
sere Einschaltungen sind aber so eingerichtet , dafs die wahren 
Nachtgleichen sich nie erheblich von jenen Tagen, entfernen s 
können. jB. i 



> 



1 S. Art« FrühlingtnachtgUiehe ; Herhnnachtghicht» > 



' ' AeqninoctfalpQiiöf«; Püftcta aeqainoctkh' 



■ • ■ -• ■ • I ■ , . 



^MamTSMMmmt^mim uäumj^.^ ., Da dit Sofime tidbt d«on i« 
difiten i^iacl«! befind«!, "vrmni-^iffiJag« dM Tag^ und d«r 
NiMlit anf dtt fiu«n ib^ gW^ Mbeniiedaliex Ji)bam 

Nimen, vad da n^oit dam Emtnttä dar Sonne in dies« Ponet« 
dar jbifiiifg AMTi6li|ingi änjPdaa ftaibatfis beatinrait ist, äo nn^ 
t »wa fh «d « r m^ imjfwa^^f^^^ derfik, 

di« Baiwolinar dc^ iWiidBiJjjjfcl^^ der I>jaraliaahnitMpni>fll. 
iBBi Wi4d«r ifti T0HtIVw«t^d^,i)9|ipni^^ in d« 

W»agttli0gt^ ' "^ '-•[' M^'ff^T '„••.,,,.. ^. , 

dar Linge vß^ ab* A^tjEa^gW^Ht ^ 8«F*4^Q Anfst^gmig , jdl^., 
Baatinnmnigm'dar l4g«. d^ Hk^pudiUfipar «um Grmida ^ miji^ 
diaahalb ist aajjpfi gfsaNna K^ntn^k aaliryiohtig; aW da «r aqi 
Hiaunal dnrcb^oifhli %ßmiA%^ \ dft./ni iä>ardialli ▼arinde^^iol)^' 
ist, ao Iwnaw ntfr^pqttaUinr^ dadarch dalk wir «aina xalaüiD^. 
Lag« gegen Fixt^nm« .baatiiEpi^:^ , angegeben werden. Bei dia« 
ser Bestimmung sehen wir den Ort der Fixsterne als im streng- 
sten Sinne nnverifindetlich an ; dieses ist erlaubt, dg die eigenen 
Bewegungen derselben erstlich geringe, zweitens aber auch da- 
durch bestimmbar aind^, dab man jene relative Lage in Bezie- 
hung auf mehrere Fixsterne sucht , wo äich dann die Veränder- 
hchkeit der Lage der Fixsterne leicht von der Veränderlichkeit 
der Lage des Nachtgleichenpnnctes unterscheiden läfst. 

Di« Beobachtung der Sonne und eines Fixsternes am Mit-*, 
tagsfemrohre gibt unmittelbar den Abstand der Spnne im Au- 
genblicke der Cnlmination Ton diesem Fixsterne in. gerader 
Aufsteigung an,, und wenn man mehrere Tage nach einander, 
beide Beobachtungen wiederholt, so erhält man die Verände- 
Tung der Rectascension der Sonne , weil der Fixstern während 
so korxer Z^it als ein unveränderlich fester Pnnct des. Himmels 
anzusehen ist. Da nun der Punct der wahren Nachtgleiche 
derjenige ist, wo der Mittelpunct der Sonne sich genau im Ae- 
qnator befindet,* so lä&t sich dieser, wenn die Polhöhe des 
Orts bekannt ist, aus mehrem um die Zeit der Nachtgleichen an- 



Nachtgleichenpuncte« 

gestellten Mittagsbeobachtungen der Sonne finden« Aus der 
von Refraction und Parallaxe befreiten Mittagshöhe der Sonne 
kennt man^ die Abweichung der Sonne im Augenblicke des 
wahren Mittags. War nun diese um d Minuten südlich am 
einen , um d' Minuten nördlich atn andern Tage , ' und fand man 
am ersten Tage den Unterschied der geraden Aufsteigung der 
Sonne und eines Sternes = a,- am zweiten Tage ==a-)-^A9 so 
schliefst man leicht , dafs die in gerader Aufsteigung gerechnete 
Entfernung des Sternes vom wahten Nachtcleichenpuncte öder 

die wahre Rectascension des Sternes :== a -|- ^ /j a ist» Ducch 

d -|- d 

eben diese Beobachtung bestimmt man auch die Zeit^ wann der 

zwischen beide Mittage fallende Zeitpunct der Nachtgleiche war«' 

Diese Rechnung "ist genau genug, weil die Aenderüng der De^ 

klination der Sonne um die Zeit der Nachtgleiche genau gleich^ 

förmig ist, aber sie setzt die Refraction und die Polhöhe dbs Ortes 

als vollkommen bekannt voraus. Dürfte man diese als im. streng-»' 

8ten' Sinne genau bekannt annehmen und den Nachtgleichen-^- 

punct als unveränderlich ansehen , so köntite man auch zu jeder 

andern Zeit, wo die Abweichung sich nicht zu langsam ändert, 

aus der Abweichung = D und der bekannten Schiefe der Eklip« 

tik==e die gerade Aufsteigung der Sonne c^A durch die For*> 

itel Sin. A= -- ^* — »uchen und dann au^ dßm Unterschiede 

Tang, e 

der Rectascension der Sonne und des Sternes = a die Rectascen- 
sion des letztern =a-|- A, wenn die Sonne sich zwischen dem 
Sterne und dem Nachtgleichenpuncte befindet^ angeben; steht 
der Stern zwischen der Sonne und dem Nachtgleichenpuncte, 
oder hat man A als einen von der Herbstnachtgleiche anfangen-' 
den Bo^en bestimmt , so bringt man die leicht zu übersehenden 
Aenderungen der Formel =:a + A ah. 

Aber sowohl die Refraction, als auch die Polhöhe des Ortes 
und die Schiefe der Ekliptik sind Gröfsen, die man bei der 
Berechnung der Beobachtungen nicht allemal als strenge be- 
kannt voraussetzen darf^ eine Methode, wo man dieses nicht 
nöthig hat , ist daher vorzuziehen. Eine solche ist die Herlei- 
tung der wahren Lage des Nachtgleichenpunctes oder, was das- 
selbe ist, der wahren iRectascension eines Sternes aus zwei 



V Ytirgh Ahwächung ^A. I. 8. 129, 



Nacht gl eich enpüncte. 7 

Mittagshöfien, bei denen die Sonne das eine BTal nach der Früh- 
liogsnachtgleiche , das andere Mal vor der Plerbstnachtgleiche 
dieselbe Deklination und daher dieselbe Mittagshöhe erreicjite. 
Im Allgemeinen nämlich, wenn a und a' bei den beiden Beob- 
achtungen den Untersciiied derRectascension der Sonne und des 
Sternes angeben und A kurz nach der Frühlingsnachtgleiche, 
i8ff -^ A' kürz vor der Herbstnachtgleiche die Rectascension 
der Sonne, D, D' die Deklination der Sonne bezeichnen , so 
ist die. in beiden Fällen gleich bleibende wahre Kectascension 
des Sternes, =(a)=;a 4- A und =;a' + ISO"* — A' , und wenn 
A vom Friihlingspuncte an und A' vom Herbstpuncte an gleich 
lindy so hätte man (a)=90* + T(a 4-0- Aber die Formel 
^. - Tang, D . _ ^ , 
Sin. A= Yä^ 8^ "^ genau, wenn D und e, welche 

man nicht als mit absoluter Strenge bekannt ansehen kann; 
fehlerhaft angenommen sind, und der aus dem Werthe von A 
hervorgehende Fehler ,c/A ist 

_ _1 ^D Tang. D Je 

Cos. A ■ Cos. 2 D . Tang, e Cos. A ' Sin.* e 

_ z/D,Tang. A _ ^e;Tang.A . 
Sin. D . Cos. D Sin, e . Cos, e ' 
Dieser Fehler erhält in dem Ausdrucke für A' eben dieselben 
Zeichen und es ist daher, wenn A' =^ A ist, 

Sin. D , Cos.D 
weil der in einer unrichtig angenommenen Schiefe der Ekliptik 
begangene Fehler J e gewifs in beiden Fällen gleich ist. Aber 
auch ^D wird fast völlig =JD' seyn ; denn die Deklination 
wird in diesem Falle aus gleicher Mittagshöhe bestimmt, und 
die Fehler dieser Bestimmung können nur folgende seyn , deren 
nahe Gleichheit leicht zu erweisen ist, 1) Die Refraction, wenn 
!iie auch nach unrichtigen Regeln berechnet würde, ist doch 
nur sofern mit ungleichen Fehlern behaftet, als Temperatur und 
Druck der Luft nicht bei beiden Beobachtungen "leich waren ; 
diese Ungleichheit ist aber sehr genau bekannt , und die wich- 
tigste Unsicherheit in Bestimmung der Refraction , wie sie sich 
mit der Höhe über dem Horizonte ändert, hat hier, als gleiclie 
Fehler gebend , keinen Einflufs. 2) Die vielleicht nicht genau 
bekannte Polhöhe bringt einerlei Fehler hervor , der sich also 
ganz aufhebt, 3) Die Parallaxe der Sonne bringt eine bei vei- 



8v ( Nadin Nairium. 

schiedener Sonnenhöhe ungleiche, hier ako eina gleiche Höhen'* 
parallaxe hervor, und auch diese Fehler heben lieh auf« 4) Die 
Deobachtungsfehler , wenn die Beobachtungen mit einerlei In- 
atrumente angestellt sind, werden in gleichen Höhen wenigstena 
aofemi als sie von Unrichtigkeit des Instruments abhängen, gleich 
sayn, und auch sie £aUen also hier mehr als in andera Fäl- 
len gegen einander weg. Man kann daher offenbar ^s mit 
(^D-^/tiy) multiplicirte Glied bei diesen Beobachtungen al» 
sehr klein und als weit genauer bekannt ansehn , als es bei an«* 
dem zusammengestellten Beobachtungen der Fall istt 

Wendet man ganze Reihen von Beobachtungen an, so mufs 
man allerdings auf das Vornicken des Nachtgleichenpunctes und 
auf die Aenderung der Schiefe der Ekliptik Rücksicht nehmen^. 

Diese Nachtgleichenpuncte verändern ihre Stelle am Him- 
mel, worüber ein besondrer Art^el| Forrüchen der Nachtglei-^ 
chm^ handeltf B* 

Nadir« 

Fufspunct; Nadir; derjenige Pnnct, Welcher 
durch die unterwärts verlängerte Verticallinie getroffen wird. 
Er ist also dem Scheitelpuncte , Zenith, antgegengeset^ und 
beide liegen in den Polen des Horizonteft 

Da, die Erde keine vollkommene Kugel ist, so ^trifft die 
Scheitellinie unserer Antipoden nicht genau mit der unsrigen zu- 
samttien ; auf einer vollkommen kugelförmigen Erde würde ge«- 
nau das Zenith unserer Antipoden unser Nadir seyn. 

Dafs jeder Ort auf der Erde sein eignes Nadir hat und 
dals init jeder Veränderung des Ortes , den wir einnehmen, eine 
verhältnifsmäfsige Veräuderun|[ des Nadir« verbunden ist, ver* 
steht siph von selbst« ff* 

N a 1: r i u m, 

Natronium; Natrium; Sodium; Sodium- 

Zuerst 1807 ^09 Davt aus dem Natron ausgeschieden findet 



T^r^ 



t Aaf diese Weise sind die Rectaspensionen der 14 Hauptsterpe 
bestimmt in: Fandamenta astronomiae, dedacta ck obsenr» ceLBradlej^ 
«uct Besseh p, 17* 



)• 



Natrium. 



es sich im Steintalxe^ In einigen Natroniftlxeiiy die im Meerwat^ 
«er und mehieren Mineralquellen vorkommen , und in mehreren 
zur Familie des Zeoliths und des Feldspaths gehörenden Steinen« 
Man stellt das Natrium nach denselben Weisen dar, Tvin 
das Kalium^, mit dem es überhaupt in allen physischen und 
chemischen Verhältnissen die grölste Aehnlichkeit zeigt. Es ist 
zinnweifs von 0^972 spec. Gew., bei ^-* 20* ziemlich hart, bei 
0" sehr dehnbar, bei 50° weich und bei 90" flüssig« Nahe beim 
Schmelzpnncte des Glases verwandelt es sich; in einen farblo- 
sen DampC 

£s bildet mit dem Sauerstoffgas das Natrium «Suboxyd, das 
Natron und das Natrium - Hyperoxyd. 

Das Suboxyd*imd das Hypwoxyd des Natriums verhalteSr 
sich denen des Kaliums ganz ähnlich. 

Das Natron^ NcUriumoxyd^ mineralische Alkali (233 
Natrium auf 8 Sauerstoff) entsteht ans dem Natrium ganz unter 
ähnlichen Verhältnissen, wie das Kaliumozyd aus dem Kalium; 
doch bedarf das Natrium, um andern Körpern den Sauerstoff* ziSi 
entziehen , meistens einer .hohem Temperatur, und es entzündet 
sich in Berührung mit Wasser und Luft nur dann , wenn wenig 
Wasser einwirkt« da eine grOlsere Menge. desselben durch War«* 
meentziehung die. Entflammung hixidert. Das wasserfreie Na-« 
tron wird wie das wasserfreie Kali erhalten und) zeigt die« 
selben Eigenschaften, nur dafs seine Aet^kraft etwas schwä«» 
eher ist. 

]\lit dem Wasser . geht das Natron dieselben drei Verbin-* 
düngen ein, wie dad Kali, nämlich zu Hydrat, krystallisirtem 
Natron und wässerigem iVa^roTi, -.welches ebenfalls Aetzlauge 
genannt wird. Sie werden auf dieselbe Weise bereitet , wie die 
entsprechenden Kaliverbindungen, und zeigen dieselben £igen<* 
Schäften* ' 

Die Natronsalze unterscheiden sich von den ihnen so nahe 
verwandten Kalisalzen dadurch, dafs sie beim Anschiefsen aus 
ei Der wässerigen Lösung gröfstentheils Krystallwasser in sich 
aufnehmen und damit mehr oder weniger verwitternde Kry-r 
stalle bilden und dafs ihre wässerige Auflösung weder durch 
schwefelsaure Alaunerde, noch durch schwefelsaures Platinoxyd, 
noch durch Weinsäure gefället, wird. Die wichtigsten Natron- 



1 S. dieses Wörterb. Bd. V. S, 8S7. 



10 Natrium. 

sdre sind: ' Solp^tet^aurea Natron, Ahomhoidal " Salpeter, 
Wasserfreie s'tiimpfe Rhomboed^r, mit KoMe viel schwächer 
inerpiiifend, als salpetersanres KaK, nod deshalb nicht zur SchieCs- 
pidverbereitang geeignet , in 3 kaltem Wasserlöslich. 
\.-'. Schwefilsaurea Natron j Glaubersalz, Es- schiefst ans der 
trisserigen Lösnng'iii der Hitze ohne Wasset: an , in der Kälte 
»'«Verbindung mit tiel Wasseren groben ^ wässerhellen, gera- 
deoThomboidisoheb Seülen', 'von bitterlich salzigem Geschmack, 
kl' • gelinder Wäime . ischmeEzend , an' der Ltift-^schnell verwit^. 
temd. Das Salz zeigt eine auffallende Verschiedenheit* hin^^ 
sidhtlich seiner -Löslibhkeit '"in Wajf88r^'!:xb.iiaöh;der Temperatur, 
da es bei 0^ C. 8 Theile Wasser zut -AofiOSviig braucht, bei 
33"? abet 4tel imd Bei 50® nur^^tel ; eine bei 33° gesättigte Lö- 
sung setzt daher beim Erkalten gewässerte^ beim Erhitzen wäs-^- 
4azfireielKryttalIe ab^ • A • 

.' DtM.finfächii^pkaiphorsaürk Natron schiefst in schiefen, 
shonibisbhen . Säüleh Wy weldhe - schnell vertf^-ern •, bei gelih- • 
der'Wärme in-ifaranKrystallwasser ^schnell schmelzen und' 
sich in. 4 kaltem .Wasser lösen. IAlS doppelt •^phoaphoreüure 
lya^^VTiiliefer^ in der 'Glülihitze ein dtOvsKsichtiges Glas. 
* i.'iDö» boraxaiutre'Nmron Borax (im rohen Zuistande Tinhal) 
eeUeCit abs der wässerigen I^ösung in der'Kält% in der gewöhn-^ 
Koh'en- Gestalt schiefer iettatignlärer Sänlen ^ dag^en in gelin^ 
der. Wärme in Oktaedern an-y di^^ul* halbsö^^fel-KrystaUwa«— 
ser enthalten. Die gewöhnlichen Krystalle verwittern an der 
LnS «berfläcfalich ,' ' veifwandeln sich beim 'firhitzen zuerst unter 
Schmelzung und Botwicklnng- des Wassers in- «ine schwammige 
Masse^'-Sen gebritnnteh'^Btfra* y dann i<iijier ^Glühhitze in eine 
salie, durchsichtige y-^^eim- Erkalten erstarrende Masse y das Bo^ 
raxglas. Da dieses, beim Schmelzen verschiedene Metalloxyde 
und andere Körper auflöst und dadurch Aenderungen in Farbe 
iiäd:Durchsichtigkeir erleidet-, io dient der Borax, um vor dem 
Löthrohre die Natur dieser 'Stoffe au erkennen. • 
i\ ' ■' Das einfach-^ kohlensaure Natron wird in sehr unreinem 
Znstande durch Einäschern von Strand- und See -Gewachsen 
als natürliche Soda und durch Glühen von schwefelsaurem Na- 
tron mit kohlensaurem Kalk und Kohle als künstliche Soda er- 
lialten. Das reine ^alz schiefst gewöhnlich in mit 2 Flächen 
zugeschärften schiefen rhombischen Säulen an , von alkalischer 
Reaction, leicht in Wasser löslich, wegen ihres grofsen Was- 



* • 

J^bHKy iiMlblkk«mibiAi£ti>4w'ittiMnk^idtiit iB dn AOta 
aOün IfioOTd^rfaMM.''"'«''^ *-^' •• •• -'* """' •. '"•"••' • • n-« 

liM^At dtknHMptbMMillMa :aw lÜI^Mti^Mlettima «1»^' ^ 

Bote Kiifcfih ÄMri B gJ iB faw i fa ttMfcHoiy^nirii« aks N«Mi 

Wiwipwiiiliiwlifllm raiMhräto' iniil'kSalkteiisMmia NaMtaf 
dU raclL IUI fabjbntnw wfti# 

nch dai xtunt "entstehende IdeselMoire XaU mit dem GfaÜMttli 

diM niclie mir dtf'dUwbteir ridiidhfcWvieer.Vuid Üeh bii Je« 

übrigen UnreinigIceSbfl^«l»^IilgalU erhebt*; laacbt kann mah VAm 

Kieselerde mit 8ch\^efeleMirem' Natron, KbUe" und etwas ICfllll 

schmelzen (GlaubersUzglas^T. ' -Durch 2ufiatx von Kalk läßt sidi 

überhaupt Natron iersparen (Kreideglas) , doch Terschlechtert eiis 

Uebermafs desselben des Gläs. * ' - . t ;> 

Oxydirende Zusättie, wi^ Salpeter, "arsmi]^:S&ire'.nilf 

Brannstein , die in sehr kleiner Menge angewiahdt Werden y Im^ 

zwecken die Oxydation der etwa in den Ingredienzien errthaltf 

teoen Kohle und des Bisenöxyduls, da ersteire dem Glase eiaie 

braune, letzteres eine grüne Farbe eHheilen »winde'; !dqch'/be4. 

wirkt ein» zu grofse Menge der arsenigen Säuret. eine weiCui 

Trübung, so wie ein Uebermafs von Braunstein rothe Färbung 

veranlafst« Das Geip'enge. diet^r Ingredienzien, die Frltte, 

wird entweder zuerst in einem besondern Ofen , dbm Frittofen, 

der schwSchern Hitze ausgesetzt,' oder kothmt,' 'wenn es nicht 

so sehr an&cbäumt, sogleioH'in die GlashSfen. Diese sind 

grolse, ans sehr gutem' Thon geformte Tiegel^ die sich xa6 

vad mehr in' einem gemdbsohaftlichen Ofen^ dem Glasöfen, be- 

findtn. . 0ie Masse wird hicdn 12 bis M Stünden lang ge- 



i». 



12 NebeL 

schmolzen, bis das Glas weder Kdrneri nocb Streifen und Wol- 
ken, noch Bksen' mehr zeigt. Die K(fmer sind noch unaufge- 
Itfstex Quarz, sie verschwinden umso eher, je stärker die Hitze 
oder, je gröfser das Verhältnifs von Alkali ist; daher vermehrt 
man au^iashiitten , auf denen das Brennmaterial gespart wird, 
die Menge des Alkali^s oft übermäfsig und erzeugt dadurch ein 
Glas, welches an der Luft leicht blind wird oder, nachdem' 
•s einige Zeit der Luft ausgesetzt gewesen war, schon bei 100* 
XBuh und schiilferig wird. Die Streifen und Wolken rühren von 
Glasgalle her, die noch nicht Zeit hatte, sich über die Glasmasse 
zu erheben, und die Blasen rühren vorzüglich von zurückgeblie-r 
benem kohlensauem Gase her, Naeh Beendigung der Schmel- 
zung schöpft man die Glasgalle ab | formt die Glasmasse und- 
bringt sie dann in den Temperir- oder Kühl«* Ofen, worin man 
sie vom Glühpnncte aus allmälig immer weiter abkühlen lälst. 
Das Natronglas ist schmelzbarer und härter als das Kaliglas und 
wird zu den gewöhnlichen Zwecken vorzugsweise verwandt, 
während das Krön- und Krystallglas vorzugsweise Kaliglas 
enthält. 

-' Die Verbindungen des Natriums mit Fluor, Chlor, Brom 
«nd Jod 'sind im Wasser löslich und krystallisiren in Würfeln 
and Oktaedern; Die wichtigste dieser. Verbindungen, das 
Chlornatrium^ wird theils als Steinsalz^ theils durch Abdam- 
pfen der Salzsoolen und des Meerwassers als KocIuaU und See-^ 
atdz erhalten. Es verknistert meistens im Feuer , schmilzt in 
der Rothglühhitze , verdampft in. stärkerer und löst sich in 2,8 
Theilen kaltem und wenigstens 2,7 Theilen kochendem Wasser. 
Mit Schwefel ist das Natrium gleich dem Kalium in verschiede- 
nen Verhältnissen zu röthlichbraunen Massen verbindbar, die 
mIm Natronschfpefelleber unterschieden werden und bei deren 
Lösung in Wasser hydrothion- und hydrothionig- saures Na- 
tron entsteht« G. 

9 

Nebel. 

JN<g&2//a; Brouillard; Fog^ Mist (sehr nasser Ne- 
bel), Haze C^hr dünner Nebel, das was in einem nieder- 
deutschen Provinzialismus Duft heilst). 

Es ist bereits an mehreren Stellen dieses Werkes über den 
Wassergehalt der AtmosphSre und überhaupt über die Bestand- 






• ■ 
llUBil^lMf IMmPi 'pHHpMNi^POraiB^ ^CB^rHlO ■NV TOB 4Miv 

We««i «ad Im JüjlaiAi BMduffiHilMlt dMAlbm olui» Wiilif» 
ms in B<lwwiitttng.^iiitoti - gnrtMhit '^MMJik l^m BfaJictf Otfl 
tne NAd m» mmbr od«r noba« didttt » •Bm\ dUitr tadi' lüH^ 
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>ndltidh«rfbMaiÄi*tw«Mdi te OädM dw W M 

Art ist, 4äb «Ma ^«M M)l^^ 

clw Ifi&vmtiliidiiitAllfaltf:^^^ ifriid.-'Bir gbbrteai^ 

TttscUdbiM MbMg kl a«iktflioij^Mte «Äyi^^ SiilMM^ 
«By /wdciw jmgiiiKt Ni^ geüulif ^ ü|Piidk* älMr ^diMk 
l iu n i fta iln i i r ft ii l 1 1 Mit litifrmMritn wmrdtiiy ttfid •* ist'ddlÜi 
am swMftMlikigrtMv «tont iron im fimoMni Nebtbi JM 
a—mhlut ^ jbrt ^itwaifliton Bpdiilwflaigto am hindiiy "^ 

I&i.ifdilMi oto khhohlwag tagwiaalia^llMMJ liiitAdl^ 

MM i»teM%n DninriJMwn^ odir mu WiiilrtfiiMN» d«Nii 

dgeBtliffiinliflhn BttinlmflRMihiit hniu *äsfilkä(di «MM wwAi% 

ist^. Ans dem bimiber Gesagt eil folgt von selbst, dsfii der Ne^ 

bei mir in einer mit Wasserdempf gesättigten Luft existiren kino, 

indem die nicht gesättigte in sehr kurzer Zeit den entstandeiHitt 

Dunst, nachdem er durch seine sensible, hierdurch aber latent 

werdende "Wärme in Dampf verwandelt worden , in sich auf» 

nehmen würde, wie tägUohe Erfahrungen durch die Beobachtung 

der nahe über der Oberfläche des helTsen oder siedenden Wasseri 

sdiwebenden Dünste genugsam beweisen. Wenn daher ns Luc * 

nndAL. t« Humboldt^ das Gegentheil gefunden haben, so liegt 

die Ursache hiervon in der UnVollkommenheit des gebrauchten 

Fischbeinhygrometers, wie Kamtz ^ richtig bemerkt, dessen 

eigene Versuche , eben so wie die früheren von ns Saussuax^, 



1 TergL Art« ]\iUt€orologig f wo die übrigen Stellen nachgewie- 
lea sind« 

2 Vergl. Art. Durut Bd. II. 8. 644. 

8 Id^ee snr la mdt^orologie. II. Tom. Lond. 1786. 8. T.II. p. 38, 

4 Toyage eet. T. lY. p. 261. 

5 Meteorologie Tk f. 8. 866. 

6 Yersneb über die Hjgromelrie. Lelps« 1784« $• 824. 



.* 



14 NebeL 

|3ie Thatsache selbst 9Xifser Zweifel setzetu Uebrigens erzählt 
auch SconESBT^, dals Leslxe's Hygroi^eter im dicken Nebel 
.xuweilen mehrere Grinde der Trockenheit zeige , wonach also 
jdieliuft nicht mit Wasserdampf gesättigt seyn könnte. Allein 
jsuch dieses Hygrometer kann ich, aus bereits ^ angegebenen 
Gründen y nicht für absolut zuverlässig halten, insbesondere 
wenn die Schwierigkeit seines Gebrauches mit berücksichtigt 
.wird. Zugleich berichtet derselbe ^ dafs an -der Küste von Nea- 
llindland oft im dicksten Nebel Fische getrocknet werden , allein 
nur dann, wenn die Npbel, wie dort gewöhnlich, nicht hoch 
^d , so dafs die Sonnenstrahlen durchdringen und also in den 
beschienenen Felsen und den auf ihnen befindlichen Fischen 
Wärme entwickeln. £s folgt demnapti. auch, dafs die Luft, in 
^jelcher sich Nebel bilden, unter die Temperatur des Sätli- 
gungspunctes mit Wasserdampf erkaltet , seyn mufs, unter wel* 
eher Bedingung dann das Entstehen der Nebel leicht erfolgt. 
Die erforderliche Temperaturverminderung der mit Wasserdampf 
gesättigten Luftschichten erfolgt jedoch keineswegs ausschliefs- 
lieh durch Beimischung kälterer, woraus James Huttoet^ alle 
Ifebelbildung zu erklären geneigt ist, sondern durch die man- 
jugfaltigsten verschiedenen Ursachen. Es ist demnach leicht 
erklärlich, dafs beim Zutritt der Luft unter exantlirte Campanen, 
in denen sich Wasserdämpfe befinden , plötzlich ein Nebel ent- 
steht; denn entweder die eindringende Luft ist mit Wasser- 
dampfe gesättigt oder mindestens feucht, so folgt von selbst, 
dafs der Raum unter der Campane nicht den in ihr schon vor- 
handenen und den hinzukommenden Wasserdampf fassen kann ; 
oder sie ist trocken , aber auch dann wird sie den ein^eschlos- 
8enen Wasserdampf so schnell in einen kleinern Raum zusam- 
menpressen, dafs ein Theil desselben zur Dunstform übergehen 
mufs. Umgekehrt beobachtete JoHsr Roebuck^ im Gebläseka- 
sten des Hochofens zu Devonshire das plötzliche Entstehen ei- 
nes Nebels, als die Compression der Luft nach dem Anhalten 

des Gebläses aufhörte , welche Erscheinung aus der durch die 

^i"^^— ^^«^— ■^^■^^" 

1 Tagebuch einer Reise auf den Wallfischfang a. s. w. 1822. 
Uebers. yod Kries. 1825. 8. S. 201. 

2 S. Art. Hygrometer, 

3 Edinb. PhiJ. Trans. Vol. I. 

4 Aus Trans, of tho Roy. Sog. of Edinburgh. T.: T^ N. 2, in 
Gw A. IX. 51. 



Feuchter« t^ 

Expansion der .elogescUoMenea Lnft 'beiüogteii KSlto ertdÜ^ 
lieh wird. .... 

Schwerlich giebt es irgend einep Ort aaf der Oberfläche der 
£rde, wo niemals ein Neblsl gebildet würde, ausgenommen dieje- 
nigen Gegenden, woselbst wegen übergrober Trockenheit dpr Luft 
Kegen und selbst Thau gänzlich f eklen , namentlich im. Innern 
der asiatischen und africanischen Sandwiiaten. Obgleich näm-* 
Jich die Temperatur an einigen Orten daselbst wahrend der Nacht 
beträchtlich herabsinkt, so ist es doch wegen der nachhaltendem 
.Wärme des dürren Sandbodens kaum möglich) dafs sie unter 
den Sättigungspunct der Luft .mit Wasserdampfe ' herabgehen 
und dadurch die Bildung des Nebels bedihgen sollte. Es sind 
daher allerdings Gründe vorhanden ^ die Vermuthung von 
Kamtz^ für richtig zu halten^ dafs.die von Reisenden ip jenen 
Gegenden beobachteten Nebel trocken und hauptsächlich aus 
feinen Staubtheilchen bestehend gewesen seyn mögen. Im Gan- 
zen ist die Menge des Nebels an den verschiedenen Orten so- 
"wohl rücksichtlich seines öftern Erscheinens, als auch seiner 
Dichügkeit der vorherrschende^ Feuchtigkeit und dem leichtflh- 
ren oder häufigem Wechsel der Temperatur proportional. Am 
anhaltendsten und dicksten sind sie daher an den Küsten des 
Meeres oder grofser Seen , und zwar in steigender Progression 
von den Wendekreisen an bis zu den Polarkreisen , von welcher 
Grenze an sie jedoch nach Beobachtungen und Wahrscheinlich- 
keitsgründen wieder abnehmen. Unter den Polen selbst näm-^ 
lieh hindern schon die anhaltend langen Nachte und der ganz 
erstarrte Boden den Wechsel der Temperatur, und aufserdem 
ist die letztere so niedrig, dafs die Luft überhaupt keine grofse 
Menge von Wasserdampf enthalten kann. 

Auf dem offenen Meere bietet die unermefsliche vorhandene 
Wassermenge die Mittel dar, die atmosphärische Luft mit Feuch- 
tigkeit zu sättigen, und wenn dann die Temperatur sinkt, so 
ist hierdurch die Bedingung zur Nebelbildung gegeben. Die 
leaelmäfsisen Passatwinde sind jedoch trocken und hindern 
somit die Sättigung der Luft mit Dampf, sobald aber die Schiffe 
über den Bereich derselben hinauskommen , haben sie Nebel zu 
erwarten. La Perouse * erzählt daher, dafs sein Schiff am 

1 Meteorologie Th. I. S. 372. 

2 Voyage de la P^rouse autour du Monde, publid par Millet- 
MuüEAU. Par. 1797. IV. Tom. T, U. p. 131. 



16 Nebel. 

igten Juni 1786 nnter 30^ N. B. die Grenze des Fassatwindes 
überschritt, worauf dann bald der Himmel trübe wurde , und 
^clion am Qten unter 34^N.B. stellte sich ein bis zum l4ten an- 
lialtend fortdauernder .Nebel ein , welcher jede Beobachtung am 
Himniel unmöglich machte. Ungleichheit und Wechsel der 
Temperatur sind jedoch noch weit häufiger und stärker an den 
Kästen, wo die genügende Menge des Wassers zum Verdam*» 
Vifen nicht fehlt und der feuchte Boden nebst der über ihm be- 
findlichen Luft durch die Einwirkung der Sonnenstrahlen stär« 
ker erhitzt wird, nach dem Aufhören dieses Erwärmungsmit«- 
tels aber schneller und stärker erkaltet , als das in dieser Hin«* 
sieht minder veränderliche Wasser. Diese allgemeine Ursache 
kann obendrein noch durch Örtliche Bedingungen verstärkt wer- 
den , wie dieses namentlich an den englischen und norwegi- 
schen Küsten, desgleichen im Canale der Fall ist, wohin das 
wärmere Meereswasser des* Golphstromes fliefst, und umgekehrt 
an der Ostküste von Noi*damerica , wohin die Strömung des 
kalteh Wassers der Polarmeere gerichtet ist. La Perousb ^ 
klagt daher sehr über die anhaltenden und unausstehlich dicken 
ITebel an den Küsten von Neuschottland , Neufundland uiid der 
Hudsonsbay, noch mehr aber darüber, dafs die Küste von Mon* 
lerey und überhaupt von Califbrnien fast unausgesetzt in dicke 
Nebel gehüllt ist, mehr als die Ostknste von China, der chine- 
sischen Tartarei und von Labrador. Aehnliche Klagen fuhren 
Cook., Koss, Parrit, Scoresby- und andere, aber die Sache 
{st schon aus den Berichten älterer Reifenden so bekannt , dafs 
die neueren sie nur als solche kurz ' erwähnen; So sagt unter 
andern Kotzkbue^, dafs an der' Küste von Kamtschatka 18 
Tage unter beständigem Nebel und feinem Regen Verstricheui 
und V« Chamissd ^ von den Küsten der Insel St. Laufen tii, Una- 
laichka, der Bucht von Avaschka und San Francis<io, dafs zur 
Sommerzeit auf dem Meere ein dicker Nebel ruht , wekher sich 
nur auflöst , wenn er vom Winde über das wärmere Land ge- 
trieben wird« De l a Pilate ^ berichtet von seinem Aufent- 



1 Heise T« 11. p. 383. 

2 Entdeckungsreise io d. Slidsee a* s. w« Weimar 1821. 4. Th. 
II. S. 109. 

3 Ebendas. Th. III. 8. 161. 

4 Mdm. de la Soc. Lmn. T. IV. p. 462. 



Feuchter. 17 

halle anf Terre neuTe vnter 47** bis 50^ N. B. , dafs dicke , vom 
Meere kommende Nebel rej^elmäfsig sich nur im Mai und Sep- 
tember zeigen , an den Küsten aber häufiger sind , sehr fein zu 
ae3m acheinen, indem sie nicht nafs machen, selten oder nie 
durch einen Geruch kenntlich werden , die Menschen aber zur 
Traurigkeit stimmen, ja diesen Einflufs auch auf die Thiere 
haben. Sie zeigen sich bei unruhiger See und bei gänzlicher 
Windstille« Selbst an der Küste Ton Peru wird die SchiflFTahrt 
tDweilen durch die daselbst vier bis fünf Monate hindurch herr- 
schenden Nebel nach tov Humboldt ^ gefährlich oder minde- 
stens beschwerlich, am bekanntesten aber sind die Nebel an 
den niederländischen Küsten, namentlich zu Amsterdam, wo 
die durch sie veranlabte Dunkelheit verursacht , dafs Wagen 
gegen einander fahren und Fufsgänger in die Canäle gedrängt 
werden ^, Norwegens westliche Küsten haben viele und dicke 
Nebel, welche namentlich die Buchten oder Fiörden füllen. 
Ha Ursprung lälst sich leicht daraus erklären , dafs der aus dem 
varmeren Meere aufsteigende Wasserdampf über dem kälteren 
Erdboden oder in den minder warmen Räumen der Fiörden nie- 
dergeschlagen wird; schwerer erklärlich ist, dafs auch in der 
Gegend von Tomeö selbst im hohen Sommer oft anhaltende 
Nebel herrschen, bis der trockne Nordwind sie verscheucht, 
BUuFERTUis ^ leitet sie von der starken Erhitzung des Bodens 
in den langen Sommertagen ab , welche Ursache um so wirksa- 
mer ist, je mehr Wasserdampf namentlich in den kaheren Jah- 
reszeiten vom Bottnischen Meerbusen herbeigeführt und in den 
kalten gebirgigen Gegenden niedergeschlagen wird , woraus sich 
die vielen dortigen Quellen, Sümpfe, Bäche und Flüsse leicht 
erklären lassen. 

Auch die VJer grofser Seen sind häufig mit dichtem Nebel 
bedeckt, wie namentlich Andrew Ellicot * am See Erie beob- 
achtete, kleinere dagegen gleichen rücksichtlich dieses ihres 
Verhaltens mehr den Flüssen, über denen man häufig eine ih- 
rem Laufe folgende Nebelschicht wahrnimmt , wenn die umge- 
bende Atmosphäre völlig heiter ist« Dieses vielfach beobachtete. 



1 Aus Joum. de Phys. LIX. 429. in G. XX. 289. 

2 Yergl. Musscbbkbroek Introd. $• 2S19. 

3 Figure de la Terre p. 19. 

4 Traruact. of the Amer. phil. See. T. lY. 

VII. Bd. R 



18 NoKel. . 

in heiteren Sommernächten oft sehr interessante Phänomen ist 
zuerst durch Humfhrt Dayt vollständig erklärt und kann ge«- 
genwärtig wiederum zur Aufhellung verwandter Erscheinungen 
dienen. -Wenn nämlich an heiteren Abenden die Temperatur 
merklich herabgeht und reichlicher Thau fallt, so bemerkt man 
häufig über Wiesengrunde mit kurz geschomem Rasen eine w^e— 
nigeFufs über der Erde entstehende, nichtsehr dicke und oft nur 
wenig ausgebreitete Nebelschicht, welche zuweilen sehr schnell 
entsteht, picht selten dünnet oder auch dicker wird, und ht 
einigen Fallen durch einen «frischen Wind zerstiebt völlig ver— 
schtvindet, um nach einiger Zeit abermals zu entstehen ; in nicht 
seltnen Fällen erhält sie sich jedoch , und zwar dann meistens 
in gröfserer Dicke, die ganze Nacht hindurch und wird erst 
durch die. Einwirkung .der Sonnenstrahlen «m Morgen in Damp£ 
aufgelöst. 

Was hiemach über feuchtem Wiesengrunde, hauptsächlich 
in Niederungen , geschieht , ereignet sich eben so häufig über 
Flüssen y jedoch mit dem Unterschiede^ dafs die über diesen 
gebildeten Nebel dichter und: an den Seiten schärfer, oft gleich«^ 
.sam durch verticale , fast - ebene Flachen begrenzt sind. In 
.der Regel verschwinden anch diese Nebel beim Aufgang der 
Sonne, zuweilen erhalten sie sich jedoch bis einige Stunden 
später» H, DiivT hat dieses Phänomen auf vielen, namentlich 
deutschen, Flüssen anhaltend und gründlich untersucht und 
hat hierdurch aufgefunden^ dafs die Ursache desselben lediglich 
in einem Unterschiede d&r Temperatur' des Wassers und der 
Luft über demselben zu suchen sey. Durch den Einilufs der 
Sonnenstrahlen wird nämlich der Erdboden und die ihn berüh- 
rende Luft am Tage zwar wärmer als das Wasser , nach dem 
Eintritte der Abendkühlung aber geht die Temperatur der er- 
Stern sehr bald unter die des letzteren herab ^, das Wasser er- 
zeugt hauptsächlich in Folge seiner grofsen specifischen Wärme- 
capacität eine Menge Wasserdampf, welcher in die kältere Luft 
aufsteigt , daselbst niedergeschlagen wird und den Nebel bildet, 



1 Nach Dayt und fast allen andern Physikern geschieht dieses 
darch Strahlung der Wärme des' Bodens gegen den heiteren Himmel. 
Da ich aber ein Gegner dieser hypothetischen Strahlung bin, worübei 
die Gründe im Art. Wärme angegeben werden sollen, so begnüge 
ich mich damit, hier blofs die Thatsache einfach mitsutheilen. 



Feuchten 



19 



Piocess so lange dauert, als die Temperatur des Was- 
I die iler Luft um einen oder einige Grade übersteigt^. Spä- 
htt Hjietit ^ diese Versuche mehrfach wiederholt und die. 
▼ollkommen bestätigt gefunden, so dafs die Erkläruog 
PBäoomens nicht mehr zweifelhaft ist '. Die einzelnen 
lichten über Wiesen und feuchtem Boden, welche 
ich in heiteren Herbstabenden und Nächten gebildet 
I, haben mit den über Flüssen und Gewässern entstehen- 
10 grolse AehnÜchkeit , dafs man ihre Entstehung füg- 
litt der nämlichen Ursache ableiten darf, wie auch bereits 
[kßJk Dl Luc ^ geschehen ist , jedoch fehlt es hierüber bis jetit 
•II hinlänglich zahlreichen thermometrischen Messungen. 
Eine minder häufige , jedoch nicht eigentlich seltene Br- 
ist das sogenannte Damp/gn der FliUse bei beträcht- 
ittnker Kälte. Nur selten geht die Temperatur der Atmo- 
plOtslich so tief herab , dafs der aus dem nur wenige 
ober dem Eispuncte warmen Wasser aufsteigende Dampf 
ik der lüilteren Luft zu Nebel verdichtet, und hat sich allmä- 
il|«leM Eisdecke gebildet, seist dieses unmöglich, weswe- 
indmdis Phänomen unter die seltneren gehört. Inzwischen 
^vUMdcDDOch zuweilen beobachtet und ist namentlich von mir 
[sdhtkiofig über einem breiten Bassin beobachtet worden, in 
das Wasser von mehreren Gängen einer gTX>fsen Mahl- 
%uk ergofs^ über welchen bei strenger Winterkälte haupt- 
am Morgen ein so dicker Dunst ruhte, als ob er von 
oder gar siedendem Wasser aufstiege. So viel ich mich 
geoaue Messungen erinnere, mufste die Kälte bis etwa 
d kerabgehen , wenn die Erscheinung sich zeigen sollte, 
ik das heftig bewegte Wasser schwerlich viel unter dem 
)Dnct erkältet war, so giebt jene Gröfse unmittelbar den 
ied der Temperaturen an, welcher die Erscheinung 



l Phil. Trans. 1819. P. 1. p. 12^^ 

n Joam. of the Roy. Inst. N. XXIX. p. 55. Sdiob. Phil. Joam. 
^tVIU. p* 255. Ann* Ch. PhU* XXIII. p, 197. Quartcriy Joarn. of 

i t'iHTZ in «einer Meteorologie Bd. I. S.S67. erwähnt, cUrs ichon 
öTToli in N&cliricliteri Von der Sierra -Leone -Küste S. 45. 
ErUarang gegeben habe. 
^* Eecherdi. aor la Modif. $J. 678, 695» Id^es tnr la Meteor, 

[fi.p.81. - 

B2 



20 Nebel. 

bedingt« Es existirt indefs aufser dieser beilKtifigen noch ein 
genauere Messung. In New -York nämlich trat am 3ten Januai 
1801 nach lange anhaltender milder Witterung' plötzlich stärkt 
Kälte ein, so dafs nicht blofs das süfso Wasser in den Ciste^ 
nen, sondern auch das salzige in den Flüssen Hudson und Soun^ 
stark dainpftc* ^^^ Thermometer in freier Luft zeigte nacl 
Mitchill's Messungen 12* F. , im Wasser der Cisterpe abei 
41® und im Flufswasser 37® ; letzteres hörte auf den Nebel zi 
erzeugen, als die Wärme der Luft bis 12* F. stieg, ersteres ab» 
als sie 21® erreichte, wonach die Erscheiiying also fiir sülsai 
Wasser durch einen Temperaturunterschied von etwa 20® F 
oder 11® C, fiir salziges aber von 25® F. oder fast 14® C be» 
dingt wird, den Einfluls der Luftfeuchtigkeit nicht gerechnet' 
Aehnlich ist der Nebel , welcher in kalten Wintern nicht sehet 
bedeutend dicht aus den Oe£Fnungen geräumiger und warm« 
Keller oder beträchtlich grofser Höhlungen aufzusteigen pflegt 
Eine den genannten verwandte Erscheinung ist das soge^ 
nannte Rauchen der Berge. Bei regnerischer Witterung näm- 
lich , wenn die Luft zu wässerigen Niederschlägen vorzugsweise 
geneigt ist, sowohl nach einem einzelnen Regenschauer, ds 
auch nach anhaltendem Regen, und als ziemlich sichere Anzeige 
fortdauernden Regenwetters, sieht man über einzelnen SteUen 
der Berge isolirte Nebelmassen schweben , welche dünner oder 
dicker, mitunter sehr dick sind und zuweilen schlauchartig 
aus den hohem Wolken sich beträchtlich tief herabsenken, hM 
eine längere Zeit ohne merkliche Veränderung sich an ihreti 
Orte erhalten , bald aufsteigen oder mehr herabsinken , ttnd in 
ungleichen Zeiträumen dünner oder dicker werden oder durch 
Auflösung gänzlich verschwinden. Hat man Gelegenheit, Berge 
oft und anhakend zu beobachten , so gelangt man zu der Ue^ 
berzeugung, dafs die Nebelbildung über gewissen bestimmten 
SteUen wiederkehrend erfolgt, während andere davon frei blei^ 
ben. Die Phänomene an sich sind so häufig und gemein , dab 
sie keinem Meteorologen fremd seyn können , und selbst dent 
gemeinen Manne sind sie bekannt, aber die Erklärung derselbeft. 
ist noch immer nur hypothetisch. Man nimmt nämlich an, daJk 
die einzelnen SteUen des Erdbodens durch ihre eigenthümlichl^ 



1 Aas Medical Repository by MitchiU and Miller. New-Toik 
1801. T. IV. in G. XI. 474. 



Feuchter« 



31 



BeKhaffienheit ab schlechtere oder bessere Wärmeleiter oderwe- 
|gB ihrer gröfseren Feuchtigkeit die Wärme in gröfserer Menge 
a&ehmeD oder anch abgeben , und somit in den Luftschichten 
ikiriiioeD den Niederschlag bewirken. Ungleichheiten dieser 
itt, durch hohle Räume oder eigenthümliche Felsarten bedingt^ 
Ihnen leicht statt finden, aber es wäre zu wünschen^ dab 
fach nähere Untersuchungen die eigentliche wirkende Ursache 
Mnimter aufgefunden würde, welches jedoch aus leicht be- 
fiifiichen Gründen schwierig ist. Nach der Analogie mit ver- 
eiaiten Erscheinungen dürfen wir schliefsen , dab auch diese 
KM der höheren Temperatur des Erdbodens an jenen Stellen 
al ien in Folge dessen hiervon aufsteigenden , in der kälteren 
Lnft niedergeschlagenen Dämpfen ihren Ursprung verdanken^ 
kloa sie hiemach eben so gut von oben herab , als von unten 
■Ivaitt gebildet zu werden scheinen , je nachdem der Nieder- 
«Uigin gröberer oder geringerer Höhe beginnt; dab aber 
HBche Stellen , in Folge ihrer eigenthündichen Beschaffenheit, 
■MDÜidi wenn sie Wasserbehälter enthalten oder feuchtes 
M, Beb Warme aufnehmen und diese also , eben wie die 
Bhm Bsd Seen, später wieder abgeben können, ist nicht 
Mhrar sa begreifen. Für diese Erklärung spricht auch die ein- 
^ Wut bekannte , mit Messungen verbundene , Beobachtung 
tun Phänomens und des ihm verwandten der Nebelbildung 
Wiesen. Kamtz^ sah nämlich bei Wiesbaden einige nach 
Regen aufsteigende Nebelsäulen und fand in einer der- 
die Temperatur am Boden 14^,8 R.» in 4 Fub Höhe aber 
3i Nimmt man hinzu , dab bei regnerischem Wetter die 
mit Wasserdampfe gesättigt ist , ihre Temperatur aber mei- 
i herabsinkt, statt dab der Erdboden seine frühere Wärme 
eine Zeitlang beibehält, und dab die Berge eine freiere, 
»Nebel fortfuhrende Luftbewegung leicht hindern können, so 
die wirkende Ursache dieser Erscheinungen kaum noch 
iiweifelhaft betrachtet werden. 
Häufig lagern sich die Nebel in Thälern und erscheinen 
i, Ton oben herab betrachtet, als weifsliche flockige Wol- 
I, in engen Thälern aber, namentlich in heitern Sommer- 
gleichen sie sehr täuschend einer Wasserfläche, um 



KD, 



iBiehr, ab sich in ihnen benachbarte Gegenstände , nament- 



1 Meteorologie Bd. I. S. S70. 



22 Nebel. 

lieh Bäume , Bergspitzen u. s. w. spiegeln. Die Entstehung 
auch dieser lafst sieh leicht auf die bisher angegebenen Ursachen 
zurückführen. Vorzugsweise aber sind die Spitzen etwas höhe«- 
rer Berge häufig in Nebel gehüllt , welche von unten gesehen 
den Wolken völlig gleichen , den in ihnen befindlichen BeoW 
achtern aber durch ihre Undurchsichtigkeit die Aussicht in die 
Ebene herab rauben. Weil auf Bergen selten völlige Wind- 
stille herrscht , so sind die Nebel daselbst in den wenigsten Fal— 
len so ruhig und bleibend, als in' den Ebenen oder den Thälern^ 
vielmehr werden sie öfter durch den Luftzug wegbewegt und 
bald nachher neu erzeugt; ist aber ihre Bewegung anhaltend, 
so gehören sie den Wolken an , die sich überhaupt durch keine 
scharfe Bestimmung von ihnen unterscheiden lassen» 

Ehemals unterschied man aufsteigende und niedersinkende 
Nebel , weil man annahm , die sie bildenden Dünste kämen ent- 
weder von der Erde, oder aus der Atmosphäre*. Nach der ge- 
gebenen Darstellung werden jedoch alle Nebel in der atmosphä- 
rischen Luft aus dem in ihr enthaltenen Wasserdampfe gebildet, 
welcher jederzeit aus der Oberfläche der Erde aufgestiegen seyn 
mufs , wenn gleich nicht an dem nämlichen Orte ,' wo er in die 
Dunstform übergeht. Inzwischen nimmt man noch jetzt allger 
mein in Folge zahlreicher Beobachtungen an , dafs der bereits 
gebildete Nebel entweder fällt oder steigt, womit dann die wohl-!* 
begründete Witterungsregel verbunden wird, dafs der auf&teii^ 
getide Nebel Hegen, der niedersinkende aber heiteres Wetter 
verkündigt. Auch dieses Verhalten läfst sich mit den allgemei- 
nen Gesetzen der Nebelbildung sehr gut in Uebereinstinimung 
bringen. Es ist näinlich bereits bemerkt, dafs Nebel nur in 
^iner mit Wasserdampf gesättigten Luft entstehen können. Be^ 
kanntlich aber nimmt die Dichtigkeit der Dämpfe mit der Tem- 
peraturerhöhung zu , und wenn also die Luftschicht , worin der 
Nebel schwebt, wärmer wird, so mufs ein Theil desselben aus 
der Dunstform in die Dampfgestalt übergehen und umgekehrt, 
woraus schon von selbst folgt , dafs die Dichtigkeit der Nebel 
einem Wechsel unterworfen seyn kann. Wirklich beobachtet 
man auch häufig, namentlich bei den ruhenden Nebelmassen 
Überflüssen und feuchten Wiesen, dafs sie, abwechselnd dün- 
ner und dichtei? wei^den , zuweilen gänzlich ver&chwinden ^ zu 



1 Eocyclop. m^thod. T. I. p. 22&^ 



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mmdin d«r MJMp^WfhdqiiiiM giimg^ dt » der 

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i itAwiliMKigffi erfpvdmilkk* mfn wätdmk'^ 'om to^' mkr abdi» 
iwiftm adbtü^eiywahtta :dii^ft/'dib 'du T^Bptntttftiiü deo: 

iMAZ«i|||ipiiiiig;adM>a>yan*tdhit fe^gW"'--^ .«::.;^s^i ,^ 

goiifitlftiift ll4l^^VSMin^ mif^^tgto tfoek 

jidil^p» :I)HqipBtpi0K rttb«r Siedi^faMmv'^^'^*!^"*^' QiMÜeipy: 
adte aiidrd#*^ftroaib(di^^^S^ «Dd^bevoislpiMbdtti' 

Ibgn wündi(«ii<?.* Zv^fiMh.moA khw^ WakMidJittlpi IM- 
■dir arwänntam Waüer oder fenohtein Erdboden' '«uirteigMi^ 
oder derselbe 11111& durch wärmere LoftttrömaDgen den kälteren 
Begiones zugefuHrt werden« Indem nämlich die Dichtigkeit 
des Wa8seidamp£e&. durch Temperatorerhöhung stark »Hiimmt, 
so wird ein Theil desselben^ in Dunst TerwAndelt-, sebeld wär- 
mere, mit Damp£ gesättigte loiftmassen durch .Beimischung 
kälterer eine Verminderung ihren Temperatur erleiden-, selbst 
in dem Falle , wenn die kaltcrea nicht mit Wasserdampf ge- 
tttligtsind, jedoch um so stätker'» jemehr dieses der EaH' ist* 
. Hieraus hauptsächlich werden die sogenannten PoiamAel oder 
die dicken Nebel erklärlich, welche in. den Polargegenden ^, 
namentlich an den Küsten-,, ah B. dei> Hudsons- und Baifins- 
Bay, dem Lancaster-Sund, der Barrow-StraCse, dem Cap 
Hom u« s. w. herrschen. Wenn also die Wasserdämpfe in 
kältere Luftschichten vermöge ihres geringeren specihschen 



1 Meteorologie Bd. I. S. 368. 

Z De Luc Recherch. sur le4 inodiC de Vkim. T. III. §. 609 ff. 

8 Uaksteeh in Edlnb. Phil. Joura. N. XXiV. p. 235» 



24 Nebel. 

Gewicht^« aufsteigen, so werden sie diese euerst sättigen, dann 
aber, in DuD$t verwandelt, als Nebel zum Vorschein kommen« 
Hierbei sind zahllose Modificationen möglich, welche sich je<« 
doch insgesammt in der Erfahrung nachweisen lassen« Steigen 
nämlich die wärmeren, wasserdampfhaltigen Lufttheilchen in 
die Höhe und kommen sie hierbei zuerst in trockne, wenn 
gleich kältere Luftschichtent , so werden diese gesättigt, bis sio 
zu einer Höhe gelangen, wo die Temperatur zu niedrig und 
der schon vorhandene Grad der Sättigung au grob ist ; dort be« 
ginnt dann die Nebelbildung, die tiefer liegenden Schichten 
werden allmälig gesättigt , mit Dunst erfüllt und die Nebelbil- 
dung geschieht scheinbar von oben herab wärts« Dabder nm* 
gekehrte Pcocefs gleichfalls statt finden könne , ist ohne nähere 
Erläuterj^ng für sich klar. In der Regel sind die obern Luft- 
schichten kälter ; allein es ist häufig sowohl unter höheren Brei- 
ten , namentlich im Eismeere , als auch unter niederen , haupt- 
sächlich zur Herbstzeit, der Fall, dafs die oberen durch die 
Einwirkung der Sonnenstrahlen, oder weil sie aus wärmeren 
und trockneren Gegenden herzuströmten, wärmer sind; aufser- 
dem aber können sie leicht so trocken seyn , dafs sie die in sie 
aubteigenden Dampftheilchen auflösen und undurchsichtig blei- 
ben. In allen diesen verschiedenen Fällen ereignet es sich 
nicht selten , dafs die Nebelschichten, wie die über Flüssen oder 
feuchten Wiesen, bei grober Dichtigkeit keine bedeutende 
Höhe haben , so dab sie blob die Thäler füllen , während dio 
Spitzen der höheren, selbst nur der 1000 oder 600 Fufs hohen 
Berge den, heitersten Himmel zeigen, ja Scoaesby^ berichtet 
sogar, dab ihre Höhe in den Polarmeeren oft nicht über die 
Spitze der Masten hinausragt, wobei er einstmals in 100 F. 
Höhe 35** , auf dem Verdeck 33»,75 dicht über dem Meeres- 
spiegel und auf der Oberfläche des Wassers 34° F. als gleich- 
zeitig bestehende Temperaturen beobachtete. Hiernach kann der 
Unterschied der sogenannten fallenden und steigenden Nebel 
sehr leicht erklärt werden. Ist nämlich der Nebel einmal sebil- 
det, gleichviel bis zu welcher Höhe er reichen mag, werden 
die oberen Luftschichten allmalig trocken, es sey durch Her- 
beiströmung oder Herabsinkung oder durch Erwärmung ver- 



i 



1 Edinb. Phil. Joarn. N. XF, p. 118, Vergl. Tagebuch einer 
Heise anf den WailfisohfaDg u. s. w. Ueb. yoa Kries S. 201. 



Feuoliter. 25 

Mit der Sonne&stralikn , so erfolgt eine von oben berib- 
Imle Verwandlnng dee Dunstee in Dampf, oder eine Anfltf- 
lg des Nebels , wonach derselbe herabzasinken scheint, ond 
.■ab dieses in Folge der Trockenheit der Atmosphäre ein 
Ifuichen heiteren Wetters seyn* Ist dagegen die untere Luft« 
Ikht mit Dampf gesättigt und mit Nebel erfüllt, ist sie su- 
wänner, so dab sie in Folge der hieraus herrorgehen- 
grttberen Leichtigkeit aufsteigt , dauert auberdem durch die 
des feuchten Bodens die Verdampfung fort, jedoch so, 
der Dunst des in den unteren wärmeren Luftschichten auf- 
iden Nebels aufgelöst wird und erst in den oberen wieder 
Inrchsichtiges Stratum cum Vorschein kommt, so gewinnt 
Procefs das Ansehn , als würde der Nebel gehoben und 
oberen Regionen zu Wolken verdichtet , welche später 
erfolgende Abkühlung oder Uebersättigung mit Feuch« 
Regen erzeugen müssen. In den meisten Fällen kommt 
ein bedingender Umstand hinzu, nämlich ein anbtei- 
Luftstrom, welcher die Nebelmassen emporhebt, so dab 
}|(iter verdichtet als Regen wieder herabfallen. In Folge 
Verhähnisse können jedoch die hierdurch gebildeten 
mer erst an andern Orten zum Vorschein kommen, 
I denen , wo die Nebelmassen emporsteigen , namentlich 
diese durch Luftströmungen über höhere Gebirge fortge« 
wurden. Unter andern ist dieses der Fall bei den Nebeln, 
nach Chaistib's^ wiederholten Beobachtungen häufig 
Dirwar aus auf die andere Seite der Gauts - Gebirge ge« 
werden und dort die heftigen Regengüsse erzeugen ; auch 
es auf der Hochebene von Quito, wenn die Luft* 
ig stark genug ist^ die Nebel aus der Tiefe dorthin zu 

2 

• 

llnsofem die Entstehung des Nebels durch den Grad der 

igkeit des Bodens sowohl, über welchem er gebildet 

f als auch der Luftschichten , in denen er zum Vorschein 

it, und zugleich durch das Verhältnifs der Temperatur 

bedinpt wird, so kann dieselbe nicht füglich zu allen 

Seiten «leich häufig erfolgen , vielmehr wird sein Erschei- 

ttn meisten dann statt finden, wenn der Boden wärmer ist. 



( 



1 Edinb. Phil. Jonm. N. Ser. N. 10. p. 802. 

2 Vergl, Art. Regen, 



i 



26 Nebel. 

als di6 auf ihm rnhende Luftschicht.* < Die Untersuchungen über 
den Thau^ haben ergeben, dafs der durch den Einflub der Son- 
nenstrahlen am Tage erwärmte Erdboden , welcher seine stei- 
gende Temperatur allmälig der Luft zum Theil durch den in 
dieselbe aufiiteigenden Wasserdampf mittheilt, beim Untergange 
der Sonne unter die Wärme der ihn berührenden Luftschichten 
herabsinkt | weswegen dann nur Thau , aber kein Nebel entste- 
hen kann, und daher erscheint letzterer am Abend nur über sehr 
feuchten Stellen und über dem Wasser, w^l dieses nicht auf glei- 
che Weise schnell abgekühlt wird. Dafs übrigens an regnerischen 
Tagen und hauptsächlich bei sehr feuchter Atmosphäre zu )eder 
Tagszeit durch partielle Erwärmung des Erdbodens in Folge der 
auffallenden Sonnenstrahlen an einzelnen Stellen, und namentlich 
auch an Bergen, Nebehnassen gebildet werden können, folgt aus 
der Natur der Sache, ist auch bereits erwähnt und hauptsächlich 
durch die Beobachtungen und Messungen vonKiisiTZ^ aniser 
allen Zweifel gesetzt worden. Später, nach dem Untergange der 
Sonne , kühlt sich die Luft stärker ab , so daüs namentlich in 
unseren Gegenden während der längeren Nachte im Herbste die 
Temperatur derselben unter die des Erdbodens herabgeht und 
dann Nebel gebildet werden, welche mithin vorzugsweise um 
oder nach ^Mitternacht entstehen und bis längere oder kürzere 
2eit nach Sonnenaufgang dauern. Dafs sie ausnahmsweise anf 
dem Continente einen ganzen Tag, an den Rüsten mehrere 
Tage^ ja Wochen und Monate lang, ununterbrochen anhalten, ist 
bereits erwähnt worden. Auch diese sdur gewöhnlichen Nebel 
stehen «lil der Witterang in einem gewissen Zosammenhangey 
indem sie im Sommer regnerisches, im Herbste dagegen heiteres 
Wetter verkündigen « wiis sich daraus leicht erklärt, daCs ihi. 
Entstehen in den kürzeren Sommernächten und bei der als— 
dann herrschenden höheren Temperatur einen ui^leich gröCse- 
ren Grad d^r Feuchtigkeit in der Atmosphäre beurkundet. Eft 
lol^t also hieraus y dafs die Zahl der Nebeltage weder an alle» 
Orten , noch auch in allen Jahreszeiten gleich seyn kann , wenn 
euch die Summe derselben im ganzen Jahre für jeden Ort so 
siemKch «:lekh ist. KImtz^ hat aus Bcck.^ und den Mann* 



4 



1 S. Alt. T&aa. « 

:* Xeteorc!o;Cte Bd. 1. S. 5o^, 

4 HjAbttT^'s Cüma ukd WitU^au^ $. 11;^ ^ 



Feucht«r. 



27 



PUnra Ephamerideo Bina inteniunt« Tmbelle anummengMieKt, 
I wtche ich liier mirciilluilen keinen Anttaod nehme , indem et 
'fitn Tag ainen Neheltag nennt, an welchem uch Nehel aeigt, 
it Rücksicht auf die Dauer dea*elban '. 

I 

3 _ 

1«,5 
IÖ,3 
2J,9 
23,7 
24.3 
25,7 
27,7 
25,8 
25,0 
233 
20,9 
20,7 
92773 
Bifse Tabelle zeigt eine Ungleichheit in der Zahl der Ne- 
Uage ap verschiedenen Orten , zugleich aber , dafs dieselbe 
iaSoDimei bedeutend kleiner ist, als im Winter, dafü jedoch 
ditxi Unterschied mit dei Hübe abnimmt, inilem mit der Zu-> 
idune der letzieren nicht blofü die Nebel im Allgemeinen, aon- 
Isn auch namentlich in den Sommermonaten hüufiger werden, 
B QEikwüidJges Gesetz , welches zwar nicht auf Hochebenen 
'Ml mittlerer Erhebung anwendbar ist, wie eine Vergleich ung 
in»t|eD Hamburg und München , letzteres auf einer 1658 E. 
tUm Ebene gelegen, «eigt, wohl aber auf Berghohen, indem 
ifeTegernsee von 2324 F, und Peifsenherg von 3145 F. Er- 
l^g die Menge der Nebe Itage gröfset ist, die Unterschied« 
'iR Winter- und Sommermonate aber geringer sind, fui das 
äipitium auf dem St. Gotthard von 6440 E, Höhe aber das 
Kaiiimm der Kebeltage in den Monat Juli fallt. Kamt? 
BÜbt dieses Gesetz richtig aus der Abkühlung, welche die 
■Wigenden wasserdampflialtigen Luftschichten durch die 
"n^spitzen erhalten, uud bemerkt zugleich , dafs dasselbe nicht 



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5 
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Erz 


3,1 


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2,0 


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5,0 


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1.6 


1,5 


3,1) 


1,4 


1,3 


1,0 


1,7 


^Bi 


0,41 0,5 


1,9 


0,0 


0,2 


0,2 


0.7 


^U 


0,3 0,7 


2,0 


0,4 


0,7 


0,6 


1,3 


^H 


0,0 1,3 


2,1 


0,7 


0,7 


0,6 


1,3 


Hgut 


1,0 1,5 


2,9 


0,5 


1,7 


0,6 


1,5 


^Keinb« 


3,5 3,3 


2,9 


2,3 


3,3 


4,0 


2,0 


HfalMr 


5,8 3,1 


6,7 


5,2 


3,1 


5,0 


7,5 


^pvinW 


5,5 4,5 


6,0 


7,3 


1,9 


»,3 


9,3 


Hunber 


4,8 A,5 


6,1 


5,: 


1,2 


4,4 


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52,3 


33,6 


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3»,8 


47,1 





p 


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1 


1 




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10,9 


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8,6 


S,4 


8,0 


9,7 


V 


10,4 


tl.1 


8,8 


10,2 


13,9 


16.2 


12,8 


15,3 


14,3 


14,0 


134,6 


132,9 



1 Die Angaben sind die mittlem Gröfaei 
't<ii BtobscblaDgeD. 



s 6-, 9- nai Ujäb- 



28 Nebel. 

fijglich mit der allgemeia herrschenden Annahme von der mit 
der Höhe zunehmenden Trockenheit der Luft vertraglich sey^ 
welche Schwierigkeit jedoch bereits oben erörtert ist^. Zu- 
gleich aber mufs . in dieser Beziehung wohl berücksichtigt wer- 
den , dals die Beobachter auf hi}hen Bergen in ihren Registern 
häufig Nebel notiren , wenn sie in Wolken eingehüllt sind, und 
die Zahl der Nebeltage würde also sehr verschieden ausfallen, 
wenn der Unterschied zwischen beiden streng beobachtet würde. 

Bei der Betrachtung der in den nfeteorologischen Regi- 
stern aufgezeichneten Nebeltage ist'es mir sehr aufgefallen , dafs 
die Menge derselben nicht etwa an verschiedenen Orten, son- 
dern in verschiedenen Jahren so aulserprdentlich ungleich ist 
und mehr von einander abweicht, als es sonst in Beziehung 
auf die Hydrometeore' der Fall zu' seyn pflegt , die sich so ziem- 
lich alle Jahre im Mittel ausgleichen. Ob in dieser Beziehung, 
eben wie bei den Regenmengen , gewisse periodische Wechsel 
statt finden , ist in diesem Augenblicke schwer auszumitteln, 
weil die meteorologischen Register weder stets noch ohne Un- 
terbrechung die Angaben der Nebeltage seit hinlänglich langer 
Zeit enthalten. Eine Menge Aufzeichnungen geschehep aulser- 
dem zu bestimmten Stunden des Tages und können^.^aher nur 
die Angaben eines vorhandenen Nebels enthalten , wenn seine 
Anwesenheit gerade in dieser Zeit statt fand. Endlich hängt die 
Bestimmung, ob Nebel vorhanden war, sehr von der Ansicht des 
Beobachters ab, je nachdem er die geringern oder stärkeren, die 
höheren oder niedrigem Trübungen der Atmosphäre als eigentli- 
chen Nebel betrachtet. Bei den Engländern kommt noch oben- 
drein der Unterschied zwischen dem leichten, trübenden Dunste 
(haze) und dem eigentlichen Nebel {fog) sehr in Betrachtung 
und selbst bei den Carlsruher Beobachtungen wird zwischen 
Nebel und Dunst unterschieden. Die meteorologischen Regi- 
ster geben daher nur eine unsichere Grundlage allgemeiner Be- 
stimmungen, indefs will ich dennoch der Vollständigkeit we- 
gen die folgenden tabellarischen Uebersichten mittheilen. 

!)• In Genf waren während der letzten 10 Jahre von 1820 
bis 1829 folgende Nebeltage \ 



1 8^ Art. Atmosphäre Bd. I. S. 469. 

2 Aus der Biblioth. universelle. 



1] Diese Beob«chtungea werden «id beitenmit denen Ter- 
, welche aaf dem Hospitium dea St. Bernhard angestellt 
und* und die mit der lothrecbten Htfhe über der Mee- 
r zanehinende Menge der Nebel, woaa auch di« tiefet 
kenden Wolken gebären, deutlich beoricundeD. 



18001 


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122 


93 


114 


»1 


91 



Q Die nachfolgenden, in Paris angestellten Beobach lim - 
ich zunächst hier an^; weil ich aber die vom Jahre 
sieht finden konnte , so habe ich mit denen vom Jahre 



Ebendaselbit. 

Au Annale« de Chimie e 



j819 den Anfanjg gemacht und jene dagegen weggelasien, i 
anck für diesen Ort zehnjährige Angaben mitaDiheilen, 



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11 


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13 


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Dec. 


14 


15 


5 
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13 

7!^ 


89 


■JU 


5 


11 


3 


Sum. 


37 


Ö3 


85 


21 


10 


13 



4) Die Londoner Beobachtungen, Welche in der folgende^ 
Thimlle enthalten sind , werden in den Oemächern der KSnigl, 
Gpsellscliaft angestellt und aufgezeichnet'. E» ist dabei ne 
bemerken , dals blof» die Angaben der eigentlichen Nebel (^chtd 
fog, fog und foggy) , nicht aber der leichten Nebel (Aaa« 
haty) aufgenommen sind , deren Zahl den hier angegebener 
mindsBleus gleich kommt. 



1800 


20 


31 


52 


23 


24 


3,i 


26 


27 


38 


29 


J.n. 


5 
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2 
3 


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3 


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16 


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4 


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3 


8 


April 










1 

















1 




4 





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Mai 
Juni 
















1 

6 



1 


Juli 











1 

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3 


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1 

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3 


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Sep,, 





1 





4 


Oct. 





1 


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1 


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4 


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4 


21) 




II 




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5 








5 


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Kl 


11 


Sum. 


VI 


14 


16 


9 


15 


15 


33 


51J 


3i 


6Ü 



1 Au* den einzelnen Jahrgaogen der Fbil. Tnni. 



Feuchter. 



91 



i) Di« in Carbrnlie angcitvlItBii BeobaelitiiDgtn* nm&nnt 
men 42 Jahre , genügen aber dennoch gevift nicht, am 
<e\Tbse Feriodicilüt in der Nebelbildung darauf za griin- 
Es werden darin Nebel uod Dunst untenchieden aot im 
iD beträgt die gräfsiq Menge der Nebeltage in einem Jahre 
ler dunstigen aber 66) die geringste der ersteren 1, det 
len 4 ; im Mittel vnn jerien ] t, von diesen 33. Es schien 
iareichend , nur die nämlicjien 10 Jahre , wie in den iibri- 
Cabellen, aufiunehmea. 

Nebel-Taga. 



1800 


20 


2] 


22 


23 


24 


2'i 


26 


27 


38 


29 


J30. 





5 


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5 


2 


3 





3 


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l.'.br. 





3 


1 


1 


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2 


März 














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3 

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1 


April 


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Juni 
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S.pl. 


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2 
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23 


3 
10 


5 

30 


4 


Sud 


3 


23 


31'12 


13 



Uitgetliellt datcli II. Dr. EisekloiI«. 



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B. 




1800 

J.n. 


20 

7 
10 


21 
12 
1) 


22 
2 
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23 

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24 
3 


25 
9 


26 
6 


27 
5 


28 
8 


29 

2 


Febr. 


4 



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9 
2 
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7 
9 


1 


4 
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2 


8 
3 
2 
1 


8 


März 


2 





3 



1 


1 


3 


April 
Mai 











1 
1 


Juni 


1 


4 


4 


2 



















3 








Juli 


1 




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1 










1 






2 
5 


1 


Aug. 


4 
3 



3 


3 


Sept. 



1 


1 

7 


2 


2 


3 


Oct. 


7 


6 


9 


6 


7 


9 


10 


Bov. 


6 


4 


4 


1 


7 


9 


10 


11 


9 


10 


Dec. 


8 


4 


2 


3 


3 


1" 


12 


6 


7 


12 


Sum. 


42 


33 


20 


23 


25 


m 


59 


48 


54 


54 



6) Ich selbst schreibe (in Heidelberg) dreimal täglich 
Stand der meteorologischen Werkzeuge auf und bemerke 
dann stattfindende Witterung. Es folgt also nicht, dafssich 
Nebeltage in diesen Verzeichnissen finden, aber gewifs die i 
8ten, und ao theile ich die folgende Uebersicbt derselben mi 



1800 


20 


21 


22 


23 


24 


25 


26 


27 


28 


29 


Jen. 





3 


1 


1 


4 


1 


5 





4 


1 


Febr 
März 


1 
1 


8 



1 









1 






2 



1 


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1 





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1 







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Apri 
M.i 
Juni 
Juli 





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Aug. 
Sept. 




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Oct. 


2 


3 


6 


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2 


3 
3 


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3 


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2 


3 
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2 


Hov. 


3 


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11 


1 


2 


Dec. 


3 


5 


3 


2 


2 


8 





5 


3 
16 


2 


Sum. 


12 


21 


15 


19 


13 


10 


28 


16 


8 



■ 

I 



Feuchter. 33 

Es ist bereits oben gesagt worden^ dafs die Nebel zwar unter 
höheren Breiten häufiger sind, jenseit des Polarkreises jedoch wie- 
der sehener werden ; mindestens aber finden sie in der Regel da- 
selbst nur in den Sommermonaten statt und während des Winters 
ist die Kälte zu stark , als dais die Luft überall einen beträcht- 
lichen Antheil von Wasserdampf enthalten könnte« Es scheint 
mir dieses hauptsächlich ans den genauen Angaben der neuesten 
Reisebeschreibungen hervorzugehen , die wir dem wissenschaft- 
lichen Forschungsgeiste der Dritten verdanken. Parey^ näm- 
lich zählte während seiner Fährt vom etwa 60sten Grade N* B* 
bis Port Bowen unter 73^,25 N. B. im Juni 1824 nur 5 Nebel- 
tage, im Juli I69 im August 23» im September 1, und von da an 
bis einschliefslich im Mai 1825 nicht einen einzigen mehr ; al- 
lein es war zugleich das Maximum der Temperatur nicht mehr 
ils 34" F. am 298ten August und das Minimum — 47^)5 F. 
(-^ 44,2 C.) am 2ten März. Unter noch höheren Breiten sdiei- 
nen die Nebel zunehmend seltener zu werden, und wenn sie 
sich auch zeigen, auf allen Fall nicht anhaltend zu seyn , denn 
inPAR&Vs zweiter Entdeckungsreise und in den meteorologi^ 
sehen Berichten iiber den Aufenthalt auf der Insel Melville un«^ 
ter 74^ J 5 N. B. findet man überall kaum oder höchst selten das 
Erscheinen eines Nebels erwähnt, von 81° N. B« an sind sie 
selbst auf dem Meere nicht häufig und in der Nähe von Spitz* 
bergen mindestens nicht anhaltend , wenn sie gleich für kürzere 
Dauer häuüger, aber im Sommer meistens bei Nacht zum 
Vorschein kommen. Uebrigens ist das Klima in der Umgebung 
von Spitzbergen ungleich gelinder , als dessen hohe nördliclie 
Lage erwarten läfst, weswegen auch die Hydrometeore dort 
weit stärker und zahlreicher sind , als an der Nordküste Ameri- 
ca's. Die Nebel werden daher dort häufig über dem Meere nahe 
an der Rüste erzeugt , wenn es auf Spitzbergen selbst heiteres 
Wetter ist 2. 

Die den Nebel bildende Feuchtigkeit besteht an sich aus 
reinem, durch den gewöhnlichen Procefs der atmosphärisclien 
Verdunstung emporgehobenem Wasser und kann daher als sol- 



1 Journal of a third Voyage for the discovery of a north - west 
pajsage cet. Lond. 18^. 4. 

2 Account of an attempt to reach the North- pole cet. Lond. 

1828. 4. pp. 56, 67 n. 138. 
ßd. VII. C 



che we^er einen Genieh , noch auch einen n ach th eiligen Ein 
flufs auf die Gesundheit haben. In Beziehung auf das Letzt« 
findet man nicht, dafs Krankheiten mit der Vermehrung d«r' 
Nebel zunehmen oder dafs sie gar dadurch erzeugt werden, ja' 
man Avill auch selbst unter den Truppen , welche eine lungert 
Zeil in den stets nebligen Gegenden am See Erin standeBp 
keine Zunahme von Krankheilen oder Vermehrung der Sterbr 
lichkeit wahrgenommen haben. An «ich sind also die NebilJ 
der Gesundheit nicht nachtheilig, wohl aber kann dieses ' 
Fall seyn, in sofern die mit ihnen zugleich bestehende Feu( 
tigkeit der Atmosphäre die Hautausdünstung hindert odi 
Wärme des Körpers zu sehr ableitet, weswegen es räthlich ii 
sich gegen diesen Einflufs durch warme Kleidung und soh 

Mittel zu verwahren, welche die Transpiration befördi____. 

gleiche Weise kann die den Nebel bildende Feuchtigkeit dw! 
Geruchsorgane nicht afllciren , allein viele riechbare äubstansM- 
verbinden sich leicht mit der atmosphärischen Feuchtigkeit^ 
worauf die Erklärung des Phänomens beruht, dafs verschieden*' 
Blumen erst in der feuchteren Abend- und Nachlluft zu duftm 
beginnen, desgleichen dafs man den Regen durch den Geru< 
wahrnehmen kann, weil mit dem Dampfe zugleich liechbt 
Substanzen von dem befeuchteten Erdboden aufstei^ 
wird es dann leicht begreiflich, wie manche Nebel, insbeson< 
dere wenn sie sich nach anhallender Dürre einstellen , entwedoir 
durch die unmittelbar bei ihrer Bildung mit aufsteigenden 
unreinigenden Substanzen riechba 
die aus entfernten Gegenden zugli 
nien. In den meist 
kenden Nebel trocki 
nend und im Ganze 



tftm 
rucÜ 
ibuJ 



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;n, oder durch solcbv^, 
t der Luft herbeittrif« 
n Fällen sind jedoch die eigentlichen stin- 
1, oder wenn die gewöhnlichen, anschei* 
i feuchten, einen stärkeren Geruch haben, 
so läfst sich annehmen , dafs sie mit jenen trocknen oder mitj 
örtlich vorhandenen Substanzen verunreinigt sind, wie deni^ 
namentlich in den Städten die gewöhnlichen stärkeren Nebel" 
häufig einen merklichen Geruch verbreiten •. "! 

B. Nichtfeuchte, trockne Nebel. ^ 

Die bisher beschriebenen Nebel verdienen nicht blofs dis j 
Bezeichnung ftucht mit vollem Rechte , sondern diese drii 



1 Ufber gefriBrende Nebel ». Art. Ktif. 



Trockner« 35 




•ig«Dtlic]i/e« Wet«n aas , insofsni ti« Uob aas Was* 
bsstehen. Lctiterer kann dicker und dünner seyn und 
die Luft ungleich sUrk trüben , allein die kierdorch er- 
Knslenials hat ihre Grenzen ; denn wenn die Dunstbläs- 
B m grober Menge nnd von übermibiger Dichtigkeit 
sind , SP vereinigen sie sich zu Wassertropfen , wie 
nch wiridich starke Nebel nicht selten verursachen, daA 
dsa Dächern und Banmsweigen, ohne eigentlichen Regen^ 
herabfallen. Es lärst sich daher allerdings behaupten, 
fis Lnft an Durchsichtigkeit gewinnen mub , wenn die als 
Bischen angenommenen Elemente des Nebels sum Theil 
Wasserkügelchen übeigehen , und aufserdem ist noch 
kriickttchtigen , dafs .die auberordentlich dichten Nebel 
ich oder einzig über groben Städten beobachtet wer- 
wo ihre Dichtigkeit den Beschreibungen nach einen wahr^ 
■ighoblich hohen Grad erreicht. Ohne Zweifel bestehen 
iDsidings hauptsichlich aus den beschriebenen feuchten 
■1 aber es scheint mir in einem hohen Grade glaubhaft, 
ei «gleich mit anderweitigen dunstförmigen , aber trock- 
lySihluizen gemengt sind, eine Ansicht, welche auch yam 
* Ton denselben hegt. Von dieser Art sind die dicken 
ia London , welche nicht selten die Luft so verfinstern, 
den ganzen Tag hindurch in den Kaufladen und Werk- 
licht gebrannt wird und die sonst so hellen Strabenla- 
nicht so viel Helligkeit verbreiten, als erforderlich ist, 
Kutscher gegen das Verirren in den Strafsen zu sichern, 
also das Gegeneinanderfahren der Wagen und das Zu- 
itoben der Fubgänger als das geringere Uebel erschei- 
2. Unter andern herrschte daselbst ein solcher am 16* 
1826, während es in der Umgegend völlig heiteres Wet- 
. Eben dieses ereignete sich nach Defaavce' zu Paris, 
12ten Nov. 1797 ein so dicker Nebel entstand, dab 
ik Straben nicht finden konnte , die Kutscher nicht wub- 
wohin sie fahren sollten, und das Licht der Laternen nur 
iber Nähe gesehen wurde , ungeachtet in einiger Entfer- 

cl KAimm ArchiT XIF. 427. 

t Tbom. FomsTEA UntersochoDg über die Wollen o. s. w« 2te 
L Leipz. 1819. S. 13. 
S Abo. de Chim. et Fhys. XXXIU. 414. 

C 2 



96 Nebel. 

Bung von äer Stadt gar kein Nebel hemcbte. Fourcrot * wiB 
bemerkt haben, dafs der Nebel sich in Gestalt gekränseltef 
Locken, wie Korkzieher geformt , herabgesenkt habe, und Dfr» 
¥RANCK meint, der yiele Rauch der Schornsteine und sonstige 
Ausdünstungen seyen durch herabwärtsgehende LufbttömungeA 
niederwärts getrieben worden, wie man zuweilen auf dem Land# 
den Rauch herabsinken sieht, welche Erklärung jedoch ArACI^ 
verwirft, weil oft binnen weniger Minuten Nebel entstehen fml 
bei völliger Windstille keine Spur davon vorhanden ist. AUeÜi 
wenn iib^r einer Stadt erkaltete Luft ruht, so kann der VOR 
dem erwärmten Boden aufsteigende Wasserdampf leicht va Ni^ 
bei' verdichtet werden , welcher durch den vielen Rauch rileA» 
dings eine grofse Undurchsichtigkeit anzunehmen vermag, 4i 
die weit geringere Menge des letzteren auch über kleineren Ollr 
Schäften auf dem Lande in kurzer Zeit eine bedeutende Trüböng 
Verursacht. Je feuchter dann die Luft und je gröfser die Menge 
des aufsteigenden Rauches ist, um so dichter mufs der entste- 
hende gemischte Nebel werden , der sich eben deswegen über 
grofsen Städten und namentlich über Amsterdam so oft und vor 
solcher Dichtigkeit zeigt, dafs Fufsganger und Wagen in die 
Canäle gedrängt werden oder sich dahin verirren. In Wlab 
beobachtete Scholz^ einen am Abende so stark sich verdieh- 
tenden Nebel , dafs man die an sich hellen Strafsenlaternen ent 
wahrnahm, wenn man dicht bei ihnen war, ja der Kutscher 
eines Fiakers stieg ab, um den Weg nicht zu verfehlen, und 
dennoch mufste die Schild wache seine Pferde in das BuTgthür 
führen , weil sie gegen die aufgestellten Gewehre rannten. la 
kleinern Städten und in Dörfern kommen so dicke Nebel selted 
oder niemals vor, nicht ungewöhnlich sind aber auch dort," wie 
in den grofsen Städten, dickere und zugleich übelriechende Ne-i^ 
bei, und da der reine Wasserdunst die Geruchsnerven nicht if^ 
ficiren kann , so mufs diese Eigenschaft von beigemischten SoIh* 
stanzen herrühren , welche allerdings an sich trocken seyn kÜD^ 
neu, ohne dafs sich jedoch ihre eigenthümlichen Bestandthab 
und deren Beschaifenheit genau angeben lassen ; im Allgemeinea 
sind es solche, die durch das Verbrennen oder die Zersetzung 
vielfacher Stoffe erzeugt werden. 

1 Joara. de la Soc. des Pharmaciens^ de Paris. An. VI, Vtl ot 
VIII. p. 303. 

2 G. LV. 474. 



Trockner. 37 

Eid der Gesan JOidt tcUSdlichcr Einflufs auch dieser Nebel, 
idche nur kone Zeit anhalten , gehdirt auf allen Fall anter die 
SdlraheiteDy wenn er anders überhaopt nachgewiesen werden 
kn; inswischen redet Musschivbaoik^ von dem im Jahre 
1133 «u Polen hergekommenen, durch einen. Theil von 
DmtcUaod verbreiteten und bis nach Holland vorgedrungenen 
Md, velcher Peripoeumonieen und gefährliche Husten er- 
MglSi la England soll an Zeiten ein bläulicher Nebel sich des 
Hoigeos auf Feldern und Viehweiden »eigen, welcher in den 
MHten Fallen zwar unschädlich ist, suweilea aber geCihrliche 
lankhwrfn unter dem Hernvieh eraeugt. Rass ^ beruft sich 
'hnianar Aögffbe hierüber sugleich auf Dr. Wivkla^', wel- 
; dkaüw ähnliche Erscheinung von Italien berichtet. Ich kenne. 
'' irisdi keine neueren genauen Beobachtungeq hierüber und die. 
■ifrfhfilrca aind au eberfiächlich , ala daJs sich eine Pxiifnng 
^lEdfimag der Thatsache damnf gründen liefse. Es ist ferner 
fBt -ttbr allgemeip herrschende Meinung , dafs eigenthümliche 
iMDidie Nabel in den Monaten Juoi und JuU deu sogenannten 
IfudhtGetreidea oder das Multerkom erzeugen*, attein man 
dafwaU mit Recht annehmen, dals diese Entartung derFkucht- 
itoir die Folge einec allgemein herrschendea nachtheiligen, 
kopbicUicb allz^ufeuchten , Witterung ist«. 

Aofter den zuletzt beschri'ebeneo , mindestens zum gr^firten 
;JEheiIe feuchten,. Nebeln giebt es jedoch entschieden auch sol- 
I die nicht aus Dunstblaschen , sondern aus höchst feinen, 
Bauche von verbrannten Substanzen ahnlichen, Partikeln 
en und gleich diesen in der Luft schweben» Unzählig 
seht man iibfii gröberen U|i4 kleineren Städten und Döxferui 

1 Introd« $. 1317. 

t Cjclopaedia. Art. Mi$t. T. XXIff. 
S Phil. TraDf. N. 145. 

4 finoyelop. meth. Part, da Plisn. T. J. p. S34. McsscRsiiBaoia 
• {. 8318. IHe Landbewohner nennen diesen Nebel nialU , H o- 
|tkta, und gUaben, dafs der sürsJiche Saft, welcher sich anf 
lien Früchten zeigt ond Insecten, die sogenannten Blattlanse, her- 
il, aus der liuft herabgefallen sey. Es ist jedoch erwiesen» 
derselbe aas den Pflaazea in Folge ihres krankhaften ZasUndes 
t 8. Lbchü in Schwed. Abh* XXIV, 89- EHiuuaT Beiträge zar 
Anode. Haun. 1792. Vergl. Lampadius Atmosphärologie S. 122. 
Nebel ichadea überhaupt den Früchten» hanpUächlich inrährend 
Bläthe« 



insbesondere am AbentI, eine lolche dunkle Nebelschicht auf- 
steigen , welche bei grAfseren Städten dichter und anhaltender 
ist und namentlich über London auch unter den allergiinsiigsten 
Bedingungen niemals ganz fehlt. Uafs diese Nebel insgesamnit 
aus Rauche und verdampften oder verflüchtigten, gröfstentlieJU 
trocknen , Substanzen bestehen , unterliegt keinem Zweifeli 
Wenn die jrewjjhnlichen feuchten Nebel in grSTseren Hühttt 
schweben, so verdunkeln sie das Bild der Sonne ihrer Diohti^ 
keit proportional bis zur gänzlichen Unsichtbsrbett desselben; et 
gtebt jedoch auch Nebel von ungleicher Dichtigkeit, durch w«!- 
che das Sonnenbild zwar gleichfalls mehr oder weniger hall 
glünzeud, zugleich aber matt oder bläulich -weifs, insb«sond«rt 
aber bräunlich roth erscheint. Man nennt diesen Nebel , wel- 
cher bald kürzere j bald längere Zeit anhält und sich ungleioh 
seltener zeigt, Höll rauch, Höhenrauch, Heer- 
raach, Haarrauch, Laodrauch, Sonnen- 
rauch, Heiderauch, am besten trocknen Ne-^ 
btl; Brotiillard sec; Ory fog , und ist über dessen Ur- 
sprung und Destandtheili 



standen, obgleich beides in 
Zweifel unterliegt. Zur Be 
Tung wird es daher am bes 
Thatsachen zusammenaustell. 
Tii£orRANEa und mehr 
nero solchen allgemein verbreiteten u 
den röthlichen Nebel, welcher 526 
ning Justibiab's beobachtet wurde. 



beobachti 



allgemein einver- | 
älen Füllen keinem ' 
idung einer genügenden Erklä— 
seyn , zuvor die vorzüglichste^ 

alte Schiifisteller reden von ti- 

ten und die Sonne verdunkeln- 

1er Regie- 

enthaltea ' 



Ohm 



die Chroniken aiifserdem verschiedene, 
gemein bekannt gewordene , Beobachti 



s jetzt noch nicht all- 
>en dieses Phänomens, | 
bekannte nächst folgende ist vom Jahre I72I, in wel- j 
ehern ein starker Hlhrauch am Islen Juni in Paris, in der Au- 1 
vergne, zu Mailand u. S.W. die Aufmerksamkeit des Publicnms 
erregte«; weit weniger war dieses im Jahre 1729 der Fall», 
starker dagegen war der im Jahre 1764, welcher gleichfall» 
hauptsächlich in FraukreicK beobachtet wurde*. Am mei- 



1 Hist. de I'Acsd, 1781. p. 32. Encyclop. melh, Part, de phyi, 
T. I. p. 326. 

S Hiit. de l'Acad. 1720. p. 3. 

3 La Lands in Idutd. de Par. 1789. 



Trockner. 39 

M AuEwIieii MTegte jedoch dtr berühmte H6hrauch im Jahn 
178)* Dieser seigte tich am f rüheiten | nämlich am 24f ten Mai 
mtk vonugegaDgenem heiterem Wetter in Copenhagen , dann 
■ ttea nod 7ten Joni in Rochellei worauf er wieder ver- 
ahvandy bb er am ISten Juni meistens nach voransgegangenea 
finriUfeiu ond kalten Winden sehr allgemein und von bedeuten* 
Ar Dicke ins Vorschein kam. Am IQten Juni beobachtete 
maännerstin Franeker, am 22sten in Spydberga, am 23stea 
feCdsm St Gotthard nnd in Ofen, am 24sten in Stockholm, am 
Bmm 11 Moscan nnd gegen das Ende des Monates in Syrien. 
Dmdbt vnrlireitete sich also über Norwegen , Schweden und 
liUai, bedeckte das Meer swischen Norwegen und Holland, 
[^■bvEogland eben so dick als über dem europäischen Gon- 
» antrabte sich bis 50 Meilen vom Lande ab über den 
Ocean , «eigte sich mehr und minder anhaltend über 
I Deotschland, Italien , dem adriatischen und mittel- 
UNka Heere und dehnte sich bis über einen Theil von 
md Aürica aus. In der Regel war er gleichmäfsig dicht 
in siemlich gleicher Höhe über der Erde zu schwe« 
^f ainfoBdere in denjenigen Gegenden , wo zugleich eine 
■fanrimtliche Dürre herrschte, an einigen Tagen erhob ec 
H jedoch, namentlich auf dem St« Gotthard, dem SaUve, 
fai Ventonz und den Alpen der Dauphin^ bis au 6000, je 
I JDOOOF.Hdhe, an andern dagegen senkte er sich so tief herab, 
tv die Spirzen jener Berge über ihn hervorragten, in den mei<« 
Gegenden aber schien er sich von oben herabzusenken« 
Dicke nahm im Ganzen vom iSten Juni an zu , schien im 
des Monats Juli an einigen Orten abzunehmen , so dafs 
ghobte, er werde verschwinden, jedoch dauerte er mit 
ehrender Stärke bis ans Ende desselben , zeigte sich in 
m Malse an verschiedenen Orten noch zuweilen im 
) in Kopenhagen aber dauerte er diesen ganzen Monat 
Vi^schwand allmälig bis zum gänzlichen Aufhören am268ten 
her. Gleichseitig herrschte fast überall Windstille oder 
schwacher Nordwind , jedoch waren die an einzelnen Orten 
Ansbrache kommenden Gewitter nnd die sie begleitenden 
nicht vermögend , ihn gänzlich zu zerstreuen , wenn sie 
gleich etwas verminderten , wie denn namentlich dieses bei 

t heftigen Regen zu Franrker am 20sten Juni der Fall war. 
Verschwinden erfolgte an den verschiedenen Orten unter 



Kel>eL 




■ad Baa koBBte vk Uclkb Ao^ca die Sonae bt- 
tndktea, die am bvaaalidk lolkcs, am Mortem oad AiMnde tkf 
VnamoAes oder Uatrodics, sawölca ycdodi tarn gdbes odtf 
bbb'WeiMiclics Aaadbm baife. Der Ncbd nigta dmchaof 
kein* Fcacirtigkcit , Tidaielir gaben die HrgioaMter giabt 
Trockeabeit aa aad das Vcrdnasten des Wessen der Salzsaolen 
erfolgte aacb Lamasov scbaeUer als gewdbalicb; meisteBS Ter^ 
bieilete dcnelbe eiaen Gerncb, welcber scbcvrefeÜg geaanat 
wild , gab aa einigea Orten dem Wasser des Tbaaes cinca an-* 
angeoehmen Gescfamacfc nad macbte es nacblhfiiig för die Pfiaa« 
2ea , §o dafs aamentlicb ia Narboaae die Weia — nad Oliven- 
Matter dadarch verdont seyn scdlen , irena dieses anders nicbt 
Folge der berrscbenden Dürre war. In GrSaingea nad Moscan 
▼ergilbtea gleichfalb die Blatter und Gcöser, im Ncanolitaai-- 
schea soll der Nebel den Than eisenhaltig geaiacht babea, bks 
VüSQUiCAS beobachtete aber, dals ei die Farbe der fnscb ge- 



1 Yergl. BßiAXVM Beitrag sar WittcnugikaBde» Ldpaig l&SO. 
174. 






TttookaMr« 



Hü wKpfthMiiüiiln tim 1 in Ofiulüti« liii Fiiidii-l «^1^ 
, fiiBr>iM»> t wamtkt ■ fctfciii ^ - JUb wi iikit Mob «onf i 
ninPi^iimÄM &axk im ilmp'Lnft aitiigeMftstit Knffar' 




^^■■a «Jim dbilMi^fiAfa^ifc^ir Wicht fc»a» 
ilMlH' üjiTliiiiifcliiyftiAh—idi M (taiiuilm DoMlt«M 



f A*ifcfiJüvi*ii6g|lt»ürilr«t «HMrJBwAUftw/ drill . a^bidr 

iBMdl|p«il«uif|iiitii3etMlbt» fbt riia»- tmohMin« 

Milf ^■niviiita.As.'f ^r^^^ MmvBM 



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^ •' ' .■ •■■■'.•■ 1 1 f.-, / 



1 Nfoe-Sdir. der B^rl. Bttarf. Frtimd«. Bd«' III. 6, HU' 
' I ioarn. de Phyt; XXUI, p. iSOl. 
. $ Sbend« XXIY. Mai ond Jouro. de Far. USS. 

4 lOectriciU de« m^teorei. T« Ut p* US* V«r^l« £Q«yclpp, metlu 
Pttt, Plyr^i'. T. I. p. iSä. 

5 JoQrn« de Phji. T. XXfV. p. 18. 

[ 9 M te. di> PAcad. ponr 1781. p. 754 

7 Jofun. de Pliy«. XXIV. p, S. Jfaonh. Epkem. 178S. 
ft De«tMker MeMir. 1781 Apv« 
9 ]o«ro. de Par..l784. 

10 Phil. Mag. T. V. p. 80, 

11 PhU. Traot. 1784. p. 283. 
ü Maiieli. Mem. T« H. 
15 Gedanken über den so lange anLaltenden Nebel, Ton F. v. 

I. Brannadiw. 1783. 
U Von der meii^wlirdigen Witterang des Jahres 1783. 

15 Ueber Erdbeben ond; Nebel. Jena .1784. 

16 Nene Scl\w«d. Abb. Tb. V. 

17 Tom Erdbeben aof Island im Jahr 178S durch 8. Jtt. Holm« 
A. d. Dan. Copenh. 1784, 

18 In einer eignen S9bri|t| die ich nicht erhalten konnte» 



49 Kebel. 

iflibeiondere , was sich in den MsnnTtsimer Ephemeriden diean 
lahrea* hauptsächlich von van Swisdeh, ToAi.no, HsMMiKt 
Ki'ixiQ u. a. findet, dia vielen Nachrichten in eigentlichen BkN 
tera nicht gerechnet *, 

Auch nach diasem sehr auffallenden und gina ungewöhn- 
lichen Hijhrauche hat man ähnliche Phänomene von weit gerin- 
gerer Ausdehnung zuweilen und alle einzelne Falle mit gerech- 
net im CrinEGn ziemlich häufig beobachtet. Der Aehnlichk«it ' 
wegen mufs hierzu gerechnet werden der dicke schwarze Nebel) 
welcher im Jahre i8I9 sich über mehrern Gegenden Ton Nord- 
smerica, am stärksten am !23sten Nov. zu Montreal in Canada 
zeigte. Am Morgen fiel während seiner Dauer ein wie Tintt 
schwarz gefärbter Regen , worauf er verschwand und heiteren 
Himmel zurücklieft, bis zum 35sten, als sr um Mittag so dick 
wurde, dafs man licht anzünden mufsle. Die Nachricht, dafl 
man zugleich einen schwachen Erdstofs verspürt habe, ist nach 
Wahrscheinlichkeitsgriinden sehr zweifelhaft, weil viele bei je- 
der ungewöhnlichen Erscheinung sogleich Erdbeben vermuthen, 
gewifs aber ist, dafs um 3 Uhr Nachmittags ein Gewitter mit star- 
kem, schwarzem Regen eintrat, worauf der Nebel verschwand'. 
Ein merkwürdiger trockner Nebel zeigte sich am ISten August 
]8'JI über England, wo er in der Richtung ' 
beobachtete man 
ionne mit blofser 



Am Morgen dieses Tagi 

London und konnte di« 

die zugleich so weiTs und seidenartig ersch 

leute sie für einen Luftballon hielten. A 

Tages sah man ihn zu Paris und schon a 

wo er dem von 1783 sehr ähnlich zu seyn 

30sten gänzlich verschwand*. Nach Bar 



ihn in Essex und i 
Augen anblicken, J 
1, dafs die Land- 1 
Abend desselben 
19ten zu Viviers, 
hien und erst am 
w * erscheint dis 



Insel Madeira fast unausgesetzt in eine dicke schwarze Wölk« 
gehüllt, welche um Mittag wie ein lockeres Vlies über den , 
Gipfeln der Berge schwebt, gegen Abend sich tiefer herabsenkt J 
und wahrend der Nacht Stadt und Gegend zu badecken scheint. 1 



1 Ephemeride« Soc. met. Palst, ManoJi. 1735. 
S Lflujitaer Provinzialbläiter. Görlitz 1783. Th. V. DeulBcIiet 
Mercur. 1783. Oct. Hül.ner's phyi. Taeebuoli. Bd. I. S. 1. u. r. a. 
a G. LXVir. 187. «18. 

4 FnucRBcBE. in Ann. do Ch!m. et Ph. XVIII. 419. XXI. 411. 

5 nalteu. Uebeta. von Ehrmann. W«iin. 1808. 



Trockner« 43 

018^ erMihlt mehraw Fälle dei Erscheineni trooknw 
i mchender Nebel. Viele herrschten nach ihm voa 
§1766» "Welche man jedoch den damaligen hänfigen 
fnden znachrieb. Auch im Joni 1782 warde ein sol« 
HUland und hanptsächlich im Haag beobachtet, spitera 
yS20 in Holland und sogleich in Hamburg,- im Jahre 
fhParit, Strabbnrg nnd Laon, 1823 in Holland nnd 
%Rit ttKikerabcr war der Ton 1825 9 welcher in Hol« 
ll Uten bis 16ten Jnni abwechselnd, zuweilen sehr staA 
lAMchend erschien und wieder verschwand 9 ja sogar 
^drei Tage wiederkehrte, im Monat December noch 
i|m Vorschein kam und mitUnteybrecfanngen einen gin- 
■M dauerte. Auch im Jahre 1836 ssigte sich in den 
UtfhraiMh, welcher sn Gotha nngefilhr gleidu«- 
wurde' und in Belgien in den Monaten Juni vnd 
wiederkehrte« 
dm Beobachtungen minder aUgemeln verbreitetea 
tfaeile ich hauptiächlich nnr die in Deutschland ge-t 
und es Terdient überhaupt beachtet su werden, dab 
Phänomen am häufigsten in den Niederlanden nnd 
koste Frankreichs, im nördlichen Deutschlande, 
JB England , noch seltener im südlichen Europa seigt, 
piitQ Europa aber , mit Ausnahme des einzigen Falles 
763) nnd von Asien und America ist, den erwähnten 
Nebel abgerechnet, mir gar keine Beobachtung be- 
en. Am 25sten und in gröberer Stärke Sm 27sten 
Mai 1824 beobachtete Hohhbaum' einen starken 
Welcher nahe und entfernte Gegenstände verdunkelte 
eigenthümlichen, dem Steinkohlendampfe ähnlichen, 
itete. Derselbe kam mit N« W, Winde, bei hei- 
kaltem "Wetter, verdunkelte die Sonne und nahm an 
so SU, dafs die Feuerpoliaei Untersuchungen wegen 
es anstellte. Auch in Erlangen und der Umgegend 
27sten, noch mehr aber am 28sten und 29sten gleich« 
icher Höhranch wahrgenommen , insbesondere aber 
OFF die kürzer dauernden Erscheinungen desselben 

ArcHiT fdr die gesammte Natiirl. Tb, XllU 8. AS7. 
55. 

L Th. XI. S. 438, 
L Th. II. S. 432. 



44 Nebel. 

in d«n letiter«n Jahren beachtet und! Öffentlich bekannt gemachu 
Ich selbst erinnere mich, obschon aus früher Kindheit, dennoch 
•ehr deutlich an den dicken , gelbbraunen Höhrauch von 1783| 
den bleichen, röthlichen Schein der Sonne, die man wie eine 
blofs helle Scheibe stundenlang ohne Nachtheil mit freien Augen 
betrachten konnte ^ an die unglaubliche Dürre und die allge- 
neine Verwunderung, welche das seltsame Pb&nomen insb^ 
sondere durch seine lange Dauer erregte. Seitdem habe ick 
mitunter einzelne , mit jener durchaus nicht vergleichbare Er* 
Scheiinnngen trockner Nebel wahrgenommen, bei weitem häufi- 
ge jedoch im nördlichen Deutschlande zu Hannover, als im süd- 
lichen zu Heidelberg, die jedoch selten einen ganzen Tag dauer- 
ten und wobei der trübende Dunst bei weitem dünner war , als 
bei jenem ausgezeichneten Phänomene. . Den Geruch desselben 
iF^orüber ich aus jen«i früheren Zeit gar keine Erinnerung mehr 
habe , so lebhaft mir auch der Anblick . noch jetzt vorschwebte 
kann ich nicht anders als etwas scharf, dem des Rauches über 
groften Städten und 'dem durch verbraiinte Steinkohlen odef 
Brannkohlen erzeugten ähnlich , finden. 

Diö Meinungen über den Ursprung und die Bestandthsile 
des Höhrauchs sind verschieden , kommen jedoch im We^ient* 
licheli auf folgende drei Theorieen zurück. 

1} Den schwarzen Nebel von 1819 in Nordamerica wu 
Chlabni geneigt für kosmischen Ursprungs und aus solchen 
fein vertheilten Massen bestehend zu erklären , als welche die 
Meteorsteine bilden; allein es ist wohl genügend erwiesen, dab 
tatfernte Waldbrände durch den erzeugten dicken Rauch ihn 
veranläJbten ^. Auch andere sind geneigt, den eigentlichen 
Höhrauch oder mindestens eine Art desselben für kosmisch| 
idso aus dem Welträume in der Atmosphäre anlangend, und ans 
^net den Kometenschweifen und Sternschnuppen ähnlichen 
Substanz bestehend zu erklären ^ , allein diese Hypothese, die 
sich ^war nicht direot und absolut widerlegen lalst, da die Be- 
ständtheile der Meteorsteine so verschiedenartig , die -der Kome- 
tenschweife und Sternschnuppen aber völlig unbekannt sind; wird 
namentlich wegen der langen und anhaltenden Dauer des Höh- 
yaucha im Jahre 1733) woraus eine fortd^iuernde Erzeugung 



<«*■ 



1 G. LXVII. S18. 

9 Kastkbr Handbuch d* MeteoroL Th« IL S. 47. 



Trockner. 45 

desselben fast notliwettilig folgen würde, In einem hohen 
Gnde unwah^cheinlich. 

2) Nach einer zweiten Meinung soll die Elektricitat die 
• Ursache der trocknen Nebel seyn, eine Hypothese, welcher 
' mehrere Physiker , jedoch nnter verschiedenen Modificationeni 
' anhängen. In Besiehung auf den Hohrauch von 1783 sagte z>A 
' LiiDE im Allgemeinen, die Menge der Elektricitat^ welche nach 
einem feuchten Winter durch die grofse Sommerhitze entwickelt 
worden sey, habe denselben erzeugt; Co tte meint, es seyen 
mineralische Ausdünstungen , begleitet von elektrischer Materie, 
in Folge der grofsen Hitze und vielen Erdbeben insbesondere 
ans den Bergen aufgestiegen; Maret und Castelli lassen 
Wasserdämpfe mit einer übergrofsen Menge elektrischer Materie 
ans der Erde tsich erheben und verdichtet werden; Berthülov 
abergiebt sich viele Mühe, seine Erklärung den verschiedenen! 
mit dem Hauptphenomene zugleich bestehenden, Nebenumstän** 
den anzupassen , nämlich dals eine grofse Quantität elektrischer 
Materie im Innern der Erde angehäuft gewesen sey , welche bei 
ihrem plötzlichen Freiwerden die mit ihr aufsteigenden Dünste 
fojtgmsseD habe , so dafs also die begleitenden Erdbeben nicht 
Ursache, sondern gleichzeitig mit bedingte Wirkungen der an* 
gehänften und frei werdenden Elektricitat gewesen wären» Im 
Wesentlichen kommen also diese gesammten Ansichten darin 
überein , dafs die in der Erde aufgehäufte Elektricitat die nicht 
näher bezeichneten Bestandtheile des Nebels verfliichtigt und in 
die Höhe gehoben habe ; inzwischen ist diese Erklärung eines 
Theils nicht vollständig , insofern sie die eigentlichen Bestand- 
theile des Nebels nicht angiebt , andern Theils streitet eine ^/i- 
häufung der Elektricitat in der Erde gegen die wohlbegründete 
Theorie über das elektrische Fluidum , welches sich eben durch 
den Uebergang zur Erde wieder ins Gleichgewicht setzt ; auch 
sind keine Thatsachen vorhanden , welche zu dem Schlüsse be- 
rechtigen , dafs solche Substanzen , welche den Höhrauch bil- 
deten, vorzugsweise und in so ungeheurer Menge durch das- 
selbe verflüchtigt würden , nicht zu gedenken , dafs nach Hem- 
mer's Beobachtungen ^die Luftelektricität damals keineswegs 
vorzüglich stark war , vielmehr die Gewitter an weit mehreren 
Orten ungewöhnlich fehlten , als in Menge und von bedeuten- 
der Stärke sich zeigten. 

Auch neuerdings hat man die Elektricitat zur Erklärung der 



trooknen Nebel im Allgemeinen von mehrneii Seiten in A» 

Bpruch genommen. Nach Kastiir* giebt ea vier Arten vot 
HShrauch, den Tulcanischen Sonnenrauch, den Htiderauchf 
den Getoitterrauck, welcher in den Zwischenzeiten der Gewi*^ 
t er abwechselnd erscheinen und durch einen elektrischen > Gsfl 
rucb sich auszeichnen soll, und einen kosmüchen. Sciiüe)^ unfl 
WiKsuAHN* halten den Höhrauch für ein hauptsächlich du« 
Elektricität bedingtes Phänomen, welches die Stelle eines schwi 
chen Gewitters vertrete ; Gümthek * glaubt, derselbe sey vorf 
dei Lüfte lektricitüt abhängig, und auch von Hoff^ setzt densetr 
ben mit der £ lektricitüt in ursachliche Verbindung, indem if ] 
namentlich bei fünfzehn Beobachtungen im Jahre 1638 fanc^ 
dafs derselbe den Gewittern voranging oder ihnen folgte'. AI"'' 
len diesen verschiedenen Ansichten fehlt jedoch eine genanyi 
Bestimmung des eigentlichen Verhältnisses der Elektricität zwi 
Hührauche, mit Ausnahme derjenigen, -wonach derselbe aiiy 
schwaches Gewitter seyn soll. Dieses aber ist an sich unmttgi^ 
lieh; denn da ein Gewitter aus nichts anderem als einer difl 
Elektricität stets erneuernden, also hinsichtlich ihres elektrifl 
sehen Zustandes Stets zwischen Ladung und Entladung wecfan 
aelnden Wolke besteht, der elektrische Zustand jeder Wölkt'" 
aber bekanntlich in einem steten solchen Wechsel begrilTen is^ . 
mithin jede Wolke als ein Gewitter betrachtet werden kann unttj 
auch wirklich so genannt wird, wenn ihre elektrische Spannui^S 
auch nur zu einer einzigen Entladung durch einen Blitz steigt)) 
60 müTste jede nicht zur Explosion gelangende Wolke sogleicÜ 
HShrauch und dieser um so dicker seyn , je geringer ihre elek> 

1 H»ndb. d. Meteor. Bd. 1. S. 58. 84, Vergl. Archiv It. S. «7, I 
3 Der eigeatbümliDhe Geruch dei Häbmuches nüre wohl für di< | 
Erklärung leines Uiiprungoi niciit gaaz gleichgültig, allein die Ge' J 
Dauigkeit der Beobachtungen erregt einigen Zweifel, wenn man ge< 
wahrt, wie lie mit der Theorie iibereiDitimmea. BEnTuOLON bemerkte) ' 
daFs er nach Schwefel rieche, weil die von ihm angenommenen Adsh ! 
diinituDgen ichwefelig seyn sollten ; den Anhängern der ErUäroBa I 
dnrch EJektricttät riecht er elektrisch , aber beitle Geriiche sind kannUjI 
lieh venchiedea; ich selbit ünde weder das eine, noch dai andere. 

3 KiJiKER Archiv X. S. 232. XVUI. S. iSä. 

4 Ebeiid. S. 491. 

5 Ebend. IX. S.260. 

6 Ebend. VIII. S. 351. 

7 Ebend. XT. S. 1£S. 



Trockner. 47 



||ke Spannung' oder ihre wediMlnde Uebtdadnng niit Elak* 
j|At wäre« Ergiebt lich schon hieraus dieUnhaltbarkeit diesac 
Uodiete^ so geht diese noch mehr ans den Bemühungen her* 
du eigentliche Wesen des Hdhranches auf die Wirfcnngea 
nach den darüber bekannten Gesetsen surüoksii« 
ZnvOrderst kann die Elekricitat selbst auf keine Weise 
seyn» denn abgesehen von den erwähnten Messungen 
ca's und anderer, wonach die Luftelektricität im Sommer 
nicht stärker ab sonst war, und ohne den wesentlichen 
KU berücksichtigeni dab in jenem merkwürdigen Sonii* 
dnige Gegenden mitten im dicksten Hdhnuche von starken 
heimgesucht wurden, während sie an andern Orten 
Udten, miüste bei der £rregnng der Elektricität durch 
Maschinen nothwendig ein dem Hdhrauche ähnlicher un-» 
itiger und trockner Dunst gebildet werden , wovon nie 
»tar keinen Umständen irgend eine Spur vorgekommen 
Iit es aber erwiesen, daTs die Elektricität weder in dem 
r, wie sie aus -f- E und — £ gebunden in allen K({r- 
m vnbestimmbarer Menge vorhanden ist, noch auch ab 
pMüt imd nach aufgehobenem Gleichgewichte bei überwie* 
|eAi -(- £ oder — - £ jemab ab ein dicker Nebel erscheint, 
ewoU keinem vernünftigen Zweifel unterliegt, so mufs sie 
f Bettandtheile des Höiirauches schon vorfinden oder nicht. 
Kosten Falle würde sie eine durchaus überflüssige Zugabe 
PS dtten Existenz aus den Beobachtungen keineswegs folgt, 
Niitai aber müfste sie die Bestandtheile des trocknen Ne- 
lexengen ; allein sie kann zwar wohl zusammensetzen und 
pn, aber noch nie ist ihr eine aus dem Nichts schaffende 
iTon irgend einem besonnenen Naturforscher ernstlich bei- 
b worden. BBaTHOLOV und andere ältere Physiker lassen 
porderlichen Bestandtheile der trocknen Nebel aus der Erde 
jkdieEbktricität verflüchtigt werden, was aber dagegen strei-* 
Hill die Elektricität ihre Wirksamkeit bloss im Zustande des 
tintseyos von + E und-*£ zeigt, welche beide sich jedoch 
|i Uebergange in die Erde sogleich wieder zur Neutralität 
UgsD, in der Luft aber sehen wir uns vergebens nach sol- 
iBestandtheilen um, welche, an sich undurchsichtig, durch 
emog oder Zusammensetzung vermittelst der im AUgemei- 
licht starken Luftelektricität in die dunkeln und nur durch- 
inenden Partikelchen der trocknen Nebel, die noch oben- 



48 Nebel. 

drein in so überwiegender Menge plötzlich 2nm Vorschein kom- 
men, Yer<wandlelt werden könnten. Dass der Geruch des Höh— 
rauohes dem der freien Elektricität ähnlich seyn soll, sagt if^ 
Grande nichts^ beide aber einander ganz gleich zu nennen, war 
gen selbst die Anhänger dieser Hypothese nicht und dürfte hA 
näherer Prüfung auch als unzulässig erscheinen« Nach TAff 
Movs besteht der Höhrauch aus Wasserdunst mit freier Elek^ 
tricität, aber dann mülste derselbe künstlich gebildet werden^ 
\renn eine kräftige JBlektrisirmaschine von Nebel umgeben ik 
Thätigkeit gesetzt würde, wobei sich zwar ein starker Gemc& 
nach Elektricität zeigt, aber keine Spur eines trüben Nebels^ 
abgesehen davon , dass der Wasserdunst durch den Beitritt der 
Elektricität doch unmöglich seine Wesenheit, nämlich deä 
Feuchtigkeitszustand, verlieren kann. Es scheint mir also übot* 
flüssig, diese Hypothese weiter zu verfolgen, deren Unzulässige 
keit um so deutlicher hervortritt, je mehr man sie im Einzelnen 
auf das untersuchte Phänomen anwendet. 

3) Nach der dritten Hypothese sollen die trocknen Nebel 
aus dem Rauche und dem Dunste verbrannter oder durch Hitif 
verflüchtigter Substanzen bestehen, deren Ursprung dann im 
Einzelnen mit mehr oder weniger Bestimmtheit angegeben wir^ 
Diese Erklärung ist die älteste , auch wenn man die Hypothesen 
von 1763 unbeachtet lalst, wonach diese und verwandte meteo* 
rische Phänomene auf die unbestimmten schwefeligen und alkah*«* 
sehen Dünste zurückgeführt wurden. So leitete Lafi den Nebel 
im Jahre 1783 vom Erdbeben in Calabrien, HiCKMANisr von de« 
nen auf Island ab^, Toaldo, Sfallanzani und Daquiv sind 
der Meinung des ersteren zugethan, obgleich ihnen diese £fHi. 
klärung wegen des Herabsinkens des Nebels aus der Höhe und 
wegen seiner weiten Verbreitung einigen Schwierigkeiten zu on* 
terUegen scheint* H. W* Brandes^ trägt zwar Bedenken, den 
Höhrauch von 1783 geradezu von dem Erdbeben in CalabrUn 
oder den vulcanischen Ausbrüchen auf Island abzuleiten , meint 
jedoch, dafs die in dem genannten Sommer so zahlreich statte 
findenden Phänomene dieser Art allerdings dazu berechtigeBi 
jenen Dunst für aus der Erde aufgestiegenen vulcanischen lU 
halten. 



1 Encyclop. meth. T. I. p« i2SB. 

2 Beiträge zor Witterongskande ju s. w* S* 179* 



TrocKner. 49 

fenti W üiäitim imtJt^ftnngim inn^tttlclnwttaHlflk* 

ipdh 1783 und ihnlidMr grobarfigtr Pliinonüiie liafidl«!^ 

rieh die Hypothese, mrotiedi dieser ab Folge der TQlea- 

ittBUd Attsbriithe «iif Ishnd und d0s Ueidiireh erseagteii Ren- 

igeseben wird^ ib eidfen hohen Gnde WahrscheinKch ma- 
ftMr Dia bedeutendsten &fihei«n frodmen Nebd lallen ait 
Vidoattischen Katastrophen snsaamen f ft. B« der von 
eni grolsen Brdbeten in Syiien, der Ton 1721 adt dem 
inTanrisnnd Geoigten^; Cottb «rwXhnt uog einer 
Mmtt Buira avd's , dats 'das dnrdk du grofse Brdbeben ^on 
TJbatinft nnd den Atiritmeh des Kade^mi «tif Uand ansgeieich-r 
Bsis Jab 17ft5 HUhraneh nnd^sfinkeode Nebel gehabt haboi nnd 
in Iilvn 1764 nnchte nicht blob der Aetna bedeutend stark, 
mlsm noch mAt der fiirchtbare Catopaid, welcher lange Zeit 
fc Loft ditteh «nsgesrotfene Asche so sehr retfinsterte, dals die 
isw uhnsf Ton Banbato nnd Taknnga am 4ten April den gan** 
SSB Tag lacht brennen nmfsten*. Die* schrecklichsten vnlcani- 

Aasbiücke aber, di* geschichtlich giniaoer bekannt sind, 
MjgpnSiin rieh mcht blob In Gilabrien, sondern haoptsSchlich 
miVkUimhkr^ 1783 1 in welchem sich «agleich der dickste 
hismilinftliiamih elnattllt«« DasAosstrttmenronRaodi begann 
MB Ende des Monats April, erreichte den h^hsten Grad in den 
Monaten Joni, Jnli, und endigte im Atigast^, also gerade gleich'» 
tätig mit jenem Nebel^ welcher am 248tett Mai in Kopenhagen 
saent erschien nnd in den folgenden Monaten sich meistens mit 
Novd- nnd Nordost -Winden weiter südlich Verbreitete) ja es 
iriid ansdrücklich erwähnt^, dals die Sonne auf Island, durch 
im dicken Ranch kaam sichtbar, ein rolhes Ansehn gehabt habe. 
Auf diese Weise lassen sich dann auch der eigenthtimliche Ge- 
nMh des Hohtauches Von 17835 seine zum Htisfen reizende 
fldilife, das Vertilgen der Insecten auf den Pflanzen in Kent 
Aach einen während seiner grölsten Stärke fallenden Gewitter-** 
ngen, sein Einflufs auf blankes Kupfer und frisch gefiirbte Cat<*> 
lane sehr gut erklären. 

Durch alle diese iibereinatimmenden Umstände mnis sonach 



1 Kirwan on tlie Variations of tlie Attfiospliere. Cb. T. sect. B 

t ▼. Hombotdt Reis. Ueb. Th. III. S. 9. 

S TergL Art« Vulcane. 

4 In den Mannheimer Epheiil. a. a. O. 

Tir. Bd. D 



50 Nebel* 

die Hypothese, welche die vorzüglich starken trocknen Nebel 
aus vulcanischem Rauche ableitet, überwiegende Wahrschein- 
lichkeit gewinnen und zugleich die Vermuthung herbeiführen^ 
dafs die ihnen ähnlichen,- minder dichten und kürzere Zeit anbdU 
tenden, welche häuüg beobachtet werden, von gleichartigea 
Verbrennungsprocessen abzuleiten sind. Namentlich läfst.sich. 
diese Erklärung auf die häufigen vorübergehenden Erscheinun«* 
gen des Höhrauches im nördlichen Deutschlande anwenden, d% 
ren einige ganz erwiesen vom sogenannten Rasenbrennen od^ 
Moorbrennen erzeugt wurden, wie namentlich Fxnke auf did 
bestimmteste dargethan hat^. Auch Run. Brandes^ theilt meh- 
rere interessante Beispiele eines solchen Ursprunges mit, vov 
Hoff ^ redet häufig von Höhrauch mit Braunkohlendampfgeruch 
und Veltmann^ zeigt durch Zusammenstellung gleich^estigei 
Beobachtungen, dafs mehrere in der Gegend von Gotha wahrgo« 
npmmene trockne Nebel, welch« diesen eigenthümlichen Gemdh 
verbreiteten, mit dem in Osnabrück erzeugten Moordampfe ohne 
Zweifel in ursächlichem Zusammenhange standen. Van* Moxs 
wendet zwar gegen diese Erklärung ein, dafs jener Rauch den 
eigenthümlichen Geruch der trocknen Nebel nicht habe, sioli 
nur auf wenige Stunden Entfernung verbreite und nicht allezeil 
erzeugt werde, wenn sich Höhrauch zeige ; allein diese Argn-^ 
mente sind offenbar von keiner grofsen Bedeutung. Was näm- 
lich zuerst den Geruch betrifft, so war dieser nebst allen äa- 
fsern Kennzeichen bei dem Höhrauche von 1783 von der Alf, 
dafs man auf ein Product der Verbrennung schliefsen mu&te, 
weswegen auch die Italiener, denen der Geruch ' des vulcanir 
sehen Rauches am besten bekannt ist, denselben für ein Erzeug 



1 Dieses Moorbrennen geschieht vom Monate Mai an nnd spatfi 
nnter andern in Ostfrietland, indem der obere wnrzelreiche Rasen ak 
gehauen, aufgehäuft und angezündet wird, um die zu starken und d* 
her nicht vermodernden Pflanz enwtfrz ein zu zerstoVen, den Boden jn 
erwärmen und zu düngen. S. Naturhistorische Bemerkungen belr 
eine auf yieljährige Beobachtungen sich htützende Beschreibung d« 
Moordampfes in Westphalen o. s. w. von L. L. Finke. Hann. 1820. 8 
Der Moorrauch in Westphalen, ein Beitrag zur Meteorologie n, s. w 
von L. L. FiHKB. Lingen 1825« 8, Abhandlung vom Rasenbrennen nui 
dem Moorbrennen von Fr. Arbnds. Hann. 1826. 8. 

2 Archiv des Apotheker -Vereins u. t« w. XXII. S« 164. 
S Kastner's Archiv. Th. I. Heft 2. 

4 Ebend. Th. X. B. 266. 



\ Trockner. 51 

yb d» Vültane kielten^ wobei anch Toaldo's Elnworf , dab 

EBS der Höhe herabgekommeo %&y^ wegfällt, wenn man ihn 
den isländischen nnd nicht den italienischen Vulcarien ablei- 
< DaDs übrigens der Geruch des zu eiiixelnen Zeiten erschei- 
tu Höhrauches demjenigen sehr gleiche, welcher dem über 
D and selbst Dörfern als I^xoduct der Verbrennung entsfe- 
Rauche eigen ist, hauptsächlich wenn Braunkohlen, Torf 
Steinkohlen daselbst gebrannt werden, ist so ziemlich allge- 
JD anerkannt und Ton Unbefangenen oft ausgespröcheli worden ; 
hatte fiir mich der Anblick def Sonne durch den über London 
esetzt schwebenden Raucn mit dem, woran ich mich vom 
1783 noch genau erinnere, eine überraschende Aehtilichkeit. 
tki zweite £inWurf, dals nämlich der MooMampf sich nur 
wenige Stunden Weges Entfernung verbreite, ist durch 
Nachweisungen von Fiike in so weit genügend wider- 
als das Fortschreit eh desselben, mindestens bis auf 30deut- 
Meilen weit ohne merkliche Abnahme, factisch durch ihn 
worden ist^* In sehr vielen Fällen lälst sich^ohnehin 
[Verbindung trockner Nebel mit dem Moorbrennen odet soh- 
Eoengungen eines starken Rauches nachweisen, wie dieses 
ichGüHTHEE^ bei zwei von ihm mitgetheilten ßeob- 
ingcn gethan hat, obgleich er dennoch geneigt ist, den Ur- 
g derselben von elektrischen Wirkungen abzuleiten. Aü- 
ergiebt eine einfache Berechnung, dafs nur mäfsige Luft- 
gen von nicht mehr als l2 tufs Geschwindigkeit in ei- . 
nnde den Rauch binnen einöm einzigen l'age 43, 2 Mei- 
fast 3 Breitengrade weit, fortzuführen vermögen , die 
hoch zu 24000 Fufs angenommen, so dafs hiernach also 
ttch von Island nur etwa 10 Tage bedurfte , um an den 
ischen Küsten anzulangen. 

er dritte Einwurf gegen diese Hypothese endlich kann 

hwieii^keit beseitigt werden, nämlich dafs derHöhraucb, 

tlich auch im nördlichen Deutschland , beobachtet werde, 

weder benachbarte Vulcane noch ahgezündete Moore die 

it Rauch erfüllen. Hierauf läfst sich nämlich erwiedern, 

iese angegebenen Ursachen zwar unter die vorzüglichsten 

gröfserem MaCsstabe wirksamen gehören, wodurch der 



^4 



]• 



Nalarhistorische Bemerkungen ii. s. w. S. 2Ö. 
Kwtner Arehir IX. S. 260. 



52 Nebel. 

mehr oder minder dichte, oft sehr weit verbreitete nnd durch 
einen eigenthümlichen Geruch ausgezeichnete Rauch erzeugt 
wird , aber keineswegs die einzigen sind , vielmehr geschieht 
eben dieses durch alle gröfsere, mit Feuer arbeitende Fabrikant 
lagen und durch viele vereinte kleinere Verbren nungsprocessei 
weswegen der nebelartige Rauch über grofsen Städten selteo 
und namentlich über London nie fehlt. Wenn man aber be- 
denkt, wie weit bei nicht stürmisch zerstreuenden Winden oft 
der Rauch von einem einzigen Dampfschiffe fortgeführt wird| 
und die unermefsliche Menge desselben berücksichtigt^ welche 
namentlich aus den zahllosen Anlagen für Feuerarbeiten in Eng- 
land emporsteigt, wo an vielen Orten ganze Quadratmeilen von 
«in em dicken Rauche überdeckt sind, so gelangt man bald zu 
der Ueberzeugung , wie leicht solche enorme Massen, ohne 
gänzlich zerstreut zu werden, bis auf mehr als hundert Meilei 
fortfliefsen können. Diese Ansicht wurde bei mir hauptsächlidl 
hervorgerufen, als ich in der Nähe von Birmingham von einem 
einzigen Standpuncte aus 95 hoch hervorragende Kamine zähltei 
die vielen niedrigen nicht mitgerechnet, aus deren jedem eine 
schwarze Rauchsäule emporstieg, so dafs alle vereinigt die ganze 
unübersehbare Fläche mit einer undurchsichtigen Rauchwolke 
überdeckten, und ich glaube bestimmt, dafs jeder, dem ein sol» 
eher Anblick gewährt wird, die über die Entstehung des H^h^ 
rauchs aufgestellte Hypothese als richtig anerkennen wird, so 
dafs wir also diese keinen geheimen, nicht leicht erklärbareOi 
sondern ganz einfachen, natürlichen und nahe liegenden Ursa» 
chen beimessen dürfen. 

Aus dieser Hypothese , wonach also der Höhrauch im AB-» 
gemeinen von Verbren nungsprocessen abzuleiten ist, indem die 
grofsartigen Erscheinungen desselben von vulcanischen Ausbrü- 
chen, die meisten geringeren, vorzüglich in einigen nördlich 
europäischen Küstenländern von dem Moorbrennen in jenen Ge^ 
genden hauptsächlich, seltener wohl vom Rauche der colossalen 
englischen Steinkohlen - Consumtion, andere geringere und sel- 
tenere ähnlichen Erzeugungen von Rauch beizumessen sind, 
lassen sich alle Einzelheiten dieser Phänomene sehr einfach her- 
leiten. Der Geruch des Höhrauches, welcher durch v. Dba- 
scHAü und Jansek* ein eigenthümlicher, brenzlich - bitumin(^ 



1 Schweigg« Jonrn. LII. S. 382. 



! Nebelflecke. 



5J 




% etwas stechender , einen unangenehmen Eindmck machen« 
hr nnd sogar Kopfschmerzen veranlassender genannt wird, 
fkmt ganz hiermit überein , jedoch ist derselbe in der Graf« 
ifaftMark, wo diese Beobachtungen gemacht wurden, stärker 
■1 daher leichter kenntlich, als in südlichem und mehr östli- 
bs Gegenden, weil der Nebel in letzteren durch gröfsere Zer- 
feHBDg ongleich schwächer ist. Eben diese gröfsere Seltenheit 
hl geiiogere Dichtigkeit desHtfhrauches im südlichem Deutsch- 
pl Qod in der Schweiz , wo man denselben kaum überall 
kniodestens höchst selten erwähnt findet, giebt der aufge- 
ribn Hjrpothese einen neuen Unterstützungsgrund. Der 
edoM Nebel ist nämlich am häufigsten und dichtesten in jenen 
I, welche den grofsen Moorgegenden und England am 
liegen ; er kommt in jene Districte , namentlich in die 
Muk nie mit Süd- und Ost -Winde, sondern mit 
und nordwestlichen Luftströmungen ^ , und zwar am 
im Mai , Juni und Juli , weil dann das Moorbrennen 
HinteD geschieht , beides aber im Monate August unter die 
lihlUten gehört; er erscheint meistens nach Gewittern, weil 
hidifLiiftschichten aus gröfseren Höhen herabzusinken an- 
kfNi, Welche zugleich die ihn begleitende Kälte bedingen ; 
tst aus gleichen Ursachen trocken, erscheint nur bei heiterem 
^er, weil stürmische Luftbewegungen ihn zerstreuen, weicht 
I Regen, weil dieser ihn mit sich herabführt, und verschwill- 
M plötzlich, wenn die über dem Erdboden erwärmten oder 
le aufsteigende Luftströme ihn mit sich in die höheren, 
Regionen führen und durch übermäfsige Verdünnung 
I verschwinden machen, 
ü so vielen und so bestimmt entscheidenden Thatsachen, 
Zahl sich leicht noch vermehren liefse, scheint es mir 
angemessen, das Phänomen noch fernerhin als ein rath- 
zu betrachten und Hypothesen zu seiner Erklärung 
ichen. M. 

Nebelflecke. 

Nebelsterne; nebulae^ stellae nehulosae; 
nebuleuses; nebulous siars. Bei der genauen 



1 y. Derschaa and Jansen a. a. O. 



54 Nebelflecke, 

V 

Betrachtung des Himmels bemerkt man theits schon pait bloüsem 
Auge, npch mehr aber mit Fernröhren, lichte Gegenstände, die 
sich wie Wölkchen von mehr oder minderem Lichte ausnehmen 
und die daher Nebel, l^ebelflecke genannt worden sind* Als ein 
solcher Nebel erscheint dem blofsen Auge der Sternhaufen im 
Krebse und der im Degengriffe des Perseus; aber bei diesen 
und mehrern andern zeigt schon die Beobachtung mit Schwa- 
chen Fernröhren , dafs sie aus einer Men^^e scheinbar nahe bei 
einander stehender Sterne zusammengesetzt sind und daher 
eben so \yie das Haar der Berenice , das Siebengestirn u. a. mit 
allem Rechte Sternhaufen heifsen sollten. Dagegen giebt es 
auch Nebelflecke, deren Ansehen für das blofse Auge ziemlich 
eben so ist, die ^ber, selbst mit Hülfe starker Fernröhre , ihr 
nebeliges Ansehen nicht verlieren, z. B. der schon mit blofsem, 
Auge sehr gut sichtbare Nebelfleck in der Andromeda. Uebct 
diese Verschiedenheit haben erst Hehschel's Beobachtungen 
eine etwas genügendere Belehrung gegeben. 

Von den frühem Beobachtungen brauche ich nur wenig an- 
zuführen. SiMOV Marivs spheint den Nebelfleck in der An- 
dromeda zuerst bemerkt zu haben, ums Jahr 1614, und noch 
um das Jahr 1665 war er so wenig bekannt, dafs einige Beobr 
achter ihn für einen Kometen gehalten hatten *, Die Praesepe 
im Krebse und den Sternhaufen im Kopfe des Orion (den Ga- 
lilei nebulosa Orionis nennt) erkannte Galilei sogleich mit 
seinen Fernröhren als Sternhaufen*. Den merkwürdigen Ner 
belfleck ini Orion entdeckte Hüyghebts^. Den schönen Sternr 
häufen im Sobieski'schen Schilde entdeckte Kirch. Verzeich- 
^nisse mehrerer Nebelflecke und Sternhaufen haben HallbI» 
Messier u. a. gegeben^. Auch Bode hat durch viele eigene 
Beobachtungen diesen Theil der Sternkunde sehr bereichert und 
Abbildungen mehrerer Sternhaufen und Nebelflecke in seinen 
bekannten Sterncharten mitgetheilt. Aber alle diese Bemühun- 
gen erschienen als unbedeutend, sobald Herschel anfing, seine 
grofsen Telescope z\l einer Durchmusterung des ganzen Himmels 



1 Lobieniezki theatram cpmeticum. I. p. 825, 337, 403. Moa- 
tocla Hist. II. 285. 

f Sidefeus iifiDcii|8. Opere di Qalilep Oalilei, Mil|ino 1810. 
IV. 83?. 

S Hiigenii opera IH. p. 540. 

4 Pliil. Trans, for 1715. p. 390. Mrfm. de Paris ponr 1771. p.435. 



Ncbcirjecke. 




r raumdu 


.idringendfin 


äuTch sie 


h bei stnt- 


en , G — 


ind» von 


le nehe.ijjo Stepnhntifen 


j>e9etzt zeigen nürden, 


t den Slernhaafen, die 


sehen haben, erwarten. 



Beobnchtungen zeigten nicht 
«.heit i. 
1 Nebeldecke zosammenfarsre, bei' 
1 Himmel vorhanden sind*, sondern sie geben weni 
Aufsühlur« über die verschindene Beschaffen heil d 
weide daher vorzüglich von seinen Beobachtnnger 
ibtn angegebenen Folgerungen reden und einzelne 
»chtaogen gelegentlich erwnhnen. 
Dars vermüge der Lichtstärke 

Kraft der Herachel' sehen Fernrühre , 

ter Vergröfeerung noch i^'- ■■-■ 

schwachem Ghnze gut zu a i , ra. 

lieh als wirklich aus Siern i /.usam: 

litis aich nach der (Jebereij mmun" 

nur fiir das bloF^e Auge ein s 

■\Virklieh war dieses auch ~- »^m uer Fall , dafs Hehschei. in 

der frühesten Zeit die Mel ^ gefafst zu haben scheint, es 

n>ü[sten durchaus alle Nebe ke sich bei hinreichend gescliarf- 
lera Ulicke als SternhaufeE darstellen; eine Meinung, die er 
«pater nicht mehr als ohne snahme richtig anerkannte. 

Nach HgHSOBGL^s spati cii Mittheilungen darf man es wohl 
als gewil's ansehen, dafs man zwei wesentlich verschiedene 

Arten von Nebelllecken annehmen mufs, und aufser den Ersehei- 
nnogen , die sich mit ziemlich entschiedener Sicherheit zu einer 
oder der andern Classe reebnen lassen, giebt es noch Gegen- 

■änd» von zvreifeltu&ot Natur. Jene »wei Hauptclassen «ind 
•ndich die Nebelftecke, die man deutlich oder doch wenigstens 
mit grobeT Wahruheinlichkeit als Sternhaufen erkennt, und 
iweitens die eigentlichen Lichtnebel , milchigen Nebel , die bei 
der Beobachtung mit stärkeren Instrumenten sich nicht so dai- 
tlelleii , dals man sie fiir Sterne lialten bann , sondern die aus 
einer gleichfärmig ausgetheilten leuchtenden Materie zu beste- 
llen scheinan^. 



1 Phil. TrHns»ot. for 178G, p. 457. for 1789. p. 21S. for 1B02. 
p. 477. Astr. Juhrhach 1791. S. 157. 1794. S. 150. 1807. S. 129. Auck 
in Hericuel'j samoitliclieii Schriften. T. M. S. 403. 

2 Ich verde mich !□ dea Citateu auf die d«at>clie AoEgiiha lun 
HEKacHEL's Schriften (W. Hehscsel'! sämmll. Schriften. Ersier Bd., 
über Ata Bau des Himmel). Dreiden u. Leipsig, ArDold'sche Buchh, 
1886.) belieben. 



56 Nebelflecke. 

. Die SternhaQfan sind sowohl ihrer Gestalt, als auch il 
Gröfse und ihrerä Glänze nach sehr verschieden. Ab die regd« 
mäfsigste und dennoch sehr oft vorkommende Gestalt giebt 
HsascuEL die kugelförmige an. In diesen kugelförmigen Stern« 
hänfen sind «ahkeiche leuchtende Puncto von gleichem Glanie 
auf einen kreisförmigen Flächenraum so ausgetheilt, dafs sie 
gegen die Mitte immer mehr und mehr gedrängt erscheinen ; 
diese Zusammendrängung gegen den Mittelpunct geht gewöhn« 
lieh so weit, dafs sie in einen leuchtenden Mittelpunct, dessen 
vereinigter Lichtglans keinen einzelnen Stern mehr zu erkennen 
gestattet, übergeht. Dafs in diesen Sternhaufen nicht blob 
scheinbar, sondern auch wirklich die Sterne einander nahe 
stehen , daran kann man unmöglich zweifeln. Die Sterpe in 
ihnen müssen, so weit sie uns einzeln kenntlich sind^ nicht 
sehr von der Gleichheit f ntfernt seyn , und auch ihre Austhei«- 
liing in dem Räume , den sie einnehmen , müssen wir als nach 
allen Richtungen um den Mittelpunct herum übereinstimmen! 
ansehen, wob^i sie indefs gegen den Mittelpunct zu auch wirk« 
lieh enger zusammengedrängt stehen mögen, als gegen deh 
Rand, indem ihr Ansehen in den meisten Fällen gegen den Mit-* 
telpunct gedrängter erscheint, als einer gleichförmigen Austhei* 
lung angemessen ist. Hier haben sich also viele Sterne , wie 
man wohl sicher behaupten kann , um einen anziehenden Mit- 
telpunct, in welchem wir uns am liebsten einen Stern von mehr 
Masse denken werden, vereinigt und bilden so ein grofses 
Sternsystem ^. Um die Entfernung solcher Sternsysteme zu 
schätzen , bieten sich mehrere Wege dar , die jedoch alle von 
Vermuthungen ausgehen. Am passendsten scheint diejenige 
Bestimmung der Entfernung, wo man die Sterne in ihnen als 
ungefähr denen gleich , die uns näher umgeben, voraussetzt ^J 
Findet ipan z« B., dafs ein Fernrohr, welches 61mal so tief als das 
biofse Auge in den Raum eindringt, uns bei grosser Anstrengung 
des Auges noch die Sterne eines IN^ebelfleckes, der dann ein auf- 
löslicher Neb el{Ieck heifst, 9eigt, und hat nian sich durch andere 
Beobachtungen überzeugt, dafs das biofse Auge bis auf 12 Si- 
riusweiten reicht , so eignet man diesem Sternhaufen eine Ent- 
fernung von 732 Siriusweiten zUt Ein solcher Nebelfleck von 



1 Hbrschel S. 139» 

2 Ebend. S. 3^1. 



Nebelflecktw .57 

tt IBrotm DBwhmwgtr Utta alio «am wdiitn DunliBiMMf 
Uli^M^ «WM iSuimwwten und in ditie« Bäumt woide mu| 
nl {hih StMTM oft ao gedüngt enchtiDen, dali niMi dittas woU 
imIuim. 4MrQ 60 Sterne in jedem DarohmtMev, 113000 
i I Stme^in jdm- genxen Reome loinehmea dutffi|i. Diese Stenit 
i( aDf wiren in cinam Bnome enthalten, dessen Halbinasser dar 
Abttndi.mm nns bis* sam Sirius ist, also nach ein^m gani an« . 
Um (ScsfMwangeordnet,. ab dia ans umgebenden Sterne , aber 
inmer würeip ihre Abstände von einander noch viel gitflser, ale' 
dar PmchnaassCT nnseis Planetens3rstems , ja, wenn man den 
aiflhsten -ftxstem auch nur eine Billion Meilen entfernt aetst| 
ihr gsgenseitiger Abstand doch noch 3000O Millionen Molen« 
Diese Bechnong, die Hsescbil in Beziehung auf einige von 
üia beobachtete Nebelflecke durchfiihrt , seigt , dab die Vor* 
iHMutningm der Rechnung nid^ts in sich Widersprechendes 
Uien. Einige dieser Stemhaufsn müssen hiernach ab näher 
midala, nook lange keine Sirinsweite im Durchmesser haltend 
gwfibitft werden; andere sind entfernter, und da es Gegen^ 
Palaim gjMly die selbst in den stärksten Fernrohren sich nur 
^ eist so asigen , wie andere au{l(lsliche Sternhaufen in schwM* 
[ tknm Femrllhren , so ist es höchst wahrscheinlich , dafs man« 
I che jener Gegenstände in der Thet Sternhaufen sind , die nur 
ober die Grenzen der raumdurchdringenden Kraft aller unserer 
Fernrohre hinaus liegen» Dieses ist um so mehr zu vermuthen, 
da sich so sehr zahlreiche Gegenstände am Himmel finden , die 
in aller Hinsicht wie ein verkleinertes Bild eines' leicht auflös*- 
lichen Nebels , und wieder andere , die wie ei|i verkleinertes 
Bild jenes verkleinerten Bildes aussehen. Bei diesen Nebel- 
flsdien , die durch kein Fernrohr als in Sterne aufgelöst erschein 
oeo , ist offenbar von gar keiner regelmäfsigen Abschätzung der 
Eatfemung die Rede, da es ja ganz ungewifs bleibt, ob sie 
wirklich aus Sternen bestehen; dennoch sind folgende Be* 
trachtungen Hbaschel's so der Natur der Sache angemessen, 
da(s man ihnen einiges Gewicht nicht absprechen wird^. Es 
giebt Sternhaufen, die mit dem IQfufsigen Teleskope sehr genau 
so aussehen, wie andere mit dem blofsen Auge oder mit einem 
sehr schwachen Fernrohre , und es ist daher einleuchtend , dafs 
man sagen wird, weil jenes Fernrohr 28mal so tief in den Raum 

1 S. d7U 



58 Nebelfiecke. 

eindringt, als das bloFse Auge,' so könnte ein Sternhaufen 
'wir'klich demblofsen Ange sichtbar ist, bei28nial so grofse 
femung noch in jenem Femrohre sichtbar bleiben. Daran 1 
sich also leicht der Schlufs, da Sternhaufen in 144 Sirius: 
sich noch dem blofsen Auge zeigen ', so mögen Sternhaufei 
sich ink lOfufsigen Teleskope ehei^ so unbestimmt zeigen , 
Siriüsfernen entlegen seyn. In sp grofser Ferne und vollei 
den Entfernungen, die hiernach das 20fufsige, da^ 40^ 
Teleskop noch erreichte (die 4000 bis 11000, ja 35000i 
Entfernung des Sirius), miifsten solche Sternhaufen unter 
üufserst kleinen Winke], zuletzt nur als etwas gröfsere « 
erscheinen ^, Diese' Berechnungen geben uns daher Gru 
yermuthen, dafs unser Auge noch bis zu der lOOOOfacher 
fernung des Sirius eben solche Sternsysteme entdecke, u 
sich hiermit die Ueberzeugung von der UneHdlichkeit der 
baren Welt, 'Von der Unmöglichkeit, dafs ein irdisches 
ihre Grenzen erreichen könne, verbindet, so ist die Be 
tung, dafs manche jener Nebelflecke sich in Entfernunge 
100000 Billionen Meilen befinden mögen , in Entfernunger 
denen das Licht erst in einer langen Reihe von Jahrtaus 
zu uns gelangt , nicht als. eine unglaubliche zu betrachten, 
dern "wir sehen in ihr, was wir, durch innere Nothwend 
getrieben, glauben^ dafs für die Gröfse des Weltbaues , fi 
Werk des Unendlichen , jedes irdische Mafs , jede mensc 
Phantasie zu begrenzt ist. 

Aber nicht alle Sternhaufen haben diese nach der Mit 
iner gedrängtere Kugelform. Bei manchen , wenn sie 
kugelförmig Sind, scheint die Austheilung der Sterne 
gleichförmig; bei andern scheint ein Zusammendrängen 
mehrere Mittelpuncte statt zu finden; noch andere sind g 
sam an einander gereiht oder haben die Gestalt eines B 
so als ob aus dem mittleren Räume sich die Sterne rings i 
zusammengedrängt hätten. Nach Herschel's Beobachtu 
der Himmel um diese Sternhaufen herum meistens so d 
dafs sich der Gedanke aufdrängt, alle Sterne aus der en 
tem Umgebung hätten sich gegen jene Mittelpuncte zusan 
gedrängt. In Rücksicht ihrer gegenseitigen Lage glaubte 
SCHEL iiuch^ etwas Merkwürdiges zu finden, dafs sie ni 



w^* 



1 S. 255. 2 S. 77. 



Nebelflecle. Sd 

f . . : • -■ 

in Schichte öfler Reihen geo)rdnet sind, ilid dttrch weite fUfu- 
ne fortfanfen , und dab sie sofern der Milchstrafte gleicken, als 
mch diese eine Schicht xasafnmengeordneter Sternhaufen sa 
ttjn' scheint. -Eins dieser nfebellager war so teiclihaltig, dafs 
m 30 Bfinnten "31 Nebelflecke 'gesehen wurden J in einem an- 
dein waren do|^eIte und dreifache Nebelflecke, grobe mit U^- 
nen, die vAt ihre Begleiter erschienen, u. s. w. HERSciriEL ist, 
10 yiel ich weiCs , auf diese Anordnnng nicht wieder zunickge- 
kommen, und ich bin daher nngewifs, ob bei dieser Andeutung 
taf die Verschiedenheiten in der Entfernung und in der Natur der 
Nebelflecke Rücksicht genomipen worden ist, daHiRSCHEL' diese 
bei seinen frtthern Beobachtungen noch nicht söaufgefafit hatte. 

Die zweite Art von Nebeln scheint nicht aus Sternen zu-r 
sammengesetzt zu seyn. Allerdings bleibt es, wie ich schoa 
efwShnt ha))e , oft zweifelhaft, ob nicht noch vollkommenere 
Fernrohre den milchigen Nebel In einen auflöslichen Nebel ver«* 
waQdeln würden, und Heaschel glaubte z.B. bei seinen frii- 
kern ^obachtungen den Nebel in der Andromeda so zu sehen ^, 
hS% er in seinem glänzendsten Theile sich den auflösbaren Ne- 
ielo ol&ere ; aber in m^ncl^ei^ Fgllei) ist e^ wohl ganz unbe- 
zweifelt, dafs wir in den milchigen Nebelq eine gapz andere 
Materie sehen , über deren Beschaffenheit w}r nur unvollkpip- 
mene Muthmafsungen h^beu könpen. Eine sehr schwach leuch- 
teD4e, VCTmuthlich nicht sehr verdichtete Jlaterie, die oft 
sehr bedeutende Räume einnimipt, die zuweilen mit Sternen i;; 
Verbindpng steht, müssen wir wphl Jn diesen Nebelpiassen er- 
kennen; aber ihre Bestimmung im Welträume ist ups sehr 
wenig klay, Heaschel hat aus seinen Beobachtungen Folgen- 
des über sie mitgetheilt ^, Es giebt Gegenden von 1 bis lj5 Grad 
im Durchmesser, die ganz mit einem unregelmaf^ig ausgebreiteten 
Nebel bfidecHt sind, und ihrer sind so viele, dafs schon Her.- 
schel's Beobachtungen zusammen 150 Quadratgrade als mit 
solchen Nebeln bedeck^ angebep. In diesen schwachen Nebe^r 
massen zeichnet sich nun zuweilen eipe oder zeichnen sich meh- 
rere Stellen durch eröfsern Glanz aus , die Nebelmaterie scheint 
sich hier verdichtet zuhaben oder uns dadurch glänzender zu 
wef den , dafs unsere Ge^ichtslinie länger in ^hr forfläuft, . Aber 

f TT . 

1 S. 125. 2 S. 206. 



60 Nebelflecke. 

die Vennathaog, dafs die Nebelmateria sich rerdicbte, dab 
sie, durch irgend eine stärkere Anziehung gegen einen oder 
gegen mehrere Mittelpnncte getrieben , sich hier mehr ansammle, 
gewinnt an* Wahrscheinlichkeit, wenn man findet, dafs meh-> 
rere Nebelmassen oft einander nahe liegen , so liegen , dafs msB 
den Gedanken fafst, sie hätten eine ehemals zwischen ihnett 
ausgebreitete Nebelmaterie zu sich herangezogen und dadurch- 
zwischen sich einen leeren Raum hervoi^ebracht. Dieser Ge- 
danke an ein Zusammenballen der Nebelmaterie wird dadurch 
bestärkt, dafs viele Nebel eine' rundliche Form haben und zahl- 
reiche andere ganz entschieden' oval sind ; dafs sehr viele Ne^ 
bei in der Mitte «inen stärkeren Glanz zeigen, der auf bedeu«» 
tendere oder doch wenigstens nicht unerhebliche Verdichtung 
hinweist. Diese grüfsere Lichtstärke ist bei einigen Nebel- 
flecken durch leise Abstufung gegen die Mitte zunehmend, bei 
andern gleicht die Mitte mehr einem Kerne, der, selbst sehr 
verdichtet, nur noch einen dünnen umgebenden Nebel zurück- 
gelassen hat* Endlich schliefsen sich hieran die merkwürdigen 
planetarischen Nebelßeche , die eine beinahe ganz gleichförmig 
helle Scheibe von ^ Min. und selbst einer ganzen Min. Durch« 
messer darbieten \ oft noch mit etwas Nebel umgeben sind und 
sich so zeigen , als ob sie schon einen gewissen Grad von Fe-? 
stigkeit erreicht haben , wobei sie sich aber doch immer noch 
von Sternen sehr wesentlich durch ein viel matteres Licht und 
einen gr^jfseren Durchmesser unterscheiden. Und über diese 
Verdichtung zu planetarischen NebelHecken hinaus scheint nun 
noch ein weiterer Grad der Verdichtung möglich zu seyn , wo 
der Nebel in der Mitte einen Stern , nur noch mit Strahlen, mit 
einer nebeligen Hülle umgeben, darstellt. Diese Zusammen- 
ordnung der von Herschel zahlreich beobachteten, höchst 
mannigfaltigen Nebelfiecke scheint also wirklich darauf hinzu- 
deuten , dafs jene feine Materie , die sich uns in den ganz dün- 
nen zertheilten Nebeln zeigt, fähig ist, sich zu leuchtenden 
Körpern auszubilden. Andere Nebel scheinen sich so an Sterne 
anzuschliefsen , als ob sie im Begriff wären , sich mit den schon 
gan:? ausgebildeten Sternen zu verbinden ; die Nebelmasse um-^ 
giebt einen Stern , oder liegt zwischen zwei Sternen , oder geht 
in mehrere Aeste von einem Sterne aus^, oder es ist eine Nebel- 

1 S, 270. 



KebrIXaeoke. 61 

■mie ttmt mtlmiMä Sltmft>4o>,fliisg«brfitflt| «b ob fit di«i# 
niglbai r.-< ^ ' 

Ich smlli weh hier damit begni^n, dtaff> 'Was HiHseRn 
wat saUnicheD Beiapttlsn bastj&tigt,' nur mit wanigan Worta» 
maidaukanii nnd fuge i^IdiaüBambrluiBg ibri, dab diese Ab^ 
hiaTlimgen HBaatHsii'it, 'die eine in den labiten IiMMnsjdirafli 
giniacble Zttsammäfflhirigfiaainet Bao b a ablua geii entfaaltaii^ 
todist aiuiiehead^im^'baMhnnd'laind, aber doch aeht daft 
VnDSch eircgen, «a* »flge bdd.mi mit atadkath lostnunantmi 
«agastaltater Baobachllnr allä diese BaobaehlnAgan Medetholaiiy 
aar den Grad von Wahraehaanlichkeit lülfaiar su bestimmany den 
wir iBeaatt sdriufinaiiigan/VäzmiidmDgaii baisvkgao tma geneigt 
fSdaa. '' :ix: iH .:■ 

IXeaa dgenäioh nebeUgitft Ersähainiiligan aivid naoh Hu« 
sanEi'a Aaaicht niobt sof sehe weit entfenit. Er gkobt, dafii 
^Slone liennter Grdlse hinte»idem Nebel im' Orion ständen nnd* 
dab dieser Hebel TieHeidht nur mit derBntfenrang dar Sterne 
svnitBr und dritter Gr(fbe übereinätimnie. Die aus dem matten 
Cläasa der Nebelflecke liir< ihre geringere Entfemiing berge- 
aamHäban Gründe acheinen niir ktin Gewicht an haben« Aber 
ifiidsb »ach mir swei Shrinsfemen von iins, so mnb ein Ne- 
belyon iGradAasdehnung doch einen Raam, der mehrere hun- 
dertmal so grob als unser Sonnensystem ist, erfiillen« Dab 
iigend einer dieser Nebelflecke eine jährliche Parallaxe habe, ist 
noch von niemand beobachtet worden, also ist bis jetzt kein 
Grund vorhanden , anzunehmen , dab sie uns näher sind^ als 
die nächsten Fixsterne. Dagegen hat man in dem öfter beob- 
achteten Nebel im Orion Veränderungen wahrzunehmen ge- 
ghnbt, und der ältere Herschkl^ zweifelte gar nicht, dafs in 
dem Zeiträume seiner Beobachtungen dieser Nebel seine Gestalt 
verändert habe. Die Vergleichung zwischen der Lage, die 
HuTOHEif s diesem Nebel in Vergleichung gegen die benachbar- 
ten Sterne zueignet, und späteren Bestimmungen spricht noch 
mehr hierfür. Aber wie trüglich diese Vergleichungen seyn 
können, bemerkt der jüngere Herscuel', indem er auf die 
groben Verschiedenheiten aufmerksam macht, welche durch 






1 S. 249. 

2 Aot dea Trtnaact of the astron. soc« in der Bibliotheque nni- 
mteUe. XXXIY. 81. 



62 Nebelflecke. 

die Aüwendung eines andern Fernrohrs und selbst durch Ver- 
änderungen in dem Zustande der Atmosphäre in dem Erscheinen 
dieser lichtscjiwachen Gegenstände hervorgebracht werden. Da 
jüngere Heaschel selbst hat daher aus eigenen BeobachtUDgea 
eine die gröfste Aufmerksamkeit verdienende genaue BeschiiU 
bung der einzelnen l'heile dieses Nebels, denen er bestimmtl 
Namen beilegt, gegeben^ und nun erst läfst sich hoffen, dall 
wir bald durch Fortsetzung dieser Beobachtungen, mit gleieha 
Instrumenten angestellt, eine genauere Bestimmung der, ia 
Allgemeinen wohl nicht zu bezweifelnden, Veränderungen €^ 
halten werden. Die früheren Beobachtungen von Hutgheii 
JPicAÄD, LE Gentil, Maihan, Mbssier sind vou Herschu 
angeführt; Schhütea's Beobachtungen scheinen ihm unbekaniH 
geblieben zu seyn. Einige Beobachter haben den Raum nebei 
diesem Nebel als auffallend schwarz angegeben , was aber dod 
wohl nur durch die Vergleichung mit dem Lichte des tüehd 
Üecks, blofs scheinbar, hervorgebracht werden mag^. 

Der schöne Nebelfleck in der Andromeda, der keine Ver 
Änderungen zu erleiden scheint, ist nebst den beiden klein« 
benachbarten Nebeln von Messieh genau dargestellt^ wordei 
Des Jüngern Herschel's Beschreibung stimmt mit diesei;Z«ck' 
nung fast genau überein. , .,^, 

Von Hahn hat die ganze Gegend um den nördlichen FIS 
gel der Jungfrau als mit einem Nebel überzogen angegebei 
und obgleich ton Hahn's Beobachtungen nicht die Sicherheil 
wie die vonHEKSCHEL undScHAÖTEii, haben, so verdient doo 
diese Bemerkung vielleicht eine Prüfung^, Eben dieser Beob 
achtflfr glaubt, dafs der planetarische Nebel bei fi, der Wassei 
schlänge seine Gestalt und Lage geändert habe *. Endlich be 
merke ich noch^ dafs Cacciatore's Meinung, er habe eine 
früher nicht vorhandenen Nebelfleck entdeckt, durch Dunlof 
Beobachtung ^ , die diesen Nebelfleck als sehen früher vorbände 
nachweist, widerlegt ist®- jB. 



1 Herscuel's Schriften S. 385. 

2 M^m. de Plnstit. de France. VIII. 206. 
S Astr. Jahrb. 1801. S. 178. 

4 Ebendas. 1803. S. 106. 

5 Scbum. astron. Nachr. Nr. 148^ 

6 Yergl. den Art. Milchstrqfss. 



Nebenmonde« 63 

Nebeftmonde* 

Paraselenae; Paraselenes; Paraselenea ; sind 

I solche glänsende Erscheinungen in Deziehnng anf den 
il, wie e» die Nebensonnen in Beziehung auf die Sonnen 
i^. Schon die allen Naturforscher kannten sie '. Da sie 
I ebenso entstehen, wie die Nebensonnen, to verweile ich 
faucht bei einer nähern Beschreibung und Theorie dersel* 
I und bemerke nur , dafs inanchp der Beobachtungen , wo 
li'jganx nahe bei dem wahren' Monde einen Nebenmond xa 
■ geglaubt hat, vielleicht auf Täuschung beruhen, indem 
^dbst einmal uf ch ein^r auf dem Postwagen schlaflos zuge- 
lten Nacht den gegen Morgen erst aufgehenden Mond trübe 
^li^pelt gesehen habe, aber mich bald überzeugte, daCs 
k'ttwas gereiztes Auge mir ebenso den Mond verdoppelt 
|i, wie ein kurzsichtiges Auge ein eiitfemt^s Licht undeut- 
puid vielfach sieht« Ohne gerade sicher behaupten zu wol- 
|Us alle bei höherem Stande des Mondes bemerkte Ver- 
Iphngen des Mondes blobe Täuschungen ähnlicher Art wa- 
|^«kiDt mir doch die Bemerkung nicht unrichtig , dafs anch 
Nba andern, vollständig beschriebenen , Erscheinung' die 
iJoppelaDg nicht wahrgenommen ward, wenn man den Mond 
(k eiDen Operngucker oder durch ein achromatisches Fern* 
1^ beobachtete, und dafs noch eine ähnliche Beobachtung^ 
i einer solchen Täuschung ähnlich sieht. Dafs aber nahe 
lorizonte Nebenmonde ganz nahe neben dem wahren Monde 
hinen können , darüber werde ich im Art. Nebensonne Be- 
bangen mittheilen. B. 

\ Nebeuplaneten« 

f Monde, Trabanten der Hauptplane- 
i; Planetae secundarii, Satellites planetarum; 
letes du eecond ordre^ Lunes, Satellites; Satelr- 
I Moons. 



S. Art. Hof nnd Ifebcnsortne* 
Plin. Hist. naL II. 32. 
BerliD. astroQonu Jahrbach 1812. S. 265« 
i G. XXX« 106. 



i 



64 Nebenplaneten, 

Dia Nebenplaneteo sind Weltkörper ^ die nicht, \ni 
die Hauptplaneten , eine einfache, kreisförmige oder elliptischi 
Bahn um die Sonne diirchlanfen , sondern einen Hanpl- 
planeten so begleiten, ^dafs sie ihre rtlatip» Bewegung um die* 
sen in einer Kreisbahn oder einer Ellipse vollenden. Uasei 
Mond ist ein solcher Körper, der, wenn wir uns die Erde dl 
ruhend denken , sich in einer beinahe kreisförmigen Bahn , de« 
ren Mittelpunct die Erde ist, um die Erde bewegt, allerdings 
aber, da er mit der Erde um die Sonne herum geführt wird| 
eine ungefähr cjkloidische Bahn im Sonnensysteme beschreibt 

Da vom Monde ein eigner Artikel handelt, so' werde ich 
hier nur von den Monden des Jupiter , Saturn und Uranus han- 
deln. Die übrigen Planeten haben keine Monde K 

Monde des Jupiter« 

Gleich nach Erfindung der Femröhre bemerkte SiMOir Ml» 

RiüS (Simon Matkr) in Anspach im Novembisr des Jahres 1609^ 

dafs einige kleine Sterne, immer unter einander und mit dea 

Jupiter in gerader Linie stehend, bald an seiner einen, bald aii 

Seiner andern Seite sich zeigten. Er beobachtete sie vom29<teil 

Dec. 1609 bis 12ten Januar 1610 und dann vom 8ten Februar 

bis in den März und überzeugte sich Völlig, dafs dieses Monde 

des Jupiter wären« Er nannte diese kleinen Gestirne demMark«^ 

grafen von Brandenburg zu Ehren , in dessen Dienste er standf 

sidera Brandeburgica. Da er aber erst 1614 seine Entdeckung 

vollständig bekannt machte^, so kam ihm in der Bekanntma^ 

chung eben dieser Entdeckung Galilei zuvor, der mit einenl 

selbst verfertigten Fernrohre diese Monde am 7ten Januar 1610 

bemerkt und sodann genau beobachtet hatte. Schon in dem* 

selben Jahre machte er seine Entdeckung bekannt^, bestimmte 



1 Ton der ganz gewifs irrigen Meinung, dafs aoch Tenot einen 
Mond habe (M^m. de Tacad. de Berlin 1773), ist es jet^t nicht mehr 
DÖthig, etwas zu erwähnen« 

2 Mundas jovialis anno 1609 detectns. Norihergae 1614« £ine 
karze Nachricht hat er indefs schon im Fränkischen Kalender für 
1612 gegeben, wie Gbhlbr aas Bbckmahn's Beitr. z. Gesch. d. Erfii^»« 
J. Bd. 8. 117. nnd aus den Nachrichten der ö'konom. Gesellsch. in 
Franken, zweitem Jahrgang (Anspach 1776), anfährt. 

S Nunciua sidereus. Yeuet. 1610 u. Frf. 1610. Anch in den 1810 in 



^ De^ Jupiter^ Q^ 

.Umlan&sahen dieser Monde genau iind nannte sie sn Ehren 
L berühmten italienischen Fürstenhauses Sidera medicea 
ftif Name ist nicht in Gebrauch geblieben. Dab diese 
(kckung von einigen Beobachtern verdächtig gemacht wnrde^, 
^t li^om erwähnt su werden { Kifjplka selbst aber über- 
ff» sich bald von der Richtigkeit der Entdeckung und fand 
k noch einen Beweis mehr fiir die Behauptung, dab auch 
||[de mit ihrem Monde um die Sonne kofe '• 

iDiese vier Jupitersmonde sind schon mit sehr schwachen 
pOhren zu erkennen , ja es hat mehrere Personen gegeben, 
«fik überzeugt hielten , dab sie sie mit bloben Augen wahr^ 
kpfa, und dieses würde, bei dem gar nicht unbedeutenden 
BS dieser Weltkörper, nach Olbbbs Urtheile gewib leicht 
jidi leyn, wenn sie nicht einem so sehr hellen Himmelskör* 
Kike fttäoden ; der grobe Glanx des Jupiter selbst aber macht 
IMuten, auch SQUst scharfen » Augen unfähig, das Bild der 
|iOteii, indem es von dem Hanptplaneten so lebhaft über- 
Mvird, wahrzunehmen» Sie sind übrigens leicht zu er- 
■n, weil sie invner fast genau mit ihrem Hanptplaneten 
'TM geraden Linie stehen, und diefs deswegen, weil die 
i^sk nur wenig von der Ebene, worin sie sich bewegen, 
kann« 

fIMeBeobachtung dieser Monde hat später Fla mste ad, Gas* 

EKaraldi und Lalandb beschäftigt. CA&siifi gab Ta« 
n Bestimmung ihres scheinbaren Laufes heraus \ In 
r Zeit hat Waägbktis sich vorzüglich um diese Berech« 




f 1 



tberaasgegebenen Opere di Galileo Galilei. Vol. IV. p. 297» 
wunderte lich zwar bei der er»teo Beobachtung darüber | dafs 
ladieii in gerader Linie standen , hielt sie aber doch für Fix- 
vd sah blofs Ton ungefähr, ,|nescio quo fato doctas," sich 
lan. wieder nach ihnen um, 

XpisL ad Kepplemm scriptae. Lips. 1718. Epist. 108. 
arratio de quatuor Jovis satell. a se observatis. Pragae 1610« 
rtatio com nuncio sidereo ad Gaiil. missa. Pragae 1610. S« 
frühere Beob. dieser Monde: de Zach Corr. astr. III. 8f7, 
shemerides bonouiensea Mediceornm siderum« Bonon. 1668« 
des satellites de Jup. reformcSes snr des nour. observ. Paris« 
Aach in den M^m. de Paris. I. 213. X. 572. Flamstead's, 
b's*!!. B. Schriften, die ähnliche BemühaDgen betreffen, führt 
iirn Bepert. Comm. V. 260. 263. 265. 
Bd. ^ 



r 



66 Nebenplaneten. 

nung verdient gemacht^, und man hat lange Zeit sich an seiat 
Tafeln bei der Voransberechnnng der Stellang der Trabanten 
und besonders ihrer Verfinsterungen gehalten ; endlich aber h«f 
ben Delambre's noch genauere Untersuchungen vor ihnen d^ 
Vorzug gewonnen« Delambre^s Tafeln, deren Titel ist: A^ 
bles elliptiques des Saiellites de Jupiter, d^apria la th^rie d$ 
Mr. Laflace et la TotcUiti des cbaervatione ^ Jaitee depuif 
1662 Jusqu* a Vcufh 1802 , par Delambre , sind nach IjAifLA- 
cVs Urtheile^ so genau, als die Beobachtungen selbst. We- 
gen der Beobachtungsfehler war es nicht möglich, den Tafeb 
die Vollkommenheit zu geben , die man nach Mafsgabe der veir 
glichenen groüsen Anzahl von Beobachtungen wohl hoffite erlui- 
gen zu können. 

Da man für viele Zwecke zufrieden ist , die Stellung dei 

Jupitersmonde nur ziemlich genau zu kennen , so hat man siel 

dazu eines Modelies, eines Jovildbium^ bedient, weichet 

Cassini erfunden und Wxidler beschrieben hat^. Gbhlsi 

theilt davon folgende Beschreibung mit. Das Jovilabinm b^ 

steht aus kreisrunden Pappen- oder Kartenblättern, die sio| 

um einen gemeinschafdichen Mittelpunct drehen lassen , wo <ia 

Mittelpunct die Stelle des Jupiter , die Umkreise der Pappen di 

Bahnen der Monde nach den gehörigen Verhältnissen vorstellet 

Das Ganze wird von einem Ringe umgeben , der die um ebe 

den Mittelpunct beschriebene Ekliptik vorstellt Die Umkxeii 

der Bahnen selbst werden nach der täglichen Bewegung eini 

jeden Trabanten um den Jupiter eingetheilt. . Um nun die Stel 

lung für eine gewisse Zeit zu finden^ wird die Lange eines jede 

Trabanten, aus dem Jupiter gesehen (longitudo Jovicentrica 

aus den Tafeln gesucht^ und ihr gemäls wird das Merkmal, di 

den Trabanten vorstellt , auf dem Umfange seiner Bahn so vei 

schoben , dafs es vom Mittelpuncte aus gerechnet diese Länj 

auf der Ekliptik hat. Hierauf sucht man aus den Tafeln df 

geocentrischen Ort des Jupiter und richtet auf den damit übe: 

einstimmenden Punct der Ekliptik eine um den Mittelpunct b( 

wegliche Begel, Wenn man nun die senkrechte Entfemni 



1 Acta soc. Upsal. pro anno 1741« p. 27. und in der Berlin 
Samml. astr. Taf. 111. 51. 101. 

2 Ann. de Ch. et Ph. IV. 85. de Zach Corr. a»tr. 11. 43ö. 

3 Explicatio Jovilabii Gassiniani. Viteb. 1727. 



•Bje« Japiter. ' ffl 

JtrT^idb^mrh« yöa li^ Sdäb^ di«ii»IUg«i mSSkt und vom IfCt- 
f^jmnete' «utiet IdeinSm.Kraim, der 'das Jnphvr vomdh, anf 
fie'dne oäar di# iiid|rcS«Jt)ei 'inftrigl',' io giebt-die so nitste- 
kilde ^chimDg den Sitnd voii dbr Erd« an« gesellen liohtig 
aib- Gielft nini' d«1>el nöch'Achtiiog, wiii die Knofenlinie disr 
lWbsiiteiiSNiluie& liegl^ so unn liali 'xiigleich btnnheflen, ob 
ftk* Tikbsnt iahtt odisr niedrige^ ab der' Mittelpiinct d^ Japstet 
«Heheiaen Trtrd« 

Die^Berec&nntiff des jrenanen Standes der Jümtenmönde 
rfädgte' besonders dadnrdi eine eyhtfhte Wichtigkeit , dals man 
^ Beidbachtiiiag ihrer' Verfin^rungeniiirBestimmong derLMa- 
^- unterschiede anwandte» -Sehon Giiiiiiat httte die Bemer-» 
Ining gemacht, dab die an awei verschiedenen Orten beobacb« 
tH» Teifinstemng eines Japitersmondes sehr gut dienen k((n-» 
a*, mn den LSngen- Unterschied sa finden', nnd ohne Zwei-» 
fd'kat' er. 'Viele Beobachtnngen ober diesen Gegenstand ange-> 
lldit; Aef diese sind, nebst Seines Schiflers Rcvisni Beobaoh-« 
til|igcn,~TRloren gegangen *j» Erst nach der Mitte des IZteQ 
Mrittndefls fing man an, 'diese Beobachtongen fleilsiger anxn«* 
üdW^ vbd IreiBch hStte man , bei der fiüheiren greisen \Jn* 
femoBnaenheit der' Uhren, ans diesen Beobachtungen auch 
iHM^ nicht den rechten Nutzen stehen können. In der folgen-» 
den Zeit hat man sich ihrer oft bedient '* 

Die Beobachtungen dieser Verfinsterungen haben das Vor-« 
züglichste Mittel zur genauen Kenntnifs der Bahnen und Um-* 
lan&zeiten dieser Monde dargeboten ; aber in dem beinahe un« 
▼ermeidlichen Mangel an Genauigkeit dieser Beobachtungen 
fitgt auch der Grund , warum selbst Delambrb's Tafeln noch 
flidit so vollkommen sind, wie die lange Reihe von Beobach-*- 
tosgen und ihre sorgfältige Benutzung es hatte hoffen lassen. 
Bei den Beobachtnngen dieser Eintritte in den Schatten des Ju- 
pter und der Austritte aus demselben findet nämlich erstlich 
eine Ungleichheit in Beziehung auf die Vollkommenheit des 
Femrohrs, auf die Schärfe des Auges, auf die Heiterkeit der 
Lnft statt , und zweitens eine Ungleichheit , durch welche das 
Wahrnehmen des Austrittes aus dem Schatten mehr erschwert 



1 RiociOLi almagf^sttim notaffl. . 1? om. t. p. 493» 

2 Db Zaoh corr. astronomique* !• 475. 476. 
S Yeral. Läng^. Bd. Vf. 8. 9. ti. 10. 

E 2 



68 Nebenplanet^iv 

wir^i als das Wahrnehmeii des Eintrittes in den Schatten^ 
Was das erste betrifit| so ist es offenbar, dafs ein scharfes Aug^ 
mit einem starken Fernrohre den schon groben Thals Ttifiil* 
Sterten Trabanten noch wird wahrnehmen kOnaen, wena dü 
schwächere Auge und Fernrohr schon nicht mehr hinioekhea^ 
ihn zn erkennen; zwei Verfinsterungen also, welche mit na* 
gleichen HtiUsmitteln oder bei ungleich heiterer Luft beohachtit 
worden sind , geben die Zwischenzeit zwischen den beiden Er* 
scheinungen unrichtig an. Diese Unrichtigkeit wird, wieFLli^- 
GEAGUES bemerkt, durch den Lichtwechsel, welchem dieie 
Monde unterworfen sind , «noch gröber , indem bei gana gici» 
chen Umständen der Beobachtung und bei Verfinsterungen, die 
so bald auf einander folgten , dab Fehler der Tafeln keinen so 
ungleichen Einflub haben konnten , dennoch ganz verschiedeM 
Differenzen zwischen der Beobachtung and den Tafeln hervOf* 
gingen, die durch nichteanderes als eine ungleiche Lichtstärke fa 
verschiedenen Zeitpuncten erklärt werden konnten. Der zweite 
Mond zeigte bei FiiAUGERGubs Beobachtungen die meisten nn- 
regelmäfsigen Abweichungen^. Der andere Umstand, dw eine 
Ungleichheit in die Beobachtung bringt, ist der, dafa man de« 
immer kleiner werdenden , schon halb verfinsterten Moadd^cb 
noch leichter wahrnimmt, ab den aus dem Dunkel hervortN" 
tenden , dafs also , wenn man auch den Eintritt in den Schien 
und den Austritt aus dem Schatten beobachten kann, doch in 
den meisten Fällen die Mittelzeit zwischen beiden Beobachtun- 
gen nicht strenge das Mittel der Verfinsterung ist^. 

Bei dem ersten Trabanten ist es beinahe durchaus uamtig- 
lich, das Ende sowohl ab den Anfang einer und derselben Ver- 
finsterung zu sehen ; damit dieses bei dem zweiten möglich sey, 
mufs der Jupiter seine gröbte Breite haben und sich in einer be- 
stimmten Elongation befinden, so dab auch fiir ihn die Beobach- 
tung nur selten angestellt worden ist; in den meisten Fällen ver- 
deckt die Scheibe des Jupiter die eine Seite desSchattens« so dab 
nur Entweder der Eintritt in den Schatten, oder der Austritt «is 
dem Schatten beobachtet werden kann. Da die Bahnen der Tra- 
banten eine Neigung gegen die Bahn des Jupiter haben, so gdien 

1 Dk Zach corr. astr. II. 430. 

2 Sehr mühsame fieohachtongen über diese nngleichen Reseltatt 
der Finsternisse und Yersnche» dieser Unsicherheit abzuhelfen, hat 
Bailly angestellt. Mtfm. de Parif, 1771. p. 680« 



. Da» Japifcr. 00 

Ib nickt isilMr !■„ Vo in9mAm»mm An Sohattatibgali «u 
fMiM'itti 4H>d AvMfiitbUtMi» aal JiaiuiglndiflZsitihns 
IMnStpM ^,4t«lMRni Übt «ai-Üt 6ittfM iener Nvigang 
Kbliefaen*; jedoch hat «of (Umn Va^WsHm im 4«duttaD «oA 
die 9p bäroi (tische Form dn AmMM'« wvleh* vwnreaclit, dA 
der Schatten kein genauer Ksgcl'lH, «inigen ^nfläb*. 

Die UmlauEsKeilen 1k tWbanMn Wardta Itieht «lu dm 
BMbqditiiDgni ihm gidchra StaUaiig«B g«g«ii den Hinplpl»- 
WH», Wbi1ICgIiA'4inTK>nijaMtknMm «dt dsm-Hatiptplaneten, 
HglÜdlUi dife VwAMmngwi umI di« TorötMrgliDgc yot dem 
fifto^ ' M b IM » 'SISmA 4fcni dv. Um d« widtmi Abahnd «i- 
M dar Trabuitni vom Hiuptplanetan n'bMämn«o, mnfi mm 
BÜU^^ftil*! O^MHiotiffi vAH-Jl^tsr abmwMn ; daran« niirda 
<4ip 'hü tf&Ra BnbaohtnngaB und bsi mtchiedenen Stellnn- 
miimlapin mh fi)id«a, ob die Bahnen merklich eüiptiKh 
jnil^ mBanun aitmlioli dioie Digrt^oneD, nach gehsrig g«- 
■■«■■ywr Rüekncht 'anf die Kutferaang dei Jnpiter von d«r 
fcde, ODgläph 'flüade. ^ie Abweichnng ihrer Bahoan Tom 
Iwill itf; abfr «k-S^nehpng auf die Gröiäa der Digreuionen 
JaniAhmeMDitgan snrZeit der grfifätenDigreatiMiea 
1 au bei eiawn «der b«i awaieD der Mow|e genau 
indem nach den Kepplerachen Geaetsen dann die 
Abfände dar übrigen aiu den aehi genau bekannten UmlaoEi- 
uilen gefunden werden. 

IMe Frage« ob die Bahnen merklich elliptisch sind» 
filtt üch auf eine andere Waise entscheiden. Es ist bekannt, 
dab die Bewegung des angezogenen KSrpers schneller ist, 
wenn er sich in der grttfsten Aanirhemng zum «nxiehenden 
XSrper befindet,- 'langsamer in der grbfsten Entfernung; 
der Trabant wird daher in jenem Falle etwas schneller, als es 
der mittleren Bewegung geroafs ist, zn gleichen Stellungen zu- 
röckkehren. Ans solchen Bestimmungen hat Dilahbri die 
grSbte Mittelpnnctsgleichung des dritten nnd vierten Trabanten 
bestimmt; bei den beiden andern ist die Elltpticität unbedeu- 
tend. Die Bewegungen dieser Trabanten sind bedeutenden Por- 
tnrbationen unterworfen , und da diese hauptsächlich von der 
gegenseitigen Einwirkung der Monde anf einander abhängen, 

1 Db Zacb Corr. utr. I[. 440. 
t La»l*c« mic*a. tel. IT. ff. 103. 



70 Nebeiip lau eleu« 

so ist ihre Periode diejenige, wo die Stellangen aller gegei 
einander wieder gleich werden* .Dieses tritt für die drei inner 
sten nach 437 Tagen ein ^ weil fast genau in . dieser Zeit de 
er^te 247 synodische Umläufe , der zweite 123} der dritte 6 
vollendet ; auch der vierte ist nach einer eini^aligen Wiederkeh 
dieser Periode nicht weit .von seinem , dem Anfange der Pe 
riode entsprechenden Orte, weil er 26 Umläufe in 435^ Ta 
gen macht. 

Was endlich die Lage der Bahnen betrifft, so ergiebt di 
Beobachtung der Zeit, da ihr Verweilen im. Schatten am kürze 
sten ist, auch den Zeitpunct, wo sie sich 90^ vom Knoten, dl 
Bahn entfernt befinden. 



Periodische Umlaufszeiten. 

d, le 1 T. 18 St. 27' 33" 

d. 2e 3 - 13 - 13 42 
d. 3e 7 - 3 - 42 33 

äf 4e 16 - 16-32 8 



Synodische. .Umlaufs- 
Zeiten. 

1 T. 18 St. 28" 36" 
3- 13- 17 54 
7- 3- 59 36 
16- 18- 5 7 



Tägliche B*. 
wegung. 

203» Off ^4 

101 22 29,1 

50 19 3,1: 

21 34 16,( 



Abstände der Monde vom Jupiter. 

ßcjiebbare in Halbmessern de« T^'??"' '". 8'0IP»V\ MeiUii , wer 

T«-:».. -.-1. n.. .t - Japiter» A.quatoreal-.I)aiolineM< 

Jupiter nach Delamb«. 1^ _ ^^^ Meileu. 

der le 5,6985 57300 

der2e 9,0665 91100 

der 3e 14,4619 145300 

der 4e 25,4359 255600 

Die Bahnen der Trabanten liegen beinahe in der Eber 
des Aequators des Jupiter. Schubert giebt die Neigunge 
nach den Beobachtungen des Maraldi so an^ dafs sie für de 
ersten ?= 3** 18' 38", für den vierten 2*^ 36' und diese beide 
constant sind; hingegen sey für den zweiten die Neigung i 
einer Periode von 30 Jahren zwischen 2** 46' und 3" 46', ^ 
den dritten die Neigung in einer Periode von 132 Jahren zw: 
sehen 3^ 2' und 3** 26' veränderlich. Die aufsteigenden Knote 
aller Bahnen lagen 1760 zwischen 10 Zeiche© 13" 45' und 1 
Zeichen 16° 39'*. 

Die GrtJfse der Monde ist von Schrotj^iv. mit grofser Sorj 
falt bestimmt worden , theils durch mikrometrische Abmessun 



1 Schubert Trait^ d' astrenomie th^oriquQe Tom* II. p* 4S19. 



De« Jupiter« - 71 

|H^ TOQt dÄn Jufkmt m ihrem 'Eiotzitlii und Austritte g«|>nm« 
cliM;v Ick stille liier s«iiie iind Svews's BettiiniiiiiBjea m^ 



.''*'^\ Wwibxm'GfiKlm.a^ ' . midi ^Mite ; 

r ' ':dbt -enten 564 geogt. Mnfcii s 532 geogr« IL 






ie« streiten 4fi5 -* p* a 477 ^ 
des diHten 8i8 - * 9:9 780 - « 

: .'^Ais vterton 570* • - n: 667 *• •* 

AdJfiiieeTB' ist elso der Tiene bedeutend grMser^ Hienuich 
iärtiHUhjpedSo&^Gtläse des »leiten nngefiOir der uäsöesMon-? 
im gleichy der eiste 1| nud, der dritte 5i msl so grofii als nu- 
uiMoAX: ^^V6m htjp^ atn efsebeiAstt ibre Durchmessei 33^ 
1^frl9^ S'MhMiBn^ der .Jnpilw aber eiseheint vom ersten 
ipöidefens gasehM ifl| Grad im Dofehmesser, Kt dab er einen 
UbB'^so gvols 4ds des Sternbild Orion sm Himmel bedeficblw 
Am^dep'SlINeuigeny die sie auf einander änsübien i ^bdbte:LA- 
esAHen ihre Massen enf 17, 23^ 28» 43 Mittiontet der Masw 
1k Jepber ansehen en tonnen ^ . ' -. :. r-t 

>r^9ifai*CAaeuii'(t6e5 und 167$ uImI MaHa^di (t707 toA 
l7%|[)lMf6bi»clite|enI1edcen änf den Jioipileistmbsnton. . Man sah 
nämlich mehrmals sowohl die Monde Selbst* vor, dem Jupiter vor- 
bdgcilien , als auch ihren Schatten auf dem Jupiter fortrücken; 
Hiebei bemerkte man gewöhnlich , dafa der Trabant am Rande 
des Jupiter sich als heller in Vergleichung gegen den Planeten 
«ntzeichnete , aber mitten auf der Scheibe des Jupiter wcigen 
Gleichheit des Lichtes nicht mehr kenntlich blieb« In seltenern 
(älen dagegen zeigte sich , au der Zeit des Voiüberganges so^ 
wdil des dritten als auch des vierten Trabanten vor dem Jupi- 
t») ein dunkler Fleck auf diesem, den man um so mehr für ei^ 
nen Fleck auf deip Trabanten halten mubte, da nach seinem 
Austreten ena der Scheibe des Jupiter sich sehr bald der Trabant 
neben der Stelle des Randes, wo >ener ausgetreten war, zeigte. 
Aehnliche Flecken verriethen sich Aucja. s^uweUen durch die Ui^- 
gleichheit des Lichtes der Monde , indem zwar der dritte ge- 



1 Schroters Beiträge II. 99S. Schumacb. astr. NacJir« Nv. 97, 

2 Termatlilich in der Abk. Kecherchca aar les in^galit^s des sa- 
teil, de Jopiteri in deii Fiecea de Prix de Vacad, de Paris« Tooie IX. 
(die ich nicht naqhsasehen Gelegenheit habe). , . 



72 Nebenplaneten. 

wohnlich der hellste war, aber zaweilen sich nicht vor den aü« f 
dem auszeichnete. Auch der Umstand , dafs man den Schatte* ^ 
auf dem Jupiter zuweilen gröfser sah , als den Trabanten selbst, 
zeigte, dafs man in dem Falle den Trabanten durch seine Fleckrtl 
als verkleinert erblickte ^. Von Pound und Messiea sind 'um*. 
liehe Beobachtungen angestellt worden 2. Diese VerfinderängeHi 
aus welchen man schon ' früher den Schlufs zu ziehen geneigt 
war , dafs die Monde immer dieselbe Seite gegen den Hanpt- 
planeten wendeten, haben in späterer Zeit Herschkl^s und 
ScHRüTER^s Aufmerksamkeit auf sich gezogeh, und beide vglnd^ ^ 
ten aus dem periodischen Gange dieser Verminderungen ihit tJi^ 
berzeugung schliefsen zu dürfen , dafs die Jupitersmonda in dfl^ 
eben bemerkten Rücksicht ntiserm Monde ähnlich sind« Kcft* J 
8CHEL hatte schon früher sich übensengt. dafs der eine MoSI . 
des Saturn dem Hauptplaneten stets eiberlei Seite znwfltml^ ] 
und ^teilte daher absichtlich eine Reihe von Beobachtongeti'^ i 
Jnpitersmonde vorzüglich von 1794 bis 1796 an , um sn sehMi i 
wie fem ihre wechselnden Erscheinungen eben dem GaseM 
entsprächen. Seine Resultate sind folgende. Der erste Mobil 
scheint in der Mitte seiner hellsten Periode zu seyn , wonB er 
ungefähr gleichweit von der gröfsten östlichen Entfemab^ hni < 
der unteren Conjunction ist. Der zweite ist nur geringen Ver^ 
Änderungen des Lichtes untepTvorfen , aber 'an<;h diese eiit sprf t H i 
chen jenem Gesetze, und die hellste Seite ist tins auch zwischtt 
deim Verweilen zwischen der östlichen Digression und tinterth 
Conjunction zugewandt. Der^dritte erlitt während HERScnlAi 
Beobachtungen nur geringe Veränderungen und war zur Ztfft 
beider Elongationen in vollem Lichte. Der vierte zeigt uns e^ 
nige glänzende Blicke, wenn er seinen Oppositionen zugeht^ ud 
bei seinem Fortgänge feur gröfsten östlichen Entfernung , sonA 
aber ist er gewöhnlich trübe , orangeftirben ^. 

Schroteh's Beobachtungen^ betrafen zuerst einen mebr- 
mals beim Vprübergange über die Jupitersscheibe kenntlich wel^ 
denden Fleck des dritten Mondes, Die Erscheinung , freilich 



mm 



1 M4m. de racad« de Paris. I, S65, II, 225 ; poar l'aan^e 1707. 
p. 1989. 1714. p. 26. 

2 Phil. Tranjact. for 1719. p. 900, for 1769, p. 457. 

S Phii, Transact. for 1797. p. 532. and astr. Jahrb. 1801; 103. 
4 Qeitr» m deu neuetten a»tr. Entdeck« 2. Bd. 



&1» Jn*piUfA - 9S 

k l Wtl » .iyh Mfe tfc AHto--BWMfcfiiMft«CllWV ' 
iSmmta mit dm aebo» oImb «rwütMün* ihinifc TtinlaililJirp'ii 
ralkonuMB Ubvnin. Bat dra visflan Mond •igiba'n meh 
9««a«TBkH B«ilMfchlliiigm,'difc'w qnr'im dw Zeit dar Op- 
position gegen die Sonne, wo er uns hi^ttc ä«ra Planeten ▼OT- 
beigeht, glänzend und selbst dem dritt«a' HoBd« g1«^. ar* 
icheint; beim Vonibergange über die äofaaibt'dea Jfnpffitar f'M^ 
er aicli dagegen oft als ein dunkler Flsdt, jeSbcVscbaiiit «nfe 
bedeutende Ungleichheit in dieser Hinsicht Statt au fiDdän, ila %ei 
den zaJiIreichen schon beobachteten Yorjibergänuii Iaaga.'tiiiiBlÄ 
immer dieses Auffallende , dafs er als danD« Vl9& itt^chini, 
beobachtet worden ist. Eine lange Hiiih« -rsm Baobaidtitniignif 
die ScBROTEn bei verschiedenen StelluDj^ dafil'ni'ba'iiftil tib^ 
Kellte, stimmte im Ganzen dahin iiberäa, ^^ dtAof'^TMttb 
Mond kurz nach der untern Conjunction ajp. ddniifllati^ 'iit ^ünA 
ivrz nach der Opposition am hellstenj'^a anmalnah baobil^- 
toDgen gaben oft eine htichst auffallend« 'äMtit^gäag'ältfiWT tClf^ 
gel, and wo auch die Erscheinung von ätukcra oSUr lahWic&ltt 
Lachte nicht ganz so auffallend war, «i^b uch äöeh'i&iibn 
eine hinreichende (Jebereinstimmung niit 3ar Ragal , dab /atib 
Stellungen dem gröfsten und kleinsten Licnfo «ntsptvtfkaa. 
Weil weniger überzeugend für eine mit' dem ayiiodiaclien Ütti- 
laufe gleichzeitige Rolaiion sind die ßeobachtungen des zwaiten 
nd anlen Mondes. Zwar ist ea richtig, dals sie bei meh^erea 
Baobachtongep nm iia Zeit der untern Conjunction sich dunUir 
«BJl vor dem Jupiter als blecken zeigten, aber sehr ött war 'das 
G^ontbeil der Fall nnd ihre, ganz gewib veränderlicKsn, 
neckeii scheinen nur die W^akrackginlickheit , dafs sie der vom 
Iqäer abgekehrten Seite eigen sind, zu begründen. Dagegen 
'bsa man die angegebenen Licht wechiel des vierten nach 
Sgiküter's Beobachtungen als constant und nur seltenen Ans- 
uhmen unterworfen ansehen. Wegen dieser offenbar unglei- 
dwD Wechsel, die FLAtraERSUES znr Zeit der Oppositionen 
knnders bei dem zweiten Monde merklich gefunden hat lind 
^ er als einen Grund der ganz ^verschiedenen Beobachtnngs- 
fehlerbei den Verßnsterungen ansieht, trtigt sowohl FtAusEii- 
Büis als auch yok Zach Bedenken, die Folgerung, dais alle 
diise Monde immer dieselbe Seite dem Jupiter zukehren, als 
durch die Beobachtungen fest begründet ansniehen ; indefs er- 
innert VOM Zach daran, dafs der bskannte physiaobe &iind, 





74 Nebenplanetcn. 

den man in der Gestalt des Mondes annimmt, auch bei diesif^ 
Trabanten statt finden raöge^ -^ 

Monde des .Saturn. • -V- 

Diese sehr Tiel Kleiner erscheinenden Körper konnten a. 
entdeckt werden, als man sicn viel stärkerer Fernröhre bedii ' 
In der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts wurdeq 
Saturnsmonde entdeckt, zwei andere dagegen ein . Jahrhundi 
später* 

HuTGHS53 war der erste, der mit Hülfe seiner .12 bii 
Fufs langen Fernröhre einen Mond des Saturn, den sechsten 
Saturn aus oder den, der nur noch, eineii entferntem über 
bat, am 25* März 1655 entdeckte^« Er bemerkte sogleich ai 
folgenden Tage, dafs dieser kleine Stern den Saturn begl«^- 
tete, während er sich mit dem Saturn von einem andern ber 

nachbarten Sterne entfernte. Er bestimmte seine UmlaufsziSb 

^ ■ ■ • ■ •■ ...» 

Einen zweiten Saturnsmond entdeckte Cassivi am 25/ Octobä 
1671 lind erkannte ihn durch die Aenderung seiner Lage g^ 
gen Fixsterne als Trabanten des Saturn. Es fand sich nach-* 
her, dafs dieser upter allen der entfernteste, der fünfte qnt« ■ 
den länger bekannten, der siebente in der Ordnung war und 
der von Hdtghens entdeckte der sechste '• Einen dritfrä 
lyiond entdeckte CASSiifi am 13. December 1672; er ist der 
Ordnung nach der fünfte, indem er dem Saturn näher als difr 
VonHuTGUEVS entdeckte i$t^. Erst im März 1684, als Cassiii 
ein hundertfuCsiges Objectiv von Camfani probirte, entdeckte 
er noch zwei Monde, die sich innerhalb der schoq bekanntMi 
Trabantenbahnen bewegten und daher nun die Namen des ersten 
und zweiten erhielten, nach unsern jetzigen Kenntnissen aber dar 
dritte und vierte sind, Cassini machte auch b^ld die Bemer- 
kung, daüs diese Monde wegen ihres öftern und langen Verwei- 
Jens hinter dem Saturn und seinem Ringe und wegen ihrer im« 
merwährenden groEsen Nähe an dem HauptplauQten nicht nut 



1 €orr. astr. II. 4SI. 44S. > 

^ De S^tturni lona observata nova und Systeme satnrnium in Ha- 
genii opp. Tom. III. p. 541, 554, 

5 Mdm. de Tacad« de Paris, Tome I, p, 150L and M^m« pooc 
Taande 1703. p. 15. 

4 Mtfm. de raris, Tome L p. 159, 




tbiQhren litten «ufgefujiden werdaa &(•■€■ m4 
, Tridmnd die zwei am fmheslea «ntdecbtUkAleMl« mit 
3t>isl7fiiI^igenFernr9bren sichtbar sind, diese nur imtF^nirtlh- 
nn VDQ 70, HO, 100, 136 Fufs beabaciUeo ks^oef^ Cauimi 
|)b diesen Sternchen deti Namen Sidera ludovicea. ' Uogeaohttt 
der gTorsea Schwierigkeit der Beobachtucig' hab«tl dDch idias 
diese altern Beobachter, vorzüglich Cassitti und Pott»^ dU«* 
tieineoHimmelülif^rper anhaltend genng beobachtet, iim'lll«Um- . 
lande ihrer Bewegung ziemlich genart anzugeben. Dw uulricb^ 
leslen zu heobachtei)de sechste wurde dabei ziiia Gnuds g»>- 
l^t und aus den gröfsten Entfemungea der übrigta ihn .Ufa* 
laulszeit hergeleitet. Ungeachtet der groCsen VerbunrD|)g i4f 
femtShre in der spätem Zeit hielt doch auch WARSKir^l rät 
lOfuIslges Dollond'sches Fernrohr für nöthig, utB dia faqidn 
von Cassini zuletzt entdeckten Monde zu erkenTira, ji^ auch 
Sgbbötek sah sie nur mit einem IQfuIsigen DoIlond'*ch«a,Fjzp^ 
nhre oder mit noch starkem Instrumenten. Dik «in JatM'hwDr* 
deitTeräors, ohne dafs ein neuer Saturnsmond entdockt .iraida, 
10 gWbte man das Mondensystem des Satuj-n VollstäBdig.m 
kenoen; aber Hebschei, entdeckte am 23- Aug.' 178^.tälf,ta 
MchstenMond, Ersagt, schon eine frühere Beobachtongliabaihip 
dasDaseyn eines sechsteoMondes glaublich gemacht, abei er H^ 
geiiindert worden, seine Vermuihung naher ju prüfen. Andern 
nwähnten Ta°e aber, als das 40fufsige Teleskop auf den Saturn 
gucbtet worde, Eeigten.sich sogleich (echs Begleiter, nnd das 
Fortrücken des Satntn lieÜs noch in derselben Nacht wahniel^'- 
Bm, iait aach der sechste dem Saturn angehUre. Am 17. Sept. 
1189 wnrde endlich noch ein siebenter Saturnsmond ebenfalls 
TnHEitscHEt. entdeckt. Beide vollenden ihre Bahnen inneF- 
üib der Bahnen aller vorhin bekannten und der zuletzt en^ 
tekte h«i&t also nun der erste, der von Hsrscrel etwas frü-- 
ist entdeckte der zweite; die beiden am sptitesten von Clssivt 
•Dtdeckten sind in der Ordnung der dritte and vierte, der von 
BtnsBENa entdeckte, den man am leichtesten wahroimml, ist 
der sechste, der am üüfaesteti von Cassihi beobachtete der sie« 



1 M.4m. de Pari«. Tome I. p. 415. X. p. 694. 
S Seibit HcTcaivB hatte *ie nie mit Sicherheit erkenoca kanneD. 
GosagtlieorQ« in ärtg. opp, III. p. 697. 

8 Phil. Tr.Ior 1718. p.769. 276. M»Ua.,4fl P««ii pow 1716. p.Ä». 



76 



Nekeiiplanelen. 



j 



tyente. Den zweheti, tf^tt gröfsten von Herschcl ^tttdeckMü ; 
hat später anofaSoBR^TSR mit einem ISfufsigen Spiegeltelesko|b '^ 
nod Struvk beobachtet; der erste aber, der seib^t mit i^Jk' 
^Ofufsigen Teleskop«) sehr matt erschien^ den jedoch lElEiisfCBM 
auöh mit einem ToAiiiglich guten 20fäl^igen Sptegeltelefllkopl . 
HKrahiigenommen hat, Mt wohl noch von niemahd anders bedb* 
'«ühtiit "worden, obgleich Schiiöter ihn einmal gesehen sn -h»* 
ben glaubt ^. Dafs aber dieser nächste und kleinste Mond wvÜk* 
üch seine Bahn , jbo tne Hkrscrel angiebt, durchläuft, dMi 
-kann wohl kein Zttreifel seyn, da Herschel ihn nicht 'bhA^ 
Iris det Ring eintfr -schmalen Linie gUch, auf diesem, iBdndMtt 
mch entfernter vom Saturn gesehen hat und -seine Abnrentmtt{ 
^öm Ringe "ab diu Kriterium, dab ctt ein Trabant sey, W 
tifiaühtiete« 

Üeber die Bahiien %e^er Monde sind wir tiurtmVöBklttli^' 
'ttürn unterridhtet. -Erst im Jahre 1830 hat Re^svl mit WSk 
Itein^ grofsen Heliomi^ers genaue Beobachtungen über den LÜK 
'des ' secbsten Mondiea angestellt, die zu genauerer Bestinfnlal^ 
teini^r Bahn von ihm^ngi^wtindt worden sind. Die schefribaA 
'Bahnen sind, sofern die wahren'Bahneh nicht viel von dierBbtMk 
des Ringes entfernt liegen, Ellipsen, der jedesmaligen Gestalt dA : 
Ringiss ähnlich, daher die Trabanten nur dann in gerader litik 
ti^ben einander und neben dem Saturn stehen, wenn derfäil 
üxis verschwindet oder nur als eine feifae Linie erscheint. 

Nach den bisherigen Angaben sind die Elemente der Bab- 
^nen folgende. 



Periodische IXmlaafszeitien 

ff 


Synodiselie 
ITmlaufsaeiten 


TIglielit 
Bewegueg . 


des «Tsten Tag 32 St. 


37 33" 


-_ — 


38P 51' Sf 


des aweiten 1 - 5 - 


53 9 


— — 


262 43 » 


des dritten 1 - 21 - 


18 26 


1 21 18 55 


190 41 52 


des vierten 2 - 17 - 


44 51 


2 17 45 51 


131 24 42 


des fiinften 4 - 12 - 


25 11 


4 12 27 55 


79 41 25 


des sechsten 15 - 22 - 


41 25 


15 23 15 28 


22 34 37 


des siebenten 79 - 7 - 


53 43 


79 22 3 13 


4 32 17 



In der folgenden Tafel sind die Abstände in Meilen so bs- 
rechnet, dafs des Saturn Ae^uatoreal- Durchmesser = 17270 



1 Phil. Transact. for 1790. p, 1. 427. Schröteh Beitr. Mi t» 1 
astr. Entd. II. 51. 54. des Anhangt. Sohoiuchir aatr. Nachr. N. 97» 



D«« Satarn. 



77 



■bB tDgtnomntii ii^ dtf DnrcliiDeiMr 4m Riogei sa 88500 

r 



Sohainbare AbstiEode 
fSr die mittlere Eotferaaiig 

oatni Moodei 28^» 67 



Bimtea 

diittea 

vieitcii 

fiinfiea 

sechtten 

•iabentcn 



36, 
43, 
56, 
78, 
180, 
522, 



79 
5 



5 



Wahn AbttSDd» 



in Halbmaueni 
de« Riagea 

1,42 
1,83 
2, 16 
2,78 
3,88 
8,95 
25,98 



in geesrapb. 
Meilen 

27400 
35200 
41600 
53600 
74700 
172300 
499800 



ibifisssiLV BeobachtoDgen und Beracluiongen geht für 
^l^clisten Mond der mittlere scheinbare Halbmeaaer seiner 
176^^625 hervor nnd hiemsch würden auch für die 
Uonde einige Veränderungen der Angaben statt finden» 
[Hfllaiifueit giebt Bxessi; genau so an^ wie die erste Tafel 
und diese Angabe ist wenig von den Utern verschie- 
Dm Excentiiciiät der Bahn ist 0,0386; das Perisatuminm 
k Uie 1830 in 243* id' ; Neigung der Bahn gegen die 
27^ 34^ Die VenUiderungen, denen die Bahn durch 
long der Sonne und des Ringes unterworfen ist, hat 
KL ebenfalls bestimmt K 

Dk Ebene der Bahnen der fünf innem Monde scheint we- 
m der Ebene des Ringes abzuweichen, die Ebene des sie- 
Mondes ^Bveicht etwa 12 Grade davon ab. 

Fas die natürliche Beschaffenheit dieser entfernten Welt« 

betrifft, so zog sogleich nach der Entdeckung des ent- 
in Trabanten sein auffallender Lichtwechsel Cassikx's 
lamkeit auf sich. Kurz nach der Entdeckung des Tra- 
nämlich bemerkte Cassivi zu seiner Verwunderung, dafs 

sichtbar geworden war« Cassim sowohl als auch Ma- 
n überzeugten sich durch wiederholte Beobachtung , dafs 

Verschwinden regelmäfsig eintrat, wenn der Mond sich 
östlichen Theile seiner Bahn befindet, und schon Cassiki 
hieraus^ dafs dieser Mond, so wie unser Mond, immer 

Der scheinbare Halbmesser des Ringet Dach Stp.utb SO'', 107. 

findet ihn nar = lS^'ß56» 

Schumacher astr. Nachr. Nr. 199. 194. 195. 



IS ' Nobenplaneten. 

dieselb« 8«ite gtg^n den Sataiti wend«^. Diese S^iehtige.Bi^ 
merkung hat sich dann auch in der Folge durch HKRScHEL'sndl 
Schaöter's Beobachtungen vollkommen bestätigt und Hs&« 
ScnEL besonders hat die Lichtwechsel genau verfolgt. Bei der 
grofsen Lichtstärke der Herschelschen Teleskope wurde dieser 
Mond zwar nie unsichtbar, aber sein Glanz nahm so ab, dafs er 
sich gegen den hellsten Glanz ungefähr wie Sterne der fünften 
Gröfse zu Sternen der zweiten Gröfse verhielt. Der ganze Ver- 
lauf dieser Lichtwechsel war genau mit der Periode des Umlaa& 
übereinstimmend. Wenn man von der nntern Conjunotion zu 
zählen anföngt, 80 erscheint der Mond am hellsten, während er 
sich vom 68sten bis 129sten Grade fortbewegt oder während er 
sich westlich am meisten vom Saturn entfernt ; in dieser Ge« 
gend seiner Bahn gleicht er fast dem hellsten, sechsten Moitde; 
Vom 7ten Grade nach der Opposition bis zur untern Conjunctieft 
ist er kleiner als der fünfte, ja kaum gröfser als der vierte. Die«i 
Bestimmungen sind ganz den schon früh von Ciissiiri angegeben 
nen gleich, und da Herschel selbst durch 10 Umläufe die ät^ 
scheinungen regelmäüsig gefunden hat und auch eine Beoback^ 
tung von BsRifARD im Jahre 1787 damit tibereinstimmt, so ilt 
es gewifs, dafs die Regel, dafs dieser Mond beständig einerlei 
Seite gegen den Saturn kehrt, richtig ist. Die dem Planeteik 
zugekehrte Seite ist weder die dunkelste, noch die hellste ; abe^ 
wie sehr wenig Licht die eine Seite zurückwerfen mag, lälst 
sich aus den obigen Angaben s'chliefsen ^» 

Obgleich aber diese Lichtwechsel so überaus regelmäfsi| 
sind , wenn man blofs den wesentlichsten Unterschied ins Angt 
falst, so bemerkte doch auch Herschel einige zufällige Un- 
gleichheiten , und dafs diese , wenn gleich als sehr seltene Aus« 
nahmen, zuweilen erheblicher seyn können, hat schon Ml** 
AALDI wahrgenommen , der diesen Mond im Decbr, 1705 und 
Januar 1706 in der Gegend seiner Bahn beobachtete, wo ei 
sonst unsichtbar zu werden pflegt ^. 

Schröter bemerkt gelegentlich, dafs auch die übrigen 
Monde und selbst der gröfsere von Herschei. entdeckte eine 



1 Mdm. de Paris pDQrl705. Hist.l^l. M^m. S0{ pottrl707. p.296 

2 Phil. Transact. for 1792- p. 1. 

S M«^in. de Paris ponr 17Ü7. p, 296. 



Des Urana«« 7g 

llnog der' LkhtstMrke seigen'. Die Grttfiie dieser Monde 
{bch sehr wenig bekannt; Schböti& sagt, dafs man den 
riunesser des fiinften 260 9 des sechsten 680 Meilen ange- 
.IVnne* 

■ 

^ Monde des Uranus. 

JtAnch der Uranus hat mehrere Monde um sich« Am Uten 
el787 entdeckte Hebschel zwei Monde des UranaS| deren 
ISQ er kurz nachher genauer bestimmte* Später hat auch 
lA sie gesehen'. Diese beiden, die gröfsten, sind nn* 
sechs Monden des Uranus der zweite und vierte. Spä— 
btchtungen der sehr kleinen , in des Uranus Nähe sicii 
n Sternchen führten Hbascheii zu der Entdeckung von 
vier Monden, deren Entdeckungstage er so angiebt: den 
am ISten Jan. 1790» des dritten am 26. März J794, 
fuften am 9. Febr. 1790) des sechsten am 28. Februar 
i'r So selten diese Trabanten, ihrer ungemeinen Kleinheit 
'vodHbrschel gesehen worden sind, so hält er doch die 
kUbngen ftir sicher genug , um das Daseyn dieser Monde 
avdassig und ihre Entfernungen und Umlaufszeiten als 
lEch genau anzusehen. Nur die beiden gröfsern liefsen sich 
^Kü Bahnen ordentlich verfolgen ; für die übrigen gab das 
ptails ihres Abstandes zu dem Abstände, den die gröfsern 
boten in eben der Gegend ihrer scheinbaren Ellipse er- 
|kn , das Mals der wahren Bahnen, die also nur ab oben- 
nnt angesehen werden können. Selbst die beiden grö- 
d nur zu erkennen, wenn sie dem Uranus nicht zu nahe 
; die vier übrigen waren nur sehr selten sichtbar und nur 
, dals ein Sternchen gesehen wurde" und nachher an 
p!rte, den ein Fixstern unverändert behalten mufste , nicht 
Ir zu finden war , wurde zuerst ihre Existenz geschlossen, 
idinn ans dem ZusammentrefiPen mehrerer ähnlicher Beob- 
ligen , besonders um die Zeit , als ' die Bahnen geradlinig 
knen , sich bestätigte. Hersghel's sehr grofse Vorsicht 



Beiträge zu astr. Eatd. 11. S. 189» u. Anh. 56. 
Phil. Transact. for 1787. p. 12ö. 364. Schröter'» Beitrage IL 
fcSO. 
PhU. Tr. for 1798. p. 47. 



i 



bei aHeu Schlüssen aus seinen Beobachtungen ist eine : 
ficbejrf, Gewährleistung für die Richtigkeijt auch dieser S 
Die Bahnen sind beinahe senkrecht gegen die £b 
Uranusbahn. Hekschel giebt die Neigung gegen die '. 
78^ 58^ an und die Knotenlinie in 1651^^ Diese Best 
folgt aus den Beobachtungen im Jahre 1798) wo die 
^ie gerade Linien erschienen. 



Synodücbe Umknfszeiteo 


Eotferaungen 
in Balbm. de« in 




TJraDM M 


des Iten 5 T. 21 St. 25' 


13 4 


des 2ten Q - 16 - 56 5" 


16,5 6 


des 3ten 10 - 23 - 4 


19,2 7 


des 4teii 13 - 11 - 8 59 


22 f 


des 5ten 38 - 1-49 


44,2 16 


des Oten 107 -16-40 


86,5 32 



Die beiden fortdauernd beobachteten Monde zeigen 
"Wechsel , welche veranlassen , dafs ihr Licht bei gleich« 
lungen gegen den Hauptplaneten ein ungleiches Vei 
lat*. B. 

Nebensonne. 

Falsche Sonnej Parhelius;, Parelie^ ] 

eoleil ; Mgchsw^i i^ e^ie glänzende X^ufterscheinung, 
entweder in gleicher Höhe qait dei; Sonne neben ihr, oder ii 
durch ^ie gezogene^i Verticalkreise iibei? oder unter ihr o 
ger^di^ gegenüber ein glänzender Fleck, ungefähr von d^i 
der Sonne, sich zeigt. D«r Glanz dieser Nebensonnen, den 
oft mehrere zugleich sieht , ist oft nicht sehr viel stärker 
Glanz de;r weilsen Wolken, in welchen sie sich am häufigst 
gen, zPiWeilen aber zeigen ^e sich mit viel lebhafterem Glanz 
wöhnlici^sind siefsurbig, fast immer aber nicht sehr strenge be 
. p4e am hau^gaten und in der That sehr oft vorkomo 
Neba^spnnen si^ die y welche mit den Höfen und Ring 
die Sonne verbunden sind ; da ich aber von diesen im . 
Hof umständlich geredet habe ^, so übergehe ich sie hie: 



1 Phil. Transact. for 1815. p. 298. Astron. Jahrb. 1819* 

2 S. Bd. V. S. 483. 



Nebeiifoime. 81 

% 

.»osh dni ittM|«Q9.Emii«iniiogeii^ wobei «ip)l.Son^^nbiI- 

AHrdaffttoHinn^ ^tbt fife,,. .Pi# friiie fiadf|t,ilm ▼9li8tänd]ge j^r- 

HÜTiiing im jirt SircAimhrechimg ^ d«.^ .wo von dien unge- 

üKfhoIfehfiii EischeinaDgeo der terrestrisclien Strahlenbrectiung 

^ Bede ieti t)ort nämlieK wird geseigt, wie Gegenstände 

■dhe .am Horisonte uns bei UDgleiciier krwärmaog der unteren 

Lnftscfaicbteil doppelt, ja selbst mebrfack erscheinen können, 

und wft Von aädem Gegenständen gilt, die nake am tlorizonte 

Mtfatioen, das £ndet auch bei der Sonne und dein Monde statt. 

P|m EiJIcheinnng stellt sich meistens ganz einer Spiegelung ahn- 

I^ ^ und hat daher aucti den nicht ganz richtigen Namen 

tifft^piege lang erkalten, sie erstreckt sich aber nur auf (St^ 

gMlBde, die höchstens etwas mehr als 1 Grad über dem Hori- 

aoBle ^erscheinen. Erreicht die Sonne beim Untergänge diese 

3(|i|a|.so sieht man auf dem Meerborizonte (denn soh^eflicK 

Hitd nan über einer ErdfiäcJie die Erscheinung sehen) ein oben 

yoe n d to s Sonnensegmetit erscheinen, wie A, und die^ zweite ^f* 



tiitt immer Tollständiger aus dem Meere hervor, je tiefer 

fie Sonne herabsinkt Da jene steigt und diese sinkt, so be-^ 

gegnen iak sich, wie B zeigt, und die wahre Sonne fängt nuA än^ 

BDten einen Abschnitt zu verlieren, ihr siclitbarer '[theil er- 

scheint aber unten umgekehrt an sie angc^setzt , wie bei C ; dei* 

nodi sichtbare Theil der Sonne wird immer kleiner und so auch 

Ah Bild, so wie D, £ es zeigen; endlich verschwinden Sonne 

nd Bild zugleich« Die Erscheinung ündet über dein Meere 

Statt, wenn das Wasser wärmer als die Luft ist. Erstreckt siä 

skb nur auf sehr niedrige Gegenstäncle , so ist sie so wie S , C, ^^* 

Qsief den auf einander folgenden ^eitpüncten gemafs, zeigen^. 

^y Eiüe Verdoppelung der Bilder oberwarts kann auf ähhlichfe 

;• Weise dann stattfinden, wenii die obere Luft wäriner als die untere 

irti Die Erscheinungen sind dann ungefähr so wie die Zeich- ^g* 

xang sie darstellt , dab nämlich ein umgekehrtes und ein zwei- 

JMs aufrechtes Bild oberhalb der äonne sich darstellt^. Beid6 

»inungen können also Gelegenheit zu der Wahrnehäiuhg 



1 ISioe Beobächtnng dieset EfscHeihtingi die ich übrigens xnehr- 
anlf gei ehen habe , giebt Busch aa : Tractatos duo optici argamenti. 
Hamburg 1783. und G. III. 296. 

% Baakdbs Beol>ac<itaD£^ üb^r die StrahUnbt^öhnng. OMenb. 

mir. Ä. i£S. 
Bd. yii. F 



Sil Nebensoune« 

einer Nelensonne gelen , aber nicht zugleich zn einer Neben- 
sonne oberhalb und zu einer Nebensonne unterhalb der Sonne^ 
und dieses ist der Grund , warum man die folgenden Beobach- 
tungen als einer andern Erklärung bedürfend ansehen mufs. 

Von dieser zweiten Art von Nebensonnen finde ich nur 
sehr wenige Beobachtungen, Malkzieu giebt folgende Be- 
schreibung der Erscheinung« Am 24. Oct. 1722 Abends nach 
einem ziemlich warmen Tage sah er drei glänzende, gut be- 
. grenzte Sonnen , die gerade über einander standen una sich ge- 
nau berührten ; die eine berührte mit ihrem unteren Rande den 
Horizont, die mittlere war die wahre Sonne; sie gingen nadi 
der Reihe unter , und als die dritte noch allein über dem Hqri^ ' 
zonte stand, erschien diese so hell, dafs man sie für die wafaM 
Sonne gehalten hatte , wenn nicht diese eben vorher als untet* 
gehend wäre gesehen worden. Während die drei Sonnen er" 
schienen , sahen alle Gegenstände ganz feurig aus K 

Eine sehr ähnliche Erscheinung sah RoTHMANff am 2tett 
Jan. 1586 und Cassiki am Slsten Januar 1693 bei Sonnenauf^ 
gang. Bei beiden Erscheinungen war ein verticaler, über £• 
obere Nebensonne hinaufgehender heller Streif, der sich aad| 
als die dritte Sonne aufgegangen war , bis unter diese herab et» 
streckte. Ungefähr 20 Min. nach dem Erscheinen der erstes 
verschwanden bei Cassivi's Beobachtung beide Nebensonne 
beiRoTHMAiTN^s Beobachtung blieben sie noch länger sichtbar^. 
'Cassini fuhrt hierbei noch eine Beobachtung von CuazklliI ' 
an, die ind^fs bedeutend verschieden ist, indem die aufgehende 
Sonne (oder eine Nebensonne) plötzlich erschien, dann zm 
Horizont zurückkehrte und nun erst die Sonne wie gewöhn- 
lich aufging. Nach dem Aufgange der wirklichen Sonne ei« 
schien diese wie auf einem glänzenden Fufsgestelle stehend. 

Auch Hevel hat einmal kurz vor Sonnenuntergang ei|l9 ' 
Nebensonne nahe unter der wahren Sonne gesehen* Die Soniil 
stand oberhalb einer schmalen Wolke, die Nebensonne unteiß ^ 
derselben ; jene näherte sich dieser und kam endlich mit ihr za* ' 
sammen, wobei, wie die Zeichnung wenigstens andeutet, die « 
Nebensonne in gleicher Höhe mufs geblieben seyn. Auch hier, ; 
ging ein heller Streif hinaufwärts '. 

1 Mdm. de Pacad. de Paris poar 1722, Hist. IS. 

2 U4m. de l*acad. de Paris. X. 234. Hugenü opp. ref* U. 48. 

S PhU. Tr. IX. for the year 1674. )^. 25. i 



i 

1 



Nebensonne. 83 

Ich gestehe, dafs ich diese Erscheionngen noch gar nicht 
aoL erklären weifs. FaAUB'HOFsa bemerkt , da man durch ein 
Gitter TOD horizontalen Fäden oberhalb und unterhalb der Sonne 
swei Sonnenbilder und bei nicht völlig gleicher Entfernung der 
Fäden diese nur wenig farbig und einen yerticalen, weifsen 
lichtstreif sehe, so liege hierin eine Erklärung der Erscheinung» 
Alknr^gs, wenn Dunstkügelchen so lägen, dals sie abgerissene 
korisontale Parallellinien mit ziemlicher I|LegelmälsigkeIt darstell- 
ten, so könnten zwei Nebensonnen und ein Lichtstreif erschei- 
aeii; aber der Grund, warum man, wie Faauvhopbh sagt, 
j|.Ipdit einsieht, dafs eine solche Lage statt finden muls , ^ ist 
lib nicht klar; ich möchte daher lieber es als etwas zufalliges, 
iß woU einmal statt finden kann , ansehen und dann die Er- 
Ufasog annehmen, jedoch bleiben auch dann noch einige Uin« 
Minie unerklärt^» 

Endlich muls idi' noch eine Nsulser den gewöhnlichen Kfe* 
knonnen Torkommende dritte Art von Nebensonnen erwäh- 

* 

I, die Fallows beobachtet hat*. Hier standen die Neben- 
horizontal neben der Sonne , vier an der einen , drei an 
im aodern Seite , ungefähr um einen Sonnendurchmesser von 
euMUider entfernt und, wie die Zeichnung angiebt, die ent- 
fsrateren kleiner. Man könnte hier solche verticale Linien, ein 
ans Verticalfäden bestehendes Netz, annehmen, wie Frauk- 
fiOFiR in horizontalen Linien geordnete Dünste, so wäre die 
Eischeinnng mit der vorigen in Verbindung gesetzt'; aber es 
bleibt immer zweifelhaft, ob diese, doch etwas willkürliche, 
Voranssetzung die richtige sey. 

Dals Nebenmonde unter ähnlichen Umständen auch entste«* 
btn könnten , ist wohl gewifs ; ich finde aber keine Beobach- 
tung von Nebenmonden , die den beiden letzten Arten von Ne- 
bensonnen entsprächen ; dagegen ist mir keine solche Beobach- 
tnngvon der Sonne bekannt, wie die, welche ich im Art. iVe- 
Immonde angeführt habe« j?» 



1 FBAUHHQFBR'f THeorle der Höfe, in Schnmacher's astroo. Abb, 
S. Heft. S. 80. 

2 Poggend. Ann. II. 440. 

S FKAUvaofER nimmt S. 84. etwas akalicbes an. 



F 2 



igiing der BaJiii. 

N e b e n IV o h n e r. 

Perioeci; Perioeciens; Perioecü; heifsen diejeni 
gen Bewohner der Eiäe , welche sich unter gleichen Gradeo d. 
Ereile, aber in einem 180 Grad der Lange betragenden Abstnni 
von einander befinden, bei denen also die geographische Breia 
die nKmliche, die geographische Länge aber um I80 Grai 
schieden ist. Sie befinden sich also unter der nämlichen PolhÖliI 
oder aiii dem nämlichen Parallele (Parallel kreise) und in dem 
liehen, aber entgegengesetzten, Meridiane. Um daher für 
gegebenen Erdbewohner den Ort seines Kebenwohneis zi 
den , darf man nur auf einem Globus oder einer Planiglobclurt 
den ihm zugehörigen Breitengrad (Parallelkreis) aufsuchen nn 
von dem diesem zugehörigen Meridiane 180 Grade Östlich od( 
westlich abmessen, um den gesuchten Ort zu erhallen. Di 
Nehenwohner haben also gleiche Polhöhen, gleiche Tagsläng« 
und ein gleiches 'geographisches Klima , aber die Stunden i( 
Tages und der Nacht sind einander gerade entgegengesetzt | 
dafs es bei den einen Mittag ist, wenn die andern Mitternacht! 
ben. Für die Bewohner von Paris z. B. fällt der Ort ihrer N> 
benwohner in den grofsen nijrdllchen Ocean zwischen Asien du 
America unter die aleutischen Inseln. M. 

Neigung der Balin. 

Inclinatio orbitae ; Inclinaison de Forbite; Iii 
clination of ihe Plane of a Planet's Orbit; ist < 
Flachenwinkel, den die Ebene einer Planeten— oder Komstn 
bahn mit der Ebene der Ekliptik bildet. Da die Ebenen illl 
dieser Bahnen durch den Mittelpunct der Sonne gehen, 
ihre gemeinschaftliche Durchschnittslinie, ihre Knotenlin,. 
lemal eine durch die Sonne gehende Linie und alle Planfte 
und Kometen durchlaufen heliocentrisch * gröfste Kreise a 
Himmelskugel ; die sphärischen Winkel, unter welchen diei 
heliocentrisch en scheinbaren Bahnen sich schneiden , sind gleic 
der Neigung der Bahnen, also gleich der Neigung gegen d 
Ekliptik, wenn die Erdbahn eine jener Bahnen ist. Auchi 



1 S. Ot, A«»o. 



tchtr. 



Neumond. Si 

eziehnng auf die Bahnen der Monde und auf den Ring des 
itom spricht man Ton einer Neigung gegen die Ebene der 
ib des Haaptplaneten* 

Wenn man den heliocentrisclien Ort eines Planeten oder 
Mflett beobachten könnte, so eigäbe die beobachtete grObte 
ifanraog von der Ekliptik oder die gröbte heliocentrische 
|iks s^leich die Neigung der Bahn; eofem aber diese aus Be» 
bbuigen auf der Erde abgeleitet werden mub, ist sie etwas 
lüttiger SU bestimmiTn. Indels da man die Umlau&zeit ei- 
k FlüMten und seinen verhältnilsmalsigen Abstand von der 
fHM sns Beobachtungen, die keine Kenntnils der Neigung. 
I, kennt, da man femer den 2^tpunct und daraus 
in Ort der Bahn kennt, wo sich der Planet im Knoten 
;, wo er nämlich auch geocentriach in der Ekliptik selbst 
t, so kann jede Beobachtung , wo der Planet vom Kno- 
ortbrat ist, dazu dienen, um die Neigung su bestimmen, 
s. B. der Planet P mit der Sonne S in Opposition , so ^t^M' 
dab seine heliocentrische Breite P S Q aus der geocentri- 

E Q di^ch dieFormel$in. PS Q=£^ . Sin. P E Q 

_ wird. Aus der streich bekannten heliocentrischen 
PQ und dem heliocentrischen Abstände vom Knoten 57' 
jriPaber ist die Neigung PAQ leicht zu finden. 
Die geocentiische Breite kann gröber als die Neigung der 
seyn, und dieses desto mehr, je kleiner PE gegen 5^' 
llit. 

•Für die einzelnen Planeten ist die Neigung der Bahn in den 
Planeten betreffenden Artikeln angegeben. Die Kometen-» 
habeu sehr ungleiche Neigungen gegen die Ekliptik. 

B. 

Neigung 4er MagnetBadel; Neigungs- 
pafs; Neigunga^^Nadelj s^ Ma'gaet 

N e u m o n d% 

Toidluniunij, Neomenia; nouvelleLune jw^o'itfoo/i. 

''enu im I>ufe der Mondpha^eo sein imipex scbma^ 
jrdender erleuchteter Theil endlich gwiz verschwindet 
ann nach einigen Tagen sich der schmale sichelförmige 



86 Neumond. 

Mond wieder zeigt, womit dann seine Erscheinungen des t 
mäligeh Zunehmens und nachher des Äbnehmens sich erneue 
so sagt man , der Mond sey neu geworden , es sey Neumc 
gewesen. Im strengeren Sinne ist der Augenblick des Neum< 
des derjenige , wo Mond und Sonne gleiche I^änge haben i 
wo daher der Mond, weil er nahe bei der Sonne steht und i 
seine dunkle Seite zuwendet, völlig unsichtbar ist. Befin 
er sich genau zu dieser Zeit oder sehr kurze Zeit vor oder n 
dem Neumonde in seinem Knoten , so tritt eine Sonnenfinsl 
nifs ein und der Mond erscheint vor der Sonne. 

Kurz nach dem Neumonde wird der Mond am Abendhi 
mel wieder sichtbar. Am leichtesten wird er bald nach c 
Neumonde in den Frühlingsmonaten gesehen , weil dann 
Ekliptik und die nicht viel von ihr abweichende Mondb 
beim Untergange der Sonne .einen grofsen Winkel mit dem I 
rizonte machen: und dah«r der Mond schon bei geringem a 
Stande von der Sonne ziemlich lange nach Sonnenuntergang i 
dem Horizonte verweilt. Hat der Mond dann überdiefs i 
nördliche Breite , so ist sein frühes Erscheinen noch mehr 
günstigt, und dieses am meisten, wenn er zugleich in der I 
nähe ist und sich daher schneller in seiner ^ahn fortbew 
Hbyel bemerkt, dafs er den Mond nicht früher als 40 Stun 
nach der Conjunction und nicht später als 27 Stunden vor 
Conjunction gesehen habe , dafs aber bei dem Zusammentre 
aller günstigen Umstände, selbst in der nördlichen Lage se: 
Beobachtungsortes , es möglich sey , den Mond schon 24 St 
den vor oder nach dem Augenblicke des wahren Neumor 
zu sehen. In Gegenden, die dem Aequator näher sind, is 
eher möglich ihn früher zu sehen ^ zumal da eine gröfsere I 
terkeit der Luft in manchen südlichem Gegenden gestattet, se 
einen sehr schmalen erleuchteten Rand in der Abenddämmei 
zu sehen. Nach den von Hevel angeführten Zeugnissen is 
südlichem Gegenden , jedoch auch da sehr selten , der M 
zuweilen an demselben Tage als alter und neuer Mond , 
Morgens kurz vor Sonnenaufgang , des Abends kurz nach 5 
nenuntergang*, gesehen worden ^. Dieses kann offenbar in 
nördlichen Halbkugel nur statt finden, wenn der Mond 
grolse nördliche Breite bat und daher gegen fünf Grade o 



X Hevelii selenographia. p. 275. 276. 



Netttnoud. 87 

alb der Sonne vorbeigeht« Gewöhnlich encheiDt er erst am 
ritten Tage nach dem Neumonde. Wenn er im FrühUnge ieht 
nrze Zeit nach Sonnenuntergang erscheint , so ist sein er- 
achteter Rand fast ganz nach unten gekehrt. 

Die Völker, die ihre Zeit nach dem Monde bestimmen, 
tben übt auf sein erstes Erscheinen , nnd diese erste £rschei- 
Wf diente bei den alten Völkern sur Regulirung ihrer Feste 
■1 Zeitrechnung ^. 

Wenn nach dem Neumonde der Mond schon bis gegen 
iie der Dämmerung über dem Horizonte bleibt, so sieht man 
pek die nicht von der Sonne erleuchtete Seite sehr deutlich« 
bieigtsiGh in einem matten Lichte, das man das oich/arbigs 
finb (kauere cendr^) genannt hat^, und diieses Licht ist de- 

Ela^ je näher nach dem Neumonde, übrigens bei recht 
Atmosphäre, die Beobachtung angestellt wird, Dals 
tie Erleuchtung durch das Licht der Erde ist, leidet kei- 
P Zweifel^. Die Mondbewohner sehen die Erde in vollem 
■hl oder ihre ganze erleuchtete Seite , wenn wir Neumond 
pki, ud auch wenige Tage nachher hat das Erdenlicht noch 
tßUf ibgenommen ; dieses erleuchtet die Gegenstände au£ der 
JMMJte des Mondes hinreichend, um sie uns in diesem Däm* 
fttdAe zu zeigen , ja sogar um einzelne Berge , die das Licht 
anglich gut zurückwerfen, bei der Beobachtung mit licht- 
Femröhren kenntlich zu machen^. ScHKÖTEa macht 
iehung auf diese Erleuchtung durch Erdenlicht noch die 
kang , dafs zwar die Stellung des Mondes im März und 
Bach dem Neumonde Abends eben so günstig zur Beob- 
ig der Nachtseite sey^ als im August und September Mor- 
vor dem Neumonde ; dals man aber dennoch im letztern 
die Nachtseite schöner sehe , weil alsdann das feste Land 
Asien, Africa und Europa erhellt dem Monde zugewandt 
ond dieses sende ihm weit mehr Licht zu, als das atlanti- 
Meer, welches Abends nach dem Neumonde dem Monde 



Idelba Handbuch der Chronologie. L.S. 262. 279. 512. 
Hetxl nennt es sehr passend Inmen secnndariam. 
MosTLiif wird als der erste angesehen , der diese Erklärung 
*och hat LBOMAano daYirci sie früher gekannt. De Zach Gorr. 
iL 127. 
Schröter's selenotopogr. Fragmente. $, 425—448. 460. 



88 Neunzigster. 

zugewandt ist; der Unterschied ist nach Schr^^ter's Beobad 
tung sehr merklich ^ und auch Gal^lki soll ihn schon waU 
genommen hieben ^* Jß* . 

N.ennzigster. 

Nonagesimus ; le Nonagesime; the NinetieÜ 

der neunzigste Grad der Ekliptik vom Horizonte an gerechnete 
Da die Ekliptik ein gröfster Kreis ist, so schneidet sie di 
Horizont immer so, dafs die Durchschnittspuncte 180* tl 
einander entfernt sind, und der Neunzigste bezeichnet daher d 
Mitte zwischen beiden im Horizonte liegenden Pnncttn M 
Ekliptik , wo sie sich zugleich am höchsten über dem Horizol 
erhebt. Jene Durchschnittspuncte der Ekliptik verändern in i 
dem Augenblicke ihre Stelle im Horizonte und der Nona^ 
mus liegt' daher auch zu verschiedenen Zeiten in verschieden 
Gegenden über dem Horizonte; auch seine Höhe ist verSndll 
lieh. Wenn gerade die Nachtgleichenpuncte im Anf^gaheii itai 
Untergehen sind, so liegt der Nonagesimus im ^Meridianct 9 m 
^ein«' Höhe ist = Aequatörshöhe + Schiefe der Eklipt^, « 
das obere Zeichen gilt, für unsere Halbkugel , wenn die aM^ 
liehe Hälfte der Ekliptik über dem Horizonte ist, das uiM 
Zeichen, wenn die südliche Hälfte über dem Horizonte j 
Um seine Laa[e zu anderer Zeit zu finden , dienen folgeii 
XJeberlegungen. 

?^«* Es sey HZR der Meridian , HR der Horizont, AQ € 
' Aequato]j:, ESLOC die Ekliptik, O der Frühlingsnachtgh 
chen|)unct, L der untergehende, S der höchste Punct der EU! 
tik, so heifst OLS die Länge, ST die Höhe des Nonageniri 
und ST ist das Mai^ des ^inheU des Aufgangs ^ das ist dh 
ifenigen Winkels S L T , den die Ekliptik mit dem Horizoi 

y macht. Da man für jeden bestimmten Augenblick dieRectascfli 
sion der Mitte des Hiqamels oder den Bogen OA kennt, so lH 
ich diesen als bekannt = A , folglich O M = A — 90* setzij 
der Winkel JiMO ist der unveränderliche Winkel des Aeqd 
tors mit derp Hcvrizon^e == 9Q' — y, wenn (f die Polhöhe il 
und der Winkel M O L = « ist die Schiefe der Ekliptik* » Ml 
findet OL am leichtesten durch die Ifeppei:scb9p Regeln, nM 



1 Sc^a^Tsa Fragm. $. 14* 



Nennsigster. 89 

i4«T«.g. * (ML+OL)=T»g. * OM.^;!^); 

■rtfML I QT>^ '^'"g-C^A-.45')Co«.(45'-iy--iO 

'ifflg.iCOL — ML)s» 

T«Bg. g A^45») 8in.(45*-->-^»-^|«) 

^~"' Sin. (45*— *9) + +0 

irt OL, folglich auch OS = 90* + OL, ab Ung« 

iSongesiniiu, bekannt; und man findet den Winkel MLO, 

die Eiginsong sa 180° für den Winkel dea Aufgangs 

[fit die HShe des Nonagesioins s= h ist, durch die Formelt 

II. fr- /4M 1 I xSin. 1-(0L + ML) 

4l:^Twg. (45* - + T - * si„.^^(OL-jlL) - 

Insk mm diese Fc^melp auf ^ifelne Fülle anwendet, lo 

ift, die genäCsIgte, die heilse und die kalte Zone 

»n« In der gemäfsigten Zone ift die Aequaton^ 

gtter ab die Schiefe der Ekliptik and auch die Polhühe 

db die Schiefe der Ekliptik , in der kalten Zone iet da«> 

iJB* — 7 ^ <i ^^ de? hei|ien 7 ^ c« Wenn 90* -^ 9 

rk, le wird 45^ --* i (p — •} i positiv, qnd ea hängt daher 

|2ocheii von Tang. 4 (OL — M L) und Tang. HO L + M L) 

fTO Tang. (^A ^ 45*) ab. Da ML + OL nicht über 

lejn kann , wenn man O L iipmer als den kürzesten Bo^r 

Frühlingsnachtgleichenpuncte bis zum Horizonte an- 

10 kann die Tangente dieser halben Summe nur dann 

werden , i^enn diese halbe Sumipe selbst negativ is^, 

beid^Gröfsen zugleich negativ werdep, pur dann, wenn 

Ib des Horizontes i;nd zugleich L gegen Süden voi|i 

icte M an gerechnet liegt. Ist also A '^ 90^ 9 so iat 

itiv, d. he der Nachtgleicheppunct liegt, wie derNor-- 

der Figur ihn annimmt , unterhalb des Horizontes 1x9, 

L, und der höchste {kinct der Ekliptik liegt westlich 

ridiane, zugleich aber der colminirende Pi^n^t der fiklipr- 

I zweiten Quadranten. Ist A <C 90* 9 so sind QL, ML 

•gatiy ; O liegt olierhalb des Horizontes im Westen (weil 

Unterg^ngspunct des Ae^uators ist), der I^onagesimus 

dich vom Meridiane und der ^ulxpinireude Punct der 

im ersten Quadranten. Ist A > 180* , aber < 270*, 



90 Neunzigster« 

80 bleibt noch immer Tang, (^ A ^-r 45^) positiv, und wäl 

dex culminirende Punct der £kliptik im dritten Quadranten 

bleibt der Punct L auf der nördlichen Seite des We8tpan< 

darum aber auch der Nonagesimus westlich vom Meridiane« 

Endlich wenn A ^ 270^ » der culminirende Punct im viei 

Quadranten ist, so. wild« Tang. '(4'A*<-*45^) negativ nnd MI|i 

LO^sind beide negativ, woraua jilso wieder erhellt, dafs 

untergehende Punct der Ekliptik eüdlich vom Westpuncte, 

aufgehender Punct nördlich vom Ostpuncte liegt^- also der Nc 

nagesimus östlich vom Meridiane. Er liegt also östlich V4N#i 

Meridiane , wenn der culminirende J'unct sich im vierten odfFi 

ersten Quadranten d. h« in den Zeichen befindet, wo die 3oiUl0,£ 

bei ihrem Laufe in der Ekliptik sich dem Nordpole nähert, oit$/^ 

wenn der Frühlingspunct über^dem Horizonte ist. Die Htflwv 

. \' . . , Sin.-}. (0L + ML) ' 

des Nonagesimus nimmt zu, wenn g.^^ . (q^ ,^mL) 

nimmt, und ist also am gröfsten, wenn dieser Quotient m 
gröfsten ist. Wenn OL und ML sehr klein sind, flo,kaMi 
man diese Seiten den Sinus der gegenüberstehenden WinUi' ' 
proportional setzen , also . -^^ 

Sin.4(0L + ML) _ O L + ML _ Sin. (9 0^ ~ y) +.Siii> jl 
Sin.i(OL— xML) ~ OL — ML ~ Sin. (90^ — f) — Sim.i 

Tang. C45<> — 4g> + f4 , 

'^Tang.(45^— 49— +«r 

daraus wird fiir OL = ML = 0, h = 90** — 9 + «, taJL 

es läfst sich auch zeigen, dafs fiir OL = 180*, h = 90* — y— • 

ist. Jener erste Werth ist der gröfste , den dieser Quotient e^• 

, , - . Tang. 1(0 L + ML) , . 

langen kann , denn da ,= — - — r—^^ — -- ,^, . nach den obigeo ' 
® ' Tang, i (OL — ML) *• . . 

Formeln einen unveränderlichen Quotienten giebt, so ist ■•.: 

Sin.j (OL + ML) ^^ C0S.ICOL + ML) ; I 

-: — ^ r—p- = Lonst. ;;; tttTt T7TT »Hemal kle|- E 

Sin.|(OL — ML) Gos.4-(OL — ML) ^^* ; 

ner, als in demFalle, wo OL = ML = ist. . ' 

Für die heifse Zone ist 9x^6 , also 45^ — i 9 "h i ^ B^ ■ 

fser als 45® , und wenn man für Tang. 4 h die Formel 

• * -^rr . i. *,r 1 Cos.4(OL + ML) 
nimmt, so ist Tang, i h gröfser als = 1 />%t uMri • Da 

L>OS. ij- {U Li —— M Li) 

nun dieser Quotient =: 1 werden kann, welches geschieh)^ 1 



N^utralitatiom Nickel. 91 

bü» OL S3L ML csi ist, so kommt h > QO« bonms, und 
vkMm Gflbnb«r die CUiptik so liegen , dab ihr ktfdaster Paoct 
[üai südHcheii Horizonte mehr als 90^ entfernt ist« 

Für die kahe Zone ist die, Aeqattocsibbbe kleiner als die 
iikiefiv der Ekliptä und folglich Sin. (j/ßf^ ^ ^ 9» _ 4 <) und 
[ttttg. (45"" ^ f 9 -^f«) negativ, weü^M* — ^. Hier üt 



e^atrr, wenn A>>gO® und<^270S 



lMi«MI«^ OL ist, wae auch schon ans 0>*M faenrc^eht; 
ik^A<gO* oder > 270« werden OL, ML beide negatiy nnd 
AiwrOL— ^ML JMmtiv, weil, der absoluten Gröfse nach, 
'l|ii>OL bleibt. ML kann hier 90<> werden, d. h., der 
Ai%aBgsi»anct oder> Untergangspunct der. Ekliptik rückt dnrch 
kalben Um&^- des Horizontes fort , und der Nooagesimus 
im Norden und im Süden liegen. Auf dem Polarkreise selbst 
kt^d^ — 9=e, daher OL =3 ML, und es wird h =s 0, wenft 
^^£=270» ist; dieser Werth giebt nämlich Tang. 4 (ML-f OL^ 
' ms Tang. 90® 9 «Iso hier ML = 90« , und Tang. ^ h 

*S*T«i«.C45«~*^p+iO^;^«0, woraush = 

iolgt . ^enn der Herbstnachtgleichenpunct untei^e^t oder 
^BJJJD^ist, so liegt auf dem Polarkreise die ganze Ekliptik 
üaHorisonte und der Winkel des Aufgangs oder h ist = Ot 

Die Bestimmung des Nonagesimus wird bei der Berech- 
amig der Parallaxe , sofern diese in Beziehung auf die Ekliptik 
{•focht wird , gebraucht. S, 

Neutralisation. 

Neutralisatio ; Neutralisation ; Neutralisation ; 

£0 bei der chemischen Verbindung zweier Stoffe eintretende 
wechselseitige Ausgleichung ihrer entgegengesetzten Eigenschaf- 
loi, die sich bei einem gewissen Verhältnisse , dem Neutrali- 
Sitionspuncte , am vollständigsten zeigt und vorzüglich bei der 
Verbindung der Säuren mit den Alkalien und andern Salzbasen 
voikommt. G» 

Nichtleiter s. Leiter. 

Nickel. 

Niccolum: Nickel: Nidel. 

Ein zuerst 1751 von Grohstedt uoterschiedei^es, aber erst in 



g2 Nickel. 

neuerer Zeit im reinen Zustande dargestelltes , dem Kobalt seh 
verwandtes Metall , welches sich im Meteoreisen , Kupfernickd 
Haarkies, Nickelglanz, Nickelspiefsglanzerz, Nickelocher und d« 
Nickelschwänse findet. £s ist grauer als Silber und weiber all 
ßtahl, nach Tupfuti von 8|8 specifischem Gewicht, dehnbar um 
KU feinem Drath ausxiehbar, strengflüssiger als Gold und leicht 
flüssiger als Stabeisen« Es wird Tom Magnete gezogen und 
läfst sich durch dieselben Mittel attractorisch machen , wie dal 
Eisen , und zwar verhält sich seine magnetische Kraft «u im 
des Eisens nach Lamfadius ;= 7: 11 9 nach Wollastov =iS 
bis 3:8 bis 9 , und es verliert nach Touats den Magnetismi 
durch mehrmaliges Glühen« 

Das Nickel bildet nut Sauerstoff ein Oxyd und eip Hypsf- 
Oxy4. Das Nickeloxyd (29y5 Nickel auf 8 SauerstofiQ ist da 
graues , nicht magnetisches Pulver. Es bildet mit Wass« dl 
9pfelgnines Hydrat und liefert n^it Säuren Salze, welche m 
wasserhaltigem Zustande smaragdgrün und apfelgriin, im ent- 
wässerten gelb gefärbt sind« Ihre wässerige Lösung wjrd dprd 
fitzendes Kali apfelgrün, durch kohlensaures griinlichweils nnl 
durch hydrothionsaures schwarz gefallt; ätzendes AmmomiiB 
fuhrt die grüne Farbe der L{$sung ohne alle Fällung in die ^io* 
lette über; der durch kohlensaures Kali oder Ammoniak b»* 
Vrirkte Niederschlag löst sich in einem Ueberschiisse der- 
selben init grünblauer Farbe auf; Eisen und fireie Hydr»« 
thionsäure bewirken keine Fällung. Das Salpetersäure Nickel- 
Oxyd krystallisirt in zerfiieCslichen smaragdgrünen Säulen; das 
schwefelsaure bald in Quadratoktaedem , bald in geraden rhoo»- 
bischen Säulen, und das kohlensaure ist ein blaüsapfelgrunsip 
nicht in Wasser lösliches Pulver. Mit schmelzendem Borax lit^ 
fert das Nickeloxyd ein gelbes Glas« Das NickelhjperotjA 
(39,5 Nickel auf 12 Sauerstoff) ist eine schwarze Idasse ^tm 
Ruscheligem, glänzendem Bruche. 

Das CfUomictel ist citrongelb und löst sich in WaS90ir ff 
Hlxsaureni Nickeloxyd, welches in kleinen, grasgrünen, tm^ 
flielslichen, wasserhaltigen Krystallen anschielst Das Schmt* 
filnickef^ welches naturlich als Haarkies vorkommt, ist speise 
gelb und nicht magnetisch. Das Phosphomickel ht weiGi, ms* 
tallglänzend , spröde , leicht schmelzbar und ebenfalls unmagne- 
tisch« Durch Aufnahme von Kohlenstoff beim Schmeixen pil 



Nivelliren. 93 

kwird das HRJul swar sprOde, variiert aber nidbt SM» 
Ibgiietiamiii« O. 

N i r e 1 1 i ir e n. 

jj IKe Bealinianuig gleich lioch Bagendar PuQcta'iind die dar» 
iß ffkmfhö' BtodmmüQg, um wieviel swei gegebene Puncte 
mHUie .Über ^er Erde veracbieden aind, geschieht durch Ni* 
Tdüren« Der Zweck' desselben ist, entweder eine gegebene 
Onia» s. B» die Ta&l des Mebtisches bei Messungen, horisoBK 
m.m stellen 9 oder in griSlseren't^tfemungen eine Reihe von 
IjAuMtm anngeben, deren Höhi/entweder gleich oder in be« 
rf u H i ilHm Habe versdiieden ist 

. IGttei mr fiorizontalstellnng eines Instruments. 

'^ llaa lato ersten Zweck zu eriiillen , bedient sieh der ge- 
Manrer, Zimmermann n. s. w« der Setswaage, eines 
, das eine ebene Fläche als Basis hat, über welcher 
tidi eine gegen diese senkrechte Tafel erhebt , auf der eine ge- 
' gm die Grundfläche senkrechte Linie gezogen ist; in einem 
Pioncte dieser Linie ist ein Faden , an welchem ein Gewicht«- 
'' dwB hängt, befestigt, und das £inspielen dieses Fadens auf 
> jene Linie zeigt, dafs die Linie vertical, also die Grundlinie 
des Instruments horizontal ist. Wo es nur darauf ankommt, 
^ eisen Stein oder Balken horizontal zu legen, gewährt dieses 

[bitxmnent, hinreichende Genauigkeit. 
Zu genauerem Gebrauclie wendet man die Niveaus mit der 
Luftblase an. Ist es nur die Absicht, den Mefstisch horizontal 
[ ta stellen, wobei es nicht auf die strengste Genauigkeit an- 
I kommt, so reicht ein rundes Niveau , wo die Luftblase sich in 
k die Mitte stellt, zu. Ein niedriges cylindrisches Geföls, oben 
' mit einem Uhrglase geschlossen und mit Weingeist oder gefärb- 
tem Wasser so weit gefüllt , da£s nur ein kleiner Raum frei 
Ueibt, ist an der Grundfläche so abgeglichen , dafs die Ebene 
dar Grundfläche parallel mit dem höchsten Theile des oben 
ttUielsetiden , eine convexe Oberfläche darbietenden Uhrgla- 
sesist; steht also die Luftblase genau in diesem höchsten Theile 



f 




94 Niyelliren. 

des Glases, 86 ist die Grandfläche des Niveau's, mithin aiui 

die Fläche , worauf es steht , horizontal , mit einer Genauigkiil^ 

die für eine Mehge von Fällen zureichend ist. ' 

Zur sehr genauen Aufstellung eines, astronomischen IiH' 

struments kann sowohl das herabhängende Loth, als das IG«; 

veau mit der Luftblase dienen» Das erstere wird noch oftlC 

Instrumenten, die zur Abmessung der Zenithdistanzen bestimil|^ 

sind, angewandt, und es dient da, um das Instrument so zu sttP^. 

len , dafs die vom Mittelpuncte zu dem ersten Theilungspun< 

gehende Linie genau vertical sey. Dieses Loth besteht am beitJF 

aus einem Silberfaden , woran ein mit Schrot beschwertes fl^* 

merchen hangt, und das letztere läfst man in ein mit Wasser 

füUtes Glas hängen , damit das Wasser die allzulange dauern! 

Oscillationen des Lothes hindere ; jedoch mufs das Eimen 

ganz eingetaucht und das Wasser rein seyn , damit der W» 

stand des Wassers nicht zu sehr hemmend wirke. Dieser nr 

den mufs genau vor dem auf dem Instrumente bezeichneUll- 

Puncte einspielen, und da hier einiger Abstand des Fadens iaät' 

der Ebene des Instruments unvermeidlich ist, so kann die N^' 

rallaxe des Auges, selbst wenn das Auge nur wenig Ton'JitI, 

durch den bezeichneten Punct gehenden, auf der Ebene des bp' 

struments senkrechten Ebene entfernt ist, merklichen Nacht 

bringen. Um diesem Nachtheile gänzlich auszuweichen, 

ftAMSDEV ein sinnreiches Mittel angewandt, indem er dt 

ein convexes Glas von kurzer Brennweite ein Bild des auf 

Instrumente bezeichneten Punctes genau in dem Abstände 

der Ebene des Instruments hervorbringt, wo sich der Fi 

befindet; indem man also mit einem Oculare beobachtet, ob 

Faden durch die Mitte dieses Bildes geht, ist man der Gel 

einer Parallaxe gar nicht ausgesetzt , , weil Faden und Bild wii 

lieh' zusammenfallen. Der Punct, der sich im Bilde darstel 

soll, ist auf einer kleinen Perlmutterscheibe auf dem Instrumi 

angebracht, und diese kann durch eine geringe Aenderungfil 

Stellung genau in diejenige Lage gebracht werden, welche 

haben mufs , damit das Bild ganz genau der richtigen Lage 

Lothes entspreche. Diese Einrichtung heifst bei den Engl 

dem Ramsdbn's Geist (JRamsden^s ghoaf)^ weil man nicht 

nen wirklichen Gegenstand, sondern nur sein Bild steht« 

Von noch ausgedehnterem Gebrauche ist das Niveau 
der Luftblase (nivefm ä bulle cPair) , die Libelle« Es best 

1 






Mivelliren. 



S5 



noer cylinclrischefi Glasi^hre, die gr^fsten Theik mit Spiri-« 
sfiillt und , nachdem sie hermetisch geschlossen worden, 
Boer mit der Axe des Cylinders parallelen Grundfläche AB^'^* 
ist. Hat dann die Axe des Cylinders eine horizontale 
so mnls die Luftblase CD in der bei E F sichtbaren Flüs- 
in der Mitte stehen, und diese Stellung zeigt also, dafs 
Ebene, anf welcher das Niveau mit seiner Grundfläche 
(ht, nach der Richtung des Niveauos horizontal ist. Da- 
die Luftblase sich bei der richtigen Stellung in der 
halte und bei geringer Neigung nur nach und nach sich 
Mitte entferne, muls die Röhre eine allerdings sehr 
Krümmung ihrer Axe haben , und diese Krümmung 
ito mehr einem grofsen Halbihesser zugehören , je mehr 
llichkeit man Ton dem Instrumente verlangt. Die Röhre 
librirt seyn; denn obgleich es bei gleich bleibender 
der Luftblase darauf nicht ankäme, so wird die Ungleich- 
Inhalts an beiden Endan doch merklich , wenn bei ge- 
Wärme die Flüssigkeit einen geringeren Raum ein- 
L, nAem dann die Vergröfserung der Blase nicht an beiden 
jkich seyn würde. Die Blase selbst mufs nicht zu klein 
\f um hinlänglich leichte Beweglichkeit zu haben, aber doch 
selbst bei niedriger Temperatur sich nicht zu sehr der 
der Röhre selbst nähern. Man bringt auf der Oberfläche 
^linders eine Theilung ab, cd an , die am besten in 
itte Null hat und nach beiden Seiten hin fortzählend die 
angiebt; auf dieser mufs, wenn das Niveau gut ist, bei 
Stellung des Niveauos , die Blase bei jeder Temperatur 
gleichnamigen Theilstrichen rechts und links reichen* 
Teilung von den Endpuncten der Blase an zu zahlen ist 
gut, weil eine solche Theilung doch nur für eine mitt- 
iperatur gelten könnte. Die Länge der Niveauröhre ist 
Terschiedenheit der Zwecke ungleich und , wo man grofse 

Leit fordert, gröfser, etwa 12 bis 18 Zoll. 
fm zu bestimmen , ob der Nullpunct der Scale richtig an- 
ist, reicht es in vielen Fällen zu, die Ebene, auf wel- 
GrandflächeAB ruht, so zu stellen, dafs die Blase 
der l^tte befindet, und dann das Niveau in entgegen- 
Lage auf eben der Ebene aufzustellen; findet sich 
Blase eben »o gut in der Mitte, wie bei der ersten 
ID ist das Niveau richtig, sonst aber bedürfte es einer 



96* Nivellirem 

Correction. Ist das Niveau 'm sehr geottten Bestimmangen 
gerichtet ^ so ist es ehtWitd»T mit gleich hohen Füfsen stim 
seteen auf ein Fernrohr, odet mit hakenförmigen Ansätxeti 
Anhängen an ein t^ernrohi^ versehen \ in heiden Fällen iFto 
tnani dafs beid« Stiitspuncte in einer Linie liegen^ ' die hori 
tal ist, wenn- die Luftblase ihre richtige Stellung i|i der] 
der 'Niveauröhre einnimmt, und prüft die Richtigkeit auf 
gende Weise« Man bringt das Niveau an dem Feriurohre ( 
bis auf Secünden theilendea Winkel -Instmmentesftn den' 
bestimmten t'uncten an und stellt das Fernrohr in di^ Lag», 
die Luftblase ihren richtigen (Platz einnimmt; dann «ber w< 
man das Niveau üitt) däfs das vorhin dem Objective desi 
töhrs tugewaiidte Ende nun dem Öeulare zttgeWaiiidt ist y 
bei nnveränderter Stellung des Fernrohrs mu£i auch in d 
ttweiten Lage die Blase wieder genau den mittleren Plats 
nehmen) wäre das nicht der Fall, so wäre.nder NuIIj 
nicht strenge liohtig, und wenn man das l^ernTohr nui 
so viel anders stellt, datt c^e' Blase auf Nulls zuiückka 
so wird derr F^ler, vermöge dessen die Ax« des Fern 
einmal hinaufwärts, einmal hinabwärts von der wahren 
tizontailinie abwich, halb so viel betragen^ als der Wi 
um welchen man das Femrohr hat fortrücken müssen 
den man mit Hülfe des Nonius am Rande des Instrumenta 
liest« Dieser Versuch mufs bei verschiedenen Temperal 
wiederholt werden, um zu sehen, ob^ wenn die Blast 
höheren l*emperaturen oder bei gröfserer Ausdehnung 
tropfbaren Flüssigkeit weniger Raum einnimmt, und bei 
drigem Temperaturen immer di6 verlangte Richtigkeit Statt 
det. — Dafs auch das Fernrohr zu dieser Prüfung eingeii 
seyn mufs , dafs nämlich den Fülsen oder Haken des Niv 
ihr genauer Platz angewiesen seyn mufs, wo sie mit immer 
eher Genauigkeit, auch bei Vertauschung der Ruhepuncte, 
auflegen , versteht sich voti selbst« Da der Zweck gewöh 
der ist, dafs auch die Axe des F'ernrohts horizontal sey 
silid die Puncto, welche zur Unterstützung des Niveauos 
stimmt sind , eben so in einer mit der Axe des Fernrohrs p 
lelen Linie, wie es die Puncte der Füfse oder Haken mi 
demNuUpuncte d^s Niveauos entsprechenden Horizontallinie 
Um die Cr^fse des Drehungswinkels in dem eben erw 
ten Falle abzumessen und auch um die £mpfindlichkeil 



Nirelliren. 97 

Fivean's za priifeb kimi Man, vrenn man keinen sehr genau 
Kl auf Secdnden theilenden Kreis aniowenden Clelegenheit hat, 
^im Fernrohr anf einen entfernten Gegenstand richten und die 
Tenchiedenheit der Höhe der dort hei den entgegengesetzten 
' Ligen fies Niveauos im Fadenkreuze des Femrohrs erscheinen- 
den Puncte als Mafs des Winkels hei hestimmter Entfernung 
iBwenden. Eine ähnliche Bestimmung ergieht auch die Em- 
{Andliehkeit des Niveauos« Es sey nämlich dasselbe mit dem 
Fertttohre eines Secunden angebenden Kreises verbunden und 
nSist das Fernrohr so gestellt^ dafs das Niveau seine genau ho- 
litODtale Stellung hat , indem die Blase die Mitte der Scale ein- 
ini&iBt; dann findere man die Bichtung des Fernrohrs um so 
«fnig, iab die Blase nur eine oder einige Abtheilungen der 
Scak-durahläuft, so sieht man aus der Vergleichung mit dem 
laNonins des Instruments abgelesenen oder durch mikrome- 
tfiKhe Messung bestimmten Winkel oder durch Abmessung der 
dnrch beide Gesichtslinien auf einem entfernten Gegenstande ab^ 
geschnittenen Höhen , wie viel Abweichung von der Hoiizon- 
tilUnie den Theilen der Niveauscale entspricht* Je gröfser der 
Kriimmuflgslulbmesser der dem Niveaurohre (der Axe des Gy^ 
Üaden) gegebenen Krümmung ist, desto empfindlicher wird 
das Niveau seyn ; verrückt sich die Blase um n Linien für 1 
Secunde, so ist eine Bogensecunde res n Linien, also der Halb<- 
inesser der Krümmung =s= 206265 . n Linien« An dem von 
RciCfiEifBACH und Ertel für die Königsberg er Sternwarte ver- 
iertigten Meridiankreise betrug ^ die Verrückung der Luftblase 
1 paris. Linie für 2"5227 , also ist der Halbmesser der Krüm- 
«Qng = 643 Fufs , und diese Krümmung fand sich gleichför- 
iiig, als die Blase durch 4 Zoll fortgeführt wurde« 

Um das Niveau vor Veränderungen durch Wechsel der 
Temperatur und daraus hervorgehende Ausdehnung des Metalls 
tu sichern , scheint es empfehlenswerth zu seyn ^ dafs man die 
Rfihre £ F blofs in der Mitte befestige ^. 

Das Nivelliren entfernter Puncte. 

Soll das Nivelliren den zweiten oben erwähnten Zweck er- 
fiiDen , so bedient man sich, je nachdem die Genauigkeit es fov- 



m^ 



1 Bessel's astr. Beotaclit. Abtli. Vi. S. Vit. Abtli. iXi S. f, 

2 Peahsok IntrodactioA to practlcal Astronom/. Vol. 2. p* 287. 
Vlh Bd. ö 



98 Nivelliren, 

deit, verschiedener Instrumente, die alle so eingerichtet sind 
dafs man eine genau horizontale Richtungslinie mit Hiil£e d•^ 
selben erhält , und kidem man diese als Visirlinie , um auf eioM 
entfernten Gegenstand zu sehen , anwendet , an diesetn Gegeih 
Stande einen Punct bestimmt , der genau in der durch das Aii|[l 
gezogenen Horizontallinie liegt. ^■■u 

Werkzeuge zu diesem Zwecke sind bereits im Alterthnla 
bekannt gewesen , und schon Vithuyius erwähnt ein solches4^ 
wo ein Lineal dadurch horizontal gestellt wird , dafs ein an Op 
nem Faden hängendes Loth die verticale Lage des auf jenes Li- 
neal senkrechten Stückes angiebt, und wenn der Wind das hifr 
abhängende Loth nicht zum Stillstehen kommen läfst, soUa 
eine auf der horizontalen £bene angebrachte Rinne Wasser ge- 
gossen vrerden , dessen genau mit der Ebene übereinstimmendei 
Stand zeigt, dafs sie iiorizontal ist. Aehnliche Wed£zenge| dif 
freilich keine Genauigkeit versprechen, sind auch in spätenc 
Zeit noch angewandt worden. 

Ein ebenfalls noch sehr unvollkommenes Instrument ist 



^*^' Canalft^aage, Sie besteht ans einer mehrere Fufs langen bls- 
chenen Köhre AB, an welcher zwei gleickweite Glasr^direD 
A'C , B D wasserdicht unter rechten Winkeln befestigt sinl 
Diese Röhre wird auf einem Fufse, wo man ihr die gefam 
rige Richtung, sowohl durch horizontale Drehung, als anoh 
durch Aenderung der Neigung gegen den Horizont, geben ksM^ 
aufgestellt, und die Röhre AB ungefähr horizontal gesteHt 
Giefst man dann Wasser in die Röhre und füllt sie so weit, dab 
beide Oberflächen sich in den Röhren AG, BD befinden i m 
liegen bekanntlich beide Oberflächen E, F in einer Horizoi- 
tal- Ebene, und wenn man über beide Oberflächen weg odfli 
neben den Röhren vorbei so visirt,. dafs die Gesichtslinie an bei- 
den Oberflächen hinstreift, so kann man einen entfernten PodN 
in dieser Horizontallinie bezeichnen. Man muls sich bei iü 
Füllung der Röhre, die deswegen nicht zu eng seyn dar^ Imtflii 
dafs nicht irgendwo Luftblasen in dem Theile AB bleibeni wd 
sonst, bei einiger Neigung dieser Röhre, das Gleichgewicht M 
ungleich hoher Lage der beiden Flächen E , F eintritt* Bbn 
mufs, obgleich die Wasserflächen sich wegen der Anziehiil| 
der Glaswände an diesen hinaufziehen und dadurch eine voo-dfl 



1 VitniTii de architectnra libri decem. Vif f. 5. 



JUljeiyirpn. 99 

JBbvmij^ \7«8MnrffiMiB iß #iv SGtte d«r lUOm xar 

lg d«{i.HoiixoiitalliiMi ias^iAtigo sn fassen. Um die- 

va «rWJileni/|pt f^:gpit» wenn an einem di» Röbre 

nwfiNiaeiidmjBirtge c9»;J;)^]ptel^ eehwäiu angebraebt ut 

Am.Mo 9ti H^^ «feiten tlä^s. äi^«iw i;ti4»Mefli Zwecke 

e Diop|et;b(ifi4id«ti tteUtlt jn>in den HanAiki einen und 

Beni^dei^.andein Bingee mit der Waeferflächii gleich, hoch, 

dkdifige der kbioen Qel^nyig , dmrdi Wjeldw daa Ange 

X'eMlfe^ in ebeh det H6ii«otilalUnie Kegen, dii weichet eich 

9ß, dttfÖEllr^iieo Di^ptet.jatige]qspchte heri^ontid eoigeifianiite 

fcdriMl^d^ lolri? glb^Mieite iHrd, iet der ibsüTiatfende^ 
dbr Etopaomallinie liegettd» Bunch'. Dieee letste JBin*- 
;| # >W M^^^^^wy vsm . ata t^khfMT ist, daCi die Hinge «ä den 
Ml^4f4tt'9h.iU^BieFtem niphtig f^eetellt sind und 
1A deilä^tnuneiit keiAe Veimckntig leidce^ 'Wenigattne.- Jeh 
iJllßliBg^tiifßtf^^ :wie*:(#a ohne dieee lr>oniclltebg ge« 

^liljÜpil" ^iMPf ' gf^tWgt .set^ mit demielben' Aii|^, d«^. aich 
%JKj»44«[19^tp!lLdieeae]| ;ß4>efindee, die ObetiiSelie B,, dil^ 
ÜJiHiWiliiiir nn4 .jdte «tf^rntea Gegenstand tu bfMMchilen. 
fk imk mn solches f i^iren des Auges auf drei in gaiiji ünglei- 
"liieD JBntfemungen liegende Gegenstände das; Ange sehr ange- 
4nogt wird , indem es sich fast jeden Augenblick abwechselnd 
Imisicfatig und nahesichtig einrichten mufs, so ist schon deswe- 
gen die Canalwaage, ohne solche Diopitern, . ein htiehst unbe- 
oesy das Aoge verderbendes lostrament. Wes die.ndamit zu 
Genauigkeit betrifft y so ist. auch: diese ofienbar ge- 
Jiage, da. die unvermeidlichen Abweichungen, der Gesichtslinie 
iVoa den beiden Obei^iächen id gr|[jlserer Ferite sehr bedeutende 
'^leUei: gebepi .W^^l^ euch diese. Abweichungen an der zweiten 
^Abeifläch« F. nur wen^ betragen^ Zom Abnivelliren' eineyr 
fiaerstralaey wo ej» auf einige Zolle nicht ankommt, iäbt sich 
iideb d«s Inatnmsent gebi;aucbequ 

Auf ganv ähnlichen Gründen beruht die-voä nE ia Hirk 
■igegebeiie Wesaerwa^ge I wo auf deih Wasser in den Möhren 
'•im Dioptern scjkwivvneii. od^^iiti^ derselben bei F eine Ob- 
jsfliprlinsei bteiS .ein Ocular schwimmend angebracht ist« Es 
ivsfsteht eich i dalii. die durch dieae^jGIfiset bestittime Gesichts- 
knie mif den b^den WaaserfiSelMlVjßairäliel eeyn mttfs; Ksith 

G2 



< I 



100 Nivelliren. 

hat dieser Einrichtung dadurch mehr Vollkommenheit gegeLeOi 
dafs die beiden Dioptern anf Quecksilber schwimmen., welchdb 
die untere Röhre füllt. Indem die Dioptern oder zwei als Oli'^ 
jectiv und Ociilar zusammengehörende Gläser, auf cylindrischeli 
oder würfelförmigen Grundlagen* stehend , von Quecksilber g^^ 
tragen werden und eine ' mit der Qnecksilberiläche par^Uft( 
Gesichtslinie darbieten, i^it<d der Zweck erreicht. 

Diesen Instrumenten weit vorzuziehen sind die mit einedi 
Niveau mit Luftblase. -Ihre Einrichtun«; ist dem Wesentlidb^ 
nach die, welche unter dem Namen der Sisson^ sehen IVasiä^^ 
waag$ bekannt ist, wenn gleich im Einzelnen VerschiedenheK 
ten angebracht sind. Ein Fernrohr nämlich-, mit einem Fadei^ 
Flg. kreuze versehen, AB, ist mit der Niveauröhre CD so verbtiv* 
'den, dafs die Axe des Fernrohrs horizontal- ist , wenn die BUll 
des Niveau's ihre richtig« Stetfong in der Mitte der Röhre ein? 
nimmt.' Da man mit Hülfe der-gröbern Stellungsmittel, die m 
bekannte Weise an dem Fufse des Instruments angebracht sinl^ 
dem Fei*nrohve schon ziemlich nahe die horizontale Stellung gelM 
kann, so bedarf es nur noch der feinen Schraube £, um'dfl 
Stellung so zu ändern, dafs das genaue Eintreifen der Blase Üt 
.dem NuUpunct (oder von diesem sich gleicn weit nach beiddb 
Seiten erstreckend) statt finde. Ist diese Stellung erreicht, lij 
visirt man nach dem entfernten Gegenstände , dessen Höhe h^ 
Stimmt werden soll. So unmittelbar kann man das Instrumefll 
anwenden, wenn man von seiner Richtigkeit völlig überzengl' 
-istYiuUk'Mch von dieser zu überzeugen, dient auch hier dH 
Umlagen des^'Niveau's oder des Fernrohrs. Ist nämlich das JXt 
-veau so eingerichtet , däfs es mit genau anschliefsenden Hak 
auf dem Fernrohre ruht^ sokann man, bei unveränderter Lage 
des Fernrohrs, die Enden d^s Niveau's verwechseln, und Ä 
mufs die Blase dann nach dem Umlegen wieder auf dem NuIIk' 
puncto stehen, 'Wenn das Instrument richtig ist. Findet sich dak 
Gegentheil,>«o corrigirt die Scliraube G diese Abweichung, uvi 
man wird diese Correction immer 2etn vornehmen , um das lo** 
slrument nachher desto einfacher gebrauchen zu können; dallj 
ober die Prüfung der Richtigkeit- von Zeit zu Zeit wiederhokf 
werden mufs, versteht sich wohl von selbst. Ist das NiveiÜ 
nicht zum Verwechseln redngerichtet , so wird man gewöhnCw 
das Fernrohr mit dem 'JttiVeaa • verbunden umlegen können und 
verfährt dann auf £6lgebde> Wei^oi Da das Perhrohr allemal HMt 



V .- 



Nivellireu. ■ JOl 

iBem VaJenkxeaxe vergehen ist', desseO Bftttft in dn gamimi' 
ete des Fernrohrs liegt, so stellt man dU'FkrnKihi:' M,^ daA 

veau die Ulase in der Mille zeigt , vaA bemerkt danq äin 
^ifernten Punct, der durch die Miltedes Fa^nVreuiw. bo-, 
kt wird. Man dreht dann auf dem Ztphn V ,' Anäi» bßn-' 
itile Bewegung des liitlmraents gefilatt,et, ä»* ^ape» Jngtni-, 
Ünntin die entge<;engeselzte Bichtung und legt du Fernrohr in 
I Lagern tim , so dafs das Objectiv jetzt dahin ^mntt, WO - 
vorhin das Ocubr lag, und da so.dnrch do^elt« üar 
ircodung das Fernrohr wieder nach eben dem Ge^sn^nde, wiv 
irliiD, gerichtet ist, so fiihrt man durch die Schriitlbv E äu 
Wmi wieder auf den richtigen Stand der BLi« koriick. Wtnn, ■ 
iees seyn soll, die Höhe der Axe desFeiBTohri dfdoroh nicht 
linileit ist, so sollte nun beim Yisiren durch du Fsrnrolu 
iwelbe Punct vom Fadenkreuze gedeckt.ewcheinen, yriftttf- 
D, and wenn dieses geschieht, so ist diaStellongdu Nivtfaik*« 
ägbtig, statt dafs eiiteCorreciion durch die.Sabraube ü Statt fio^ 
ina maU, wenn sich ein Mangel an UebeieiMtimmuag swi' 
■chen den beiäen Zielpnncten findet. Hat BKn die^tf Bwüchti- 
tngebracJit, so zeigt die richtige Stvllnng din-BUf«-tfn« 
horiioniale Lage der Gesichtslinie'jeft ^emrohn«.,), Dt« ' 
DpEndiichkeit des Niveauos und eben dadurch die Genauigkeit, 
vrelcher man beobachten kann, bestimmt man wiader da- 
ih, äah man mit Hülfe der Schraube £ die Blase nm einen 
beilstrich von der richtigen Stellung entfernt und mit dem 
irohre beobachtet, um wie viele Linien der in belcannter 
ernung liegende Zielpunot sich dadurch Xndert. 
Uater den Veränderungen, die man an dieiem Instrumenttt 
Brg«schlagen hat, scheint mir die von vov Mitis vorgeichls- 
vorzüglich eine Erwähnung zn verdienen. DieeineVer- 
ing besteht darin , dafs ein eingetheiltcr horizontaler K reis 
■gebracht ist , der durch eine eigene Libelle horizontal gestellt - 
ind welcher dazu dient, wenn man aus einerlei Stand- 
nach verschiedenen Uichlungen visirt, die horizontalen, 
^el, um welche diese Riclitungen verschieden sind , abzu- 
psen. Eine zweite Verbesserung , deren Pfützen ich nachhec 
leben will, ist ein am Ful'se des instrumeots angebrachiei 

1 Dm Nivellement mlL einem neu erfuiidenen laitnunonta reo 

'"TSA-as 



102 Nivellireii, 

verticaler Stab , der, indem er sich auf dem Panct tm Bode«p'* 

dessen Höhe eigentlich mit entfernten Pnnctcn verglichen -w«^- 

den soll, aufstützt, dem Fernrohre bei allen BeobachtatfS 

gcu eine gleiche Höhe über jenem Puncte giebt. Die drilMfl 

Verbesserung kann für viele Falle von wesentlichem NuttW 

seyn , wenn sie gleich zu dem Einwurfe , dals sie das Instf^ 

ment zusammengesetzter macht, Anlafs giebt. Das FcmröHr 

steht nämlich oberhalb jenes Kreises so , dafs es sich in oj^ 

Vertical - Ebene , die durch ein auf jenem Kreise beweglich*!" 

Lineal geht, in horizontale, aber auch in geneigte Stellung hiv^ 

gen läTst, und ist statt eines Niveauos mit dreien verschen , ^^^^ 

zwei eine bedeutend geneigte Stellung gegen das Femrohr ar- 

nehmen können. Das eine derselben ist, wie bei dem vori^lw 

Instrumente, bestimmt, die Axe des Fernrohrs horizontal s9 

stellen , und dieses wird also auf die gewöhnliche Weise be^ 

richtigt, so dafs die Visirlinie horizontal ist, wenn die Blase M 

der Mitte steht. Die beiden andern sind bestimmt, das eine 

Höhenwinkel, das andere Tiefenwinkel anzugeben, und mÄ 

berichtigt ihre Stellung auf folgende Weise. Nachdem das d« 

Horizontalstellung zugehörepde Niveau berichtigt ist, bri? 

man das Fernrohr in die genau horizontale Stellung und läfii 

bestimmter Entfernung, z. B^ 500 Fufs, d}e nachher zu' B» 

schreibende VisirtafeJ aufstellen und ihre Mitte so heben o44 

senken , dalS die horizontale Oesichtslinie ihre Mitte trifft, pt^ 

berechnet inan für den Höhepwinkel, für den man das zw«^ 

Niveau zu stellen beabsichtigt, wie viel die unter diesem HJfi 

henwinkel geneigte Linie in jener Entfernung von 500 Fu& sia 

iftep die Horizontallinie erhebt, und um so viel höher stell 

man die NivellirtafpL Man ändert die Neigung des FernrolW 

bis die Mitte des Fadenkreuzes die Mitte der Visirtafel dedü 

und ist also gewifs , so eine unter deni verlangten Höhenwin 

kel geneigte Linie abzuvisiren , uud bei dieser ungegndert bki 

benden Stellung des Fernrohrs führt man das zweite Nive» 

^lirch eit^p dieses Niveau allein bewegende Schraube auf di 

ßtellung, wo die Blase die Mitte einnimmt. Da auf ^tA 

Yfelse die porizonfallinie des Niveau's mit der Axe äes FeiB 

rohrs den bestimipten Winkel n^acht , so k^nu man nun « 

Abvisirung jeder eben so geneigten Linie das ipit Hülfe diel 

Libelle eingestellte Ferprphr gebrauchen. Daß» man für Tief« 

winke! , für welche das dritte Niveau bestimmt ist , i^ijf gleic! 



Niveilireii. 103 

Weise verfährt, ist nun leicht zu übersehen. Man kann, wie 
mck Tov MiTis bemerkt, zu demselben Zwecke, Linien in be- 
mter Neigung abzusehen , auch aufser den Kreuzfäden noch 
fvä bewegliche Horizontalfäden in dem Fernrohre anbringen 
md diese so weit von der Mitte des Fernrohrs entfernen , dafs 
einer bestimmten Neigung entsprechen , während der Mittei- 
lten die 'Horizontallinie bezeichnet. Diese unter einem be- 
rimmten Winkel geneigten Visirlinien können einen doppelten 
Tatheil gewähren , indem sie erstlich , wenn man drei Beob- 
aebtangen ma^ht , die etwa entstandene Unrichtigkeit eines der 
Sman's sogleich kenntlich machen , und zweitens da , wo der 
Men zu abhängig ist , um weit genug eine Horizontallinie ab- 
ttsdien , doch ein Nivelliren' auf bedeutende Entfernungen er- 
'fanbeo. 

Ich habe bisher öfter die Bestimmung des Zielpunctes er- 
wSkoti auf welchen die Axe des Femrohrs gerichtet oder der 
-' dnrch die Mitte oder den Horizontalfäden des Fadenkreuzes ge- 
deckt ist; die Mittel, um diesen ganau zu bestimmen, gehören 
Bit zu den wesentlichsten Gegenständen beim Nivelliren. Man 
bedient sich dazu der Nipellirtafel^ die an der Nivellirlatte in 
toterer oder tieferer Stellung befestigt wird. Diese Nivellirta- 
fcl ist gewöhnlich eine viereckige Tafel , deren zwei Seiten ho- 
rizontal erhalten werden und deren Mittellinie dadurch kennt- 
}. Bch gemacht ist , dafs man die Tafel in vier gleiche Felder g*- 
f theilthat, deren zwei weifs, zwei schwarz gefärbt sind und 
F & einander schief cesenüber stehen. Indem so das obere Vier- 
tel rechts schwarz an eine untere weifse Fläche grenzt und eben 
10 das obere weifse Viertel an eine schwarze Fläche , zeichnet 
^ licbdie Mittellinie, auf die man das Fernrohr richtet, hinrei- 
L chend aus. Netto hält ein schwarzes Kreuz auf einer kreis- ^j^ß- 
fennigen Scheibe für noch besser und verlangt, dafs man den 
Faden des Fernrohrs, nach der Richtung AB gestellt, zwei 
Felder halbiren lasse. An-^emessener scheint mir aber von Mi- 
ns's Vorschlag , einen zwei Linien breiten Streif als Mittellinie 
mit einer hellen Farbe, z. 15. roth, auf der Visirtafel als Hori- 
zoDtallinie zu zeichnen , diesen an beiden Seiten mit einem 8 
Linien breiten Streife von anderer, z. B. weifser Farbe einzu- 
bisen und allenfalls noch eine zweite Einfassung von kennt- 
lich abstechender, z.B. schwarzer Färbung oberhalb und unter- 
kilb dieser aufzutragen , woran sich dann erst die gleichmäfsige 



104 Nivelliren. 

Färbang der übrigen Tafel aqschliebt. Man hat dapn für eine 
nahe Aufstellung der Tafel den rgthen Streif , dar Ton dam 
Faden des Fernrphrs h^lbirt werden n^ufs ; für eine fptffftolm 
Stellung der Tafel, wo der Faden den rpthen Streif, gan« yev- 
deckt, bedient man sich der beiden weifsen Streifen p#jt. w« 
Die Nivelliilatte mufs genau vertical aufgerichtet werden und n^ 
ihr verschiebbar ist die Tafel befestigt; diese wird in eiqer Jus« 
the, wp sie sich durch Jleibung auf ihrem Platze erhält, ver- 
mittelst eines auch höhere Stellungen gestattenden Armea her- 
auf oder herab gezogen. Auf der Nivellirlatte ist, abwärts tob 
dem Beobachter am Fernrohrßf d. i. dem zugewandt, im 
die Stellung der Tafel besorgt, eine genaue Theilung anfgetn-r 
gen und ein mit der abvisir^en Mitt« der Tafel übereinstibiv 
mendes Zeichen giebt die abzulemende Höhe an. Man setzt dis 
Visirlatte am bestell anf einen als genau zu bestimmenden li<^ 
henpunct eingeschlagenen , gewöhnlich nicht viel über dem Bei- 
den hervorragenden Pfahl, um diesen Punct ipit.aUer Genaoifp 
keit wieder aufzufinden. I^^ das Nivellir - Instrument so eiog^ 
richtet , daüs es , mit einem verticalen Stabe aip Fufse verßeheni 
eine iipmer genau gleiche Höhe des Fernrqhrß ergiebt,; so kann 
man an derNivellirlfitte in dieser^ IJöhe des Fernrohrs den Nullr 
pui^ct aufzeichnen» Eine solche imitier gleiche Höhe des Femt 
roh rs gewährt den Vortheil, dafs, wenn d^s Fernrohr aufdia 
Station gebracht wird, wo vorhin die Zielscheibe war, nnd 
man die letztere, um zurück zu visiren, dc^ aufstellt, wo vor» 
hin das Fernrohr stand, man eben das Mafs unter Null ander 
Visirlatte finden mufs , wie vorhin über Null, und also etwa be-r 
gangene Fehler oder eine unrichtige Stellupg der Lib^U^sor 
gleich bemerkt« 

Wenn der Boden nach der Riphtung der zu nive]]irendea 
Linie so erheblich steigt , doTs paan mit der durch das Fernrohr 
gezogenen Horizontallinie ^Izufrüh den Qoden selbst träfe , fQ 
ißt es , uxp auf länger^ Stationen hinaus zu sehen , gewifs bfrr 
quem, eine Richtungslinie unter bestimmtem llöhenwinkel abzu- 
visiren« Puissaxt beschreibt zu dipsein Zwecke unter dem 
Namen JHHifonieter^ oder niyeau 4p pen^e ^iu Instrument, wo 
an einem langen Diopterlineale , an der entferntem Dippter, 
Abtheilupgen bezeichnet sind} UOi; indem mai> d^s dprtige 



1 Von TtX^ivQ^ Neigang. 



I 



Nivelliren. 105 

imn Visiren bestimmto Merktn«! herauf oder herab schiebt, 
irShrend das Lineal selbst horizontal bleibt, dio Neigung der 
1 4iticfalslinie zu bestimmen. Zweckmäbiger ist hier wohl die 
Ton ^OVrMiTis angegebene Einrichtung , bei welcher mau am 
Usbstea 'das eine Niveau einem bestimmten Höhenwinkel, das 
\ sndart einem genau eben so grdfsen Tiefenwinkel entsprechend 
I ftBÜeu'wird, um das eine beinn* Vorwartsvisiren , das andere 
Mm Zurüc^visiren anzuwenden^- Da man bei abgemessenen 
EütfemungeB wei& , ■ um wieviel zu hoch oder zu tief die ge- 
Migte Linie einschneidet, so ist die Bestimmung der ungleichen 
Bihe der verschiedenen Puncto leicht zu erhalten. 
■^ Was das genaue Verfahren bei Bestimmung dieser relativen 
Höhe der versckiedfenen Puncte betrifft, so ist es dem We- 
seatKchen nach folgendes. Man schlägt zuerst, um fest be- 
sbmmte Puncte zu haben , an den Stellen , wo die gegenseitige 
lUbmbastimmung gefordert wird, Pfähle ein, deren Köpfe 
uh als mit dem -Boden selbst rusammen fallend ansehe, lieber 
ttntm deil^ben stellt man,'aqi liebsten in immer genau glei- 
cher Hohe, das Fernrohr auf; der nächste dient dmr Visirlatte 
wm FnispBncte. Da gewöhnlich die Visirlinie des Fernrohrs 
iorisootal ist, -so ergiebt (abgesehen von der Krümmung der 
fcde) die Höhe der Mitte der Visirlatte sogleich den Höhen- 
Ooterschied der beiden Pfahlköpfe , und wenn man auf der Ni- 
vellirlatte von dem mit der Höhe des Fernrohrs gleich hoch lie- 
genden Nüllpuncte zu zählen anfängt, so hat man unmittelbar 
jenen Höhen -Unterschied, sonst aber ist er gleich der Diffe- 
wni der Höhe des Fernrohrs und der Höhe des abvisirten Pun^ 
«te«. Wäre man genöthigt, nach einer geneigten Linie zu visi- 
wh, so ist es erforderlich die Entfernung zu kennen, um den 
Abstand des abvisirten Punctes von der Horizontallinie zu be- 
»clipen. Um sich von der HJchtigkeit der Operation und von 
der richtigen Stellung des Fernrohrs zu überzeugen, pflegt man 
njit Vertauschung der Standpuncte zurück zu visiren, Findet 
ach da der Höhen - Unterschied genau wie vorhin , so ist die 
Stellung des Fernrohrs richtig ; wenn dagegen das Fernrohr von 
der Horizontallinie abweicht, so verdoppelt sich der begangene 
Fehler und wird dadurch kenntlich. Liegt der zweite Punct 
xus\ X niedriger als der erste , so ist (ohne Rücksicht: auf die 
Krümmung der Erde) die Höhe des visirten Punctes, wenri die- 
ses der zweite Punct ist, =h-f-x + D. Tang, i = H, wenn h 



106 Nlvellircn. 

die Höhe des Fernrohrs , D die Entfernung , i die Neigung der 
Gesichtslinie ist; dagegen die Höhe des visirten Punctes, wenn 

dieses der erste Punct ist, =h— x 4"^ • Tang.i = H' ; aUemal 

H — - H' 
also ist x=: — -^ — ) wenn h in beiden Fällen glei4;h ist |' so 

dafs die Neigung des Fernrohrs hier zwar bemerkt wird, ^ber 
auf die Bestimmung der Höhe , wenn die doppelte Beobachtung 
Stattgefunden hat, keinen Einflufs hat. Ohne dieses Zurück-* 
visiren hätte man x = H— *h — DTang. i, wo der Fehler we- 
gen der Neigung i seinen vollen Einflufs behält. Da man tof 
diese Weise von Punct zu Punct fortschreitet , so wird jedes 
Punctes Höhe durch den vorhergehenden und also auch jeds 
Höhe in Beziehung auf den ersten Punct bestimmt. 

Diese von Punct zu Punct fortschreitende Bestimmung wür- 
de, wenn sie auch ohne allen Fehler ausgeführt wäre, dodi| 
wofern nicht jedes Mal ein Zunickvisiren statt findet, wegen 
Fig* der Krümmung der Erde fehlerhaft seyn, Ist nämlich A F du 
'Bogen der kugelförmigen Erdfläche und BE ein mit dieser 
gleichlaufender Bogen in der Höhe , wo sich das Fernrohr B 
befindet, so visirt man mit dem horizontal gestellten Femrohre 
nach D , nach der Ilichtung der Tangente B D und die beobach- 
tete Höhe des Zielpuntes D = CD besteht nicht allein am 
CF 4-PE=x4-Ji} sondern es kommt noch DE = der Ent- 
fernung der scheinbaren Horizontallinie von der wahren Hori- 
zontallinie hinzu. Wieviel diese Entfernung beträgt , ist tos 
der bekannten Gröfse der Erde leicht zu berechnen. Genau be- 
trägt dieser Abstand = DE = r (See. (p — 1), wenn der Bogen 
BE = 9 und r der Halbmesser der Erde ist; aber für so sehr 
kleine Bogen, wie hier immer nur vorkommen, kann man 

See. 9 = 1 + 49;* setzen, also, wenn die Entfernung AEs=D 

D . . D* . 

und folglich 9 = — inXheilen des Halbmessers ist, DE=4-— • 

Wenn man voraus und wieder zurück visirt, dabei aber die 
Höhe des Fernrohrs beide Male gleich = h nimmt , so ist die 

Höhe der Visirtafel im Vorausvisiren = H =: h -j-x-^ , beim 

2 r 
, D^ 

Zurückvisiren =;H=h-.^x4-?r-» »o dafs auch hier 

x=i(H — H') den richtigen Höhen - Unterschied giebt, statt 

dafs bei nur einmaliger Beobachtung x = H — h wird, 

^ 2r ' 



Nivelliren. 107 

und jene Coiiection wegen der Krümmung der Erde zu beruck* 

ächtigen ist. 

Wenn man das Instrument allemal in der Mitte der Station 

oder in gleichen Entfernungen von den beiden Puncten , deren 

relative Höhe man bestimmen will , aufstellt und nach dem vor^ 
varts liegenden , so wie nach dem rückwärts liegenden Puncto 
^&rt, so fallt sowohl die Rücksicht auf die Höhe des Instru- 
ments = h, als auf die unrichtige, aber bei beiden Beobach* 
toAgen gleiche Neigung = i und auf die Krümmung der Erde 
weg; denn man findet fiir den einen Punct H s= h •{- x -f* 

D.Tang. i+ -J- — ^ fiir den andern 

r 

ffsh + x' + D Tang.i + ^— , undH — H'ist = x — x, 

das letztere aber ist der Höhen - Unterschied der beiden zu be- 
itiinmenden functe, da man hier nicht zu wissen verlangt, wie 
hoch diese puncte gegen den Standpunct des Instruments lie- 
gen, also }^ und x' nicht jede einzeln bekannt zu seyn brauchen. 
Bei dem Nivelliren aus der Mitte der Station kann man auch 
(iie iUrcIuicht auf die Strahlenbrechung eher aus den Augen las- 
wo, als bei der Beobachtung, die von dem einen der zu be- 
stunmenden Puncte zu dem andern als Zielpunct hin geht. Es 
ist bekannt , dafs der Lichtstrahl , sobald er aus höheren Luft- 
schichten in tiefere oder aus wärmern in kältere übergeht, eine 
Krümmung erleidet, und dafs daher die Visirlinie in den sel- 
tensten Fällen als eine gerade Linie anzusehen ist. Wie bedeu- 
tend diese Krümmunii des Lichtstrahls selbst bei nahen Gegen— 
ständen werden kann, davon geben meine Beobachtungen^ viele 
Beispiele, indem, um nur eins anzuführen, die scheinbare 
Höhe eines nicht mehr als 4100 Fufs entfernten Gegenstandes 
zuweilen Abends um volle 2 Minuten gröfser als bei starker 
Sonnenhitze erschien , also der Gegenstand das eine Mal um 2^ 
Fuls höher als das andere Mal gesehen wurde. Pflegt man gleich 
nicht auf so weite Abstände hinaus zu nivelliren, so erhellt 
doch , dafs bei irgend bedeutenden Entfernungen die Richtung 
wohl um ganze Zolle fehlerhaft gefunden werden könnte^. Ganz 



1 Bbandes Beqbacht. über die Strahlenbreohnng. Oldenb. 1807. 

2 Vqü MiTis bat dieses durch eigene Erfahrang eben so gefun- 
den. S. 11. der erwähnten Schrift. 



108 Nivellireu. 

ist man gegen die hieraus entspringenden Fehler auch nicht ge- 
sichert , wenn man aus der Mitte beider Stationen nivellirt , in- 
defs kann man da doch, wenn die Umstände zwischen dem 
Standpuncte des Fernrohrs und beiden Endpuncten der Visirli- 
nien ziemlich gleich sind , auf nahe Gleichheit der Strahlenbrer- 
chung rechnen , und in diesem Falle ist die Rücksicht darauf 
bei der Bestimmung der relativen Höhe beider Endpuncte der 
Visirlinien unnöthig. Ginge aber die eine Visirlinie viel nKher 
über einen etwas höheren Boden weg, als die andere, so 'könn- 
ten selbst bei gleichen Abständen ungleiche Refraction^n statt 
fmden, und nur ein doppeltes Beobachten, ein Vorwärts- und 
Rückwärtsnivelliren könnte gegen daraus entspringende' Fehlet 
sichern; beide' Operationen miifsten aber sogleich nach einandfet 
vollendet werden. Da bedeutende Fehler nur in den sehr hei-' 
fsen Tagesstunden und um die Zeit des Sonnen - Untergangs 
oder in den ersten Friihstunden vorkommen , so wird man sich 
geg«n diese Fehler meistens sicher stellen können^ Eine Cor- 
rection ihretwegen nach allgemeinen , blofs von der Entfer- 
nung abhängenden Regeln anbringen zu wollen ist unstatthaft, 
da diese Correction im einzelnen Falle den Fehler sogar ver« 
mehren kann. 

Die näheren Anleitungen für den Praktiker über die Füh- 
rung der Jbiirnale beim Niveliiren , über die sogleich während 
der Operationen selbst als Controllirung zu vergleichenden Zah- 
len, über die tabellarische Darstellung der Endresultate, über 
die aus dem Niveliiren abgeleiteten Profilzeichnungen, über ein- 
zelne Fragen, die bei bestimmten Anwendungen vorkommen, 
glaube ich hier übergehen zu müssen , indem darüber in eige- 
nen Werken umständliche Belehrung gesucht werden mufs. Zu 
solchen Belehrungen scheint mir, wenn gleich die Anleitung 
zur Verfertigung der Tabellen vielleicht in etwas allzu grofse 
Weitläuftigkeit führt, doch recht emp fehle nswerth ; Das Nivel- 
lement mit einem neu erfundenen Instrumente von F, v.MiTis« 
^Wien, Beck. 1831.) Aber auch die Lehrbücher der Feld- 
mefskunst geben Anleitung zu diesem Geschäfte. Pitissant 
trait^ de Topographie, d'Arpentage et da Nivellement (Paris 
1807») zeichnet sich durch theoretische Gründlichkeit aus und 
macht doch auch auf das, was in der Ausübung vorkommt, ge- 
hörig aufmerksamt Jon. Ton. Maye^'s gründlicher und aus- 
fuhrlicher Unterricht zur praktischen Geometrie (Tb. 111. Cap. 33.) 



Nouius. 109 

ist noch immer ein lehrreidies Bach. Nrtto^s Handbuch der 
gesammten Vermessungskunde , die neuesten Erfinduntren und 
Entdeckungen enthaltend, (Berlin, Amelang. Th. II. Abschn. 14.) 
trägt diese Lehren gleichfalls gut vor , und ebenso, wenn gleich 
nicht so vollständig, Wulfer's gründliche und vollständige 
Anleitung zur prakt. Forst- und Feldmefskunde. (Leipzig, Kay- 
ser and Schumann.) Unter den alteren Schriften , die den Ge- 
genstand einzeln abhandeln, verdienen folgende genannt zu 
werden. Picard's Abhandlung vom Wasserwägen, mit Beitra- 
gen von Lambert. (Berlin 1770.) Hogreve's praktische An- 
ansang zum Nivelliren. (Hannover, Helwing. Buchh. 1800«) 
G. G. Mtf llkr's prakt. Abh. vom Nivelliren oder Wasserwägen, 
mit besonderer Rücksicht auf das zweckmäfsigste Verfahren, um 
die Resultate untrüglich zu machen , mit einer Anleitung zu 
Verfertigung der Moorprofile. (Göttingen, Ruprecht 1799.) 
GiLLi^S prakt. Anleitung zu Anwendung des jN'ivellirens in den 
bei der Landescultur vorkommenden Fällen. (Berlin, Real- 
KhaUmchh. 1801.) 

Da wo grofse* Höhen - Unterschiede vorkommen oder wo 

man das Profil eines ganzen Gebirges zeichnen will und in ähn- 

Vcben Fällen bedient man sich des barometrischen Nivelle«* 

ments, indem man die Höhen der einzelnen Puncte mit dem 

Barometer bestimmt, S. 

N o n i u s* 

V e r n 1 e r ; Nonius ; le vernier ; iJie Vernier ; 

ist der Name einer an Instrumenten zumBehufe genauer Bestim- 
nnng kleiner Theile angebrachten doppelten Theilung , wovon 
die eine, verschiebbar neben der Hanptscale, die für jeden 
Fall nöthige Stellung erhalten kann. Eigentlich heifst dieser 
bewegliche Theil selbst der Nonius oder Vernier. 

Es sey AB die Hauptscale, z.B. die Linientheilung amFig« 
Barometer, an welcher man, da sie nur ganze Linien angiebt^ 
noch Zehntel der Linie abzulesen wünscht. Zu diesem Zwecke 
träjit man auf den Nonius C D eine GröFse = 9 Linien auf und 
theilt diese in 10 Theile, deren also jeder •^jf'Lin. beträgt, und 
erhalt nun, der Index oder Nullpunct des Nonius stehe wo er 
wolle neben der Hauptscale , diese Stellung in ganzen Linien 
und in Zehnteln derselben angegeben. Es i&t nämlich einleuch- 



110 Noniu5« 

tend, wenn der vierte Theilstrich desNonius genau mit einen 
TJbieilstriclie der Hauptscale zusammentrÜIt , dafs dann der dritti 
Theilstrich des Nonius am -^ Linie f der zweite Theiktxich im 
Nonius um -j^, der ercf e Theilstrich um fV, der Nulhheilstrich od« 
Index um -^ Linien vom nächsten Theilstriche der Hauptsddf 
entfernt ist. Hat m^tH also den Index des Noniüs , einer Beob- 
achtung entsprechend, oder überhaupt um die Lage eineegir 
wissep Punctes zu bestimmen , so gestellt , daTs er diesen Punct 
angiebt, ^ weiTs man^ dafs im vorigen Falle dieser Punct vp 
yV Linien höher , als der letzjte Ldaiensttich angab ^ liegtk. : ^^ 
Dieses Beispiel läfst leicht das, was für. alle Fälle gilt, fib|||i 
sehen. . Will man die Theile der Hauptscale in m Theila pf^ 
legen, so trägt man auf dem beweglichen Stücke (m -^ l)>|q|||r 
Theile der Hauptscale auf undtheilt «iein m Theile^ daoBifigi|)|^ 
das ZusammentrefTen des nten Theilstrichs am Nonius mbin 



Theilstriche der Hauptscale, dafs der Ind^ auf — dei^TUp 

der Hauptscale steht. Die Theilnng Von m -(^ 1 Theilen im0 
Theile liefse sich eben so gebrauchen, da aber dann die " 

subtractiv werden , so zieht man die andere vor. DieseJ^T' 
bequeme Art, um feinere Theile abzulesen^ ist eben ao^s»^ 
wendbar bei Kreisbö'gen^ als bei geraden Linien, wennHÜit» 
lieh das bewegliche Stück sich im einen Falle an den Kreisbogaip 
80 wie im andern Falle an die gerade Linie anschliefst. 

Der Nonius wird bei der Bestimmung der genauen BarolM"* 
terhöhe so gestellt, dafs sein Nullpunct oder Index genau 
der Oberfläche des Quecksilbers zusammentrifft. 

Bei Winkel-Instrumenten ist er mit dem Fernrohre so 
bünden, dafs sein Index eben die Richtung anzeigt, in welcM 
lieh der im Mittelpuncte des Fernrohrs erscheinende Gegenstlrf 
befindet. Und so verhält es sich in allen ähnlichen Fälhil 
Beim Gebräuche des Instruments mufs man bestimmen, ß^ 
dieses Zusammentreffen des Index . mit dem Puncte , welchesM 
entsprechen soll , strenge genau ist , und im entgegengesetsttii 
Falle die Abweichung in Rechnung bringen. i^ 

Bei der Wahrnehmung, welcher Theilstrich des NoiM 
genau auf einen Theilstrich der Scale trifft, muTs man die Btfi 
rallaxe des Auge» vermeiden. Da nämlich die bewegliche TUl 
lung gewöhnlich sich auf einer Platte befindet , die auf derjeMJ 



Nouius. 111 

fPIatta foTlgMchoben wird , in welche die Theilstriche der 
Iptscale eingeschnitten sind, so würde bei veränderter Stel- 
I des Auges der den» Auge näher liegende Theilstrich des 
lins vor dem entfernteren der Hsnptscale hin und her xu 
PD scheinen. Indeb wenn, wie es sich gehört, beide 
pn genau an einander anliegen | so ist diese Parallaxe nicht 
IBr zu vexineiden* 

MTenn man ' den Nonins durch ein Mikrosicop beobachtet, 
pss, bei vollkommen genauer Gleichheit derEintheilnngen, 
\ ntSglich , kleinere Theile anzugeben , als sich am Nonins 
ii-kssen. Fände man z. B. den vierten Theilstrich noch 
»mmen auf einen Theilstrich der Scale treffend , den 
aber um doppelt so viel nach der andern Seite bei dem 
der Scale vorbei gehend , so würde man bu den 4 
K^ adiai- das blofso Auge (weil der vierte Strich beinahe 
(trifft) abgelesen hätte, noch ein Drittel eines sol- 
flkilet zulegen. Der Nonius wird mit einer sehr feine 
jlnuigen gestattenden Schraube in die Stellung, welche 
^Nbachtung erfordert, gebracht. Ist diese Schraube genau 
Kl K) kann sie zugleich als Mikrometerschraube dienen, 
p am durch sie den der Beobachtung gemäfs gestellten No- 
Ixom ganz genauen Zusammentreffen der nächsten Theil- 
m fortfuhrt und aus den Angaben am Kreise der Mikro- 
tochraube ersieht, wie viele Theile einer Schrauben -Um- 
■Dg, dadurch aber auch, wie viele Theile eines Nonins- 
H man zu dem , was das genaue Zusammentreffen ergeben 
^ legen mufs. 

YTenn am ganzen Kreise die Bögen vom Nullpuncte ans, 
Zenithdistanzen, nach beiden Seiten gezählt werden, so 
^t, auf demselben verschiebbaren Stücke einen doppel- 
jbnius anzubringen, nämlich so, dafs der Index in der 
iliegend eben die Theilung noch einmal nach der entgegen- 
Hen Richtung darbietet. Man liest dann auf demjenigen 
liden Nonien ab, welcher den wachsenden Graden zuge«- 
f An Kreis - Instrumenten sind oft mehrere Nonien in un- 
;rlichen Abständen angebracht^ die dazu dienen, die 
Kehler in der Randtheilung des Instruments, welche 
lleicher Temperatur oder ursprünglichen Theilungsfeh- 
aus der Excentricität entspringen , zu zeigen. Wenn 
ZvwÄchenraum zwischen den Mullpuncten dieser No- 



112 Noniu«. 

nien Ijei Verschiedenen Stellangen auf der Gradfheilung unter- 
sucht j 80 lernt man die Theilungsfehler des Instruments ken- 
nen , sofern z. B. die 90 Grade von bis 90^ nicht genau mi( 
denen von 30 bis 120 übereinstimmen. Fehler in den einzel- 
nen Theilen ^ in den Zwischenräumen zwischen zwei nächsten 
Theilstrichen , verräth der Nonius , wenn die Abstände des er^ 
sten , zweiten , dritten Theilstriches von den zugehörigen des 
ffötlius nicht mit streftget RegelmäTsigkeit wachsen. 

Was die Erfindung dieser mit so allgemeinem Beifalld auf- 
genommeneti Theilungsmethode betriflt , so bemerkt Kastvei, 
'welcher über diesen Gegenstand mehreres gesammelt hat , dab 
man. mit mehr Recht den Namen Vernier oder Wern er, als 
Nonius wählen würde ^. Ndnnez nämlich, ein Portugiese, 
dessen Name im Lateinischen Nonius ist, hat sich tUerdingi 
schon 1542 das Verdienst erworben , Mittel zu genaueren 'Win- 
kel- Abmessungen zu geben, (wobei er bemerkt, schon Ptoli- 
MAEus möge wohl ähnliche Mittel angewandt haben,) aber diese 
Mittel sind nicht unserm jetzigen Nonius gleich. Nuvnez näm- 
lich brachte auf dem Rande des Quadranten eine ganze Folge 
von concentrischen Kreisen an^ die er in 90 Theile , 89 Theilt, 
■88 Theile und so fort bis 46 Theile eintheilte ; es ist einleadn 
tend, dafs das genaue Eintreffen der Alhidade auf einen Theil^ 
strich irgend eines dieser getheilten Quadranten , bei vorausge- 
setzter Genauigkeit aller Theilungen , sogleich den Winkel is 
•Th'eileh des Grades anzugeben gestattet. Dieses ist also freilich 
nicht unser Nonius; aber Kastner. führt aus Ttcho's Erzäh*- 
lung an , dafs Curtius sogleich innerhalb des in 90 Grade ge*- 
theilten Kreises einen zweiten so getheilt habe, dafs 60 Theil» 
dieses Kreises 61 Grade ausmachten^ auf dem dritten Kreif» 
-Wurden 62 Grade in 60 Theile eingetheilt. Hier ist also da» 
Mittel, um einzelne Minuten auf dem zweiten Kreise iu erken- 
nen, schon angegeben, obgleich die Anwendung noch nickC 
die passendste ist. Als beweglichen Theil neben der Scale hfS 
«her Vernier (Petrus VEH,NERia5, was Kastner, da V«*— 
KiER in der damals noch liicht französischen Franche - ComtS 
liebte j! auf den deutschen Namen Werner glaubte zurückführeoi 
£u -dürfen) den Nonius oder Vernier zuerst eingeführt« Bw 

1 I^ästner's astron. Abhandlungen ^ s^weitis Samin]« S. 142. \S\^ 
WorWs ich diese histoHstihen Notjzdn entlehne. I)ie jiahlreichea at* 
tem Sohriften, 6Xn diesen Gegenstand betreffen, sind dort angefähA 



Nordlicht. 113 

Nordlicht. 

Nordschein, Polarlicht; Aurora borea- 

lisj aurora septentrionaliß ^ lumen horeale^ lucula 

horealis^ lax borea; Aurore boreale, lumiere bo- 

reale; Aurora boreaÜSy Northern light^ Northern 

üreamers. 

. Det, merkwürdige Lichtscheiti, die eigetithümliche Licht- 
entbindung in der Atmosphäre auf dier nördlichen Halbkugel^ 
■jie mit dem Namen Nordlicht belegt wird, Weil die Bewohner 
der gemätjsigten Zone sie in der Regel nach Norden hin wahr- 
nduoeiiy ist so oft beobachtet worden, hat das allgemeine In- 
teroiB^, so vielfach erregt und daher so zahlreiche Versuche 
zjir Qv^lürang veranlafst^ dals es schwerhält, aus der grofsen 
Hatte von Thatsachen das Wichtigste herauszunehmen und 
tat klaren Uebersicht zusammenzustellen. Um diesen Zweck 
so gut -me mtfglich zu erreichen , Werde ich zuerst die Erschein 
nnsg im AOgeipeinen beschreiben > dann die beobachteten £in- 
selülieitea näher in Betrachtung ziehen und zuletzt die Erkla- 
niQggversuche folgen lassen , ohne jedoch in einem von diesen 
Theileo nach absoluter Vollständigkeit zu streben, indem es 
namentlich ßanz nothwendii; ist, aus der über^rofsen Men^e der 
vorzüglichem Beobachtungen nur die wichtigsten hervorzuheben ^. 

A« Beschaffenheit des Nordlichts im Allgemeinen. 

Das Nordlicht besteht nach dem einstimmigen Zeugnisse 
ilIerBeobachter aus einem mehr oder minder hellen Lichtscheine 
am nördlichen Theile des Himmels, welcher sich von der Abend- 
dämmerung im Winter durch seinen Ort, im Sommer aber zu- 
gleich durch die Stärke des Lichtes , seine Weifse und eigen- 
tliämliche Strahlung, ein eigenes Flackern und Zucken, in den 
meisten Fällen überhaupt durch den ihm zugehörigen Lichtbo- 
gen unterscheidet. Die Nordlichter erscheinen meistens nur im 
Winter, und auch dann bald häufiger, bald seltener, ohne dafs 
sich bis jetzt ein regelmäfsiger Wechsel nachweisen liefs , ent- 

■ 

1 Ueber die Eigenthümlichkeiten des sehr ähnlichen südlichen 
Polarlichtes s« Siidliaht. 
WH. Bd. H 



114 Nordlicht. 

zünden sich in der Regel bald nach dem Untergänge der Sonne, 
dauern gegen eine bis mehrere Stunden und wiederholen sich 
in seltenen Fällen in der nämlichen Nacht oder mehrere Tagt 
nach einander. Man darf annehmen , dafs sie ungefähr unter 
dem 45sten Breitengrade sich zu zeigen anfangen ^ von hier aa 
so weit , als die Erde von Menschen bewohnt ist , mit zuneh- 
mender Polhöhe zahlreicher werden und einige Grade unterhalb 
des Polarkreises, oder an manchen Orten selbst bis an dies« 
Grenze y sich in der Regel jede Nacht entzünden , wenn nicht 
die kurze Dauer und starke Dämmerung der letzteren sie selbst' 
hindert oder ihre Beobachtung unmöglich macht. Nicht gaiar 
in dem nämlichen Verhältnisse wächst ihre Helligkeit, indMK- 
/ vielmehr die vorzüglich glänzenden sich bis zu niederen Breilnf 
hin erstrecken. Manche derselben werden nur an einem Ortt 
oder einigen wenigen nahe liegenden Orten gesehen, vermuthlicji 
mindestens häufig deswegen , weil trübe^ Wetter ihre Beobaolh 
tung hindert,, in einigen Fällen zeigen sie sich jedoch gleiolH 
zeitig in einem Zonentheile von etwa 10 Graden der Breite u^l 
100 Graden der Länge, welche prachtvolle Erscheinungen* f0 
doch auf alle Fälle unter die Seltenheiten gehören. ■ '^.'f 

Es giebt eine aufserordentliche Menge von Beschreibmigtt 
dieser Meteore. Unter den älteren, z. B. vouGassendi, OluvH 
RömEH, Seidel, KincH, MoRTOir ^, Polectus ^, F. Gl 
Maier ^, Cai^m*, J. C.Wilke* und andern, ist dievonMAiRAl 
eine der vollständigsten und genauesten , welche er hauptsäcb^ 
lieh aus seiner Beobachtung des grofsen am 19. Oct. 1726 g»*t< 
sehenen entlehnte. Hiernach bemerkt man zuerst im eigentlK 
chen Norden, dicht über dem Horizonte, eine dunkle, nebelarr 
tige Wolke und neben derselben westlich einen etwas heQaft 
Schein. Der dunkle Nebel nimmt allmalig die Gestalt eine» 
Kreissegmentes an , dessen Sehne eiti Theii des nördlichen Ho^ 
rizontes ist, während sich der Lichtbogen nach und nach völlig 
ständiger ausbildet, zuweilen aber entstehen auch zwei, ja dr4 
helle Bögen, durch deren Zwischenräume man diei dunkle Wölk» 



1 Ueber alle diese s. Musschenbroek. Int. {. 2489. 

S Sopra l'Aarora boreale. Yergl. Gomm. Sog. Boa. 1. 285. 

S Comm. Soc. Pet, T. I. p. S51, Anni^ 1726. 

4 Schwed. Abh. a. ▼• 0. 

5 Tal om nyaste Förklaringar o'frer Norrskenet. Stockb. 1778« 




Allgcfmeitio BescLaffenlifi^ 115 

Aus bUmb TOD diMon Lichtbagvn , »d»Rrgel 
1^ dem obeTifen, sawÄilBn aacli am «ineilieliMii Stalla im 
ijuketa . Segmentek ataigaD Lichtstreifan von venahiedeoeii 
{irbea empor, weufaa abwacbeelDii eoutehan nod venchwin- 
itD , ihren Ort bald langum , ' "bald schnall iüideiD , lo dali, die 
Lichioiüsse meistensinviner Meten Bawegang CD MQfn scheint, 
vrekhe vorzug^weiM nm so mehr bemerklich ist, je schneller 
die Heilung zuaimmt, wobei nicht nur in dem dunkeln Seg- 
und im Bogea die hnlleten Stallen häufig wechielo, son- 
auch Strahlen m befrüchtlicher Höbe «mporschietK^n und 
ganse Himmel mit einem flockigen», sittehiden 
llt scheint • :...'>' 

"«nn das NordUoht ua heQsteO itrahlti so siett Bian bei 
veilen am Zenith eine Art Ton JTron«, die atu( 
JtrVueinigung der Tsn atleD Seiten daielbft xusunmenatobeo-. 
den Slnhlen entstellt nnd -gleicbum die Laterne einer Kuppel 
oder den Knopf eiae|^It«t vorstellt. Die Ferben des Noid- 
MlIh, welche ha^ptsichlich ans bleqdnidem Weib im Bogen 
imd in itsten Nahe, ans Oelb und yoizitglich aus Roth von, 
der Tenchiedensten Tiefe nnd von sehr nnglfdchem Gla^fx« be-^ 
ttebtn, sind in disseni Aogenblioke ant IflhhsftesteD , das Fhär, 
Domen beginnt dattn:j|bzuoehmen, jedoch geschieht dieses sei-; 
len plötzlich , meistens erfolgen noeh mehrmalige Zunahmen, in 
BDgleichen Zeiträuiaen, wobei sich die wesentlichsten der be- 
icbriebenen Erscheinungen erneuern, bis das Ganze allmalig er- 
lOfchtund nur noch ein w ei falicher Lichtschein imNordtii) mit- 
utereine geraume Zeit^ zWückbleibt *. , 

Unter den älteren Beschreibungen der Nordlichter hat die 
^Maupsktuis slets einen bedeutenden Rang behauptet, weiL 
ü die damals minder allgemein bekannten Beobachtungen im 
Uta Norden und obendrein gerade unter dem Polarkreise ent- 
liielt. Seine Darstellung ist indefs minder physikalisch genau, 
dl vielmehr lebendig und ausmalend. Er sagt über das, was 
oin Otwer-TornBÖ im Jahre 1736 wahrgenommen hat , Fol-, 
{»des. „Sobald die Mächte anfangen dunkler zu weiden, sieht 
■Dan den Himmel durch Feuer von tausend GestiJten und Far- 
ben erleuchtet; sie scheinen die des beständigen Tage» ge- 



Dk Muun TraiU d« l'ant 


»re borWe. 


Pari« VäS. 


1754, 4. 




H2 



e 4d. 



IIÖ Nordlicht. 

wohnte Erde fiir die Abwesenheit der Sonne , die sich von 
wendet, entschädigen zu wollen. Diese Feuer schränken i 
dort nicht, wie in unsern südlichen Ländern^ auf eine bestim 
Himmelsgegend ein. Zwar sieht man oft gegen Nor Jen ei 
unbeweglichen hellen Bogen , mehrentheils aber scheint 
Licht den ganzen Himmel ohne Unterschied einzunehmen, 
fangt zuweilen mit einer Bande von hellem und beweglicl 
Lichte an , die ihre Enden am Horizonte hat und sich pL 
lieh über den ganzen Himmel ausbreitet, als ob nach einer 
den Mittagskreis senkrechten Richtung ein Fischernetz über 
gezogen würde. Meistentheils vereinigen sich nach die 
Vorspiele alle Lichtmassen gegen das Zenith , wo sie gleich 
die Spitze einer Krone bilden; Oft sieht man gegen Mi 
Bögen , wie wir sie in Frankreich gegen Mitternacht sehen , 
erscheinen sie gegen Norden und Süden zugleich, und ihre 
pfelruähern sich einander, indem die Enden sich entfernen 
gegen den Horizont herabsteigen; Ich sah solche erftgegei 
setzte Bögen , deren höchste Stellen sich fast im Zenith berti 
ten ; oft zeigen sich auch von beiden Seiten mehrere conc 
trische Bögen. Alle diese Bögen haben ihre Gipfel im Mith 
kreise, jedoch mit einer westlichen Abweichung, welchen 
immer gleich grofs und bisweilen unmerklich ist. Manche 
gen , deren Enden anfanglich gegen den Horizent zu am we 
sten aus einander standen , ziehen sich bei ihrer Annäher 
zusammen und bilden grofse Ellipsen , von denen man die { 
fsere Hälfte über dem Horizonte sieht. Man würde kein E 
finden , wenn man alle Gestalten und Bewegungen dieses Li 
tes beschreiben wollte. " Insbesondere erwähnt v.Maüperi 
ein sehr vollständiges Nordlicht vom 18. Dec. 1736 , weh 
sich gegen Süden als so heller und rother Schein zeigte , i 
das ganze Sternbild des Orion in Blut getaucht schien ^. 

Es würde nicht blofs unnöthig vielen Raum erfordern, s 
dern auch ermüdend werden , wenn ich auch nur die Me 
zahl der genauen Beschreibungen ausgezeichneter Nordlicl 
aufnehm<en wollte , insbesondere da sie sich in den wesentli 
sten Stücken sammtlich wiederholen 2« Inzwischen schein 



1 La figare de la terre cet. pur M. de Maupertüis. Amst. 1 
8. p, 68. Oeur. de 'Maupertüis. Lyon 1768. 8. T. HL p. 155. 

2 Eine sehr vollstaadige Beschreibung der meisten merkwu: 



Allgemeine Beschaffeulieit.- 117 

■ur dez VoUstÜDdjgkoit vvgan und xar licbtigern B«wtlMiIaDg 
diewr PhäDOimn» nothwsndig, einige hanptsiichlicb'JBrch Ji« 
bdicfaen Vcrliältuias« ungexeiclinet« ausführlicho Sesdmibua- 
l/m mjbDthailoii. 

CapiUin Pa^at *' nad ■sioo Beitsgeiahrtaii baobachtaten 
jrKImnd ifarea WintoranlMithalu auf in Inial Malville das Nord- 
Edttal» büufig, und im AllganieiDen itats in aüd-aiidwMtli- 
^JEU^ltg^. Ob duaalbs aach während der Heia s geaaheo 
nad beachtet wurde, finde ich nicht bestimmt ervrKhnt, im Ha- 
fen aber, \voseIbsl sie am 96. Sept ankamen, wird die Enchei- 
. nuDg eines scb-wachen, in Südwest nahe am Horixonte-ttehen- 
. den Lichtes vom 13. Oct. znerit angegeben, 'llqt'f den vielen 
nicUier gesehenen , ijeren mehrere um 6 :Uht Abeafl« ■nfingeo» 
n'e:den die vom 19. I^ec. wiederiiolt ai|i diesem Tage meistens 
m S^nacb 'W. M. W. nicht sehr hell oraoheitieqdeD , das vom 
^.0«a.,JD N. Wi atlrdlicher als getefibnlich sich zeigende 
^imfoiUHtai^g nn,d mit Hinaufiigung allgemeiner Beoier- 
)nW Qmt ,diase.4lleteore iiberhanpt beschriebene Tom 15- 
Imaf vanEglich ansgezeichnat, weswegen ich diese BeBchrei<- 
>«^.ihlg,'G|pt. SiBUE wörtlich mjltheile. „Herr Edwakds 
i tllk'Atinibn zuerst,, -als einen vgllkommenan Cogen, dessen 
SdsiAe] fast nSrdlich und südlich standen, AU ich aufs Eis 
ging,, war der Bogen rgebrochen ; gegen den südlichen Hori- 
Aiat war das gewöhnliche Nordlicht, wie wir m kürzlich in 
Übnn Nüchlen gesehen hatten , nämlich ein blasses Licht, wel- 
«IlM hinter einer dunkeln Wolke in einer Höhe von 6 bis 12 
.Gtsdan herzukommen schien, sich mehr oder weniger in ver- 
utiedenen Nachten und zu verschiedenen Zeiten derselben 
Jbcht gegen OMen und Westen ausdehnte, ohne bestimmten 
JfilteU und Halhirungspunct war, indem der grorsere Theil 
lad inweilen der ganae X^chischein sich bald auf der Ostseile, 
-Ud auf der Westseite des Südpunctes .zeigte, selten aber am 
iMidHchen Horizonte stand oder über den Ost- und West- 
fnact des Himmels hinausging. Dieses stimmt mit dem f^ord- 

g<B Eigen thÖmlichkeitcn dieser Meteore aaeb zahlreichen eigsnen 
BcobHchtangen in Aberdeensliire unter 57° IS* NIB. giebt Faiqukabiob 
M Edinb. Joaru. of Sc. XYI. 303. 

1 Zweite Heiie zac Entdeckung einer n<>Tdi<Te<t]ioh«D DurchFahrt 

lu dem aüantiichen in das bCÜIc Meer a. a. w. von W. E. l'uist 

a. s. w. Hamb. iSU. 8, *on 8> 1S6 bis 513. 



118 Nordlicht. 

lichte , welches man am gewöhnlichsten in England wahrnimmt, 
überein, nur dafs es dort dem nördlichen Horizonte so eigen 
N ist, wie hier dem südlichen, und zuweilen in Lichtstrahlen 
und Funken aufschiefst. Es war bei dieser Gelegenheit durch 
keinen aufserordentlichen Glanz oder ungewöhnliche Ausdeh«- 
nung ausgezeichnet, indem der prächtige Theil der Erschei- 
nung abgesondert und^ wie es schien, ganz besonders war« 
Der Lichtbogen hatte sich in unregelmäfsigen Massen gebrochen^ 
die mit vieler Schnelligkeit nach verschiedenen Richtungi^ 
strömten , immerwährend an Gestalt und Starke abwechselten 
und sich von Norden durch Osten nach Süden erstreckteii. 
Wenn man annimmt, dafs die Oberfläche des Himmels dnrd^ 
eine durch den Meridian gehende Ebene getheilt ist, so war dis 
Nordlicht während der Zeit, dafs ich es sah, auf die Ostseifb 
der Ebene beschränkt und gewöhnlich am lebhaftesten und in 
gröfseren Massen in O. S. O. Parrt und ich machten einaiH 
der aufmerksam , dafs da , wo das Nordlicht sehr glänzte , die 
hindurch gesehenen Sterne etwas trübe waren, obgleich diese! 
früheren Erfahrungen widerspricht." 

Parrt fährt dann in der Beschreibung fort und sagt: jj)h 
Vertheilung des Lichtes ist als unregelmäfsig und bestand» 
wechselnd beschrieben worden; die verschiedenen MassMi 
schienen sich jedoch in zwei Bögen ordnen zu wollen , wovon 
der eine nahe am Zenith und der andere ungefähr in der'MIfil, 
zwischen diesem und dem Horizonte hinlief, beide im AJtgm 
meinen eine nördliche und südliche Richtung hatten , aber üA 
gegen einander krümmten, so dafs ihre Schenkel verlängert iuH 
Ellipse gebildet haben würden. Diese Bögen zertheilten sioli 
eben so schnell, als sie entstanden waren. Einmal war' ein 
Theil des Bogens nahe am Zenith in Windungen gebogen, de^ 
nen einer sich bewegenden Schlange gleich, und diese wardU 
in schneller, wellenförmiger Bewegung, eine Form, die wir zifr- 
vor noch nicht wahrgenommen hatten*. Das Ende gegen Nordeo 
war auch wie ein Schäferstab gebogen , welches nicht ung»* 
wohnlich ist. Das von einem Nordlichte entstehende Lichl 
läfst sich schwer mit dem des Mondes vergleichen, weil die 



1 Ohne Zweifel die sogenannte |[rone, yermuthlich etwas ubtoU- 
ständig. . Parat und Sabihi^ scheinen diesen Theil des^Phänomens we« 
der aus eigener Ansicht^ noch auch ans Beschreibungen gekannt zu habet. 



• 






Allgcmeio»^B*«eIiBffeiilieit. 119 

wegM^^'j^f jllgomeiiien: Verbroiliing des erstennl sehr 

tehwach nitd nadtfadich Verden^ aber die Wirkung des eben 

snen ist nttner Meinung naoh kaum der des Mondes 

iA 'der eisten Quadratur gleich ; .das gewöhnliche blasse Licht 

i iss Nordscheinea gleicht 'aehr dem beim Verbrennen des Phos- . 

fkns eotbimde&en. Eine stfhr schwache rothe Farbe ward bei 

ikmnt Gdegenbeit bemerkt, als das Nordlicht am stiriuten war, ' 

Miere Farben warep jedoch nicht vorhanden« Nach dem Ver« 

Ifjkjvrinden des'glÜoienden Theilesides Nordlichtes, welches 

Jlibvbeiiins an Mdyn schien, blieb nur noch das gewöhnliche 

UshtlunHoii«ont#.*< V 

' *'\1]^fr den Tielen spKter beobachteten werden das vom 10. 
MNr«,ini Süden und Südwesten und. da»- vom 19ten desselben 
IfsMls mp gläni^ndeii ^Blitxen , die- vorsüglich von S. b. W* 
Aetdas Zenith nach N. N« O., iibrigena aber an jedem Theile 
iesHnniBels hinschossen, als die gröfseren erwähnt. Sie wur- 
Amtaagisammtin 74'' 47' N. B., 110'' 48^ W. L. und bei einer 
AW^chnng. dar Magnetnadel , welche mehr als 125^ östlich 
bünig^ W^achtat« > Auf der Rückfahrt wird eins erwähnt, wel-- 
^9^42, Sept> d«a folgenden Jahres 1820 um 10 Uhr Abends 
«(Mer4^'15'N. B. und OS"" 49" liange über eine halbe. Stunde 
arf nogefähr 12 Strichen von S. O. b. O. bis W. b. N. sichtbar 
yntf während der -magnetische Nordpol ungefähr N. 76® W. 
Dieses unterschied sich von den bei Melville gesehenen 
fa die gröfsere Geschwindigkeit , womit es sich verbreitete 
and von einem Theile des Himmels zum andern überging, durch 
Ca Tiefe und Lebhaftigkeit seiner Farben, sowohl der rothen 
dl auch der grünen, womit seine Blitze gefärbt waren, un^ 
Airch die Ströme , die unerwartet sowohl nach oben als auch 
aach unten hervorbrachen. Der letzter^ Unterschied war der 
gewöhnlichen Erscheinung von Strahlen, die gegen das Zenith 
•08 einem Dogen von schwach glänzendem Lichte strömten, ent- 
gegengesetzt. Ein ähnliches wurde auch 1818 im atlantischen 
Meere beobachtet, und seine genannten Eigenthümlichkeiten 
truren im Anfange auffallender^ als gegen das Ende, Nachdem 
£e Schiffe bereits aus dem Polareise unter 65^ 40' N. B. und 
59" L. gekommen waren , zeigte sich vom Anfange des Monats 
October 1820 an auf der Fahrt durch- den atlantischen Ocean das 
Nordlicht fast täglich , erhellte die Nächte selbst bei wolkigem 
Himmel nach Art des Mondes, wenn dessen Scheibe dicht sichte 




120 Nordlicht. 

bar ist , bei klarer Luft aber glich sein Licht dem dieses Him- 
melskörpers , wenn er hinter Wolken steht. Nur zwei des i 
beobachteten werden jedoch besonders ausgezeichnet, nämlich i 
das vom 2. Oct. nach 10 Uhr Abends, welches ohne bestimmte • 
Gestalt und Bogen an allen Theilen des Himmels, am meisten ' 
aber im Süden sich zeigte , und das vom 3* Oct. , welches mehi 
als gewöhnlich glänzte und daher ausfiihrlich beschrieben wird. 
Um 9 Uhr Abends erschienen an verschiedenen Theilen des 
Himmels von O. N. O. durch Süden bis W. b. N- unregelmä- 
fsig zerstreute , wolkenähnliche , erhelhe Flocken , welche ob^ 
aber nicht schnell, ihre Stelle wechselten. Dald nachher aeigtt 
sich von W. b. N. bis nach S. S. O. einige Grade südlich vom 
Zenith ein breiter Streifen Licht , derein Bestreben hatte, sidi 
bogenförmig zu bilden, indem das Licht desselben von W. nach ^ 
O. zu gehen schien. In O. N. O. zeigte sich zugleich in 15* bis 
20"^ Höhe eine von der übrigen verschiedene Erscheinung, die 
vollkommen dem Lichte des Mondes hinter einer dunkeln Wolke 
glich, aus welcher jedoch zuweilen lebhafte Blitze gegen das Ze- 
nith schössen. Ein Viertel nach 10 Uhr wurde das Gaqze ptotz- 
lich viel glänzender, indem vorzugsweise die bogenförmige^Ge« 
stalt südlich vom Zenith sich eine Viertelstunde lang mit einem 
schönen , wellenförmigen , unbeschreiblich schnellen und präch- 
ti'^en Lichte erhielt Die Bewesunoen dieses Lichtes erinnerte^ 
an die einer Schlange, jedoch war die Schnelligkeit oft so grpfili^. 
dafs das Auge nur mit Mühe folgen konnte. Der stärkste Thoil 
war blafsgrünlich , das Uebrige weifs. Der helle Fleck in 
O.N.O. wurde auch zugleich viel heller, schofs lebhafte Blitzay 
blieb aber ganz abgesondert von dem übrigen Theile des Phär 
nomens. Dieses Nordlicht gab , als es am hellsten war , fast so 
viel Licht als der Vollmond , machte unbezweifelt die Sterne, 
über die es wegging, matter und verdunkelte sie zuweilen 
ganz. Es wird ferner einestheils erwähnt, dafs man nur die 
Sterne erster und zweiter Gröfse durch das Nordlicht gesehen 
habe, anderntheils aber, dafs im dicksten Theile desselben die 
vier kleinen Sterne , welche ein verschobenes Viereck im Del- 
phin bilden, sichtbar waren. Dem Anscheine nach war es dem 
Beobachter sehr nahe, aber erwiesen entfernter als einige sich 
darunter bewegende Wolken, welche das Licht auffingen. Ge- 
gen 11 Uhr wurde das Licht minder glänzend, dehnte sich 
mehr nach Norden ans und verschwand allmalig vor Mitter- 



Allgemeine BeschaffeufaeiL 121 

Am 11. Oct. endlich wird der Ort des SchiiTes zu Gl^ 

B. und 3P 12' W. L. von Greenwich angegeben und 

Uten Male das Nordlicht vom 13. desselben Monats er- 

Dieses fing um 7 Uhr Abends als ein glänzend heller 

in N. O. an und glich an Helligkeit dem Lichte des Voll- 

hinter einer dunkeln Wolke. Von diesem Puncte aus 

D schwache und schmale Blitze in die Hohe, indem sie 

ord westlich vom Zenith vorbeigingen und in W. b. S. 

Rukommen schienen. Der blaue Himmel zwischen den 

lömen sah anfangs dunkeln Streifen oder Wolken gleich, 

l.das Auge daran gewöhnt hatte und die Helligkeit der 

lie Täuschung aufklärte. £ine halbe Stunde später zog 

I heller Bogen , im Mittelpuncte 34* Jioch und ungefähr 

\ von dem hellen Fleck in N. O. nach W. S. W. herüber, 

iet magnetische Meridian ihn fast halbirte. Dieser Theil 

inomens erhielt sich ungefähr eine Stunde und wurde 

Mtty das Nordlicht schien aber, wie gewöhnlich , den 

JKTkeil der Nacht hindurch mit bedeutendem Lichte. 

■ kier mitgetheilten Beobachtungen sind ohne irgend 

■dUste Meinung und völlig unbefangen angestellt und 

Wpn vielfacher daraus abzuleitender Folgerungen wich- 

jig, um sie vollständig aufzunehmen. An dieselben 

In sich am schicklichsten diejeni«>en an, welche von dem 

m Beobachter auf seiner dritten Reise in den nördlichen 

Iren angestellt wurden^. 

fort Bowen unter 7:3° 13' 39",4 N. B. und 88** 54' 48" 
WQn Greenwich, wo die magnetische Deklination 123*' 
JH/V. ist, hinderten einige Berge im Süden den Capt. 
f/äd seine Begleiter, die schwächeren Nordscheine gehü- 
|K>bachten , indefs wird bemerkt, dafs die sämmtlichen 
I» 1824 bis März 1825 gesehenen 47 im Allgemeinen 
jilichen Charakter hatten und an derselben Stelle des 
ft sich zeigten. Ausgezeichnet wird die Erscheinung 
■am 21« Dec, wo es mehrere Stunden der Nacht sich 
■elncler Lichtschein am südlichen Himmel fand. Am 
b Morgen um 7 Uhr wurde es glänzender und anhal- 



al of a tliird Voyage for tke discovery of a North- West 
under the ordres of Capt. W. £). Parrt. Loudon 18:^6. 



122 Nordlicht. • 

tender, indem es einen von O« S. O, nach W. N, W. t 
das Zenith gehenden vollständigen Bogen bildete. Auf b 
Seiten dieses Hauptbogens liefen schwächere BOgen von 
nämlichen Puncten aus , die im Zenith etwa 20* Abstand 
eirsteren hatten. So dauerte es etwa 20 Mintliten , als die L 
schlisse von beiden Bögen sich begegneten und nach einem 
zen Leuchten alimäli|T verschwanden. 

In der Nacht des 15. Jan. zeigte sich das Nordlicht am 
liehen Horizonte und dauerte mit wechselnder Helligkeit v 
fähr drei Stunden. Von 3 bis 4 Uhr aber war derganze i 
zont von S. bis W. glänzend erleuchtet, indem sich das! 
einige Grade hoch erhob. Aus dieser leuchtenden Masse s< 
sen mehrere Lichtstrahlen aufwärts, welche nach 5 Uhr so ] 
zend wurden, dafs sie allgemeine Aufmerksamkeit erregten, 
'dem zwei Bögen von O. und W» aus sich nahe beim Z 
Vereinif^ten und viele Strahlen blitzend aus diesen ausfu 
Am 27' Jan. um Mitternacht erhob sich eine glänzende B 
gelben Lichtes in S. O. und scheinbar in geringem Absl 
über der Erde , welche ihres Zusammenhängens ungeacfate 
zahlreichen , scharf begrenzten und verticalen StrahlenbffiH 
zusammengesetzt schien. Die Gestah des Meteors wecl 
beständig, so als wenn mehrere Lichtnebel fiber einander 
zögen j aber plötzlich schien drei Beobachtern gleichzeitig 
glänzender Lichtstrahl aus der ganzen Lichtmasse zwischei 
neu und dem 3000 Schritte entfernten Lande herabzuschii 
Auch am 23. Febr. schien ein im Süden befindliclies Polai 
sehr nahe und nur wenige Grade über der Erde erhaben zu i 

Auf der Rückkehr wurde das Nordlicht zuerst wiedei 
sehen am 15. Sept. unter 69* 30' N. B., 58^ 28' W. L. um 
76* 47' westlicher Abweichung der Magnetnadel im Südei 
ein glänzendes Licht , welches sich etwa 5° über den Hör 
erhob und zwei bis drei Stunden mit wechselnder Stärke und 
lem Strahlenschiefsen anhielt. Am 20. bildete das Nordlicl 
Ben glänzenden Bogen , welcher von S, O. nach N. W. i 
das Zenith ging , aber unter allen auf der ganzen Reise gel 
nen von der gröfsten Schönheit war das am 24. Sept. unte) 
3Ö' N. B. und W* 30' W. L. bei ungefähr 56^ westlicher 
weichung der Magnetnadel. Es erschien zuerst im Ostei 
dunkel- oder schwefelgelbes Licht, ungefähr 3** über dem* 
rizonte. Nach einer Stunde, um 9 Uhr, bildete es einen d 



Allgemeine Beschaffenheit 123 

nith nach W. übergehenden Bogen. Bald nachher schie^ 
ie Strahlen nicht mehr vom östlichen , sondern von ei- 
vestlichen Pancte etwa 1* über dem Horiionte ansza- 
, nach Art eines leuchtenden Rauches sich durch das Ze- 
it grofser Schnelligkeit zu bewegen und nach dem ersten 
im Osten wieder herabzngehen. Der Himmel unter dem 
incte glich einer dicken Wolke , gleich einem Berggipfel, 
•en Krater das Feuer zu strömen und sich über einander 
fortzubewegen schien. Das Licht war im Ganzen gelb, 
ftch orange und grünlich gefärbt, und an SHfirke dem des 
mds nahe gleich. Am 5. Oct., als der Himmel mit Wol- 
leckt war, wurde es abwechselnd durch ein Nordlicht 
'i dafs man. die Personen in der ganzen Länge des Schif- 
bnen konnte. 

ekane Beschreibungen der Nordlichter und ihrer einzel- 
keile enthalten insbesondere die Berichte Franklin's und 
Begleiter auf der Reise an den Nordküsten America's^, 
mhuf diese Meteore ihr Äugenmerk vorzüglich richteten 

tWXussagen um sö ^chtiger sind , als sie sich ganz ei- 
l|-'der Region derselbe^ befanden. Hoon, welcher 
i^iet Gegebd Voii Basquidu Hill unter 53*" S' N. B. und 
r. L. aufhielt , sagt, die Nordlichter bestehen aus Strah*- 
ttff») ,' Blitzen (ßashes) und Beigen. Die Strahlen sind 
einander parallel laufende, meistens in der Richtung 
^ngshadel nach der Erde gekehrte Lichtpinsel; die 
icheinen bewegliche, der Erde näher kommende und 
b sich als grOfser zeigende Strahlen zu seyn , die plötz- 
n Vorschein kommen und dann wieder verschwinden. 
äas Nordlicht sich zu zeigen beginnt, so gleicht es ei- 
hwachleuchtenden Regenbogen , beßndet sich am Hori- 
nd die Bewegung der Strahlen ist nicht unterscheid bar. 
y es sich dem Zenith nähert, löst es sich in Strahlen 
Iche durch eine schnelle undnlirende Bewegung zu Win- 
Slber*zchen . verschwinden und wieder erscheinen ohne 
kenziehung und Ausdehnung einer sichtbaren Materie. 
}[ sind zahlreiche Blitze an den verschiedenen Theilen 
i 

larrative of a Joarney to the Shores of the Polar Sea in the 
■19 y 20f 21 and 22 by Jou» Fbasuiv cet. London 1823. 4. 

r 

r 
4 



fM Nsrilicht. 



jm H.axmA Tewbaadss, DiJd cioe TbcQe bei gUickinärsige| 
WMui ^^A-ifim. AEsti&de toq c^r Erde dem im UorizoDte befini 
IUjuri E^i^c^cfcter aU ein Bc je3 erv:heinwi müssen, folgt 
iwiL jifts dea Gesetzen der Peripective ; auch zeigte sich dli 
j« $^ nad 7« April läl9 bei einem Xordlickte, welches 
C— ibürUnd - Home den ganzen Himmel vom Horizonte 
ssm Zeftith erfdllte , in etwa 55 englischen 3IeHen Entfc 
^i^n tÜMim Bogen mit Strahlen und Blitzen glich« HooD 
flb Er^ebbisse seiner Beobachtungen za Fort Enterprise 
«• 2< 24" N. B., 113« 6' W. L. nnd bei 36^ 24' t' 

Abwiiicho9g der Slagnetnadel noch hinzn^, dals solche 
welche schon im Horizonte glänzend sind, in dieser Eigei 
nach dem Zenith hin zunehmen und die Strahlen sichAlfl 
cheD| aus denen sie zusammengesetzt sind, wenn ihre 
Bewegung schnell i&t. Letztere, einem plötzlichen £r|l 
iholich, geht von verschiedenen Theilen des Bogens a» 
verbreitet sich nach beiden Seiten. Bei dieser Bewegung 
Stehen die beschriebenen Strahlen, welche sich zu Zweigen, |f^ 
schlängelten Linien und unregelmafsigen Kriimmangen 



ten j indem die Zweige im Zenith vereint die sogenannte XHltß 
erzeugen. So lange die Strahlen ruhig stehen, sind sie Mi^ 
gefärbt, denn Farben zeigen sich erst, wenn die Bewegaiijgif' 
ihnen anfängt. Wenn diese Strahlen oft wiederholt gthm^ 
werden und sich stark bewegen., so verschwindet die G<^ 
der Bogen , aber es ist nicht zu bezweifeln , dafs sie ftir 
südlichem Beobachter noch bleibt, indem es absurd seyn 
anzunehmen , dafs diese Wechsel blofs im .Zenilh eines 
gen Ortes stattfinden sollten, auch haben gleichzeitige Beohf 
tungen an verschiedenen Orten im Jahre 1820 das Gegentl^ 
factisch dargethan. Die Bögen, und mitunter blofs ihre eil 
neu Theile, bewegen sich südwärts, wo die letzteren sich: 
weilen wieder zu einem kenntlichen Bogen vereinigen, 
diese Bewegung dauert von 20 Minuten bis 2 Stunden, 
CumberUnd-lIouse erhielten sich die Bögen zuweilen metuo^ 
Stunden , und will man daher keine langsamere Bewegung M 
selben annehmen , so mufs ihr Abstand von der Erde grdb 
j»<»\vesen seyn. Ueberiiaupt sind die im Horizonte schvra« 
leuchtenden I ohne Vermehrung ihres Glanzes und ohne i 



i Kht^iidas. p. 5S1. 



Allgemeine Beschaffenheit. 125 

Bewegung das Zenith erreichenclen Bögen fiir betiücht« 
lier zu halten. 

a diese genauen Beschreibungen des Nordlichts scfaliefseD 

1 besten diejenigen an , welche unter fast gleich hohen 

4 nämlich 69® bis 72® N. B., aber bedeutend verschiede- 

Dge, nämlich an den Küsten des sibirischen Eismeeres 

ksischen Capitain - Lieutenant , Baron v. Whakoil, an-- 

wurden^. Dieser beschreibt die vielen , während sei- 

krjährigen Aufenthalts in jenen unwirthbaren Gegenden 

gesehenen Nordlichter im Allgemeinen auf folgendo 

Am nördlichen Horizonte, wenn er unbewölkt ist, 

liein heller und farbenloser Streifen in Form eines Kreis- 

li, dessen horizontale Weite anfanglich nur 20* » später 

180® und mehr einnimmt und dessen scheinbare Höhe 

;1* bis 6® ausmacht. Das Licht dieses Segments ist m- 

Imcht &o stark, als das des Vollmondes. Dann schiefsen 

kzvL Zeit aus dem Segmente, am häußgsten an der Ost* 

Melben, unruhige und helle Strahlenbiindel von unten 

iMDund erhalten sich einige Zeit als bewegliche Säulen, 

f neb, wie nach dem AVinde, biegen und krümmen. 

bwfgnng ist eben so merklich , als die der Wolken bei 

Winde. Andere Säulen entstehen an dem Segmente, 

m sie von den ersten angezündet. So schwingt sich die | 

loIei}men<^e nach einer ^gemeinschaftlichen Richtung hin 

r; allmälig verschwinden sie , eine nach der andern, 

Piri bis drei Minuten. Zuweilen erzeu£;en sich solche 

^on stärkerem Lichte als das Segment in diesem Seg- 

Ast, deren einige nicht über dasselbe hervorragen , an- 

r sehr hoch heraufschiefsen. Der Glanz aller dieser 

It merklich stärker , als der des Segments , aus welchem 

iotstehen scheinen. Nachdem dieses Entstehen und 

inden eine sehr unbestimmte Dauer gehabt hat, ver- 

die Säulen ganz , und dann auch das blassere Seg- 

nn aber die Säulen sehr unruhig gewesen sind , ver- 

oft die regelmäCsige Figur des ruhigen Scheins und 



likalische Beobachtangen des Capitain- Lieutenant Baron 
während seiner Reise auf dem Eismeere in den Jahren 
ond 1823. Heraasgegebcu und bearbeitet von G. F. Par- 
r. ßerl. 1S27. 8. S. 55. 



I 




126 Nordlicht. 

es bilden sich unregelmafsige krumm- und gerad-Iinige Licl 

figuren, bald zusammenhängend, bald getrennt, die einige Z 

(eine Viertelstunde, auch länger) sich erhalten, blässer werd 

und dann ganz verschwinden. 

Unter allen in mittleren Breiten neuerdings beobachtet) 

NordUchtern war keins so ausgezeichnet durch seine VoUstäi 

digkeit, seinen aufserordentlichen Lichtglanz, unglaublich wei 

Verbreitung und ungewöhnlich lange Dauer, als das vom 7^ 

Jan. 1831 , jedoch vervollständigen die sehr vielen Beobatt 

tungen. desselben nur wenig dasjenige, was bereits durch MaiI(cl 

darüber mitgetheilt worden ist. Inzwischen dürften nicht soba 

wieder so vollständige Beobachtungen möglich werden und 

ist daher nölhig , einige derselben mitzutheilen K Am Abev 

dieses Tages , an welchem der Sonnenuntergang in Berlin r= 

Minute nach 4 Uhr fiel , erhoben sich nach dem Berichte m 

Salinendirectors Senff in Colberg nach halb 6 Uhr genta " 

nordöstlichen ^ und nordwestlichen Horizonte zwei rÖtUic 

Wolkenstreifen, die einander entgegenzogen und kurz vqC 

Uhr ein vollständiges ) anscheinend aus dunkeln WolkennP 

sen bestehendes Kreissegment bildeten , während der einsdifis 

fsende Bogen oben ganz weifs war, nach beiden Seiten hin al 

röthlich, fast rosenroth, dann purpurfarbig, und ganz unfl 

durch Violett in Schwarzblau überging. Die Lebhaftigkeit d2 

ser Farben wechselte , war aber im Anfange der Erscheinv- 

am stärksten. Aus der Mitte dieses Sej^mentes stie^'en bisweil 

parallele Lichtstreifen nach dem Zenith auf, ihr Licht waraK 

jederzeit matter als das des Saumes und nach obenhin röthlic 

• 

Gegen 6 Uhr 30 Min. erhoben sich fast genau im W« und im*1 
zwei blendend weifse Lichtstreifen, doppelt so breit als 3 
Saum des Kreisbogens, aber mit geringer xErhebung. Die Le^ 
haftigkeit ihres Lichtes wechselte ab, bis sich kurz vor 7V\ 
der westliche Streif mit vollem Glänze erhob, im Bogen na^ 
dem Zenith und über dasselbe hinweglief nach dem östlidü 
Streifen, der ihm dabei entgegenkam, und sich mit demselfc^en 9 
einem zweiten bedeutend breiten Kreisbogen verband , welcn 
so glänzend strahlte , dafs die Erde durch Ihn merkhch erleucl 



1 Alle Angaben über dieses Phänomen entlehne ich aas Poccil 
dorff's vollständiger Zusammenstellung in dessen Annalen Th. XGYll 
8. 4S4. ■ 



Allgemeint Bei cbaffenlieit. 137 



L Die Bildaog dieses sweiten Bogens, gegen welchen 
a des ersten verschwand , dauerte kaum 3U Secunden; 
od nur etwa xwei Minuten, und hiermit endigte die ganze 
icheinung, indem nach und nach jede Stelle des liim* 
akelte^ so dafs 15 Minuten nach 7 Uhr gar nichts mehr 
I war. 

Arakel im Paderbornschen erschien gegen 6 Uhr im 
^ein heller, blendender Schein , wie ein entstehendes 
pelcher sich schnell nach Osten in Form eines liegen- 
fcinzog und die Gegend so stark erleuchtete, dafs man 
istrengung Gedrucktes lesen konnte. Der Bogen war 
Ins platt gedrückt, man sah die grötatrBn Sterne deut- 
|di denselben und er verschwand eben so schnell, als er 
war, w^obei er jedoch in W. und O« einen hellen 
ückliels. Nach etwa 3 Alinuten entstand der Bogen 
loch höher, so dafs er durch das Zenith ging, ver- 
|irieder und erzeugte sich nach etwa 10 Minuten aber- 
jetzt im Rücken der nach Norden gerichteten Beob- 
führend der Entstehung dieser Bttgen wurde dos Ne- 
in Norden erhellt, schofs röthliche» radienförmige 
)r, welche zunehmend mehr divergirten nnd liöher 
hin aufstiegen, mit verschiedenem Farbenspiele und 
IT Intensität des Lichtes wechselten und im Ganzen sich 
|Bftlichen zum nordwestlichen Horizonte hinzogen. 
psv in Berlin sah erst nach 6 Uhr das dunkle Segment 
■i über welchem etwas mehr westlich ein Lichtbogen 
k 20° gröfster Höhe über dem Horizonte sich erhob. 
ich weifse Licht der Zone war stets etwas fluctuirend, 
■ sich mehrere solche Lichtbögen , die vom (istlichen 
Bchen Horizonte ihren Ursprung nahmen , mit wech- 
ichtstärke sich bis in das Zenith zogen , ja bei 45 Gra* 
h von demselben erst verschwanden und oft stark er* 
i feinen Wölkchen glichen. Unterdefs stiegen vom 
I und nordwestlichen , ja vom nordöstlichen bis zum 
k Horizonte Strahlen empor, meistens von hellweifser 
^n Rander am hellsten waren und die von dem Seg- 
>das Zenith oft schneller als in einer Minute erreichten. 
^ mit diesen zeigte sich am nordöstlichen , nördlichen 
iRrestlichen Himmel bis etwa 50° Höhe über dem 
gsartigen weiiGsen Segmente ein prachtvolles rotlies 



k 



128 Nordliclit 

Licht , v^elches in exnselnen Parthiceii am Himmel zersi 
und am Rande verwaschen war, «aoh von den aufsteige! 
Lichtstrahlen durchbrochen wurde« Nach' halb 8 Uhr e: 
sich oberhalb des bis etwa 10° über dem Horizonte :Biede 
snnkenen Dämmerungslichtes eine im Osten und W.^sten 
gröfste Stärke zeigende glänzend rothe Zone , welche dem 
derscheine einer entfernten Feuersbrunst glich und allmälig 
Zenithe sich nähernd über die Hälfte des Horizontes einni 

. In dieser stiegen zuweilen Lichtsäulen empor und das D 
merungslicht erschien gelblich grün. Ein Viertel nach 9 
ermattete dieses rothe Licht und gegen 11 Uhr erhob siel 
Nebel, durch dessen Lücken man blofs den nördlichen Däxn 
rungsschein erblickte. 

Das dunkle Segment und.daa.TOthe Licht wurden sehr d 
lieh auch in Gotha und Marburg beobachtet, hier in Heidel 
war letzteres vorzüglich ausgezeichnet, in Wien aber beob 
tete man blols das mehr Östlich liegende Segment und, einige 
dessen begrenzendem Lichtbogen aufsteigende Strählen. £ 
in Elberfeld sah nach 6 Uhr den bald höher sich hebenden, 
tiefer hinabsinkenden , von Westen nach Osten sich efstrecl 

.^ den und ein dunkles Segment begrenzenden Lichtschein, um 8 
aber zwei von beiden Seiten des magnetischen Nordens gl 
weit abstehende, sich mehr erhebende Lichtbögen, die 
zuletzt in Lichtsäulen auflösten , zuweilen stärker wurden 
in gröfserer Höhe roth gefärbt waren , begleitet von einze 
Flecken rothen Lichtes und partiellen Strahlen an den versc! 
denen Theilen des Horizontes von Westen nach Osten. 
Erscheinung dauerte bis nach Mitternacht ^ das Licht erscl 
ruhig und nicht flackernd. 

In Utrecht gestattete der sehr heitere Himmel eine di 
VAir MoLT angestellte genaue Beobachtung. Hiernach sl 
ein heller, etwa 12* breiter Bogen von S. W. nach N. O. 
überall gleich hellem Lichte; nördlich von diesem bildete 
dann aus zwei vom Horizonte aufsteigenden und einer in 
Mitte zwischen beiden entstandenen Lichtsäulen , die sich ' 
einigten, ein zweiter, welche beide mit schönem hellem Li 
strahlten, auch fehlte im Norden das dunkle Segment und 
dasselbe einschliefsende Lichtbogen nicht, aus welchem l 
Säulen bis ins Zenith emporstiegen. Gegen 9 Uhr wurde 
sogenannte Nordlichtskione (^Pavillon) im Zenith wahrgen< 



Allgemeine Beacliaffenhelt. 139 

• 

rnoM welcher nach Südwest, Rordöst und Noidwest prä'ch* 
lunmende StreifiDa hetabgingen. Unterdefs stieg eine wol- 
blich*, vom runde und hinten mit einem zugespitzten 
lue versehene lichtmasse von N. O. aum Zenith hinauf, 
hsem vorbei und versehwand in S. O., die Krone er- 
k bald , nach 10 Uhr war blols noch der Lichtbogen in 
iüchtbair, welcher bis ge^en Mittemacht danerte. Röth- 
IFoltett Würden dort, eben wie in Paris, und am letzteren 
kch grünliche Stellen beobachtet. 

6 ist gewifs nicht überflüssig, anch von de h in England ge- 
ll Beobachtungen das Wichtigste mitzutheilen. In Gos- 
ftBüavKT um 5 Uhr 15 Min. einen Lichtbogen von fO* 
70^ Chorde , welcher zunehmend heller und grtffser 
^so dafs er nach 15 Minuten schon den Raum von We- 
I* Östlich vom Meridiane , also 145^, einnahm. Von 
eg eine Lichtsäule bis 35^ empor , und gleich darauf 
ein schöner, regenbögenartiger Bogeti dadurch, dafs 
von O. N. O, und S. S. W. Streifen aufstiegen , die 
^'tödlich vom Zienith begegneten. Um 5 Uhr 35 Min. 
dieser Bogen etwas östlich vom Scheitel und 
Streifen , aus denen . et bestand , gingen in hellen 
i, leuchtenden . Wolken Hhnlich^ langsam nach Süden, 
S. O. und eins nach S. W. Bald nachher bildete 
|k daselbst ein neuer Bogen , welcher südlich fortrückte, 
In Mars , der in 45^ Höhe und nahe am Zenith stand, 
|. bis er verschwand , während der Bogen um das Segg 
k Norden stieg, aber zugleich fast erlosch. Nach 6 Uhr 
t sich am nordöstlichen und nordwestlichen Horizonte 
len von ungleicher Länge und Breite, deren einige 
d xeigten und durch das Zenith gingen ; der Bogen 
stieg und sank zugleich abwechselnd und es erho* 
■ans ihm mehrere karmoisinrothe Säulen von ausgezeich« 
(nheit) swischen 7 und 8 Uhr aber erlangte das Nord- 
le gröfste Schönheit, indem es über slwei Drittheile 
len Himmels einnahm und die verschieden geformten 
llnigfach iprechselnden , roth, orangefarben, karmoisin, 
ll purpurfarben gefärbten Säulen mit dem reinen Blan 
ids und dem funkelnden. Lichte der Sterne einen auf- 
Centrast bildeten* Die Erscheinungen wiederholten 
einigeioale in geringerer Stäriie ^ der Nordlichtbogen, 

I 

i 



130 Nordlicht. 

lus dem noch abwechselnd SüulKn Bufstiegttn, sanic allnialig lia^ 
Fer, hatte um 1 Uhr tiooü etwa 6' Htihe, aber bis 2 Uhr 
man noch einzelne schwache Lichiblitze. !n Woolwich beol>«4 
achtete Sti/iigkos suerst den einen Bogen, es bildete sich jedotSJ 
nach einer SUinJe in einer grfifäeren HOhe ei 
welche im Verlaufe der Zeit i 

als 21° erreichten. Die Endei 

id in einer dunkeln Wolke; au 
gleichfalls beobnchtel, u 

:h iß dem dunkeln Segniei 

, Segment Vfillig und dei 
zont war erleuchtet, eS Stellte sich jedo. 
wurde Hie Erscheinung bis 12 Uhr beobn 
NET gesehenen südlichen Bogen erwähnt Sti 
aber geschieht dieses durch Crkistib 
Greenwich. 

Vorzüglich wichtig sind die Beobachtungen aus Scandim 
vien. SvASBERG in Upsala erblickte erst 20 Minuten nacb ( 
Uhr einen schwachen Schein im Norden, dagegen zeigte »iflS 
ihm das Phänomen in hohem Glänze am südlichen Himmel, w» 
eine rothe Säule in W. S. \V. den Horizont berührte, äeml 
Endspilze mit den Spitzen anderer in W. und S. aofsteigen« 



ccncenlrische 

sich anscheii 
säiilen wurd 
sich solche ! 
schwand die 




n formirti 



bildete. Sie hatte i 

! sie erzeugenden Säulen «_ 

Stockhoh ! 
seinem ^O' bis 30" SW ] 
von welchem keine SiJB . 
Ilen aufstie„__. ... 



r «Dl 
n«d 



I Wolk*B< 



Säolen in 70°,3 Hfihe 

augenbhckliche Existenz 

in einen länger düuerndi 

^h RuDliERo das dunkle Segment m 

den Horizont erhabenen Lichtbogen, 

len, sondern nur flackernde Lichtw 

sah man um 6 U. 15 M. am nördlic 

bette, von welchem eine Menge Strahlen ausgingen, am sÜdB. 

chen stand zugleich ein dunkler Wolkengrund mit einem leott 

tenden Nimbus. Durch die Mitte des Himmels, etwas südUcJ j 

vomZenith, ging ein schöner rothet Lichtbogen vom weslü' • 

chen zum östlichen Horizonte, unten doppelt so breit alinl 

Regenbogen, oben schmaler, mit einer strahlenden, etM "j 

feuergelblichen und helleren Glorie (einer Krone), welcher sillt j 

wohl eine Stunde erhielt. Während seines allmäligen Abndi 

mens schössen Strahlen von allen Gegenden nach t 

hin, so dafs um 8 Uhr der ganze Himmel mit dem Nordlich 

bedeckt war. I^eatenanC JonNSoit in Chris tiania, ein (jchük 



TV 



Allgemelad Beaoliäffeoheit. 131 

Bätmmm^ -Imr.iigä PUbMnMi dcnrt nicht blob genaa beob- 
iadbtft» iOll4Mrll=Hincli^di^^ Zeiehnang den Anblick des- 

•ÄwliWrrinDlleht^. Um 6 Uhr Abends sprang dort der schwa-fll^' 
Ae^'BtfiäfiiJMrWind nach ein^m' hellem Tage ptotslich nach 
W« odatiW.^'Si W. ttiil, der Himtnel bewölkte sich nnd es 
M JMTnil-iMfiidiBer^ dals die Straften glatt mit ßis tibtrtogen 

Pl5Mlicfa teigte sich eih heller elUpsirofi5rmig«r Streif 
v<9/'Wv Jnroh das Eenith nach O. N. O«, oben eti^a 60^ 
iHfty-'mider Sädseite dotoh die schon am Tage beobachtete 
ÜJMwefcank ," «in finstere«) - entfenrnten schwarzen Bergen ähnli- 
lMl«6ei»lft^ an der Nords«ite durch eine iVordliofatbank be- 
^- Mi Welcher ein Weifses Ftammetuneet bis unr Htfb« der 

il^rlrotströmte* In der groben Aice der' Ellipse lag 
hnidtibgOTibogenfttbed prangender Bogen , tlrelcb«r mit bei- 
IMi Adaei^Ldn den Horizont berührte» am Zenith etwa 2*^ i nn- 

9* breit War- nnd iti der Mitte die einer Glorie oder 
Sonde- ähnliche Krone bildete ^ ans welcher Strahlen 
«Bmt'tknton fuhren« Unter den at&rksten Farben, dem 
Ubr^.Vinbtt nnd Roth^ war die letttere 'Vorherrschend, fiel 
lb«i tni'BlDlIgeoiinsWeifsliche, näher am Horisotite las Dunklf, 
fBf ^h& '«■^Vietufcr nÜchdichen Feoersbmnst glich. Der Bogen 
|mid etnie halbe Stunde , dann VertheUte sich die Krone, dem- 
■nhst von W. her allmälig der Bogen , das Nordlicht blieb im 
L noeh als weifsliche Wolken ; dann be^og sich um halb 7 Uhr 
twn der Himmel mit Wolken tind der Wind aus W. hörte auf. 
DaÜB die zuweilen beobachteten einzelnen Lichtbögen ^ \Vie 
t*B«darch HALLStAÖii^ und andere, insbesondere aber am 
Ä Sept. 1828 durch Capt. Kater und von Moll zu Ches- 
hUt Lodge in England^, gleichfalls in die Classe der Nord- 
Iditer gehören ^ scheint mir keinem Zweifel eu unterlieget] ; in- 



1 Sehr Tiele Besclireibangen von Nordlichtern sind roü Zeidi- 
iBBgen begleitet. iD^wischen glaube ich^ Jafs diese nur' wenig Be- 
lri(b«nig gewähren , und ich beschränke mich daher auf dfe Mitthei- 
hag dieser einzigen, welehe wegen der im dvden und im Norden 
iMfiMkdmä WolkennuasBeii vorzügliches Interesse gewahrt. Sie stellt 
^l Anfelui des Himmels, projicirt aof den Horizont von Christian- 

, vor, das Aoge des Beobachters ani^serhalt) der Himmeiskagel 



c -ö. xinit. f4. 

• KnL Mag. and Am t. lt. p« $3?,^ . 

1 ä 



132 Nordlicht. 

zwischen halte ich es für liberflü'ssig , solche mehniials wahr 
nommene bogenartige Lichtscheine einzehi namhaft zu mach 

B. Einzelne Erscheinungen beim Nordlichte. 

Gäbe es eine allgemein o^^r auch nur von dem gröfsd 
Theile der Physiker angenommene, allen einzelnen Ersch 
nungen und deren Bedingungen genügende Erklärung di« 
Meteors , so dürfte es mit Recht überflüssig zu seyn scheiiM 
der allgemeinen Darstellung des Phänomens noch eine in i 
Einzelne eingehende specielle Erörterung desselbeni-jfelgettii 
lassen ; allein da dasselbe noch keineswegs vollstäniagi eiU 
ist, so halte ich es nicht blofs für nützlich, sonderb wgaiil 
nothwendig, dasjenige aus den zahlreichen Berichten sosti 
menzustellen , was als gewisse Thatsache zu betrachten ist^ n$ 
• dieses von demjenigen zu sondern , was zweifelhaft bleibt o4 
als falsch verworfen werden mufs, um wo mfägüch eine Sh 
Grundlage für gegenwärtige und künftige Erklärungsversuche^ 
erhalten. 

■ t 
a) Periodischer Wechsel der Nordlichtei; 

Es ist ausgemacht, dafs die Nordlichter zu gewissen ZeM 
häufiger sind, als zu andern , allein es ist dennoch keine leitil 
Aufgabe, hieraus einen bestimmten periodischen WecTisel 11 
kürzere oder längere Zeiträume abzuleiten« Geht man in d 
älteren Zeiten zurück , so bleibt es fraglich , ob alle Erscheinni 
gen desselben an irgend einem gegebenen Orte vollständig an 
gezeichnet sind. Damals fehlten aufserdem die jetzigen zah 
reichen Zeitschriften, welche die Beobachtungen aus entfernt! 
Gegenden zur allgemeineren Kenntnifs bringen, indem man K 
her wohl nur diejenigen beachtete, welche zwischen dem 45sti 
bis etwa 52sten Breitengrade gesehen wurden , abgerechnet da 
manche wegen bedeckten Himmels oder des nächtlichen Scfah 
fes der Beobachter unbemerkt blieben. Hieraus wird erkläi 
lieh, warum die* Register aus verschiedenen, nicht sehr we 
entfernten Gegenden keineswegs mit einander übereinstimme] 
Weil aber diese, Bedingungen in längeren /Perioden sich nett 
wendig wieder ausgleichen müssen , so geht aus den vorhancU 
nen Angaben wenigstens so viel hervor, dafs sie aueh .nnti 
den genannten Breiten in gewissen mehrjährigen Zeiträumen bal 



Periodischer Wechael. * 133 

tfigwp ImJJ felteatr -waren I wenn sie iichgleicK unter sehr 
len Breiten stets ziemlich häufig , aber in den Perioden des 
Dgels aach dort Ton weit geringerer Sterine zeigten. 

DaCi ihre Beobachtung bis hoch in das geschichtliche Zeit- 
xr Ikinaofreicht, ist nicht blofs mit Gewifsheit zu erwarten, 
l ie m findet sich auch in der Erfahrung bestätigt; allein die 
ir-elfeeiiNaBhiiofaten von ihnen sind kaum geeignet , beider 
P|t über «inen periodischen Wechsel derselben als Grundlage 
i^fiBnen ^ ' w^ sie als Vcurbedeutungen wichtiger Ereignisse 
mchtea^' und in der grofsen Classe der feurigen und leuch- 
lAmliMMfe -mit begriffen wurden. Der erste, welcher sie 
Mtt iMitr als solche ansah und darstelke,,ist Gassssdi, mi|; 
dam genaueren .Beschreibungen derselben an&ngen und 
.-in Folge des Ton ihm am 12* Sept. 1621 gesehenen 
mtrorm hwalU beilegte. Schon Aiustotilbs^ 
^Phänomeni nicl^t minder Plisius^ undSziiZGA^, 
^iriecäadido'eine Menge Schriftsteller der späteren Zeit. Eine 
Ivi'irattständige Zusammenstellung der älteren Nachrichten, 
»a hh a imter andern Ltcosthivks^, Jumus O^sequivz^, 
SMeoUBS TuROviBVSis^ und spätere. Schriftsteller aufgezeich- 
< t a6 e g»- ist durch v. Mairav in seinem bekannten Werke 
p^getheilt worden ^, Naph seiner Angabe sind folgende be- 
amt^ geworden. 
Von 583 bis 1354 zusammen 26 giebt jährlich 0,034 

— 34 — 0,300 

— 69 — 2,226 

— , 70 — 1,750 

— 34 — 0,680 
^ 219 -- 8,422 

— 961 — 41,782 
— . 28 — 5,600 

1 Bertholoit in Encycl. meth. Part, de Phys. kd. Aarore bortfale. 

2. Meteor. I4* I. cap. 4 q. $• 

S Hist. nat. L. II. cap. 26 n. 27. 

\ Qaaett. nat. L. II. 

5 Ghronicon prodigiornm ac ostentornm. Basil. 1557*. f<yl. 

6 De.prodigiis. Cum notis Yar. cur. F. Oadeadorp. Lugd. Bat. 
73018. 

7 Opp. cur. Th. Rninarti. Par. 1699. fol. 

8 Terschiedeae ältere Beobachtungen und eine Angabe derjeni- 



- 


1446 r 


1560 


- 


1561 - 


1592 


* 


1593 - 


1633 


- 


1634 - 


1684 


w 


1685 " 


1721 


• 


1722 - 


1745 


. 


1746 - 


1751 



134 Nordlicht- 

Dieses Verzeichnifs ist zwar keineswegs ganz zuverlässig, 
weil sicher manche wirklich erschienene Nordlichter darin feh- 
len und zugleich qianche anderweitige leuchtende Meteore dar* . 
in aufgenommen sind, allein es beweist wenigstens im Allge- 
meinen so viel , dafs auch früher die Zahl der Nordlichter niclit 
in allen Jahren gleich grofs und im Ganzen wohl weder bed^ ; 
tend gröfser noch auch kleiner war, als gegenwärtig. Auch M ' 
' in den letztverflossenen Jahren beachtete gänzliche Mangel d^F* ' 
selben findet sich schon in jenen älteren Zeiten. Nach MAitlü ^ 
soll von 1465 bis 1520 gar kein Nordlicht erwähnt seyn , olk | 
gleich man damals nicht vergafs , alle auffallende Erscheimifi^ j 
am Himmel aufzuzeichnen. Auch von 1581 bis 1600 ifiMUlt 1 
sie gänzlich fehlen und von 1621 bis 1686 wieder eine CMl ] 
seyn, obgleich es gerade damals viele fleifsige Beobädtteirllill 
Himmels gab. Auf alle Fälle ist es schwer, die einzelriib Uüt 1 
und dort zerstreuten Nachrichten von beobachtetrti NörÄIhfc»-. 
tern vollständig aufzufinden^ dabei gegen mehrmalige ^nglMi 
des nämlichen Phänomens gesichert zu seyn und sich somk 
eine zuverlässige Grundlage des Urtheils über einen peri^ 
sehen Wechsel derselben zu verschaffen. So sollen unter «^ 
dern nach Mairan vpn 1686 an in den folgenden Jahren min» 
destens einige Nordlichter erwähnt werden, aber Hallki^ 
sagt von dem, welches er 1716 beobachtete, es.sey dieses dil 
erste, was er, damals 60 Jahr alt, gesehen habe, und doch sind 
diese Meteore in England schon häufiger als auf dem Continentli 

O O j 

Bertholon^ theilt in seiner sehr ausführlichen AbhandlttOf j 
über das Nordlicht eine w^itläuftige , nach Jahren geordnet»/ 
Tabelle der beobachteten Nordlichter mit. Nach dieser fehl* 
sie aber keineswegs in den eben genannten Perioden gänzli^ 
wohl aber in einzelnen regellos wechselnden Jahren, z« B. TO» 
1600 an in den Jahren 1601, 1604, 1610 u. 11, 1613, 161t 

bis 1621, 1631 u. 32, 1635 u. 36, 1639, 1641 bis 44, 16*T 
bis 49, 1651 bis 53, 1656, 1658 bis 60, 1667 bis 70, 167» 
1674 u. 75, 1678 u.79, 1681, 1687 bis 89, 1691, 1700 i»- 



gen Schriftsteller, welche diese aufgezeichnet haben, ßadet man $' 
MussGBBHBROEK. Introd. §, 2489. desgleichen von F. Q^ Maier in Cornea 
Pet. T. I. p. 566. n. a. a. O. 

1 Phil, Trans. N. 947. 

2 flncyclop. meth« T. h P« 341* 



f eriodiacher Wechael. 135 

I, f703, 1705' ö. 6, 1712 a. 13, 1715, worauf dann mit 
5 dit Periode ihres unglanblich häufigen Crscheineos be- 
it, welche für das Jahr 1730 das Maximum mit 116 giebt. 
iden sich hierunter auch einige doppelt gezählte, so ist doch 
iberwiegend grofse Menge derselben in dieser Periode nicht 
erkennen, denn auch MusscniHBAoiK.^ versichert, dafs 
eitdem Jahre 1716 sehr häufig gewesen wären, indem er 
tin Utrecht und Leiden 720 beobachtete, Celsius aber fiic 
dioavien von jenem Jahre an gerechnet 316 aufzeichnete^. 
Die genauem und vollständigem Aufzeichnungen der Nord- 
er jff den neuem Zeitc)p fuhren unverkennbar zu dem Re<- 
|t^)Qjla[s die nämlichen nicht an allen den Orten, wo sit 
M^l» gesehen werden konnten , wirklich wahrgenommen 
||i%ezeichnet wurden, woraus eben eine grofse Schwie« 
fjt der Bestimmung eines periodischen Wechsek hervorgeht. 
iCoTTf 3 wurden zu Leiden in 29 Jahren 750» also jähr- 
36) SU Franecker in 7 Jahren 177 » also jährlich 25 beob- 
|t, welches sehr nahe übereinstimmt. Zu Montmorenci 

i^iM 1668 bis 1779 zusammen 
• 1780 - 1789 — 

- 1790 • 1808 — 
Buis giebt derselbe an 
jnm 1634 bis 1684 zusammen 

- 1685 - 1721 — 
:- 1722 - 1745 — 
,- 1746 - 1751 — 

hei ist insbesondere die von 1722 an fallende grofse Zahl 
|| merkwürdig und erzeugt den Verdacht irriger Angaben, 
dbst in Upsala beobachtete Celsius^ von 1716 bis 1732 
t4, also jährlich, 14« Es bleibt dabei immerhin möglich, 
rordlichter, welche einige Tage nach einander wicder- 
und selbst in der nämlichen Nacht ein oder einige Male 
rochen wxurden, an dem einen Orte nur einfach, an ei- 



131 .giebt jährl. 


1,2 


84 


— 


93 


53 


— 


2,9 


34 


giebt jährl. 


0,7 


219 


— 


6,0 


mi 


— 


41,8 


28 


— ■ 


5,6 



tftitrod. $. 1489. 
Sebtorius diss. de aurora bor. Heid. 1760. 4. p* 4« 
Memoire aar la Meteorologie. Par. 1789. Jouro. de Fliys. 

p. 168. 

Observationes de lamine boreali. Norimb. 1788. 4* 



136 Nordlicht 

nem andern mehrfach gezKUt sind. Soviel ist einmal ausge^ 
macht, dafs die Nordlichter voa 1720 an bis etwa 1790 im Gan« \ 
zen, sehr zahlreicji waren , nachher wahrhaft anter die Selten^' ! 
heiten gehörten ^i sq. d ab wir uns nach Hasstees ^ von jener '«^ 
Zeit an und während der ersten dxittehalb Decennien diasH^ 
Jahrhunderts . in einer der grofsen Pausen dieser Meteore befiw«^ i 
den. Dieses geht sowohl aus den bereits mitgetheiIteo> Vtfit^f'li 
zeichnissen | als auch aus denen anderer Schriftsteller 'faenrqytf !i 
von denen ich unter andern folgende mittheile. Nach Kiacvii'« 
wurden zu Berlin von 1707 bis 1735 zusammen 10& Nordlichh^ ;' 
ter gesehen. In den Verhandlungen. der Londoner Socierat wii«'-^ 
den vor 1716 gar keine erwähnt, von dieser Zeit an abertii** 
1750 zusammen 202* Celsius^ zählt nach eigenen und §nNB^{ 
den Beobachtungen in Schweden von 1716 bis 1733 im Gan<« \ 
zen 384; Kraft ^ nach seinen Registern in Petersburg für die ) 
Jahre von 1726 bis 1736 einschliefslicli 144, ob ii'l8i.s^ ans i 
eigenen und seines Bruders Beobachtungen gjleichfialis in Peters«» . 
bnrg und in den nämlichen Jahren nicht weniger als 233 ; Tho« 
MAS Short ^ giebt für ; die Jahre 1717 bis 1742 die Zahl d« 
merkwürdigen zu 127 an ; Eust. Zanotti und Babt« Bec- 
CARX beobachteten zu Bologna und an andern Orten Italiens 
von 1727 bis 1751 überhaupt 88; Weidler ^ in Wittenbeig 
von 1731 bis 1750 im Ganzen 91; in Carlsruhe wurden vo> 
1779 bis 1783 einschliefslich 68 beobachtet, von 1790 bis lfi|eJ'' : 
aber gar keins ^, 'J?. 

Aus den hier mitgetheilten Zusammenstellungen geht uir« < 
verkennbar hervor , dafs die Menge der Nordlichter allerding» '. 
einem sehr auffallenden Wechsel unterworfen ist « allein es 
dürfte zugleich sehr schwer seyn, eine bestimmte PeriodicitiU 
dieses Wechsels aus ihnen aufzufinden. Kitter ^ erregte sei* 4 

% Schweigger'» Journ. N. B. XVI. 197. 2 

2 Phil. Trans. XXXIX, p. 241. Year 17361 Acta I^it, 9aeflbj 

anm' 1731. 1 

8 Comm. 8oo. Pet. T. IX. p. 328. * 

4 M6m, poar servir a rhistoire et au progrds de PAstronomie» 
Pet. 1738. 

5 General and chronological history of air cet. Lond. 1749. 

6 Dissert. de aurora boreali. Yitemb. 1751. 4. 

7 Diese dnroh die Giit^ des Pr. ^i«mTLOi|R mir mitgetheilten eelir 
gentnen Beobachtungen werde ich spater noch weiter bequtiven« 

8 0. %\. 205. xvu m. 



Periodiaclier Wechsei. 



137 



Tialet AnfiMhen darch die Beh«nptung, äuts die Nord- 
Ido selkBJäiTige Periode ihrer zahlreichern und seltenem 
nogen befolgten nnd hierbei mit den Meteorsteinfällen 
en, wonach also 1806 oder spütesti^Di 1816 wieder ein 
n ihrer Zahl ^«intrefFen sollte ; allein diese letztere FoU 
it nicht eingefroiFen nnd überhaupt zeigt sich die ganze 
le ab der Erfahrung widerstreitend , so dafs man den 
Nromit sie aufgenommen wurde , hauptsächlich nur der 
Int zuschreiben mufs, womit zwei sehr räthselhafto 
iit interessante Phänomene anscheinend in einen ge* 
lansalnexus gesetzt wurden. Zur Begründung seiner 
le benutzt Ritter hauptsächtlich die Beobachtungen 
kZEiiSio« Hiernach fallen in die Jahre 



ii770 — 7 


1780 — 


4 


1788 — 16 


1771— 1 


1781 — 


4 


1789 — 2 


1772 — 1 


1783 — 


5 


1790— 2 


1773— 4 


1784 — 


3 


1792 — 2 


.1777 — 4 


1785 — 


1 


1793 — 1 


•4778 - 5 


1786 — 


2 


1796— 1 


d779 — 12 


1787^ 


10 





Udten gänzlich in den nicht angegebenen Jahren. In«, 
'(timmen diese Angaben nicht genau mit den Ergeb- 
t Cailsmher meteorologischen Register überein, die ih- 
indigkeit und Genauigkeit wegen von groFser Wich« 
id^. Hiernach worden zu Carlsrahe beobachtet 



1779 — 23 
.1780 — 19 

1781 — 12 

1782 — 4 



1783 — 10 

1784 — 4 
1786 — 4 



1804 ^ 1 
1817 — 3 
1831 — 1 



1789 — 6 

B aber gänzlich in den nicht angezeigten Jahren. Aber 
diesen wurden an andern Orten allerdings Nordlichter 
■wie hauptsächlich aus der nachher folgenden Ueber- 
Beobachtungen aus dem jetzigen Jahrhundert mit gröfs- 
IJB hervorgeht, sich aber aufserdem schon aus Dal- 
Igaben' ergiebt« Dieser beobachtete nämlich 



k folge hierbei den MitlheilaDgen des Dr. Eisbnlohr , wel- 
Pevtend ron demjenigea abweichen, was Boicuujitr i» G. 
I^sluuint gemacht hat« 
^ XV. 805. 



t 



138 



Nordlicht. 



1788 - 53 

1794 — 6 

1795 — 2 



1799— 2 

1800 ~ 4 

1801 — 5 



•i' 



1796— 
1797 — 13 
1798— 

Die in dem .laufenden Jahrhunderte bis zum 7* Jan* 183t 
an den verschiedenen Orten gesehenen Nordlichter sämm 
in einem Verzeichnisse zusammenzustellen ist zwar von unti|||»1 
geordnetem Interesse, inzwischen scheint es mir dennocli]idM[; 
lieh, bei einem so merkwürdigen und noch keineswegs gi9i||| 
gend erklärten Phänomene alle diejenigen Beobachtungen litf^ 
der genannten Periode aufzunehmen , welche mir beim I]i^icU|^^. 
sen über diese Meteore vorgekommen sind, mit Äusschlnb d«^ 
unter hohen Breiten und der in Nordamerica gesehenen ^ jfOk 
bei ich jedoch keineswegs absolute Vollständigkeit verbä[|||l} 
kann. Folgendes ist wenigstens ein ziemlich vollständiges clup" 
nologisches Verzeichnifs. , , , 

1801 sahäÄLLSTROM^ ein Nordlicht zu Abo am 11. ini| 
12. Oct.| Brewster^ zu Edinburg am 5- Dec. i. \^ 

1802 wurden in Schweden Nordlichter gesehen ' am 2» " 
Jan. , am 6. und 29. März , am 16. und 29- April und dm* ^ 
V. HoRNER zu Schaageragt unter 57® N. B. 8^ O.L. vonGre^.* 
wich am 19« Sept. ff* 

1 804 wurden Nordlichter gesehen am 12. Oct. durchAuSFlU .; 
in Schnepfenthal ^, am 22. Oct. durch Wrede in Berlin, G|t^;^ 
BERT in Halle, Sommer in Königsberg, Lamark in Pin%]^ 
BoRY DE St. Vincevt in Brügge , desgleichen in Petersbait ^ 
und an verschiedenen andern Orten ^. ] 

1805 am 1. Jan. und 26. März durch W. Pitt in CarlisU'i^ 
am 23. Febr. durch Dalton" in Manchester^, ferner am 27»^ 
28. Mai , am 29. Aug., am 21. U, 22. Sept. , am 13. , 20. u. 
Octbr., am 16., 18., 19-, 20-, 25. u. 26. Novbr. und 
26. Decbr. 



1 G. XVIII. 75. 

2 Edinb. Journ. of Sc. IX. 74. 

5 Dissert. de arcabus luminosis in coelo conspectis« Praes« 
STRÖM. Aboae 1803. 

4 V. Zach Mon. Corr. IX. 58. 

6 G. XIX. 108. 

6 G. XIX. 106. 111. 249. 252. 

7 G. XIX. 219. 

8 Nicholson Journ« X. 203. 



.■l^ 



Periodiicheir WeoHaeL 

18Q6 «n 7r Nkfti tt^fi'Vir. ttA'A'ÜB* üÄ EekwniehnAd am 
• Dec Hfon TSiGüitRT iti Halle J^ 'das nüihliche, mt^Um anoÜ 
Paris gtethenwardiB^."' ^ — i.b- 

* 1807 am tS. Jin. v^iHtmiT in Hdl^^'«y« am SS^UBtr« 
MHittaUtMv > anf der (ka Ji^e Wischen tMfWi^n tmd Sohwe- 
ilV'tiiMi^^ftfti 62" 5' N. B. -^ * ,"' ' ''^• 

\'!t''^W'lßk ^ folgt^täif^ Hn^ esscsheinr, mindteCens fdr das 
MlliiiwVVoIlständige Lacke. 
n-'^iV14''i»tiMe ivieder dd'Noitfliöht am 7. Aplr« dittdi Ho- 

i^ ifUll'itti 7. Ocrl dürdh HjlMtbsv ai Christiatti»^ ^ 
P^ 1917 ^irorden verschiedeiie an mehreren OrMn gweheiii Mm , 
mWae/Mii Pans^/am a ebendaselbst, la IMpzigl^ in der 
Biiwais^ttnd sa Christiaiitä dorch HArsMM^y'im; 0. in:KiP> 
llpberg, «wischen d«a 8* und 11. mehrmals taStookkelm, 
m 18. itv Hamtfi M;;;^^ 27« Aug. durch Biot auf in Insel 
DMt, am 19* Skpt ätnkh Dufiv z& Olasgo^^. 
.. lSt8am3LO(^,>Sunderlai(Srd'^. ..»;,;, 
' IMft am 15. OcU zu Suffblk>ttd afi^ f7^'Oct m Seath^ 
Mit k Oomberland^^ am 14; Det. Airdh DjtvmL^ aa 

1820 am 14^ Jan, zu Stratford^^, (am 3. A|>¥. an der Ost* 
kSste Grönlands durch Scohesby^^^) im Nov. ku PelersboiS ^7. 



1 G» XXIV. S63. XXIX» 428. 

2 :febend. XXIY. 365. 

8 Sessea Reise durch Skandinavien. Th. T. S. 959. 

4 G. LI. 72. 

5 Schweigg. Jonrn. N; R. XVI. 196. 

6 Ann. Ch. Phyi. VI. 443, 

7 G. LV. 248. 

8 Bibl. nniT. IV. 158. 

9 Schweigg. Journ. N. R, XVI, 196. 

10 Gi^ovAü in Verhandl. der Berl. Ges. Natuif, für 1820. 8. 128. 

11 G. LXVII. 189. 

12 Ann. of Phl. XIII. 7%. 

13 Ebend.' XIV. 472. 

14 Dessen Meteorological Esiay« and Observattons. Lond. 1823. 



15 Ann. Gh. Ph. XV. 425. 

16 Dessen Reise übers, von Krici. S, 31« 

17 Ann. Ch. Ph. XV. 425, 



• • 



140 Nordlicht. 

1822 am 13« Febr. durch Magkxvsik zu Invaniess iä. 
Schottland^. . i.'^ ti 

Nach einer abermaligen Unterbrechung von cnf^ Jalniftij 
beginnt di« Periode der häufigem Nordlichte!. .' ..u ' h 

1825 am 19. März und 17« Aug. zu Leith^^iam 25. AngriB 
zu Chnstiania, am 10« Sept. zu Leith, am 7« Oot zu Pads, arilL 
3* u. 4. NoVk zu Leith und zu Bergen in Norwegen , am 32t |g 
Nov* zu Leith^. 'dhjj 

1826 am 5* Jan. zu Königsbergs und zu Leith , am W\ 
Jan. zu Leith '^y am 21« Jan. zu Edinburgh, am 29* lilärsit'j 
England voa PaIiTOS und mehreren andern Personen^, 
29. Apr. zu Carlisle ®. ' 

1827 am 9« Jan. durch Marsh al in Kendal, am 16b 
durch Blagkadeh zu Edinburgh , am 18* Jan. und 17. Mtf 
zu Gosport, am 27* Aug. zu Perth in Scbottknd, aip 28.!Aiij|i 
zu Boxburgbshire^o^ am 29« Aug, zu 'MiInegraden;4n(,PerwkiH' 
shire^^, am 8. Sept. zu St. Cloud, am 9* Sept zuqift am;Tagi> ^^ 
und dann des Abends zu Canonmills und Roslin^^, ami!)5«6apt . 
zu Paris, in Holland, in dor Schweiz, in England, nfmendick 
in London ^^, in Dänemark, und Schweden, am 6«'0ct«vl^] 
Manchester, am 17. Oct. zuGosport, am 18. u. 19« zuRooGf i 
burghshire ^S , am 27« Dec. zu Kendal^^. Um die nämliche Zeit j 
sah Kbilhau^^ eine weit gröfsere Menge in Finmarkan,. ntifii^' 



1 Edinb. Phil. Journ. N. XII. p. SSO. . .; jjjj 

2 Edinb. Journ. of Sc N. IX. p. 86; 89 n. 91. '/ 1 
8 Phil. Trans. 1829. p. 103. Ann. Ch. Ph. XXX. 424. Von dlt^J 

sem Jahre an beginnen die Verzeichnisse der beobachteten Nordii«h»^ 
ter durch Araco in den Annales de Ghimie et Physique, die ich te^'^ 
nutzt habe und daher meistens aaf diese verweise. -^ 

4 G. LXXXVI. 560. '.} 

5 Edinb. Journ. of Sc. IX. 190. 

6 Edinb. Journ. of Sc. XVfl. 129. 

7 Phil. Trans. 1828. p. 291. 

8 Ann. Ch. Ph, XXXIII. 

9 Edinburgh phil. Journ. N. S. VI. 342. 

10 Edinb. Journ. of Sc. XIV. S76. 

11 Edinb. phil. Journ. N. S. VI. 379. 

12 Ebend. p. 378. Edinb. Journ. of Sc. XVIf. 138. 

13 Quarterly Journ. of Science. N. S. IV. 385. 

14 Edinb. Journ. of Sc. XV. 171. 
16 Phil. Trans. 1828. p. 301. 

16 G. XG. 621. 



Periodiaclier Wechsel. 141 

1 28. Sept^ am 1., Ift, 1& n. 3a Oct^ am 11^ 13., 19., 
r., am U 7-, 9., 10-, 13., 21.» 24., 29^ 31. Deo. nnd im 
S28 am U 3m 4. Jao. 

28 am 5taD Juli saMontMorilion^, am 15.Sept« saBdio- 
nd Islaj-Hoose *, am 29. Sepn in England und danNie- 
m^j am 15. und 29. Oct. suPerth^, am 11. Nov. durch 
so Tobebk * , am 1* Dec. su Beresow nnd Manchester 
26* Dec ebendasalbst und an mehreren Orten in Eng* 

!9 am 2. Jan. zn Kendal, am 11. Febr. dnrch y. Hün- 
en Berlin, -ütai 23» Märe itt BiggletHrade in England, am 
ra Dieppe , ' am 25* Jali zn Kendal , am 19. Sept. sn 
ter, am 21. n. 22. Sept. zu Aberdeenshire, am 1. Oct« 
Ibst, am 3- Oct. zu Manchester, am 6- Oct. zn Kendal, 
)ct. zn Aberdeenshire, am 17. Oct. zu Mancheiter, am 
tu Kendal, am 1 7*9 18. n« 19> Nov. zu Aberdeenshire, 
i 20. Dec.'zn London nnd Aberdeenshire^. 
D am 25. lad. zn Aberdeenshire , am 28. Jan. zn Ken- 
19- Febr. ebendaselbst, am IS. März zn Aberdeenshire^ 
Ipr. zn Manchester, am 5* Mai zu Petersbni^, am 20. 
Kendal , am 7- n. 17* Sept. in Schottland , am 13. in 
5, am 5. u. 16. Oct., am 1., 4. u. 7. Nov. zn Gos- 
7. Dec. zu Christiania^ am H., 12. n. 25. Dec. zu Gos- 
Jeberhanpt waren im Herbst dieses Jahres die Nord- 
Schottland so häufig , da(s im September allein 9 g^- 
irden», in Bedford^o unter 52" & 48" aber vom 7. 
14. Dec. zusammen 13 und vom 7« bis 11. Jan. 1831 
Eben so häufig waren sie in Norwegen, woselbst nach 
v^ vom Anfang Augusts bis Ende Dec, 35 beobachtet 



D. Ch. Vh. XXXIX. 415. 

inburgh Jonrn. of Sc. XIX. 177. 

end. p. 146. u. Ann. Ch. Ph. XXXIX. 418. 

iüburgh Joum. of Sc. XIX. 179. 

(gendorfif Ann. XXII« 550. 

D. Ch. Fh. XXXIX. 42L 

DmUich aufgezeichnet in Ann. Ch.Fh. XLII. B55. XLY. 403 ff. 

•gl. ans Ann. Gh. Fh. XLV. 409. 

inburg Phil. Journ. N. S. N. XIX. p. 177. 

il. Mag. and Ann. N. 53. p. 393. 

ggendorff Ann. XXII. p. 252. 







142 Nordlicht 

Alis dieser Uefaexsioht der in diesem Jahrhunderte gesehei^i 
Ben Nordlichter gelft auf jeden Fall unverkennbar hervor , drfllü 
sie nach einer aufifattenden Unterbrechung gegenwärtig sahlnife jil 
eher zu werden anfangen. Inzwischen darf man die VermebB 
rung in den letzten Jahren nicht unrichtig schätzen, wie 
geschehen könnte, wenn man blofs die Zahl der namhaft ge 
ten in Betrachtung ziehen wollte, indem man vielmehr bennb*)! 
aichtigei^'jnufs , dafs theils die Aufmerksamkeit des PubSchNP't 
auf diese Meteore und der Fleife in ihrer Beobachtung! wq|)i;Jt: 
ihres 'entdeckten Zusamtnephangos mit dem Magnotiamoi gdillil';^ 
gert ist, theik aherydie HüJfsmittel zur Bekanntmachämgi 
Beiben durch die Menge, der Zeitschriften aufserordentliaU 
mehrt sind. . Die gr^fste ZaJil der aus den letzteren Jahren 
gegebenen wurden nämlich in England, und. Schottland gi 
Allein zuverlässig wurden auch in den früheren Jahren dort 
beobachtet, die überall oder ^mindestens mir nicht bekannt fj^ -l 
worden sind. Dagegen folgt aus den für einzelne Orte,' s.,|tL 
Carlsrube , Leiden ,. PariiSI i«nd Montmorenci^ mitgetheilten Vff" ^ 
SMichnissen , ' dafs ihr« Zahl selbst in den letzten drei Jti^ i 
keine^wpgs so grofs ist, als Vor einem Jcihrhundert , nnd.^ j 
atheint mir im Ganzen aus dieser Untersuchung nichts WiHf ' 
liervorzugehen , als dafs sowohl ihre i^ahl im Allgemeinen ^-fil^ir 
auch die -der ausges^eichnet starken im BesonderU in rege" 
Zwischenräumen wechselt , wobei man sich fast berechtigt foH 
anzunehmen, dafs sie überhaupt gegen frühere Zeiten und i^| 
^erlfbs^gfixiyergleichung mit dem vorigen Jahrhunderte sei 
geworden ;^nd. Ha-hsteen^ ist der Meinung, dafs sie in 
letzten 10 bis 12 Jahren weit zahlreicher waren und dafs er 
namentlich una die Zeit d«r letzten Nachtgleichen in grÖ. 
Menge beobachtet habe , als seit 1793. Hiernach hält er el 
entschieden, dafs wir uns im Anfange einer neuen Nord 
periode befinden, deren letzte im Jahre 1707 niit dem 
Olaus Römea in Kopenhagen beobachteten grofsen Nordli 
anfing, um 1752 ihr Maximum erreichte und mit 1790 
digte. Solcher Perioden glaubt er seit 502 vor Chr. G. til 
haupt 24 nachweisen zu können, von denen besonders ^j. 
neunte von 54l bis 603, die zwölfte von 823 bis 887^ ^^ 
zweiundzwanzigste Von 1517 bis 1588 und die vierundzwtu^ 

>o 

1 Poggendorff Ann. XXII. 536. f ' 



1 



Periodiacher WechaeL 143 

OD 1707 bit 1788 sich durch nngew^hDlich starke und 

Xcrdliehter aaszeiohiieten. Da dieMT gaose Cykhu vön 

iOhr. 6. bis 1830 susammen 2332 Jahre umfafst , so 

nakoh fade- Pariode etwa 97 Jahre aasmachen, also ei* 

OTtjährigen ziemlich .nahe kommen ^ indefs ist es seht 

|y hierbei'jede willkürliche Bestimranng Töllig su ver« 

linsbesortidora wenn man so weit in die äheren Zeiten 

kt Im Einselnen läfst «ich dieses leicht darthun. So 

ffSTiKW den Anfang der letzten Periode in das Jahr 

ler nach Hallet kannte sie doch nicht früher als mit 

■gen. Mit der von Dirtbolov ^ aufgestellten tahel- 

Debersicht der seit 304 nach Chr. G. erwähnten Nord« 

Bmt der angenommene periodische Wechsel nicht ge^ 

in, und da die Gründe, worauf derselbe gebaut isl^ 

ianriKS' nicht angegeben werden, so muCn ich miok 

idiaidung darüber enthalten. 

lia Nordlichter weit häafiger im Winter als im Som- 

fehtet i^erden , folgt sehr natürlich aus ihrer geringen 

( die in den längeren und dunklem Winternäbhteil 

achter wahrgenommen wird« Wenn man dieses Ar- 

irzugsweise berücksichtigt, so könnte man 'geneigt 

glauben, dafs ihre Zahl in allen Jahreszeiten gleich 

Maihav glaubte, sie zeigten sich blofs im Winter, 

Theorie gemafs am zahlreichsten zur Zeit der Nacht- 

weswegen das am 20* Aug. 1744'zu Cusco unter etwa 

im Tage gesehene grofse Südlicht ungemeines Aufse* 

»^. Später ist dieser Behauptung zwar mehrfach wi-^ 

n "worden , indefs betrachtet man im Allgemeinen die 

r als solche Meteore, welche, wo nicht ausschliefslich, 

f ehrzahl nach den Winternächten zugehören. Nach 

■m's^ Beobachtungen auf Island gehören sie weder 

ler noch auch der Nacht ausschliefslich an , werden 

• Regel nur dann wahrgenommen , wenn die HeHig- 

vnnenlichts dieses nicht hindert. Auch Scoaxsbt^ 

fclop. meth. Art. Anrore bor. 

. de TAcad. 1745. A. J. SEKTOEici dla». de aar. bor. Hei- 

p. 7. 

borgh phil. Joorn. XX. S66. G. LXXV. 63. 

Iccount of the arctic regions. Kdinb. 1820. 11. voll. 8. 



144 NoHlicht. 

erzahlt y iah sie in Island und ieü Orten tinter dAÄ Polarbi 
in jeder hellen Naoht erscheinen , im Sommer ab^r "««[egen 
Tageshelle und zum Theil wegen des trüben Himmels nicht 
sehen sind. ' Hiermit stimmen abei^ die Tfa'chrichten aus'c 
nördlichen America nicht überein, ^ö die Nordli'chtei'im "VI 
ter sehr zahlreich , im Sommer dagegen nur seht sdten bfi 
achtet wurden« - So berichtet Ho od ^ von Fort Bntetprise^.' 
im Sommer 1820 das Notdlicht Vot dem August nur elhind 
sehen worden sey, mit dem Bemerken, dafs awat' noch*eh 
im Sommer vielleicht unbeachtet ge'blieben seyn' kannten, c 
glaube er aus allen Umständen schlieCsen za müssen, dsfl 
dort unter die Seltenheiteti gehtfrten. Nach ScoksSÄ^r^ 
«ie vom 628ten bis 70sten Grade N. B. hauptssldhlicli ia F- 
länge und Herbste sehr häufig, v. Wuavgel ^ aber glaubt, 
Zahl sey im nördlichen Sibirien am gröfsten im' ISbvenibec 
eintretendem Froste, werde aber wieder geringer^ lin'Jd 
wenn die Kälte den höchsten Grad zu erreichen anfange« 13 
STEEH^ dagegen sagt, dafii zwar die langen Nächtig itf Üen'^ 
naten November, December, Januar und Febrüäi^ üire.'B4 
achtung sehr erleichtere, aber dennoch sähe * manr ^ rfe lüinj 
zur Zeit der Tag- und Nacht - Gleichen oder bald nachher, 
schon Maiaah bemerkt habe; Als Ursache hiervon bel3r4£ 
er die um diese Zeit beginnende Erwärmung oder Äfikiil0 
der Polargegenden. 

Um hierüber einer Entscheidung wo möglich nähnir 
kommen , ist es am zweckmäfsigsten , die an verschiedenen' ' 
ten in einzelnen oder mehreren Jahren gesehenen Nordlid 
nach den Monaten zu ordnen. Hood ^ zählte im Jahre ^ 
und 20 zu Cumberland - House im Sept. 2, im Oct. 3, io&H 
3, im Dec. 5 9 im Jan. 5 9 im Febr. 7 9 im März 16, im 41 
15, im Mai H, womit seine Beobachtungen und Aufzeichrf 
gen aufhörten; dann aber im Jahre 1820 und 21 im AugustJ 
im Sept. 6, imOct. 7, im Nov. 8, im Dec. 20, im Jan..! 
im Febr. 22, im März 25, im April 18 und im Mai 9. GleÜI 



1 Narrative.of Ä Joorney cet. p, 580. 

2 Tagebuch einer Reise übers, von KnrES. S. SO. . 

5 Physikalisch« Bemerkungen u. s. w. Ö. 58. 
4 PoggendorlF Ann. XXII. p. 536. 

6 Narrative of a Journey cet. p. 543. 



U- 



Periodiaolier WechaeL 145 

mrden im Jahre 1821 tu Fort Eoterpriae beobachtet im 
^im Febr. 22, im März 25, im Apnl ^6 und im Mai 9, 
las letzte auf den 13* fiel , so dafs dieser Mooat bei fort- 
'BephnchtuDg sicher noch eine gröfsere Zahl gegeben 
p dem nämlichen Jahre zählte Capt. Füahklim, wel« 
(pondart von Hood beobachtete, gleichfalb zn Fort 
p^^m Jan. 14, im Febr. 22, im März 26, im April 16, 
|pr am 1*^ 3« u« 5- , statt dafs Hood noch am & , 10., 
^^d 13* Nordlichter wahrnahm, bis der beständige 
^eobachtang hinderte'» Capt. Pabht erwähnt^ fol- 
id^ seiner «weiten Entdeckungsreise gesehene Nordlich- 
I eine 4)ähere Bestimmung ^ ob alle erschienene von 
i^eichnet sind., nämlich in den Jahren 1819 und 20 im 
^pn Oct. 2, im Nov. 7, im Dec. 4, im Jan. 3, im 
if^^^im März 2, in den folgenden Monaten aber unter 
herben Breiten keins. Auf seiner dritten Entdeckungs- 
fden diese Meteore sorgfältiger beachtet und man 
^.dae mitgetheilte .Verzeichnifs für vollständiger hal- 
jprorden da gesehen zu PortBowen^ im Jahre 1824 
||t^pct. 2, im Nov. 5, im Deo. 7, im Jan. 15, im Febr. 
Ilärz 5* Noch einen nicht unwichtigen Beitrag zur 
Inng dieser Frage giebt das Verzeichnifs der im Jahre 
ordamerica beobachteten Nordlichter, welches Araoo^ 
Hiernach Wurden gesehen im Jan. 3 zu« Cambridge, 
3 KU Utica und Louville , im Mai 2 zu Utica und St* 
im Juni 5 zu Cambridge, Utica, Schenectadi, St. 
lod Pough - Keepsie , im Aug. 1 zu Cambridge und 
D Sept. 1 zu Albany, im Oct. 3 zu Utica, St. Laurent 
arare, im Nov. 2 zu Louville und St. Laurent, im Dec. 
mectadi und North - Salem. Wie man sieht, laufen die 
mc in diesem Verzeichnisse durch alle Monate in ziem* 
iier Zahl, mit Ausnahme des Juli, welcher wegen gro- 
gkeit selten Nordlichter beobachten läfst, und des Fe- 
orin sie sonst mit am häufigsten sind ; allein es ist zu- 



end. p. 556 bis 569. 

reite Heise zur EntdeckiiDg einer nordwestl. Darchfahrt. 

arnal of a third Yoyage cet. Lond. i8S6. 4. p. 59. 

IB. Ch. Ph. XLV. p. 4aS. 

L K 



146 



Nordlicht. 



gleich nicbt zu erwarten j dab Akago vrirklich Ton nllaicii 
Nordamerica yorgekommenen Natdlichtem K«aatuib at/uIAM 
haben sollte. . . :_ , -.._■' 

Äufser diesen Resultaten au^ Beobachtungen in. eioEliltiK 
Jahren giebt es auch andere aus längeren Perioden ,| von iM'Jlf 
ich nur folgende ausführlicher mitKUtheiUn mir erleubci K«lh^ 
giebt folgendes Verzeichnifs der von ihm in Feteisburg wfihmill 
der Periode der häufigen IVordlichter gesehenau*. u 



Julir 


J.in. 


Febr. 


Hiin 


Ap^;i 


Mni 


/,.ni 


juir 


A.if 


£l'|:l. 


Od. 


KOT. 


n^ 


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Die bereits erwithtilen Carlsrtilier Beobachtungen | 
Weglassung der Jahre, -worin überall keine Nordliciite 
wurden, nach Dr. Eisenlohr für die einzelnen Monate 



1781 
17ii'2 



1004 
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lö3l r Ü U "O" U I U ü Ü 

Werden die oben initgetbeilten Beobachtungen aus älj. 
drei ersten Decennien des jetzigen Jahrhunderts nach den 
naten geordnet, so geben sie folgende Uebersicht. 



1. Comm. i 



:. Pet. T. IX. p. ; 



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tX» ich diese Zmammet] Stellungen der neuesten Beob- 
II zu denjenigen hinzu, welche BenTnoLOK * mitgetheilt 
^ebt dieses die nachfolgentte Tabelle. 





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239 


3 
150 




48 


2 
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Ib 
302 


410 


226 


13 

I7S 



[top. melh. Part. Phy», T., I, Art. Aurure bor. 



148 Nordlicht. 

Die hiei mitgetheiltep Thatsachen^ scheinen jmijjf^^ahlj 
genug zu 8f yn , um die zunächst si^h darbietendeif folgern 
darauf zu gründen, nämlich, zuerst, ..dafs hei, ^iner- länf 
Reihe von Jahren kein Monat ganz ohne Nordlichter b) 
zweitens, dafs HANaTBEV vollkommen Recht hat ^ wenn ei 
zahlreichste Menge derselben in die Zeiten der. iCfi^chtglei 
setzt; drittens möchte ich dann hinzusetzen , d^ ihre Zal 
Winter noch etwas grdfser ajb im. Sommer isf.. iJJ^phme^ 
nämlich von den beiden Wintermonaten Decemher,,und Ji 
das Mittel zu 176 an und von den beiden SommecfPOj 
Juni und Juli zu 60 und berechnen wir die letjKter^. ^^ 
Verhaltnirs der Längen der Nächte, also für etwa, den A! 
Breitengrad n\it 16,^69 so giebf dieses 160 und bleibt |.flls,<^ 
ter 176 noch etwas zurück. Es kommt dapi^ zyirsif poch f] 
Einflufs der Dämmerung hinzu , . allein dieser yt^ird genu 
dadurch aufgewogen , dafs «ch die angegebene Tagsläqge 
bald, und zwar in beiden Extremen zum Vortheil^ der i 
merbeobachtungeni vom Maximo entfernt. Inzwischen is 
letztere Folgerung keineswegs mit gleicher Sicherbeii hegrv 
als die beiden erstereo. Hiernach zeigt sich dann aucc 
mehrfach geäulserte Behauptung ^, dals die Zahl , der Nprc 
ter gröfser sey, wenn das Eis als elektrischer Nichtleite 
Meer bedecke^ als unzulässig, gegen welche, ipKj^qlip^ l^ 
LAYE^ die Erfahrung anführt, dafs die Nordlichter s^it ; 
als sich das Eis an Grönlands Küsten löste , häufiger wurdei 

Die Nordlichter zeigen sich in der Regel bei, .Nacht 
dieses ist so sehr im Allgemeinen der Fall^ dafs das Gegei 
hiervon als seltene Ausnahme besonders aufgesucht werden 
So berichtet unter andern der fleilsige Beobachter F. C. Ma 
in Petersburg, dafs er nie bei Tage eins gesehen habe. In 
reu Berichten ^ wird angegeben , dafs sie nicht blofs zu^ 

1 Absichtlich habe ich bei der Tabelle die Beobachtaoge 
Nordamerica , die ans Finnmarkea u. s. w. weggelassen , aud 
den vielea im Herbste 1830 gesehenen nnr die namentlich be 
gewordenen aufgenommen^ weil sonst das Aesnhat minder. richti 
worden wäre» 

2 Bulletin nniTersel. Part, de Math« et Phys. 1825. Jnin. 
S Mem. de la Soc. Linndenne. T. IV. p. 462. 

4 Comm. Soc. Pet. T. J. p. 315. 

5 Sertorius diss. de aur. bor, Heid. 1760. p. 7. Interdam t 
plaribusqno noetibas apparet» 



Periodiacher Weclisei. 140 

iifxe' Nacht ifcaern, sondern auch in mehreren Nächten 
virnäaet wiederkehren; auch erzählt Müsse BKNiiaoxiL^ 
AISS ein Nordlicht geM^en habe, welches yom 22. bis 
rc daneite, «Ihin es acheint hierin blols gesagt zu wer- 
ifi^ÜB sich in jeder Nacht aufs Neue wieder entzünden, 
t Slkdeb Beispiele, dafs man ihren leuchtenden Schein und 
iAnngett X. B. auf die Magnetnadel auch am Tage wahr- 
/ 'Q^d nauientlich will man am 9. Sept. 1827 in England 
täfansgegangenrim Regen um Mittag einen 20* hohen 
Etl^klSgto und leuchtende aus ihm aufsteigende Säulen an 
dar gi^ordened Theilb des Himmels gesehen haben'. 
iS^en' ilDtscheidvnd sind jedoch die Resultate der Beob« 
bn'alr Solchen Orten,' wo man die Nordlichter nicht blofs 
^Sls^rer Menge wahmimtnt , sondern wo sie ganz ei* 
r einhij^imfsch zu seyn scheinen. So sagt unter andern 
^'aatsf das von ihm am 8. März 1820 um 5 Uhr 30 Min. 

gPeicK 'ha^h Sonnenuntergang gesehene Nordlicht unter 
B ^frühesten beobachtet wurde , denn obgleich sie im 

schon' iim 3 Uhr äer Dunkelheit wegen leicht gesehen 
'^k^nnteUi so zeigten sie sich doch selten vor 7 Uhr, 
nteten' die Bewegungen der Magnetnadel am Tage zu- 
iuf ihr Vorhandenseyn, aber es gehörte dieses immer un- 
S^ltenheiten. Auch Richahdsoiv^ nennt eben dieses 
i^ vom 8. März als das am frühesten beobachtete und 
Süim Erscheinen dieser Meteore müsse die Atmosphäre 
& Sonnenuntergang die erforderliche Disposition anneh- 
Jiiter den zu Fort Franklin und in dessen Umgebung, 
iUoi ßärensee gesehenen Nordlichtern zeigten sich nur we- 
mtlich vor dem Verschwinden des Tagslichtes und 
biH • ist daher der Meinung , dafs sie nur der Nacht an- 
,' obgleich man häufig am Tage schon diejenigen Wol- 



Utrod. $. 2496. A Martii 22 ad 31 perstltisse. Ebendiesei 

Iboloa io Eocyclop. meth. I. 347., nämlich dals das Nordlicht 

'Tage und Nachte anhaltend dauerte. 

Ulgem. Kontt-en Letter -Bode. 1822. T. II. Nr. 27. 

j^D. Ch. et Phys. XXXIX. p. 414. aoi Jouru. of the Roy. 

IB. Jao. p. 429. 

Pfarrative of a Joumey cet. p. 583« 

kbend. p. 599. 

ibrratire of a Second Expedition cet. App. Vir. 



I 



150 Nordlicht. 

ken wahrnehme, ans denen Üe giifbtldet würdeb. THVisirtMl 
dagegen behauptet zwar, das Nordlicht sey weder siff die 'VI 
termonate noch an die Nacht gebunden und'fi^iile'SithtDai 
allein sey durch die AbwesenUeif de8"SAtinehHchtiii'*bedii 
aber die meisten von ihm beschriebenen Kamen erst efinige 
nach Sonnenuntergang zum Vorschein und VerscJhwanden t 
vor Anbruch des Morgens. 'Vorzüglich "^vifchtig icheint 
dagegen das Zeugnifs von Keilhau ^ über seihfe BeoVachttn 
in Finnmarken , dafs nämlich dort die Nordlichter iti der B 
zwischen 7 his 10 Uhr Abends anfingen und nöfcb '^or Ml 
nacht beendigt waren; später als bis 4 Uhr MAVgeÄs M 
keins. Wif 'müssen hiernach also das Nordlicht al^'"^ 
Nacht, und zwar ihrer ersten Hälfte, wo nicht jganz"a\i^scM 
lieh, doch nuf mit wenigen Atisnahmen zugehö'riges PhSno 
betrachten. 



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• 1' 



b) Ort der Nordlichtör. 

Der Name selbst weiset zwar diesen Meteore^ den No 
als ihren eigenthiimlichen Ort an, allein dieser Ausdruck 
hielt seinen Ursprung in Frankreich und es ist daher imme 
fraglich, ob er noch pafslich bleibt, wenn man dem No 
oder dem Nordpole stets näher kommt. Für eine befriedig« 
Beantwor.ung der Frage über den eigentlichen Ort der N 
lichter mufs daher untersucht werden , wo sie sich überh 
und wo sie in geringerer oder gröfserer Menge sich zeigen, i 
kommt dabei die Weltgegend , wohin sie gerichtet sind , 
gleich sehr in Betrachtung Ich werde die Resultate der 
obachtungen hierüber zusammenstellen , dabei aber das Verl 
nifs ihrer Richtung zu der des magnetischen Meridians nich 
gentlich berücksichtigen, weil dieses einer nähern und spei 
lern Untersuchung bedarf. 

Aus den zahlreichen Nachrichten über die nördlichen 
larlichter ergiebt sich , dafs sie vom Aequator an bis zur Gr< 
der gemäfsigten Zone gar nicht gesehen werden, und überh 
scheinen sie in Europa nicht tiefer als bis zum 37sten Brei 
grade herabzugehen , woselbst in Portugal das grofse Nord 
vom 19. Oct. 1726 nach Mairan beobachtet wurde. Kö 



1 G. LXXVF. 65. 

2 6. XC. 620. 



Ort.4Q4i«i.elben* 151 

PSfPfl^^ft ABgabf^p rdi^rüber volles Vertrauen schenken, 
f;, <^^.<lur€ji GA9i9t:iVUi^ l»eobaclitete grofse IVordlicht 
jSfijpU.:t62.l nicbt' blofs in ganz Frankreich, sondern 
Italj^f ^I)d seihst zu Aleppo in Syrien gesehen worden K 
infi|i.^D SÄpd sie dani) unter niederen Breiten selteDB*'f«nd 
ii^^J^Ienge zu, so w^e man weiter nördlich kommt. In 
ißji ^q, daher, schon sejlten und werden vor 1722 von 
t i^ ji^H.eren Zeiten gar nicht er\vähnt , jedoch wurde 
1^ ^PQ,.1726 zu Rom und Padua gesehen, Polesi, Bo« 
I,^Baj:«dihi und Zakütti beobachteten das von 1737 
ff)[,4ui)nerk9amkeit2, Toleiti das vom 2Ü, März 1739 
if^^ «Wfh blieb das:pm|.22. Sept. 1749 z» Rom ge- 
^|^l^ upheacKtet **• Jnzvyischisn scheint es. mir überiliis- 
ynere flort beobachtete au/zuzählen , da e.s dennoch aoA 
bachtungen in jener an diesen Phänomenen so reichen 
iben so unverkennbar als aus denen in der jüngsten Zeit 
ht, d^fs die Nordlichter dort auf jeden Fall unter die 
tep gehören. In der Schweiz , dem südlichen Frank« 
1 sejbst im sudlichen Deutschland sind sie seltener als 
0, nahmen bedeutend an Menge zu in England^ Schott« 
Irland, desgleichen in Stockholm, weniger in Peters- 
fehmen wir also vorerst Rücksicht auf die Gegenden, 
^wa den Meridianen von Paris und Stockholm nahe 

wächst ihre Zahl auffallend bis mindestens zum 65«ten 
»n Breitenj^rade. Celsius^ sammelte Nachrichten von 
'dem Jahre 1716 in Schweden beobachteten Nordlich« 
OEDE und Cbanz erzählen, dafs sie in Grönland sich 
B entzünden pilegen^, eben dieses berichtet Anderson % 
lAN^ sah sie haiiiig auf Island und Henderson be- 
dafs er sie dort in jeder hellen Nacht gesehen habe» 
if den Shetlands - Inseln , wo sie merry dancers hei« 

1 Ausdruck, welchen Kendal^ von der schnellen Be- 



|w;jcIop. meth. T. f. p. 358. 

{«sschenbroek Int. $. 2489. 

^mm. Fet. Yill. 4*10. 

fov. Comm. Soc. Pet. IV. »iSS. 

ibservat. de Inmiue boreali. Norimb. 1753. 

r^rgl. ScoftESBY Account cet. T. I. p. 418. 

int. nat. de Tlslaude , du Gröuland cot. T. I. p« 229. 

{uLTterly Joarn« of Scieuce N. 8er. IV« 395. 






1^ Noi*:dLicbt 

wegung , dtn vielfachen Zuclmngen ■ in den StTtthlfab i; : ; bb 
lieh die nach dem Zenith hin aufisdüersen y «bleitML^'^.^ii 
sehr häufig und gehären unter *diei ganz igewöhnbeben 
'Landleuteo' allgemein «wohlbekanntem Erschei nnngefa K" :■ ] 
in^iK;^u diesen Aussagen diejenigen Nachrichten i^'-Mrelckf 
BESBT, Parrt und andere über diei Gegeodea Tb^Spitzi 
mitgetheilt haben, so mufs es auffallen, wennifGrfesBiLi 
richtet 5 da£i sie mit gröfserer Annäherung eum Pok'isyiad 
nehmen, undL.v. Buch^ Dainehdich über Lödinrgen" 
des Polarkreises sagt , dafs sie • dont schon unter die Kelter 
gehören und nicht näher etscheineil, als in Bergen aod S 
land. Inzwischen sind diese Autoritäten sehr geTwithd^ 
würde aus ihben folgen^ dafs ihr Hatiptsitz etwa zwischc 
60Bten bis '66sten Bieitengrade iit jenen Gegenden anzim 
sey, was «iit> anderweitigen Untersuchungen keinesweg»-»! 
im Widerapruche steht. 

Richten wir nämlich unser • Augenmerk auf diejenige 

der^: welche etwa unter dem durch den magnetischenh^i 

f ehrenden Meridiane liegen , so ist nicht zu verkennen , 'c 

Nordlichter an Nordamerica weit zahlreicher sind und mit 

sieht au4' die Breitenverhültnisse ungleich tiefer herabgei» 

in Europa und selbst 'auch in Asien, ein Satz, dessen 

mir 'nicht «lamal schwierig zu seyn scheint. Schon M 

TOiv^, EliiIS ^ und insbesondere Calm^ reden von den 

gen 'Nordlichtern in Nordamerica und namentlich giebl 

tr.Ter ein langes Register von den vielen , die von 17 

1750 in Philadelphia unter dem 40sten Grade N. B. | 

wurden;' Auch de la Pilate^ berichtet von seinem 1 

halt« in Terre Neuve unter 47* bis 50* N. B. , dafs die 

lichter sich dort fast täglich entzünden , im Winter jedocJ 

als im Sommer , sich im Norden zeigen und aus einem 

bestehen , welcher von O« nach W* geht. Nach der ot 



1 Rees Cyciopaedia. T« HI« Art, Aurora« 

2 Bragnatelli Giornale 1818. p. 163, 
S Reisen Th, I. S, 361. 

4 PhU. Trans. Nr. 465. 

5 Voyag» to HadsonsvBay cet. p. 172« 

6 Schwed. Abhandl. Th. XIV. 

7 Mtfm. de la 8oc« Linn^enne. T. lY. p. 462. 



\ 



Ort ditaelhen. 158 

iitgitüdStfen Zusaihraienfrellnng van AftA«o* warben im 
iSS^iia; AmericafSik^Drdlichter belannf , iim Samme al* 
;diido^0neUedeiien-0rtBtt.£uropa's in der nfimlichen Pe^ 
{•lahqireiifiMtiiigt tbsrmir 10, vni der Unterschied nafi 
i 'teffaUendex «rscheimD v wenn nan bevücktiolitigt , dais 
% g^mtb kjmm surKenndiib der Hälfte aller enchienenen 
■»'kej^ntai .'/ 

echuiii^hr Intereese sehekit «nir diese Untersnchnng ca ge- 
Ky^^wAan: man: cog Mehr' di# östlich und unter hohen Brei- 
iMIeni Orte . benitekmehtigtt Ueberblidct man das Ton 
l)geoid«^eM'> Veraeichmfs^ aller von ihm 'selbst nnd Gmb- 
ji^' JTB^- bin 1743(-'inf8ihirien gesehenen Nordlichter, so 
bw^gejisjien^' td^faibre Zahl (lir eine an «diesen Meteoren 
bmPeribde lBeinesfre^>tgro& ist, und aocb v. Wkavobl 
gVicrbsilMlifii der^'kofaen' Breite seiner :Beiobechtnngsorte 
riele; alle aber erwähnen, data sie dieselben nur im 
piaiieiL < Pataiv, ;ei&Ioher 9 Winter in rerschiedenen 
bBildas>a<kdliohen:iikuens yerweilte, sah die Nordlichter 
fiafigy aber nicht, in eoleher Menge, als jie s. B. in Is~ 
Dbacfatet'werdefiy'inBd stets nur ab einen im Norden sich 
ai)eB' rWeifiien Lichtschein , welcher allmälig höher her- 
{y^'dliabei röthlicher 'wurde , und erst , nachdem er eine 
fnd» Höhe erreicht hatte, schössen Strahlen nach dem 
iäoKL,' worauf dann die ganze nördliche .Hemisphäre mit 
aiachte «erüällt schieq. Oft zeigte es sich auch als Licht- 
y «ber nur Ton 10 bis 15 Grad Höhe über dem Hori- 
lii £inige Schwierigkeiten stehen der Begründung allge- 
r: -Gesetze durch unzweifelhafte Thatsachen allezeit ent- 
bvrenn keine genau correspondirenden Beobachtungen Tor- 
j^^sind, inzwischen läfst eine vielseitige Zusammenstellung 
inine bedeutenden Zweifel zurück. Vergleicht man unter 
I die Zahl der oben angegebenen Beobachtungen von 
r oder DE L^IsLB in Petersburg unter fast 60* N, B. und 
n Capt. PiiRRY auf der Insel Melville unter fast 75*N.B., 
yden von letzterem die vom Monate Sept. 1819 bis Aug. 
gesehenen aufgezählt, nämlich im Sept. 1, im Oct. 2^ io^ 



iAnn. Ch. Phyi. T. XLV. p. 403. 

^or. Act. Sog. Pet. Tf. 425. IF. a. XI. 320. 

<«ibl. Brit. XLV. 89. Daraas in G. XXXVU. 34a 

I 



154 N^raiÄphU 

Nov. 7» im Dec, 4f im Jan. 3y im Sebn4,. iavMi(ifZ|St-und ip 
den folgenden Monaten kein«, imjG^pzen. also 2i4,.,{Ovfe.,Z«U^ 
bleibt zwar hinter den ]^([eng/e ärgerer, zurück, |iipel(^tiff,,jn di|| 
rtoioksten Jahren in Petersl^tirg g^ejl^i^n \yurden,: ü^r^i£[t.*kpf 
nicht blofa.die mittlere der das^lfbst; gesehenen , , sondern «.ai^^ 
aehr .bedeutend die der. gleiclizeitf^ dort beobachtete^ * AVffin 
dings waren die Nächte auf dßrj.lpsejl Melville Iängc;r9^.W(jk.4^ 
-die Wachsamkeit der «nbeschäftig^fsii, auf einend' S9hifiE4k<^sa|l|j ' 
mengedrängten Mannschaft in ij^nschlag igebracht lyerdepi; r«U^ 
dessen ungeachtet mufs man .zugestehen, dafs sie 49^ naft||i 

zahlreicher waren. f» - . ' . v r* ^ .•^ntr 

Hierbei darf vor allen Dingj^ oicht uubead)tet„bleil^ 
dab alle von Pa^rt unter 75° N. B. gesehen» Noi;41ic^t^|r,,J^ 
Süden standen; das erste aber,,;\iretlche8 dieser kühne Seefahrtrf 
auf seiner Rückkehi an 12. Sept*.- an der Westküste ^^r Bti^pil; 
bay unter 68° 15' N. B .beobachtete, nahm etw^ i2,.§fridw»i| 
oder 155 Grade von S. O. b. O. fei» W. b. JV. eip;^ .8^p4 jj^?. 
gleichfalls noch südlich. Am 2tenjaiid 3ten wird 4ass^y>e a^flff 
mals erwähnt, jnit dem Zusätze^ dofs • es währe c^^dji}^ ^aJnt 
durch das atlantische Meer fast alle Nächte erhellte,, j^pa jf^ 
keine bestimmte Gestalt hatte und in allen* Himmelsgjp^nd9||^ 
hauptsächlich aber im Süden sichtbar wurde, am 3ten aberyi^ 
O. N. O. durch S. bis W. b. N. sich verbreitete. Endlich,, naefei 
dem das Schiff am H. Oct. unter 61^ ll' N. B. gewesen wa^ 
wird am 13. zum letzten Male ein Nordlicht erwähnt , des^i^ 
Hauptbogen von O. N. O. nordwestlich vom Zenith nach W^ k 
S. herabging. Hiernach ist es also klar, dafs P^irry dea ei?, 
gentlichen Strich der Nordlichter durchschnitten hat. Dien^ 
stimmt genau mit Robertson's Beobachtungen auf der ers^ 
Entdeckungsreise des Capt. Boss überein ^ Hier zeigte sieb 
am 23. Sept. 1818 unter 66** 30' N. B. und 59" W. L. voi^i 
Greenwich das Nordlicht im wahren Süden und erstreckte siA 
nach S. O.; am 28. Sept. unter 65« 5' N. B. und 6^ W. h 
sehr glänzend von S. b. O. nach S. b. W. , am folgenden Tap 
ebendaselbst von S. W. nach S. O., am 1. Oct. unter 62^ ^ 



1 Paury's zweite Reise a. s. w. S. 486. 

2 Jeden zu 11,25 Graden. S. ilicses Wörteib. BJ. 11. S. 182. 

5 John Ross Entdeckungsreise u, s. w. übersetzt von Musiaicu« 

Leipz, 1820. 4. 8. 19«. 



Ort'deV^elben. ISS 

iGÜf^W. L; von A 8. Vt. nach S. S. O. nnd spiter in 

f* Whtii Bögen ^rt S. O. nach N. O. Am 8. Oct da* 

it^ 59* N; D: tind' ;k)* W.t. erschien es von N, b. 

?'Vr. b. N. tahd "aW 17. Ort. endfich tinter 51* N. R 

Wl'L. zeigte ^icti'der glänzende Dogen entschieden 

irdüi Zehith. NVir haben die Angaben dieser nämlichen 

brhoch'von einem iändern Orte, nämlich Port Bowen 

^^^i!5r'l!r. B.. zü'b«rtiGksicht]«en<. Dort bestand das 

r mfeüMet^S ans einein ziemlich zusammenhängenden Bo* 

^ ktis eitizelnen lichtet 'Theilen desselben, die sich 

von W. nach S« O. erstreckten ; zuweilen dehnte es 

r ans , nahm aber sehen einen Theil' des nördlichen 

ein. Der nördöstAche Theil des Dogdiis War der Berge 

e genau sichtbar, doch lag eine den Bogen' schnei- 

»ene mehr im magnetischen ats' dem ästronomiischen 

». Die Höhe des oberen Randes überstieg selten 10 

jrrade , zweimal aber kam derselbe ins Zenith und am 

B'i5 war seine Richtung vom astronomischen N. nach S. 

sehr grofser Bedeutsamkeit ist das Zöugnifs Fraitk- 

vt seine Beobachtungen an verschiedenen Puncten der 

icanischen Küstengegenden. Auf Moose - Deer- Island, 

• 18' 8" N. B. 113** 51' 35" W. L. von G. bei einer 

Abweichung der Magnetnadel von 25* A(f 47", sind 

icr Angabe die Nordlichter zwar nicht selten , aber ihr 

ist bei weitem nicht so glänzend und so wechselnd, als 

;nterprise unter 64° 28' N. B. 113* 6' W. L. von G. 

I6^ 24' 7" östl. Abweichung der Magnetnadel. Sie be- 

äort aufserdem nur eine geringe, 18' nicht überstei- 

iränderung der Magnetnadel. Das Licht erschien in 

[ an der Nordseite des Himmels zwischen dem wahren 

id S. W. Puncte ' , in geringer Höhe über dem Hori- 

.nd nur viermal erstreckte es sich bis zur südlichen 

H Himmels. Hiernach glaubt er, dafs der eigentliche 

PTordlichter dem Pole näher liege , als Moose - Deer- 



nmal of a third Voyage for the discovery of a North-West 
«t Under the Orders of Capt. W. E. PA.RaY. Lond. 1826. 

h lasse diesen Mangel an Uebereinstimmung mit der magne- 
khtuog der Nordlichter einstweilen unberücksichtigt. 



156 . Nordlicht. 

Island, ja er ist geneigt anzunehmen, dafs derselbe genau t\ 
sehen 64^ und 65° N. B. in der Gegend von Fprt Entefpi 
liege, wo man sie daher am besten müsse beobachten 1i(Jnoe 
Allerdings haben die dortigen Beobachtungen viel zu ihrer A 
klärung beigetragen, allein die Nordlichter wurden dase 
gleichfalls poch in nördlicher Richtung gesehen, läoch Sich 
war Letzteres der Fall im nördlichen Sil;>irien unter lUnge 
gleich hohen und selbst höheren Breiten. Der Baron y. WiV- 
GEL^ sah sie nämlich stets in nördlicher Richtung und ^la 
zugleich , dats die Küsten der See nicht ganz ohne Eipflnrs 
bei sind, indem die Nordlichter sich auf der Insel KoIutscJ 
unter 67° 26' N. B. zahlreicher und glänzender zeigen fol 
als in Nischne - Kolymsk unter 68° 32V '^'^^ ^® denp i^tjerli. 
mehr landeinwärts seltener werden. 

Alle bisher hierüber mitgetheilte Beobachtung^ 8in3 
kurze Zeiträume beschränkt und fallen in die Periode , we 
unter niederen Breiten nur sparsam die Phänomen^ dey TT 
scheine darbot. .Berücksichtigt man zugleich solche Beob - 
tungsreihen , welche in längeren Zeiträumen anh^Itepd.&J 
stellt wurden, so $telk sich zwar die Regel gleichfalls be^ 
allein man stöfst zugleich auf manche beaghte^nswerthe _^ 
nahmen. Nach Hendersoit^ sieht man die Nordlichter ic3 
land unter etwa 63° bis 65° N, B. in der Regel in n^rdli 
Richtung, jedoch selten und weniger glänzend auch in su 
eher. Am häufigsten erschienen dieselben in nordöstlicher Ri 
tung, von wo sie nach S. W. zu ziehen pflegten; auf je< 
Fall waren sie in S. O« am stärksten und man durfte sie d 
am sichersten erwarten. Maufertuis sah sie in der Geg« 
von Torneä unter 66° 30' noch meistens im Norden, zuweil 
aber gleichfalls in südlicher Richtung; Gaiscfiow wurde 
grofse Verwunderung versetzt, als er am 6. und 7. Nov. 17 
zu Petersburg unter 59** 56' N. B. einen Nordlichtbogen im S 
den ungefähr von gleicher Höhe , als dieser an der nördlich 
Hemisphäre zu haben pflegt , wahrnahm * , weswegen er att 
das ganze Phänomen unpassend ein Sildlicht nennt« Ebeod 



1 Narrative of a Jonrney oet. p. 553« 

2 Physikalische Beobachtnngen u. s. w. S. 58. 
8 Iceland. Edinb. 1819. p, ^7. 

4 Not. Gorani. Soc. Pet. IV. 474. 



. Ort deiselben. 157 

sobachtete Lomovosow^ gleichseitig einen Bogen im 
niad' einer andern im Süden , Kauft ^ aber theilt di« 
ene Beschreibung eines am 17. Febr. 1778 im Süden 
p "mifr daher auch 'Südficht von ihm genannten Me« 
.* Velches eine ganze Stunde dauerte , das dunkle Seg« 
l einen leachtenden Dogen hatte y aus welchem Strahlen 
r Höhe' nach dem ^nith emporschössen. Brauv und 
sahen in Sibirien in verschiedenen Orten . namentlich 
dLoi-Ostrqg unter 58* N. B. und zu Jeniseisk unter 

■ * ^^ ff 

LB diese Meteore tllezeit im Norden , indem der Bo- 
ifajnn'ch von N. N. O. nach N. N. W. lief, und nur 
lamlich am 2. März 1739, erschien es im Süden , ging 
i'denp'och durch' O. und blieb in N« Die in Stockholm 
^ Üff N. B., in Petersburg unter 59* Sf N. B. und selbst 
nter 60* 27' N. B. erscheinenden Nordlichter stehen 
jS^et nacK sammtlich im Norden , allein ihre Bögen 
itsachlich ihre Krönen gehen nach BsacMAHK^ mei- 
r das Zenith südlich hinaus« Selbst das neueste Nord- 
7« Jan. 1831 überschritt schon in Christiansand unter 
f. B. das Zenith, indem sein Hauptbogen nach Hav- 
Messungen H® 45' südlich vom Zenith stand« Merk- 
Ist die Beobachtung von Cleayeland®, welcher zu 
inswick unter etwa 47° N. B. am 25. Sept. 1827 einen 
m Nordlichtbogen im Süden und zwar nur von 35* 
\ ja sogar zu Schenectadi unter weniger als 43* N. B., 
dlicher als Ancona, wurde am 19. Dec. 1829 der Nord- 
labwechselnd bald im Süden, bald im Norden gesehen^, 
kann ich noch hinzufügen , dafs Caamer zu Genf, 
at Marseille unter 43* 17' 48" N. B. und Bouillet zu 
am 15- Febr. 1730 einen vollkommen ausgebildeten 
bogen im Süden sahen ^. 
icheint, als müsse zur Entscheidung der vorliegenden 

• 

lemnia anni 1753. p. 40* 

U Soc. Pet. T. JI. P. 1. p. 45. 

ifw. Gomm. Pet. Tl. 449. n. 458.« 

hwed. Abhandl. XXVI. 257. 

ggendorff's Ann. XXII. 483. 

in. Ch. et Phys. XXXiX. 415. 

tood. XLY. 409. 

St. de TAcad. 1730. p. 8. 



153 ,: Nordlicht. 

Frage vor all^Q Diogen . die Hohe cler NordUichtb^gea , ^ 
sie im den ver&c|uedenen Orte» esreiehen, von- vovziig 
Gewichte &eyn.; .allein die Untersachung dieser Aufgabe 
sehr bald zxk denir Resultate, ddfa diese nicht blofs bei ve) 
denen Nordlichtern, sondern a^ch bei einem, und eöenden 
sebx urtgleich. und in einem bedeutenden Qrade.iWfichßel 
mithin als Entscheidungsgrund von sq grofser Wifohti^ei 
seym kann. Fassen wu:« dagegen -die reiche Menge der 
xnitgetheiUei]^.,Tha^5acheiii zusariimen., berücksichtigen y» 
mentlich.die. ErgeJ;>nisse 4er neuesten Heisen im hohen i 
mit ^inen^ Qlick^ . auf die Charte , weiche die PoIimtsqq 
stellt S erwägen wir unter andern namentlich, dals Pwk« 
seiner Fahrt dur^h die Jiach ihm benannte Strafseundidi 
£nsbai die .gewöhnlichen: täglicii^n Nordlichte^ surrst in 
eher Hichtung und nachher ii^ nördlicher sah, die-.eige 
Linie derseiben.aJlsp etwa ^nter: 60° N. B. durchechni 
WaüIT GBL dagegen. unter etwa 68° W. B. und 165° W^ 
Greenwich diese JVIeteore. s^tets.jim Norden sah, und ^1 
Berichte anderer Reisenden,, namentlich des Capt* .Anjqxj. 
«heitin den Jahren 1821) 22 und 23 die Küsten und Iqse) 
sehen 160°;UPd,!l30*'Ö' L. von.Greenwich vom 71»ten.b 
den 76sten Grad N. B. untersuchte ^ , nur von eigeptlicl 
Norden gesehenen Polarlichtern reden , so läfst sich mi 
meidung von Phantasie bildern die wichtige Frage über c 
gentlichen Ort der Nordlichter ziemlich genügend beantv 
Alles zusammengenommen würde ich nämlich schliefser 
eigentliche Linie der in der Regel täglich sich entzünc 
Nordlichter, abgesehen von speciellen örtlichen Einflüsse 
ich vor der Hand noch nicht anzugeben vermag, fangt ii 
90** W. L. von Greenwich unter 60° N. B. an , läuft m 
mälig wachsender nördlicher Breite durch die BaiTinsba 
Spitze von Grönland , über Island und die nördlichen 
von Spitzbergen bis etwa zum 40sten Grade O. L. von C 
wich, wo sie ihren höchsten nördlichen Punct erreicht, 
dann langsam abnehmend durch das sibirische Eismec 
oberhalb der Behrin^'sstrafse allmälig zu ihrem Anfangs 



1 8. dieses Wörterb. Bd/ I. Tab. V. 

2 Ver^I. die lehrreiche Charte in v. Wrangel's l^hysikal. 
achtun^en u. s« w* 






Bohijd^%9l%en. |S| 



rf$%lNillgIidMf& fi^gwi^ susaniiiitftii 

buAf ^Kft&pipliliPe .404i»v-Häupt8]tze die 'beiden nragnetischitfll 
IM^ Bi8#iiMt>big«rti;}^'^Auf dieter ihrer digenbifichen Lifii» 
twAbrAillgiiafti «iUmchsten ^ ' aber^ es folgt daraus Woht^ 

WHi|i)dtitMß«'>AA]mui^«Yl harmonirettf^efaeitit; 'Vcit'diiM. 
äii> it^^MAxh ^ ttoh^ 4iacl» niedere^ * und Mfatorsflt 
y^ 4ttAH g e mi » iii en solMlitd ich annehmto bis za 10 Brei- 
legi^ttol*<tert>m#iidW'Mitfiige/ Wi^wrird^^ 
NPiilidftDlitftt4Päil*n i»«ig^, 'iit' ob^n itoch eiii%« BebpMb 
Mfclä tM^ei^V'^Se^io^g a«if Mdie hbh^fM'BMttnkhüt 
iidlft^i^^'mfi^ittUiih^h NAdhricifaleiir; inswischen'^hwb« 
|ttbMfeMSct^6k«t$d'eir$i»#ad:^ ^i^lb-die mangelhdteikEr^ 
Igdia et«f>JJrth«iI itlerUbetf^ aMdateiM y ^ anUl^hmen ra dürfin^ 
tifväMiUlkertiA B^itAÜ' Btn^lftiftdlriP' zaMreilch iverden üttd 
l W4i^cfifttt Ibi^de^ >^güetts«heii Pblett'^gMnzlich fehlem 
[klk Iftlgt iMiatevwAg^) ^fo'^ed9^'.a^selb(9tt eiirtm Th^il 
tBoutf 4ia4> ibrä^ ^[M^im^>Bfeitr'trttmiifcJibt;' Vtote e^- 
ll»«siib J^ModU^AxiiferiiiBdb M^ a^b^bä^htübä^r Aiigegebe-^ 
Ütf'^AviehrtiDgliHcihctf'AösdehiHmg utili^'der Länge und 
AsH; der 'Breite. ■••- -.;•...-' .. 

..^ 1 .; c). Höhe dec Nordlichter. . 

Äai^rafger, welche Höhe die Nordlichter erreichen, bat 
ther'g^rses Ittteresse erregt;' aber ihrer Beantwortung ^te^- 
yi^K^^ttild grorse Schwierigkeiten entgegen", dafs die dar- 
erwatidten -vielfachen Bemühnti^en bis jetzt noch zu kei- 
gcnägÄideö' Resultate gifiihfrt haben. Das Nordlicht er- 
»t zuweilen als ein blofser dämmerungsartiger Lichtschein 
jend ein^ Gegend über dem Horizonte, erreicht als sol- 
»ine ungleiche Höhe und erleuchtet nicht selten einen klei- 

-oder gröCseren Theil der Himmels halbkugel mit mehr 
cireniger intensivem Lichte. In allen diesen Fällen, wenn 

eigentliche Begrenzung stattfindet, kann von keiner Hö- 
tatimmung überall die Rede seyn , und diese ist nur dann 
ich , wenn ein dunkles Segment über dem Horizonte durch 
i ziemlich scharf begrenzten Lichtbogen umgebän ist, oder 
1 ein solcher meistens mit beiden Schenkelu«uf*dem Hori- 
B ruhend frei am Firmamente steht Dürfte dieser dann als 



160 Nordlicht 

tin frei schwebendes Meteor betrachtet werden und liefse jsich 
gomit seine scheinbare Höhe aus zwei hinl&nglich «ntf ernte« 
Standpuncten messen , so ergäbe der parallaktische Winkel nA 
dejr Grundlinie die absolute Höhe desselben auf die bekannH 
Weise genau. Das Vorhandenseyn eines solchen Lichtboge«! jj 
mit hinlänglich scharfer Begrenzung wird zwar oft erwähnt, a\ii$ l 
in sehr vielen Fällen ist nicht blofs von einem , sondern VM « 
xwei und selbst von mehreren solchen Lichtbögen die Re^ : 
und y was dabei am meisten auffallen mufs , es werden nkkl i 
gelten bei einem und demselben Nordlichte an einigen Orten MT ; 
ein einziger, an andern dagegen mehrere Bögen gesehen, im ,- 
schon von selbst aus den Angaben der zwei- und vielfachen bai^.'j 
obachteten Lichtbögen hervorgeht. Schon Kirch ^ sah im Ml : 
1707 zu Berlin zwei concentrische Bögen; Maie Air erwXfatfl , 
dafs zuweilen zwei oder auch drei concentrische Bögen siohl| i 
bar sind; Polbwus^ nahm 1737 zwei und auch einen diitlii^ 
aber minder vollkommenen Bogen wahr; Bergmanbt' sagt aMft ; 
dnicklich, dafs sich manchmal zwei,- selten drei ordentliilil 
und concentrische Bögen zeigen , wie er als Augenzeuge btmto 
ten müsse , obgleich er diese Thatsache nur mit MUhe MÜfll , 
Ansichten anzupassen vermöge; Gilbert^ sah am 23* Oolli . 
1804 zwei concentrische Bögen und einen dunkeln Zwischn» . 
räum zwischen beiden, durch welchen ein Stern 3ter Gröte , 
hell zu sehen war; Potter* sah am 25. Dec. 1830 deutlisk ^ 
Bwei Bögen und zu New -York wurden am 28. Aug, J829>^ ^ 
concentrische, wenig von einander abstehende Bögen wabigi^l 
nommen^; Hoon und BiCHARDSOif sahen zu CumberiaaÜl 
House am J, April 1819 beide gleichzeitig zwei concentriscUPl 
Bögen 7, ja ersterer behauptet im Allgemeinen, die 2^bl dM^ 
Bögen übersteige selten fünf, sey aber auch selten nur auf eindl^ 
beschränkt, und versichert, dafs er oft drei concentrische 
gen nahe am nördlichen Horizonte gesehen habe, deren ei 
Strahlen scho£s und farbig war, die beiden andern aber gleicht; 




;V 



)' 



1 Mem. de Berlin. 1707. p. 11. '^ 

2 Sopra rAarora boreale. Vergl. Miscell. Berol. T. I. p. 132. 
S Schwed. Abh. Th. XX VI. S. 266. 1 

4 Ann. der Phys. XVIII. S. 155. 

5 Edinb. Joorn. of Sc. N. S. No. IX. p. 29. 

6 Abo. Ch. Phys. XXXIX. p. 413. 

7 Karratif e of a Journey etc. p. 539. n. 542. 



Hohe deaaelbeo. 161 

iTomchwachtfm Lichte; überhaupt erwiihDtFjiAVKLiar^ 

Ute der von ihm. zu Fort Enterprise gesehenen Nord* 

y oft die Akiwesenheit von swei und mehr concentri- 

ijgen y dab diese Thatsache unmöglich irgend einem ge- 

n Zweifel unterliegen kann. In einer ganz andern hoch- 

n Gegend, nämlich in Finmarken, beobachtete Kkil« 

de Nordlichter und sagt, dafs meistens über oder un- 

Hanptbogen noch ein oder mehrere concentrische gebil- 

len. Selbst bei dem neuesten Nordlichte am 7. Jan. 

bachtate Sksvw die Bildung eines zweiten Dogens, wel- 

loiberg, in Berlin durch Poooevdorff und Klödbv, 

ild durch Eocv, in Utrecht durch VAV Müll^ in Gos- 

h BuAVEY, in Woolwich durch STuaoiov gesehen 

in Paris aber sah Pbtb£ sogar drei concentrische Bö- 

eiche auch in Wien vorhanden waren, obgleich sie 

I zur Vollständigkeit gelangten^. So lange es hiernach 

fwifs bleibt oder sogar unwahrscheinlich wird, dafs 

achter gleichzeitig den nämlichen, mithin auch die 

. Lichtbögen sehen , kann eine Messung ans dem pa-> 

en Winkel derselben gar kein Vertrauen einflöfsen. 

sziehung auf diese Nordlichtbögen ist noch Folgendes 

Len. IVIeistentheils haben dieselben die Form des Krei- 

Verden auch in der Regel als kreisförmig betrachtet; 

n kann der gesehene Theil des Bogens schon nach op- 

»setzen leicht eine hiervon etwas abweichende Gestalt 

und diese wird zuweilen die elliptische genannt« 

AVSTEEfi^: „ die Erfahrung zeigt , dafs der Nordlicht- 

Theil eines ganzen leuchtenden Kreises ist, welcher 

iwissen Höhe über der Oberfläche der Erde schwebt ; 

in unsern hohen nördlichen Breiten sehen wir ihn bis- 

7tnn seine lothrechte Höhe über der Oberfläche der 

i, sein Durchmesser aber klein ist, etliche Grade über 

ichen Horizonte in der Gestalt einer ganzen sehr ex- 

n JLUlpse.^' Auch Maupertuis® und seine Begleiter 

md. p. 554. 

XC. 619. 

igendorir Ann. XXU. 439 u. 466. 

ener Zeitschrift. Th. JX. S. 213. 

(gendorff Ann« XXB. 483. 

^clop. meth. ParL Phyi. T. f. p. 369. 



1Q2 Nordlicht. 

sahen unter ungefähr 54° ,5 N. B» einen elliptischen Bogen » ntii 
MoROZZo^ berichtet, daCs das- von ihm zn Turi» am ^ Fete 
1780 gesehene Nordlicht aus einem elliptisehen Bogen mit viit^. 
ticaler Axe bestanden habe, RiCHARDSOfli' aber, obgleich QMk 
Dalton's Angabe geneigt, die Bögen stets für kreisförmig' i|L.^ 
halten, sagt aiisdnicklich , er habe sich durch den Augensohlitei 
überzeugt, er sey nicht jederzeit ein Kreissegment, selbst weMJ 
er zum Zenith hinaufsteige , sondern nehme zuweilen eine AVf^ 
tische oder sonstige Gestah an. Auch Maupertui» in-ttiill'.' 
oben mitgetheilten Beschreibung der unter dem Polarkreis» glN- 
sehenen Nordlichter sagt ausdrücklich, dafs die Bögen häofi^Ma 
Gestalt einer Ellipse annehmen , deren gröfster Theil über JuMrl 
Horizonte sichtbar wird, und auch Parhy erwährit^ ^i^-ScbiiriPJ 
kel des Bogens bei dem gröfsten von ihm gesehenen NovdlioMfej 
hätten sich etwas gebogen , so dafs eine etwas über den Hdllkj 
zont sich erhebende elliptische Gestalt hervorging. - Die.EiUlil|| 
jung scheint mir nicht schwierig , wenn man von MoBOzi0te4 
Angabe der verticalen Richtung der Axe , als einem abnoniN#j 
Falle, abstrahirt, denn auch der bewölkte Himmdl hat din'Gl^ , 
stalt eines gedrückten Gewölbes und aus gleic^ien GröilMt 
kann der Nordlichtbogen in Folge optischer Täuschung ik^ ■ 
Form einer Ellipse annehmen , insbesondere wenn die ErleiV 
tung im Horizonte etwas stark ist. .'>^:\ 

Ferner aber kommen diese Lichtbögen , weder die 
eben , noch auch die in der Mehrzahl , selten in einem Ang 
blicke vollständig zum Vorschein , sondern meistens erhebt sii 
zuerst an einer Seite des Horizontes, zuweilen an zweien glei 
zeitig, also in der Regel im Osten und im Westen, eine Li 
säule, steigt einzeln oder beide steigen gleichzeitig empor 
vereinigen sich mit gleichen oder ungleichen Hälften zu ei» 
unvollkommenen Lichtbogen. Hood^ sagt daher von seil 
zahlreichen Beobachtungen zu Cumberland - House , deiP 
gentlichen Sitze der Nordlichter, im Allgemeinen : „ 7fi^ « 
cloes not always mähe itsfirst appearance as an arclu It 
times risea from a confused mass of light in the east or wvAA 
and crosses the sky towards the opposite point, ex/äbüi 



1 M^m. de l'Acad. de Turin. T. IT. p. S28. 

2 Narrative of a Journev etc. p. 597. 
8 Ebend. p. 542. 




Hohe dettelben« 183 

• 

}fhiam9 or eofonae boreaUs in iiw way*^ Der Licht- 
tfamt jedoch niclit allezeit wirklick sa Stande , sondern 
thrt zalvwlen oar die unteren Theile desselben, za\rei* 
; nur einen einzelnen Ton diesen, woraus mir die An- 
BlKrMioth werden , dafs so oft Nordlichter oder nordlicht- 
jkMtheitie in N. O. oder N.W. und, wenn die Beobach- 
Ufer hohen Breiten befinden, in S. O. oder S. W. gese- 
flK^i -Vielleicht läfst es 4ioh hierauf zurückftUiren, wenn 
■Bft0S&* angiebt, das 1730 gleichzeitig zu Toulouse 
l^esehiene Nordlicht eey ein doppeltes gewesen , weil 
ieren One in W. N. W* y am andern in O. N. O. ge- 
»de; i rVermuthlich kam nämlich an beiden Orten nur 
iles^Bogens, und zwar^der entgegengesetzte, zum Vor'» 
Üliiier andere sieh flicht hoch genug über den Hori- 
il^'; ■= Solche Stücke uoToUendeter Bögen scheinen mir 
Uer Sdreifen gewesen' zu eeyn, welche Stdaoioh' 
liSäl vom östlichen Theile des Nordlichts aufschie- 

1^ demnach schon die Mehrzahl derNordlicfatbtfgen die 
hm Htiie unsicher madhl^ insofern sogar der eine 
lodere derselben den mehreren Beobachtern durch 
srdeckt seyn konnte, so wächst diese Unsicherheit 
durch die Unstetigkeit dieser Lichtbögen, welche fast 
{eringerer Höhe über dem Horizonte gebildet werden 
Mm mit ungleicher Geschwindigkeit nach dem Zenitli 
•r dasselbe hinaus bewegen. Diese Thatsache^ welche 
m allgemeinen Beschreibungen der Nordlichter nur 
htet zu seyn scheint , läfst sich durch die gewichtig'* 
hb%^ vollständig beweisen. Schon Bbrtholon^ er* 
itk durch vielfache Beobachtungen ausgemachtes Re«> 
» die Höhe der Bögen von V bis 40® verschieden 
•ährend der Dauer des Phänomens wechsele. Eben 
Fabquharson^ mit dem Znsatze, daCi die Bögen 

td« {• 2497. Toloiat in occasu aestivo, PariziU in ortu 

|. Hist. de PAcad. 1731. 
(«Ddorff a. a. O. Th. XXIL 
dop. m^üi. T. I« p. 369« 
b. Phil. Jonrn. N. XVL>. 309. 



L2 






164 Nordlicht. 

sich. nicht blols überhaupt, sondern auch mit wechselndet 
schwind] gkeit bewegen , indem ein Bogen zuweilep den R 
von 45° über dem nördlichen Horizonte bis 30° südlidi ' 
Zenilh iin 30 Minuten zurücklege, und zwar sey diese Gaach^ 
digkeit bei stark leuchtenden am gröfäten , statt da£s man za 
dem Zeiten die Bewegung kaum wahrnehmen könne. £ 
derselbe ^ beschreibt deutlich das alimälige Aufsteigen und 
liehe Verschwinden der zwei Bögen des Nordlichts von 
Nov. 1823, ja es bildete sich sogar nocli ein dritter Bogen^ 
chQr jedoch bald wieder verschwand« Auch am 9« Sept.' 
waren zwei Bögen deutlich sichtbar, welche, beide sich mi 
Zeit höher erhoben. Farquhaasoic schliefst daher» dal 
von Daltoit angegebene Verfahren zur Bestimmung der 1 
des Nordlichts unzulässig sey , weil dabei stets nur ein ein 
Bogen berücksichtigt werde. Endlich erzählt auch Ho 
dafs die niedrigsten von ihm zu Fort Enterprise gflseli 
Nordlichtbögen nicht unter 4° Höhe hatten , dann aber, 
dem Zenith aufstiegen, ja es habe sich nicht selten ereignet^ 
ihre Theile sich mit ungleicher Geschwindigkeit bewegten 
dem ihre höchsten Puncte zuweilen 60° bis 70° über das Z 
hinausgingen , ohne dafs ihre unteren Enden merklich vo 
Stelle rückten. Umgekehrt aber kamen zu Cumberland-i 
die unteren Enden der NordÜchtbögen zweimal bis zum 
und West - Puncte des Compasses, während die Scheitel 
nur bis zu 10° über den Horizont erhoben. Auf gleiche \ 
berichtet Laiolaw' von einem am 5. Oct. 1830 zu Roxbi 
shire gesehenen Nordlichte, dafs sich der Bogen um seil 
Horizonte liegende Axe zu drehen schien , und Potter * c 
diese wachsende Erhebung durch seine Messungen bei 
Nordlichte am 20. Febr. und 25- Dec. 1830 über allen Zm 
Endlich erwähnen auch Coldstheam und Foggo * vor 
Bogen des grofsen Nordlichts am 29» März 1826, dafs sie 



1 Phil. Trans. 1829. p. 103 u. 115. 

2 Narrative of a Journey cet. p. 5S0 u. 532. 

3 Edinb. Journ. of Sc. New Ser. N. X. p. &S2. 

4 Ebend. No. IX. p 25. 

5 Ebend. No. IX. p. 190. It soon cvineed a decided ] 
towards tlie South, und in few minutes rcached our zenith 
the arch continued its motion towards the South und in 15 n 
passed through a space of about 20 degrees. 



Höhe denselbeii. |65 

UmaUg sich erheben und in ungleichen Zeiten verschie« 
2ine durchlaufen sahen, einmal mit solcher Schnelli«^- 
r« er wahrend 15 Minuten !>0 Grade zurücklegte. Auf 
ili geht also aus diesen Thatsachen hervor, dafs die 
rb(5geii keineswegs einen sicheren Anhaltpunct zur 
ihrer Höhen darbieten, weswegen auch IMusschex-* 
lieselbe als ganz unstatthaft verwirft. 
kich Also aus diesen und anderweiti;: leicht sich ej^9- 
lünden von den Messungen der llOhen der Nordlichter 
eutenden Resultate zu erwarten sind, so möge die Auf- 
bt hier doch kurz erörtert werden. Allgemein und 
h betrachtet begreift dieselbe mehrere Fälle in sich, 
doch insgesammt auf folgende zwei llauptclassen zu* 
len , dafs nämlich der zu messende Uogen beiden Be— 
Wtweder noch der nämlichen oder nach entgpgenge- 
iteh lieot. Die Fülle der erster en Classe kommen bei 
i' häufigsten vor und zerfallen wieder in zwei Arten, 
iafs beide Beobachtnngsorte unter demselben oder un- 
iedenen Meridianen liegen, und es kann dieser Me« 
ir ohne sehr bedeutendis Unterschiede der astronomi- 
, besser aber ist es auf jeden Fall, den magnetischen 
, weil die Aordlichtbögen auf diesem meistens lolli- 
!n. Am einfüclisten ist die Aufgabe, wenn beide Be- 
iorte an der iikiiilichen Seite des Nurdlichtbogens und 
Iben I^Ieridiane lit'gen , weil dann die Chorde des 
elenden Bo;:ens der Erde , die man für diesen Fall 
Kugel betrachten darf, die Basis eines geradlinigen 
lebt, worin aiifser dieser die beiden iJir anliegenden 
kannt sind, mithin der parallaktische Winkel sich von 
ebt und die Auflösung ganz elementar wird. Lie- 
beide Beobaclitun"sorte nicht unter dem nämlichen 
so bleibt die Aur';;a!)e auflöslich, wenn die Richtung 
ogens als bekannt und seine Jlrhebung über der Erde 
gleiclimäfsig angenommen werden ; im entgegenge- 
le wird sie unmöglich. Für die zweite liauptclasse 
>menen, nämlich wenn beide Beobachlungsorte an 
«etzten Seiten des Lichtbogens liegen, fuidet ganz da& 
fftatt. 

iduct. a. 2502. 



V 



166 Nordlicht. 

Da ich einmal die Ueber^eiigang hege , dafs die Höhenmil-«' 
suDgen der Nordlichtb($gen der Wissenschaft keinen bedenUtt« 
den Gewinn tragen werden, so verweile ich uh'gerlj^bbi dMx 
Aufgabe ; inzwischen scheint mir Folgendes anf' 2weckdi'entMip 
sten zu seyn. Wenn einem Beobachter gerade wp schicklich 
Gelegenheit za Theil wird, einen kenntlich begrenzten od 
mindestens einige Zeit stillstehenden Nördlichtbog^n 'titi aehi^ 
so thut er wohl, zu einigen wiederholten Malen entweder'Vfr 
mittelst eines Werkzeuges oder durch die Projecti6ti dei^'w 
sichtslinie nach einem kenntlichen Sterne, dessen' Ökt tälPM 
Beobachtungszeit leicht auszumitteln ist, wo thöglitdh'geiiiM 
der Ebene des magnetische^ Meridians die Höhe di^selMWIl 
messen, in der Erwartung, dafs vielleicht e(ne zw«it^, ibit^^H 
der seinigen correspondirende Messung zum Auffi'n^6if' AllFffJ 
rallaxe benutzt werden könnte.'' Trifft sich diesem tiiid' '*" 



Fig- der durch die beiden Beobachtungsorte A und B ^^henäe'llii 
' eines gröfsten Kreises auf der Erde als ein solcher :^u trettUl 
ten, dafs der gleichzeitig beobachtete höchste PuhctiY dtslM 
lichtes in eine durch ihn und das Centrum der £]^ gd4|l 
nach dem Himmel verlängerte Ebene fällt, so sey AC'Äsi# 
= D C = r der Halbmesser der Erde, o der im Beobachtoii^ 
orte A und ß der im Beobachtungsorte B gemessene HdM 
winkel. Es sey dann ferner der durch den zwischenliegettll 
Bogen der Erde gegebene Winkel ACB = c, der Widl 
B C D = X und die lothrechte Höhe des Bogens über der Htj 
oder ND = h , so ist ANC = 90° — (a + c + x); B*i^ 
= 90° — (/? + x); NAC = 90* + a; NßC = gO«+i 
Ferner * ^' 

AC : NC = Sin. A NC : Sin. NA C , * 

BC:NC = Sin. BNC:Sin. NBC, 
oder '^* 

r : (r + h)= Cos. (« -|- c + x) : Cos. a= Cos. (ß + x): Co8.ßi 
woraus man erhält : 

r . Cos . a = (r + h) Cos. (a + c + x) 

I , r [Cos, a — Cos. (u + c "f" ^)] 

Cos. (« + c -f- x) 

2r.Sin.(« + i±-").Sin.i±-". 

"^\ Cos. (a 4- c -j- x) 

ü.m aber x durch bekannte Gröfsen auszudrücken, ist: 



H51&e deflflelbeu. 167 

CoB. Co + c 4* x) Cos. a 

piH^nuD die Wertht des Zählen und Nenners entwickelt 
);CQf»x dividirt, 

ir Tjrtig^ X =s Cos. o — Cos, (a + c) 

■ Cos. a Tang, (i — bin, (« + c) * 

I «IteroB Physiker, namentlich auch MaiaaV| fiihhea 
JinlaTst, die Höhe der Nordlichter sehr hoch zu setzen, 
ta oben erwähnte, durch Gassendi beobachtete von 
Utft.in^ganz Frankreich und bis nach Syrien hin, also über 
loderfläche von mindestens 12 Breitengraden, gesehen 
|Wyn» £in anderes vom 17« März 171t) wurde sehr hoch 
nnd zugleich auf einem englischen Schiffe an der spa- 
KLüste unter 46** 30' N. B. wahrgenommen , aber am 
kten war das grofse NordUcht vom 19* Oct. 1826, wel- 
Moscau, Petersburg, Warschau, Neapel, Madrid, 
und Cadix gesehen wurde und also dem neuesten 
pD. 1831 kaum^ nachstand, welches im Gouvernement 
\ und Orenburg , in Dorpat , Riga , Königsberg , War- 
SLrakau, Breslau, Wien, Triest, München, Genf, 
Uuecht, Paris, Versailles, Gosport, Bedford, Wool- 
hristiania , Christiansand , Stockholm , Upsala und au 
nzelnen Puncten innerhalb dieses grofsen Kreises be- 
"worden ist^. Man würde daher keinen Anstand ge- 
haben, die Höhe der Nordlichter, deren eigentlicher 
L obendrein der Pol selbst seyn oder diesem nahe lie- 
», als aufserordentlich hoch zu betracht«n^ wenn nicht 
land dieser Meteore, mithin ihre Theilnahme an der 
g der Erde , zu der Folgerung geführt hätte , dafs sie 
K in der Atmosphäre haben müfsten, die jedoch nach 
Ahnungen aus der Höhe der Dämmerung und der Länge 
ksilbersäule im Barometer die zur Erklärung der Nord- 
forderliche Höhe nicht wohl haben konnte, weswegen 
Bigt war , die aus der Parallaxe des gesehenen Bogens ' 
I so gering als möglich anzunehmen* 
r»t stellte F. C. Maiek^ in seiner ausführlichen ße- 



i^eodoriF Ann. XXII. 435. 

um. Pet. T. I. p. 351 und 365. Anni 1726. Ib. T. IV. p. 

r 
•. .■ 



i 



168 Nordlicht. 

Schreibung der Nordlichter eine rFormel zur Bemobnung ihi 

Höhe blofs aus der. Polhöhe des Baobachhingeortesy • a«8 i 

Höhe und Weite des Bogena .mil^der VoräusseHbung aefy di 

sein Centrum in der. Erdaxe liege. ■ Nach > dksief lievteKi 

Kaaft^ aus einigen genauen Beohbchtungen ihre Höhe eu 12^ 

bis 1453 u°d sogar 281,9 geograplüachen Meilen. < Am bekan 

testen ist die Angabe Mairan's:^ geworden, welcher 'aus d 

am 19. Oct. 172Ö von Godin zt^.Paris in 37' Höh* «ind' vi 

Cardinal PoxaoNAC zu Frescati bei Rom gesehenen Lichtbo| 

die Höhe d^s^elben an 266y75 fcanaösischen oder'l<6@''geo^ 

phischen Meilefi. annimmt. .£ine Menge Berechnungen w 

der durch Kraft verbesserten, MMer'solien Formel hat T.Bsi 

MANN^ mitgetiheilt , ..wonach die lothrechte Höhe von 30 gam 

senen im Mittel 72 9 als Minimum -30. und als Maximum 1 

schwed«. Meilen beträgt , zugleich 'aber bei einem, naeUV 

schiedenheit der/Voraussetzungen, zwischen 20 und 130 s«h^ 

Meilen schwankte Boscoyioh^ setzt die Höhe des im^ Ji 

1826 gesehenen auf 720 und des rgrofsen von 1737'C^ufl 

italienische Meilen ; Blagden^ folgert aus der weiten fitttf 

nung, wo sie gleichzeitig gesehen werden, dafs sie »othw 

dig über die Höhe des Luftkroises hinausgehen müTsten, 1 

Cayendish^ findet durch Berechnung ihre Höhe zu 52 und 

geographischen Meilen. 

Ich möchte alle diese Bemühungen zu den alteren zäh 
weil sie insgesammt sich auf die Nordlichter aus der frühe 
bereits verflossenen, grofsen Periode beziehen. Sobald sie n 
der langen Unterbrechung sich wieder zeigten, wurden auch 
Versuche zur Bestimmung ihrer Höhen wieder erneuert, 
erst geschah dieses durch Gilbert^ bei dem am 22. Oct. 1 
von ihm in Halle und von Wrede in Berlin gleichzeitig be 
achteten Nordlichte , dessen Höhe er 50,8 geographische Me 
und zwar so findet, dafs der Mittelpunct desselben gerade i 



1 Ebend. T. IV. p. S41. 

2 llist. de l'Acad. 1731. Ausfuhrl. in Traitrf de TAurore bor 
Sect. lU eh. 3. 

S Schwed. Al)li. D. Ueb. Th. XXVI. S. 200. ff. 

4 Dissert. de aurora bor. cct, p. 8. VergU Hüttok Dict. I. 

5 Phil. Trans. LXXIV. p. 227. 

6 Phil. Trans. 1790, p. 32. ff. 101. 

7 Ann. d. Pliyg. XIX. p. 103. 



II ölie' dasselbe ih IQO 

vg «irtcr 59* 2*^.0; gelegen hätte , nach andern, 
hhA aas Wkiob'-s Beobachtartgen henrorgehenden 
an vriiid« jedoch 'desien- Höhe mehr als das Dreifache, 
9t77'<gBOgT« Meilen betragen haben. Eine Menge Be^ 
^n Jiad von Daltow ^ angestellt worden, deren Resultat 
kneinen darauf hinauskommt , dafs bei einem die Höhe 
OreÄgla Meilen, bei dem am .29» März lcS26 gesehenen 
lischt oder ungefähr 33 framzösische^,' bei den am 17* 
){UDd 37- Dec. 1M27 gese^nen mindestens 100 engL 
flttsragen sollte, worin er dann Uebereinstimmnng genug 
MCeHfihe allgemein' za sehr nahe 100 engl. Meilen an^ 
kK 'Für die Voraoseetzung , dafs die Gesichtslinien 
^er-viehrerer Beobachter sich in dem nämlichen Puncte 
lidbitbbgens schneiden, giebt KlIIgel^ eine allgemeine 
m Bcnrechnung ihrer Höhen, auch könnten unter dieser 
gifiiglich die für die Sternschnuppen von W. Baav- 
tgaibeilten Rechnungsmethoden in Anwendung ge«- 
!|tien , allein hierauf ist nicht allezeit sicher zu bauen. 
::hat die ganze Aufgabe ansführlich untersucht, eine 
sxmel der Berechnung aufgestellt und findet hiernach 
tpondirenden Beobachtungen su Gosport und Manche«- 
lehe beide Orte unter dem nämlichen magnetischen 
j liegen, die Höhe des am 12. Dec. 1830 gesehenen 
ach Verschiedenheit der unsichern Bestimmungen zu 
)9 oder 134 engl. Meilen, des am 29. Sept. 1828 eben- 
ibobachteten zu 197 bis 218 engl. Meilen. Auch das 
ivdlicht vom 7« Jan. 1831 gab Veranlassung zu einigen 
tigen. Christie^ unter andern findet aus seinen lisr- 
jen zu Blackheathr und den gleichzeitigen von Haaiiis 
I- Court die Höhe des gesehenen Bogens unter ver^ 



(teorolo^ical observations and Essays, p« 09* 
rgh Ann. Ch. Phys. XXXVF. p. S05. 
il. Trans. 1828. p. 291 — S02. 
XIX. 115. 

kxEifBEaG Über die Bestimmung der geographisclicn Länge 
ichnnppen. Hamb. 1802. S. SS. Brakdbs Unterhaltungen £ur 
ler Physik and Astronomie. Heft 1. Leipz. 1825. 
Unburgh Jouro. of Sc. N. S. No. IX. p. 23. iF. 
■rn. of tho Roy. Inst. N. If, et IXI. Poggeudorff Aon. 

I 



^ 



170 Nordlicht. 

schiedenen VoraussetzuDgea 25,7 oder 14|86 ^er 4,9 
Meilen, unter welchen Bestimmungen- die letxterei«iliii] 
wahrscheinlichste dünkt i weil aas der Derecbnuog eines 8 
gesehenen Bogens 4,7 engl. Meilen hervorgehen. Endlicl 
det Hanstibn^ mit Benutzung seiner oben von mir mitgel 
ten Formel aus gleichzeitigen Beobachtungen su Berlin 
52© 22' N. B. 3r 9' L.und Chrietiansond unter 58® 12' 
QS"" 22' L., da die Höhe des Bogens in Berlin 12^ 30' nOn 
zu Ghristiansand 11^ 43' südlich vom Zenith gemeasen ^ 
die lothrechte Höhe dieses Bogens =s 26,3 geogr. Meilen; 
-OBarDORFF aber glaubt, dafs man dieselbe nur =^ .18,67 IM 
annehmen dürfe , da die Höhe des Bogens zu Berlin schw 
mehr als 8^ betragen habe. 

Ein Ueberblick der hier mitgetheilten Bestimmungen 
sich leicht noch bedeutend vermehren liefsen, fuhrt zu den 
sultate , dafs die gemessenen Höhen der Nordlichter swi 
die weiten Grenzen von etwa 1 bis 150 geogfaphiscben IV 
falle». Wollte man die älteren Messungen als minder | 
verwerfen, aber die von Potter als gültig betrachten , so 
ben die Extreme immer noch 1 und 50 geograph. Meilei 
mit Weglassung der kleinsten englischen 4 und 50 gepgr; 
len. Diese weiten Grenzen geben Grund genug, zu gla 
dafs die Messungen dieser Art überhaupt keine genügende! 
sultate geben können, eine Vermuthung, welche eine ai 
lende Unterstützung in den zahlreichen Beobachtungen £ 
nach denen die Höhe der Nordlichter nicht blofs die viele 
genommenen Meilen keineswegs erreicht, sondern in zahlre 
Fällen vielmehr sehr gering seyn mufs. Schon F. C. Mi 
setzt sie nach zahlreichen eigenen- und vielen älteren ihn 
kennt gewordenen Beobachtungen in die Region der hö! 
Wolken und bemerkt ausdrücklich, dafs oft die feinsten Y 
chen über ihnen gesehen würden, Kraft ^ behauptet ai 
Aug. 1737 das Nordlicht zwischen vielen geth eilten W< 
gesehen zu haben, welches eben so am 25* Nov. 1744 



1 Poggendorff Ann. XX. 48S. 

2 Comm. Pefc. L p. 354. Saepe accidit, at nubes aliquae 
reaat, quae altiores sunt, quam quas lux borea sub so rcli 
Vergl. p. 364. 

S Comm. Pet. IX. p. S60. 



Höbe desselben. ^| 

K iT46 4» Fall «mr'. Erat seit Mauav hat sich die 
eajgfthg^ allgetneift veriNrcitat-, die Nordliofaler miilsten 
eehvssnf«, aber die {Beobachtungen unterstützen diese 
rgB^4eiiwfsweg6. Bsr#M(Avi^ findet es nach den ver- 
oeir'behannt gewofdenen Messungen unmöglich, dab 
dlfJhter bis zu der Wblkenschicht herabsteigen können, 
rSeonoch am 17> Oct« 17()3 die strahlende Erscheinung 
lALidie feinsten WoÜLeD erstrecken. Nach WARoiVTia's 
l^ttS^"ltsgt6idSLEK in Folge eigener und sugleich mit 
I4r «Umgestellter Beobachtungen im nördlichen Schweden, 
Ar das Nordlicht sehr: hoch in der Luft zil seyn scheine, 
ene "höher als die gewöhnliche Wolkenschicht, aber 
L habe man überzeugende Beweise , dofs es mit der At- 
fV^'in Verbindung stehe und sich oft bis nur Berührung 
4Brde in derselben (herablasse. FAmQUHARsoir ^ meint 
ieen- «ahlreichen Bcobachiungen in Aberdeenshire unter 
!P.B., dab die unteren Bnden der Nordlichtstrahlen sicher 
•gewöhnlichen Weilkenschicht , nämlich bis etwa 2000 
et der Erdoberiläohe, herabgehen ; die oberen möchten 
)00 bis 3000 F. höher seyn und auf jeden Fall liege 
k>n «derselben in der der Wolken oder da, wo die Ver- 
gen der Dampfe und Dünste statt finden. Hiermit stim- 
r Aussagen aller derjenigen überein ,' welche die Nord- 
Ri der Nähe ihrer eigentlichen Sitze sahen, und wenn 
p Wrahgel^ und Anjou diese ihre tiefe Herabs^nkung 
wahneri, so möchte ich die Ursache hiervon in dem 
le suchen , dafs sie sich nicht in der den Nordlichtem 
i) angewiesenen eigentlichen Zone befanden. Thievb- 
setzt sie nach seinen Beobachtungen auf Island in die 
der Wolken, und mehrere ältere Reisende, welche sich 



lov. Gomm. Soc. Pet. I. p. 144 n. 149. Inter nabem quasi lu- 

Inter nubes fere continuas delitesc entern. 
Nshwed. Abhandl. D. Ueb. XXYI. S. 258. 
Ibead. XY. S. 86. 

Idinb. Phil. Journ. XVI. p. 304. N. S. Xll. p. 392. 
jbswischea sagt doch auch v. Wrakgbl Phys, Beob. S. 60, : 
lldlicht erstreckt sich nicht immer in die höheren Regionen, 
; kommt bis zu einer bedeutenden Mähe der Erdoberfläche 



jkdiDb. Phil. Journ. XX. p. 366. 



I 



175 Nordlicht. 

im Boheii Norden laufhidten, erzählen wiederholt , sie se 
von ihnen ganz umgeben gewesen. Nach Biot*, welch« 
anf den shetländischen Inseln beobachtete , sind sie über 
Wolken, denn diese ziehen unter ihnen hin und werden 
oben erleuchtet, aber sie müssen im Bereiche der Atmospl 
seyn, weil sie an der Bewegtirig der Erde Theil liehihen, 
werden also du^ch "Winde und Lüftsfrömungen gestört. W 
man nicht verkennt, dafs sich in dieses Urtheil theoreti 
Ansichten eibgemischt haben und die Voraussetzung ' 
herrschte, sie thüfsten bedeutend hoch seyn , so muf^ dasjei 
was als das Resultat reiner Beobachtung erscheint, so' viel i 
Gewicht erhalten. Biot setzt nämlich hinzu, äafs' eihz 
Strahlen der Nordlichter viel niedriger seyn müfsteri, ur 
selbst habe -einst. 'eifie Wolke aufsteigen gesehen, welcHe 
Herd des phosßhotischen Lichtes in sich trug, so dafs d 
bald vor ihi^ herzog, bald zurückzubleiben •schien upd 
Ränder erhellte.^ * FAliQüHARSotf^ geht in seinen spslterii 
hauptoiigen noch weiter, als in seinen bereits erwähnten 
hern, indem er berichtet, dafs bei einigen von ihm geseh 
Nordlichtern kein Augenzeuge' zweifeln konnte , ihre'Strs 
kämen nicht aus den Wolken, aus denen sie hervorsblio 
aber am 25* Nov. 1825 habe er deutlich wahrgenommen , 
dieselben nicht höher waren als die feinsten am Himmel sc! 
benden Wolkenc Bei einem spätem am 20. Dec. 1829 
zwei Beobachtern an verschiedenen Stationen gesehenen IN 
lichte bestimmt er aus der ungleichen scheinbaren Erhebung 
Bogens die Höhe zu 4000 Fufs und glaubt, dafs die dur 
Wolken, aus denen die Strahlen aufzuschiefsen scheinen , n 
anderes als die nächstgelegenen Hügel seyen, wenn diese S 
len im Horizonte sichtbar werden ^. 

Am gewichtigsten müssen wohl die Aussagen der e 
sehen Reisenden seyn , welche die Nordlichter mit vorzügl 
Aufmerksamkeit an der Nordküste von America und auf 
angrenzenden Meere beobachteten. Parry* und seine Be 
ter, obgleich sie sich die meiste Zeit jenseit der eigentli 



1 G. LXVir. 20. 

2 PhU. Traos. 1829- p. 113. 
S Ebend. 1830. p. 105. 

4 Journ. of a third Voyage cet. p. 170. 



Höhe desflielben. I73 

lini^ befanden, hielten manche derselben für sehr nah« 
7. Jan. 1825 s%hen mehrere derselben zugleich einen 
i zwischen ihrem Standorte und dem nur 30(iO Schritte 

Lande herabsckiefsen. Scohesst^ ^gtf das Nord- 
inter öy N. B. so tief herabgekommen, dafs die Strah- 
Ätzen der Masten zu. berühren schienen. Vielfach und 
übereinstimmend sind die Zeugnisse Faanklxs's, Ri- 
ll'^ und HooD^Sy. welche bei ihrem Aufenthalte an der 

America's den Beobachtungen des Nordlichtes viele 
grofse Aufmerksamkeit widmeten^. Nach Hqod war 
il 1819 der leuchtende Strahl dea Nordlichts zu Cum* 
louse 10® über dem Horizonte hoch , in einer Entfer- 

nur 55 engl* Meilen nach S, S. W« aber konnte ea 
l|en werden , und da Baume die Aussicht am ietzteren 
bis zu 5^ über den Horizont wegnahmen , so konnte 
rechte Höhe nicht mehr a)s 7 engl. Meilen betragen« 
il stand ein Nordlicht zu Cumberland - House im Ze- 
! zu Basquieau - Hill unter 53** 22' N. B. und 103' T 

erschien es als ein bleibender Bogen von nur y^Htfhe, 
o seine absolute Höhe nur 7 engl. Meilen betrag ; am 

Tage veränderte sich seine Höhe zwischen 6 und 7 
Fhaaklin behauptet sogar ^, dafs das Nordlicht zu 
prise am 13. Febr. 1820 bis unter die Wolken herab- 

auf jeden Fall die dem Beobachter zugewandte Seite 
m erhellte; überhaupt aber müsse er aus seinen Beob- 

schliefsen , dafs dasselbe zu verschiedenen Zeiten 
eiche Entfernung habe. Uebereinstimmend hiermit 
HooD^, dafs FuANKLisr und Richahdsos am 13« 
Nordlicht zwischen der Ercle und den ^yolken gesehen 
r selbst aber sah die Zweige eines Nordlichts am 13« 



jebuch einer Reise a. s. w. 8. 31. 

Tative of a Jonrney to the shores of the Polar- Sea in the 

9, 20, 21 and 22 by John Franklin cet. Lond. 1823. 4. 

trative cet. p. 551. Es sey mir erlaubt zu bemerken, dafs 
lache im Beobachtnngsjournale p. 559« noch weit bestimm- 
sben ist, als in der allgemeinen Uebersicht, und mit dem 
iars die unter den Wolken hingehenden Strahlen diese so 
ickt hätten , bis sie unter ihnen weggezogen waren, 
tratire cet, p. 583. 



174 Nordlicht 

Marx 1821 SU Fort Enterprise rtm N. W. her über ü^ umieit 
Fläche einer weifsen Wolkenscl^cht hinstreifen ^ 4eren ob^Mf- 
Rand 80 Fafs Abstatad vom untern hatte. Das Neinilioirt Mf'^ 
sich in einer Höhe von 70** hin und konnte also tiitht bObl^ 
als zwei engl. Meilen seyn, wenn man die Höhe dei* WolkE#i>'*^ 
au 1,5 engl. Meilen annimmt. RiCBARDSOir^ behaupt^ethifF^^-i 
zahlreicher Beobachtungen^ dafs er das Nordlicht deiitlioh trtittff 
den höheren Wolken und in d^r Region derjenigen ftfilM' 
Wolken gesehen habe, welche sich nicht hoch über der'Erl««^^ 
Oberfläche zu befinden pflegen. Bndlich sagt auch FftAlTItutf^^ ; 
von seinen Beobachtungen' am Bärensee, dafs sie die'Htfheditfb 
Nore^liohter zwar nie direct gemessen , aber bestiiAmt jtt ipeUüM 
ten Fällen unter den Wolken gesehen hätten, ja «in^ 'sahRi^t; 
CHA1180V s^hr deutlich ein hellstrahlendes Nordlicht'^ '9^bt§^§i^. 
KiiffDÄt., welcher die Wache hattif und also auf deSMU'Sfh 
fcheinen bestimmt achten muTsVe, gar nichts davon wiikklraMJkiilft 
obgleich er nur 20 engl. Meilen ^on jenem Orteebtf^t WaA^^Ll^ 
Bei der ganzen vorliegenden Untersuchung wiai^' ^faiMltfß 
allezeit blofs von dem NordlichtbogeA die Red« , lAclik . hInIp^ 
von dem Lichtscheine im Horizonte, noch auch von -disnr'lini^'' 
atens röthlichen Lichte , welches sich häufig über eineij- g^iU^ 
ren oder gröFseren Theil der Himmelskug«! , zuweilen über Air 
ganze sichtbare Firmament verbreitet und über dessen' Höht ik>- 
wohl überhaupt ausnehmend schwer, wo nicht unRii>gl ich seyn 
dürfte, irgend eine Bestimmung festzusetzen. Wenn es siek 
iho blofs um die Höhe der Lichtbögen handelt, so geht aoi , 
den beigebrachten zahlreichen Angaben so viel unverkenaM^- 
hervor^ dafs sie gewifs ungleich hoch über der Erde erhabc^t^ 
sind, und zwar am höchsten bei den gröfseren Nordlicht0f%' 
die eben deswegen auch an den meisten und am weitesten vett ^ 
einander entfernten Orten gesehen werden. Im Ganzen bin ich II 
jedoch geneigt anzunehmen, dafs die mehreren Beobachter nidil^ 
einen und denselben Bogen sehen, wodurch also alle Messungen ü 
derselben unzulässig werden. Schwerlich erheben sich aber dit 
Nordlichter an ihrer aufsersten Grenze höher, als bis wohin dit**^- 
Dämmerung reicht, also nach Baandes' etwa bis 4 geographi- ' 



1 Narrative cet* p. 597. 

2 Narrati?e of a Second Expedition cet. App. TIL 
S 8. Dämmerung. Bd. JI. S. 277. ^ 



' firirefctk««ft nnd f «rb^ tJS 

kAeMdlea. Diese miha eruiclien sie jedooh nltan unjv 
pn VDD hier aus ihr Ltcht bi> in dis Region der Wollen 
Ipilelie überhaupt der Site der meisten kleineren Nordlichter iab 
Btn Heuptargument hierfür, .welches, so viel Ich weifs, bia fstst 
iotii nie zur Sprache gebraclit ist, möchte ich aus der Licht* 
Birke dieser Meteore und hauptsächlich des ßagens he^nel»Mi^ 
livlche für die entlegeneren Orte ungleich grÖlsere UnteiScUod* 
in|;en niüfsie, als die bisherigen Deoba'chtuiigcn ergeben.. Wif* 
hB. nach der durch GtLBEAT angestellten Derecbnung intOM.. 
hm gemessene Nordlichtbogen über Kongsberg hingejugM^ , 

C.&ein Abstand von der ErdoberHäche 50, ia Halle ab« Iji 
len gewesen, so tnufsten die Idchlintensiläten an beidtnO»« 
Ik sieh nahe genau wie 6 :l verhalten , nnd was Ciir ein« Ht i i 
Ueit •!> dem näheren Orte würde dieses voraussetzen l .NaA 
llRSTKKK'a Serechnitng ging .der Bogen in Chiistiansabd %i^ 
fl- (üdUeh vom Zenilh vorbei und muTsle also bei 26 HfflW 
^e in di4 Meilen südlicher Entfernung lotluecht über dwK 
briziMile stehen; sein Absland von Chrisliansand war BhoiiiO~ 
^t 38 Meilen , von Berlin aber 88 Meilen , welche ei« V«fr. 
Mmits von nahe 1:3, also einen Unterschied dar LiclittCiifal 
IWb9>1 geben, aber ich glaube nickt, daT» wir solche btctatt^ 
iide Unterschiede anzunelimen berecktigt sind, wie aua in 
n VntBnnohung noch nähei hervorgeht. 

clitkraft und Farbe der Nordlichter, 

Di« Nordlichter verbreiten sich zwar in einzelnen FkUoi 

I unbegrenzte leuchtende Masse über kleinere und gl4« 

vTheile des Himmels, zuweilen über die ganze Halbkng«! 

[V der Regel aber besteben sie aus einzelnen kclleo^ 

I dankein abwechselnden Theilen , deren Lichlslarka und 

einzeln untersucht werden müssen, um dann ein» 

E Bestimmung über den Grad der durch das Ganze ga- ^ 

jibnien Helligkeit folgen zd lassen. 

1) Das dunkle, dutcb einen hellen Lichtbogen begrenzte 
li|ai«Dt des Nordlichts erscheint oft als eine dunkle Walke, 
■d u ist wohl müglich , ja in seltenen Fnllen sogar gewifs, daTs 
icb ansnabmsweise in dieser Gegend des Himmels eine solch« 
•finden mag, wie denn namentlich der südliche Theil des Ho- 
untes xn Cbristiansand bei dem jener Gegend vorzüglich zn- 
terigm Noidliclite am 7. Jan. ]831 eine sogenannte Meer- 



176 ' Nordlicht 

bank zeigte, 'über Welcher 'das leuchtende Meteor ruhte ^, ut 
Allgemeinen aber erscheint jenes Segment nur durch Täuschdigr 
in Folge des Gegensatzes gegen den hellen Bogen als eine doh^ 
kle Wolke und besteht eigentlich ans dem heitern, blnuschwaif^ 
zen Himmel. Manche BeobacKter^ welche mit dem Gesöhhilit^ 
liehen dieses Meteors nicht genug bekannt waren , fanden tS- , 
daher überraschend , dafs sie Sterne darin erblickten , und thf 
nige von diesen sprachen das,, was sie in dieser Beziehung depl- 
lieh gesehen hatten , nu^ mit einiger Schüchternheit aus , obr. 
gleich diese Thatsache durch so viele Zeugen beki^ftigt ist, daK 
sie keinem Zweifel unterliegt. Schon MusschenbhoeIl^ in m^ 
»er sehr vollständigen und genauen Beschreibung des PhÜMtf. 
mens sagt, die Strahlen und Bögen des Nordlichts ' seyefi M? . 
dünn, dafs die Sterne erster und zweiter GrÖfse dadurch ^eilri' 
Hea würden,, ja es sey dieses auch der Fall bei der dunkdk 
Wolke des Segmentes , obgleich seltener. Bei dem durch ]f}g|i' 
RALDi und LoüViKLS' am 11. Febr. 1720 beobachteten Nanb 
lichte war auch das Segment unter dem Bogen etwas erbdjS 
aber man sah dennoch die Sterne dritter Gröfse "hindovchi&i 
Br« Hamiltoit^ bemerkt von dem 1763 gesehenen Nordli$||l%[ 
dafs man die Sterne durch die dicksten zu ihm gehörigen Wjb|* 
ken gesehen habe. Woraus also bestimmt hervorgeht, dafs )fa^ 
Stellen ihrer Dunkelheit wegen scheinbar sich als Wolken sej^ 
ten und daher auch diesen Namen erhielten , der ihnen gar nicU 
gebührt. Ungleich bestimmter sind die Aussagen späterer Ba» 
obachter. . Unter andern sagt v. Hoanea^ ausdrücklich,, dal|^ 
er am 19> Sept. 1803 bei dem glänzenden Nordlichte zu S< 
geragt den untergehenden Arcturus mit röthlichem Lichte di 
das dunkle Segment schimmern sah, Fataist^ bemerkt im Al^^ 
gemeinen, das. Innere des Kreises scheine tiefe Dunkelheit 0^ 
seyn, aber dennoch sehe man die Sterne hindurch, Dupin^ ^'^I 
sichert, dafs man am 19, Sept. 1817 zu Glasgow die SteriK 




1 Poggeudorff Ann, XXII. 479, .a 

2 Introduct. §. 2493. ' 
S Bist, de PAcad. 172a p. 4. \ 

4 Philos. Essays. Üss. III. p. 106. Vergl. Hutton Dict. I. 191. 

5 Von Zach Monatl. Corr. IX. 58. 

6 Bibl. Brit. XLV. p. 89. 

7 Ann. Ch. Ph. VI. G. LXVII. 190. 



Leuchtkraft und Farbe. 177 

^en Stühlen deutlich p unter deq» Bogen bis xnm Ho- 

fA,flf9T nur mit Schwierigkeit geMhca habe. Diese 

If^c^ 9;^ noch durch xwei aodeze. vermehren, uHm- 

^1 df» von RoBiBTSOV^, welpher angiebt) dab bei 

^ghta am i. Oct 1818 unter 62® N. B. das Segment 

hrj^nkel 2eigte, dab aber dennooh die Sterne eben 

jg^ dasselbe schimmerten^ als durch die glänzenden 

11^ durch das von Piaax^, welcher im Allgemeinen 

m^f|ort Bowen gesehenen Nordlichter bemerkt, dafs 

^^ auch seine Begleiter das dunkle Segment unter 

tenden Bogen nur vermittelst der durchscheinenden 

pnbewölkten Himipel, erkannt hätten., Endlich wurde 

{jfrdlicht vom7* J^n* 1631 ▼on^Eu vielen genauen Be* 

^4' an 2Q verschiede nep Qrten gesehen, ab dab diese 

^night seltene Eigientbümlichkeit dabei nicht gleichr 

I^Qmmen worden leyp sollte. Wirklich sah auch 

p j^tem Wegi| nuit, f^IofTfen Augen durch das dunkle 

^{uQ^DA^ni und Gkh^ivo^, welcher gleichfalls diese 

lg machte und den ymstand ab neu mit vorziigli- 

rksamkeit beacbtefe, bestätigt diese Thatsache sowohl 

ag auf den genanpteJ|i ab auch auf andere Sterne mit 

(timmtheit« Bei dieser Gelegenheit wurde dann auch 

tb Staute die nämliche Erscheinung bei einem an- 

chte bereits beobachtet hat ^. 

r Bogen des Nordlichts oder die mehreren 2a dem- 
Srigen Bdgen bestehen im Allgemeinen ans weifsem 
m spielenden, an manchen Stellen xum Rothen über- 
ichte ; wenn aber von einer Aehnlichkeit derselben 
genbogen geredet wird , so bezieht sich dieses zur- 
QUthlich mehr auf die Form, als auf die prismati- 
•n. Ueberhaupt ist man wohl berechtigt , das reine 
lurch anderweitige Bedingungen modificirte Licht je«* 
9 weifs zu nennen, denn so zeigt sich insbesondere 
was zuweilen in jenem dunkeln Segmente oder als 



Ross Entdeckungsreise. Ueb. tod Nemnich. S. 198. 
I. of a third Voyage cet. p. 65« 
endorff Ann. X^I. 459. 
d. S. 455. 
d. 8. 456. 

M 



t 
I 



178. Nordlicht. 

die eigentliche | das Phänomen erzeugende Zone am n&rdlichen 
Himmel erblickt \«^ird. Dafs dieses da , wo es minder intensif 
ist, beim Durchgange durch die Luft einige seiner blauen Strah« 
len verliert und so in mehrfachen Abstufungen vom Gelb zum 
Orange und selbst zum Roth übergehen könne, ist ,]yac|| opti-« 
sehen Gesetzen leicht erklärlich. Wenn das auf diese. W^Ut 
schon röthliche Licht nochmals durch leichte Dunstscliicht8ii| 
dringend zum Auge des Beobachters gelangt, so kann es bei 
zunehmender Verminderung seiner Intensität und durch dM 
Einfluls des Gegensatzes gegen das zugleich wahrgenommeM 
weifse , gelbe und heller rothe Licht dunkelroth und selbst ^ 
purpurfarben werden. Das dunkelrothe und purpurfarbige Li« 
erscheint daher sehr häufig und war namentlich besonders tl^^i 
fallend am 7* Jan. 1831 , ich selbst habe es mit grofsec Avifmeik*^ 
samkeit anhaltend betrachtet und bin fest überzeugt, dals if 
durch den Einflufs der zartesten , das intensive weifse Licht 
verändert durchlassenden Wölkchen erzeugt wird , über deti 
Verbindung mit dem Nordlichte unter f) noch w^eiter gereM 
werden soll. Ueberhaupt wird kein Beobachter die Aehnlic*'' 
keit zwischen den Färbungen der Nordlichter und denen 
Morgen - oder Abend -Röthe verkennen*, worauf schon 
durch Gassendi zuerst gebrauchte Name (aurora borealis) 
ruht, weswegen ich keinen Anstand nehme, beide Phanoi 
auf gleiche Weise zu erklären*. Grünes Licht wird verl 
nifsmäfsig viel seltener wahrgenommen , ich selbst habe es 
gesehen, glaube aber, dafs es nur für subjective färbe , dm 
das oft sehr intensive Roth erzeugt, zu halten sey, wie d< 
bei der Abendröthe gleichfalls die zwischen den rothen Theil 
des Himmels liegenden Streifen oft sehr merklich grün gefai 
erscheinen ^. 

3) An die Nordlichtbögen schliefsen sich unmittelbar 
oftmals aufsteigenden Lichtsäulen ; denn häufig sind sie die 
fange der entstehenden , erst später völlig ausgebildeten oc 
überhaupt nicht ganz zur Vollkommenheit gelangenden Bog« 
oder sie schiefsen aus diesen empor und sind auf jeden Fall il 



1 

1 Vergl. Kekdal in Quart. Journ. of Sc. N. S. No. IV. p. 420. • 

2 Vergl. Abendröthe Bd. L S. S. iF. ) 
S Vergl. Atmosphäre Bd. J. S. 500. Farben , physiologisdi^ 

Bd. lY. S. 118. :^ 



Leuchtkraft nnd Farbe. 17g 

ih gefärbt, die einzelnen zwischen diesen Hanpttheilen 
rechen kommenden Strahlen und Lichtparthieen aber 
ito gleich, meistens nur mehr oder minder tief roth 

Mob bei d6n gr^fseren Nordlichtem entsteht in der 

Höhe der Lichtbögen oder in dem Puncte, wo die 

«nden Lichtsäülen sich vereinigen, die sogenannte 

ftfAiRAlr sah sie vorzüglich schön am 19. Oct. 1826 

leicht sie mit der Laterne eines Gewölbes oder dem 

ge desselben. Zuweilen glicl^ sie einem blofsen Ringe| 

chen man zwischen den Verschiedenfarbig leuchtenden 

:en blauen Himmel durchscheinen sah , Zuweilen einer 

n Glorie, wie sie auf Gemälden dargestellt wird, stets 

inigten sich dort die sammtlichen, am ganzen Hori* 

ichiefsenden Strahlen. Schon Gregorius Türovxs* 

eicht die 1585 gesehene Krone mit einem Zelte oder 

Mütze; Hallet sah sie am 17« März 1716 und be- 

n so wie die beiden eben genannten Schriftsteller, dafs 

i^öhnlich im Zenith zeige, zuweilen aber sowohl süd* 

ich nördlich sich von demselben etitferne. Seitdem 

gesehen und stets durch den üblichen Namen Krone 

worden , weil sie hiermit mehr oder minder gtofse 

dt hat. NächFAAQüHARSOir* wird sife erst im Zenith 

h von demselben dadurch erzeugt , dafs die dort sich 

len Strahlen eine nebelartige wallende Masse bilden. 

lier mitgetheilten Angaben über die Färbungen der 

rheile des Nordlichts stimmen mit den Angaben der 

'so genau überein, dafs es genügen wird, Zur grÖ- 

tÜndigkeit nur einige derselben speciell xhitzütheilen« 

w^ beschreibt das Licht der Bögen Und der d)q:atCB 

slsenden Strahlen als dem der Dämmerung ähnlich, 

loch intensiver, hauptsächlich Wenn mehrere Säulen 

Igen, und spielt dann in Grün, Blau und Purpurfar-* 

VEN* sah bei dem Nordlichte am 22. Oct. 1804 nur 

dlit , aus dem Strahlen aufschössen , an einigen Stel-» 



, Lib. VIU. cap. XVII. p. 390. 
b. Phil. Journ. XVI. 304. 
xlop. method. T* I. p. 569* 
aX. 111. 

M2 



180 Nordlichte 

len aber rothes | bis ins Blotrothe übergehendes } aus weh 
keine Strahlen hervorbrachen; in Paris ^ will man bei. ebene 
selben nur weifses und rothes Licht gesehen haben ^ doch . 
gen. diese Farben nie in einander über. Biot^ ^&^9 die 
zelnen Strahlen entstehen, nehmen zu an Gröfse upd, L 
stärke , bis sie ihr Maximum erreicht haben , dann yersch 
den sie allmalig. Ihr Licht und das der Bögen ist ,>|^eil!s 
spielt blofs zuweilen ins Röthliche. NachDuPiN^ war zu( 
gow am 19* Oct. 1817 das Licht im Ganzen weifs oder € 
orangefarben, doch zeigten sich an den unteren E^i^dei] 
Strahlenbüschel Roth, Gelb und Blau ; ein schwaches .Gr^i: 
einmal. Nach Farquharson's^ zahlreichen Beobachtu 
in Aberdeenshire unter 57^ 12' N. B. ist der erste Scheir 
Nordlichts blauweifs , wie bei der Dämmerung ; erhebe sich 
selbe aber mehr über den Horizont , so wird es blalisgrün 
Strahlen aber zeigen unten blaues und violettes, 9beif,,g 
und orangefarbenes Licht. Johet Coldstaeam^, sah den | 
zenden Strahl des Nordlichts zu Leith am 19* März 1825 "v 
aber nach dem Horizonte hin ins Bläuliche spielen« , Nach] 
BERSON^, welcher die Nordlichter in Island einen gkn^en "^ 
ter hindurch fast jede Nacht beobachtete, war ihr Licht hell 
spielte aber zuweilen ins Grüne und Rothe. Nach Score 
waren insbesondere die Krone des am 3* und des am 25* 
1822 unter 64^ 41' N. B. von ihm gesehenen Nordlichts 
die aus derselben aufschiefsenden Strahlen schön blau, 
und blalsroth gefärbt;; Hood* dagegen meint, die Farben 
ständen blo& durch die Bewegung der Strahlen und nur i 
der Bedingung^ wenn letztere sehr schnell und das Lieh 
deutend stark sey , indem dann die untern Theile ein fen 
Roth , die obern Gelb zeigten. Nach seinen Beobachtunge 
Fort Enterprise unter 64** 28' 24" N. B. haben die Strahl« 
drei Farben , nämlich Erbsengrün an den obersten Enden | 



1 G. XIX. 250, 

2 Ebend. LXVII. 19, 
S Ebend. 191. 

4 Ediob. Phil. Joara. XVf. p. S04. 

5 Edinb. Journ. of Sc. IX. 86. 

6 Iceland. Edinb. 1819. p. 277. 

7 Tagebuch einer Reise u. •. w, S. 31. 

8 Narratire of a Jonrne/ cet« p. 54:3. 



i 



Leuchtkraft und Farbe. 181 

piirCarbeD und Violett nntermischt an den untern , und nur in 
eioem Falle war die letztere Orange, welche aber zu Cumber- 
land-House vorherrschte. Nach der Aussage RicifAKDSON's^, 
eines so fleifsigen und genauen Beobachters in jenen den frag- 
lichen Meteoren ganz eigenthümlichen Gegenden, ist die gewöhn- 
liche Farbe und Helligkeit der Nordlichter der Milchstrafse 
gleich; befanden sich aber feine Wölkchen am Himmel, so 
ging das Licht in Goldgelb von ungleicher Tiefe über, bei völ- 
liger Heiterkeit oder bei der Anwesenheit sehr weniger und dün- 
ner Wölkchen waren die Farben lebhaft und prismatisch» Es 
mnb hierbei auffallen , dafs die Farben des Nordlichts mit der 
Anwesenheit feiner Wölkchen in Verbindung gebracht werden, 
da man in der Regel bei dem Erscheinen dieser Meteore die 
Anwesenheit eines ganz reinen Himmels voraussetzt und auch 
wahrzunehmen glaubt. Bei der Beschreibung des Nordlichts 
vom 20- Dec. 1820 wird noch besonders erwähnt 2, dafs die 
Bögen an Gestalt und Farbe dem Hegenbogen glichen, jedoch 
vaien Blaugrün und Violett nicht darin sichtbar; die gelben 
StraUen nahmen den gröfsten Raum ein, ihnen am nächsten der 
Zahl nach kamen die rothen , aber bei andern Nordlichtern zeig- 
ten sich auch purpurfarbene und violette Strahlen. 

Die Zeugnisse über dasjenige , was in weiter östlich und 
zunehmend nach Norden gelegenen Gegenden wahrgenommen 
wurde, liefern die nämlichen Resultate. Kendal^ hält im Gan- 
zen das Licht der Strahlen für weifs und leitet die Färbungen 
von dem Einflüsse der Dünste in der Atmosphäre ab , welche 
iholiche Farben auch bei Sonnenuntergang erzeugen; jedoch 
glaubt er offen gestehen zu müssen , dafs am 25* Sept. 1827 ini 
Wahren Norden der eigentliche Sitz des Meteors, bestehend aus 
blendend w^eifsem Lichte, gewesen sey, begleitet von rechts 
und links aufsteigenden , ins Purpurfarbene und selbst Violette 
spielenden Strahlen. Im Allgemeinen kommen nach seiner An- 
sicht zu dem weifsen Lichte die verschiedenen Schattirungea 
von Gelb bis zu dem dunkelsten Roth, welche durch die ver* 
schiedene Beschaffenheit der Atmosphäre bedingt werden. In 
der Beschreibung, welche J. H. G. Dau^ von dem grofsen 

1 Narrative of a Journey cet. p. 599. 

2 £beod. p. 613. 

3 Quartcrly Journ. uf 5c. N. Ser. No. IV. p. 389 u, 405. 

4 Tidsskrift for NatorTidenskaberne 1828. No. 14. p. 257. 



182 NordJicIu. 

Nordlichte zu Kopenhagen aqi 26. Sept. 1827 mittheilt , "wird 
blofs weiTseS'Licht nebst den verschiedenen Färbungen von Roth 
erwähnt« Hausmav n ^ bemerkte bei dem groCsen Nordlichte in 
Norwegen unter (52** 30' N. B. nur bläulich -weifses licht 
KEimAU^ sah in Finmarken bei vielen Nordlichtern den Bo»* 
gen meistens gelblich, wenn er höher kam, war antea^Giun,. 
oben Purpurfarbe , bei starker Bewegung aber lagen BHde Far*' 
ben und auch Gelb regellos durch einander. Nach T» WftAf" 
GEL ^ endlich zeigte das Nordlicht niemals prismatische Farbai| 
dqch behaupteten- die dortigen Einwohner früher bei {Stärkenfe^ 
Nordlichtern solche gesehen zu haben. Das Nordlicbtiam 7*}ui» , 
1831 ist an so vielen Orten gesehen und von so manchen geiiaaeo 
Beobachtern beschrieben worden, dafs sich aus der Gesammt-' 
menge der Beschreibungen sicher schon eine vollständige Avu^^ 
kunft über alle dabei sich zeigenden Farben entnehmen' JäfelL- At* 
les zusammengenoQimen wird aber aufser dem weifsen lipht^ 
am allgemeinsten nnd fast ohne alle Ausnahme das r^he^ in so*" 
nen verschiedenen Modificationen , als feuerroth , diktikebDlk 
bis zur Purpurfarbe, erwähnt, Weniger häufig Gelb, obgleich 
das eigentlich weifse Licht sehr leicht hierin übergeht , Jas Bba 
aber, dessen nur zweimal gedacht wird, nämlich aus Graeso^^ 
wetz im Gouvernement Wologda, wo die Streifen erst' idunkel- 
blau und dann hellgelb wurden, und aus Elberfeld, wo l^xi- 
röthlich, bläulich und weifslich gefärbte Strahlen sah, scheiot 
mir durch die Schwächung des weifsen Lichtes oder den phy- 
siologischen Gegensatz, welchen das gelbliche Licht hervorraf^ 
erzeugt zu worden seyn *. Eben dieses glaube ich auch inBezie«^'^ 
hung auf das grüne Licht annehmen zu dürfen , welches noT i 
an zwei Orten, nämlich zuPariß und zuGosport, gesehen worde^j 
so dafs also die oben über die Farbenerzeugung gegebene iB^ ; 
klärung völlig auszureichen scheint. 

w 

Die Erhellung, welche die Nordlichter ivH Allgemeines 
erzeugen , ist so viel stärker, je höher dieselben heraufkonn^eo, 
und n)ag daher In denjenigen Gegenden immerhin bedeiitend 



■^^^» 



1 Reise in Scandinaylen. Th. V. S. 259. 

2 G. XC. 619. 

3 Physik. Bemerk. S. 58. 

4 PpggendorfF Ann. XXII. 4S6 u. 459. 

5 Ebend. S. 466 n. 469. 



Leuchtkraft und Farbe. 183 

syn, wo sie durch das Zenith gehen; aufserdem haben 
beit des Himmels und die gröfsere Ausbreitung des 
sioei^ bedeutenden Einflufs, im Ganzen aber glaube ich 
D zw /dürfen , dafs die durch sie gegebene Erleuchtung 
Iteoen Fällen der des Vollmondlichtes nahe kommt und 
als sehr einzelne Ausnahme oder nie völlig erreicht. 
-(Bestimmung berechtigen die gewichtigsten Zeugnisse 
buchte es daher mehr.in das Gebiet der poetischen Aus- 
s der genauen Beschreibungen verweisen, wenn es 
heÜst^, dafs die NordlicJiter unter hohen Breiten die 
ichte bis fast zur Tageshelle erleuchten, wobei noch, 
kffu berücksichtigen bleibt, dafs nach den glaubhaftesten 
& die Intensität ihres Lichtes in der ihnen eigenthüm^ 
ib^ am stärksten ist, von dort an aber nach Norden hin 
.Hbnimmt als nach Süden. Als hauptsächlichstes Mit- 
re)rgleichung dient das Verschwinden der kleineren 
i^di welchem Mafsstabe die Nordlichter im Allgemein 
li'e Helligkeit des IVlondes im ersten Viertel erreichen, 
sia dennoch heller und dem vollen Mondlichte gleich- 
scheinen , so rührt dieses ohne Zweifel von defti Um- 
', da& der Mond das ganze Himmelsgewölbe erleuchtet, 
cht aber in der Hegel in einzelnen hellen Streifen sich 
m(l zwischen diesen sehr dunkle Räume zurückläfst, 
l<^e dann die erhellten desto mehr abstehen. Es läfst 
iir auch die bekannte Erfahrung anführen , dafs beim 
B der ganze Himmel mit Wolken bedeckt seyn und 
"egnen kann , dennoch aber eine bedeutende Helligkeit 
ibt, statt dafs das Nordlicht bei ganz bedecktem Hirn- 
[ verschwindet, wie dieses namentlich in Colberg nach 
ge von Senff^ bei dem sehr grofsen am 7« Jan« 183t 
var. Die Fiichtigkeit dieser Bestimmung geht unver- 
ns den Zeugnissen der Beobachter hervor, 
pa ich im BegriiF bin , die angegebene Bestimmung der 
: des Nordlichts im Ganzen durch Zeugnisse zu unter- 
nrlaube ich mir die Bemerkung vorauszuschicken , dafs 



B. MiDDLETOM la Phil. Trans. N. 465. Ellis Voyage to 

lay. p. 143. a. a. a. 0. 

rgl. oben b). 

ggendorff Ann. XXIJ. 459. 



184 Nordlicht 

die AeuTsfrungeii der Beobachter hierüber zwar höchst aahl- 
reich sind, aber allezeit nur beiläufig nach ungefährer Schätznnfv , 
mitgetbeilt werden , insbesondere ist es aber sehr wichtig , w^. 
gleich auf den Zusammenhang zu achten, in welchem die Hei-' 
ligkeit der Nordlichter mit der übrigen Klarheit der AtmospIüSM'; 
steht , weil dieses zu einigen fUc die Erklärung des Phänoiiieiir 
meiner Ansicht nach höchst wichtigen Betrachtungen fuhrt« 
Nehmen wir zuerst einige Aussagen älterer Beobachter: ans m^' ' 
deren Breiten, Mokozzo^ berichtet ^ dals er bei dem Nofjb^ j 
lichte am 29- Febr« 1780 9u Turin die Sterne durch- düe rotkevt 
Strahlen desselben gesehen habe, Bertholoh^ erwähnt^ ddß 
man bei dem nämlichen , auch von ihm als sehr bell bflschiiAüt 
benen Nordlichte mit Leichtigkeit habe lesen könneO| und iw^ 
andern sagt er, dafs verschiedene Gegenstände ia ü^reDä Licfilnt 
einen sehr kenntlichen Schatten gegeben hätten, Bo^T de SmI^ 
VivcENT^ sagt von dem Nordliichte am 22« Oct. 18049 dab 4db 
Mond sehr hell schien , weswegen das Meteor wenige^ gtiUikli^ 
und von einigen gar nicht beachtet wurde. Die von demäflben 
aufschiefsenden Strahlen, wenn sie vor Sternen selbst sweitifs' 
Gröfse vorbeischössen , verdunkelten dieselben dann nichli'ai»' 
wohl dprch ihren Glanz , als vielmehr durch eine Art voil-IA^ 
' berdeckung. Die Helligkeit eben dieses Nordlichts setzt-Gifr*'- 
BEAT^ der des leuchtenden Phosphors gleich, aber heHev jÜ'^ 
das Leuchten der Elektricität im luftleeren Baume. Mit der Tm^ 
nähme der nördlichen Breite scheint allerdings die Eriie}ISiij|K 
durch das Nordlicht vermehrt zu werden , aber keineswe||!i M* 
einem solchen Grinde, als die gröfsere Annäherung zum «geudlMi 
eben Sitze des Meteors vermuthen liefse ^ wie schon oben (lUH*' 
ter c) am Ende) gelegentlich bemerkt wurde, HausmaH^ 
sagt, die Helligkeit des von ihm beobachteten Nordlichts sd^ 
so grofs gewesen , dafs er gedruckte Schrift ohne Schwierigkdi' 
lesen konnte, nach Hallström ^ dagegen konnte man dieStemeJi 
erster Gröfse durch den Lichtbogen am 12. Febr. 1798 deutlicki 



% Wm, de l'Acadt de Taria. T. 11. p, 9^8. 

2 Encjclop, meth. T, I. p. S66. 

S G. XIX, 251, 

4 G, XVIII. 256. 

5 Reise darc)i Seandlnavien Th. T. S^ 260. 

6 Disg, phys. de arcubns^ iamiaosis ia coelo conspectis. Aboae 
1802. G. XVlil. 74. 



Leuchtkraft und Farbe« 185 

{kiwstba^ setxt die Helligkeit des Nordliehts allge- 

des VoH9ionil» ii4 «Misten Viertel gleich/ wenn die 
ige Gvide unter 'diemlfdrizonte ist. ^lliQinilASOs' 
daTs des Nordlicht am 9^ Sept. 1827 dem hellen Mond- 
fdedi Ephemenden nach am 4ten Tage ^ach Voll* 
i' nicht. nachstand. Hiermit übereinstimmend ist die 
on CoLOSTAKAM^, dafs am 19* März 1835 zu Leith 
kerJM erster und zweiter GrOfse durch die Nordlicht- 
ditbar waren, wogegen ein anderer Beobachter^ be- 
ih^oma am 21. Jan. 1826 selbst zwei Sterne 6ter und 
fin der Cassiopea durch den Nordlichtstrahl gesehen 
; LA PiLATi^ beschreibt die von ihm aufTerre neuve 

so hell , dafs ihr Licht durch die dicken dortigen 
igk und einen Schatten werfe, eine Angabe, welche 
Milizen genauen Beobachter weit übertrifft. Dafs sie 
\fkb irisirend seyn sollen , rührt vermuthlich von der 
Qng im Nebel her. 

ichtlich der Beobachtungen unter sehr hohen Breiten 
KSBT^, die Helligkeit derselben, wenn sie bis ins 
Jiten^ gleiche der Aeä Vollmonds. Am gewichtig- 

.wie in aUen andern Beziehungen, sind auch in die- 
ignisse der englischen Reisenden an den Küsten von 
UU Ueberblicki tn^n die sämmtlichen Angaben Par- 
itfine Beobachtunt^en auf der Insel Melville unter 75^ 

war dort das Nordlicht kaum so hell als das Licht 
a in der ersten Quadratur, die Farbe glich der des 
len Phosphors und spielte zuweilen etwas ins Rothe, 

war keine wahrnehmbar; die unter 65* N. B. auf 
ase gesehenen waren etwas heller. Nach den Beob- 
kben dieses Reisenden "^ und seiner Begleiter während 
jithalts zu Port Bowen unter 73** 15' N. B. war die 
der Nordlichter dort nicht stärker , aber merkwürdig 
(leich bemerkte Umstand , dafs der Schein auch der 

ib. Jonm. of Science. ESf 75« 

. Tran», 1829. p. 109. 

ab, Jouro. of Sc. No. IX. p. 87. 

ad. No. XYII, p. 129. 

I. de la Sog. Linn. T. lY. p. 462. 

ibaeh einer Reise u. •• w. S. $i* 

■• of a third Yoyaga p. 63. 



i 



186 Nordlicht. 

schwächsten Nordlichtstrahlen wie ein sehr dünner vorgez 
Schleier den Glanz der Sterne verdunkelte. Auch na 
Angaben Faanklin's und seiner Begleiter kam die He 
der von ihnen gesehenen Nordlichter der des Vollmond 
gleich, RiCHARoaiOir^ bemerkt aber einige Male, dafs d; 
neren Sterne unsichtbar wurden , w«nn die glänzenderen 
de3 IJfordlichts unt4ßr ihnen hinzogr^n, die gröfseren wur 
dQch dadurch nicht unsichtbar. In einem hohen Grade 
lend ist ab^ die nicht zu bezweifelnde Angabe, dafs 
Febr. 162t dasjjNordlicht zu Eort Enterprise unter 64® 
B. sehr heU^.jer^cbi^n, obgleich. ;kein Stern am trübeul 
sichtbar \vBr ui^d nur die Bänder des Mondes zwei Ti 
Vollmond sc|;k,waoh du^ch die Wolken schimmerten^« 
nach mii£stfl diet Lichtstaxke dieser Meteore die des Mön 
ein. Viel&che^ iibei;ti^^S<sn , und 4a diese Annahme mit de 
reichsten Zeugnissen im Widerspruche steht, so kann 
klärungsgrund^nur darin Hegen, dafs das Nordlicht Mott d 
seht nahe war und namentlich bis in die Wolken, ja selb 
einige derselben herabging, wie dieses auch bereit? oben (1 
aus vielen anderweitigen Zeugnissen genugsam nachgewi( 
Das letzte Nordlicht am 7. Jan. 1831 ge\y,te un?w< 
unter die ungewöhnlich hellen, und somit lafst sich dan 
erklären , dals es selbst in Zimmern , weiche durch Ker: 
erleuchtet waren , seine Helligkeit' verbreitete und einet 
Widerschein auf manche Gegenstände warf, desgleiche 
Schatten erzeugte, ohne dafs jedoch hieraus eine dem si 
Vollmondlichte nur völlig gleichkommende Lichtstärke 
gert werden kann. Indefs \srird unter andern aus Brakel 
det , es habe die Gegend so erleuchtet, dafs man ohne A 
gung Gedrucktes zu lesen vermochte, in England dageg 
es nur so bell als das Licht des Vollmonds , wenn diese 
eine dunkle Wolke scheint', und auch nach meiner eiger 
obachtung erreichte es seines schönen und stark stral 
Glanzes ungeachtet die Helle des Vollmonds bei ganz h 
Himmel kaum mehr als zur Hälfte. Sehr richtig und ger 
zeichnend bemerkt aberKLÖDEN^, dafs die Sterne vierte] 

1 Narrative of « Journey cet. p. 600 u. 615. 

2 Ebcnd. p. 559. 

3 Poggendorff Ann, XXII. 470. 

4 Ebead. S, 443. 



Begleitendes Geräusch. 187 

Bogen eines Nortiichls sichtbar waren, da in der 
g selbst die dritter Grdfse oft schwer zu sehen sind, 
cht a]so schwächer als das der Dämmerung war, je- 
a den dunkeln Nachthimmel stark abstach. Hier- 
3t er, sey zugleich erwiesen, dafs der Lichtbogen in 
osphäre stattfand und an keinem dunst- oder nebel- 
Fe -heftete, was jedoch nur unter der Bedingung fol- 
dajs ein solcher Stoff die Durchsichtigkeit der Luft 
brtnindert haben würde. In dieser Beziehung ver- 
iibacfatet zu werden , dafs man in dem nicht so sehr 
ftteii ■ Leipzig an dem nämlichen Tage eine Neben- 
ett hatteiind die Sterne durch ein Fernrohr betrachtet 
ten, was allerdings «artif dunstartige StoiFe in der At- 
Kideiltet. Kriss vergleicht das Licht des JMeteors mit 
fjvenriWh'e, was auch «ür sehr passend zu seyn scheint. 

) G&räufich d^r Nordlichter« 

u Nordlicht von einem Getöse, einem. Geräusche be- 
scheint mir ursprünglich auf den Aussagen der 
hrer zu beruhen, welche ihre Erzählungen von dem, 
so fernen Gegenden gesehen hatten, gern mit etwas 
ichem ausschmückten , aber es ist merkwürdig, dafs 
^e und neuere Angaben über diese Thatsache über- 
{: die durch keinen nothwendigen Zusammenhang 
flrsache und Wirkung begründet ist und durch diQ 
' einer Menge von glaubhaftesten Zeugnissen höchst 
-^iind unwahrscheinlich wird. Musscheebroek^ 
Üchricht von einem Geräusche bei der Bildung des 
i[cns oder seiner Säulen aus dem Munde der Grön- 
näiit, sagt dabei nichts von andern Zeugnissen aus 
nten , bemerkt jedoch ausdrücklich , dafs man das- 
fgien nie wahrgenommen habe , woraus ich schliefse, 
eine altern Zeugnisse bekannt waren. Blofs einige 
bbachter in Schweden sollen gleichfalls nach einer 
St gewordenen Angabe^ das Geräusch gehört haben, 
tereinstimmend erwähnt Warqenjin^, es gäben 

id. §' 2495. 

; literaria Saeciae 1731.' 

I«d. Abhandl. D. Ucb, XIV. 178. XV. 86. 



i 



18Ö NordlichU 

viele vori sie hätten beim Nordlichte ein Geräasch^ ein 
sen in der Luft gehört, und beruft sich hierbei aui die Au 
Gisslea's und Hellant's, welche lange Zeit im nörd 
Schweden zubrachten. Das gewichtigste Zeugnifs abei 
wetcties man sich nachher am meisten berufen hat , ist d: 
Gmelin^, welcher erzählt, es hätten ihn viele Persone 
sichert y das Nordlicht sey in Sibirien mit einem so heftig 
sehen , Platzen und Hollen verbunden, dafs es scheine , al 
man das oft wiederholte Knallen des allergröfsten Feuer 
weswegen die Leute zu sagen pflegten , der rasende Geii 
vorüber. Würden die Jä^er der weifsen und blauen 1 
an den Ufern des Eismeers von diesen Nordlichtern übei 
80 erschräken ihre äunde so sehr , dafs sie sich auf di« 
legten und es unmöglich sey , sie von der Stelle zu bringt 
das Getöse geendigt habe. Da es sich zunächst um di« 
Stellung einer blofsen Thatsache handelt und eine^^so 
Menge von Zeugnissen einander entgegenstehen, die noch 
drein rücksiohtlich der Eigenthümlichkeiten des Phänotnei 
neswegs vollkommen übereinstimmen , so scheint es i 
zweck misifsigsten, zuvörderst die gewichstigsten Zeugnisse 
mitzutheilen, und demnächst meine Ansichten über die A 
zuzufügen, wie sich die Widersprüche vielleicht beseitigen 
Ramm^ versichert in seiner Jugend etwa um 1767 i 
demarken fern von Waldungen oft ein die Nordlichtsi 
begleitendes wisperndes Geräusch gehört zu haben ; Joh 
wähnt, dafs er selbst bei einem Nordlichte ein platzend 
rausch (Jlashing noiae) gehört habe ; Blagdek * nahm' e 
selbst wahr , liefs sich aber von Nairwe erzählen , dafs 
zu Northampton ein zischendes Getöse {Jdzzlng or wh 
noise) wahrgenommen habe; Messier* hörte es am 21 
1762 zu Paris, der bekannte Physiker Charles bericht« 
selbe und Chezt hielt es für unmöglich, an dieser ausgem 
Thatsache zu zweifeln. Nach Steward ® hört man in 



1 Reise durch Sibirien III, S. 1S5. Uebersctzt ron Blac 
Phil. Traos. LXXIV. p. 228. 

2 Schweigger's Journ. N, R, XV. S. 90, 

5 Phil. Trans. 1757. 
4 Ebend. 1784. 

6 Journ, des Savani. T. VI. 
6 G. LXVII. 36. 



Begleitendes GerSusch« J8Q 

i der St. Lorenz-Bucht in Nordamerica stets jenes Ge- 
CLKHAP^ versichert gleichfalls, ein zischendes Ge* 
den Nordlichtern gehört za haben, eben soCavallo'^ 
.ATE ' aber will während seines längeren Aufenthai- 

^ I I r r _ 

(le nenve und bei den vielen dort beobachteten Nord- 
ir'Mhinal gegen das Ende beim Erscheinen der lench* 
gp ein Geräusch wie von einem fernen , über Kiesel 
Stelle gehört haben, ein Zeugnifs , welches nicht sehr 
kt fiälU lind eher für ,die entgegengesetzt I^Ielnung 
Orden könnte. Inzwischion giebt es aufser diesem noch 
irichtige Autoritäten. Br<W8te& * i^Mf/ nicht bloli 
'Sem Nordlichte am 5* Dec. 1801 ein Geräusch, alf 
dleitrische Funke vom Glascylinder zum Conductor 
^' sondern erhielt agch eine Bestätigung der Sach^ 
rr nnd Burness. weKche beide dieses auf den Orkney- 
»achtet hatten. Hbihve'^ meint, dieses Geräusch, dem 
Bs' einer Fahne im Winde ähnlich , müsse unter hö- 
hl stets gehört werden, wenn es nur still genug sey, 
K&ch noch Heedersoe's^ Beobachtungen auf Island 
A)haften Aufschiefsen der Strahlen ein Geräusch ge- 
n soll , als wenn Funken von der Elektrisirmaschino 
Was aber mehr als alles dieses auffallen mufs , ist 
lik von WiEKLER^, welcher versichert, in seiner 
Ift blofs selbst dieses knisternde und zischende Ge- 
Gfera oder vielmehr in der Nähe der Saale gehört zu 
idiem auch von glaubhaften Zeugen zu wissen , dafs 
hte im Magdeburgischen bei Nordlichtern ins Freie 
iflegten, um sich andern Geräusche zu ergötzen, 
i man solchen Aussagen nur den mindesten Glauben 
^ so müfsten andere , hauptsächlich aus höheren Brei- 
mehr ins Gewicht fallen« Nach Petri^ hört man 



IT* Phil. Trans. T. II. p. 190. 

isenU of nat. and ezper. Phil. T. III. p. 449. 

p. de la Soc. Lian. T. IT. p. 462. 

Ib. Jonrn. of Sc. No. IX. p. 75. 

lin Phil. Joanu T. Y. p. 419. Daraas ia Edinb. Jonm. of 

L p. 884. 

änd. Edinb. 1819. p. 277. 

p^YU. SS6. 

yand and die Esthen. Gotha 1802. S. 54. 






190 Nordlicht 

dieses Getöse oft in Esthland , nacK Billistgs ^ im Mri 

Rufsland, Gapt. A^raHamson^ bringt mehrere Bestätig 

der Thatsach'e durch Ohrenzeugen bei, Edmoxstoke^ b 

sich deswegen auf die Aussagen von SchiiFern, welche 

63* 3(/ N. B. das Brausen der Nordlichter hörten, ßioi 

es zwar bei seinem Aufenthalte auf Unst nicht selbst ^ 

nimmt abet. die Wirklichkeit eines solchen Brausens nach 

Aussagen' der Bewohner jener Inseln in Schutsü, Dunbar 

es während •«eines sechsfahrigen Airfenthalts auf den He] 

mehr als funfzigmal mit eigenen Ohren gehört haben , 

8TEEN ® glaubt an die Existenz jenes Geräusches , und nac 

obachtungdn in Grönland soll es dort häuBg wahrgeno 

werden^. Ein gewichtiges Zeugnifs scheint ferner die' 

cherung zu seyn®, dafs man bei dem Nordlichte zu Roc 

im August 1827- sehr deutlich GefÖse (j*eports) wie Von 

feuertem grobem Geschütze gehört habe, wobei jedoch d 

Satz auffallen mufs, dafs diese Meteore in Nordamerica 

nie von einem Getöse begleitet seyen. Habtsteget hielt 

gens die Thatsache noch keineswegs für unzweifelhaft | 

und forderte daher auf , die noch nicht zur Öffentlichen K 

nifs gekommenen Erfahrungen bekannt zu machen. In 

dessen erzählt der Landphysicus Dr. Münck®, dafs er zi 

cangar in den Jahren 1798 bis 1804 viele Nordlichter gej 

aber nie ein Geräusch dabei wahrgenommen habe, spate 

1806 bis 1817 in Friedrichsfadt habe er sie seltener beob 

und glaube bei einem Vorzüglich starken allerdings einms 

Geräusch gehört zu haben. Mit Bestimmtheit erinnere ei 

jedoch an folgende Thatsache. Im Jahre 1818 ging er i; 



1 Reise nach den nördlichea Gegenden von Rufsland. . 
1807. 8. 70. 

2 Schweigger's Journ* N. F» XV. S. 90. 
S Phil. Trans. 1784. 

4 G. LXVir. 31. 

5 Edinburgh Journal of natural and geographica] Science. 
No. IV. p. 226. 

6 Schweigger'i Jonrh. N. R. XV. S. 91. XVf. S. 203. 

7 Tidsskrift for Naturridenskabeme ; udgiyet af H. G. Der 
J. W. Hornemann, J. Reinhardt. Heft 9. 

8 Sillimann Amer. Journ. of Science. XIV. p. 91. 

9 Magazin for Natürvidenskaberne. 1825. Heft 3. p. 159« 
aus in Schweigg. Journ. N. R. XXII. S. 308. 




SegleifeDclei GerSnacIi. 101 

a Skieti spat Ahends bei wolkigem Himmtl nii3 tÜAn 
\t-ujde dann ilarch seinen eigenen Schatten' uif- 
', dak dieset nicbt düfch den Mond erzeugt 
als er sich daher nach der Ursache umsah, g^ 
ftrihrte er in N. 0. ein starke* NdrdÜoht, am deuen doüakelin 
Segmente sehr helle Strahlen emponcbosien; Bei jedem Anf- 
iclüelseD dieser Strahlen hSrte ez defatUcb üa Gerünsch, ali 
«ean Seidenzeug aur^eroUt \rird. Endlich veiuchert aoch 
UiirzBEHo', iu Ulleusvangkünfig bei Nordlicht^ ein Ge- 
nascfi gehört zu haben. , ^ (nf i 'f' 

Diese Zeugnisse fiir die Exittens eineiGerKtudiea.btdN'ord- 
Echtein sind so zahlreich und so gewichtig , dals es kj^m' mSg- 
M scheint, die Kichligkeit der Tbatseche in Zweifel^zn ai»-i 
beo; um so.Tielinehr aber moli es auffallet), wie gewichtig di# 
Gmnde sind , nvelche dieser Andcht entgegenstehed und wovon 
icit die bedeutendsten gleichfalls inittheilen muTs. Vor allep 
Dingen eifert Patiii»^ gegen die Dehatiptung Gkki,IB*S, die er 
al) eine Folge von denen LeichtglÜabigkeit betrachtet. Auch 
Dallas habe über diesen seinen Hang zam Glauben an das 
'Wunderbare'geUclit und bei seiaeiB sechsjährigen Aufenthalte- 
io Sibirien kein Geräusch bei Nordlichtern wahrgenommen* 
MiiHAs erwähne bei seinen Untersuchungen über-daaNordlicht 
1 sdcbes Geräusch nicht, er selbst, nämlich P^triit, habe 
I der neun Jahre seines Aufenthalts an verschiedenen 
n in Sibirien viele sehr schöne iVordlichter gesehen und da- 
mit vorzüglicher Aufmerksamkeit auf jenes angebliche Ge- 
t gehorcht, aber nie dag geringste Geräusch oder leiseste 
1 gehört. Nirgends gebe es mehr und lebhaftere Nord- 
«liter, als in Grönland und Island, aber Egedb habe sieb 15 
^reinl ersteren Lande aufgehalten und HoRnsBow 116Nord- 
*iter in letzterem beobachtet, aber keiner von beiden erwähne 
^ solches begleitendes Geräusch, Auch JoHir Stsward sage 
■cht, dafs er selbst dasselbe gehört habe, sondern theile bIo& 
« darüber besiehende Volkssage mit. Auffallend ist es aller- 
»gs , dafsBRADK in seinem oben (unter b) bereits mitgetbeil- 
■a Verzeichnisse der von ihm selbst und GuELtn in Sibirien 



1 Magazia f or NatDirid. 18!6, Hft. 1. p. 145. Dsraoi in Si 
fa J. a. a. O. S. 3tO. 

2 Biblioth. Brit. XLV, 89. Daran» in G. XXXTII. SV>. 



198 Nordlicht 

beolackteten Nordlichter dieses Geräusch mit keiner Sylbt 

w.ähDt, T. Bkromanh^ verwirft die Angabe von einem l 

ßen bei den Nordlichtem , L« voh Buch^ aber sagt ausdi 

lieh: ^Ein Zischen, ein Brausen oder überhaupt nur das 

ringste Geräusch haben aufmerksame Beobachter weder in IK 

land noch in Finmarken je dabei bemerkt. Ich habe da 

viele bis zum Nordcap hin befragt, allein sie versicherten 

stimmig , dafs sie nur stille Nordlichter kennten und nie c 

von Geräusch dabei erfahren hätten.'* Eben so sagt 

IIausmavn? bestimmt, dafs er bei dem grofsen Nordlicht 

26. März 1807 in Norwegen unter 62*" 30' N. B. das vorg 

che Geräusch nicht gehört habe. Dobbie^ behauptet 

Nordlichter gesehen und dabei auf das vorgebliche Gerauscli 

achtet, dasselbe aber nie wahrgenommen zu haben, wesw 

er glaubt , dafs diejenigen , die davon erzählen , nur dasj< 

wiedergeben, was sie aus falschen Traditionen entnahmen, 

dafs sie durch andere begleitende Erscheinungen getäuscht ' 

den. Zur Unterstützung dieser Meinung fuhrt er das nam 

Argument an, auf welches sich auch Patkiat beruft, nk'c 

dals die Nordlichter so hoch und in so sehr verdünnter Lufk 

befinden sollen , dafs unmöglich Von dort her auch der stü; 

Schall zum Ohre des Beobachters gelangen, ja überhaupt das 

nicht erzeugt werden könne. 

Wenn schon diese Argumente den Glauben an die beh 
tete Erscheinung wankend zu machen vermögen , so tnufs d: 
noch mehr durch viele andere geschehen , welche rücksieb 
der Örtlichen Verhältnisse und der Genauigkeit der Beobach 
gen vom gröfsten Gewichte sind. Baron v. Wraugel* 
Capitain v. Anjou, welche mehrere Jahre die Nordlichter n 
den höchsten je im sibirischen Polarmeere erreichten Brc 
beobachteten , hörten nie weder ein Krachen , noch auch ü 
haupt ein Geräusch , und nur dann , wenn sie ungewöht 
stark waren , glaubte ersterer ein schwaches Blasen , wie das 
Windes in eine Flamme, wahrzunehmen. Thienemavv ® h 



1 Opp. phys. et ehem. T. V. p. S97. 

2 Reise durch Norwegen. Th. I, S. 861. 

3 Reise durch Scand. Th. V. S. 260. 

4 Tilloch'8 Phil. Mag. 1820. 

5 Physikalische Beobachtungen u. s. w. S. 57. 

6 G. LXXV. 65. Edinb. PhiJ. Journ. No. XX. p. 366. 



, Begleitendca Geräusch. 103 

I bei den vielen von ihm auf Island geseheneu. Nordlichtern nie 

"; m Geräusch , auch sagten ibip solche , die mehrere Jahre auf 

;. jner Insel verlebt hatten , dafs sie nie et^as der Art gehört 

' litten, weswegen er die Existenz eines solchen Geräusches 

giozlich in Abrede stellt;,, ebensowenig hörte Keilhau ^ bei den 

fielisn^voD ihqn in Finme^rken.beobachteten Nordlichtern jemals 

ielbi^^ Geräusch, auch leugneten die meisten Einwohner dessen 

: JBkistens, wenn gleich yiele dasselbe gehört haben wollten. 

fj^jf^^ and seine Begleiter horcl^ten während ihres Winterauf- 

Jl^dialts im Hafen der Insel ]V(?lyille auf das Geräusch , welches 

(Ip^.Nprdlichter begleiten soU^ konnten aber nie eii||e S^ur des- 

l^t^n wahrnehmen, und eben so versichern dieselben, dafs 

m *a Port Bpwea. eine gleiche Aufmerksamkeit darauf ver- 

Wandt, aber ^in gleiches verneinendes Resultat erhalten hätten 3. 

Man könnte gegen alle diese Zeugnisse einwenden, dafs 

dieBeobachterinsgesammt.yoD. dem eigentlichen Sitze derNord- 

Schtex entfernt waren , obgleich dieses Argument auch diejeni- 

|eD tieffen würde, die fiir die Existenz des Geräusches zeugen. 

üa ao gewichtiger aber sind die Erfahrungen der Engländer bei 

ibnc Untenuchung der Nordküsten America's. Hood^ hörte 

j^^Combedand-House bei allen den vielen von ihm gesehenen 

Ibi^chtem nie das mindeste Geräusch, setzt aber hinzu, die 

Sage hiervon sey so allgemein, dafs man sie unmöglich bezwei- 

iehi könne. Fast wörtlich so äufsert sich Franklin ^, mit dem 

Zosatze, dafs auf jeden Fall das Geräusch sehr selten seyn müsse, 

; 4 er bei 200 von ilim selbst beobachteten Nordlichtern dasselbe 

[ ÜB gehört habe« Richakdson^, welcher sein eigenes vernei- 

i ftaäes Urtheil auf eine gleich grofse Anzahl von Beobachtun- 

I pH gründet, fmdet sich dennoch durch das einstimmige Zeug- 

ib der Crees, der Kupferindianer, der Esquimaux und der 

jteheren Residenten jener Gegenden bewogen , die Existenz 

[f^es Geräusches in einigen Fällen anzunehmen. Später scheint 

Üuigens Franklin^ in seine eigenen Beobachtungen ein grö- 

1 G. XC. 621. 

2 Zweite Reise zar Entdeckuiig n. s. w. S. SSO. 

3 Journal of a third Voy. p. 63. 

4 Narrative of a Journey cet. p. 543. 

5 lEbend. p. 553. 

6 Ebend. p. 599. 

7 Narrative of a second Exped. App. Vif« 

Vir. Bd. N 



194 Nordlicht. 

fseres und definitiv entscheidendes Vertrauen gesetzt zu hat 
indem er erwähnt , dafs er bei 343 am Bärensee beobachte 
Nordlichtern ungeachtet der gröfsten Aufmerksamkeit nie 
Geräusch gehört habe. Eine sehr wichtige Auskunft über 
ganze Phänomen aber wird durch Hood^ mitgetheilt. Di 
hörte wirklich bei einem Nordlichte am 11. März 1821 zu 1 
Enterprise wiederholt ein Geräusch, wie von schnell bewe« 
Flintenkugeln, wurde aber durch einen gewissen Wetzel 
lehrt, dafs dasselbe eine Folge der Zusammenziehung des E 
und der harten Schneekruste bei der eingetretene^ stren 
Kälte nach vorausgegangener milderer Witterung sey. W 
lieh stand das Thermometer damals auf — 35** F. und war 
Tage vorher über dem Nullpuncte jener Scale gewesen, 
nächsten Morgen sank die Temperatur auf — 42** F. und 
Geräusch wurde gleichfalls ohne Nordlicht gehört und stim 
genau mit der Beschreibung überein, welche He A rite da 
mittheilt. Auch Hansteeh ^ ist keineswegs der Meinung, 
bei jedem Nordlichte ein Geräusch gehört werden müsse, \ 
mehr meint er, dafs nur diejenigen Beobachter dasselbe zua 
len wahrnehmen könnten , die sich mitten in den Strahlen i 
.selben befänden, weil es zu schwach sey, um in einiger j 
fserer Entfernung vernommen zu werden. Will man in 
hiergegen auch nicht geltend machen, dafs in einigen Fä 
zwar nur ein Rauschen, wie von gährenden Stoffen , ein 
sehen , ein Knistern-, in andern dagegen ein wirkliches Krac 
gehört worden seyn soll, so dafs die ungleiche Stärke desGet 
auch auf verschiedene Entfernungen wahrnehmbar seyn mü 
so mufs es auf jeden Fall befremdend scheinen, dafs bei dem^ 
fsen , an so viel*jn Orten beobachteten Nordlichte am 7. Jai 
1831 nirgends eine Spur dieses Geräusches wahrgenommen wu 
und die ganze Sache mufs im höchsten Grade unwahrscheio 
werden, wenn die Meteore von solcher Gröfse nirgends i 
Spur des allerdings problematischen Getöses geben. Namt 
lieh hatte damals der Nordlichtbogen in Christiansand nur 
was über 11° Abstand vom Zenith, die Lichtstrahlen wi 
ebensoweit am südlichen, als ao^ nördlichen Horizonte sich 



1 Narrative of a Joarney cet. p. 585. 

2 Phil. Mag. and Ano. T. II. p. 340. 



Begleitendes Geräusch. iSS 

r StSrke und anbaltendlen Dauer derselben hStte notb- 
les Geräusch 'wahrnehmbar leyn müssen« 
gewichtigen, einander geradezu entgegengesetsten 
ist es allerdings sehr schwer, ein entscheidendes 
fidlen. Betrachtet man die Sache im Allgemeinen, 
Imrdings die Vertheidiger des Geräusches insofern et- 
i, als sie sagen können, es werde |a nicht behanp« 
fA Nordlicht von einem Getöse begleitet seyn müsse, 
1er könne es allerdings dann stattgefunden haben, 
Uobachter dasselbe wahrnahmen« Im Grunde ist 
tehiung Aaago's^, Wenn er sagt, die affin&irenden 
m hätten auf jeden Fall ein Uebergewicht über die 
' insofern niemand eigentlich behaupten kann , eine 
CS nicht , weil er und andere sie nicht wahtgenom- 
So richtig dieser Satz übrigens an sich ist , so darf 
trorliegenden Falle nicht übersehen werden, dafs das 
n zufälliges , das Nordlicht begleitendes Phänomen 
ondern mit ihm in einen ursächlichen Znsammen- 
wird , mithin auch unter den erforderlichen Be- 
icht fehlen sollte. Es sind aber nach den aufge- 
nissen Nordlichter in so überwiegend grober Zahl 
D denkbar günstigsten Umständen von den aufmerk- 
tachtern mit vorzüglicher Rücksicht auf das beglei- 
ih gesehen worden, ohne dasselbe zugleich wahrzu- 
> hiernach unmöglich ein Causalnexus zwischen bei- 
men werden kann, und so würde also nichts weiter 
Üges Zusammentreffen beider Erscheinungen übrig 
rauf noch aufserdem die angegebene Beobachtung 
hrt, wonach das wahrgenommene Getöse durch das 
hen^des Eises verursacht wurde. 
Ich alles dieses zusammennehme, so scheint mir 
täglichen Punct folgende Entscheidung die richtige 
iS Aussagen Gmelin's und der Grönlandsfahrer von 
m Krachen sind als übertriebene und unbegründete 
fclich in das Gebiet der Fabeln zu verweisen. Auf 
le beruhen eine Menge von Wahrnehmungen des 
Geräusches insofern auf einem Irrthume, als man 
mziehen des Eises und der harten Schneekruste 



L FliyB. XXXIX. p« 414. 

N2 






igß Nordlicht. 

durch veränderte Temperatur, das Bersten und Zusammensto- 
fsen des Eises auf benachbarten Meeren, mitunter auch das 
Urauseu des Windes in höheren Regionen deswegen dem Nord- 
lichte zuschrieb , . weil beide Erscheinungen zufallig zusammen-, 
trafen. Zugleich wird aber aus der zunächst folgenden Unter- 
suchung hervorgehen, dal's zwar kein beständiger und nothwea-j 
diger Zusanlmenhang zwischen dem INordlichte und der Witte*, 
rung stattfindet, dafs aber beide dennoch allerdings in einer ge*. 
wissen ursächlichen Verbindung stehen, woraus leicht eiM« 
Luftbewegung in den obern Regionen und das daselbst nicht Sek j 
ten Stattfindende Brausen gleichzeitig mit dem Nordlichte bediDl^*! 
werden kann. Sollte sich aber endlich nachweisen lassen, d«isdlt,| 
Nordlicht ein elektrisches Meteor sey , so könnte dasselbe skks 
in der Regel immerhin blofs als leuchtend zeigen , in einij 
Fällen würde aber allerdings auch ein solches Getöse stattfindif^j 
können , wie die überströmende Elektricität auch sonst wohl 
zeigen pflegt, worauf verschiedene der angegebenen AussagMi 
bestimmt deuten. So möchte ich namentlich das im 
1827 zii Rochester gehörte Getöse für entfernte donnei 
Explosionen und den beobachteten Nordlichtschein für ein 
haltendes Wetterleuchten halten, um «o mehr, als auch ftia:j8^| 
Aug. 1821 zu Belleville in Invernefs-Shire ein Nordliofat^ Wi 
ein Theil des zugleich beobachteten Gewitters wahrgem 
wurde ^. \ 

f) Zusammenhang mit der Witterung. 

Wenn von einem Zusammenhange der Nordlichter mit 
Witterung geredet wird , so versteht man darunter in der 
nur denjenigen , welcher zwischen diesen Meteoren und 
auf sie folgenden Wetterveränderungen stattünden möchte, 
niger dagegen hat man bisher die Präge berücksichtigt, ob 
Nordlichter durch eine gewisse Witterungsdisposition voi 
verkündigt werden, und noch weniger , ob sie in der Regel 
einer gewissen eigenthümlichen Beschaffenheit der Atmospl 
begleitet sind. Man hat die beiden letzteren Prägen stets 
unbedeutend vernachlässigt, indem vorausgesetzt wird , dafs 
Nordlichter bei jeder Witterungsdisposition erscheinea köni 
durch die Trübung des Himmels aber unsichtbar werden 



1 G. LXXV. 86. 



. Vei-hSltaif« -zur Witterung. ' >^ 

jlÄif jeden F«D ira den Beobachtungsorten- eine sehr heitere! und 
pMure AtmoapIuLre' voraussetzen. Inzwischen scheint - mir «im 
'Mhr sahlreiohen- Beobachtungen hervorzugehen, - dafs gerade 
Ibctzteret nicht der Fall ist, und ich werde daher diese Frage 
* «rtr besondern Untersuchung unterwerfen , wenn, ich su- 
Tor nachgewiesen habe, dafs die. Nordlichter wahrifcheinlioh 
üokt ganz ohne Beziehung auf die nachfolgende Witterung sind^ 
Vv Von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten wid^^rspre- 
tltoiSickdie Aassagen über die Wetterveränderungen , welche 
rJfoMliehter- nach sich ziehen, i Nach Christ. Wolv^- will 
n- RdMca von den Bewohnern derjenigen Gegenden , in 
l^^ie Nordlichter häufig vorkommen , gehart haben , dafs 
üMMli^md dieselben folge, wenn sie sich vor dem Winter 
ftftn Frnhlinge dagegen sollen sie einen trocknen Sommec 
dtgen ;' er selbst- aber ziehe diese Erfahrung in/ZweifeL 
▲n ^ findet keinen Zusammenhang zwischen den Nord* 
JhlMM'uQd der Witterung , ada einer Vergleichung der älteren» 
hin Frankreich durch GjAssendi, MAA^kLni, HiEMOV- 
iJGfotxnj Mai» AH und andere beobachteten Verhältnisse 
ng zu den NordUchtern ging kein anderes , als ein 
es Resultat hervor ^^ 'auch sagt Sertorius^- aus- 
,• dafs zwischen beiden gar kein Zusammenhang statt- 
Hie; Heli«^ dagegen glaubte wahrgenommen zu haben, dafs 
rii^Eälte verkündigten, undPATRiN^ meint, sie zeigten sich 
enr bei grofser Kälte von etwa — 20® bis — 30** R. , eine Be- 
^aoptung, ^reiche vielleicht für Sibirien pafst, in Beziehung 
lif andere Orte, namentlich unter niederen Breiten, und auf 
lie in den wärmeren Jahreszeiten erscheinenden Nordlichter 
her durch die gemeinsten Erfahrungen widerlegt wird. Nach 
1fim9 ^ folgen auf die Nordlichter jederzeit westliche oder süd« 
MStliche Stürme, auch Wolken und Regen, ja er behauptet, 
ieses sey innerhalb 24 bis 30 Stunden allezeit der Fall , denn 




1 Gedanken über das ungewöhnliche Phänomen u. s. w. Halle 
16. 4. S. 29. 

2 Schwed. AbhandJ. Th. XXYI. S. 269. 

3 £acyclop. meth. T. I. p, 356. 

4 Dissert. de aurora boreali« p. 7. 
Ö Cncyclop. meth. a. a. O. 

6 Bibl. Brit. XLV.. p. 89. 

7 Phil. Trans. 1774. T. LXXIII. 



198 Nordlicht. 

seitdem er angefangen habe , darauf zu achten , sey dtfr Erfolg 
Sf3naal nach einander stets derselbe geblieben. I^ T» BuCHi 
hörte von einem gewissen Schttte , die niedrigen NotdUchtec 
seyen Vorläufer von heiterem Wetter, hohe, bewegte, strab» 
lende und flackernde dagegen Vorboten von Stürmen; jedooi| 
zweifelt er selbst an der Richtigkeit dieser Behauptung. Aof 
das von HiiusMANsr am 26.März 1807 gesehene Nordlicht folgfei 
Sturm I welchen er einen sehr gewöhnlichen Nachfolger dieiii 
Meteore nennt ^; inzwischen könnte man diese einzelne Erfaln 
rung dem bloCsen Zufalle zuschreiben. Aber auch ScoRisaTf 
hörte von einem der Lerwick Lootsen , dafs auf die ruhig aü 
Horizonte verweilenden Nordlichter heiterer Frost folge, auf iBt 
glänzenden, nach S. W. sich ausdehnenden Sturmwind IMi| 
jener Gegend; je höher sie ferner zum Zenith aufschössen adl 
je glänzendere Farbeb sie zeigten , desto heftiger sey auch im 
auf sie folgende Sturm. Die erste und letzte Bemerkung fiuMt 
ScoRESBT durch wiederholte Erfahrungen bestätigt , tibeü dB* 
mittleren getraut er sich aber nicht zu entscheiden. Baron ih 
WüAveEL^ erfuhr von den Bewohnern der Nordkiiste Sibirien^' 
dafs auf die Nordlichter Wind von derjenigen Seite her (fifj^ 
wo sie sichtbar waren, fand dieses .aber selbst nicht bettlUfttt 
Dagegen sagt Farqubarsoh^, dafs westliche oder südwestficht 
Stürme das Meteor begleiten oder darauf folgen ; eben so to^ 
richtet Steward^ von der St. Lorenz-Bucht, dafs die Nonft^ 
lichter dort Südwind und Regen verkiindigen, und de laPilatiX 
von Terre - Neuve , dafs man dort am zweiten Tage nach m4 
nem starken Nordlichte sicher auf Sturm rechnen könne. Wiek« 
tiger noch ist das Zeugnifs Herzberg's*, welcher aus Ull< 
svang berichtet, er habe gehört, dafs starke Nordlichter 
verkündeten, die ruhigen dagegen das Fortbestehen des heir# 
sehenden Wetters , wie dasselbe auch seyn möge, dafs auf staib 



V 



1 Reisen. Th. I. S. 861. 

2 • RcUe durch Scand. Th. I. S. 260. 

3 Accoant of the Arct, Reg. cet. T. 1. p, 418. 

4 Phy«Utalitche Beobacht. S. 59. 

5 Phil. Trans. 1829. p. 117. 

6 G. LXVir. 36. 

7 M^m, de la 8oc. Linn. T. TV. p. 462. 

8 Magazin for NatnrTidens. 18^6. Heft 1. p. 145. Darani ia 
Schwcigg. Journ. N. R. XXII. 8. 310. 



Verhlltnift sttr Witterung. ^ fü 

^» Win4 folge , wie er am eigener Et&liniiig 
ntaowMi» liabe. Ans einer Zusaaaienitellang rpn 
iteitt, 'welche von iken selbst während 27 Uuren beoh« 
len worein, e^iebl sith, dals auf U keine Kälte folgte, 
r des Thermometer unter dem Gefrierponcte stand 
detnaf folgte ; war aber das Nordlicht stark nnd er- 
reich bis südlich vom Zenith, so folgte jMhlechtee 
tWind. Endlich sagt Hivokaso«^, die Einwoh- 
betraohteten die starken , flackernden NordUehter als 
loten von Stürmen,* und nach seiner eigenen Brfah«» 
aach wirklich plfltsliehe WindstöCnr oder ftnrm aus 
ler binnen 24 Stunden ein; TamcMAsy' dagegen 
IT Zusammenstelluqg einer groben Menge durch ihn 
lehteter Nordlichter nnd der gleichseitigen Wetter- 
jen den anfgesfellten Sats su beweisen , dab beide 
wk Zosammenhange stehen , . allein unter 20 von ihm 
V Nordlichtern folgten auf 8 wässerige Niederschläge, 
eher Wind und bei 12 wird eine ^lenderung in der 
IS Windes angemerkt , welche Thatsachen eher das 
der aufgestellten Behauptung andeuten, ela dieselbe 
• 

allerdings schwierig , aus diesen verschiedenen und 

och vridersprechenden Angaben ein genügendes Re<* 

luden I inzwischen scheint mir folgendes mit ziem- 

idieit daraus hervorzugehen« Es findet allerdings 

Inwendiger Zusammenhang zwischen den Nordlich- 

ner bestimmt bestehenden oder sich verändernden 

litt, dab beide allezeit oder bei weitem in den mei- 

durch einander bedingt würden , allein dennoch 

jn in den meisten Fällen nachweisbares Veihältnib 

it wohl verkennen, indem auf die Mehrzahl der 

Wind oder vorzüglich eine Veränderung in der 

fSig^ben zu folgen pflegt. Diese Folge scheint mir 

sowohl eine Wirkung des Nordlichts zu aeyui als 

lf einer gemeinschaftlichen Verbindung beider zu 

llerdings kann nämlich das Nordlicht nur dann sieht- 

{lirenn der Himmel im Allgemeinen nicht mit dicken 

i 

Id. Edinb. 1819. p. 277. 
EXV. 61. 

r 



200 Nordlicht. 

Wolken bedeckt ist , indem es von dieser Regel keine ode 

sehr sehene Ausnahmen giebt, allein die sehr allgemein \ 

sehende Ansicht , dafs die Stellen, welche die Theile d 

Meteors einnehmen , eine gänzliche Abwesenheit selbst 

feinsten Wölkchen und alles leichten Dunstes in der Atmos] 

voraussetzen, ist so wenig begründet, dafs vielmehr die A 

senheit der letztern als regelmäfsig stattfindende, wo nie] 

nothwendige Bedingung zu betrachten scheint. Zwar n 

man die vorhandenen feinen Wölkchen nur selten oder faj 

nicht wahr , eben weil sie durch das Nordlicht erleuchtet 

. Auge sich entziehn oder einen Theil des Meteors auszums 

scheinen , allein dieses beweist nichts gegen ihre Existenz 

geht es hiermit ungefähr eben so, als bei einem andern bekai 

Phänomene, nämlich dafs das sehr wohl kenntliche feine 

. wölk am Himmel so lange sehr verdünnt oder ganz versch' 

den zu seyn scheint, als es sich vor der stark leuchte 

Scheibe des Mondes befindet. Ich werde diesen nach n 

Ansicht sebr-^'^f^entlichen Satz nur durch wenige, aber 

gewichtigere Zeugnisse unterstützen. 

Es kann bei dieser Untersuchung von keiner ^rofsen B< 
tung seyn, nachzuweisen , dafs das Nordlicht an verschiec 
Orten, z.B. namentlich in Petersburg, in Schweden, in' 
land u. s. w. , gesehn wurde , während nach der Aussaj 
Beobachter gleichzeitig Gewölk am Himmel war, denn es r 
dieses wohl als etwas Zufälliges betrachtet werden und 
sich dagegen anführen , dafs so oft eben dort und auch 
niedrigem Breiten diese Meteore sich bei heiterer, ja deo 
scheine und dem Zeugnisse der Beobachter nach bei ganz 
Atmosphäre zeigten; allein an- ^denjenigen Orten, wo s 
zahlreich und fast täglich erscheinen , kann eine solche 
kommene Heiterkeit des Himmels schon dieser Menge ^ 
nicht allezeit stattfinden. Aufserdem aber erzählt Fäan 
ausdrucklich, dafs sie zu Fort Enterprise unter^64° 30' 
oft bei dunstige^n (Jiazy) Himmel entstehn , namentlicl 
war am 13. Febr. 1821 der Himmel so bedeckt, dafs kein 
gesehn und blofs die Ränder des Mondes (am 4ten Ta 
Vollmond) undeutlich wahrgenommen wurden, dennocl 
zeigte sich das Nordlicht vorzüglich glän25end. Wichtige 



1 J^arrative of a Jonrney p, 559. 






ft' 
\ 



h 



VerhSitmffs eiir Witterniig.'' JOl 



ibim f M^\^^ü Zw«dL ist die BömwlraBg eben aiasei g«i« 
fwJItt/ toiliitlrtM» ^f aaJb ^M» Wolken am Tag« snweilea dw 
der Nordfidbter •nsahmen, weswegen er iicih geneigt 
9 4ie BiMiiiig dieser Wolken mit der gleichseitig wahrg»- 
jkbwei^lmag^ det Magnetnadel in Verbindung siy! 
Sr,«etxt daqn hinzu, dafs er anfangs die Idee ge-^' 
]jlw sehr lebl\afteh Nordlichter folge StunOi aber 
^|t0iAmen Beobachtungen su Fort Enterprise hätten, 
Äai«r Bfeinung zuräekgebracht , obgleich die EintWoh» 
fjancrCregend aussagten, das Nordlicht habe einen entschei- 
Kipfinfs auf die Witterung des folgenden Ta^es , indeni 
die heOen und sehr beweglichen Wind verkündig-' 
I da» mhigeii und weit ausgebreiteten aber gelindes Wettiir« 
*, konnte nach seinen genauen Beobachtungen sn Cumber- 
I^^Bbnse und Fort Enterprise keinen Einflub der Nordlich« 
die Witterung zngestehn, dagegen aber glaubt er, daCs 
Alt des Wetters und die Beschaffenheit der AtmosphcEre ei- 
'jifcfctiillufs auf diese Meteore ausüben müsse, wie auch noth- 
v^MiBg falge , wenn man den Sitz derselben in nicht beträcht- 
'itWHBIhe über der Erde annehme. Hiermit stimmt 'das 
' 4lll|pHlBiCHARD80v'li' genau überein, welcher einräumt, dab 
W. Beobachtungen der die Expedition mitmachenden Reisenden 
]'9n Fort Enterprise nicht lange genug fortgesetzt wurden , um 
"*die Mieinung der dortigen Einwohner mit Sicherheit zu bestätig« 
! Jfm oder zu widerlegen. So viel glaubt er jedoch aus dein, 
'Was er so oft mit gröfstef Genauigkeit wahrgenommen habe, als 
'^fiwiis versichern zu kennen , dafs das Nordlicht stets von sqI- 
'dben feinen Cirro-Stratus^ Wolken begleitet sey oder ihnen vor- 
'.kergehe, welche tief in der Atmosphäre herabkommend dem 
bbera Theile des Himmels ein dunstiges (milchiges , hazy^ An- 
sehen geben, tiefer nach dem Horizonte herab aber eine Art 
belbank bilden^* Am lebhaftesten war das Nordlicht , wenn 



if 



^- 1 Narrative of a Joamey p. 553, 
^ 2 Ebend. p« 54S und 585. 

8 Ebend. p. 596. 

4 RiCBABDSOHy HooD Und Fkahkliv kannten das Nordlicht haupt* 
dhshlic1& aas der Bescbreibang Dalton's in Rbes's Gyclopaedla, wie 
rrsterer anadrüddich bemerkt, und malsten bei der holten Achtniig, 
rprin dieser gciatreiche Nattff forscher in Eogland steht, im Voraus 
;eneigt seyn, dessen Meinongen bestätigt au finden; ihre Beobach- 



202 Nordlicht« 

diese Wölkchen nicht Dichtigkeit genug hatten, um für tick 
wahrgenommen tn werden , sondern blofs durch einen Hof nni ^ 



tongea Terdienea daher in allea denjenigen Pancten vorzügliche Bf* f 
•chlung, in denen sie von jenem abweichen. Aulierdem sahen il| fc 
das Nordlicht sehr häufig, hatten hinlängliche Zeit and .betmehtetM \ 
es als einen der Hauptzwecke ihrer Reise, dieselben genau ip eH|oi^ 
sehen y wozu noch obendrein kommt, dafs jene Orte unter die hieril 
\ geeignetsten auf der ganzen Erde gehören. Endlich eontrolirtstt dl ^ 
sich gegenseitig, und da sie namentlioh in Beziehung auf den Zasaik '~ 
menhang der feinen Wolken und der Nordlichter mit- demjeniics i 
übereinstimmen, was v. Wrakgel an einem gleichfalls sehr günstig . 
Orte wahrgenommen zu haben versichert, so scheinen mir alle dien 
Umstände wichtig genug, einen Auszug ans dem ausführliches Be- 
richte RicBARDSon's über das Nordlicht am 18. Dec. 1820 raitsathei^ - 
len. Das Thermometer stand um Mitternacht auf — S7* F. «ed dff B 
leichte Wind wechselte schnell zwischen S. W. nnd W. B's 11 Uk, z 
30 Min. war der Hijnmel völlig klar und alle Sterne schienen hil^ 
dann aber wurde er mit denjenigen Wolken überzogen , welche 9^ 
Schiffer silberweifs und blau gestreift {mackevel sky) nennen, fff' 
mischt mit kleinen Theilen der sogenannten Pferdeschweife (mtm 
tails)j beide am übrigens blauen Himmel zerstreut. B^ide WolUs' 
srten waren nicht dick genug, um die gröfseren Sterne gänzlish Sl 
verbergen, verbreiteten sich aber in weniger als 15 Min. über d« 
ganzen Himmel. Bei aufmerksamer Beobachtung sah man , dals £• 
erstere Glasse von Wolken von ihren runderen Theilen Streifen qm 
durch die blauen Zwischenräume nach den gleichartigen WolkM 
sendeten , um sich mit ihnen zu vereinigen. Jn dem Augenblicke te 
Verbindung wurde ein gelbes, ins Böthliche spielendes Licht inte -- 
Mitte der Wolken frei, welches mit verminderter Helligkeit sich bil 
zu den Rändern verbreitete; kaum aber konnte diese Beobaohtoof - 
aufgezeichnet werden, als ein Lichtbogen, durch das Zenith geheel ^ 
und mit beiden Schenkeln in O. und W. 50** vom Horizonte entfeis^ -a 
gesehen wurde. Er war S bis 4o breit, von blafs goldgelber FarH 
und als er aufgehört hatte Licht auszusenden, wurde seine StsHs ^ 
durch eine Lage kleiner flockiger Wolken, etwas dichter als die Wi* 
schriebenen , eingenommen. Der Mond im Süden beschien diese, ablf^ 
sie waren zu dünn, um eine dunkle Seite zu zeigen. Eine Vit 
stunde später erhob sich eine etwas rundere Wolkenmasse in ft< 
ans welcher in 8 bis 10** Höhe mehrere horizontale , etwas 
krümmte Lichtstrahlen hervorschossen. Im Ganzen schienen dieWc 
ken von beiden Seiten des Horizontes, wo ihre untern Punote vStr 
dem magnetischen Meridiane rechte Winkel bildeten, zu conTerftreSr 
während die silberweifsen Flocken sich im Zenith erhielten. V0 
Mittemacht wurden die Wölkchen etwas dicker, warfen das Moed* 
lieht stark zurück, wurden aber unshshtbar, wenn sie vor diessai 
Himmelskörper vorbeigingen. Gleich nach Mittemacht wosde der 




VerhSltnifs zur Witterung« 203 

1 odtr durch das von ihnen reilectirte Licht dieses 
0jrpeis sichtbar wurden. Das Nordlicht ktfnne also 
and insofern diese Wolkenart als Vorseichen der 
; diene , gleichfalls dafür gelten. Hiermit in Verbin- 
t dann auch das bemerkenswerthe Ereigniis, dafs am 
Ler Himmel während der ganzen Dauer des Nordlichts 
m klar schien, dennoch aber ein feiner Schnee fiel, 
seine Theilchen mit unbewaffneten Augen nicht be- 
raren und blofs dann sichtbar wurden , wenn sie auf 
schmolzen, ein Phänomen, welches sich nachher 
erneuerte^. Auch während der zweiten Reise an den 
I America's in der Gegend des Bärensees und des Fort 
lachten die nämlichen Reisenden die Bemerkung , dab 
inen der Nordlichter mit der Anwesenheit feiner Wölk- 
immel verbunden zu seyn pflegt ^« Sie sagen nämlich 
lie Nordlichter seyen nicht blofs lebhafter und von ei« 
ren Einflüsse auf die Magnetnadel, wenn feine Wtfik« 
immel sind , sondern schienen auch aus diesen Wol-» 
amen , wenn gleich der übrige Theil der Atmosphäre 
Ukommen klar zeigte. Zugleich wird bemerkt, daCi 
er waren bei niedriger Temperatur, als bei 



leil des Himmels völlig klar und war scharf begrenzt dorch 
der von N. nach 8. sich erstreckenden Wolken, welr« 
I Zwischenräumen des blauen Himmels einen von O. nach 
treckenden Bogen bildeten. Um den Mond war in einem 
»n 10^ ein schwacher Hof, als an einer hellen Stelle des 
S. W. plötzlich ein Fleck gelblich weifsen Lichtes sicht- 
.an Helligkeit schnell zunahm und dann einen Lichtstrahl 
-welcher über den Rand des Wolkenbogens wegging, die* 
kete und südlich vom Zenith endigte, so daXs er etwa ei^ 
, nach W. gekrümmten ^ogen bildete, kann vollendet aber 
I einzelne Theile, die nach und nach verschwanden, ohne 
ider Wolken zu äudern , welche fortfuhren , sich südlich 
y so dafs der Himmel allmälig sich ganz hell zeigte. Un- 
kern Wolken schwebten einige sehr feine, welche wieder^ 
lehwaches orangefarbenes Licht ausströmen liefsen» Ob- 
|ich die diokern Wolken sich am südlichen Himmel im 
i^aehr kenntlich anhäuften, konnte man dennoch die grö- 
deutlich hindurchsehn, 
lative of a Journey oet, p. 600* 
latif e of a Seeond Expedition. App. Ylf. ; 



204 Nordlicht. 

Witterung, indem ein lebhaftes und farbiges selten wahrgenoi 
' men wurde , wenn das Thermometer über 0* F. stand. 

Nicht blofs den genannten Reisenden verdanken wir df: 
Kenntnifs dieser hier zur Untersuchung gebrachten Thatsadu 
auch ist dieselbe keineswegs ausschliefslich jenen Gegenden d 
genthümlich, sondern es kostet durchaus keine Mühe, eiä 
Menge anderer Zeugnisse aus den verschiedensten Orten aufzil 
finden, sobald' man dieselben nur aufzusuchen anfangt, so dp 
loh blofs einige der bedeutendsten mitzutheilen mir erlaobi 
Kraft ^ benierkt in Folge seiner zahlreichen zu Petersburg 4 
gestellten Beobachtungen , dafs das Nordlicht keineswegs v« 
heiteren Himmel erfordere, vielmehr oft am wolkigen erscheiH 
Von dem Vorhandenseyn solcher feiner Wolken redet 
SCHENBAOEK^ uud behauptet, dafs sie oft das Nordlicht bej 
tend sich von Norden nach3üden bewegten oder' nach dem 
schwinden desselben am Himmel sichtbar wären , Bertho 
aber berichtet in Gemäfsheit zahlreicher eigener und fr< 
insbesondere älterer Beobachtungen , dafs das Nordlicht 
von Wolken begleitet sey, indem diese namentlich in grÖl 
Menge und dichter aufgehäuft den ganzen Horizont zu um 
und sich von hier aus stets dünner werdend nach dem 
hinzuziehen pflegten. Vorzüglich wird dieses Umstandet 
der Beschreibung ausgezeichnet leuchtender Nordlichter ge 
Wargentin * theilt einen Bericht Gissler's mit, welc 
nördlichen Schweden die Erfahrung gemacht hatte, dafs IB 
neu Gegenden die Menschen auf hohen Bergen oft von 
dem Nordlichte ähnlichen Nebel überfallen würden , ja dab 
solcher weifsgrauer, etwas ins Grünliche fallender, sehr d 
sichtiger Nebel von der Erde aufzusteigen und sich in ein N( 
licht zu verwandeln pflege. Diese allerdings höchst auffi 
Angabe kommt auf eine merkwürdige Weise mit einer a 
sehr gut begründeten überein^ Als Blagkader^ nämlich 
16. Jan, 1827 zu Edinburg ein von N. W. heraufziehe; 
Nordlicht beobachtete, fand sich nachher, dafs nadi 

'. i 



1 Nov. Conun. Pet. T. III. p. 390. 

2 Introd. J. 2493. Vergl. J. 2499. 
S Encyclop. meth. Art. Aurore bor. 

4 Schwed. Abhandl. Th. XV. S. 86. 

5 Edinb. Phil. Jouro. N. Ser. N. VI. p. 542. 



Verhaltnifs zur Witterung, 205 

lin zn Ayrshire stürmisches Wetter mit Blitz und Don- 
;efaDden hatte. Auch damals überzog sich der Him- 
*end des Meteors mit dünnem Gewölk, zwischen* wel- 
das Licht desselben wahrnahm , auch schien es selbst 
rig zwischen diesen Wolken zu seyn. Am 9« Sepf« 

«hhres sah man zu Canonmills nach Mittag , wahrend 
1 eine westliche Richtung annahm , den nördlichen 
jch aufklären , indem die aufsteigenden Wolken einen 
deten, welcher sich mehr nach Norden hinzog und etwa 

erreichte. Unter diesem verbreiteten sich sehr dänne 

• 

olken , aus denen ein schwaches Licht ansströmtfgiUid 
ichen Strahlen aufschofs, die man um so tOfklA^ 
^g.. halten mufste , als dieses Meteor sich am Hffid 
vollen Glänze zeigte« Die Beobachter waren geneigt^ 
jungen, der feinen Cirrus - Wölkchen mit denen der 
trahlen in Verbindung zu setzen , auch folgte auf die«* 
so wie auf ein früheres am 29' Aug., eine Veränderung 
es und der Eintritt regnerischer Witterung*. Far- 
i^ zu Alford in Aberdeenshire schliefst ans seinen 
Q Beobachtungen, dafs das Nordlicht in der Regel von 
dkchen begleitet sey oder diese sich nach dem Er- 
esselben erzeugen, eben so Thienemanv^ nach sei- 
land gemachten Erfahrungen, ja dieser glaubt, dab 
I obersten Theile der Atmosphäre als Bogen, Streifen 
en sichtbaren Wolkenschichten den Nordlichtern zum 
lienen, und auch v. Whangel^ bemerkt, dafs die 
trahlen, wenn sie bis ins Zenith kommen, in Gestalt 
^olken verschwanden, welche weifslich ' blieben und 
senden Tage noch sichtbar waren, 
trlohnte sich kaum der Mühe, noch weitere Zeugnisse 
|en, wäre es nicht, um die Gewifsheil und Allgemein- 
lache mehr zu beurkunden. Gilbert^ beobachtete, 
r Theile des Lichtbogens vorzüglich hell wurden, sich 
Aufwärts zogen und allmälig verschwanden; in der 



nb. Phil. Jonrn. N. Ser. No. VI. p. 380. 

rnd. p. B9^. 

nb. Phil. Jonrn. XX. p. S66. G. LXXV. 61. 

"•ikalische Beobachtuiigeu. S. 57. 

^n Ann. XVill. 256. 








206 Nordlicht. 

Gegend des Arkturs aber war das Nordlicht vorzüglich hell und! 
eben dort standen einige feine Strichwolken , die den Stern s«* 
weilen verdunkelten. Auch nach Dufin^ war am 19. Sept' 
1817 während des Nordlichts der Himmel nicht frei von Däp« 
sten und am nördlichen Theile desselben stand, eine kleiw 
Wolke, an der die Lichtbiindel wie an einer Klippe atdiiK 
blieben. Man hat auch oft bemerkt , dafs die an iich beitei» 
Luft bei Nordlichtern in schnellen Wechseln getrübt wird, 
ches Hansteebt als wahrscheinliche Folge einer Verdicfatmift. 
des vorhandenen Wasserdampfes betrachtet. In derThat 

eSy wie mir scheint, nicht zu viel behauptet seyn, wenn 

•nnilpnen wolhe, dafs sich bei jedem Nordlichte einige das»^^ 
•ell^begleitende Wolken am Himmel zeigen oder leichte, 
eigentlich trübende Dünste den Zustand der Atmosphäre m 
ciren, wie dieses auch dann der Fall ist, wenn die FixstenjT^ 
hellglänzend ungewöhnlich stark scintilliren. Hierzu herecbä« • 
nicht sowohl die Men^e der so eben erwähnten Thatsacheo. m^ 
insbesondere ein Ueberblick der vielen Orte , woselbst bei i/iki} 
grofsen Nordlichte am 7* Jan. 1831 die Anwesenheit solcbit'- 
Wolken oder Dünste beobachtet wurde ^. In Colberg endell, ^ 
das Nordlicht frühzeitig mit einer Verdunkelung des gaiMi' • 
Himmels, zu Berlin erhoben sich manche Lichtpart hieen inGt* ■; 
stalt sehr weifser feiner Wolken und bewegten sich diesen Sldh , * 
lieh zum Zenith, in Leipzig zeigte sich schon am Nachmittagl ' « 
eine Nebensonne und die Sterne, durch ein Fernrohr gesell%>- 
flackerten in Folge einer Trübung der Atmosphäre, v. Hon 
fand , dafs der obere Rand des Lichtbogens etwas wolkenaxtkj 
Verwaschenes hatte und ein abgesonderter Lichtfleck sich TOA; 
einem lockern Wölkchen nicht unterscheiden lieb, Mrie andk 
Rries wahrnahm, eben so redet Bisghoff von einer sichbt? J' 
wegenden lichten Wolke, in Versailles wurde eine ähnückl )■ 
Erscheinung gesehn, eben so in Gosport, ich selbst abeihabi^ 
zn wiederholten Malen die schön roth erleuchteten, sehr zarten ^ 
Wölkchen wahrgenommen und bin überzeugt, dafs noch vial ' 
niehrere Beobachter die einzeln sich langsam bewegenden rothea J 
Massen für erleuchtete Wölkchen gehalten haben würden, wenn ^ 
nicht ihre grofse Durchsichtigkeit davon abgehalten hätte , dil ' 



1 G. LXVir. 192. 

2 Mach PoGGZBDOAFr Ann. XXII. 434 ff. 



•VerbSItnif« zur WitteruTig. 207 

ns nichts beweist, cla bekanntlich auch das Ifond- 

ibar nngeschwächt durch dieselben dringt , wenn sit 

k fein sind. In Christiansand endlich war am Nacb- 

I glatteisender Nebel gefallen und während dl.es Nord- 

fen dicke Wolken im Norden und Süden am HimmeL 

nkwürdigsten , wenn auch nicht einzig in seiner Art, 

tdlicht vom 23* Febr. 1805« welches Da ltov, ein 

r Gompetenter Zeuge , beschreibt K ,, Der Himmel, ** 

y war fast ganz mit dicken Wolken bedeckt, hanpt« 

ItSüden, und es regnete etwas. An der Südseite des 

vngefähr in 60* H0fae| wo die Wolken weniger dick 

keinen I erregte eine auffallende wankende (paeil» 

Imme die Aufmerksamkeit der Menschen auf der 

ie glänzte zuweilen so lebhaft , dab man einen 

onte herabgehenden Lichtstrom durch den dick- 

der Wolken hindurch sah, zu andern Zeiten 

die ganze Südgegend wie durch einen Blitz erhellt» 

•nreichte das Zenith nicht , auch fehlte es an der 

5S Himmels, wo die Wolken gebrochen waren*'* 

erbindung, worin hiemach das Nordlicht mit dem 

ht, wird durch die Ansicht FAHQVHAnsov's', ei- 

ig emsigen Beobachters dieser Meteore, bestätigt. 

(t nämlich, dafs in der Gegend von Maray-Firth 

^nith gehende Lichtbogen gebildet werden, die 

Lt den in jener Gegend herrschenden westlichen 

Verbindung ständen , ja nach seinen länger fortge^ 

>achtungen hegt er sogar die Ansicht^, dafs das 

I durch die Bildung der Wolken und die wässerigen 

e erzeugtes Phänomen %ey. Es würde indefs zu 

beorie dieser Meteore führen , wenn ich mich hier 

deres als die Mit^heilung der Thatsachen einlassen 

mufs bei dieser Gelegenheit noch der Einflufs des 
das Nordlicht erwähnt werden. Die häufig vor- 
Angaben, dafs einzelne Lichtwolken sich abgeson- 
au so am Himmel fortbewegt hätten , als gewöhn- 



lon Phil. Jonm. T. X. p. 303. Daraas in G. XXIV. 366. 
Vant. 18^. p. 118. 
1830. p. 108. 



& 



208 Nordlicht. 

liehe yom Winnie getriebene Wolken, deuten allerdinge auf ein» 
solche Ursache hin^ man betrachtet diese Erscheinungen aber 
als dem Nordlichte eigenthümlich < zugehörige Lichtphäno- !, 
mene* Auf gleiche Weise könnte man wohl das Aufsteigen ^ 
der Lichtbögen , die sich mit ungleicher und ungleichförmi- ^ 
ger Geschwindigkeit von Norden nach Süden zum Zenitll ^■ 
und durch dasselbe bewegen , erklären , allein die bisheri- f 
gen Beobachtungen entscheiden hierüber keineswegs genii» V 
gend. Nach Boay de St. Vincent* hat der Wind auf dy ^ 
Nordlichtstrahlen gar keinen Einilufs, weil sie demselben zu- 
weilen entgegengehn ; allein dieses Argument wird durch dit, 
bekannten nach verschiedenen Richtungen gehenden Luftstr(h 
mungen in den ungleich hohen Schichten der Atmosphäre iut. ~ 
zulässig. Bei dem Nordlichte , welches J3iot ^ am 27« Augqit 
1817 beobachtete, schien allerdings ein sanfter N. W. Wirf 
das Meteor nach S* O. zu bewegen* Auch v. WaavgIsl^ sa|[ 
im Nov. 1822, dafs die Säulen eines Nordlichts bei mäfsige« ^ 
N. 0# Winde sich gleichmafsig nach S. W. bewegten. Mitili-'r 
rer Annäherung zum Zenith nahm ihre Geschwindigkeit za^ » j 
dafs sie ihnen näher schienen, als die Wolken gewöhnlich B ^ 
seyn pflegen, was seiner Ansicht nach keine optische TäuaduiDt '9 
seyn konnte. Endlich berichtet auch Hood ^9 dafs er anJZA 
April 1821 zu Fort Enterprise deutlich gesehn habe, wie lUL - 
Wind eine Nordlichtsäule in 10 Minuten von N. O. b, O. nick 
S. trieb. Dafs der Wind hierbei wirksam gewesen sey, schellt^ r 
ihm nicht zweifelhaft, vielmehr findet er es auffallend, dalsC'^ 
diese Wirkung nicht schon früher erkannt habe , wovon er & f 
Ursache jedoch darein setzt, dafs der meistens seitwärts gcgÄ/r 
den Bogen gerichtete Wind auf dessen Bewegung keinen ImKj 
deutenden Einfiufs haben konnte, damals aber, weil er in nöira 
lieber Richtung wehte , mit der Bewegung des Nordlichtbog«ß* 
zusammenfiel , abgerechnet , dafs in dem angegebenen Falle iil 
Meteor der Erde vorzüglich nahe gekommen seyn möge. WenOj^ 
übrigens zugestanden wird, dafs erleuchtete und insbesondeit ■"' 
mit röthlichem Lichte erleuchtete dünne Wölkchen einen ThttT 



1 G. XIX. 252. 

2 Ebend. LXVlf. 19, 

S Physikalische Beobachtungen n. s« w, S. 59. 

4 Narrative of a Journey cet. p. S84. 



1 

I 



J* ' 

V 



• « 



erhiltnifi snr Elektricitit n 

fajAlnomeiie Mismacheli , wie so «ben minjhfttiit 
^heinlich gemacht woried ist, so folgt schon hierans 
i Rinfltifs des Windes auf diese Lichtfiarthieeii aoth- 
•ftige) diesen besdndern Umstand besonders beriick- 
Seobachtongen müssen jedoch entscheiden, wie weit 
f Sicherheit anzunehmen sej« 

{MDni|>pen sind zuweilen als xu&Uige Begleiter der 
ffahl-genömmen worden, Farquhaasov^ aber meint, 
hnn häufiger zeigen^ als sonst, und dals ihre Bahnen 
long der Noifdlichtstrahlen liegen, also der Nei- 
mrallel seyen , weswegen beide Meteore tinaiider 
'schienen. Allein diese Beobachtdng steht unter 
lend zahlreichen über die Nordlichtphänomene sa 
md die Behauptung über die Richtung dir Stem- 
iderspricht sogar genauen Messungen, namentlich 
kVDBS^« Noch ungleich Wichtiger ist, was T« 
Q dieser Beziehung sagtj nämlich: „wenn Stern— 
i Bezirke der Nordlichter erscheinen, so entzünden 
teile. Wo dieselben durchgingen, sogleich Feuer- 
itin Yon ihrem Entstehungsorte sich seitwärts (ndt 
bewegen, und es entstehen an ihrer Stelle andere 
brahlenbündel. Dafs demnach Sternschnuppen am 
r Säulen im Nordlichte Antheil nehmen , ist oft 
kchtet worden. ^' Auch hierbei möchte ich sagen, 
er Täuschung so leicht unterworfenen Thatiachen 
^n , indem es unbegreiflich bleiben Würde , warum 
anter den übermäTslg zahlreichen Beobachtern je— 
linliches wahrgenommen haben sollte. Im Gän- 
se Thatsache mit der Theorie der Nordlichter in- 
l und muls daher dort nochnkals näher erörtert 



xnmenhang mit der Elektricität. 

seit Cahton sehr allgemein das Nordlicht für ein 
länomen gehalten und war daher bemüht, die An- 
er ungewöhnlich grofsen Menge Von £lektricität 



ans. 1830. p. 110. 

kche Beobacht« S. 59« 

O 



\ 






210 Nordliclit. 

1 

in der Atmosphäre wahrend der Dauer jener Meteore nachin« 
weisen ; viele erhielten hierbei ein bejahendes , eben so vicb 
ein verneinendes Resultat; die Geschichte dieser Forschoogea 
zeigt, auf welchem mühsamen Wege man zu einiger sieben 
Entscheidung über diese Frage gelangte. Cantoh * selbst, wel- 
cher das Nordlicht aus einer Ueberströmung der Elektricität VOB ' 
einer positiv elektrischen zu einer negativen Wolke eikliiit«^ 
stützte sich hierbei auf die Erfahrung , dafs er bei Nordlicht« :: 
vermittelst des Elektrometers eine weit gröfsere Menge Lob- 
elektricität wahrgenommen habe , als sonst während der NadK 
angetroffen werde. Winklkh^ war zwar Anhänger der dnnh 
Mairav aufgestellten Hypothese , glaubte jedoch an eine Er- 
regung der Elektricität durch den Stob der Sonnenstrahlen gt* \ 
gen die Erdatmosphäre und fiibrt einige hierauf bezügliche Bf* 
fahrungen an; Morozzo^ versichert, bei dem von ihm am jtV* \ 
Febr. 1780 zu Turin beobachteten Nordlichte das ElektromeM 
in steter Bewegung gesehn zu haben , indem sich dessen KoA" 
kügelchen bis 5 Zolle von einander entfernten , wenn die Stnk* 
len aufschössen, ja die Korkkügelchen sollen sogar dieseoStnln 
len entgegenkommend in die Höhe gehoben worden- tiji{ 
BoECKikAVii^ behauptet, bei dem Nordlichte am 28* JolilTS) 
Starke Veränderungen an seinem Elektrophore wahrgeooMM '. 
zu haben; auch Volta^ fand bei einem Nordlichte (^LA* 1 
elektricität vermittelst des Condensators stärker, undBREWSTlB^ | 
endlich hörte von einem Bekannten, dafs während des Ao&cUh 
fsens starker Nordlichtstrahlen sich das Elmsfeuer auf derKink^ 
thurmspitze zeigte. Allein diesen im Ganzen nicht sehr gl* 
wichtigen Zeugnissen stehen viele andere ungleich bedeotOH 
dere entgegen. 

Viele der früheren Beobachter fanden die Lnftelektrii 
bei Nordlichtern keineswegs ungewöhnlich stark. WiedsbvU 



1 PLil. Tran». XLVIII. p. 356. 

2 Goniectara de vi el. vaporum folarinm in lum« bor. I^ 
1763. 4. 

3 U6m. de PAcad. de Tarin. T. II. p. 328. 

4 Gölting. Magaz. 1. Jahrg. S. 217, 

5 Aas Kozier's Journ. in Gehler*s Wörterb. a. A. Th. lU. S. Mla 

6 Edinb. Joarn. of Sc. IX. p. 75. |l 

7 Beobachtimgen uad MathmafsaDgea über dia NordtcktlMt b 
Jfna 1771. 8. ' ' \i^ 



ITerlilltnifs cur Elektricitat SU 

' ttnttr 8 Nordlichtern ^ dl« er 1709 und 1770 beob- 

buen starke LafteMtrhüt wahr, aber bei zWeieti fahr 

pnran und bei den übrigen gar keine, anch ielgten 

Ir die &st täglich erscheinenden nie eine Spnn Ro- 

jü eine Vermehmng der LüftelektricitMt nur danoi 

ungleich ein Nebel erhob. DiRöMAn' iif Upaala 

M bei den stärksten Nordlichtem niemals Termehrt, 

1^ PitttT^ SU Uinbä in Lappland, ungeachtet er 

h hohe isoliite Stange auf einem Felsen aufgesteckt 

Oalliciv^ selbst nicht bei der Anwendung einte 

Drachem Auch S. P. vavSwibdiv^ tneint| die 

ifmehrter Luftelektricität sfieyeii so zweideutig , daCi 

Ibheine, gar keineta Einflofs der Nöhilichter auf die 

toet ElektricitX^ atittinehttien. Fragt knin nach den 

'wdche die neuei'en Physiker ifl dieser Beziehung 

bn, so sind diese nicht zahlreich, well sia in^die 

Ib^r Nordlichter ftillen ^ aHein atlch diese efttschei- 

I 

ttn gegen den Eihflnfs des Nordlichts auf das EIek« 
i scheint mir indefs überflüssig, diese einzeln anf- 
reswegen ich tnibh blofs auf das Zeugnib Hiv- 
kde, wdcheV atitf <^ben diesem Grunde FRiVKiiif^s 
fr unzulässig erklärt. Aiii ^ntscheidendsvsta müssen 
dtate der neuesten , mit grOfster Genauigkeit ange- 
ftche seyn» Indefs Sc^orzsbt^ konnte bei allen 
henen Nordlichtern , namentlich bei einem am 20* 
ad eine Spur von Luftelektricitftt am Elektrometer 
Paray* und seine Begleiter fanden bei ihren 
ihtungen des Nordlichts auf der Insel Melvilfe, däla 
dektrometer nie dadurch zur Divergenz gebiracht 
entlich erwähnen sie dieses bei den am 9« Not, 
Jan« 1820 und am 9. Febr. desselben Jahres gese- 
hen I mit dem Zusätze ^ dals das Elektrometer ge- 

kans. XLIV. p. 199. 
lill. p. 385. 

omm. Petrop. XIV. P. JI. p. 48. 
Je TAcad. de Bruxelles T. IIL p. 10. 
des M4m. sar Tanalog. cet« T« Ifl, p. 204« 
lg. Jonrn. N. R. XVI. 201. 
t of the arc. Reg. T. I. p. 883. 418. 
Reise e^ s. w. 8. 196. 2U. 239. 

02 



i 



212 Nordlicht, 

naa beobachtet worden sey, welches noch obendrein mit einei 
isolirten , vom Mastkorbe bis auf das Eis herabgehenden Kette 
in Verbindung stand. Ein gleiches verneinendes Hesuhat et* 
hieken dieselben auf ihrer dritten Entdeckungsreise^. Oft y 
brachten sie an isoHrenden Stäben eine Kette so an dem Haupt- ' 
xnaste an, dafs eine oben mit ihr verbundene Spitze über diesea 
und im Ganzen 115 F. über dem Meeresspiegel hervorragte, aber 
das Blatlgoldelektrometer zeigte am untern Ende derselben keine 
Spur von Elektricität ; dennoch aber gab eine kleine Elekiri" 
sirmascliine sehr starke Funken. Man mufs bei diesen Berick- 
ten wohl berücksichtigen, dafs sich diese Reisenden oberhalb 
des eigentlichen Sitzes der Nordlichter befanden 2, weswegm 
sie ihnen auch nie so nahe kamen, als ihren Landsleuten an der 
Nordküste des americanischen Festlandes. 

Die durch diese letztern erhaltenen Resultate sind in des 
That merkwürdig. Ho od ^ beobachtete anhaltend ein 50 F« 
über der Oberfläche der Erde aufgehängtes Elektrometer, fand 
jedoch nie , dafs dasselbe merkbar vom Nordlichte aiHcirt wurdii 
Zu eben dieser Ueberzeugung gelangte Faanklin^ während 
seines Aufenthalts zu Fort Enterprise. Auch Richardsoi^ 
konnte an eben diesem Orte während der ganzen Dauer dei 
Winters mit einem nach de Saussuae construirten ElektriNBfr* 
ter nie die mindeste Spur von Luftelektricitat wahmehmeDy' 
dennoch aber war die Elektricität der Menschen so stark, dalk 
die Holundermarkkügelchen zur gröfsten Divergenz auseinander 
fuhren , wenn die Hand das Instrument berührte , die trockn^ 
Haut aber bewirkte, dals beide Hände an einander gerieben 
starke Elektricität entwickelten, die durch den Geruch kennt- 
lich wurde. Noch mehr war eben dieses merkbar bei den Kan- 
ten der ausgestopften Thiere in den Zimmern, indem diese nidit 
selten , selbst ohne gerieben zu seyn , dem genäherten Knöchd 
einen bedeutenden Funken gaben. Auch aus den Beobachtun- 
gen, welche Capt. Franklin® unter höheren Breiten bei sci- 



1 Joarn. of a third Voy. p. 68. 

2 S. oben unter b. 

S Narrative of a Journey cet. p. 543. 

4 Ebend. p. 553. 

5 Ebend. p. 598. 

G Marrative of a second exped. App. VII. 



'. Verhaltiiifs £ur Elektricitat. ttii 

Bern A^AMiAiIfe am Bärensee und sa Fort Franklin anstellte, 
png das Resultat hervor^ dafs das Blattgoldelektrometer nie vom 
^Hordlichte affidrt wurde. 

^.' Aber eben diese verneinenden, der Wahrscheinlichkeit 
ucht xusagenden Resultate vermochten Hood^, eine etwas ab« 
«eichende Methode des Beobachtens zu Fort Enterprise zu wSh- 
ko. Es wird nämlich in der Folge erwähnt werden, äafs die 
An der gleichzeitigen Abweichung zweier Magnetnadeln ihn auf 
fie ¥ermtithnng brachte , diese selbst möge wohl Folge der 
Biilktricität seyn; weil aber das gemeine Korkkugel - Elek- 
HonMter nie die geringste Spur von Elektricität wahrnehmen 
Seb| so verfert i gte er sich für diesen Zweck folgendes Instru- 
toant Eiii«'6 Zoll lange messingne Nadel, auf einer Compafs- 
dmte befestigt , wurde auf einet kupfernen Spitze in einer höl* 
MMte jBSchse balancirt , welche letztere an der einen Seite eine 
Sblbefihdig von 60 Graden des Kreisbogens trug und mit einem 
MMn bedeckt wurde, an welchem alle Fugen mit Papier 
.ibeiUebt waren, um den Zutritt der Luft abzuhalten. Damit 
fiiEUtncität eben ^ogut, als bei messingnen Gompafsbüch- 
SM'y. sfegideitet Werden könne , steckte er einen 8 Zoll langen 
SiMfaht lothrecht so durch den Deckel, daüs sein unteres 
EiMhr.iich in gleicher horizontaler Ebene mit der Nadel befand, 
vd cäne Glasplatte erlaubte dann in das Innere der Büchse zu 
fehen« Nachdem die Prüfung ergeben hatte , dafs der Apparat 
leisen Magnetismus enthielt, wurde er am 3. Mai auf ein be- 
decktes Gesimse an der Aufsenseite des Hauses in einer Rieh— 
tiiDg nahe genau von O, nach W. gesetzt, indem die Nadel sich 
in 25 Minuten Entfernung vom genannten eisernen Conductor 
kfind und die Büchse durch eine angebrachte kleine Libelle 
(glass bubble) gegen jede unbemerkte Bewegung gesichert war. 
Die Nadel stand um 12 Uhr noch unverändert, es ward kein 
Nordlicht beobachtet, aber Franklikt sah bald darauf eins und 
um 8 Uhr Morgens am 3. Mai war die Nadel mit dem Condu- 
irtor in Berührung. Hood bewegte sie 40 Minuten weit von 
demselben und beobachtete die nämliche Wirkung wieder am 
L, 5., 6., 9., 10» wnd 11. Mai, an welchen Tagen jederzeit 
/ordlichter w^aren , die an den übrigen fehlten. Das Thermo- 
»eter stand während dieser Zeit zwischen 26* und 56*^ F» am 



1 Narrative oi a Joarnej cet. ^, 586. 



214 Nordlicht. 

Tage, 10^ und '33** F. . bei Nacht, die Bewegang der NaW 
"wurde allezeit erst am folgenden Morgen wahrgenommen« Am 

12. Mai war kein Nordlicht und die Nadel blieb ruhig , aber am >j 

13, Mai um Mitternacht schössen mehrere Lichtbögen von N* W«:; 
nach S. O. und die Nadel wurde aus einer Entfernung von 1* 
angezogen; die Temperatur war 12' F. Um den Apparat zam 
eigentlichen Elektrometer zu machen, wurde das Pivot derNt- .a 
del und der Conductor durch Siegellack isolirt und das Ganxi .'. 
an seinen frühern Platz gestellt. Am 14. Mai war die Tempe* 
ratur 54* F., es entstand ein heftiger Wind aus N. N, W. mit 
Schnee und das Thermometer ging um Mitternacht auf 19* F/ ^ 
herab. Am 15* um 9 Uhr Morgens war die Nadel bis auf 30* -i 
Entfernung vom Conductor abgestofsen und konnte mit ih» « 
nicht zur Beriihrung gebracht werden , bfs letzterer zufällig be« 
rührt war. Am 24* Mai zwischen 10 und 12Uhr Abends wnrJs 
die Nadel abermals angezogen und dann bis 25^ abgestobeoi 
Faankliv aber bemerkte am folgenden Morgen eine Ablenknnff 
seiher Magnetnadel von 20 Minuten , woraus also auf die Aa« 
Wesenheit eines Nordlichts geschlossen werden konnte, Dil 
dann folgende lange Dauer der Tage hinderte leider die Fort* 
Setzung dieser interessanten Beobachtungen, Hood sieht II 
als gewifs an, dafs die beschriebenen Wirkungen von der fikh- 
tricität herrührten, wagt aber nicht darüber zu entscheiden, ob 

' diese durch das Nordlicht zugeführt oder abgeleitet wurde. 

Da man die letztere Schlufsfolgerun^; nicht wohl in Abnfa 
stellen kann, so darf man es als ein ziemlich sicheres Resulüt 
der gesammten mitgetheilten Beobachtungen betrachten, dab 
das Nordlicht allerdings von einer Veränderung der Luftelektri* 
cität begleitet ist, allein nur an denjenigen Orten, denen dien 
Meteore ganz eigentlich zugehören, und auch dort kann dieselbl 
nicht anders als achwach seyn, weil sonst auch die übrigen 
Elektrometer mindestens einige Spuren davon ge2;eigt haben 
müfsten. Wenn hiermit die einzige Beobachtung von MoROZZO 
unvereinbar ist, so mufs man gestehn, dafs diese neben so 
vielen andern, das Gegentheil von jener beurkundenden, nicht 
sehr ins Gewicht fallen, kann und allzusehr auf die VermuthuDf^ 
einer stattgefpndenen Täuschung führt« 

h) Zusammenhang mit dem Magnetismus. 
Das Nordlicht steht auf mehrfache Weise im Zusammen- 



Verhältnifs zum Magnetismus. ^15 

Inge mit dem fellurischen Magnetismus^ wie Iispiptsächlich 
den neuesten Beobachtungen unverkennbar hervorgeht, ja 
e sind so weit gegangen , dasselbe für eine rein magnetisch« 
iieinung zu halten. Die Untersuchung hierüber mufs daher 
einen gewissen Grad der Vollständigkeit haben , und um 
n möglichst zu erreichen , scheint es mir am zweckmäfsig- 
die einzelnen Verhältnisse zu sondern und jedes für sich 
betrachten , wodurch auf jeden Fall die Uebersicht erleich- 
wird. 

■ 'i) Man nimmt an, die Ebene der Nord lichtbtf gen stehe 
t auf dem magnetischen Meridiane oder bilde mit die- 
zwei rechte Winkel und die Krone des Nordlichts befinde 
allezeit an derjenigen Stelle des Himmels , wohin die Süd- 
der Neignhgsnadel gerichtet ist. Dafs diese ßehauptun* 
nicht durchaus hypothetisch seyen, läfst sich leicht aus ei« 
groben Menge von Thatsachen darthun. Gassevdi^ sagt 
dem Nordlichte , welches am 13. Sept. 1612 die allgemeine 
amkeit so sehr erregte , dafs dasselbe genau im Norden 
, und so mufste es auch seyn , weil die Abweichung der 
del in Frankreich damals nur etwa 1 oder 2^ betrug, 
irst als diese zunahm, bemerkte man die mehr westliche 
ng der Nordlichter. Halley^ aber setzt den Mittelpunct 
Krone bei dem von ihm 1716 beobachteten Nordlichte in 
Kopf der Zwillinge , welches ungefähr 20* Abstand vom 
, also fast genau den Punct giebt , wohin die verlängerte 
der Neigungsnadel trijBPt. Dagegen bemerkt schon Ma- 
I bei der zu seiner Zeit mehr westlich gerückten magneti- 
Abweichung^ dafs das Nordlicht 10* westlich stand, eben 
DRREBOW zu Kopenhagen, und Godin^, welcher dasselbe 
genau im Norden gesehn haben wollte, fand am 22* Febr» 
eine westliche Abweichung von 14*« Obgleich also kei- 
egs alle Nordlichter genau an der nämlichen Qtelle sich zei- 
, so fanden die Beobachter sich dennoch schon in jenen frü- 
Zeiten veranlafst, eine Abweichung derselben nach W« 
hin den meisten Fällen stattfindend anzunehmen, ja man 
b sogar aus der Vergleichung der Beobachtungen im 17ten 



' 1 Opera. Lyon 1658, Vf. Vol. fol. T. II. p. 107. 
"f Phil. Trans. No. 347. 
;f M^m. de TAcad. 1734. p. 569. 



216 Nordlicht. 

Jahrhunderte und im Anfange des 18* Jahrhunderts von Ol8* 
SEKDiy Cassini, Makaldi, Godin und andern , dals der Ott j 
des Nordlichts mit der Abweichung der Magnetnadel überein- l 
stimme, wie dieses namentlich Lemonnieh^ als erwiesen aiu« 
spricht , obgleich einige Fälle , in denen es genauer im wahren 
Norden beobachtet wurde , nicht unbekannt blieben. Nach Ca<« 
VENDisu' war die Mitte des Nordlichtbogens am 23. Febr« 178( 
etwa 18^ westlich, die Abweichung der Magnetnadel aber betrag 
23^ Noch entscheidender ist das Resultat einer langen Reihe von 
Beobachtungen, welche Daltoit in Kendal und CROSTWiUni ^ 
in Keswick in den Jahren 1702 und 93 angestellt haben, liQ 
nach die Mitte der Bögen fast allezeit genau im magnetisches ! 
Meridiane , der Mittelpunct der Krone aber in der Verlange« 
rung der Neigungsnadel lag^. Gilbert, Wrede und AuSFiui 1 
bemerkten bei den von ihnen beobachteten Nordlichtern , i»b ^ 
der hellste Punct derselben mehr westlich und die gröfste Höhe^ * 
des Lichtbogens im magnetischen Meridiane lag^. HANSTilf i 
fand durch genaue Messungen am 7f Oct, 1816 das Azimuth des 
Nordlichtbogens = 12** 11' und den Mittelpunct der Krönt 
= 73** 10' S. , hei dem am 8. Febr. 1817 ^ber ersteres =: Hf 
57') letzteren in 74^ 39% diso mit der mittlem Abweiohim. 
und Neigung der Magnetnadel genau übereinstimmend, Aa/ii- 
BiOT ^ mafs auf Unst am 27« Aug. 1817 die Lage heider Sehe»- 
kel des grofsen Nordlichtbogens und fand die Mitte derselben mit 
etw£^ um 4^ von der Richtung der Deklinationsnadel abweiche|idl| i 
welche 28^ 50' westlich vom astronomischen Meridiane abstt^iQdt 
Inzwischen stellt Biot selbst, so sehr er den 3atz vertheiv 
digt, dafs die Ebene des Nordlichtbogens mit dem magnetischen 
Meridiane zwei rechte Winkel bildf , nicht in Abrede , daEl' 
namentlich unter htihern Breiten, wo die Kraft der D^kliuatiqDS^ 
nadel nur geringe ist , bedeutende Abweichungen hiervon vorr 
kommen , wie er selbst aus der Berechnung der Azimuthe meh« 
rerer durch Celsius zu Torneä in den Jahren 1736 und 1737 
beobachteten Nordlichtbögen fand. Um so mehr aber soll ge- 



% Lois da Magnetisme. Par. 1776. 2 Voll. 8. T. I. p. }53. 

2 Phil. Trans. 1709. 

5 Dalton me^eorqlogical observatlons and essays. Lond« 179S» p. 54. 
4 G. XIX. 108. I^XVIL XU, 

6 Ebeiid, LXYII. 11. 



- Vejhlltnifft znm Magnotismns. 217 

im in jenen Oegesden die Mitte der Krone in der verlHnger^ 
n Axe der Neigangsnadel liegen. 

Bei einer so wichtigen Frage mufis man sich nothwendig 
Ach mehreren Zeugnissen und aus verschiedenen Gegenden 
nuehn , weil die Abweichung der Magnetnadel nicht überall 
[^nch ist, die Resultate 'in dem nämlichen oder in einander 
bidie Ke g endifc Meridianen aber durch blofsen Zufall überein- 
Mibnea kttonten. Nach t. Wranokl^ fingen die Nordlichter 
il Biscbne-Kolymsk meistens in N. O. Viertel an und die Mitte 
der Breite des leuchtenden Segments lag im Allgemeinen im er- 
oder sweiten Striche vom wahren N. nach O. Dort ist 
dk Abweichung ==11® 45' fc'stlich. Dagegen sah Eamav ' 
den Nerdlichtbogen am 1. Dec. 1828 zn Tobolsk westlich vom 
■tvenendsqhen N., obgleich auch dort die Abweichung der 
Hagiietnadel östlich ist; ja die'Einwohqer jener Gegenden sag- 
^■i, dali es dort zweierlei Nordlichter gebe , die stärker leuch-» 
itnden in Ostlicher und die schwächeren in westlicher Richtuiig. 
lUi Dvrz« 3 stand zu-Glasgow am 19. Sept. 1817 der Nord-^ 
*tdUbf|ai fast senkrecht auf dem magnetischen Meridiane , da- 
^|nr;^nd Kater ^, dafs die Ebene des Nordlichtbogens am 
JIMtft 1828 auf dem magnetischen Meridiane lothrecht stand, 
FiAf VHARSON ^ aber schliefst aus seinen' zahlreichen Beobach-t 
tugeUi dafs der Nordlichtbogen in der Regel auf dem magne- 
tildien Meridiane senkrecht stehe , es gebe jedoch nicht wenige 
Ellle, in denen das Meteor sich östlich oder westlich von dem- 
aclben zeige. Diese Unregelmäfsigkeit in der Lage des Nord- 
Schtbogens nimmt unter höhern Breiten zu, wo die Kraft der 
Deklinationsnadel schwächer, die Deklination gröfser ist und 
mm sich mehr in der eigentlichen Region der Nordlichter befin- 
det ANnREAS Ginge 6 sah in Gothaab unter 64* 10' N. B. ani 
12. Dec. 1786 ein Nordlicht, welches sich in O. erhob, so nach 
dem Zenith aufstieg und einen in N. und S. auf dem IIprizoHte 



1 Physikalische Beobachtangen S. 58. 

2 Fosgendorff Ann. lOfll. ^^1. 

S Ann. Ch. Phy». VI. G. LXVII. 190. 

4 Ann. Ch. Ph. XXXIX. 416. 

5 Edinb. Journ. of Sc. N. S. No. XII. p. S92. Vergl. Ediub 
Phü. Joam. No. XVI. p. 308. Phil. IVHns. 1329. p. 110, 

6 Hansteen in Schweigger's Joam. N. R. XVJ. 189. 



218 Nordliclit. 

stehenden Bogen bildete; nach TBiEVEiiAffv^ dagegen geht desi. 
Nordlichtbogen auf Island von N. O. nach S. W« mit ungU» 
chen Abweichungen nach beiden Seiten , was mit der dortig 
magnetischen Deklination von ungefähr 35° westlich recht g^jlj 
übereinstimmt. Keilhau ^, dessen interessante Beobachtan|^i§; 
in Finmarken schon mehrmals erwähnt worden sind, bemi 
ausdrücklich, dafs der höchste Punct des Bogens wenigstens ni< 
allezeit im magnetischen Meridiane lag , sondern etwas nördlidkijp 
davon abwich. Von grofser Bedeutung endlich ist die AngalM . 
ScoEESBT^s^, dafs der Nordlichtbogen an der Ostküste GrÖnlurfl 
, unter 64® 41' N. B. bei 30° westlicher Abweichung der 
nadel zuerst im Norden erschien , durch das Zenith ging 
fast den südlichen Hqrizont erreichte. Man findet indeb diflll,i 
abnorme Richtung des Nordlichtbogens häufiger in den hock 
nördlichen Theilen des atlantischen Oceans. Die Beobaohtua«, 
gen des grofsen Nordlichts am 7* Jan. 1831 sind noch überall Eir 
frischem Andenken und es genügt daher im Allgemeitien tXL hüak 
merken , dafs dasselbe meistens im magnetischen Norden gM 
sehn wurde , am auffallendsten zu Christiansand , wo sich dfai*' 
Krone auch sehr genau in der verlängerten Axe der Neigw^' ' 
nadel bildete; blofs in Wien hatte dasselbe eine Östliche L^ 
ein allerdings auffallender Umstand, allein schon die mitgeriliS^. ^ 
ten Thatsachen und noch mehr die weiter beizubringenden 
gen, dafs solche Anomalieen keineswegs unerhört, ja selbst 1U6^';< 
einmal sehr selten sind« 

Vor allen Dingen mufs es von grofsem Interesse seyn , 
Berichte der englischen Reisenden an der Nordküste Ameri 
auch über die vorliegende Frage zu hören. Der Kürze weg 
bemerke ich nur im Allgemeinen, dafs nach dem, was o 
(unter b) bereits mitgetheilt worden ist, Parry bei sei» 
Aufenthalte auf der Insel Melville die Nordlichter der Rieh 
der Magnetnadel gemafs im Süden sah, auf seiner Rückfi 
aber die eigentliche Linie dieser Meteore durchschnitt, bissiij 
ihm nördlich erschienen. Auch zu Port Bowen mufsten ai ; 
noch in südlicher Richtung gesehen werden. Als eins der gt^ 
wichtigsten Zeugnisse dient aber das des Lieutenants HooD 

1 G. LXXV. 66. 

2 Ebend. XC. 619. 

3 Reise, über», von Kries. 5. SO, 

4 Narrative of a Journcy cet. p. 543. ;; 



■» 



Verli21tiiif« «um Magnetismu«. , , 319 

ilufh« TOB atiiiMD Anbotliake in Comberland-Hoiiio antw 
1^^ N, B. «ii4 bei etw»'18^ östlicher Abweichung der BbgBet^i 
tld «nsdiÜGklich erwähnt | i»t$ die Bewegung der Nordlicht« 
llfHi stets Ton If.. nach 9» gerichtet war, wobei »le nie mehr 
||'20^ ▼oes nagnetitchen Mendiane abwichen, indem ihro 
pMpancts eben so .oft im wahren als im magnetischen Meri« 
Bmm Itfgen. Eben dieses besagen die Berichte Fbavkliv's^ 
m Fort Entnpriso unter 64* 2tf 24" N. B. 1 13^ 6' W. L. von 
jaf enwich, wo die Abweichung der Deklinationsnadel 36* 24' 
'^ «itliGh und die Neigung der InWnationsnadel 86^ 58" 42'' 
lÜiiglL Darin heilst es ntimlich, dal# die horizontalen Stiei- 
i» und Massen von Licht an jedem Theile des Himmels und 
iJft'Vflv nngleiohen Höhen erschienen, meistens im magnetischen 
L*Wid W»9 jedodi wurden sie mehr als einmal im magneti«* 
'Aam N« anfangend und im magnetischen S. endend gesehn« 
Sit Bq^mi dagegen stiegen l^ei weitem am häufigsten so am 
fcitna] iinf nnd bewegten sich in einer solchen Ebene, dafs 
il^nA lern magnetischen Meridiane zwei rechte Winkel bil«- 
Ifor einmal sah Fhahkliv einen Nordlichtbogen vom 
in N. «um magnetischen 8, fortlaufend^. Nach lan-> 
ten Beobachtungen giebt auch Höon^ an, dafs die 
HSmiEehtbdgen sich zuweilen mit ihren Mittelpuncten im ma- 
paelischen Meridiane erheben, setzt aber hinzu , dafs sie zuwei- 
len auch einige Grade östlich und westlich von diesem sich zei- 
{SB; RiCfiARDSON^ aber versichert, so sehr er auch Daltgn's 
lleinuog achte , könne er doch in Folge eigener Anschauung 
lidbt $ug6ben , dafs die Nordlichtstrahlen insgesammt die Rich^ 
■Dg der Neigungsnadel hätten , auch bilde der Nordlichtbogen 
GBineswegs jederzeit zwei rechte Winkel mit dem magnetischen 
Ibridiane, indem er sich vielmehr sehr oft nach dem magneti- 
Apn O. und W. wende. 

Aus allen diesen vielen Beobachtungen geht wohl als End-» 



1 Eine oben unter b erwähnte Angabe FrahK-lin's , welche mit 
jer hier mitgetbeilten nicht wohl vereinbar ist, beruht vermuthlich 
■feinem Irrthnmc, einer Yerwechselung, denn die hier aufgenom- 
lene stimmt mit den Resnltaten der übrigen Beobachter an dem nam- 
Bihen Orte genau überein. 

2 Narrative of a Journey» p« 551« 
S Ebend. p. 580, 

4 Ebend. p. 5^« 



220 Nordlicht. 

resaltat unverkennbar hervor , dafs zwar unter mittlem Breil 
oder eigentlicher in bedeutender Entfernung von derjenigi 
.Zone, in welcher die Nordlichter einheimisch sind, mag die» 
Abstand südlich oder nördlich liegen , die Richtung des N( 
lichtbogens wo nicht ganz allgemein, doch bei weitem in 
meisten Füllen mit dem magnetischen Meridiane zusammen! 
dafs aber in jener Zone selbst dieses Gesetz wegen der Meii| 
der stattßndenden Ausnahmen kaum noch bestehn kann* 
her sah Parut auf der Insel Melville unter 75* N. B. das 
teor allezeit in südlicher Richtung , dafs aber Capt. Air joü 
in eben dieser unter gleich hohen Breiten im sibirischen Ei 
meere gesehn haben sollte, wird nirgends angegeben , vieloM 
setzt T. WftA^GEL sie ohne Ausnahme nach Norden. Eai 
aber befand sich in Tobolsk offenbar zwischen den beiden 
gnetisclien Polen , und da die Nordlichter diese Vorzugs^ 
umlagern, so ist die Angabe dei^ dortigen Einwohner, dafs 4ljj 
die Nordlichter bald in westlicher, bald in östlicher Richl 
sehen, die letztern als die nähern und jener Gegend eigenl 
augehörigen aber stärker , hiermit vollkommen harmönirend« *^ r ' 
Noch ist es nöthig, den Ort der Nordlichtkrone betbiBdUft.^ 
.zu erwähnen« Hansteen^ sagt, die Erfahrung scheine gu^ - 
zuhaben, dafs die Nordlichtkrone stets im magnetischen lU- > 
lidiane, in der Verlängerung der Neigungsnadel liege, und essul^ 
auch so eben einige ältere Beobachtungen erwähnt worden, wdt'?- 
che diese Behauptung unterstützen, wie dieses nicht minder belj= 
einigen neuern der Fall ist. Nach Kater ^ war die Höhe A 
Nordlichtbogens am 29. Sept. 1728 = 72** südlich und er W 
dete also mit dem Horizonte einen gleichen Winkel, als 
Inklinationsnadel. Allein dieser nämliche Bogen (wenn es 
ders der nämliche war) hatte zu Gosport nur 70^ nördliche Hdl 
und zuLynn-Regis nur 56**. Andere gemessene Bö^^en ei 
reichten auch diese Höhe nicht, z. B. der am 1, Dec. 1828 z*^« 
Manchester gesehene, welcher nur bis 30°, und der am 26. Dec, - 
welcher nur bis 20** am Himmel heraufkam. Farqüharsox' 
beobachtete das Nordlicht sehr liäulig zu Aberdeenshire und fin- f 
det hiernach die Höhe des Cogens in der Regel nur 25 oder 30'f t 

1 Poggendorff Ann. XXf!. 482. « 

2 Ann. Chim. Phys. XXXIX. 416. 

3 Edinb. Phil. Journ. No. XVI. p. SOG. 



Verlialtnifs zum Magnetismus. 221 

inveilen aber weit niedriger^ .selbst nur 5 bis 10^} setzt jedooh 
inzu , dafs einige derselben mitunter über das Zenith hinaus- 
chn. Ebenderselbe meint aber, dafs der Vereinigungspunct 
«r Nordlichtstrahlen zur Krone 10° südlich vom Zenith sich 
c&nde, und. nach spätem Beobachtungen hält er einen Abstand 
kpSKlben von 15® noch für richtiger*. NachHiLLSTROid^ end- 
ich beträgt der Abstand der Krone vom Zenith zwischen 0^ 
md 12° südlieh ; einmal war dieselbe jedoch auch nördlich. £s 
rigiebt sich hieraus im Ganzen , dafs die Höhe der Nordlicht- 
><Sgen zwar sehr ungleich ist^ wenn dieselben sich aber zu ei- 
icr Krone gestalten oder die verschiedenen Nordlichtstrahlen 
ich hierzu vereinigen ^ was nur in seltenern Fällen geschieht, 
laan scheint allerdings dieser Vereinigungspunct nahe genau in 
Icr verlängerten Richtung der Neigungsnadel zu liegen ^ Wor- 
ms unmittelbar hervorgeht, dafs eine und dieselbe Krone nicht 
ui verschiedenen^ weit von einander entlegenen Orten beobach- 
Irt werden kann. Gelegentlich will ich noch erwähnen, dals , 
UchHooD' die Strahlen und Blitze des Nordlichts in der Re*- 
«1. der Bichtung der Neigungsnadel parallel seyn sollen, denn 
» extcbienen im magnetischen Meridiane lothrecht, zu beiden 
Saiten desselben aber gegen den Horizont geneigt. 

2) DaTs das Nordlicht auf die Magnetnadel einen EinÜuTs 
habe^i ist zwar von einigen in Abrede gestellt, von der Mehr- 
KaM der Beobachter aber mit solcher Befatimmtheit behauptet 
Bvorden, dafs diese Thatsache wohl für factisch begründet gel- 
ben darf. Celsius * und Hiörter ^ , die ältesten Zeugen, dür- 
bma insofern für vorzüglich \Vichtig gelten , als sie den später 
mfgefandenen Zusammenhang zwischen der Elektricität und 
Um Magnetismus nicht ahnden , folglich den Einflufs der ihrer 
Ansicht nach elektrischen Nordlichter auf die Magnetnadel nicht 
Unthmafsen konnten, dennoch aber bemerkt zu haben versi- 
Jiern dafs die Abweichung der Deklinationsnadel sich wäh- 



1 Phil. Trans. 1829. p. 110. 

2 Diss. de arcubus lum. in cocio conspectis. Aboae 1802. 

3 Narrative of a Journ, cet. p. 583. 

4 Vergl. wa» hierüber BrU I. S. 159. bereits gesagt worden ist 
«d ich hier nur kurz wieder berühre, 

5 Schwad. Abhandl. D. Ueb, XII. S. 54. 

6 £bend. IX. S. 86. 






222 Nordlicht 

rend der Dauer dieses Meteors tnerklich Xndere, aaf jeden Ftl 
aber ein Schwanken derselben erzeugt werde. WAROKVTnr'' 
stellte deswegen eigends eine Reihe von Beobachtungen mit im 
Abweichungsnadel an und fand die Thatsache vollkommen UN 
itätigt. Nicht minder will T. Beugmaitn^ einen Einfiuls id 
Nordlichts sowohl auf die Deklinations •« als auch auf die loU» 
nationsnadel wahrgenommen haben. G« H. VAt Swiitdsv vbI ' 
dessen Bruder S. P. tan SwiVDEif beobachteten am 29« Fete 
1780 gleioheeitig eine merkliche Abweichung der Magnetiiadll| 
zu Franecker und Haag, indem dieNadeln erst am andern IblN 
gen wieder zaröckgingen ; am 2. März beobachtete ersttlH 
abermals dieses Phänomen, könnt« des trüben Wetters Wi^^ 
kein Nordlicht sehen , h/5rte aber , dafs sich eins gezeigt hato 
auch hatWiÄKLER* mehrere Beobachtufigett dieser Art in 
eigenen Programme zusammengestellt/ Nach Gott« ^' geitttk i$ 
Magnetnadel durch das Nordlicht nicht blofs in Schwankangei) 
sondern er beobachtete auch 1780 zu Montmorenci , dals'silf 
Erscheinung desselben eine Stunde Vorher verkündigte 
während seiner Dauer abwechselnd um mehr äU einen tttt • 
abgelenkt würde. Ein ganz unbefangener Zeuge , AvMUl 
Ginge 0, erwähnt, dafs bei dem Nordlichte am 12. De« ]^ 
zu Gothaab unter 64^ 10' N. B. die Magnetnadel anfangi U 
20 Min. , nachher gar um 40 Min. abgelenkt wurde. HcxMäf^^ 
benutzte zwar nur eine auf einer Spitze balancirte, ühngM 
starke , Brandersche Nadel , nahm aber dennoch einen RinJJi^j j 
des Nordlichts auf dieselbe Wahr, Wilke* aber war 
alle Oscillationeri der Deklinationsnadel den Wirkungen 
Nordlichts beizulegen , welches nach seiner Meinung sich 
lieh entzünden und auch die Inklinationsnadel in Schwan 
gen versetzen Soll. Sowohl Schwankungen als auch Able 



■ 



1 Schwed. Abhandle D. Ueb. Th. XII. 8. 57* 

2 Ebcnd. Th. XXVI. S. ii69. 
8 Acta Soc. Pet. T. lY. P. I. p. 13. - 
4 De commercio lam. bor. cum acu magnetica. Lips. 1767. 4. C 
6 Journ. desSaYans 1780. Nov. Gren's N. Joarn. Th. Ilf. S. 

6 Nye Sämling af Danske Tidens« Selskabs Skr, Kiob. 
T. III. Vcrgl. Hansteen in Schweigger's Journ. XVI. 189. 

7 Comm. Acad. ei. Pal. T. VI. p. 317. Gren's Journ. d. 
Th. V. S. 88. 

8 Schwed. Mus. 1783. T. III. p* 324. G. XXIX. 420. 4St 




V«rblitnifc snm'MagQetiamn*. 333 

B da D^Hn^tioBHuid«! wturdcn ferner wsTirgenoOiiMii Aurch 
^»DXAv «1 Bnff, Ha» snifienport. Weiss m Ttihiiu 
EMDKViia , 'Laj.amvx and mefarefe andm*, mtch sind hier- 
■t dia ZengnÜM Ton Jolik', Gilpik^ nnd Hällstsöh^ tKI- 

g übeniBitimmendf Bs^tholok' nahm dieirtt'BinflnTa auf 
ä HagBfltnadd gleiefaialls wahr und will an/aaidetB gefiin- 
||B.lwbaii, dab iaoliite Nadaln ihn xArker zeigen. i- 

i)ie Thah^t^e schien hitrduKh f«t begriitidet, «mdef»- 
^och wieder etwas swetteUtaft- dnrch die Bafaan^tnng TOD 
BiLi,^, ivelcher hä seinen Aufenthalte zoWatdtfhim* im Jahre 
I^GÖ das Nurdlicht ta einen Tprzttglicben Gegenstand« seines 
finfmerksaiiikeit machte nnd d*bei gar keinen Einfloli delielbea 
jMf die Magnetnadel enbde>cken konnte , dnrch die Angilbe von 
kaGUELia^, dafs si bei dfnnStsrken Nordlicfateni iA t8. Jan. 
1770, desgleichen an Jft «nd 20- Febi. nnd 30. Mfa» 1771 
|gcht die geringsten VerHnderongen der Magnetnadel wafarge- 
Kommen habe, durch das Zengnib ie» m S'wisoek', dafs 
jätcli seinen Beobachtungen auch messingne , nicht magnetische 
pMcln durch das Nordlicht in Schwankungen geriethen, ob- 
VlücH diese letztern auch snweilen ruhten, während diemagne^ 
^dieo durch das Nordlicht bfwegt wurden , und endlich dnrch 
tu Seobachlupgen Ton GASkiKi nnd MAcnoH,(LD *, dafs auch 
ifae Gewitter einen ähnlichen Einflniä auf die Magnet- 



Das Verlangen , über diese dnrch das neu entdeckte Ver- 
Mtnils. zwischen Elektrioität und Magnetismus noch interessan- 
|K gewordene Frage zur Gewifaheit zu gelangen, veranlaCste 
■■ige Gelehrte, die Magnetnadel anhaltend bei Tage und bei 
bdit xn beobachten, und so gelang es der Beharrlichkeit des 

'' 1 Jitim. de l'Acad. de Braiellea T. H. p. 2?1. Phil. Tran». LIL 
y. 28S. Iiemonaier loii da Magnetiitne. p. 116. 

S Neae Abhandl. der Sclined. Acad. d. WIii- 1793. 

S G. XZIX. 396. 

4 G. XIX. 283. 

5 Eacjdop, meth. T. I. p. 357. 

6 Anrorae borealU tlieOTia uots. In app. ad Epham, aitron. 
1^1777. 

' 7 Uim. de l'Acad. de Berüa 177Ö a. 71. 

8 Recoeil de* M^m, aar l'analogie de l'electrieittf et du magne- 
ae. A )a Heye 178». 8 toU. 8. T. 1. p. 47S. 

9 G. lU. 121. 



224 Nordlicht.' 

Al. V, Humboldt^, am 21. Dec. 1806 die durch ein Nordlii 
verursachten unzweifelhaften Schwankungen der DeUinationti« 
nadel wahrzunehmen. Seitdem wurde die Thatsache di 
mehrfach wiederhohe Beobachtungen bestätigt, z. B. Y<m 
ScHÜBLER^ am 8. Febr. 1817, durch Gay- Lüssac^ o. a., jk, 
man wolhe sogar gefunden liaben, dafs die Magnetnadel seil 
durch diejenigen Nordhchter afficirt werde , welche an dem Olli 
nicht sichtbar waren , wo die Magnetnadel beobachtet würdig ) 
>vie namenthch HANSTEEfir^ als Resultat mehrfacher Erfahmni = 
gen angiebt) auch nahm man wirklich in Paris ungewöhnliclMbi 
Bewegungen der Magnetnadel wahr^ als Magken^ib gleichf^ 
zeitig ein grofses Nordlicht in Schottland beobachtete ^. Hai 
sächlich ist diese Aufgabe vielfach und zugleich ausfiihil 
durch Arago erörtert worden« Als eine entscheidende Thal 
diente die Beobachtung, dafs am 29. März 1826 zu Paris ungo^'J 
wohnliche Bewegungen der Magqetnadel wahrgenommen wuido^ a 
welche auf ein Nordlicht unter höhern Breiten schliefsen lieÜMI 
und durch das gleichzeitig von Daltoit gesehene eine uneM; - 
wartete Bestätigung erhielten 6< Arago ^ fuhr nachher fort, dSl^. 
in Paris beobachteten regelwidrigen Schwankungen dec Magii#* 
nadel mitzutheilen und mit den später bekannt gewordenen B^»* 
obachtungen von Nordlichtern, namentlich in Grofsbritannien, ä 
vergleichen, hauptsächlich zuerst vom Jahre 1827, wobei dtt 
Einflufs dieser Meteore auf die Schwankungen sowohl dec h« 
klinations - als auch der Deklinationsnadel sich ganz nnvecr 
kennbar zeigte, am stärksten bei dem vöm 8* Sept. ^ welcM.^ 
nicht blofs in England , sondern auch in Frankreich, denNiNS 
derlanden u. s. w. gesehn wurde. Die Menge der hierdmcl^ 
bekannt gewordenen Thatsachen, verbunden mit dem> ir^^ 

' i 

1 G. XXIX. 428. f 

2 Schweigger's Joqrn. Th. XIX. Hfti 1. 'I- 
S Ann. Ch. i>hys. XXI. 404. 

4 G. LXVII. 47. 

5 Ann. Ch. Phys. XXI. 404. 

6 Ann. Ch. Ph. XXXI. 422. verglichen mit XXXVL 404. ^ 

7 Man findet diese Zusammenstellungen für das genannte vat 
die folgenden Jahre in den Decemberheften der Ann. de Ch. et Thju] ' 
Hieraus übertragen und durch die Zusätze von Haksteen und Küpfäj^' 
bereichert findet man sie in G. LXXXIII. 127. LXXXV. Ifl Üp 
LXXXVI. 558. LXXXVIII. 320. '; 



'S'' M. 
■' ■ ■ ^t 



fl- 



''•.yerJillinifs zum Magnetismua. 235 

jiiS|inBS.9ikJUSlifr»4A stt tSoxw VtrvoIIstSndignng beigetragen 
HiMtn 9 itt so gvöboofid tia selbst sind so überseugend \ dafs es 
briü wohl mtf^Kcb^ schien, einen Einilufs der Nordlichter auf 
P» Magnetnadel ftmer in Abrede zu stellen. 

Inzwischen trat Baiwstir ^ als ein gewichtiger Bestreiter 
anscheinend aasgemachten Satzes auf und berief sich dabei 
dio sthlrekfaitn Beobachtungen Bbaufot's zu Hackney bei 
Ion, w«kher mit Ausnahme des einzigen Jahres I8I6 an- 
ind ^Ron 1813 bu tSH nicht blofs die Bewegungen der 
itnadflln mit. den feinsten Instrumenten erforschte, son- 
rach^all« sonstige meteorologische firscheinangen anfzeich« 
Zagleidi sammelte er alle Nachrichten 'Ton gesehenen 
ittidem Ranme Jiwischen Hsckney udd Thurso im 
ifOB Solititland, ako iiDi.ein«r Ausdehnung von 7 Brei-^ 
welches eben so viel ist als zwischen Paris und Leith, 
InswftTBA^ folgert, dafs »war viele Nordlichter mit 
jd^kAviBiningen der^ Magnetnadel zusammenfallen , viele aber 
"dafs wiederum viele Schwankungen der Magnetnadel 
L'Kifetdlichtem , wohl aber mit Sturmwinden , vorzog« 
lijden. hex, zusammentreffen. ZngMeh . beruft sich 
sur Unterstützung seines Widersprdchee auf einige 
JROby in denen nach AhJlOo's eigener Angabe Bewegungen der 
Msgnetnadel zu Paris ohne gleichzeitiges Erscheinen eines Nord- 
BfiUs stattfanden und umgekehrt^. Aufserdem sucht er nachzn- 
wrisen, dafs nachxlen Beobachtungen auf Parri's dritter Ent- 
^■^•cknngsreise das Nordlicht vielmehr einen beruhigenden Ein- 
Bfnls auf die Magnetnadel ausübe, weil die geringere Abwei- 
■Änng derselben in den Monaten Januar und Februar mit der 
l^plsen Zahl der dort beobachteten Nordlichter zusammenfalle« 
i^wischen hat Baewstzr hierbei etwas zu voreilig iibersehn, 
;dals nach allen vorhandenen , oben in genügender Menge mit- 
getheihen Zählungen die Menge der unter den verschieden- 
sten Polhöhen anderweitig, als gerade da, wo Paart überwin- 
. leite, gesehenen Nordlichter im März und April weit gröfser 




V 1 Edinb. Joarn» of Sc. No. XVI. p. 190. 

2 Ef würde sich nicht der Mühe lohnen, näher za nntersnchen, 
i-^||g weit diese, ohnehin mit nnziemlicher Bitterkeit ansgesprochenen, 
tBbwnrfe gegründet sind, da die Frage von einer andern Seite her 
ffgea Brewster^s Anilcht vollständig entschieden ist. 

Bd. yiu P 



226 Nordlicht. 

ist, als im Januar und Februar, und da wir vorerst keinen Gmol 
' haben , die Wirkung der Nordlichter auf die Magnetnadel blob 
auf denjenigen Ort zu beschranken, wo dieselben gesehn wer» 
den, welches auf jeden Fall der Ansicht Ahago's geradezu 
derstreitet , so folgt aus der angegebenen gröfsern Abweich 
der Magnetnadel in den Monaten März, April und Mai vielmel 
das Gegentheil, nämlich ein Beweis für die Abhängigkeit bei^ 
der von einander^. Inzwischen kann Baewster nicht leugne^/ 
dafs die Nordlichter in einigen Fällen allerdings mit den Osdl» 
lationen der, Magnetnadel zusammenfallen, und ist daher genei, 
beide Phänomene als Wirkungen einerund derselben Ursache 
zusehn , jedoch nicht so , dafs der herrschenden Ansicht o 
die Abweichung der Magnetnadel eine Folge des Nordlichts seW 

Allerdings giebt es einige nicht unbedeutende Zengoi 
gegen den fraglichen Einflufs der Nordlichter auf die MagOi 
nadel. Namentlich versichert Scoresbt', nie einen so1c1mb;T 
Einflufs wahrgenommen zu haben ; aber von ungleich gröts&nS^ 
Bedeutung ist das, was Parry hierüber sagt. Dieser bemeilf f 
nämlich ausdrücklich von den auf der Insel Melville unter 74*i7f 
N. B. beobachteten Nordlichtern am 8. Jan., am 1. und^^Fate^r ~ 
1820 und andern, dafs die Magnetnadel nicl^t davon affiorf 
worden sey, ja er setzt ausdrücklich hinzu, dafs in jenen Gegen- 
den , wo die Richtungskraft der Deklinationsnadeln fast gka* 
lieh fehle, jede andere Kraft eine vorzüglich starke Abweichung.. 
bewirken müsse, aber er und seine Begleiter hätten selbst btt 
den an einem Seidenfaden aufgehangenen oder sonst hö 
leicht balancirten und zugleich sehr empfindlichen Nadeln 
den geringsten Einflufs wahrgenommen 3. Eben dieses wieder- 
holt er als das Resultat genauer Beobachtungen zu Port Bo 
unter 73°,25 N. B. , woselbst auch die höchst fein aufgehan 
neu Magnetnadeln nicht im mindesten durch das Nordlicht 
ficirt wurden*. 




1 Uebrigens hat CflRisTife spater aus FostEn's Journalen darg«^r 
than, dafs allerdings auch zu Port Bowen die gröfsere DekHuatioa iu' 
den Monaten Januar und Februar mit der Erscheinung der NordIicll»|^ 
ter zusammen Fällt. S. Joum. of the Roy. Inst. No. 5. p. 274. \ 

2 Account of the Arctic Reg. T. I. p. 413. ' 
S Zweite Reise zur Entdeckung einer nordwestlichen Durchfahrt! *^ 

D. Ueb. Hamb. 1822. 1 Bd. 8. S. 224. 2S5. 239. 249. "«5 

4 Joum. of ft third Voy. p. 63. 173. ^ 

\ 



' V'Crliiltnifs zum Magnetiamaa. 227 

.WSrra cUe bewiiiseoden Beobachtungen teindet T^ichtig 
il überzeugend, so könnten die »o eben erTvähnten allerdinc^s 
BU dienen | den Einflab der Nordlichter auf die Magnetnadel 
barhaupt zweifelhaft zu machen ^ allein nach dem , was hier- 
her aufserdem bekannt ist, beweisen die angegebenen Resul- 
Itt nur 80 Tiel, dab derselbe im hohen Norden jenseit der 
p^etitlichen Nordlichtäone und obendrein sehr in der Nähe des 
fticn magnetischen Poles der Erde nicht stattfindet^ was aller« 
bp bei der Theorie dieser merkwürdigen Meteore von grober 
liieolung ist. Dagegen giebt es eine grobe ^enge Beobach- 
jÜ^ieB, welche überzjeugend darthun, dab südlich von dieser 
Ikit jener Einflab zwar nicht .allezeit und nicht stets von glei- 
Htt Stärke eich zeigt, aber doch in so überwiegend Vielen 
Rflra, dab eine Entscheidung darüber nicht zweifelhaft seyn 
bÜL FlaQüBAASOV^ folgert aus einer groben Menge eigener 
Btldmiogenj dab die Unruhe und veränderte Abweichung der 
HigiHtnadel erst dann stattfinden, wenn die äubersteä Strahlen 
QKü^) denjenigen Punct des Himmels erreichen , wohin die 
T^SÜBkaf/uOB Aue der Neigungsnadel trifft. Diese äubersten Strah« 
f letzt er hinzu , seyen mitunter so fein , dab sie gar 
wikgenommen würden , woraus die Erklärung so man-» 
efcer von einander abweichender Resultate von selbst folge. 
Ruh DE LA Pilayb's* Beobachtungen auf Terre-Neuve unter 
itw»47bis 50° N. B. wird die Magnetnadel allerdings zuWei- 
Ito durch das Nordlicht afücirt, in vielen Fallen jedoch gar 
■eilt, SiLLiMAN^ beobachtete am 28. Aug. 1827 zu New- 
Xnk eine Oscillation der Deklinationsnadel , welche im Gänsen 
H* nach beiden Seiten des magnetischen Meridians betrugt die 
Ifbnnderung der Inklinationsnadel erstreckte sich jedoch nicht 
üiter als bis 2®'5 beide Gröfsenbestinamungen übertreffen jedoch 
Mt die meisten, wo nicht alle andere« 

Am wichtigsten auch für diesen Theil der ganzen Unter- 
pdwng sind die Berichte der Reisenden an der Nordküste Ame- 
iafii HooD* theilt als Resultat seiner Beobachtungen zu Cum- 
Wand-House im Allgemeinen mit, dab die Magnetnadel je- 

U 

1 Phil. Tran». 1830. p. 105. 

2 M^ffl. de la Soo. Limi. T. IV. p. 462« 
S Amer« Jonrn. of Science« XIV. p; 91« 
4 Narrative of a Joarney cet. p«. 643« 

P2 



228 Nordlicht. ^ 

derzeit clurch das Nordlicht afficirt werde, wenn es sich : 
Zenith erhebe , indem sie eine langsame Abweichung vor 
nach W. erhahe, welche im Maximum bis 45® stieg. Die 
deutende Grürse der Ablenkung abgerechnet stimmen hie 
die Beobachtungen Fäanklin's* zu Fort Enterprise voUk* 
xnen überein. Aufserdera will dieser bemerkt haben, dafs 
Einilufs dann gröfser war, wenn das Nordlicht durch eine tri 
du,nstige {hazy) Atmosphäre schien , der Mond einen Hof h 
und feiner Schnee fiel ; ja man gewahrte die Störungen 
Magnetnadel in nebelig -wolkigen (/za^j c/omc(;^) Nächten, ^ 
gar kein Nordlicht zu sehen wa^:. Auch am Ta^e wurden 
che Abweichungen wahrgenommen, sowohl bei heiterem 
auch bei trübem Himmel, am stärksten jedoch bei letzterem, 
einigen wenigen Fällen wurde die Abweichung der Nade 
dem nämlichen Augenblicke beobachtet, in welchem eine N( 
lichtsäule emporschofs, und sie nahm ihren vorigen Stand in 
gleichen Zeitintervallen wieder ein ; wenn sich aber, augenbl 
lieh nach der Abweichung ein Bogen mit beiden Schenl 
gleich weit vom magnetischen Meridiane abstehend bildete 
kehrte die Nordspitze der Nadel früher zurück und ging d 
zuweilen über ihren normalen Stand hinaus. Bei starken j 
weichungen kam übrigens die Nadel erst um 3 bis 4 Übt 
folgenden Nachmittags wieder auf ihren alten Stalid zuii 
Dort sowohl, als auch am Bärensee, zu F^rt Franklin, u 
65** 12'N. B. und im Mittel 123^ 12' W. L von Green^ 
behauptet FäANKLIN^ wahrgenommen zu haben, dafs die 
weichung der Magnetnadel zur Lage des Nordlichts in ei 
gewissen Verhältnisse stehe. Ueberhaupt wurde bemerkt, 
bei schneller Bewegung der stärkeren Nordlichtstrahlen 
nächst zugekehrte Spitze der Nadel fast gleichzeitig nach die 
Orte hingezogen wurde , es mochte aus einem niedrigen < 
einem bis ins Zenith gehenden Bogen bestehn. Die Ablenl 
war bei trübem Himmel allezeit stärker, bei canz heiterer 
blieb sie zuweilen ganz aus. Fkanklin lälst dabei nicht 
bemerkt, dafs die durch ihn selbst und seine Beoleiter erh 
nen Resultate im Widerspruche mit d'en Beobachtungen Par 
zu Port Bowen ständen, setzt aber hinzu, dafs der eigentl 



1 Narratire of a Journey cet. p. 551, S'^S, 

2 Narrative of a second Exped. App. VII« 



'Terhältnifs zum Magnetismus. 229 

fitz der Nordlichter von letzterem Orte weiter entfernt seyn 
inisse, weil man daselbst diese Meteore nur niedrig und von 
lehwachem Lichte, an ihren Beobachtungsorten aber über alle 
Beschreibang 8chö% leuchtend , niedrig und mit den lebhafte- 
ren Farben glänzend gesehn habe. Das Parallel von etwa 65® 
ansse lalso für ihre Bildung vorzüglich günstig seyn *. Die etwa 
beobachteten Veränderungen der Neigungsnadel hält FRANKLiif 
tk so unbedeutend und unsicher, dafs er sich nicht geneigt 
SUt^ sie als Folgen des Nordlichts zu betrachten. 

Zur- noch gröfsern Vervollständigung dieses genauen Be- 
lidktes verdient dasjenige berücksichtigt zu werden, was Ho od ^ 
iber seine eigenen und die schon erwähnten Beobachtungen zu 
Rovt £oterpri8e mittheilt. Der. Compafs , welchen PAA-^KLiitr 
btobschtete , war klein, gehörte zu einem Transit -Instrument, 
hMte keine papieme Windrose und stand an freier Luft in ei- 
BMI Ranme des Hauses. An der entgegengesetzten Seite des 
aiBGchen Hauses stand der von Hood beobachtete Kater's 
Ananitbal- Compafs fest auf einem Gesimse im Hause an einem 
von Pergament mit einigen Löchern , ' durch welche die 
Mridi, Die Nadeln beider Compasse wprden auf verschie* 
H^eise abgelenkt und nabmen ihren normalen Stand in un- 
n Zeiten wieder an. Zuweilen wurden beide am Tage 
ibgelenkt, zuw^eilen aber nur eine von beiden. Die eben an- 
gegebene, von Fkanklin bemerkte Correspondenz zwischen 
kr Lage des Nordlichts und der Richtung der Abweichung 
ionnte Hdoo nicht wahrnehmen , auch bemerkte er nie , dafs 
Be Nadel während der Dauer des Nordlichts wieder rückwärts 
^Dg, indem seine Nadel vielmehr in dieser, meistens einige 
iinnden betragenden , Zeit allmälig entweder westwärts oder 
rtwärts abgelenkt wurde. Die Ablenkungen beider Nadeln er- 
digten übrigens in den nämlichen Nächten , erreichten ihr Ma- 
inum am andern Morgen und waren in der Regel vor 8 Uhr 
ischmittags wieder gänzlich verschwunden. Da die Maxima 
er Abweichungen als die ei^jentliche Wirkung der Nordlichter 



1 Bjlrlow berechnet aus den Franklln'schen Beobachtungen , dal» 
T magnetische Pol unter 69«» 16' N. ß. und 98® 8' W. L. , nach 
.irt'» Beobachtungen aber unter 70' 43' N. B. und 98* 54' W. L. 
Mittel unter 70' N. B. und 98" 31' W. L. liegen müsse. 
^ Narrative of a Journoy cet. p. 586. 



230 Nordlicht, 

gelten konnten , so wurden sie mit einander verglichen, und da 
zeigte sich das merkwürdige Resultat , dafs die Hälfte derselv 
ben hinsichtlich der Richtung einander entgegengesetzt ware% 
Hoon schliefst hieraus, dafs das Nordlicht keine magnetisch 
Erscheinung seyn könne, weil sonst die Richtungen der magne^ 
tischen Ablenkungen einander gleich seyn müfsten , weswegen j 
er sich geneigt fühlt, diese für eine Wirkung der Elektricität "I 
zuhalten, welche, wenn einmal erregt, sich nicht früher ab -" 
innerhalb 12 Stunden durch die Spitze, worauf die Magnetnii ^ 
del balancirt sey, entweichend ins Gleichgewicht setzen könne, j^ 
Dafs hiermit seine bereits erwähnten spätem Untersuchungen üba«^ 
den Einflufs der Elektricität zusammenhängen, versteht sich vos /* 
selbst , indefs ist nicht zu erwarten , dafs die zahllosen übrigen 
Beobachter eine magnetische Wirkung allgemein mit einer elek- 
trischen verwechselt haben sollten , auch sind hiermit die ge^ 
nauen Angaben der Thatsachen nicht wohl vereinbar. ' ' 

Die zuletzt mitgetheilten Angaben sind in Beziehung lof. 
einen Umstand wichtig , welchen ich bis jetzt noch nnberiüiit 
gelassen habe , nämlich die Frage , nach welcher Richtung die 
Magnetnadel durch das Nordlicht abgelenkt w le. Die mii* 
sten Beobachter reden blofs von Oscillationen der Nadel oder 
von einer Ablenkung derselben von ihrem normalen Stinde; 
bei der oben erwähnten , als entscheidend betrachteten Beoln 
achtung v, Hümboldt's aber wollte dieser eine Abstofsong . 
der Magnetnadel durch das Nordlicht, Hanstee¥ aber eine An* 
Ziehung derselben wahrgenommen haben, welche beide Bezeidh 
nungen übrigens unzulässig oder mindestens unbestimmt seyn 
würden, wenn man es als ausgemacht betrachten müfste, datl 
der Nordlichtbogen lothrecht auf dem magnetischen Meridianf , 
stände. Später sprach Hansteebt seine Meinung über die» 
^rage bestimmter aus K Hiernach bleibt nämlich die Neigungen " 
nadel ruhig, so lange die Krone des Nordlichts sich in der Verr' 
längerung ihrer Axe befindet, schwankt aber sogleich, wenn 
jene sich nach irgend einer Seite hinneigt. In diesem Falle 
sinkt die Nordspitze der Abweichungsnadel merklich herab, wie 
z. B. am 18. Jan, 1770, oder schlägt aufwärts unter das Glas, 
wie am 13. Dec. J765 , statt dafs sie sonst im Allgemeinen vom 



1 In seinem bekannten grofsen Werke: Untersachungen mbe( 
den Magnetismus der Erd«. Christitnia 1819. 4. 



I 

VecliSItnifd zum Magnetismus. 231 

Hordlichte angesogeo ^ird. Es scheint hieraas su folgen , deb 
las Nordlicht antiekend auf die Spitze der Magnetnadel wirk», 
Mroiiach also in Beziehung auf die Nordspitze der Abweichungs« 
Sudel diese westlich abweichen müfste, wenn das ]>{ordlicht west- 
^chTOm magnetischen Meridiane erscheint, und umgekehrt. Seit- 
dem haben wir einige nähere Bestimmungen über diesen Ge- 
genstand erhalten. Nach Farquuarson soll sich die Abwei- 
drang erst dann zeigen , wenn das aufsteigende Licht des Me- 
tsois die dnrch den magnetischen Meridian gehende lothrechte 
Ebene schneidet; allein dieses bestreitet Akaoo^ und meint, 
venn das Nordlicht am Abend die Nordspitze der Nadel Östlich 
bewege , so habe es dieselbe am Morgen schon westlich abge- 
'\uk% und dieses geschehe selbst durch die nicht in Paris, wohl 
•bei in Petersburg, Sibirien und America sichtbaren Nordlich- 
tsr. Als merkwürdig wird dann von ihm hinzugesetzt , dafs bei 
dem Nordlichte am 1. Dec. in Sibirien, welches unter dem Ein- 
flnsie des zweiten magnetischen Nordpols * gewesen sey, die 
Noidspitze der Nadel in Paris am Morgen westlich, am Abend 
dkcc ISttlich angezogen wurde. Nach Hanste^h's^ spateren 
Anachten ist der Wechsel der magnetischen Deklination zu- 
gleich Ton einer Veränderlichkeit der magnetischen Intensität 
b^Ieitet, die Polarlichter aber sollen auf eine grx)rse, von ei- 
nem Pole zum andern sich erstreckende Entfernung wirken und 
sieht von einer aus der Oberfläche der Erde ausströmenden 
materiellen, das Nordlicht erzeugenden Substanz herrühren, 
sondern von einer gänzlichen Aufhebung im Gleichgewichte 
der magnetischen Kräfte, welche zugleich die Ursache der Po- 
larlichter sey^. Fhanklin* fand nach seinen Beobachtungen 
SQ Fort Enterprise , dafs die Lage des Nordlichtbogens auf die 
fiicbtung der Magnetnadel allerdings einen Einflufs hatte. Bil- 
dete derselbe nämlich mit dem magnetischen Meridiane zwei 
rechte Winkel, so war die Abweichung westlich, und dieses um 
fo stärker , je mehr der Bogen sich von W« zum magnetischen 



1 Ann. Ch. Phys. Xt,V. 415. 

2 Phil. Mag. aad Ann; T. II. p. 337. 

3 Man übersieht leicht, dals diese Hypothese die Lösung der 
Aufgabe nicht fördert, indem sie es unentschieden läfst, worin dies* 
Aufhebung und der dadurch erzeugte Lichtschein •igentlich bestehe. 

4 Narrative cf a Jonruar cet. p. 551. 



232 Nordlicht. 

N. erstreckte , das Gegentheil aber fand statt , wenn der Bogen |: 
südlich vom magnetischen W. anfing und im magnetischen N, 
endigte, und der Einflufs war um so stärker, je näher das M»* 
teor der Erde kam. Liefsen sich diese Beobachtungen und ik 
oben von Hood angegebenen zur Begründung eines allgemeinet 
Gesetzes benutzen , so würde dieses sich auf folgende WtM '^ 
aufstellen lassen. Zu Fort Enterprise war die regelmäfsige Ab» 
weichung östlich , wegen des überwiegenden Einflusses des öl^ 
lieh liegenden magnetischen Nordpols. Lag das Nordlicht !■ 
magnetischen Meridiane , so fand eine Schwächung des polaii* 
sehen Einflusses statt und die Nadel wich westlich ab, stand 
aber das Nordlicht in westlicher Richtung, so fand die Schwä- 
chung der magnetischen Kraft gleichfalls in dieser statt, dBa 
polarische mufste dadurch an Stärke zunehmen und die ÄbwsH 
chung mufste östlich werden. Weil aber die Beobachter as 
jenen Orten dem magnetischen Pole sehr nahe waren , so konn- 
ten die Nordlichter mit kaum merklichen Unterschieden ihrer 
scheinbaren Lage eben so oft nach der einen als nach der an- 
dern Seite hin liegen , und so ist es also erklärlich , dafs nach 
Hood beide Fälle gleich oft stattfanden. Ich gestehe, dabick 
aus theoretischen Gründen dieses Gesetz gerii als ein ricbtigef 
ansehn möchte, in welchem Falle dann Al. v. Hümboiot's' 
anfängliche Behauptung gegründet wäre, wonach die Spiti» 
der Magnetnadel durch das Nordlicht (scheinbar) abgestofstn 
wird ; allein ich wage nicht zu entscheiden , ob sich alle Beob- 
achtungen, namentlich unter niedern Breiten, hiermit vereinigen 
lassen ^. 

Nimmt man alle bisher mit^etheilten Thatsachen zur Er- 
haltung eines endlichen Resultats zusammen , so läfst sich der 
Einflufs der Nordlichter auf die Magnetnadel auf keine Weile . 
in Abrede stellen, und es ist allerdings ein Verdienst von Araoo, 
dafs er durch seine anhaltenden Bemühungen seit 1826 bisanf 
den gegenwärtigen Augenblick diese Thatsache aufser Zweifel 
gesetzt hat. Scohesby's und Pakkt's Beobachtungen bewei- 
sen zwar vor der Hand allerdings, dafs ein solcher EinfluCs 
nördlich jenseit der Polarlicht-tone nicht stattfindet, allein man 
würde allen historischen Glauben und alles Vertrauen auf fremde 
Erfahrungen umstofsen, wenn man denselben für die ganze 



1 Vergl. Theoriet am Ende. 






Verhiltnifa Kum Magnetismus. 333 

bm« Tob etwa 40 Us 65"" N. B. und IW W. L. bis lOO"" O. 
k in. Abrade stalten wollta. ^ Zeigt sich der Einflub der Nord- 
btoar anf hinreichend empfindliche Nadeln im Berleiche dieser 
Btae nicfaty-so könnte man diese Ausnahmen fiiglich daraus er- 
Uirtn f dals die anf die Nordspitse der Magnetnadel wirkenden 
Kiifta «nandar entgegengesetzt seyn , mithin sich wechselseitig 
ndheban könnten , wenn gleichstarke Nordlichter gleichzeitig 
Mde magnetische Nord pole umlagern. Uebrigens reichen Ar ii- 
aa's Bemühungen allein schon hin , die Thatsache selbst ge- 
aogend an begründen. Hierzu kommen aber , aufser den be- 
■its angegebenen, noch die sehr beweisenden Beobachtungen 
tonKvPFEii^ am 5* Mai 1830 zu Petersburg, verglichen mit 
l^eichseitigen zu Nicolajew und Kasan, so wie nicht minder 
DoTi's^ Nachweisungen des Einflusses, Welchen das Nordlicht 
IK 19* Dec. 1829 auf die Magnetnadel zu Petersburg , Berlin, 
Freiberg, Kasan, Nicolajew und Alford äufserte, wobei noch 
dir meikwiirdige Umstand vorkam , dafs an allen ersteren Orten 
die Abweichung Östlich, am letztern aber westlich war, die 
pobeZahl von Beobachtungen, welche Hansteebt^ vom 7« 
IdÜISSO an bis cum 7. Jan. 1831 gemacht hat, und endlich die 
SB UfffaiBTen Orten von verschiedenen Beobachtern wahrgenom- 
Beoe Abweichung der Magnetnadel bei dem grofsen Nord- 
lichte am 7. Jan. 1831 , namentlich zu Siegen, Düren und Saar- 
brück, zu Berlin an mehrern Nadeln und zu Paris, woselbst 
Äe Veränderung der Deklination im Ganzen 1® 6' 47", der In- 
klination 21 Minuten betrug. Man darf also diese Thatsache 
als ausgemacht ansehn und künftige Beobachtungen haben nicht 
sowohl diese im Allgemeinen, als vielmehr die Art der Ablen- 
knna und das Verhähnils derselben zum Orte des Nordhchts zu 
berücksichtigen. 

3) Einige Gelehrte waren endlich geneigt, einen Zusam- 
menhang zwischen der Zahl der Nordlichter und der niagneti- 
ichen Abweichung anzunehmen , allein es hält nicht schwer, die 



1 G. XCiv. 611. Ebendaselbst findet maa die gleichzeitigen 
Beobacbtuogen zu Freiberg. 

2 G. XCVI. 333. 

S Man findet diese Uebersicht ausführlich in Poggendorff Anu. 
ICXII. 640. Noch mehr hierüber mitzutheilen iinterlahse ich ab- 
lichtlich, da ich ohnehin last fürchten mufs, za ausführlich gewesen 
lu seyn. 



234 Nordlicht. 

Unzulassigkeit dieser Hypothese darzuthun, clie Ls Moitniea^ 
zuerst aufgestellt zu haben scheint, indem er zu finden meinte, ; 
dafs der Bogen der stärksten magnetischen Abweichung mit dec 
gröfsten Zahl der Nordlichter zusammenfalle. Die oben mit- ' 
getheilte Uebersicht der seit einer langen Reihe, von Jahren be-. 
pbachteten Nordlichter zeigt jedoch deutlich , dafs von der Zeit - 
|in , als die westliche Abweichung der Magnetnadel an den Or- 
ten, welche etwa unter den Meridian von Paris fallen, =iO 
war, also ungefähr seit 1660 bis auf den Anfang dieses Jahr- 
hunderts , als sie ihr Maximum erreicht hatte, die Menge der 
Kordlichter sehr wechselte und mehrere Perioden des zahlrfi" 
chen Erscheinens und der gänzlichen Abwesenheit durchlief; ji 
es fällt vielmehr das Maximum der westlichen Abweichung mit 
derjenigen Periode zusammen , in welcher die Nordlichter filt 
gänzlich fehlten. Es läfät sich daher diese Frage als völlig tntr 
»chieden betrachte^, 

G. Hypothesen zu dessen Erklärung. 

In den ältesten Zeiten wurde das Nordlicht aus verscbie- 
denartigen Dünsten erklärt, die von der Erde au5gestofse]i.skli 
in höhern Resionen ansammeln und dort entzündet werden wB- 
ten. Diese Erklärung, welche sicher aus den frühesten Zehen 
abstammt , als man die meisten Meteore aus solchen schwcfeU- 
gen oder alkalischen Dünsten ableitete, hat sich unter ver^ 
schiedenen Modificationen bis in die Mitte des vorigen Jahrhun- 
derts fortgepflanzt und wurde so allgemein angenommen, dall . 
es kaum der Mühe werth ist, einzelne Gewährsmänner dieser 
herrschenden Ansicht namhaft zu machen. Le Monnikr^ u»- 
ter andern glaubte , diese Dünste stiegen zu einer erstaunlichen 
Höhe, F. C. Maier ^ meinte, sie trennten sich nach Sonnen« 
Untergang von den wässerigen und könnten dann erst in Brand c 
gerathen; nach Fkopesiüs * bestehn sie aus höchst fei-, 
nen , mit Eisstückchen gemengten Theilchen , und auch Mut- .» 



1 Vergl. Astronomie, Bd. I. S. 116 ff. 

2 Institutions astronomiques. Par. 1746. 4. 

3 Commcntarii Soc. Petrop. T. I. p. 364. 

4 Nova et antiqua lamiuis atque aurorae borealit speotacula. 
Heirost. 1739. 4. 



Theorie« 235 

[iVB&on:^ giebt sioh viel^ Mühe, [diese Hypodiese wähl- 
%u machen. Nach seiner Ansicht steigen diese Diin- 
ron der Erde auf, werden in den höhern Regionen mit an- 
heterogenen gemischt , . gerathen dadurch in Gährnng nn jl 
fahrt dann die Entzündung herbei. Nach der Meinung 
irer anderer, die durch Mair Air erwähnt werden, 8tr<^• 
diese entzündlichen Dünste in der Gegend des Nordpols 
dem Innern der Erde und die Nordlichter sind dann Zahl- 
er, wenn die Poren daselbst weniger verstopft sind, so. 
eine gröfsere Menge von Dünsten ausströmen kann , wo- 
also der periodische Wechsel der Nordlichter leicht er- 
wird. CaABtsa^ endlich nimmt an, die inflammabeln 
strömten durch den Druck der Luft getrieben aus den 
Ländern nach den Polen hin und entzündeten sich da- 
:, PiTapux DI LA CoünRBVikuE^ aber nimmt überall 
elektrische entzündliche Dünste an, unter denen die von 
Erde aufsteigenden in den höhern Gegenden verbrennen 
iSo die mancherlei leuchtenden Meteore, also auch die Nord-i- 
I, erzengen, 

^Ivt von gleichem Alter hiermit ist die Hypothese , wo- 
kAs Nordlicht ein optisches Meteor seyn soll , welches da- 
erzeugt werde, dafs das Eis und der Schnee um den 
>1 die Sonnenstrahlen gegen die hohle Fläche der obem 
iten der Atmosphäre reflectiren , von wo aus sie abermals 
jeworfen zum Auge des Beobachters gelangten. Hierzu 
mten sich Cartesius, BuABiAvir, Sbioberg^ und Faqi- 
rs^, später aber wurde sie hauptsächlich unterstützt durch 
.$, welcher bei seinem Aufenthalte in Wardoehuus im 
1769 das Nordlicht zu einem Hauptgegenstande seiner 
ichtungen machte. Dieser nimmt an, dafs in der Po- 
le eine Menge Eistheilchen bis zu bedeutenden Höhen 
Luft schweben , welche bei ihrer mannigfaltigen Lage das 
mehrmals zu reflectiren vermögen, wodurch dann die 
Höhe dieser Meteore wegfällt und ihr Erscheinen zu ei- 



i Goart de Fhyt. T. HI. p. S89. 

^2 Ueber die Entstehung des Nordlichts. Hildesh, 1785. 8. 
ü Gotha^sches Mag. Th. I. St. 1. S. 10. 

AcU lit. Saeciae ad ann. 1724. 

NoTa.efc ant. lom. atqae aar. bor. spect. Heimst, 1739* 4, 

Append« ad £phem«.a4troQ« anni 1777. 



236 Nordlicht. 

m 

ner Zeit, wenn die Sonne 60^ unter dem Horizonte ist, kein» 
weitem Schwierigkeiten darbietet, wenn man einmal das Voi^ i 
handenseyn solcher Eisblattchen in so grofsen Höhen als zuläs« 
sig annimmt. Hüpscn*, Triewald^, Savioli^, Dobbi* ^ 
und andere sind Anhänger dieser Hypothese, an welche sieb y, 
eine Aeufserung von Placidus Heinrich^ reihen läfst, daß •. 
nämlich der Nordschein phosphorisches LicJit sey, welche! ^ 
von den grofsen Massen des Polareises ausgestofsen werde. In* 
zwischen ist die Phosphorescenz des Eises, sobald es sich m 
eine so bedeutende Menge Licht handelt, keineswegs dinck 
Erfahrung bewiesen, wenn gleich Egede Saabye® einst em 
Stück Eis dem Nordlichte ähnlich leuchten sah , und aufserdea 
könnte die Phosphorescenz nicht füglich anders als durch IiH. 
solation erzeugt werden , welche jedoch in den langen WintM* 
Dächten der Polargegenden gerade zu derjenigen Zeit wegfiÜh^ 
wenn die Nordlichter sich am zahlreichsten entzünden. 

Hallet stellte nach der Beobachtung des grofsen Nori** 
lichts von 1716 eine Hypothese auf, welche in etwas veränd»* 
ter Gestalt neuerdings von den bedeutendsten Physikern wiete 
hervorgehoben wird. Weil man nämlich die Wirkungen im 
Magnets aus einer in Wirbeln strömenden ätherischen Fliill^ 
keit erklärte und die Erde nach der Richtung der Maonetnaiifll 
sich als ein grofser Magnet zeigte, so nahm er an , dafs das Mi 
den Polen strömende und unter dem Aequator hin den entgegen- 
gesetzten Polen zufliefsende magnetische Fluidum während dit» 
ser seiner Bewegung in den niedern Höhen unter den polaii^ 
sehen Zonen leuchte. Eine Unterstützung seiner Meinung faa4!^ 
er in der westlichen Abweichung der Magnetnadel, welche mit 
der westlichen Richtung des gesehenen Nordlichlbogens zusam* 
menfiel^. Schon früher hatte er zur Erklärung der Variatiot ^ 
der magnetischen Abweichung in langen Perioden die MeiniUig I 
geäufsert, dafs die Erde aus einer hohlen Kugel mit einer ein- 
geschlossenen massiven bestehe, welche beide sich in unolei« 



1 Untersuchung des Nordlichts. Coln 1778, 8. 

2 Schwed. Abli. D. Ueb. Th. Vf. S. 103. 

3 De aurora boreali. Bergamo 1789. 

4 Tilloch's Phil Mag. 1820. 

5 Die Phos^ihorescenz der Körper. Niiinb. 1811. 4. Th. I. 

6 Tagebuch eines Aufenthalts in Gronlaud. S. LXV. 

7 Phil. Tränt. No. 347. Year 1717. 



Theorie. 237 

hen Zeiten tun ibre Axe drehten. Den Zwischenranm swi- 
ehen beiden, meint er^ könne man gleichfalls für hewohnt htl^ 
l«i, und mn ihn xu erleuchten, diene dann die Materie des 
Nordlichts, die saweilen ans. den diinnern Stellen an den Polen 
mitrOme.nnd anf diese Weise sichtbar würde ^. 

De Mairav^ widerlegt mit vielem Scharfsinne die altem, 
vor seiner Zeit aufgestellten Hypothesen und weifs die neue, 
Ml ihm selbst ersonnene, durch die künstlichste Beweisfuh^ 
n^ ond'mit ungewöhnlicher Beredtsamkeit zu unterstützen, 
fttth ihm reicht die Sonnenatmosphäre über die Erdbahn hin- 
•»1 nnd' da die Erde zu gewissen Zeiten , die er genan mit der 
' pObem Zahl dler Nordlichter in Verbindung zu setzen weifs, in 
' fiese eintritt,' so senken sich die in den Bereich der Anziehung 
hath di^ Erde gelangenden Theilchen derselben in die Atmo*- 
' qihire'berab, werden dnrch die Schwungkraft nach den Polen 
' üigttrieben und bleiben dort in derjenigen Höhe schweben , in 
iNl^ter sie mit der Luft ein gleiches specifischejs Gewicht haben» 
IKsliefiBren Schichten enthalten also die grobem Theile, welche 
9tt Aiidile Segment und die untern Wolken bifden, aus denen 
dttÜi leichtern als Lichtsäulen erheben. Ueb er diesen schwebt 
i fftmitit Stoff, welcher entweder an sich leuchtend oder durch 
Bnknig und Gährung bei der Mischung mit Luft entzündet 
■*• Wegen der grofsen Erhebung über die Pole der Erde, 
täer denen sie wegen dort mangelnder Schwungbewegung ruhig 
fdtweben , können sie bis tief in die gemafsigte Zone herab ge- 
ieiln -werden. Zur Erklärung der westlichen Richtung der 
'f Hordlichter nimmt er an, dafs die Abendgegend der Erde, die 
" fOD W- nach O. um ihre Axe rotirt , am spätesten in die Son- 
' Benatmosphäre eintritt. Auf der Morgenseite hat dann der feine 
• Stoff während des Tages schon Zeit gehabt, sich zu vertheilen 
oder nahe an den Pol zu ziehn , gegen Abend zu ist er noch in 
: grofser Menge und in voller Bewegung , weswegen das Licht 
»ehr westwärts gesehn wird. So sehr übrigens de Mairav 
irine Hypothese allen Einzelnheiten bei den Erscheinungen des 
Nordlichts anzupassen gewufst hat, weswegen sie auch vielsei- 



1 Phil. Trans. No. 195. p. 663. 

2 Traitrf physique et historique de raurore bor^ale. Paris 1733. 
4. Sme cdit. 1754. gr. 4. Vergl. MJm. de Par. 1731 und die l^clair- 
cissemens far le trait^ cet. in M(^m« de Par. 1748. p. 363. 



240 Nordlicht. 

wo die Luft sehr dünn ist, und daselbst das eigenthümliche phofr- 
phorische Licht und diejenigen Farben -zeige , die man im luft- 
verdünnten Räume wahrzunehmen pHegt. Hiermit fast gleich* 
zeitig wurde eine frühere und eine spätere Erklärung Fhaix.** 
i.in's ^ bekannt. Nach der ersteren besteht dajs Meer aus nicht 
elektrischem Wasser und aus elektrischem Salze, wovon dil- 

' Elektricität sich beim Schlagen mit einem phosphorischen Licht* 
glänze trennt« Die Wolken der äquatorischen Gegenden nek- 
men diese Elektricität auf und führen sie den polarischen fB|. 
und wenn sie dann mit den kältern und feuchten Wolken da 
nördlichen Zone zusammenkommen , so lassen sie ihre Elektii* 

. cität mit einem Lichtglanze überströmen. Späterhin nahm w 
gleichfalls auf die Strömungen der Luft vom Aequator nach diB 
Polen und umgekehrt Rücksicht und hielt das dunkle Segment & 
verdichtete Polarluft, im Ganzen aber wird nach seiner Ansichl 
das Nordlicht durch das Ueberströmen der Elektricität von eintt 
VV^olke zur andern erklärt. 

Diese elektrische Theorie zur Erklärung des Nordlichts iü 
bis auf die neuesten Zeiten herab als die am meisten herrschendt 
angenommen worden, indem sie von den einzelnen Physikern VM 
unbedeutend hinsichtlich der Erklärung des Ursprungs jener hflO 
glänzenden Elektricität u« s. w. modificirt wurde. Harvxs0^ be- 
obachtete ein sehr schönes Nordlicht am 26. Sept. 1798 vnl- 
meinte hiernach, dafs die Hypothese Beatholon's vollkomoMB 
zur Erklärung aller Einzelnheiten des Phänomens genüge, Uob 
den einen Satz könne er nicht annehmen, nämlich dafs dieRich^ 
tung der elektrischen Strömungen von S. nach N« stattfinden soHiV 
Statt dessen nimmt er an, die Elektricität habe um so viel meh 
Kraft, je geringer die Wärme sey, indem letztere oft ihreStdb' 
auf der Oberfläche der Ivörper einnehme. Es werde daher dnrch^ 
die tägliche Erwärmung der Erde Elektricität erzeugt und durch 
die Sonnenstrahlen gegen die Pole gedrängt, von wo aus »• 
«ich am Abend durch südliche Strömung wieder ins Gleichgewicht 



1 Experiments and observations on Electricity. Lond. 1769. 4 
Works T. IL p. 567. Journ. de Phys. XII. 409. Daraus in Sanu»- 
lun^en zur Physik und Naturgeschichte Th. II. S. 249. Ueber dieit 
altern Meinungen s. das Nordlicht u. s. w. von M. Bbuh, Lübeck 
1770. 8. CoTTE mdin. sur Ja mdt^or. T. I. p. 320. 

2 Journ. de Physic^ue XXXVI. 440. Daraus in Gren't Jouffi 
III. 495. 



Päflde sia hier ^on Widerstand durch die trockaa Luft, 
se sie daselbst auf die manoigfaltignie Weise «ircuiirea 
I die beim Nordlichte wahrnehmbarea Gsslalten erzeugeik 
eiiTe!EDKnK> meint, die Dördlichen Pülurlichter luöchten 
hl positiv, die südlichen dagegen negativ elektrisch seyn, 
ä diese weniger starlie und lange Strahlen »chiersen , als jene, 
Matku' pflichtet der ErlLliimng Fhanklib's bei und 
int, die Abweichung derselben nach Westen werde wohl 
ch die gröfsere KäUe des nördlichen America's bedingt, in- 
I die grofsen Eismassen, über denen sie erzeugt würden, 
unsere Gegenden mehr westlich lagen. Das dunkle Segment 
•c übrigens uiclit für verdichtete Polarluft, sondern füt 
■sie im HoriKonle, die jedem Beobachter den untern Theil 
Alcleore bedeckten und dalier die Gestalt des leuchtenden 
gens zeigten, der Bogen selbst aber, welcher nicht allezeit 
blÄodig gebildet erscheint, beruht nacli ihm auf einer opti- 
en Täuschung, die dadurch entsteht, dufs die dunstige Luft 
nördlichen Horizonte viel dünnes, streifiges Gewölk ent- 
I, welches in der Richtung von O. nach W. mit dem Hori- 
Dte puallel läuft. Nach Lampadius' wird die Anhäufung 
F Idiflelektricilat in den Pulargegendea durch die grofse Xälte 
J Treckenheit der dortigen Atoiosphäre bedingt, welche eben 
(reuig als die aufgehäuften Eismassen ihr eine Ableitung dar- 
G. G. Schmidt* hält die grofse Aehnlichkeit des Polar- 
ilef mit der Klektricität im luftverdiinnten Räume für hio- 
glich entscheidend, um das Phänomen fui ein elektrisches 
ulien, ohne dafs er es jedoch wagt, eine bestimmte Mei- 
g üher deu Ursprung jener angehäuften Elektricität auszu- 
ichen. Am auslührlicbsten hat endlich Hübe" den Ursprung 
Nordlichter zu erklären versucht. Nach seiner Ansicht 



Cemra. Soc. Reg. Goll. 1778, T. I. p. 78. 

Lnlirbach über die pliyiiaciie Astronomie, Theorie der Erde 
I «elcoioloeie. Gott. 1805. S. SL8 If. 

Sjstemiitiichei- Gmatlrifs der Atmospli Urologie. Freiberg 1806. 
i,81. 

jrauJlaeb d. NaWrlehie. Gielsen 1013. TU. II. S. 7l>9. 
Ueber die AusdUusLaog- Leipzig 1790. 3. S. SüS ff. Die Hy- 
le von BEunEMS, wouach du« Flianomen durch olclttrisch gewor- 
iind berabiiakende Schiievtheilchen erklärt werden aoll, ma^ 
a Votbci^eha erwühut »«tdtn. G. XXiU. 30. 
ni- Bd. Q 



bTingen Kalte und Nebel unter den Polen eine starke I 
tricitat hervor, welche das nichilellende Eis nicht i 
vermag und die daher nach oben in die Regionen der dilat 
Atmosphäre entweichen mufs. Hauptsächlich geschieht die<''J| 
haufung derselben über den Ungeheuern Eismassen an derti 
sehen Küste, indem Cft^tilz versichert, die grofsen Nordlid 
•tets in Ost oder Südost gesehn zu haben. Die MiliheÜang 
EleklricilBt von oben herab bewirkt dann Niederschlüge, 
folgen in nürdlichen Gegenden heitere Witterung, in südlichen 
aber trüber Himmel und Wolken auf dieselben. Die Wolkfl 
haben oft eine aufFallenJe Aehnlichkeit mit den Nordlic 
und dars die letztern elektrischer Nalnr sind, geht Bcho>n » 
der Vermehrung der Luftelektricität bei ihrem Ers 
vor. Die grolsen Nordlichter haben daher ihren Siiz an den u 
birischen Küsten, wo sie Gmelik so hell leuchtend nnd ■ 
überwiegender Menge beobachtete, kleinere ahnliche Ersehf 
nungen aber kommen überall vor*. 

Vor Erwähnung der neuesten magnetischen oder elektrs 
magnetischen Theorie mufs noch einer andern gedacht v 
welche sich von den frühern bis in die neuesten Zeiten e 
hat. Die älteste Hypothese, dafs das Nordlicht durch Verhr 
nnng von Dünsten entsiehe, die man schwefelige oder d 
sehe oder säuerliche nannte, kann wohl nicht füglich 1 
Theorie genannt werden, weil die eigentliche BeschaSe«li( 
der verbrennenden espansibeln Flüssigkeiten 
stimmt angegeben ist, sie wurde daher als werthlos wenig S 
echtet , bis die neuem Gelehrten das WasserstoiTgas als die 
gentliche verbrennende und hierdurch leuchtende Substanz ^ 
gaben. Kirwah^ gab zuerst eine voll« fündigere DartteJ 



1 Die lämmtKcTien Hypolhejen über die Ursachen ei 
fang der EIeLcr[citHt in ditn Polargegenden aazarüiirea auheiiii/^ 
übetflÜJ.ig. ITnler a: s. American Journ. oF Sc. 18a7.~Jpt. 
iu Bib!. unIv. 1830. Mar., p. 233. und Wiener Zeilschr. Till, j 
Aaeh Schüblir Mit du Nordlicht Tür eine elektrische Er>ebeisll| 
welche durch die Anhäufung der Elektricität in den nördliclien 
gegeeden erieagt werde, iodeni die Luftelektricilüt oicIiC btors ii 
ter, alio auch in der Kälte, itärker ley, sondern auch dort dnrch Tencll 
Luft nicht abgeleitet werde, S. Gruiidsateo der Meteorologie 

ä Traoi. of the Royal Iriih Aoad. 1788. T. U. Darani i 
Jonrn. IT. 87. 



Theorie« 



243 



Hypothese.- . Nhch. ihm er^engeA Eäalnifs , Vulcane ttni 
Ursachen, htfaptaädilich in der äqaatorischen Zoney' ein« 
Wassefstoffgas 9 welches seiner Leichtigkeit wegen in 
i-ÜShe steigt und den Polargegenden suströmt , woselbst es 
den elektrischen Funken entzündet werden soll. Eine 
itiitznng findet diese Ansicht in dem Umstände, dafs ge- 
lich starke südliche Winde auf das Nordlicht folgen 8<^llen^ 
!.die Masae der" Luft im Norden beträchtlich vermehrt wird- 
aoU die allgemeine Luftströmung vom Aequator nach den 
über America stärker, und daher, aollen die Nordlichter dort, 
seyn. Niemand hat sich i^her den Zusammenhang der 
lichter mit der Witterung bestimmter erklart, als Wthv^,, 
versichert, im englischen Oanale seine Beobachtungen 
illt zu haben , wo er durch die Vorbedeutung der Nord- 
oft den Gefahren entgangen sey, denen andere unterla- 
wodurch also die Kirwan'sche Hypothese eine bedeutende 
tötzung erhalten müsse« 

bter den Anhängern dieser Theorie kann Alex. Volta^ 
werden , welcher es denkbar findet , dafs diese Gasart, 
in grofser Menge auf der ganzen Oberfläche der Erde 
dem Wasser erzeugt wird , vermöge ihrer Leichtigkeit 
>en , sich in den obern Regionen erhalten und durch die 
igkraft dort aufgehäuft werden müsse , demnächst aber 
lend das Nordlicht erzeuge. Inzwischen deuten andere 
riicke dieses Gelehrten an , dafs er auf diese Conjectur 
[keinen grofsen Werth legte und im Ganzen der elektrischen 
den Vorzug gab. Patrin^ dagegen ist ein entschiedener 
rer der Kirwan'schen Plypothese. Auch nach seiner Anh- 
immelt sich das WasserstofTgas durch die normalen , in 
Ihern Regionen der Atmosphäre stattfindenden Luftströ- 
nm die Pole der Erde an und würde hier den lebenden 
gefahrliiqh werden , wenn es nicht durch den elektri- 
^anken entzündet im Nordlichte verbrennte« Auf gleiche 
-wird diese Meinung auch sonst verschiedentlich durch 
[den 9 jedoch keineswegs volbtändig erwiesenen , That- 



»hil. Trans. 1774. T. LXXIII. p. 128. 

riefe über die entzüudbare Laft j^er Sümpfe« Aus d. Ital. 
Jin. Straftb. 1778. 8. Br. 5. 

ibliotb. Briunn. XLY. 89. 

Q2 



244 Nordlicht. 

Sachen unterstützt , nSmlich dab die Nordlichter ein Gettfse Ter^ 
Ursachen und allezeit oder meistens Südwinde zur Folge haben ^. 
Little' verbindet zwei Meinungen, indem er annimmt , die 
Elektricitat verbreite sich in den hcihern Kegionen der dünnn 
Atmosphäre, ihr Licht werde jedoch durch verbrennendes 
Wasserstoffgas recht sichtbar, Libes^ aber leitete anfangs blo& 
das zischende Getöse von verbrennendem WasserstoiTgas ab^ 
das Licht dagegen betrachtete er als elektrisches , später jedoch 
hat er eine sehr künstliche Erklärung des ganzen Pliänomeu 
aufgestellt, die sich kaum in kurzen Worten mittheilen lä&ti 
In der Hauptsache stützt er sich auf die Erfahrung, dab in 
elektrische Funke beim Durchgange durch atmosphärische Lok 
Salpetergas erzeugt, welches als dunkelbraunrother Dampf 9- 

'>:; scheint und daher den diesem ähnlichen Theil des NordlidM 
'bilden soll* Aufserdem finde sich unter den Polen und in im 

'•:. Umgegend derselben gar kein WasserstoiTgas, sondern disHI 
bleibe unter niedern Breiten, werde aber entzündet, wenn itn 
elektrische Funke von den Polargegenden dasselbe erreiche 
u. s. w. Die ganze Hypothese ist nie sehr beachtet worden vat 
hat auf jeden Fall keine Anhänger erhalten , beides ans leicht 
begreiflichen Ursachen. 

Einen desto gewichtigern Vertheidiger hat Kiew Ah's Theo- 
rie neuerdings an Paar CT gefunden. Dieser unterstützte die- 
selbe schon frülier^ durch das gewichtige Argument, da(s ntch 
einfachen Berechnungen Millionen Kubikfufse Wasserstoffgai 
von der Erde aufsteigen, ohne dafs bis jetzt irgend jemand 
, nachzuweisen vermochte, wo dasselbe bleibt, später aber zeigte 
er, wie vielfache , durch Baron v. Wrangel beobachtete Ein- 
zelnheiten auf diese Weise am einfachsten erklärbar seyeo^. 
Die grofse Menge des aufsteigenden, mit andern Substanzan 
verunreinigten WasserstofTgi&es läfst sich leidit nachweiia^ 



1 
I 



1 Edinb. Mag. 1824. Jal. p. 49. 

2 Irisb Trans. T. VI. p. 387. 
8 Journ. de Ph. XXXVIII. 191. 

4 Nouveau Dict. de Fhys. 

5 Theoretische Physik. Th. III. S. 495. 

6 Physikalische Bcobachtangen des Capitaia-Lieatenant Baroi 
V. Wrangel u. s. w. von G. F. Parrot. Berl. 1827. 8. S. 85. RecMÄ \. 
des actes de la suauce publique de PAcadüinie impdr. dea Sct da ft ^ 
Petersb. 1828. p. 49. 

t 
I 



Theorie. 

rst wenn man in Folge eudiomemscher ^ 

es vielleicht nicht mehr als 0,0001 der ilMoHliliiiiiliMliHft .: 

igt und also durch kein EudiometeT airiihfiinlMi ißL .Dm 

teigen desselben soll in Form von Säulen gat^AiAn^ wd* 

ihre Gestalt im Ganzen beibehalten, iiBth 4w'LB&Sti0* 

g Tom Aeqnatornach den Polen gelriebe* WiiiiiB m» ▼•tj 

ilhllch durch die enorme Kälte in jenen fÜSim «On «nn 30 

igrsphischen Meilen eine eigenthümliche VHdÜbtnBg «un- 

.1, damit ihre bekannte specifische Leichti^Uit M ilioltt Ui^ , 

FÜfirend in grOrsere Höhen treibe. DieBJchtmig Jiniir Süden, 

|[ deren Bewegungen so viele nnd venchi e intB JJmAea^U" 

ia, muEi in einem hohen Grade mannigbW^ wyiii Üig» 

Bmen sogar horizontal zu liegen kommen* 1m«i m 1(iBBm 

tBitera Stömngen.nnterwotfen an den Ort ihnr Vcrlvniaiiiig 

dangen , and diese geben dann den Schei« der iB IbUbib dak 

Bgnents aufsteigenden nnd oft dessen obere OmmkMit ÜbsT' 

iohreitenden Säulen. Zar Erleichterung der üeboiidit diesoz' 

lB«ü&giing vritd dann noch hinzugesetzt, iab Jinribs iibar- 

be^ nicht eben als Echwierig erscheine, bidom Aa tf nadiB 

nts Rotdlichts eine Ansammlung von Wasa m to ffg M «^y-wi* ' 

IfieilerWolken von Wasserdampf; allein gands M-Umstud, 

Ab es so seyn miifste und dafs zwischen faridm dennoch 

jlKchn anffallende Unterschiede vorwalten , hat dife Physiker bii 

htzt abgehalten, dieser sonst sinnreichen HypotheM bömpflich- 

■*). Schhmm bleibt in voraus der Umstand, dab di« m Hiilfa 

hnommene eigenthiimliche Verdichtung des WaMBratofigoses 

jlBrch sehr hohe Kültegrade, vermfige deren es mit deramga- 

jttoden Luft ins Gleichgewicht kommen soll, d«r Nstnx sinn 

sich so leichten Gasart am meisten zuwidar ist,' allein es 

, dafs man hierauf keinen grofsen Werdi lagen müflsa, 

Atmosphäre ist nämh'ch begrenzt und bei ihrer atiberordent- 

Diinne in jenen bedeutenden Höhen kdnnte immerhin 

ehrere Meilen hohe Schicht, von Wuserstoffgas ab die 

cor Erklärung des Nordlichts angenommen werden , sn- 

Wi wenn man das Dalton'sche Gesetz ala gültig aneikeanen 
taihe* Allein die Haupttehwierigkeiten erheben sich von -gana 
lldenT Seiten her. Der Wasserdampf steigt aller Orten anf, 
KM aber anch überall in der Atmosphifre gefonden, statt dafs 
Mi 'rom Wassentoffgu nirgends eineSpiu entdeckt. SeU die- 
(lEinWtaf'dAreh ^e Ailnahme «aar aUgenwinen VariM^ftg 



346 Nordlicht. 

desselben beseitigt werden , so ist dieses allerdiings mit derj 
fahrung übereinstimmend , wonach die Gasarten sich innig^:^ 
mengen ; dann aber fehlt die Ursache , welche diese allgefll 
verbreiteten Theile, dem Verhalten der Gasarten zuwider, ntf 
mals zu vereinigen vermöchte, wonach also -das Aufsteigen 1 
Fortströmen des Wasserstoffgases in Säulenform von selbst M 
lässig wird. Es läfst sich ferner von dem-Explodiren U|| 
Quantitäten von Wasserstoifgas nicht mit -vollkommener Sici 
heit auf das Verbrennen so grolser Massen schliefsen , alleii 
sichere Erfahrung darf es ' betrachtet werden, daCs jene.( 
bei der Berührung sich-#oforl mit SauerstolFgas mengt, denl 
geringste Antheil des einen wird aich sogleich in der, gi 
dem Versuche möglichen Menge der letzteren verbreiten , i^ 
von die Explosionen de!» Leuchtgases und der schlage||i 
Wetter Beispiele im Groben darbieten. Jedes solches GeaM 
. verbrennt dann nach der Entzündung in einem unmefsb^'ld 
nen Zeiträume, und es ist ganz unmöglich,, die jenigen UrUM 
aufzufinden, welche eine mehrstündige, ja sogar bis drei 33 
lange Dauer, der Nordlichter und das zuweilen stundenlfl 
Feststehn eines leuchtenden Bogens zu bedingen vermöd^j 
Endlich aber, wenn man. auch- nicht in Anschlag bringt | 41 
Explosionen von Knallgas in so grofsem Mafsstabe und in|| 
eher Nähe, als worin einige Nordlichter unleugbar naipainl 
durch Capt. FRANKLiif und seine Begleiter beobachtet woflj 
sind , nothwendig ein gröfseres Getöse verursachen und q| 
bedeutendere Menge Wasserdampf erzeugen müfsten, als A 
beim Nordlichte nachweisen lassen, bleibt vor allen Dingj 
ganz unerklärt, warum die Nordlichter die magnetischen Pf 
der Erde umlagern, da es ohnehin schon sehr kühner undkn 
aufzufindender Hypothesen bedarf, um die Möglichkeit nachi 
weisen, dafs das Wasserstoffgas zuvor den Polen zuströmt, i 
es entzündet wird. 

Parrot ist ein zu sehr erfahrner Physiker, als dafs il 
diese Einwürfe entgangen seyn sollten , mit Ausnahme des l6 
ten , welcher jedoch hauptsächlich auf den Resultaten der dui 
die neuesten Reisenden angestellten Beobachtungen berulit, 
sucht dieselben daher durch ^i^ bereits erwähnte Hypothese 
beseitigen, dafs das durch Kälte eigenthümlich condensi 
WasserstolFgas herabsinke und die einem andern Gesetze 
Conden^lition folgernde atmosphärische Luft davon trenne» 1 



egTiirste Menge deHelbsn inwmna»iifli»Jj|li.«nrA'A«c 
»Herd des Nordljchts, ^r Katd deuelbtn,. gabS^«^ 
h in einmal cturcli Snrtiachauppm gBichatwocafEafep 
g die Mass« des Gases aar «llmäiig «n ihm OberiUah* 
ml nnd die allseitig hvrbeiatittmendep SKuIeo an (Uwcr 
letwetden, deren einigo noch «tduMphüriiche LlSt bti-r 
[t enthalcea , daher bei (chaellor.er Vvd>m)Iiang"dil Kl-r 
Dg des momenlanen Aafuhi4lMii> ntangto, . 'AU^ 
tan BQcb die keineswegi afv^aen« uj^thÜBlIiolt* Co»* 
in des Wasserslofl'^ases d)V«h;^Kltii streben «oUl«,i-H 
(3 abeTmals gegen all«. ErfahiUQg , ,d«if J^db 4M>lflWlH- 
Lotphärische LiiCt ausgeschiadsa wwdan aad wftMJgiB 
da im Gegeoilietl die Tcnshieden speci£Mh:kelilV«Mi 
nbeim Zusamaienkominan sich msngen, nlbttihnn Sp*- 

Gewichten entgegenströmeod i ID diJa ein«|.dieM^-b*> 
) Verhalten entgegengeMOta HTpotha^* allsq»a»ig ibtir 
Leracheinen mah. Aber gautsl. b^o |f)A|)llu.;«tiakjdiiM« 
lugeben, so würde eben dadarcli «itili.fiiiM,ScJ»«Mri^ . 
letigt werden. Da nämlich du WuHCUDifgRIidA.tOglht ' 
Ma Bedingungen nach steU an&tsij^ usd dtt : Tan A«^ 
fffih den Polen hin gericht«tet) LufUtrtfnqaagMi raw4Mt 
Gäi, aber nicht steta und ohn« AusmhlB« BtttlfiodMl^ 
vt also o& eben so leicht selbst 100 Meilen lothrväit 
ftKf aU etwa 1000 Meilen horizontal fliefsea kamt, to 
M nothwetidig schon wegen dieses noch immer. sn Uei> 
rtuiltniises von 1 zu 10 in Regionen kgmis«n, wit di« 
DDge Tempeiatnr jene angenommene Verdichtung za b«— 

THinHchte. Gesetzt such, sie verweilte d*selbit nicbt 
mng , damit alle atmosphärische Luft sich von ihr> trän- 
ante , so wäre sie ebendadurch xur EntziinduDg M wsl 
Mignet, and es bleibt dann ganz unbegreiflich, wanuni^i« 

1 allen Orten im Uimmelsraume entzündet werdan und 



M8 



NtKrdlipht. 



t" R. rechnen. Wenn also diese Temperaltit hinre 
das Wasserstolfj^BS so \ttit 7.u verdichten, Aal» es schw 
nis die atmosphärisch^ Luft, so miils man billig fragei 
weder Fhahkli» noch Parkt bei Temperaturen von —3 
sogar — 40" R- jemals wahrnahmen, daPs das WnssersI 
sich bis in ihre Umgehung herabsenkte und dort durch so n 
ch« dargebotene Gelegenheiten entzündet wurde, AVoilt 



^ndensirte Wasserstoffgas 
chsende Temperatur dasielb« 
1 Gleichgewichte bringt, H 
im Sommer und bei gering* 
n Winter, was jedocB gletufe 



Üeh das durch hohe Kälteg 
lange herabsinken mufg, bis die w 
mit der atmosphärischen Luft zu 
folgt hieraus , dafs die Nordlichter 
rer Kalte hähei seyn niiiCsten, als 
falla deiErfahrang widerstreitet*. 

Die Ausführlichkeit, womit ich die Gründe gegen die« 
eben geprüfte Hypothese hauptsächlich aus ihr selbst zu entneh- 
men gesucht habe, wird leicht Entschuldigung linden, wenn n 
berücksichtigt, dafs sie von zwei berühmten Physikern vertbit 
digl worden ist und bei der Erklärung eines auf jeden Fall V 
schwierigen Problems zugleich nachweist , -wo die grofso Med^ 
des stets aufsteigenden WasserslofFgases endlich bleibt. Dab-d 
Entzündung des letzlern durch Sternschnuppen geschehn M 
ist eine Hypothese, die sich nicht widerlegen lai'st, weil^ 
selben so zahlreich sind, dafs die verhaltnifsmäfsig so selleMk 
Nordlichter ihnen füglich ihren Ursprung verdanken ktlRnMIl' 
fiaron V. Wrangkl's Beobachtungen hierüber sind oben b 
erwähnt worden. Die Erklärung der Kronen findet PAnnal 
seihst sehr schwierig, meint aber, sie würden erzeugt durch ai- 
fällig angehäiifte gröfsere Massen Wasserstoffgas , welche « 
ihrer von Süden nach Norden gerichteten Strömung durch ei: 
vom Kerne des Nordlichts ausgehende , bis zu ihnen reicheodi 
und schnell verbrennende Säule WasserstofFga 
Reinheit entzündet wurden und sich nach allen Seiten kreisßfr 
mig zerstreuten , wie etwa der Rauch eines verpuffenden BIS»- 
chens PhosphorwasserstotTgas. Ein solchei Zufall mufs aller 
dings selten kommen , wie denn die Kronen auch n 



] bemerken 



dnfj naeb Pini 



1 Es ley mir erlaubt 
erstolTg«» SO geogr. Moilcii aiifateieeu und ei'uer Temperalur M 
- 760° oder mindoiteoB — 3S8° C. auiaesetzt sayn soU ; nllcia dii 
st widaratceitet den ErfahrungCB über die Ilulien Uec Nordlicbter. 



Theorie. 249 

.nd , allein dennoch giebt diese Erklärung dem bereits erwahn- 
ui Argumente gröfseies Gewicht, warum nämlich solche Mas- 
en nicht öfter unter allen Breiten entzündet werden und das 
Phänomen der Nordlichtkronen zeigen. Aber auch ohne dieses 
mtstefat ein neuer Einwurf aus dem Umstände, dafs die Kronen 
ilck ftUeseit wenige Grade vom Zenith und , wenn auch nicht 
pnaiii doch sehr nahe in der Verlängerung der Neigungsnadel 
uigem 

fis ist bereits oben erwähnt worden, dafs man schon in frühen 
Zeiten einen Zusammenhang zwischen den Nordlichtern und dem 
Hignetismus , namentlich in Beziehung auf die Lage des Nord- 
lichtbogens nnd die Richtung der Abweichungsnadel ^ desglei- 
dien des Orts der Krone und die verlängerte Axe derNeigungs- 
mdel wahrgenommen hatte, so dals Hallet das Nordlicht 
selbst für die Wirkung magnetischer Strömungen aus beiden 
Erdpolen erklärte. Dieser Ansicht steht jedoch das unüber- 
windliche Hindernifs im Wege , dafs der Magnetismus bis jetzt 
lüs die geringste Spur einer Lichterscheinung dargeboten hat^ 
& dem Nordscheine auf jeden Fall wesentlich zugehört, wes- 
vegni denn die spätem , den Magnetismus berücksichtigenden 
Hjfpoiliesen insgesammt modificirt sind« Unter diesen verdie- 
nen insbesondere drei erwähnt zu werden , die von Dalton, 
BiOT und Hansteejt. 

Dalton^ gilt als der eigentliche Erfinder dieser Theorie 
Dod ist durch seinen Scharfsinn der Entdeckung des Elektroma- 
gnetismus somit vorausgeeilt. Durch ihn ist es übrigens bekannt 
geworden, dafs die nämliche Idee schon früher geäul'sert worden 
•w^, jedoch nur als allgemeine Vermuthung und ohne die liin- 
Eelnheiten des Nordlichtphänomens aus einer bestimmt ausge- 
»prochenen Hypothese abzuleiten. Nach der Meinung Dal- 
TOii's besteht das Nordlicht aus einzelnen Cylindern magneti- 
Kher Materie, welche in ungleichen Höhen und parallel mit 
te Richtung der Neigungsnadel schwebend allerdings die Phä- 
nomene der Bögen und Säulen durch optische Bedingungen er- 
Efugen könnten , indem sie insgesammt in einem durch die ver- 



1 Meteorological observalions and cssays, London 1793. 
. 54. 153. 

2 Math«matica] , geographica! and philo80(»hical dclights coud« 
r WhiÜDg. Lond. 1792. No. 1. 



250 Nordlicht. 

längeite Axe dieser Nadel gegebenen Pancte zu convergirc 
scheinen müfsten. Die magnetische Materie ist nach ihm fern« 
nicht selbst leuchtend , sondern das Licht wird erzeugt durc 
die sie durchströmende Elektricität , welche ihre sonatigen Ei 
genschaften etwas abändert. Daltov meint, dafs alle von ihi 
seit 1793 bis 1801 beobachtete Nordlichter diese Hypothei 
vollkommen bestätigten ^ ; inzwischen mufs man doch bekennen 
dafs die ganze Hypothese auf keine einzige ausgemachte Tiiat* 
Sache gebaut ist« Die Richtung der Neigungsnadel ^rd nein- 
Kch durth die Anziehung der terrestrischen Magnetpole gegebeoj 
aber hieraus folgt nicht , dafs eine . wirkliche magnetische Ht- 
terie in dieser Richtun«^ strömend oder schwebend auf der &di 
vorhanden ist^ noch weniger aber läfst sich irgend eine That- 
Sache zum Beweise dafür beibringen , dafs diese zugleich dti 
Elektricität zum Leiter dienen könne oder müsse , indem dis 
Elektricität noch obendrein hier zu Hülfe gerufen wird , ohne 
zuvor ihren Ursprung und ihr plötzliches Vorhandenseyn nack- 
znweisen« 

BiOT ^ hat diese Hypothese weiter entwickelt« Nach ihm 
befindet sich das Nordlicht in unserer Atmosphäre und bbltilit 
aus leuchtenden Strahlen, wobei es jedoch nothwendig ist^ wean 
die verschiedenen Formen erklärt werden sollen, auf die Per* 
spective Rücksicht zu nehmen, wie unter andern auch üo 
durch ein Gewölk fallenden Strahlen der Sonne nach einem 
Puncte zu convergiren scheinen, obgleich sie parallel sind. In- 
dem* also die Strahlen des Nordlichts stets gröfste Kreise am 
Himmelsgewölbe zu beschreiben scheinen und ihre Richtung 
nach demjenigen Pancte hin nehmen , nach welchem eine gans 
frei schwebende Magnetnadel hinweist, so mufs man sie in der 
Wirklichkeit für cylindrisch und dieser Nadel parallel halten« 
Weil sie ferner in ihrer ganzen Länge Ungleichheiten des Lichts 
und der Dicke'zeigen , so mufs man sie als zusammengesetzt ans 
einer Menge kürzerer Cylinder betrachten, und das Nordlicht im 
Ganzen besteht also aus einem Walde leuchtender Säulen, die 
irtsgesammt der mittlem Richtung der magnetischen Kräfte, also 
auch unter einander parallel sind , in der Luft in fast gleicher 



/ 



1 Mem. of the Soc. of Manchester. T. V. p. 666 ff. 

2 Jonrn. de Phys. XCIIf. 5. 98. Auch im Joum. de« Savtai 
1820. p. SiU 860. und daraus in G. LXYII. 1. 173. 



Theorie. 251 

i schweben nnd nach den Regeln der Perspective die- dem 
lichte eigeDthümlichen Formen erzeugen , wie unter andern 
.rone mit den allseitig scheinbar von ihr ausgehenden Strahr 
wenn aie über das Zenith hinausgehend zu demjenigen 
:te gelangen 9 nach welchem die Spitze der Neigungsnadel 
-eist. An diese meistens noch Dalton'schen Satze knüpft 
vdie ihm eigenthümlichen Hypothesen. Hiernach sind die 
Qichter ganz eigentliche^ in der Regel aus Norden komrr 
ie Wolken aus feinen , lange iti der Luft schwebenden 
Ichen, die der Beleuchtung .fähig , vorzüglich aber für den 
Magnetismus empfindlieh sind und durch diesen sich in Säu- 
ordnen. Es giebt indefs keine andere Substanzen dieser 
aufser metallische, und aus solchen mufs daher das Nord- 
bestehn, die dann ihrer Natur nach die verschiedenen 
tricitäten ans den ungleich hohen Luftschichten mit einem bei 
rbrochener Leitung stets vorhandenen Leuchten herabführen, 
' Geräusch» so lange die Luft verdünnt ist, aber mit einem 
le, jobald dieselbe die untern isolirenden Lagen der Atmo- 
F9 darchbricht. Die eigentlichen magnetischen Theilchen 
Meteors können also vorhanden seyn und auf die Magnetr 
I wirken, ohne dafs sie leuchten ; auch kann das elektrische 
i an manchen Stellen stärker zum Vorschein kommen , das 
5 Phänomen mufs aber nach Süden hin abnehmen, weil da 
lylinder eine mehr horizontale Lage erhalten und die grö- 
Feuchtigkeit der Luft die Eiektricität stärker ableitet. Au- 
lieser allgemeinen Masse sollen jedoch die Nordlichter noch 
Ine kleine, phosphorisch leuchtende aussenden. 
BiOT meint, bis so weit sey alles reine Thatsache, was 
h in Beziehung auf die Anwesenheit der metallischen Sub- 
en und ihres Magnetismus , wenn sie in dampf- oder 
artiger Feinheit vorhanden seyn sollen , unmöglich jemand 
i zugeben wird. Als rein factisch betrachtet er ferner, dafs 
laterie der Nordlichter blofs unter hohen Breiten ihren Ur- 
g habe und von hier aus den niedern zugeführt werde, ja 
lie Richtung der Abweichungsnadel überall auf einen nord- 
ich von Grönland und etwas nördlich von der Bailinsbai 
iden Punct hinweise, von welchem aus alle Nordlichter 
hn müssen. Durch nicht allzuwohl begründete Combina- 
1 deutet er dann darauf hin, dafs die nördliche Erdzone 
adlgemein mit Vulcanen umgeben sey, beschreibt, welche 



252 Nordlicht. 

grofse Massen , namentlich von Asche , durch die isländischen 
Valcane emporgeschleudert werden, deutet darauf hin, dsA 
1783 ganz Europa aus dieser Quelle mit einem trocknen Nebdl 
überdeckt wurde, und folgert dann aus allem diesen, dals dit 
Materie des Nordlichts aus ähnlichen vulcanischen Prodaclen 
bestehn könne. Gegenwärtig fühlt indefs jeder, dab dieser 
letEtere Theil der Theorie gewifs nicht aufgestellt wäre,' weml 
man damals s^hon die Resultate der neuesten englischen Bn^- 
deckongsreisen gekannt hätte, obgleich es dennoch auffallenl 
aeyn mufs , dafs Biot die so nahe vorliegende Frage gar vUbt 
berücksichtigt hat, warum das ganz vulcanische Island mdit 
vielmehr den eigentlichen Herd der Nordlichter abgiebt, odet 
mindestens gleichfalls einen solchen, falls es denkbar ist, dtfi 
irgelFidwo im höhern Norden noch gröfsere nnd -dennoch gaoi 
unbekannt gebliebene vulcanische Thätigkeiten sich vereinet 
filinden. Warum die Cylinder weiter nach Süden eine horizontib 
Lage erhalten sollen , wie es möglich sey , dafs einzelne Nör^ 
lichter über eine Zone von mehr als 100 Längengraden gleich^ 
zeitig gesehn wurden , aus welchen Gründen sie in Sibirien türf 
Nordamerica so häufig sich zeigen , diese und zahlreiche aadiBrt 
Fragen bieten eben so viele unüberwindliche SchwierigkeäeS 
gegen die aufgestellte Hypothese dar. 

Hansteebt giebt eine auf die Einzelnheiten des ganxen 
Phänomens sich beziehende Erklärung und eine Hypothese nbtf 
das eigentliche Wesen desselben. Den ersten Entwurf hieno 
theilte er nur gelegentlich als Anmerkung zu der Nachricht von 
der Wiederauffindung der Ostküste Grönlands durch ScorksbT 
mit^, späterhin verbesserte er diesen selbst und erläuterte das 
Ganze durch einige Figuren , die mir jedoch zum Verständnill 
nicht gerade nothwendig zu seyn scheinen ^. Nach seiner An- 
sicht besteht das Nordlicht aus einer grofsen Menge unter einan- 
der paralleler, in der Richtung der Neigungsnadel aufsteigendoi 
Strahlen oder Lichtcy linder , wie Dalton meint, die in euM 



1 Magazin for Natarvidenskaberne. Aargang 1824. 1. Hft p^ 8S 
Aufgenommen in Edinb. Phil. Jouru. XXIfl. 83. XXIV. 235. Ueb« 
setzt mit Anmerkungen von KÄmtz in Schweigger's Jouro. N. B 
XVI. 188 ff. 

2 Phil. Magaz. and Ann. T. H. p. 338. Daraus in Sohweigger* 
Joarn. N. H. XV HL 360. 



Theorie. 258 

■ 

leatenden Entfernung von einander sind. Die Richtangen 

larStnhlen liegen in einem Kreise, dessen Mittelpnnct der je* 

jBaUge Magnetpol der Erde ist, und zwar geh(iren die meisten 

pdlichter den beiden stärkern Polen der magnetischen Erdaxe 

lordamerica und in Neuiiolland zu. Ist das Au«;e des Beob- 

r ... 

||prs gegen das magnetische Zenith (den in der verlängerten 

Dgslinie des Südpols der Inklinationsnadel liegenden Punct) 
liety so läuft die Gesichtslinie mit diesen Strahlen parallel 
man erblickt das blaue Himmelsgewölbe, nach jeder an- 
Richtnng stöfst aber die Gesichtslinie auf mehrere hinter- 
ler liegende Strahlen und erblickt also den Lichtschein, 
jedoch, um die Form des Cogens und das dunkle Segment 
demselben zu erklären, nocli angenommen werden muts, 
• die Lichtcylinder kurz und unten, wo sie von der Krde 
en, nicht leuchtend sind, im Gegentheil sollen sie die 
iphäre bei ihrem Durchgänge durch dieselbe verdunkeln 
erst an der Grenze derselben leuchtend werden , wodurch 
nicht blofs das dunkle Segment, sondern auch der Um- 
«ine Erklärung erhält, dafs die an sich heitere Luft beim 
te sich in schnell folgenden Wechseln oft beträchtlich 
welches Havstee^t als die wahrscheinliche Folge einer 
tung des vorhandenen Wasserdampfes betrachtet« 
Ans diesen Voraussetzungen lassen sich, wie ich glaube, 
chiedene Erscheinungen beim Nordlichte sehr gut er- 
£s folgt nämlich zunächst, dafs jeder Beobachter, wie 
Regenbogen, ein besonderes Nordlicht sieht, insofern 
"Gesichtslinien nach eigenthümlichen Lichtstrahlen gerich-> 
Am Horizonte müssen ferner die Lichtstrahlen aufzu- 
n scheinen und, so wie sie höher steigen , sich zu einem 
vereinigen , w^elcher mit der Höhe schmaler und minder 
d wird , wenn ihn nicht die trübere Luft in der Nähe 
Oberfläche unten verdunkelt. Gar keine Schwierigkeiten 
die einzeln sich zeigenden Lichtsäulen dar und dieLicht- 
w^elche an den unterschiedenen Stellen des Dogens oft 
fser Schnelligkeit emporsteigen , blofs die Bildung der 
htkrone scheint mir aus dieser Hypothese nicht erklär- 
seyn und ich nehme daher um so lieber alles zusammen, 
.VSTEEJV darüber aufstellt. Er sagt : Aus der vom Pole 
I aewendeten Seite des Bogens strömen Lichtsäulen in 
■nkrechter Bichtung auf denselben bis zum Zenith hinauf, 



254 Nordlicht. 

und wenn diese so grob sind, dals sie sich weit über das Zenith 
hinaus nach Süden erstrecken , so bilden sie in der Nähe des 
Zeniths eine Art Glorie oder Krone. Die Entfernung derselben 
vom siidlichen Horizonte kommt genau der Neigung des Beob^ 
achtungsortes gleich , so dafs also der Südpol der Neigungsntfdel 
gendu gegen die Mitte der Krone gerichtet ist. Bei der BildoDg 
derselben zeigt sich das Nordlicht in seiner schönsten Prachti 
indem das Himmelsgewölbe das Ansehn einer glänzenden, von 
verschiedenfarbigen Lichtsäulen getragenen Kuppel hat. Dia 
Krone scheint der Vereinigungspunct der aus dem Bog^n lof- 
steigenden Lichtstrahlen zu seyn^ und ihre Bildung kann mi 
durch die Annahme erklärt werden , dafs die Lichtstrahleil Yon ^ 
der Oberfläche der Erde in einer Richtung ausstrahlen, welche 1 
mit der Neigung der Magnetnadel, also mit der Resultirenden d« > 
magnetischen Kräfte der Erde parallel läuft ^. Nehmen wirma 
an, dafs eine Ebene den Himmel im magnetischen Zenith.«^ > 
reicht und dafs die Lichtsäulen in einer Richtung aasfahtSB) l 
welche senkrecht auf dieser Ebene steht, so begreift man, vis s 
die Bildung der Krone, in .welcher sich alle diese Strahlen n • 
sammeln scheinen , möglich ist. Die Strahlen , welche am den , 
Bogen gegen das Zenith zu schiefsen scheinen , gehn nidit in 
aller Strenge von dem leuchtenden Ringe aus , noch sind fls n , 
Lichtsäulen verbunden , sondern jeder von ihnen ehensowohl, 
als der Ring selbst, besteht aus einer grofsen Anzahl von kn^ 
zen Lichtcylindern , welche eng an einander liegen und &it , 
parallel sind^. Man kann dieses versinnlichen , \7enn man ei- t, 
nen Globus so stellt , dafs seine Axe 18 bis 20 Grade von dw ^ 
auf den Horizont perpendiculären Linie abweicht; die Mai* ^ 
diane stellen dann die scheinbare Richtung der Lichtcylinda .. 
und der Parallelkreis in 80° oder der Pol selbst die Krone ixu ^ 
So wird jeder Beobachter die Krone in seinem magnetischen . 
Zenith sehn , weswegen die Höhe derselben nicht aus zwei aa ^r 



1 Schweigger's Joam. a. a. O. S. 196. t? 

2 Ebend. S. 197, fy 
S Ebend. S. 199. Diese Stelle Ist mir ganz donkel; aacli kiBi.i' 

ich nicht vereinigen, dafs hier die Cylinder eng an einander liegeal.r 
genannt werden, da sie oben als weit abstehend angenommen war* l 
den. Ich mufs jedoch bemerken ^ dafs Hajtsteev den Aofsats Im \ 
Edinbnrger Journal als Berichtigungen dieser Abhandlang bezeichneli v 
und ich setze daher aus ersterem das Folgende za. 



.Theorie. 2S5 

ntfeniten Orten gemachten Beobachtungen gemesien werden 
ann^. 

Diese DanteUnng scheint mir übrigens mit sich selbst im 
t^erspruche sn stehn. "Wenn nämlich die magnetischen 
StaiUen in der Richtung der Neigungsnadel von der Erde auf» 
Magen , so müssen sie nach oben nothwendig divergiren , statt 
dab die Meridiane auf dem Globus convergiren. Der Conver- 
gmpnnct der magnetischen Kräfte der Erde ist offenbar im 
ttignetischen Pole selbst gegeben und hieraus begreiflich, 
iA dieser das Centrum des sich bildenden Lichtbogens abgiebt« 
bmuls aber das Hülfsmittel des magnetischen Zeniths nothwendig 
ine fuhren, weil dieses kein fester Punct, sondern eine ins Un- 
endUche sich erstreckende Linie ist, und so müssen denn diese 
Iimien unter verschiedenen Längen und Breiten nothwendig 
livergiren, eben weil die magnetischen Nadirs der Nordpole 
Verschiedener Nadeln convergiren, und es ist also unmöglich, dafs 
Ue Beobachter die nämliche Krone im Zenit{i des Südpols- ihrer 
ibgnetnadel sehn kannten, wenn nicht .an allen Orten eine be- 
iondere Krone vorhanden wäre , alle übrige gleichzeitig existi-« 
rende als unsichtbar vorausgesetzt , was jedoch gegen eine Con- 
rergenx der magnetischen Strahlen streitet. Hansteen sagt 
ibiigens weiter, da£s die' Nordlichtstrahlen sich oft in einen re- 
elmäfsigen Ring vereinigen, indem sie von einer kleinen Zone 
uf der Oberfläche der Erde ausgehn , deren Centrum irgendwo 
ttcdlich von der Hudsonsbai liegt ; ein solcher kronenähnlicher 
iog ist auch durch eine Figur von ihm dargestellt , allein sollte 
ieses die Krone seyn , so müfste sie nördlich im magnetischen 
(eridiane gesehn werden , könnte aber auf keine Weise überall 
idlich vom Zenith beobachtet werden, weil hiermit eben die 
Kleinheit der Nordlichtzone im Widerspruche steht. 

Die Theorie, welche Hansteen über das eigentliche We- 
Bn des Nordlichts aufstellt, sucht zuerst darzuthun ^ , dafs die 
«ncheinung eine magnetische sey. Lebhafte Nordlichter brin— 
!en nämlich die Magnetnadel zur Abweichung, ein Beweis, 
^s die Magnetkräfte der Erde dann in Unruhe sind. Kurz vor 
l?er Erscheinung kann die Intensität des Erdmagnetismus sehr 
eisen, aber beim wirklichen Erscheinen nimmt sie bedeutend 



1 Phil. Mag. II. 339. 

2 Schwciggcr'8 Journ. N. R. XXVI. 200. 



2M Nordlicht 

ab und diese Aendening erfolgt oft lin wenigen Minuten, ab 

die Rückkehr der friihern Stärke tritt zuweilen erst 24 Stunde 

nachher wieder ein; die Nordlichter müssen daher die Wirkui 

einer ungemein hohen magnetischen Kraft seyn, da der Eri 

magnetismus dadurch geschwächt wird. A eitere Beobacht 

berichten ans Drontheim und sonstigen nördlichen Gegenda 

dafs die Nordlichtbögen ehemals weniger hoch heraufgekomini 

seyen und sich mehr im eigentlichen Norden gezeigt hätt« 

was mit der Veränderung des magnetischen Nordpols^ zusaii 

mentrifft. Wilrb fand , dafs der Ort, wo sich die Krone de 

Nordlichter bildet, sich zuweilen gleichzeitig mit der anfüu 

gerichteten Südspitze der Neigungsnadel ändert, wonach ab 

eine Aenderung in der Resultirenden des Erdmagnetismus eia 

Aenderung in der Richtung der Lichtsäulen erzeugt. Liegt ab 

hierin ein genügender Beweis , das Nordlicht für magnetisch c 

halten , so bietet der Elektromagnetismus ein Mittel der Erklä 

rung dar^. Im Leitungsdrahte der volta'schen Kette neutraliai 

ren sich nämlich die in entgegengesetzter Richtung strömendli 

Elektricitäten und ihre elektrische Kraft verschwindet, aberii 

diesem neutralen Zustande erscheinen sie vielleicht als elastisa 

flüssige elementare Magnete , die in einer auf die Axe des L« 

tungsdrahtes perpendiculären Ebene als einzelne Elemente mi 

den Nordpolen nach einer und den Südpolen nach der anden 

8eite, also den Indifferenzpunct in der Mitte habend, lieg« 

und mit einer Geschwindigkeit über die Oberfläche des DrahU 

hinausgetrieben werden, welche der des Lichtes vielleioh 

gleich kommt. So lange die Elektricitäten den Draht durcb 

strömen , müssen also diese Elementarmagnete in jedem Zeit' 

roomente erzeugt werden, wie sich dieses durch fernere Er 

Weiterung leicht noch mehr erläutern liefse. Hieraus lälst fid 

dann leicht erklären , warum die elektromagnetische Thätig 

keit die elektrischen Leiter sowohl als auch die Nichtleiter {m 

durchdringt , denn die nicht neutralisirten elektrischen MolecH 

len erregen in jedem Körper augenblicklich den entgegengesets 

ten Zustand und sind daher an den Körper gebunden, aber di 

nicht neutralisirten haben eine vollkommen freie Passage. Hm0 

nach ist also Magnetismus nichts anders als neutralisirte 



1 Vergl. Bd. I. Tab. V. 

2 Phil. Mag. and Ana. II. 340. 



Theorie. 257 

tity nod es ist daher möglich, dafii das NordÜcht aus sol- 
neutralisirten Paaren von Moleciilen bestehe , welche hier, 
in der geschlossenen elektrischen Kette, den Gesetzen der 
letischen Anziehung und Abstofsung folgen. 
Havstebv nennt diese Theorie eine bloüse Hypothese, bei 
ler noch viele Dunkelheiten zurückbleiben, wobei man 
nicht erwarten könne , dafs ein so schwieriges Problem 
Ken Versuche sogleich gelöst werden sollte. Weil aber 
le so enge mit dem Elektronuignetisrnua zusammenhängt, 
leint es um so nothwendiger, hier sogleich zu zeigen, 
die Hypothese mit den hierüber bekannten Thatsachen nicht 
liabar ist. Hanstee jr sagt zwar mit Recht, dafs wir bisher 
solches Fluidum im Magnete erkannt haben, durch dessen 
lignng Lichterscheinungen erzeugt werden, als in den 
t«Dtgegengesetzten Elektricitäten , und da die Lichterschei* 
beim Nordlichte zugleich auf den Magnet einwirken, 
es im Allgemeinen sehr nahe , dasselbe für eine elektro* 
:he Erscheinung auszugeben , allein damit ist der ei- 
Procefs noch keineswegs erklärt. Aufserdem aber 
ttch in Hassteen's Hypothese eine auffallende Lücke. 
^lUtrische Leitungsdraht ist nämlich allerdings ein Magnet, 
\ima muls die Elektricität ihn frei durchströmen, ist also 
shtend; wäre sie aber in dem Mafse frei, dafs sie ein 
les Lenchten erzeugen könnte, so müTste sie nothwendig 
ftad das Elektrometer wirken, wogegen aber Hansteev 
lieh erinnert, dafs Faanklin's Theorie unzulässig sey, 
Nordlicht gar keinen Einflufs auf das Elektrometer äu- 
Dieses Argument läfst sich zwar beseitigen, wie ich 
zeigen will, aber die Ansicht von dem Wesen der 
lagnetischen Wirksamkeit ist zugleich unhaltbar^ indem 
iprang der neutraUsirten , dadurch zum Magnetismus ge- 
rn und um den Leitungsdraht verbreiteten Elektricität 
ins nicht nachgewiesen ist und auf keine Weise aufgefiin'- 
kerden kann. Beide Pole der volta'schen Kette sind näm- 
ki vollkommener Isolirung gleich stark mit einem lieber« 
entgegengesetzter Elektricitäten geladen, der Verbindungs- 
lient blofs dazu, beide Ueberschüsse dieser Pole einander 
i»hren , wobei sie sich im Drahte selbst wegen überwie- 
tarker Thätigkeit beider Pole gar nicht neutralisiren kön- 
and somit ist nirgends ein üeberschufs neutralisirter und 
Bd. R 



258 Nordlicht. 

hierdurcli in Magnetisinus verwandelter £lektncitäten vor 
den. Wollte man einen solchen annehmen, so müfsten die 
lirt getrennten Elemente der Volta'schen Kette einen M) 
des natürlichen elektrischen Sättignngs- oder Neutralitäts • 
Standes zeigen , welchei^ niemals wahrgenommen wird; 
besonnener Physiker aber kann, um dieser Schwierigkeit zc 
gegnen , einen so laftigen Hypothesenbau auiluhren und ss 
die dufch Neutralisation zum Magnetismus umgestalteten l 
tricitäten kehren nach ihrer Thätigkeitsäufserung in ihren ' 
gen Zustand wieder zurück^ um den Polen der Volta'schen 1 
zuzuströmen , denn das hiefse nur, die Elektricitütim seyen 
dieses, bald Magnetismen , je nachdem die Physiker dieses 
jenes wünschen. Aber abgesehn hiervon und in' unmittell 
Beziehung auf die Erklärung des Nordlichts mufs mafti doch 
lig fragen, wo ist die Ursache der elektrischen Erregung j 
den angenommenen Magpetismus erzeugt, und wenn diese i 
stattfinden soll, welche Ursache erregt den Magnetismus 
warum erscheint dieser leuchtend ? Es ergiebt sich hieraus 
augenfällig, dafs das Nordlicht selbst durch Hanstbebt gar i 
erklärt und seine Ursache gar nicht nachgewiesen ist. 

Die Physiker begnügen sich seitdem im Allgemeinen 
der Erklärung , dafs das Nordlicht eine magnetische ErN 
nung sey, weil es einen unverkennbaren EinAufs auf die 
gnetnadel ausübe, und obgleich nach den neuesten Beobachttt] 
seine elektrische Natur zweifelhaft gemacht worden ist, so 
scheidet doch sein Leuchten und die innige Verbindung, ^ 
die Elektricität und der Magnetismus miteinander stehn, seh 
für, dasselbe für ein elektromagnetisches Phänomen zu halten, 
dann im Ganzen auf die zuletzt vorgetragene Hypothese hin 
kommt. Neben dieser sind noch einzelne mehr oder minder' 
ständige Versuche der Erklärung gemacht worden. Havsti 
z. B. findet eine Uebereinstimmung zwischen den magnetis 
Isoklinen und den isothermischen Linien, so dafs der Magn 
mus der Erde auf ihre Temperatur einen Einflufs haben mt 
wonach also die Nordlichtzone durch die Temperatur wenig: 
mit bedingt würde. Richardson^ meint, die V^olken hi 
zuweilen eine polare Richtung , indem sie iait dem magi 



1 Schweigger's Journ. N. R. XVf. 208. 

2 Narrative of a Joarney cet. p. 598. 



. ( 



Theorie» ^ 250 

wäm Mwrijiane swti rechte Winkel bildeten. Würden, «ie er-* 

. lidlly so mubten eie, in einer horizontalen Ebene mit dem 

Auge des Beobachters liegend , einen Bog^n zu bilden scheinen» 

Ibe Bichtnng sey vielleicht Folge des MagnetismuSi ihr Leuch« 

ten der Elektrioität» Inzwischen legt er auf diese Hypothese 

«img^ Wei;th imd pennt das Ganze nur eine unaqsgebiidete Idee 

• {frmiß opinionß)* EanA«^ ^^bt) die Erklärung des Nord«* 

Sid4s.kOflDe dadurch erleichtert « werden ^ wenn man die Ton 

dpi. Hprdlichtbogett aufsteigenden Strahlen dem Lichtbogen 

jbGck betrachte» welchen H. Datt zwischen beiden Polen 

nqijc, pesetunäfsigen volta'schen Säulen erzeugte , wodurch 

jhgi Äe- MiigM abgelenkt wurde ^ eben wie dieses durch 

ji|s,.lIipidUcht . geschieht« .,$0 leicht es übrigens, ist, die ver-i- 

. |ff)ijf|^enSohwankangen,der Magnetq^idel beim Nordlichte- sa 

k tiiäina^f wenn o(ifn die Lichtstrahlen desselben jenen leuchten- 

1*1^1 elektrischen Strömungen gleich setzt, eben so schwierig 

'jpdb es von der andern Seite ^se3nf, die über alle Begri£Fe.star^ 

Kim elektrischen Pole aufzufindfsni .die die so unermeiblich langen 

lR|il|tenden Bögen, wie die StrahleA der Nordhchter sie aeigen, 

' ^Hdk'.die weiten Strecken trockper jLuft fortzuschteudern ver- 

•J^tfKtf nicht gerechnet, dafs damit die eigentlichen jford^ 

fcUpgen und die übrigen Eigenthümlichkeiten des Meteors 

fhs unerklärt blieben. 

Nach allen bisher mitgetheilten Erklärungsversuchen auf 

mEnträthselung des sehr zusammengesetzten Phänomens sich 

Jttr einmal einzulassen scheint allerdings ein gewagtes Unter- 

äehmen, indessen kann ich mich dessen nicht enthalten, der 

.Bsmlich vollständigen Zusammenstellung des Thatsächlichen 

üiM Hypothese zur Erklärung anzureihen. Die Mangelhaftig- 

fJMt der meisten £ruherp Erklärungen scheint mir hauptsächlich 

jiinTfh entstanden zu seyn , dals man aus dem bloüsen Leuch- 

ÜlB des Meteors unmittelbar auf Elektricität schlofs , ohne die 

^Vgelmäfsigen Formen Und sonstigen Bedingungen gehörig zu 

ilüiiJ'JiililiiLt iii und daJGs man tiach dem entdeckten £inäusse 

ilben auf die Magnetnadel das ganze Phänomen ein magne<*- 

es nannte, obgleich der stärkste Magnetismus nicht den ge->- 

Jhgsten Lichtschein »erzeugt. Wenn ich aber alle die oben 

«ilgetheilten Restdtate zahlreicher und genauer Beobachtungen 

■ — " » 

1 Poaaeadorff Ann« XXII. 652* 

fl2 



SeO Nordlicht. 

zasamtnennehme , so scheint mir das MeteoT im Ganzen fio 
tliermelektromagnetisclies zu seyn und auf folgenden Hauptmo- 
menten zu beruhn. 

Es ist schon in frühem Zeiten mehrfach die Vcnnuthiing 
ausgesprochen worden , dafs die Erde elektrisch und hierdurch 
dann magnetisch sey, allein durch die von mir^ bekannt ge- 
machten Versuche mit der Drehwaage glaube ich unwiderleglich 
dargethan zu haben , dafs die Erde nothwendig ein Thermelek- 
tromagnet werden mnfs , weil die alle 24 Stunden um dieselbe 
laufende Sonne hinlängliche Wärme erzeugt, um die erforder- 
liche Aufhebung des elektrischen Gleichgewichts hervorznni- 
fen oder freie Elektricitat zu erzeugen, da dieses nament- 
lich beim Ei^e und Thone schon durch eine TemperatarerhO- 
hung von 3* bis höchstens 5° C. unfehlbar geschieht'. Indem 
aber das Umlaufen der Sonne und somit die erzeugte Erwär- 
mung von Osten nach Westen erfolgt und hierdurch positivi 
Elektricitat erzeugt wird ,^ mithin ein positiv elektrischer Slroa 
in dieser Richtung die Erde umkreist , mnfs den elektromagna- 
tischen Gesetzen angemessen im astronomischen N. ein Südpol^ 
im astronomischen S. ein Nordpol erzeugt werden , wie die Er- 
fahrung zum Theil ergiebt. Eigentlich könnte nämlich an je* 
dem wirklichen Pole nur ein einziijer ma<;netischer zum Vor- 
schein kommen, dafs deren aber, mindestens' im Norden, zwei 
vorhanden sind , rührt ohne Zweifel von dem Verhältnisse zwi- 
schen Land und Meer her, indem zwar nicht durch Versuche 
erwiesen, aus vielen triftigen Gründen aber höchst wahrschein- 
lich ist, dafs sich im Wasser keine Thermelektricität erzeugt 
Die Ursachen also, welche die Erde zu einem Thermelektro- 
magnete machen, sind hiernach über die ganze Erde stattfin- 
dend, an den einzelnen Strecken ihrer Oberfläche mehr oder 
minder wirksam, nehmen der Temperaturdifferenz proportional 



1 Pogijendorff Ann. XX. 417. 

2 Ein Einwurf gegen die Beweiskraft: der leicht anzastellendd 
Versoehe schien auf der Möglichkeit zu beruhn, dafs die Drehaagei 
vielleicht durch LuFtströmungen erzeugt würden ; allein Gapt. KatMi 
dem ich die Erscheinung zeigte, erklärte dieses Argument für dorck- 
aus unstatthaft, weil sonst das andere, mit Blattgold oder Suaaiol 
versehene Ende des Waagebalkens auf gleiche Weise augezogen wer- 
den müfste, als das mit dem Holundermarkkügelcheo, welches jedock 
nie der Fall ist. 



Theorie. 961 

TOm AMiMt^ iX?ieli ilen Polen %n^ bestehn im Ganaaa aus eU 
Dem innariidb 24 Stunden um die ganze Erde laufenden elek- 
tmdien Strome , welcher durch gew^'sae - bia jiftzt zwar noch 
Mobt nadigewieaene , ohne Zweifel aber aufzufindende Bedin- 
pngen auf eine solche Weise modificirt ist, dab er die beiden 
»Udinamigen magnetischen Pole in der Nähe des astropomi- 
dien Erdpoles erzeugt. Könnte nun weiter eryriesen werden, 
lab die Nordlichter eine mit dieser nämlichen Elektricitäts - £r^ 
"^gmg susammenhängende Erscheinung seyen , so würde hier- 
in mdit bloCi 'ihr Einfluls auf die Magnetnadel von selbst fol- 
•0, sondifrn'' aueh die Ursache deutlich werden ^ warum sie 
•ck deiii'VbMi (unter b^ erwiesenen Satze die beiden magneti- 
dun ^Pidtt^ nmlagem. 

' Aie^ermelel^trische Erregung findet über der ganzen Erd- 
beffmie statt, und man darf wohl sagen , dafs sie der Erfah- 
m^ nmh durch die grolsen Wasserstrecken unterbrochen oder 
iWasteos sehr geschwächt wird , sie muls daher auf der süd- 
dJMi BrdfaJUlfte am geringsten seyn, indem sie hauptsächlich 
Mlj^neh die weit auslaufende Südspitze von America , die 
i^ljjldes südlichen Polareises und die den Südpol umgeben- 
Iwlieiln oder vielleicht dort vorhandenen Continente bedingt 
rirdL -In ii^e weit hiervon die Entstehung der beiden magneti- 
ibta Pole der südlichen Halbkugel abhängt , welche übrigens 
iit denen der entgegengesetzten Halbkugel in ursächlichem Zu- 
immenhange stehn, ob von den beiden, der letztern zugehörigen 
ölen der eine so tief herabrückt, weil die Nordküste America's 
m einem zusammenhängenden, zum Theil wahrscheinlich stets 
Feoen Meere begrenzt und dadurch gleichsam vom astronomi« 
ihen Pole getrennt ist , ob nördlich von diesem Meere ein et- 
as ausgedehnteres, die Entstehung des zweiten Poles bedin- 
endes Continent liegt, alles dieses sind Fragen von grofsec 
Rchtigkeit, deren Beantwortung aber nicht unmittelbar hierher 
ehört; inzwischen folgt aus den angegebenen Thatsachen 
Aoü so viel, dafs die Zahl der Nordlichter gröfser seyn mufs, 
li die der Südlichter , und dafs die letzteren sich vorzugsweise 
bfig über der Südspitze des americanischen Gontinents zeigen 
Dssen , was abermals mit der Erfahrung vollkommen überein- 
Immt. Wollte man aus der allgemein über die ganze Erde 
rbreiteten elektrischen Erregung folgern, dafs hiernach die 
irdlichter in allen Gegenden gleich eahlreich ersckeioen müf s- 



•\ ^ 



262 Nordlicht. 

ten , 80 läfst sich dieser Einwurf leicht widerlegen. An ^llen 
solchen Orten nämlich, wo die Herstellung des elektrischen 
Gleichgewichts ^durch Gewitter stattfindet, und zu denjenigen 
Zeiten, wenn Letzteres geschieht, ist die Entstehung des Nord- 
lichts unmöglich , ein Satz , welcher durch den nahen Zusam- 
menhang dieser beiden meteorischen Phänomene noch aufser- 
dem eine bedeutende Stütze erhalt, und die Nordlichter sind 
nur ;n denjenigen Gegenden einheimisch, wo keine Gewitter sa 
Stande l^ommen oder sie sich , falls dieses ausnahmsweise ein- 
mal geschehn ist, durch blofse Blitze ohne Donner entladen, fo^ 
lieh gleichsam einen Uebergang zu den Nordlichtern bildend 

Wenn ich den eigentlichen Frocefs der Nordlichtbildang 
kurz zusammenfasse, so ist er in seinen Hauptmomenten folgen" 
der, Die Oberfläche der Erde wird durch den täglichen ifem- 
peraturwechsel elektrisch erregt. An denjenigen Orten, wo die j 
elektrische Neutralisation durch den Wechsel von Verdampfm^ - 
und Niederschlag nicht in unbestimmten, meistens nur karzen ' 
Zeitintervallen aufgehoben ufid wieder hergestellt wird , bebak ' 
die ]ßrdkruste diesen elektrischen, den Magnetisqnus der Eide 
erzeugenden Zustand eben so eine Zeitlang bei, als diesei Im! 
jedem von trockner Luft umgebenen Körper der Fall ist, toi 
die hiernach täglich wiederkehrende Erregung und die RücUcehi 
zum Gleichgewichte , wie sie durch den regelmäfsigen Wechsel 
der Erwärmung bedingt wird , ist Ursache der täglichen Varia- 
tionen der Magnetnadel. Die auf der Erdoberfläche erregle • 
Therm elektrici tat ist allerdings nicht stark , sie könnte sogar so r 
schwach seyn , daPs ihre Repulsivkraft das Blattgoldelektrometei 
zu bewegen nicht vermöchte, und dennoch würde, anderp zahl- 
losen Erfahrungen gemäfs ^ hieraus keia Einwurf gegen die Be* \ 



1 Ich fürchte ;a weitläaftlg zu werden , wenn ieh mich auf afle 
Einzelnheiten einlassen wollte. So könnte man anter andern 8age% 
die elektrische Erregung der Erdobprfliichp müsse aufhören, wenn die • 
Temperatur za niedrig wird, und sie müsse dem Wechsel zwischee : 
Wärme und Kälte proportional seyn. Beide Ursachen würden ge- | 
mejnschaftiioh dazu wirken, den magnetischen Pol üb^r den Norf^ | 
küeten Anjerica's tiefer herahzurücken , die Nordlichter könnten hie^ j 
^nach njcht weit nör41ich über die n^agn^tischen Pole hinaus sich e^ 1 
' «trecj^en^ wie die Erfahrnng ergiebt, und seihst der von Hahstbes be- 
t)|)achtete Zosammenhanj; zwischen den magnetischen Isoklinen mH 
den isothermischen Linien fände hierin eine natürilche Erklämng. 



't^ 



Theorie. 263 

liauptung hervorgehn , dafs sie die Erde za einem gi-ofsen Mag« 
aete macht* Betrachtet man ferner die Erde als einen elek-> 
trisch erregten Körper, wobei in Gemäfsheit der durch Cou- 
lomb und PoissoH aufgefundenen Bestimmungen die Elektrici- 
lit auf diesem groCsen Körper auf gleiche Weise und aus glei- 
chen Gründen als bei jedem geladenen Leiter sich nur auf der 
Oberfläche aufgehäuft befinden kann ^ , so mufs sich ein elektri- 
scher Wirkungskreis bilden. Dieser kann jedoch nicht dieje- 
nige Gestalt haben , welche bei kleinern Conductoren der Form 
dieser letztern correspondirt, ein Umstand , welcher aus der un- 
verkältnifsmälsigen Gröfse des Erdkörpers und aus den auf dem- 
selben stattfindenden ungleichen Erregungen, mitunter auch Un- 
terbrechungen der elektrischen Erregung, leicht erklärbar wird^ 
vielmehr können wir blofs aus seiner Wirkung , wie sich die- 
selbe in der Erzeugung der beiden magnetischen Pole zeigt , au£ 
diese Form schlielsen. Nehmen wir dieses als genugsam bewei- 
sendes Argument an , so mufs zwar diese Atmosphäre überall 
£e Erdoberfläche berühren , jedoch so , als würde sie durch die 
Yrinä^pgen eines die Elektricität leitenden und um einen Kör- 
jm gemmdenen Drahtes erzeugt , dessen Axe auf die Richtung • 
dorlnklioationsnadel perpendiculär wäre, weil ein solcher den 
magnetischen Pol an derjenigen Stelle erregen würde , wo wir 
denselb^ auf der Erde wahrnehmen ^. Wenn dann dieser elek- 
trische Wirkungskreis eine Vertheilung der Elektricität in der 
imgebenden Atmosphäre bewirkt, so kann dieses zwar unor- 
lentlich nach allen Seiten hin geschehn , im Allgemeinen aber 
vird man leicht begreifen, dafs es in Richtungen geschehn mufs, 
i^lche der Neigungsnadel parallel laufen , worin dann der Er- 
dämngsgrund liegt , dafs die Nordlichtstrahlen zwar nicht ganz 
tcharf und ohne Ausnahme, allerdings aber der Regel nach 
gleichfalls diese Richtung annehmen. Eine feuchte Atmosphäre 
Urals diese regelmäfsig gerichteten, bis zu ungleichen Höhen 
Äch erhebenden elektrischen Vertheilungen stören und aufhe- 
ben , überwiegende Trockenheit der Luft wird sie dagegen be- 



1 j^s würde überflüssig seyn, für diesen Satz ausführliche Be- 
reise yorzubringep , da er aus dem, was bereits hierüber in den Ar- 
ikeln Elektricität und Elektrometer mitgetheilt worden ist, nothwen- 

ig folgt. ** 

2 Es versteht sich von selbst, dafs diese Schlüsse für jeden ein* 
»laen Fol besonders gelten. 



264 Nordlicht. 

fördern. Wenn aber in Gemafsheit der zahlreichen , oben ( 
ter f ) beigebrachten Zeugnisse , wozu noch die Bemerkung 
Wkaitgel's kommt, dafs die Nordlichter durch »die Verd 
stung offener Stellen des Meeres in dön Polargegenden befö'r 
werden | sehr feiner Dunst in der Atmosphäre aufsteigt , ges 
auch derselbe sey so ausnehmend dünn , dafs er die Luft k; 
oder auf jeden Fall nicht merklich trübt , so mufs die elektri] 
Vertheilung sich auch auf diesen erstrecken und ihn selbst e 
frisch machen , und hierin liegt die Ursache , warum eine d 
Dtige Atmosphäre und höchst feines Gewölk unzweifelhaften 
fahrungen gemafs die .Bildung der Nordlichter begünstigen, f 
-ches sich bis zu einem Grade erstreckt , vermöge dessen sie 
letzt in wirkliche Gewitter übergehn , wofür gleichfalls • 
«eine beweisende Beispiele vorhanden sind. Hieraus entil 
dann zugleich die einz'elnen sich erhebenden, mitunter » 
vom Winde bewegten Lichtwolken , die kaum bei irgend ei 
gröfsern Nordlichte fehlen ; auch wird nach meiner Am 
kein aufmerksamer Beobachter in Abrede stellen, dafs die vi< 
überall am Himmel verbreiteten , in röthlicher Farbe sich 
genden , erleuchtenden Massen nichts anders als höchst fi 
von den eigentlichen elektrisch leuchtenden Nordlichtstral 
nach Art der Abendröthe erhellte Wölkchen sind. 

Hiermit sind schon die meisten Einzelnheiten des N( 
lichtphänomens den darüber oben mitgetheilten Erfahrungen 
mäfs genügend und ungezwungen erklärt , aber es hält i 
schwer, hieran eine Enträthselung der anderweitigen Be 
gungen und Nebenumstände zu knüpfen, ohne dafs es ge 
nothwendig ist, hierüber vollständig zu seyn. Da die elel 
sehe Erregung über die ganze Erde , mindestens bis nah 
die magnetischen Pole, in den meisten Fällen nicht völlig 
zu denselben, nur in sehr seltenen aber bis darüber hinaus s 
findet y so können die Nordlichter auch innerhalb dieser G 
zen erzeugt werden , nur nicht da, wo die Feuchtigkeit der 
mosphäre als Hindernifs auftritt, die kleinern und niedri 
müssen blofs da häufig zum Vorschein kommen, wo die Be 
gungen hierzu günstig sind, die gröfsern, eben daher hö 
und zugleich seltnem werden sich weiter nach Süden erstrec 
sie können gröfsere und geringere Breiten haben und auf 
che Weise innerhalb weniger Längengrade beschränkt 
oder sogar auch die ganze, um beide magnetische Pole laui 



Theorie. 265 

RordlielitSQtte «il gleicher Zek umfa^s^o. Ferner ktJDnen sie 
Aer Brde nXher eder weiter von ihr entfernt seyn, je nachdem 
die elektriBch gewordenen Dunstpartikelchen sich mehr oder we* 
•iger erheben^ sie müssen unter niedern Breiten wegen der 
dvchKilte bedingten Trockenheit der Luft in der Regel höher 
I, tof jeden Fall aber können sie die Erde nicht unmittelbar 
, weil sonst eine Herstellung der elektrischen Neutrali* 
eiCb/lgen und somit die Bedingung ihres Entstehens aüfge- 
•e3m' würde« 
JUch' dünkt, es sey nach dieser Darstellung von selbst klar, 
[M»itogetphtet der bis zum Leuchten aufgehäuften Menge von 
^Aktriflitiit dennoch ein Blattgoldelektrometer keine Abstofsung 
■jfcB lit la r Beigen könne, selbst wenn es mit einer langen iso- 
^Kett» ioder Stange in Verbindung steht, weil ja eben die 
£igensohaft der Luft nothwendige Bedingung des ent— 
Nordlichts ist und bei einer langern Zuleiti^ng diese 
bis in die leuchtenden Hassen reichen müfste , um die 
sMtfindende Anhäufung von Elektricität anzuzeigep. Es 
somit' blols die durch Hoon gewählte Vorrichtung im 
•iaiger längern Zeit Spuren des aufgehobenen elektri- 
Mte^Oetchgewichts zeigen, jedoch gleichfalls nur in jenen 
% fiigtaden, wo die Nordlichter ganz eigentlich einheimisch und 
Um auch niedriger sind. Dagegen aber mufs die Magnetna— 
ii jederzeit durch das Nordlicht afiicirt werden , es sey denn, 
Ui sie sich jen^eit der Zonen der thermelektromagnetischen 
lingang der Erde, d. h, jenseit der magnetischen Fole, befin* 
[iHL Dieser Satz, welcher allerdings zunächst aus Paray's 
Icobachtnngen abstrahirt ist, findet jedoch zugleich eine Bestä- 
[lipmg durch die theoretische Betrachtung, dafs der magnetische 
[tri der Erde , eben wie die elektromagnetischen Pole unserer 
f^BDitlichen Apparate, nicht füglich anders liegen kann, als an der 
Uiersten Grenze der elektrischen Erregung, folglich kann eine 
iMünderung der letztern nicht füglich ihren Einflufs über die 
Ayigebene Grenze hinaus aufsern. 

Die Erklärung des Einflusses , welchen das Nordlicht auf 

['& Magnetnadel ausübt, mag wohl einer der wichtigsten Theile 

idiv ganzen Theorie zu seyn scheinen, aber sicher ist er keiner 

ikr sdiwierigsten , wobei jedoch zu berücksichtigen bleibt , dafs 

Er&hmog über diesen Punct bisher noch nicht definitiv ent- 

hat und künftige Beobachtungen daher die Richtigkeit 



266 Nordlicht. 

der Hypothese controliren müssen, Ware die Erregung dei 
Thermelektricität auf der ganzen Oberfläche der Erde gleich, 
letztere daher ein Thermelektromagnet, dessen Pole sonach mit 
den astronomischen zusammenfielen , so würde es nirsends eine 
Abweichung der Magnetnadel geben und die magnetischen Me- 
ridiane mit den astronomischen identisch seyn. Die auf der 
nördlichen Halbkugel stattfindenden Abweichungen entstehen 
aber durch den Einflufs der Anziehung, welchen jeder der bela- 
den vorhandenen Pole auf die Nordspitze der Magnetnadel aus- 
übt, und dieser bleibt sich gleich, so lange sich 'die thermelektri- 
sche Erregung nicht ändert. Sobald aber die der ganzen Theo- 
rie als Grundlage dienende elektrische Spannung durch einen 
Uebergang der Elektricität von der Erdoberfläche zur Atmo^hSn 
stattfindet, mufs eine Schwächung des tellurischen ThenneWK« 
tromagnetismus eintreten und dadurch nicht blofs die Stärke der. 
magnetischen Anziehung überhaupt, sondern auch die Ansie* 
hung des concernirenden Poles insbesondere abnehmen. Erbebt 
sich also das Nordlicht für unsere Meridiane am westlichen mag* 
netischen Pole , so wird die Nordspitze der Magnetnadel M* 
lieh gelenkt oder scheinbar durch das Nordlicht abgeitobeOi 
und so umgekehrt, beide vereinte Verminderungen gleidiM 
sich aber zu aus. Im Allgemeinen scheint es mir übeffliissig 
die vielen hierbei möglichen Schwankungen und deren Mo£fi* 
cationen einzeln aufzuzählen, und es wird genügen, dafs in Us* _ 
bereinstimmung mit Araoo's zahlreichen Beobachtungen Sa 
gleiche Breitengrade, insbesondere wenn die Orte den magneti- 
schen Polen nicht zu nahe Hecken , nicht sowohl die Nähe dei . 
Nordlichts , als vielmehr dessen Stärke und die durch dasselbt 
bewirkte Aufhebung des tellurischen Magnetismus die GrÖ&i . 
der Schwankungen bedingt. Alles dieses gilt jedoch znnächil \ 
nur von der Abweichungsnadel, deren Richtung und Stärke «nt* , 
schieden durch die ganze Summe der vom Aequator bis naok ' 
den Pol«n hin wirksamen thermelektromagnetischen ErreguDgel^ - 
bedingt wird. Wenn dagegen die Neigungsipdel gleichzeiti|i\'' 
mehr durch die Örtlichen thermelektromagnetiicÄen ErregungoB '■' 
afHcirt wird, so könnte deren Stärke vermehrt werden, wentj'' 



eine Schwächung erleiden. So viel ich weifs, stehen auch hieC" 
bei Erfahrung und Theorie im Einklänge. Eben so folgt, difc. 



jdie weiter nach Norden liegenden magnetischen Kräfte der EiJ* i 



in der Nordlichtzone selbst die Abweichuni; der Deklinationina* 



N 






Theorie. 267 

. am wettjsteh regelmSTsig seyn nrafs , weil clort die bedin- 
idiftb UMicIltftl* sa nahe liegen, dafs sie auf zwei nicht sehr' 
fenote Nldilnt mgleich wirken können. 

Ettdtich^wifd es genügen, über die optischen Erscheinungen 
]|n NöidHohte nur noch einige wenige Bemerknngen hinzuza- 
pB« Wenn wir naoh der oben bereits angeführten Vorans- 
Ivnigf vornehmen , dafs die leuchtenden elektrischen Strahlen 
irlbigiietischen Neignngsnad«l parallel aufsteigen, so folgt kei- 
m <i | l ^J fc «ttglaich , dafs dieses überall gaqz genau stattfindet 
■t'dib 'dieselben den ganzen Raum von den magnetischen Po- 
«Ms m bedeutend niedem Breiten ausfüllen, sondern sie kön-» 
i|| ner kleinere Theile dieser Zone oder gröfsere mitUnterbre- 
lÜppo eintiehmen. Im Allgemeinen müssen dann femer diese 
itp^dljeachtenden Strahlen von den, meistens rothen, blob 
Üiechleten' kleinen Wolken unterschieden werden, die fuglich 
ki- ler. Erklärung ganz unbeachtet bleiben I^önnen* In der Re- 
|d wapden die auf die genannte Weise ertseugten Strahlen auf- 
flSi 'etligen und die Elektricität derselben wird das Bestre- 
lÜMgen, an wärmere und zugleich feuchtere Schichten über- 
wenn diese nicht selbst durch den Einilnfs der Erdober- 
aiektrisch werden, woraus die meistens stattfindende süd- 
bk girichtete Bewegung der Nordlichter und ihre gröfsere Höhe 
Übt niedrigem als unter höhern Breiten von selbst folgt. Es 
ümi femer das Elektrischwerden, (die elektrische Erregung) der 
bfischichten oder der in ihnen vorhandenen dunstförmigen 
ibstanzen über willkürlich lange und breite Zonen nicht mo- 
lentan stattfinden, sondern mufs nach und nach, wenn gleich 
1 nicht langer Frist , erfolgen und eben so auch wieder aufliö- 
Mr, weswegen denn Anfang und Ende der nämlichen Nordlich- 
rr an verschiedenen Orten in ungleiche Zeiten fällt , wie na-^ 
lentlich noch bei dem Nordlichte am 7: Jan. 1831 der Fall war, 
• verdient kaum erwähnt zu werden, dafs hiernach, so oft 
htttlne Nordlichtsäulen gesehn werden, diese sich nothweut- 
Ibsach optischen Gesetzen zu Bögen gestalten müssen , sobald 
It, wie die Wolken , die ganze Strecke des Himmels von einer 
fbm des Horizonts bis zur andern einnehmen ; auch wird ihre 
sich der elliptischen so viel mehr nähern , je geringer ihre 
über der Erde ist. Es scheint mir indefs überflüssig, die 
itiscben Erscheinungen des Meteors ausführlicher zu erläutern, 
\ ai« am der angenommenen Voraussetzung ohne Schwierig- 



268 Nordlicht. 

keh folgen und ihre Erklärang auch bereits durch Haxstckv 
gegeben worden ist, wenn man statt der von ihm angenommenen 
leuchtenden magnetischen CyHnder die aufsteigenden elektrische^ 
Strahlen Substitut rt. Nur eins scheint mir nöthig hinznxosetxeiy 
nämlich dafs zwar der Hypothese nach das Aufsteigen der elek- 
trischen Strahlen der Regel nach in der Richtung der Neigmigpi» 
nadel erfolgen muls, woraus dann die Verhältnisse der Lijp 
und Richtung der einzelnen Theile des Nordlichts zur Magnel^ 
nadel von selbst folgen, dafs aber ein allezeit stattfind endet aal 
absolut genaues Zusammentreffen beider ganz unzulässig wtjm 
mufs, weil keine feste und regelmäfsig geordnete Masse vcnkoH 
den ist , welche dieses Meteor erzeugt , sondern eine bewegjfc» 
che, die daher, mit der Erfahrung übereinstimmend, nur iif 
Allgemeinen die vorhandene Regelmäfsigkeit zeigen kann« Fwji, 
lieh aber darf ich noch die Bemerkung hinzufügen , dab BM||i^ 
meiner Ansicht gar kein Bedenken stattfinden kann, das lidt'' 
dieser Meteore fiir elektrisches zu halten. Hierüber bin idii|f; 
wenig zweifelhaft, dals ich mich dreist auf das ürtheil aW 
Physiker berufe, welche das eigenthümlich weifse, in gewiNpf 
Hinsicht blendende, zugleich aber verhältnifsmäCsig nickt If 
stark leuchtende, elektrische Licht aus eigener Anschaoang lum* 
nen und mit dem der Nordlichter zu vergleichen Ge l e ga al wit 
hatten. Ich darf hierbei ferner geltend machen , dafs mehren 
Beobachter nordlichtartige Säulen und selbst Bögen bei Gewit- 
tern wahrnahmen , ich selbst aber habe im November 1824 Mit 
dem Nordlichte vollkommen gleiche Lichtsäule am östliches' 
Theile des Himmels gesehn , wo sie mindestens 30 AlinntoMS 
unverrückt stand und gewifs für dieses Meteor gehalten word|pn 
wäre, wenn nicht die genau östliche Richtung dieses z i f W i ( 
felhaft gemacht hätte , worauf sich dann am folgenden Tage V 
gab, dafs es nichts weiter als ein nahe 8 Meilen entferntes stadui '* 
Gewitter gewesen war. Ueberhaupt würde die Erklärung Ar* 
Nordlichter ungleich weniger schwierig gewesen seyn, Wi*'^ 
man allezeit die «enauen , die vielen Einzelnheiten nicht übi^'v 
sehenden Beschreibiinoen derselben mehr beachtet hätte, als die*T 
lenigen , welche hauptsächlich das Prachtvolle und Auffallendt^ . 
dieser Meteore hervorheben sollten. Mm 



Nutation. QOB 

"; "Nu t a t i o n; ^ - • 

Vik)il««a. der Erd-Axe; Nutatio; JÜn^- 

dem'iiräkel FbrrücJten der NttcKigUicfun' Werden 
ein de ärtgiri|eben, waram die Axe der sphäroidischeii' Erde 
m Umlatitfe tcAk die Soniie ihre Lage nicht gans-tttxTerftn^ 
k balnKit I dä& sie immer gegen denselben Punct des Him- 
Bctchtet bleibt. * Die Ansiehnng der Sonne und des Moö«* 
imlich gegen die Erde bringt , "weil letztere von der Ka- 
li abwtiditi «ine Aendernng jtontft Riehtang hervor, vef^ 
addier der Pol des Himmeb In ein^m sehr kngen Zeit-; 

innen Kreis um den-P<d der £k1ii>tik durchlMuft. Bliebe 
39^<Pdl dfes .Himmels allezeit gen&ix^srnf diesem Kreise und 
ir gfeidüafiClig in diesem forty'das heifst, iwMre.di« Aen«^ 
l ider Xfüge der Erd-As^ gleichförmig', so würden wir 

keine Kntation beilegen. Aber die Beobachtung zeigt» 
te Pol dee Himmels sich bdd auf dieser, bald aÜf jener 
ieü den^ Kreise ^ jedoch nach bestimmten Gesetzen, fen1> 
WH ddb: damit auch eine Aenderung in dem Fortrttcken 
I^^Lrei^e'TetiMinden ist, und diese Aenderungen sindeir, 
yt^ättitiön^ 'Wuhkender Erd^Axe, nennen. 
Hl 'die genauere theoretische Betrachtung der Nutation so 
r-'PräceSsion derNachfgleichen zusammenhängt, dafs beide 
Wien vereint abgehandelt werden , so verweise ich in die-* 
losicht auf ded Art. Vorrücken der Nachtgleichen und 
bier niir folgende oberflächliche Darstellung. Den gröfs-^ 
leil der Nutation bringt der Mond hervor^ weil seine Bahn 
die Ekliptik geneigt ist und die Knoten der Mondbahn 
[gehend auf der Ektiptik fortrücken. Sie vollenden eineri 
if in 184 Jahren und dieses ist daher auch die Periode der 
on» Was zuerst die Einwirkung der Sonne betrifft, so 
: diese die Lage derErd- Axe so, dafs sie fast genau im- 
leich geneigt gegen die Ekliptik bleibt, und deshalb ist der 
BT Ekliptik auch der Pol des Kreises von 23| Gr. Halb- 
r, den veir den Pol des Himmels durchlaufen sehn ; und 
» Ebene der Mondbahn bei allen ihren Aenderungen in je- 
tucte derEkliptik sich ebenso oft nördlich als südlich von 
findet , da die Ekliptik in der Mitte zwischen allen Lagen 
[ondbahn liegt, so kommt, sofern wir auf lange Zeiten 



270 Nutatiou. 

8ehn, auch die Wirkung des Mondes darauf zariick, den 
des Himmels auf eben dem Kreise fortzuführen» Aber die 
desmalige Lage der Mondbahn bringt periodische Aenderun 
hierin hervor. Wenn der aufsteigende Knoten der Mondb 
sich im Frühlingsnachtgleichenpuncte befindet , so hat der 
quator der Erde eine Neigung von 28^ Gr. gegen die Mo 
bahn , und wenn diese Lage dauernd wäre , zugleich aber 
Wirkung der Sonne ganz fehlte ^ so würde der Himmekpol 
in einem Kreise von diesem Halbmesser um den Pol der Mo 
bahn bewegen , und ebenso würde dieser Kreis nur den H 
messer von 184* Gr. haben, wenn die Neigung des Aequa 
gegen die Mondbahn , zu der Zeit , da der aufsteigende Kq( 
in der Waage liegt, bis -auf 184- Gr. vermindert ist« Statt i 
ser grofsen Verschiedenheiten bringt die Anziehung des Mon 
weil die Lage seiner Bahn sich, unaufhörlich ändert, nur 
sehr geringe Abweichung von.jd^m hervor, was stattüi 
w'ürde, wenn der Mond sich in der Ekliptik selbst bewi 
Zur Zeit der gröfsten Neigung des Aequators gegen die M( 
bahn ist nämlich die Axe der Erde um 9 See. weiter vom '. 
der Ekliptik entfernt oder die Schiefe der Ekliptik um so 
vergröfsert, um die Zeit der geringsten Neigung, oder wenn 
aufsteigende Knoten der Mondbahn in der Waage ^egt, ist 
Schiefe der Ekliptik um ebenso viel vermindert Die ga^se J 
tatiqn nämlich, sofern sie von diesem Umstände abhängt, 1 
sich so ansehn , als ob der Himmelspol nicht in einem Ki 
um den Pol der Ekliptik fortginge , sondern als ob jener in 
Jahren einen kleinen Kreis von 18 See. Durchmesser besch 
be, dessen Mittelpunct unterdefs, so wie es dem Vorrac 
der Nachtgleichen gemäfs .ist, auf dem von dem Pole deri 
liptik beschriebenen Kreise von 23i- Grad Halbmesser fortrud 
Diese Nutation bewirkt, dafs der Friihlingspunct um eine Grü 
die dem Sinus der Lange des aufsteigenden Knotens der Moi 
bahn proportional ist, vorrückt und deshalb die Länge 
Sterne bald etwas zunimmt, bald abnimmt, und dafs die Schi 
der Ekliptik um eine Gröfse , die dem Cosinus der Länge 
Mondknotens proportional ist, zunimmt. 

Neben diesem wichtigsten Theile der Nutation kommt n 
ein geringerer hinzu, weil, auch wenn die Sonne allein wir 
das Vorrücken der Nachtgleichen nicht das gapze Jahr du 
gleichförmig seyn würde, sondern ein Glied enthält, wek 



Nutation. 271 

km Sinns dtr iSoppelten lünge der Sonne proportion«! ist; und 
limit ist sino gelinge Aendemng der Schiefe der Ekliptik, dem. 
Josnms dAradoppelten Länge der Sonne proportional und im 
IsiHüomijbSec, betragend , verbunden. Eine ähnliche Ein— 
ridooigiiiislMr noch geringer, /utidie Länge des Mondes. 

Di«.GiSl)M der Nutation. ist inf den Bessel'scken Tafeln in 
bridsrten nndifimften TafdjgbnsQ angegeben^. 

Oi^glridi BnAnLBY der eigentliche Entdecker der Nuta-* 
jst^ so bemerkt dochGiBLsa, dafs schon Flu mstead^ 
jien Grundsätzen der Newtcfn'schen Attractionstheorie eine 
wlfliie Aendemng in der Lage der Erd - Axe vermuthete und 
Mar anck OitAvs Romer schon eine Veränderung in den Dekli- 
alMiMni der Sterne bemerkte, die ihm auf eine paciUcaio poli 
WrmiriB wo. deuten schien ^» Die ersten ypliständigen Beobach- 
iVgSB, inrelche die Nutation bewiesen, stellte jedoch Bau n lex 
ba Bei seinen Beobachtungen über die Aberration des Lichtes 
hiAsr sohon im ersten Jahre ^, dals die Deklination der Sterne 
iir.far. Nähe de^Golur der Nachtgleichen sich stärker änderte, 
ijLdbr bekennten Präcession angemessen war , wogegen die bei 
iMpfislnr der Sonnenwenden stellenden Sterne ihre Deklina* 
ital Alr^eoig änderten. Bei fortgesetzten Beobachtungen von 
£57* Ua 1732 zeigte sich, dafs>Sterne um den Colur der Son-« 
Wireoden ihre Deklination um 9 bis 10 See. weniger geändert 
kitteB, als die Präcession von 50' forderte, und dafs die zu 
Inilse Aenderung bei den Sternen um den Colnr der Naciitglei-r 
isD ziemlich ebenso viel betrug ; der Nordpol des Aequators 
dbien sich den Sternen genähert zuhaben, die um die Früh- 
h^nschtgleiche und die Winter -Sonnenwende mit der Sonne 
fem Meridian kommen , und schien von den Sternen zurückge- 
lachen zu seyn, die um das Herbst- Aequinoctium und Som« 
isr-Solstitium mit der Sonne zum Meridian kommen. Bkao^ 
KT ward schon damals durch die Lage des aufsteigenden Mond- 
pateas auf den Gedanken gebracht, dafs die Wirkung des 
Hbades auf die von der Kugelgestalt abweichende Gestalt der 



1 Tabolae Regiomontanae redactionnm obserrationum astrononii* 
ab aooo 1750 ad annum 1850 computatae, anct. F. W. Bessel. 

2 Historie coel. Brit« III. p. 113. 

3 HoRRBBOW basis astrouomiae. Havniae 1755« p. ^* 

4 Philot. Transact. for 1748^ p. 9. IS. 15. 



272 Nutation. 

Erde dieses bewirken könne. Im Jahre 1727 kg der an 
gende Mondsknoten im Widder und die Neigung der M* 
bahn gegen den Aeqnator war also am gröbten ; ein vergn 
teS) das mittlere übertreffendes Vorrücken der NachtgU 
erklärte zwar einige der Erscheinungen, aber um auch die 
gen zu erklaren, war es nöthig, eine kleine Aenderuogi 
Lage der Axe der Erde, eine Nutation, anzunehmen« Im 
1732} wo der Mondsknoten bis zum Steinbock zunickgeg 
war, änderten die Sterne um den Golur der Nachtgleichei 
Abweichung nicht mehr stärker, als es dem mittlem Voni 
der Nachtgleichen angemessen war ; in den folgenden Jahn 
1736 wurde diese Aenderung kleiner, als dem mittlem 
rücken der Nachtgleichen entsprach , und um das Jahr 173( 
ten Sterne um den Golur der Sonnenwenden ihre Deklinsd 
9 Jahren um 18 See. weniger geändert, als die mittlere 
rückung der Nachtgleichen forderte. Ba adlet entschlof 
nun, die Beobachtungen vollends durch die ganze Periode 
Umlaufs der Mondsknoten bis 1747 fortzusetzen, und hatl 
Schlüsse dieser Zeit das Vergnügen zu sehn, daCs die Sterne 
Position wieder erlangt hatten, so ab ob gar keine Aendc 
in der Lage der Erd •* Axe statt gefunden hätte , wodarck 
seine Meinung über die Ursache der Erscheinungen U 
tigt ward. 

Machiit, dem Bradlet seine Beobachtungen uäxHbit 
berechnete eine Tafel über die verschiedene jährliche Präcoi 
und Nutation nach der Voraussetzung , dafs die mittlere Prü 
sion 50" betrage und allein durch den Pol derMondsbahnrei 
werde; er vermuthete deshalb, dafs seine Angaben zu { 
seyn würden, und so fanden sie sich auch wirklich, obgl 
die beobachteten Aenderungen das Gesetz wie die berechii 
Aenderungen befolgten. Bh adlet zeigt, wie die Beobach 
gen mit der Voraussetzung übereinstimmen , dafs der Npi 
einen kleinen Kreis durchlaufe, dessen Mittelpunct, so W 
die mittlere Präcession forciert, fortrückt. 

Spätere Beobachtungen haben diese Folgerungen best 
und in Hinsicht auf die Gröfse der Nutation «genauer bestim 

B. 



Oenometer. Oligo^iiroiioineter. Opsloraeter. 273 

O. 

Oenometer 

znoacfast ein chemischer Apparat , weswegen hier eine allge- 
le Andeutung desselben genügt. Das schwerlich bis jetzt 
m mehrfach in Gebrauch gekommene Instrument ist von E. Ta- 
iiE erfunden worden und soll dazu dienen, den Alkoholgehalt 
Weines zu bestimmen, wie auch der Name desselben (von 
der Wein und iuhgov das Mafs) ungefähr andeutet. Es 
it aus einem kleinen Destillir- Apparate, aus welchem ver- 
ilst einer Weingeistlampe der Alkohol des Weins verflüch- 
wird ; den dadurch entstandenen Verlust ersetzt man durch 
und prüft das specifische Gewicht vor und nach dieser 
idon vermittelst eines feinen Araeometers ^. M. 

O 1 i g o c H'r onometer 

von BEL Mbgro^ angegebenes Instrument, um kleine 
der Zeit ^n messen. Es gehört hicfrnach zur Zahl ande« 
Ifc diesen Zweck erfundener Apparate, welche am zweck* 
\B gemeinschaftlich beschrieben werden ^. Jf. 

O p s i o Hl e t e r 

Bnvon C. J. Lehot^ erfundenes Instrument, welches dazu 
soll, die Grenzen des deutlichen Sehens bei verschiede- 
'Angen zu bestimmen, wie dieses der Name desselben an* 
m (von oyjis das Sehen, Gesicht und ;i/r^oy das Mafs). Es be- 
aus einer geschwärzten Stange von 8 Decimeter Lange und 
itimeter Breite, über welcher parallel mit ihrer Axe ein wei- 
idenfaden ausgespannt ist. Neben dieser Regel in einem 
ide von 3 Millimetern befindet sich eine hölzerne Stange 
^Tier Schiebern, welche bestimmt sind, die Abstände vom 
igspnncte der auf der Hauptstange aufgetragenen Scale zu 



Aon. de Chim. et Phy«. XLV. 222. 

ADDali delle Scienze del Regno Lombardo - Veneto. Pa« 

11831. 

Yergl, Art. Pendel 

Annales dem Sciences d^observation cet. par MM. Saioct et 

HU. T. U. Par. 1829. 

toT ßd. ^ 



274 Optik. 

messen. Der eine Ton den Sockeln nämlich p worauf die bei* 
den genannten Stangen nihn, trägt einen Ring von 15 Millime- 
tern Durchmesser, dessen EKene auf der Axe der Hauptstaog« 
lothrecht ist und dessen 35 Millim. hohes Centrum dem ausge- 
spannten Seidenfaden correspondirt. In einem 2 Centimeter be- 
tragenden Abstände von diesem Ringe befindet sich eine dünne 
Platte, nngefuhr 20 Centimeter lang, mit einem runden Loche 
von 20 Millimetern Durchmesser, dessen Centrum mit dem des 
Ringes correspondirt. Sieht dann das zu prüfende Auge durch 
diesen Ring und das Loch , wenn man es dem erstem näher^ 
gegen den weifsen Faden, so scheint derselbe in zu grofserJfiilM 
doppelt zu seyn , indem die erscheinenden doppelten Faden n* 
nen Winkel bilden , dessen Spitze in der kleinsten EntfemiUl|' 
des genauen Sehens liegt ; von hier an ist er einfach, bis in giM' 
fserer Entfernung abermals die Spitze eines solchen Winkels ffi^ 
bildet wird, welche die gröfste Entfernung des deutlichen Seht 
giebt. Beide i^bstände werden vermittelst der Schieber, 
che auf der hölzernen Stange beweglich sind, und der auf 
Hauptstange aufgetragenen Scale gemessen und geben hiei 
den gröfsten und kleinsten Abstand der deHtlichen G 
weite. JMitJi 

Optik. 

Optica, optice ; Optique; Optics. 

Unter diesem Namen versteht man im weitern Sinne die gl 
Lehre von der Bestimmung des Weges der Lichtstrahlen, im engl 
Sinne nur diejenigen Lehren, welche den geradlinigen Forti 
der Lichtstrahlen betreffen, wo dann Ratoptrik und Dioptrik 
von ihr verschiedene Theile der Lehre vom Lichte angesehn 
den. In diesem engern Sinne ist der Umfang der Optik sehr 
schränkt, da wir die Perspective, die Darstellung von Fi^ 
und Körpern in einer Zeichnung, die in einer gegebnen El 
liegt, und die Photometrie, die Lehre von dem Grade der 
leuchtung, davon absondern. Der ganze Inhalt der Optik koi 
dann auf die Hauptgesetze , dafs das Licht sich nach geri 
Linien ausbreitet, dafs die Erleuchtung sich umgekehrt wie 
Quadrat der Entfernung und wie der Sinus des Einfallswii 
verhält, zurück. Die Lehre von der Grenze der Sei 
und von den Bildern, die sich im dunkeln Zimmer durch 



h 



>. 



Optik. 273' 

D darsfeDen j welche durch eine- sehr enge Oe£Fhuog ein*. 

aach die liribre Tom Sehewinkel gehören hierher, i I)« 
iseOegenstäiMle im Artikel X^cA^ erwähnt worden sind und 
iei) Artikeln iScAa//«» , Sehewinh^y Gröfse, scheinbare, 
\y GesieAieiäuMchitngen noch mehr davon vorkommt, ao 

hierhrä nichts weiter ala einige literarische Nachwei- 



. I , 



igideBAkerthiimeiist unter dem Namen desEuCLints ein 
bei diei Optik auf unsre Zeiten gekommen, EvxXtUov ^^Onn^ 
ches in 61 Theoremen meistens Sätze über scheinbare Grö- 
eher pod ungleicher Linien bei bestimmter Stellung deM 
ibhandelt* Des Ptolehaeus Optik scheint wenig Brauch- 
us der eigentlichen Optik im engern Sinne enthalten zu 
Der arabische Mathematiker Alhazes im zwölften Jahr-» 
Mf von dem man sonst glaubte, er habe viele/aos' Pto- 
ra geschöpft, scheint, nach Del AUBRE'sUrtheil, die Optik 
>LKiiA£US vielleicht gar nicht gekannt zu haben , er hat 
er um die Optik bedeutende Verdienste erworben. Vx* 
jK^hopfte aus ihm und schrieb eine fiir seine Zeiten brauch«» 
pttfu . Die Bücher A LH azeh's und Vitellio's über die 
tat RiSKEA in seinem Opticae Thesaurus (Basil. 1572) 
egeben. 

in Schriftstellern der frühern Zeit führe ich aus Gehlee 
»Igende an, die unter dem Titel, Perspective, optische 
i(nde abhandeln. Peckhabi Perspecliva commänis, (ed. 
AVHi* Norimb. 1342. 4.) Rüg. Baconis perspectipa, 
liBAGHii. Francof. 1614. 4.) Einige Nachrichten über 
ähem Bemühungen in der Optik , die für uns fast ohne 
''erth sind , giebt Priestley in seiner Geschichte der 
»rtteJP^riode , und Klügel in den Zusätzen dazu. 
\ der etwas spätem Zeit besitzen wir in desMAUROLYOUS 
aia de lumirie et umhra ad perspectivamUradiorümiii'- 
nfctcientla (Venet. 1575. 4.) und PoiiTA'sMa^*a natu- 
ap, 1558. fol.) und de refractione, opiices parte (Neap. 
) ferner des Aguiloniüs Opticorum libri sex (Ant- 
•3. £olJ) einige Beiträge zur Vervollkomnimuig der op- 
[enntnisse. Mauholycus erklärte richtig die Entste- 
runden Sonnenbildes, das selbst, wenn die Sonnen- 
fnrch ein eckiges Loch eindringen, sich zeigt; Poäta 
die Camera obscura , die er schon durch Anwendung 

S2 



< 



A 



274 Optik. 

messen. Der eine Ton den Sockeln nämlich , worauf die bei- 
den genannten Stangen nihn, trägt einen Ring von 15 Milline« 
tern Durchmesser , dessen Ebene auf der Axe der Hauptstangi 
lothrecht ist und dessen 35 Millim. hohes Centrum dem ausge« 
spannten Seidenfaden correspondirt. In einem 2 Centimeter be- 
tragenden Abstände von diesem Ringe befindet sich eine dünne 
Platte, nngeEuhr 20 Centimeter lang, mit einem runden Loche 
von 20 Millimetern Durchmesser, dessen Centrum mit dem des 
Ringes correspondirt. Sieht dann das zu prüfende Auge durch 
diesen Ring und das Loch , wenn man es dem erstem nähert, 
gegen den weifsen Faden, so scheint derselbe in zu grofserJfähe 
doppelt zu seyn , indem die erscheinenden doppelten Fäden ei- 
nen Winkel bilden , dessen Spitze in der kleinsten Entfemong 
des genauen Sehens liegt ; von hier an ist er einfach, bis in gr9- 
fserer Entfernung abermals die Spitze eines solchen Winkels ge- 
bildet wird, welche die gröfste Entfernung des deutlichen Seheni 
giebt. Beide i^bstände werden vermittelst der Schieber, wel- 
che auf der hölzernen Stange beweglich sind, und der auf die 
Hauptstange aufgetragenen Scale gemessen und geben hiemtch 
den gröfsten und kleinsten Abstand der deutlichen Gedcfatl* 
weite. M. 

Optik. 

Optica, optice; Optique; Optics. 

Unter diesem Namen versteht man im weitern Sinne die ganze 
Lehre von der Bestimmung des Weges der Lichtstrahlen, im engem 
Sinne nur diejenigen Lehren, welche den geradlinigen Fortgang 
der Lichtstrahlen betreffen, wo dann Ratoptrik und Dioptrik all 
von ihr verschiedene Theile der Lehre vom Lichte angesehn wer- 
den. In diesem engern Sinne ist der Umfang der Optik sehr be- 
schränkt, da wir die Perspective, die Darstellung von Figuren 
und Körpern in einer Zeichnung, die in einer gegebnen Ebene 
liegt, und die Photometrie, die Lehre von dem Grade der Er- 
leuchtung, davon absondern. Der ganze Inhalt der Optik kommt 
dann auf die Hauptgesetze , dafs das Licht sich nach geraden 
Linien ausbreitet, dafs die Erleuchtung sich umgekehrt wie das 
Quadrat der Entfernung und wie der Sinus des Einfallswinkels 
verhält, zurück. Die Lehre von der Grenze der Schatten 
und von den Bildern, die sich im dunkeln Zimmer durch Licht- 



Optik. 275 

itrafalen darstellen | welche durch eine sehr enge Oeffnung ein- 
iJlen , auch die Lehre vom Sehewinkel gehören hierher. Qa 
Ue diese Gegenstände im Artikel Z*ic^^ erwähnt worden sind und 
Dt er den Artikeln Schatten f Sehewinkel , Gröfse, scheinbare, 
ksicAif Geaichtstäuechungen noch mehr davon vorkommt, so 
ehört hierher nichts weiter als einige literarische Nachwei- 
angeD« 

Ans dem Alterthume. ist unter demNamen des£ucLiDVS ein 
Veiköbei die Optik auf unsre Zeiten gekommen, EixXeidov 'Onri* 
if welches in 61 Theoremen meistens Satze über scheinbare Grö- 
e gleicher und ungleicher Linien bei bestimmter Stellung des 
oget abhandelt. Des Ptolemaeus Optik scheint wenig Brauch- 
ires ans der eigentlichen Optik im engern Sinne enthalten zu 
ibea. Der arabische Mathematiker Alhazebt im zwölften Jahr-^ 
inderte ^ von dem man sonst glaubte , er habe viele^aus Pto- ' 
CMAscs geschöpft, scheint, nachDELAiuBRE'sUrtheil, die Optik 
5S Ptolemaeus vielleicht gar nicht gekannt zu haben , er hat 
ch aber um die Optik bedeutende Verdienste erworben. Vi- 
KLLio schöpfte aus ihm lind schrieb eine für seine Zeiten brauchb- 
are Optik. Die Bücher Alhazen's und Vitbllio's über die 
)pt]k hat RiSNEA in seinem Opticae Thesaurus (Basil. 1572) 
erausgegeben. 

Von Schriftstellern der frühern Zeit führe ich aus Gehlee 
Dch folgende an, die unter dem Titel, Perspective, optische 
egenstände abhandeln. Peckhabi Perspecliva communis, (ed. 
AATMAHiri. Norimb. 1342. 4.) RoG. Baconis perspeclipa, 
d» CuMBACHii. Francof. 1614* 4.) Einige Nachrichten über 
ese frühern Bemühungen in der Optik, die für uns fast ohne 
len Werth sind, giebt Pkiestley in seiner Geschichte der 
ptik, erste Periode , und Klügel in den Zusätzen dazu. 

Aus der etwas spätem Zeit besitzen wir in desMAUROLYCus 
heoremata de lumine et umhra ad perspectipamet radiorum in- 
dmiiam facientia (Venet. 1575. 4.) nnd PoHTA'sMa^*a natu- 
i/a(Neap. 1558. fol.) und de refractione y optices parte (Neap. 
593. 4.), ferner des Aguilomius Opticorum libri sex (Ant- 
?rp. 1613. fol.) einige Beiträge zur VervoUkommmmg der op- 
^hen Kenntnisse. Maukolycus erklärte richtig die Entste- 
mg des runden Sonnenbildes , das selbst, wenn die Sonnen- 
ahlen durch ein eckiges Loch eindringen, sich zeigt; Poäta 
schrieb die Camera obscura , die er schon durch Anwendung 

S2 



t 



276 Ort. 

einer Linse verbessertet Aouilohtus trägt sehr ausführlich 
th«ils Satze aus der Perspective, theils aus der eigentlichen Optik 
vor, über den Sehewinkel) übet das Sehen mit beiden Augeo, 
über die Bestimmung- der Entfernung der gesehenen Gegenstäadt 
u. s. w. Da die meisten spütern Schriftsteller sich mehr mit der 
Katoptrik undDioptrik als mit den sehr wenig umfassenden Ltiv* 
ren der eigentlichen Optik beschäftigt haben, so sind die sm 
Theil auch hierher gehörigen Schriften in den Artikeln Diop- 
trik und Katoptrik erwähnt. Ich füge nur noch das neadÄ» 
und sehr vorzügliche Werk über die Optik hinzu? J. F. W« 
Hbrschel vom Lichte, übers, v. Eduard Schmidt. Statt- 
gart bei Cotta. 1831. B. ' 

Ort. 

Heliocentrischer Ort; locus heliocentri* 
cus; lieu heliocentrique; heliocentric place ^ ist derje^ 
nige scheinbare Ort, wo ein Planet oder anderer Körper X<Mi 
Mittelpuncte der Sonne aus gesehn erscheinen würde. Man liA 
stimmt ihn entweder aas der Beobachtung des von der Erde äif^' 
gesehenen Ortes , oder unmittelbar , wenn^ wie bei der Bd^NVir ' 
gung der Planeten , die Bewegung in der Bahn um die SoM * 
eine leichtere Bestimmung gestattet, als die von der Erde töi ^ 
gesehene scheinbare Bewegung. 

Geocen trisclier O rt, locus geocentricus, te' 
scheinbare Ort für ein Auge, das sich im Mittelpuncte deiElJK 
befindet. Will man den wahren geocentrischen Ort aus einerw 
der Oberßäche der Erde angestellten Beobachtung finden, IK 
mufs der beobachtete Ort durch die Parallaxe corrigirt werdeffV 
Ist der heliocentrische Ort bekannt, so ergiebt sich aus der 
kannten Stellung der Erde gegen die Sonne auch der geo 
sehe Ort. Hieraus ist leicht zu verstehn, was heliocen 
Lange und Breite ist , was man unter dem jovicentrischen 
in Beziehung auf den Mittelpunct des Jupiter, versteht, u. 8,«^; 

Ort, optischer, scheinbarerj s. Gesiciit^ 

. ^ "** 

1 üeber diese Schriftsteller graben etwas nähere NachrichWij 
MoKTüGLA hist. des Matli. I. p. 696. 698. u. pRiBdTLKY Geschichte i 
Optik. S. 16. 30. 57. ] 

2 Vcrgl. Parallaxe. 




Ostniuiii. 



277 



Osmium. 

Osmium; Osmium; Osmium. 

Von SitiTHBoK Tevv ANT wurde es 1803 entdeckt und findet 
iifflOsmiam*Iridiiun und höchstens zu 1 Procent imPlatinerz, 
dpsten Aufi(taung in Salpetersalzsäurä es theils oxydirt npd 
igt wird, theils in Verbindung mit dem meisten Iridium 
zoriickbleibt. In seinem möglichst vereinigten Zustande 
CS den Glanz und die Farbe des natürlichen Osmium -Iri- 
nnd ein specifisches Gewicht von ungefähr 10,000 ; ge- 
lich wird es als ein schwarzes Pulver, welches beim Drucke 
;Ianz annimmt , erhalten. £s ist nicht verdampfbar und 
[ttnen seKr hohen, noch unbekannten Schmelzpunct. 

Der Sauerstoffgehalt seiner 5 Oxyde, von denen jedoch die 

noch wenig bekannt sind, verhält sich wie 1 : 1 1 : 2 : 3 : 4. 

Osmium- Oxydul heXx auf 99^7 Osmium 8 Sauerstoff^, das 

'Sesqidoxydul 12, das Osmium" Oxyd 16 und das 

- Sesquiovyd 24 Sauerstoff. Das Osmium - Bioxyd 

ipsmium : 32 Sauerstoff^) bildet sich beim Erhitzen des 

an der Luft , in welcher das pulverige Osmium sogar 

[bar ist. Das Bioxyd ist wetifs, biegsam, leicht schmelz- 

'Vid verdampf bar, von stechendem Gerüche und scharfem 

icke , Lackmus nicht röthend. £s löst sich leicht im 

, aus welcher Lösung viele Metalle und andere desoxy^ 

Stoffe das metallische Osmium als ein schwarzes Pulver 

Mit Säuren sowohl, als auch mit Alkalien giebt das 

rd gelbe Verbindungen. 

[Das Einfach "Chlor -Osmium (99,7 Osmium auf 35,4 Chlor) 
ikelgrün und löst sich mit derselben Farbe im Wasser ; 
oppelt' Chlor- Osmium (99,7 Osmium auf 70,8 Chlor) ist 
ichroth, krystallinisch und mit grüngelber Farbe im Was- 
dich. Auch sind Verbindungen von mehrern Arten des 
-Osniiums mit Salmiak und Chlorkalium bekannt. •— Hy- 
lonsäure fallt aus den sauren Auflösungen sämmtlicher 
des Osmiums braunschwarzes Schwefel - Osmium. 



G. 



l 



278 Pachometer. Palladinm. ! 

I 

P. I 

Pachometer 

ist ein Werkzeug , welches Bevoit erfanden hat, um ciie Dieb 
des Glases belegter Spiegel zu messen (von nayog die Dicke no^ 
fihgov das Mafs). Der Phy^ker hat indefs nur sehen oder sie , 
Veranlassung, sich dieses Apparates zu bedienen, indem er' bei 
etwa nOthigen Messungen anderweitige bekannte Mittel anwea« 
den kann , und da der vorgeschlagene Apparat ohnehin den Pa- 
rallelismus beider Flächen und das Brechungsverhältnils dei 
Glases als genau bekannt voraussetzt , so scheint es mir über- 
fliissig , eine ausfuhrliche Beschreibung desselben mitzutheilen^ 

Palladium. 

I 

Palladium; Palladium; Palladium. 
Ein von Wollastoh entdecktes Metall, welches theiltia 
gediegnen Körnern vorkommt, die denen des Platinerzes beige- 
mengt sind , theils in letzterm selbst zu j bis 1 Procent enthalt 
ten ist. 

Das Palladium gleicht an Farbe , Glanz , Harte und DncH- 
lität dem Platin, hat ein spec Gewicht von 12,0 und irtv« 
dem SauerstofFgasgebläse etwas leichter als Platin schmelzbar. 

Es bildet mit dem Sauerstoff 2 Oxyde , die beide Sahba- -: 
sen sind. Das Palladiumoxydul (53,3 Palladium auf 8 Sanet- 
stoffj entsteht bei dem unter Funkenspriihen erfolgenden Ver- 
brennen des Palladiums im Sauerstoffgasgebläse und bei def j 
Auflösung des Metalls in Salpetersäure. Es ist schwarz, liefert \ 
mit Wasser ein rostfarbiges Hydrat und mit Säuren braungefärbte j 
Palladiumoxydulsalze, welche durch Hydriodsäure , Eisenvitriol 
und viele Metalle metallisch, durch Alkalien pomeranzengelbi 
durch Hydrothionsäure schwarzbraun und durch Blausäure ttni 
blausaures Quecksilberoxyd gelbweifs gefallt werden und dit 
sich im überfltissigen Ammoniak zu einer erst gelben, dann färb» 
los werdenden Flüssigkeit auflösen. 

Das Palladiumoxyd (53,3 Palladium auf 16 Sauerstoff) ist 

1 Annalei de Tlndustrie nationale. 1824. Mai. p. 145. Daraas ia 
Po.qgrndoriF Ann. LXXVIII. 90. 



Fa1U>. 279 

tbejtfÜB» in trocfcoMD Zustande schwars und in gnvBuaitain 
gtlbbnan and löst tich acbi^ierigin Säuren mit galbar Falbe. 

.DtM-JjUiifiuA- Chlor -Paüadium üt idiwirzbratiii ^ läiJit 
Ht^ bei gelinder Hitze ohne Zersetzung scbmelzen, verlieit bei 
Markerer alles Chlor and liefert mit Wauei eine bnungalbe 
Lflsong. — . Das ^opptit ~ Chlor' PaUadiuia iat nur in des 
V«rbii)iliingen mit Salmiak and mit CMorkalium bekannt, yrA^ 
che beide in zinnobenothen Oktaedern kryilallisiren. Das j^ 
ten-Pcdladium ist giaa nrid itrangfiSisig , da* Sahnrtf»l- Pali- 
ladium ist im gefallteB Zustande dunkelbraun, im geachmolse- 
nea blaulichweiFa Ton bletterigein Bnich^ nnd. s^br bart, und 
TMÜert seinen Schwefel bloh beim Bib^zen an. du Z^aft Ifilt 
man über die Weingeistflamme ein Palladiumbleoh, so bedeckt 
tt'Bch im innari^ Theile 3enelben dick mit Kohle, welche beim 
ttfbtanncn Palladium mrücklafst ; auch .schwillt scliwainffliges 
NIadinm, in glühendem Znalande auf einen mit Weibgeiat ge- 
tliakten Docbt gelegt, durch Bildung einer solchen patladiuin~ 
Uüfm. Kohle am mehr als das Zehnfache anf und lälsfdann 
tipiVerbrauien an derLoft ein Skelett von Palladium. 
,ili,- ... ...... ; , . :, o. 

*:'■ ' 'iPal 1 a «' 

iRteName eines der kleinen Planeten, deren Bahnen zwischen 
in Sahnen des Maia' und Jupiter liegen. Ihr Zeichen ist eine 
LtDsa ^. 

Geschlch.t? der Entdeckung. 
Als Olbius am 28. März 1802 die erst kürzlich wieder auf- 
jefiindene Ceres beobachtete und dabei auch die Gegend des 
tetirns der Jungfrau, wo die Ceres von ihm zuerst wieder auf- 
wanden worden war, betrachtete, ward er einen Stern gewahr, 
Iw snr Zeit der Entdeckung der Ceres dort nicht gestanden hatte 
Wl der schon hei dreistündiger Beobachtung eine allmälig klei- 
M> gerade Aufsteigung und grSfsere Abweichung zu erlangen 
lUen. Am 29' März war der Stern um 10^ io der Bectascen- 
ion, um lO* iu der Deklination fortgerückt und die folgenden 
'ige gaben eine etwas abnehmende scheiabare Beivegung, 
>a der Stern «ich ganz von allen Kometen unterschied, so hielt 
'lbkbs ihn sehr bald für einen neuen Planeten und nannte ihn 
'aliOM. Die Versuche , die Bahn dieses neuen Gestirns zn be- 



280 Pallas. 

stimmen, zeigten , dafs diese weder ein Kreis, noch eine Para- 
bel seyn konnte, sondern eine Ellipse seyn müsse; aber ehe 
Olbe'rs es noch rathsam fand, nach so wenigen BeobacfatangeD 
die Ellipse näher zu bestimmen, hatte Gauss schon nach seiner ,. 
ihm eigenthiimlichen Methode diese Bestimmung ausgefüht \ 
nnd eine ziemlich excentrische Ellipse gefunden, deren grolse 
Axe nur wenig von der grofsen Axe der Ceresbahn verschieden 
war« Die weitern Beobachtungen bestätigten vollkommen, dtb 
der Stern ein Planet ist , dessen Bahn freilich eine sehr beden- 
tende Neigung gegen die Ekliptik hat und dessen Umlanfszeit ^ 
von der der Geres sehr wenig und auch von der der Juno nicb 
viel verschieden ist« Die von Gauss aus einem so sehr kleben 
Bogen der scheinbaren Bahfa berechnete Bahn dieses Planeten J 
erregte damals, wegen ihrer sehr nahen Uebereinstimmuog mit 
den folgenden Beobachtungen , mit Recht die grOüste Bewunde» 
rnng für die von Gauss angewandte Methode^. 

Elemente derBahn* 

Die Elemente der Bahn sind bei den vieljährigen Beobacli* 
tungen immer mehr berichtigt worden. Im Jahre 1831 ff^ 
EvcKE folgende Elemente an '; 

Halbe grofse Axe = 2,77263. 
Excentricitätswinkel = 14** 0' lü",3 , 

also Excentricität = 0,24199. 
Umlaufszeit = 168f> Tage 6 St. 
Mittlere tägl, siderische Bewegung = 768",54421. 
Neigung der Bahn = 34« 35' 49",1. 
Länge des aufst. Knotens = 172*» 38' 29",8. 
Länge des Perihelii = 121 *> 5' 0",5, 
Mittl. Länge der Pallas 1831 am 23. Juli 0"* mittl. Ber* 
lin. Zeit = 290» 38'11",8. 
Aber rein elliptische Elemente können bei den sehr bedeu- 
tenden Störungen des Jupiter den wahren Ort der Pallas immer 
nur sehr unvollkommen angeben , wie Gauss schon I8l0 •■ 
den bis dahin beobachteten Oppositionen zeigte 3. 



1 Astr. Jahrb. 1805. S.102. Mon. Corresp. V. 481. 591. VU. 369. 
8 Astr. Jahrb. 18S1. S. 250. 
3 Mob. Corr. XXII. 591. 



PalU«. ^1 

_Or8^fft0^n^ aactürliölie Pfisohaffenheit. 

nach ScBBÖTEft's MeisuDgen* vrilrda dei Durchmesser die- 
es Planeten in seiner mittlem EntfernuDg von der Eide doch 
mmei noch i} See. betragen und in der Opposition kSnnte 
Dallas 3 See. im DuTchmester grofs erscheinen, indem «ich für 
lioen Absland gleich der mittlera Eotferniing SerlBrde Ton der 
Soniie 4t See. als scheinbar« Grdfse ergab, woraus der wabice 
[>orchmesser= 455 Meilen folgen würde. Aber euch hier^wie 
bei der Ceres', fand Hriischki. ganz andere- Bestimmungen^! 
Die Pallas zeigte sich ihm nie scheibetiärtig begrenzt,' sonderti 
nehr komelenahnlich, von nebeligem Ansehn, Mit eiiierSchvibe 
toa 1,4 Zoll DuTchmeäsei in 178 Fnfs Entfernung Teiglichen 
liefs sich scliliefseo, dafs Pillas nur ^ See, im Durchmesser gtiiß 
üscheiDe. Hiernacli ist der Ueine Mercurius SlOQQm^'' so 
groTs als dtePalläs und diele hat nur etwa ^ Aleil'en im Dorch» ' 
nesser. Un<;eachtet der groüea ZuTerlaasiekeit, die man sonst 
Scbbüteh's Messungen mit Becbt beilegt, haben sich do^ die 
AitroDomen hier fiir Heii3CHEi,'s Messungen entschieden, iini 
es ist auch nicht zu verwundern, dafs Körper,' die bei 606maliger 
VeigTSlseruDg noch nicht deutlich scheibenfllrmig erscheinen, 
lui der Abmessung, die ScHRttTEK anwandte, leicht uniiehtig , 
heunheilt werden künnen. , 

Ueber die Lage der Bahnen beider Planeten, Ceres und 
ABm, die fast genau in gleicher Zeit ihre Umlaufe um die 
Böhm vollenden , hat &bt>E Bemerkungen mitgetheilt*. Ei 
«•igte nach den «(amaügen Beobachtungen , wie von der Sonne 
•nt gesehn die Pallas bald Östlich bald westlich von der Ceres 
cnchrino und scheinbar eine geschlossene Bahn um sie durchs 
hab. Eben so betrachtete er die relative Lage bolder Planeten 
gegen einander oder bestimmte, welche Bahn ein Ceresbe- 
mhner, der seinen Planeten als ruhend ansähe , der Pallas bel- 
lt^ würde. Diese Untersuchungen sind zwar nicht ohne ei- 
^^ Interesse, indefs, da die Stürungen die Bahnen dieser 
RMrtoD sehr verändern , so ist ihr Werth doch nur beschrankt. 
^ B. 

1 Lilienüi. Beob- ({.^laueun Ceres, Pallas, luao. (GöttipgBn 
805.) S. aSB. \ 

t VergL Art. Ctres, \ 
$ Thlt. TnuiBct. 1801 ^. 313. 1607. 3. 360, 
4 Ailnmam. Jahrb. 186 \ 8. (16. 



!282 , Pauorama. 

Panorama, 

(von TTttv, alles und ogacOf ich sehe) eine Darstelinng aller Ga- 
genstände , die man von einem bestimmten Puncte aus nach al- 
len Seiten übersieht, auf den verticalen Wanden , die den im 
richtigen Standpuncte stehenden Beschauer des Gemäldes , das 
daher ein Rundgemälde heifsen kann , umgeben. 

Den Wänden , worauf die Zeichnung aufgetragen ist, wird 
man am liebsten die cylindrische Form geben und dieser CyliiH 
der darf, um die Täuschung zu befördern und um keinen za 
eng bestimmten Standpunct des Auges zu fordern, nicht Ton 
zu kleinem Durchmesser seyn. Die Regeln, nach denen die Zeich- . 
nungen ausgeführt werden müssen ,- lassen sich leicht übenehn, 
wenn man nur aberlegt, wie verticale , horizontale, schieb und 
• gerade Linien darzustellen sind. 

Was die verticalen Linien betrifft , so erhellt sogleich, dab 
sie auch auf den verticalen Seitenwänden gerade VerticallinieB • 
werden. Unter den Horizontallinien wird jede in der Hob 
des Augenpunctes liegende ein Theil des horizontalen Kreisel) 
der in gleicher Höhe mit dem Auge auf der Cylinderflache ge* 
zeichnet ist, und wenn man die Cylinderfläche abgewickelt io 
eine Ebene ausbreitet, so bildet dieser Kreis eine ParalleOiois 
zu der Grundlinie, die dann aus dem Umfange der Basis ker^ 
Ig 'vorgeht. Für Horizonlallinien AB, die höher oder tiefer ab 
das Auge liegen , läfst sich leicht folgende Regel überseho* 
Wenn C der Augenpunct, ab der Durchmesser der fiir die ■ 
Zeichnung bestimmten Oberfläche ist, so mufs man erstlich . 
durch C eine Linie ab mit der in die 2eichnun£r zu brini'endeD ^ 
Linie AB parallel ziehn, a und b sind dann die Puncte, vo 
man die unendlich entlegenen Theile der Linie AB auftragen : 
müfste; um aber diese ganze Linie aufzutragen, mufs man zwei- 
tens den Punet , der in der Zeichnung die höchste oder tiefst! - 
Lage erhält, dadurch bestimmen, dafs man d um einen Qn*" 

r.h 
dranten von a und b entfernt nimmt und d e =: — ^ senkrecht 

a 

hinauf oder hinab aufträgt, wenn r der Halbmesser der cylin- 
drischen Zeichnungsfläche, a der senkrechte Abstand der Axe 
des Cylinders von AB, h die Höhe oder Tiefe dieser Horizon- 
tallinie über oder unter dem Augenpuncte ist; hat man diesen 
Pünct gefunden, so stellt drittens die halbe Ellipse, deren Schei- 



jti'«?- 



Panorama. 28S 

^«Tpd ij^en DoTcIuAesser ab ist, dia ins Unendliche ver-» 
!ta|a^'X|^^MmtaIHiiia A B- dar. SoUenr also mehrere parallela 
Ij i ia iS utal linien gezeichnet werden^ so sind dieae auf der Cy- 
khrfliciha halbe Eltipaan^ die sich alle in a, b schneiden 

■l ilire $clieitel. nach Mafsgabe des Quotienten — höher oder 



.^ 



I. "■ 'Jt •■: 



ftin aatkib pä* man aber in jedem Falle nur knrse Theila 
BiMi^Hdrifeontallinien gebraucht , so erhält man für diese ^fol-» 
»wVAestimnBnng. %» sey' ein Punct Ä aufzutragen , der um 
Im horixoptalen Winkel ss o von D C entfernt jbt oder fiifi 
Hl Üfe^darcb CA gelegte Vertical* Ebene mit , der durch CD 
rie|rtB?ir^rtiiBal<«'£bene den Winkel = a macht, so ist dieses 
ÜMles''^ JiorizdQtaler Abstand' von der Axe des Cylinders 

'-^ and er' ist daher in der Höhe oder Tiigfe =s ' '" 



V • ■ 



"SSt^a ; . . a. ■ 

|^|«Uj^^y>« In der abgenifickelten Cylinderfläche , wo dem Bo<- 
■^ düa lünga.ss r.a auf dpr Grundlinie des Gemäldes ent- 

lÄftlf :gebtf|:en also zu Abscissen =s r.o, von d an gerechnet, 

hr Cos a 
Q. das — r ** ' - , und daraus läfst sich dia ganze Linie^ 

dar Cylioderfiäche selbst eine Ellipse ist, zeichnen. Es 
3i leicht zeigen , dafs Theile der Rorizöntallinie , die > 

fa iMU:hsten Puncte derselben nahe liege9, ^"^ ^^^ abgewickelt 
a (^linderlläche beinahe horizontal dargestellt werden , woge- 
il diejenigen , für welche a = 90*^ ist, am stärksten, unter 

h 

m Winkel =r9, desser^ Tangente = — ist, geneigt darge- 

a 

Ar werden. 

Für gerade Linien , die irgend eine Neigung gegen den Ho- 
Eoat haben , findet zuerst wieder die Bestimmung statt , dafs 
la ihre unendlich entfernten Theile dahin zeichnen müfste, wo 
R durch den Augenpunct parallel zu jener Linie gezogene ge- 
b Linie die Cylinderfläche trifft, das wäre in der Höhe 
r+T.Tang.y, wenn y die Neigung der Linie gegen den Ho- 
wat bedeutet. Denkt man sich nun eine durch die Axe des 
Kaders gehende Vertical- Ebene, senkrecht gegen die Ver* 
ll-Ebene, in welcher sich die Linie befindet, und nimmt an, 
S diasa die Linie in dem horizontalen Abstände = a' von der 

s und in der Höhe = h' über dem Augenpuncte trifft, so 

r h 
b diaatx Punct in der Höhe 5= -7- aufgetragen werden. Eina 



/ 



284 Paiitograph. 

Vcrtical - Ebene durch die Axe des Cylinders gelegt , die mit 

der vorigen den Winkel = a macht , trifTt die Linie in ei- 

a 

ner horizontalen Entfernun«; = ^ und in einer Höhe 

° Cos. a 

= a' . Tang, o . Tang, y über dem vorigen , und dieser Punct der 

j T- • •* 1 • • TJxk r . rh'+a' Tang.g. Tang.y) 
geraden Lmie ist also m einer Hohe = , ■■ 

= ^ f-^— -|- r Sin. a . Tang, y aufzutragen. Der niedrigste 

oder höchste aufzutragende Punct liegt also da , "wo 
# Sin. a = r . Cos. a . Tang, y oder Tang. a= -77- Tang, y ist. 

Hieraus lassen sich alle für das Panorama geltende Z^ich» 
nungsregeln ableiten ; aber freilich für die wichtigste Kunst, durch 
richtige Bestimmung des Lichtes und Schattens, durch richtige 
Abstufung der Lebhaftigkeit der Farben u. s. w. die Wirkung 
hervorzubringen , dals der Zuschauer wirklich die sehr entfern- 
ten Gegenstände vor sich zu sehen glaubt , lassen sich nicht 
so leicht die Regeln angeben. 

Nach Vieth's Angabe ^ hat Bahker zuerst 1793 in Lon- 
don ein Panorama aufgestellt , welches die Gegend von Poitl- 
mouth und der Insel Wight darstellte. Das erste Panorama, dtf 
in Deutschland gezeigt wurde, ist, so viel ich weifs, das Piiio- 
rama von London im Jahre 1800 gewesen. B» 

P a 11 t o g r a p li , 

auch Storchschnabel genannt (von nvL¥ alles und yQU(piiv schrei- 
ben) , ist ein Instrument, womit man in jeder Art von Rcdu- 
clion , entweder verkleinernd oder vergröfsernd , Figuren copirt. 
Der gemeine Pantograph oder Storchschnabel besteht aus 4 Stä- 
ben , welche mit einander verbunden sich ihre Bewegung in 
horizontaler Ebene so mittheilen , dafs zwei an den gehörige« 
Stellen durchgesteckte Stifte in gleichen Richtungen aliquot« 
Räume durchlaufen , weswegen der eine diejenigen Figuren ili 
proportionaler Cröfse auf ein untergelegtes Blatt zeichnet, di« 
der andere auf der gegebenen Zeichnung durchläuft. Sonac( 
dient also dieses Werkzeug zum genauen Copiren , verbündet 



1 VietV& Lehrb. d. physisch- an j^ewaiidlcu Mathematik. 2ter Tli 
S. 109. Lcipz. bei Barth IS26. 



Parallaxe/ 285 

mit Mtt beliebigen Reduction , die neue Zeichnung aber wird 
der gegebene,n um so ähnlicher, je sorgfältiger dasselbe mit Ver* 
nädang jedes todten Ganges in den Charnieren und einer Bie* 
gang der Stäbe und der Stifte gearbeitet ist. Eine sehr zweck- 
■iftige Einrichtung dieses seit langer Zeit bekannten Apparates 
■it sinnreicher Berücksichtigung aller zur gröfsten Genauigkeit 
«forderlichen Bedingungen hat Parrot ^ angegeben , wodurch 
dendbe geeignet wird, selbst Landcharten mit Sicherheit zu 
co|inD. In München hat man den Pantographen so eingerich- 
tet, dab die gegebenen Zeichnungen zugleich dadurch umge- 
kehrt werden, um vermittelst desselben die Figuren aufStnin 
ta leichnen , wonach sie also nach dem Abdrucke wieder ge- 
nda erscheinen.- ^Solcher Vorrichtungen bedient man sich auch 
•B^eiweitig zu ähnlichen Zwecken. 

^n dem letztem Apparate ähnlicher, zu einem gleichen 
Gebrauche bestimmter Apparat ist der Ikonograph (von ehcwv 
du Bild und ygu(ptiv schreiben, zeichnen), welchen J. Lohse 
erfanden und neuerdings bekannt gemacht hat 2. Er besteht 
am dneK verticalen , in irgend einem aliquoten Theile derselben 
BKk allen Seiten hebelartig drehbaren , an beiden Enden mit 
bänglichen Stiften versehenen Röhre. Beim Gebrauche -wird 
dn obere Stift auf den. Umrissen der Zeichnungen hingeführt, 
die dann der untere sogleich auf den Stein verkehrt aufträgt. 

Diese Apparate werden zwar von den Physikern gebraucht, 
können aber niclit als eigentlich physikalische gelten und es 
wird daher eine allgemeine Andeutung derselben hier genügen* 

M. 

Parallaxe. 

Parallaxis'j parallaxe; parallaxy (von nagakXua- 
qtty verändern, verschieden seyn) ist im Allgemeinen die 
Ttnchiedenheit des scheinbaren Ortes eines und desselben, von 
.swii verschiedenen Orten aus gesehenen Gegenstandes. Daher 
^plicht man von Parallaxe , die bei dem Gebrauche eines Instru-- 
■Mntes aus ungleicher oder unrichtiger Stellung des Auges ent-» 



1 M4m. de TAcad. de Petcrsb. 1831. T. I. Lir. 1. 

2 J. LoHSB^s Ikonograph u. s. w. Aus dem Jahresberichte der 
Hamb. Gesellich. zur Yerbreit. mathem. Kenotn. abgedr. liamb. 1S32, 



388 Parallaxe. 

melskörper, so ist CLM gleich dem halben scheinbaren Durch- 
messer der von L aus gesehenen Erde und zugleich CLM die 
Horizontalparallaxe dieses Himmelskt^rpers« 

Wegen -der spharoidiachen Gestalt der Erde und der daraoi 
entspringenden Ungleichheit der Horizx)nta1paraUaxe mufs oiao, 
um ganz bestimmte Angaben zu macheo, die AequatorHd'-Hxh 
. ri%ontalpar€dLaxe angeben. Diese ist fiir den Mond in iei%er 
mittlem Entfernung upgefähr um 11^ S^^f^^ gri^fsert akdif Ho- ' 
rizontalparallaxe des Mondes am PoUv Wegen der sehr unglei* 
chen Entfernung des Mondes vom Mittelpunct« der Erde ist 
seine Aequatoreal-Hori^oqtalparallaxet »ejiir. ungleich, beiNJoer 
gröfsten Entfernung 53' 30", bei seiner gröfiten Nähe 61' 29 "• " 
Die Horizontalparallaxe der Sonne ist ses Ö'',58 für die mittlere 
Entfernung der Sonne. Für die uns zuweilen ziemlich nahe " 
kommenden Planeten Mars und Venus ist; sie nach Maisgabe 
der ungleichen Entfernung sehr verschieden. 

Auf der sphäroidischen Erde muEs man, um genau zu s^yOt : 
nicht blofs auf den unter verschiedenen Breiten ungleichen ^ 
Halbmesser der Erde, sondern auch auf den Winkel, den die ' 
durch das Loth bestimmte Verticallinie. mit der nach dem Mit- 
telpuncte der Erde gezogenen Linie macht, Rücksicht nehmea; 
diesen Gegenstand übergehe ich hier und werde nachher nach 
Formeln angegeben , die auch für -die sphäroidische Eide an- ^ 
wendbar sind. 

Die Frage , wie sich wegen der Paral^xe die Rectascensio- . 
nen und Deklinationen eine? Gestirns ändern , lafst sich auf fol- 
F^g'gende Weise beantworten. Es sey PQ die Erd-Axe, NCOM 
' die Ebene des Aequators, L das beobachtete Gestirn, dessaa b: 
geocentrische Deklination L CM = D ist; E h^y der Beobaclw 
tungsort und dessen geographische Breite = B«, Projicirt mao 
L und E nach M und e auf die Ebene des Aequators, so iit ■ 
leicht zu übersehn , dalj» die Parallaxe in Beziehung auf dii 
Kectascension eben so grofs ist für den von e aus geseheMi ^ 
Punct M , als für den von E aus gesehenen Punct L , undUK ^ 

rt ^ n^ -o • * c- n-Kif r.Cos. B.Sin. MCi' g 

Ce = r" . Cos. B, so ist Sm. CMe = -^^ 

Me e 

wenn r der Halbmesser der Erde CE ist, MCe=:L ist offenbif/:^ 
der Längenunterschied zwischen denjeriigen Orten , welchen L \ 
im Meridian erscheint, und dem Beobachtungsorte E. Die Ilect«^ j^ 
ascension wird also durch die Parallaxe gar nicht geändert, vrent^j^ 






TSgliche. 9!B0 

ICesoiO* ^itsa 180* ist, in welchra Ftflen da» Gestirn 
n tiMKiTfc— oder otfidlichen Meridiane erscheint; dagegen am 
Misten, wenn MC» B? 90^9 in welchem letztem Falle deif 

Snns der Bectascensionsparallaxe = ^ ' ■ iat 

Yfm die Pafilhoce der Abweichung betrifft , so ist, wenn 
iL mal, fler Absland des Gestirns Ton der Ebene des Aeqna- 
anaail«Sitt«Dy der Abstand des Beobachters von der Ebene 
leiAefMlotBttsr.Sin. B nnd der auf den Aequator projidhrte 
liMmd dn Linie EL, nämlich eM, » 

|r/l«Coe.aD— 2rlCos.D.Cos.B.Co8.L + raCos.ÄB}, 
iglg^idi die scheinbare Deklination D' des Gestirns in E durch 

^ _^ 1 Sita. D-^r Sin. B 

r«ng. J^«|r(p Cos.2 D— 2 rl . Cos.D Cos.B Cos.L + r* tios.*ljj 

_ ^ rSin.B 

** "ZTfZ 2rCo«.BCo«.L , r^GoaT^ * * 
» V IC0S.D "^ l»Coa.*D) 

Wmiii also ein nnter 45** Breite beobachtender Astronom 

r 1 

3« Ibod , für welchen "T = {jq ongefilhr ist , im Meridi^ii« 

aal 6 Standen vom Meridiane entfernt beobachtet, so ist, vrena 
1« Mond im Aeqnator ist, das eine Mal 

— i Sin. 45* 

Tang. D* = ;; = 0,011926, 

1— :Sin.45" 

Im anden Mal 

— -f Sin. 45» 
Tang. D' ^—J-,^^j^^0m78i, 

oij^Uiaie also von 41' O" «nf 40' 30" ab. Hlerans folgt, ii^ 
ie Parallaxe des Gestirns nur sehr -wenig bemerken -würd*, 
. »an dasselbe in seinem täglichen scheinbaren Wege mit 

«mdlaktischeir Instrumente verfolgen wollte, selbst wenn 

mdn die Ungleichheit der StraUenbrechung eine solche Beob- 

i^tnnc nicht gan« nnd gat unsicher machte. ,. , , . 

IM. Beziehung auf die Ekliptik fordert oft, namentlich bei 

fameiifinstemissen, eine Berechnung der durch die Parallaxe 

▼II. Bd. ^ 



tu 



SgO Parallaxe. 

^enrorgebnchten UntAnoliiede swischan^ der beoiwclitfltmi ui 
dm geocentrischen Läng« und Breite, also der Längmtpanilkm } 
und BrsUenparaÜaxM. Ans dem Art. NnmjugsUr ist bekuBt; i 
dafs die BestimmuDg der Länge des Nonagesimus ans fiir dii j: 
bestimmten Ort und die bestimmte Zeit den böchstan Pnnctfa i 
Ekliptik, also denjenigen Pdnct, wo sie von einem VerticalknHi k 
senkrecht geschnitten wird, angiebt. Alle Pnnote. dasdw 
Neansigsten treffenden Verticalkreises haben also gleiche Zihp^ 
und obgleich wegen der Parallaxe das Gestirn dem Beobssfant 
niedriger erscheint , als- es aus dem. Mittelpancte der Bilie «• 
scheinen sollte , so ist doch damit keine Verändening der^4*fie 
yerbunden, wenn daa Gestirn in jenem Verticalkreise steht odit 
mit dem Nonagesinuis gleiche Länge hat. In allen anden RA- 
Im mnb sowohl die Längenparallaxe als auch die Breitenpnd- 
laxe berechnet werden. Diese Berechnung wird gewtthnHck« 
die Länge und Höhe des Nonagesimus so geknüpft, dab na 
in dem Dreiecke ELI den Winkel LEI und den Untersdiiil 
der Seiten EL, El sucht« In diesem Dreiecke ist nämlich Z te 
Zenith, E der Pol der Ekliptik, L der wahre, 1 der dofdifii 
Parallaxe veränderte scheinbare Ort des Gestirns« . Die Zenitli» 
distanz Z L und die Höhenparallaxe L 1 sind bekannt', an^ tt 
gleich der Höhe des Nonagesimus und Z EL gleich dem 
schiede der Länge des Nonagesimus. und des Gestirns^- 
sich LEI als Längenparallaxe . und El -^ EL als 
laxe findet. 

Olbers hat , indem er durch bequeme Ausdrücke für &■ 
auf die Ekliptik bezogenen Coordinat^n des Beobachtun 
die Berechnung des Nonagesimus erspart, leichtere Formeh 
gegeben, deren Ursprung sich so übersehn lädst. Wenn X| 
Z auf die Ekliptik bezogene Coordinafen. des Mondes siod, 
senkrecht auf die Ebene der Ekliptik, X in dieser Ebene ii 
Linie der Frählin^snachtgleiche , Y auf diese Linie sei 
und X, y, z eben das für den Beobachtungsort;. L die 
re, L' die scheinbare Länge, X die wahre, X' die 
Flg. bare Breite; so hat man, wenn A den Beobachter, E dentf 
^^' bezeichnet, DG = X— x, FT = Y— y, ES = Z — 

FBT = L', EAS = X', also Tang. L' = Jn?, 
, X — X 



Tagliche. 



m 



vom Hittelpancte der Erde CE = R , die EntfemuDg det 

)baditeiB vom Mittelpuncte der Erde =s r gesetzt erhält 

ZrsR.Sin. X, CF=R.Cos. X, X=R.Co8. L.Cos. X, 

^R.Sim L.Cos. X, Man findet x, y, z am bequemsten-, in* 

man auerst anf dem Aeqnator u in der Linie der Frühlings- 

(gleiche, v gegen diese senkrecht, u s=s r Cos. o Cos. /?, 

(fSin. aCos.'ßf und auf den Aequator senkrecht w=iSin./? 

it, wo a die geocentrische Rectascension des Beobachters, 

geocentrische Deklination ist 3 da dann, y, w, y, z, 

Ebene des Neigungswinkels der Ebenen des Aequators 

der Ekliptik .Kegen , so.giebt c = Schiefe der Ekh'ptik 

X =: u = r Cos. a Cos. /}, 
!Y Cos. <4"^Si^* < = '(^^°- ^^^*/^ ^^^«^ *l~ ^üi./9Sin. e), 
: w Cos. c — - z Sin. c :s= r (Sin. ß Cos. c — Sin. a Cos. ß Sin. c), 
Tang.L' = 

.Sin. L Cos. 1 7— r ( Sin. et. Cos. ß, Cos. € 4" S'"« ß- Sin. e ) 
R .Cos. L Cos. X — r Cos. a. Cos. ß 
f.Ttog. V ==^' 

L'(R.Sin. ^—r [Sin. ^ Cos.« —Sin. a Cos. /5 Sin.«]} 

I I I L - * . ■ — ^— — ^— ^^_ , 

R Cos. L Cos. X — r Cos. a Cos. /? 
;• /.i ... y 

I Formeln werden noch etwas beq^uemer, wenn man - 

R 

I. ff == Sinus der für den Beobachtungsort geltenden Hori* 

irallaxe und Sin. a Cotang. fl = Tang, (jp setzt und 

i Sin. {tp +• und Cos. (q> + einführt K 

4)urch diese Formeln ist sogleich die scheinbare Länge und 
selbst gefunden , und die sphäroidische Gestalt der Erde 

berücksichtigt , wenn man für r den Erdhalbmesser setzt, 

»m Beobachtungsorte entspricht. 

iständlicher handelt von der Parallaxenrechnung : Wurm's 
;he Anleitung zur Parallaxenrechnung, sammt neu be- 
ten Tafeih des Nonagesimus, nebst andern Hülfstafeln. 
Igen , Cotta 1804i) Für den Einflufs der Parallaxe auf 

ibstand des Mondes von Fixsternen hat Hoaner Formeln 

lulfstafeln gegeben^., 

\m die Parallaxe durch Beobachtung zu finden, müfste 

len Himmelskörper, während sich seine Entfernung nicht 



Astronom. Jahrb. 1808. 8. 196. 1811. S. 95. 
Db Zach Corr. astr. VII. 162. 
^ T 2 



292 Parallaxe. 

merklich ändert , in einer Lohen Stellung und in einer Stellong 
nahe am Horizonte beobachten ; aber um genaue Resultate sa 
erhalten, müfste da die Strahlenbrechung sehr genau bekannt 
seyn und man müCste auf die eigene Bewegung des Himmelft* 
körpers , des Mondes s. B« 9 genau Rücksicht nehmen* Sichs* 
rei ist die Bestimmung, wo zwei Beobachter gleichzeitig an ent* ' 
fernten Orten beobachten« Liegen beide Orte unter einciU 
Meridiane, so giebt der Unterschied der beobachteten DeUin*« 
tionen im Meridiane sogleich die für den Abstand beider QriB 
stattfindende Parallaxe. Aus ähnlichen Beobachtungen hat man 
die Parallaxe des Mars zu bestimmen gesucht ^ , um darans seiat 
wahre Entfernung und, wegen des genau bekannten Verhät- 
nisses der Abstände , auch die Entfernung der Sonne an be- 
rechnen. Indefs läTst diese sich weit genauer aus den Durdi« " 
gangen der Venus durch die Sonne finden ^. 

Jährliche Parallaxe. 

Parallaxe der Erdbahn; Parallaxia orlu " 
annin i Parallaxe de Porbite; ParaUax in reference » 

to the annual Orb. Wegen der Veränderung des OrM \ 

der Erde in ihrer Bahn müfsten auch dieFix^eme eineParaüixt s 
zeigen , wenn sie nicht so sehr entfernt wären« Da alle Bsob- t 
aclitungen aber ergeben, dafs diese Parallaxe ganz unmeddkk ^ 
ist , so folgt daraus , dafs der Durchmesser der Erdbahn änbcnt ': 
gering gegen die Entfernung der Fixsterne seyn mufs. Es iit ;L 
sehr einleuchtend , dals die Parallaxe der Fixsterne die Breill >^ 
derselben am gröfsten zeigen müfste , wenn die Erde dem Steitit i; 
am nächsten oder wenn der Stern der Sonne gegenüber stdit^ >i 
und am kleinsten , wenn die Erde am entferntesten von ihm ist c 
oder der Stern nahe bei der Sonne erscheint, und so auch , dilf ' 
die Länge durch eine Parallaxe Aenderungen leiden^ würdt, ;- 
PiAzzi berechnete die Zeiten, da die Parallaxe in der Deklini« t! 
tion am gröfsten und am kleinsten wird, und indem er zu die- ^ 
sen Zeiten beobachtete, glaubte er bei mehreren Sternen eins v. 
merkliche Parallaxe zu finden, wogegen aber andere Beobachtung v 
gen, namentlich von Baadley und v. Li^debtau, die Parallaxe 



1 Mem. de PAcad. de Paris. 1760. p. 292. 

2 S, Art. Durchgang. 



Parallaktisches Instrument. 



293 



gani unmerklich angeben. Von Zach hat die verschiedenen 
loden, deren man sich bedienen könnte, beurtheilt und zu« 
:h gezeigt, wie bisher durch alle sichere Beobachtnngen im« 
mehr die Ueberzeugung bestätigt worden ist, dafs diese Pa- 
te uniiierklich sey K 
Die einzelnen Bemühungen , die man in neuem Zeiten an- 
mdt hat, um die Parallaxe der Fixsterne zu bestimmen, 
len schon im Art. Fixsterne^ vor; in früherer Zeit hat 
Ttcho^ gefunden, dafs seine, freilich unvollkommenen, 
itnngen des Polarsterns keine Parallaxe gaben* Hook, 
Ein, Cassiiti, Horrebow beschäftigten sich mit die* 
iobachtangen und der letztere glaubte eine Parallaxe ge- 
zn haben ^; aber man lernte schon bald nachher aus 
»lit's Beobachtungen der Aberration, dafs die Parallaxe 
meriLlicb sey. B. 

Parallaktisches Instrument. 

\trumentum parallacticum ; xnachine paral- 

ou parallaiique ; parallactic Stands^, 
(Ihter dem Namen eines parallaktischen Instruments hat 
Ptqxemaeus ein Instrument angewandt, das zu genauen 
Stimmungen diente und durch diese die Parallaxe des 
zu bestimmen gebraucht werden sollte* Es bestand aus 
f fliehen Linealen , deren eines mit Dioptern versehn zum 
bestimmt war, während das andere mit einem Lothe 
gestellt wurde. Eine eingetheilte Scale bildete die dritte 
des gleichschenkDgen Dreiecks* War nun die eine der 
Seiten yertical gestellt, die andere nach dem Gestirne 
tt , so gab die Anzahl der auf der Scale abgeschnittenen 
lungen die Sehne des Abstandswinkels vom Zenith ^* 
tzt nennen wir diejenige Aufstellung eines Fernrohrs pa— 
(ch oder parallatisch, wo das Fernrohr so mit einer festen 



[on. Corr. XVIII. 407. XIX. 38. 234. 
\s. dieses Wörtcrb. Bd. IV. S. 326. 
Ieppleb Epit. astron. Gop. Lib. III. p. 493. 
^^Copernicas triampbans. Ilafo. 1727. 

Schubert schreibt: parallatische Maschine. Fopul. Astrono- 

8. 175. 

BcHDBBAT astr« theoriciae I. 208. llLomvchk bist. I. 807. 



294 Parallelkreise. 

Axe verbunden ist, dab es, einmal festgestellt, eiaen immer 
gleichen Winkel mit dieser Axe macht, während es am sie her- 
umgeführt wird, -dafs es aber unter jedem willkürlichen Winkel i 
gegen die Axe festgestellt werden kann. Jene feste Axe malf . 
aufs genaueste der Weltaxe parallel gestellt werden und du M 
aufgestellte Fernrohr durchläuft dann eine KegeUläche, derea '- 
Axe» die Weltaxe ist ; der im Mittelpuncte des Fadenkrensei . 
gesehene Gegenstand hat also einen immer gleichen Absttnd ^ 
vom Pole und das Instrument dient, um ein Gestirn, währeirf ^ 
es vermöge der täglichen Bewegung auf einerlei ParallelkreiH 
fortrückt, zu verfolgen oder auch dasselbe, wenn man icioi 
Deklination kennt, aufzusuchen« Die Bequemlichkeit dieier - 
Einrichtung ist einleuchtend , da man , nachdem das InstraoMBt 
einmal auf den richtigen Abstand vom Pole gestellt ist, sdht 
bei einem kleinen Sehefelde nicht fürchten darf, den GegflH 
stand zu verfehlen , wenn man das Femrohr blob in der Bidi- 
tung der täglichen Bewegung fortrückt. 

Schon ScHEi5ER hat sich eines solchen Instruments, da 
er inslrumentum heliotropicum nennt, bedient^. Neuere nad 
vorzügliche Einrichtungen von Smeatoit und Dolloid bt- 
schreibt Pearsoh ^. Da ich in dem Art. Heliometer schon om 
genaue Beschreibung und Abbildung der paral] aktischen Avbd' 
lung dieses Instruments gegeben habe, so halte ich es iiiriiiH 
nöthig diese zu wiederholen« Jene von Pearsos beschriebt- 
nen Einrichtungen bieten eben keine Gelegenheit zu neuen Ber 
trachtungen dar; die Smeäton'sche ist blofs für eine bestimott 
Polhöhe angeordnet, bei den übrigen findet eine Stelluog ixt 
Axe, andern Polhöhen gemäfs, statt. B. 

Parallelkreise. 

Circuli paralleli; Paralleles; Parallels^^ 
Die mit dem Aequator auf der Himmelskugel und auf ief 
Erdkugel parallelen Kreise führen vorzugsweise diesen NamöU 
Am Himmel sind sie zugleich diejenigen, in welchen irgend 
ein Gestirn seine tägliche scheinbare Bewegung vollendet« ^ 

Auf der Erdkugel haben alle auf demselben Parallelkrö» 
liegende Orte gleichen Abstand vom Aequator, also gleiche geo- 

1 Rosa orsina, sitc sol etc. (Braceiano 16:26.) Lib. III« p. 347« 

2 iDtrodactioM to practical Astronom j. Vol. IL p. 42. 



Parallel«trahleo. 



S&S 



ipliische Breite. . > Der durch einen bestimmten Ort mit dem 
inator panllel gezogne Kreis heifst dieses Ortes Parallelkreis* 
Da diese Kreise immer kleiner werden , je mehr man sich 
Pole nähert 9 so wird^ da sie dennoch in 360 Grade ge- 
werden j jeder Grad auch um so kleiner. £s sey £ ein ^ß* 
auf der Erdkugel , dessen geographische Breite B£ = b 
seist offenbar £ F = r . Cos. b der Halbmesser des durch 
Lenden Parallelkreises D £ und in eben dem Verhältnisse 
b, wie der Halbmesser sich gegen den Halbmesser r der 
Terkleinert, werden auch die Grade des Parallelkreises 
kleiner. 

Eine Tafel über die Gröfse dieser Grade unter verschiede- 

Breiten findet man im Art. ErdeK Der Name Canonion 

», den man sonst den Tafeln über die Gröfse der Paral- 

und« ihrer Grade beigelegt hat , scheint wenig mehr in 

ich zu seyn ; er kommt daher, dafs Pbter Afianus (Die- 

rz) eine solche Tafel mitgetheilt und die Grade der Paral- 

in Meilen und Sechzigsteln der Meilen angegebea 

Diese Gröfse der Grade auf den Parallelkreisen heifst 

ifie Gröfse der Längengrade unter verschiedenen Breiten. 

Parallelkreise werden von den Meridianen rechtwinklig 

litten ; sie gehn also von Osten nach Westen, und wenn 

|,iiif der £rde immer in dieser Richtung fortgeht, so bleibt 

jmf einem und demselben Parallelkreise. Die Polarkreise 

[Wendekreise sind zugleich Farallelkreise. Bm 

Parallelstrahlen. 

JRadii paralleli; Rayons paralleles; Parallel rays. 

itstrahlen, die mit einander parallel sind. Da die von einem 
■en Puncte ausgehenden und auf verschiedene Puncte eines 
desselben Linsenglases fallenden Strahlen CA, CB oder^*^- 
D B desto weniger divergiren , je entfernter der Icuch- 
Punct C oder D ist, so sehn wir für sehr entfernte Puncte 
)u ihnen kommenden Strahlen als Parallelstrahlen an und 
daher von einem Auge, das fernsichtig ist, es sehe nur da 

lieh , w^o es parallel auffallende Strahlen erhalte ; dafs diese 

S. diese» Wörlerb. Bd. fll. S. 935. 
Cosmo^raphicaa liber. logoist. 1524. 



»• 



296 Paasagen-Instrument. 

Strahlen nicht im strengsten Sinne parallel sind , versteht sich 
von selbst« Nach dem Durchgange durch ein oonvexes Glas i 
werden diejenigen Strahlen genau parallel , die divergirend vom i 
Brennpuncte des Glases auf dasselbe auffielen. B. 

Passagen- Instrument« 

Durchgangs -In st rument. Mit tags Fern- 
rohr; Instrumenium transitus; Instrument des 
passages ; Transit - Instrument. 

Ein Femrohr, das in der Ebene des Meridians bewegGch 
aufgestellt ist und daher dient, die Durchgänge der Sterne odir 
der Sonne durch den Meridian , mithin die Zeit der Culmioation 
zu beobachten. Von dem blofsen Mittagsfernrohre fordert mao 
nicht , daCs auch die gehaue Höhe des Gestirns im Mittage be* 
stimmt werde, sondern hierzu dient der Mittagskreis \ indeb 
bedarf das Passagen-Instrument auch eines in der Mittagsfiachi 
stehenden, wenn auch nicht überaus vollkommen getheilt» 
Kreises, um das Femrohr so zu richten , dafs das zu beobadh* 
tende Gestirn durch das Feld des Fernrohrs gehe. 

Römer hat zuerst dieses , nachher von den Astronomen mit 
so grofsem Beifalle aufgenommene, Instrament angegeben^« Der 
Zweck , den man dadurch erreichen will , ist y theils den Gang 
der Uhr zu prüfen und zu berichtigen, indem man Sterne, de« 
ren Rectascension genau bekannt ist, im Meridiane beobachtet, 
theils die Rectascension der noch nicht bestimmten oder bea 
erscheinenden Gestirne anzugebeut 

Beschreibung des Instruments. 

Die wesentlichsten Theile des Instruments sind : ein Fern» 
röhr, das senkrecht mit einer Axe verbunden ist, Unterstiitzun« 
gen, auf denen diese Axe ruht, und Mittel, um die genau rich- 
tige Stellung zu bewirken. Um dem Instrumente eine recht fest! 
Aufstellung zu geben , werden die Pfeiler^ auf welchen die bei- 
den Enden der Axe des Instruments ruhn , sehr fest gegründet, 
um möglichst unveränderlich zu seyn. Bei dem Instrumente 
auf der Königsberger Sternwarte bestand der Haupttheil eine» 



1 Miscellan. Beroliueni. III. 276. 



Bt^ohreibung deadelbem 297 

Un Pfiribrs m dneai 70 Zoll bohen, 24 Zoll breiten, 15 Zoll 
ckmn Gnoke und diese behaaenen Grapite ruhten auf einem 
*oIsaii Granitblodce; der tief in der Erde v(5llig unerschütter«' 
eh m liegen schien. Mit den Mauern des Gebäudes setzt man 
iete Pfeiler nicht in Verbindung. Bei der Schärfe , die nYi^ere 
itsigen Bvobacfatungen gestatten, bemerkte man aber dennoch 
in dieeem KOnigsberger Instrumente eine theils im Fortglinge 
kv'Zeit snneJimende, theils von der Wärme abhängige, nn- 
gUMii i^endernng der Lage^ ^ Dafs das Instrument nicht in 
bsdanlender Höhe über der Erde, auf hohen Mauern oder gar 
■f den onsiohem Fnfsboden eines obern Stockwerks aufgestellt 
wdtu darf, lädt sich hieraus schon übersehn, indem es in 
mmt toldiMi Lage gewifs Schwankungen , die bei vollkommen 
Beobachtung schon sehr grofs genannt werden müfsten, 
m 9eyn würde. Die Sicherheit der Aufstellung wird 
dotfawendiger, je vollkommener das Instrument ist, indem 
iie kleinsten , aus der Aufstellung entstehenden Fehler 
wctrden. Was die verschiedenen Anordnungen der 
tiiaillmig betrifft, so kommen diese swar in dei;i wesentlich-* 
Miftmcten iiberein, aber die Künstler haben doch bald auf 
•M, bald «nf die andere Weise den einxelnen Ihstrumenten 
Vonfige zvL geben gesucht. Da ich bei diesen Einzelnheiten 
licht verweilen kann, so bemerke ich nur , dafs Pearsoit so- 
wohl das mit einem zehnfufsigen Femrohre von 5 Zoll Oeff« 
ang versehene Passagen - Instrument in Greenwich von 
Taovohtov, als auch das von Gart verfertigte in MoskWa 
«mständlicb beschreibt^ , und begnüge mich , die Beschreibung 
öiies kleinern Instruments von Joses , nach Pkarsok's Anlei-» 
tDDg und mit Beifügung einer Gopie seiner Abbildung, hier mit-^^* 
zntheilen^. Diese Zeichnung stellt die wichtigsten Theile des 
laitraments mit vollkommener Deutlichkeit dar und schien mir 
daher vor andern Abbildungen einen Vorzug zu verdienen. 
Du Instrument kann noch zu den tragbaren gerechnet werden, 
otgleich es für ein Fernrohr von 48 Zoll Brennweite und 3i 



1 BBstix.'« attron. Beobaohtungen I. S. V. 

2 PsAaso« introdactioQ to practica! Astronomy IL 362» 366« 
Efaehrichtcn von einem Reichenbaoh'ichen Mittagifernrohr , in Astr« 
lahrb. 182S. 8. 236. 

3 PsAUOM IL 518. 



398 Passagen - Instrument. 

Zoll Oeffnung eingerichtet ist; es ist daher mit einem auf die 
Grundlage ab aufzusetzenden Gestelle versehni dessen hori- 
zontaler Theil mit vier Schrauben, deren zwei w, w die Fi- 
gur zeigt, richtig gestellt wird und dessen beide verticale me- 
tallne Säulen ef, e'f die Axe des Instruments tragen. Bd 
gröfsern und für immer feststehenden Instrumenten nehmen dk 
oben erwähnten Granitsäulen , an deren oberem Theile sich dift 
Unterlagen der Axe befinden, die Stelle der Säulen ef, et tm 
An' dem obern Theile jeder dieser Säulen ist ein Y-fönnigei 
Stück zum Auflegen der Axe befestigt; eine dieser Unterlagen 
gestattet eine horizontale Bewegung vermittelst einer Schnnbe, 
um der Axe die vollkommen genaue Richtung senkrecht ge« 
gen den Meridian zu geben, die andre eine verticale Aenderongi 
um die horizontale Lage der Axe zu berichtigen. Die Axe gg 
besteht aus zwei kegelfötfdigen und einem mittlem hohlen Stak- 
ke, welches letztere die beiden Hälften des Fernrohrs asf- 
nimmt. Hauptsächlich mufs das Fernrohr mit vollkommner Ge- 
nauigkeit seine optische Axe senkrecht gegen die Drehungs-A» 
haben. Die Axe ist bei g mit einem über die Unterlage hinaoH 
gehenden Fortsatze versehn und ihr Mittelpunct fällt amsttfr- 
men mit dem Mittelpuncte eines senkrecht gegen sie befestigtHi 
Kreises, den die Figur nur im Seitenquarschnitte zeigt. Dieftf 
eingetheilte Kreis dient, um das Fernrohr auf jede beliebige 
Höhe einzustellen und auch, so weit es die Gröfse und Genauig- 
keit der Theilung erlaubt, die Dienste eines Mittagskreises M 
vertreten , nämlich die Höhe des culminirenden Gestirns ansa- 
geben, >vozu indefs das Instrument als blofses Passagen -Instra- 
ment eigentlich nicht bestimmt ist. Da der Kreis mit der Axi 
und dem Fernrohre fest verbunden ist, so mufs man die Schraube 
k lösen, wenn man das Fernrohr auf einen Gegenstand in be- 
stimmter Höhe richten will, und diese Schraube hält das Fern^ 
röhr in seiner festen Stellung während der Beobachtung. Dil 
Ablesen der Höhe'geschieht mit Hülfe eines Vernier, dessen In- 
dex in genau verticaler Stellung befestigt ist. Dieser Vemiei 
ist an dem auch in der Figur im Seitendurchschnitte sichtbaren) 
um die Axe gg' drehbaren, an der Ebene des Kreises, gleichsam 
wie eine Alhidade , anliegenden und einen Durchmesser dessel- 
ben darstellenden Stücke befestigt; dieses wird, während Kreis 
und Fernrohr frei bleiben , durch die Schraube h' (oder beim 
Umlegen der Axe durch h) festgestellt , und indeoi man nun 






]|eiföiir<eibang desselben. fiOQ 

MXitmikijBD^l dftn KreisA vereioigt dreht:, giebt die dem Jn- 
facdilsSs iVemiec rtats^preehende Anzahl von Graden auf dem 
MsAtjdieZenUbdistiins,. öder Höhe an, jenachdem die Name- 
itmtg ckr Grade, am Kieiie es mit sich bringt.. Zur richtigen 
Mhmg !ide% Index ;difnt die Schraube, auf deren Kopf man in 
hrMohiglteg'gerede' auf/sieht und deren Kopf neben h' kreis- 
MHJf-xli seha ist-; es wird nämlich an einem gegen jene Alhi« 
•drsenlurechten und fest mit ihr verbundenen Arme ein Niveau 
•fAüngt und ^urch die eben erwähnte Schraube sugteich 
Iv Index and das Niveau langsam fortgerückhj bis das Niveaa 
eeaii einspielt ; dann ist der Index berichtigt. Diese eben er- 
fibtta Gejgenstände glanbte ich nur zumVerstehn der einzel- 
l^i'TJieile dec Figur erklaren zu müssen und zu eben dem 
ifiip^ führe ioh auch an, daC^ man in der Figur zwei an der 
l|hiime befestigte Mikroskope zum Ablesen u, v sieht; diese 
Qi||b; werden insgesammt dann gebraucht, wenn man das In« 
Ipmiefitals Mittagskreis anwendet, so dafs ich deren Erwäh- 
' * ' n vorliegenden Falle übergehn könnte^ Will man näm-> 

(das Instrument blols als Passagen -Instrument benutzen, so 
es» da es äquilibrirt in jeder Stelloog ruht , der FesUtel- 

fucht and auch die vollkommen scharfe Berichtigung des 
ist dann nicht so nöthig; ja der Index kann dann an. dem 
mie .anliegend mit ihm- fortbewegt werden. Um aber die Axe 
wjsontal zu stellen , dient das auf die richtige Weise an die 
boe angehiLngte Niveaa ^ und Schrauben, welche so lange be- 
icfatigt werden, bis das mit der Axe parallele NiveiHi xx, wel- 
lias die Figur gleichfalls zeigt, horizontal steht, ifljprcylindri- 
idien Enden , mit welchen die Axe aufliegt, müsHPim streng- 
iteo Sinne cylindrisch seyn , damit bei der Drehung der Axe 
■od der Steifung des Fernrohrs auf verschiedene Hohen die Ho- 
Qsontalität der Axe ungestört bleibe. Sie mub mit einer hori- 
tootalen Correction versehn seyn , damit man , wenn sie um et- 
was Geringes von der östlichen und westlichen Stellung abweicht, 
Be Richtigkeit der Lage herstellen könne. Die Figur zeigt end- 
ich noch die zur Erleuchtung der Fäden bestimmte Laterne am 
adem Ende der Axe, die durch die Höhlung der Axe ihr Licht 
of die Fäden des Fernrohrs wirft. Bei o lafst sich ein Silber- 
iden einhängen , der durch ein in dem Metalle der Axe ange- 




1 YergL Art. Nivdlirtn^ 



300 Passagen* Instrument. 

brachtes Loch herabhängt und durch die bei p , q angebrachte 
Vorrichtung (ein Ocular , dem ein Merkmal , worauf der Faden 
einspielen mufs , gegenübersteht) beobachtet wird , um auf eine 
andere Weise zu prüfen , ob das Fernrohr vertical ist, wenn der 
Index eine verticale Lage angiebt. Wenn o auf der Vorderseit« 
des Femrohrs, nämlich auf der Seite, die in der Figur gerade 
vor dem Auge liegt, angebracht ist und ein Merkmal für in 
Einspielen des Lothes gehörig angebrachtust, so könnte diesai 
zum Nivelliren der Axe , jedoch nur beschränkt auf die veiti- 
caie Stellung des Fernrohrs, dienen, 

Prüfung der richtigen Aufstellung. 

Der Künstler mufs das Passagen - Instrument so ausgefiilirt 
haben , dafs die optische Axe des Fernrohrs senkrecht gegen dis 
Drehungs • Axe ist. Um dieses zu prüfen , richtet man das ge- 
hörig mit der Axe aufliegende Instrument horizontal und beob* 
achtet mit völliger Schärfe einen im Mittelfaden des Femrohn 
erscheinenden unbeweglichen Punct ; man legt alsdann die Axt 
um, so dafs g da zu liegen komo^, wo so eben g' war, uiM 
beobachtet eben den Gegenstand« Bedeckt dann der Mittelbdea 
genau denselben Punct , so ist das Fernrohr senkrecht gegen dit 
Axe , im entgegengesetzten Falle mufs die Hälfte des Fehlen in 
der Stellung der optischen Axe des Femrohrs corrigirt werden« 
Die so berichtigte Stellung kann man dann auch, nachCAALiii's 
Bemerkung, durch den Polarstern prüfen, wenn man diesen bei 
seinem Durchgange in den ersten Fäden' und im Mittelfadefl 
beobachtet, dann aber die Axe umwendet und ihn nun in den 
folgenden FKden beobachtet ; da die jetzt zuletzt erreichten Fa« 
den eben die sind, die der Stern früher zuerst erreichte, 80 
müssen die Zwischenzeiten für die einzelnen Fäden vor und 
nach dem Antreffen an den Mittelfaden genau gleich seyn; das 
Gegentheil würde zeigen , dafs die optische Axe des Fernrohrs 
eine kleine Berichtii^unc; bedürfte. 

o o 

Die Prüfung, ob die Axe horizontal ist, geschieht vermit- 
telst des Niveauos, indem man dieses an die Axe anhängt; ist die 
Axe nicht genau horizontal, so bringt man durch die an der ei- 
nen Unterlage angebrachte feine Bewegung das Niveau zum Ein- 
spielen auf den richtigen Punct ; das Umlegen der Axe zeigt, bei 
Wiederholung derselben Operation, zugleich, ob das Niveau 
richtig ist und ob die Zapfen gleich sind. Wiederholt man eben 



Berichtigung desselben. 301 

Venach hta verschiedenen Stellangen des Fernrohrs, so er-* 
man zugleich die Prüfung der richtigen Form der Axen« 
Die richtige Aufstellung in Beziefaong auf den Meridian 
man durch Beobachtung von Sternen prüfen. Man setzt 
voraus, daCs die Uhr genau geprüft sey und als firei 
Fehlem könne angesehn werden , und dann ist es offenbary 
ein Stern , den man im obern und im untern Durchgange 
itet, eine Zwischenzeit von genau 12 Stemstunden geben 
I, wenn das Instrument im Meridiane steht, wogegen der 
des Sternes durch einen nach Osten oder Westen vom 
le abweichenden Verticalkreis in zwei ungleiche Half- 
getheilt wird , also beide Culminationen im einen Falle zn 
ty im andern zu lange Zwischenzeiten geben« Kann man 
tnf den Gang der Uhr nicht ganze 12 oder 24 Stunden lang 
, so ist folgende Methode besser. Man wählt xwei 
I, die beide in ihrer obern und untern Culmination beob-^ 
werden können ^ deren Rectascensionen ziemlich nahe 
1^ verschieden und zugleich genau bekannt sind. Man 
itet nun nach einer wenigstens für diese kurze Zeit zu- 
»n Uhr die Zwischenzeit zwischen dem obern Durch* 
i des Sternes A und dem untern des Sternes B und eben 
ktung wiederholt man nach 12 Stunden für den obern 
[ang von B und den untem von A. £s ist klar , dals fiir 
jllbstrument, welches sich in einer ostwärts abweichenden 
[-Ebene bewegt, die obern Durchgänge zu früh, die un- 
[iuu spät erfolgen und also der Fehler der Stellung offenbar 
Da man die Stellung gleich anfangs durch ganz gewöhn- 
r'BIittel ziemlich nahe richtig erhalten kann , so bedarf es 
snr derjenigen kleinen Correction in horizontaler Richtung, 
die Axe des Instruments eingerichtet ist« 
^fiei den gröCsern und schweren Instrumenten dieser Art ist 
iwendig, die auf die Unterlagen der Axe drückende Last 
»rmindern, um dadurch die Reibung kleiner zu machen 
[auch das bei langem Gebrauche in einigem Grade eintretende 
:en der Axe zu hindern. Dazu dienen schicklich ange- 
te Gegengewichte , die für jedes Ende der Axe sich an ei- 



Sin VerEeichnili von Sternen, di^ sich hierzu eignen, giebt 
ikatr. Jahrb. 1816. S. 242. lieber andre au diesem Zwecke füh« 
Mittel a. ▼• Zach's Mon. Gorr. III. M4. 



l 



302 Passagen -Instrument. 

nem Hebel, dessen Hypomochlmm auf dem Pfeiler liegt, an der 
üufsern Seite des Pfeilers befinden , während der andre Ann des 
Hebels eine an der innem Seite des Pfeilers liegende , di* Axe 
unterstützende Unterlage trägt« Auch die Beugung des Fem*« 
rohrs mufs der Künstler bei Instrumenten, die so grofsa 6t* 
nauigkeit geben sollen, zu hindern suchen* Zu diesem Zwecke 
hat Troughtov an dem Passagen -Instrumente in Greenwich 
metallene Verbindungsstücke, die unter 45® g®g^° <Axa nod 
Fernrohr geneigt sind, angebracht, damit die Beugung wenig- 
stens kein Abweichen von der rechtwinkligen Lage deS'FenH 
rohrs gegen die Axe hervorbringen könne. Diese Verbindoogf- 
stücke sind es, die Woodhousk Veranlassung gaben, ^Ab- 
weichung zu untersuchen, welche aus ungleicher Erwägung 
^einzelner Theile des Instruments hervorgehn könnten und W 
seinem Instrumente, wirklich hervorgingen^; aber Sopri^S 
Beobachtungen scheinen zu ergeben , dafs die üngleiclie Erwir- 
mung durch die Sonne bei dieser Einrichtung keine merklicbea 
Fehler hervorbringe, und pEikRsav "äurfsert sich mifsbiUigsod 
über. Woodhousb's Verfahren, lo torture the insirummi hf 
4prapping the op'posite bracea in heatsd flcumel and 4spömg 
the others nahed to the cold air. Indeis zeigen Bsssiii't' gi" 
neue J3eobachtungen!^, daüs man diese Einwirkung der Somio« 
stitahlen doch nie aus den Augen lassen darf und daher dtlliH 
strument gegen dieselben beschirmen anüfs; JNimmt man aber 
auf alle diese Umstände gehörige Rücksicht, so läfst sich die 
Rectascension eines Sternes mit grofser Genauigkeit durch das 
P4ssagen -Instrument finden. Walbsok giebt den wahlrsc^eio-' 
liehen Fehler nach Beobachtungen in Dorpat im Aequatör doi 
7U 0)4 Baums ecunden an und für gröfsere . Deklinationen noch 
geringer', i 

Das Bisherige bezog sich auf diejenigen Anwendungen des 
Passagen -Instruments, zu denen es eigentlich bestimmt ist; 



1 Phil. Transact. for 1825. II Part. p. 418. 1826. IL F. p. 75. 
1827. j?. 144. 

2 Bessel's astr. Beob. V. S. l\, 

S Astr. Jahrb. 1823. S. 188. Dafs, wenn nicht von relativer Üe- 
bereinstimmung, sondern von absoluter Richtigkeit die Rede ist, die 
•ui individueller Ungleichheit in der Beobachtung entstehende Un- 
sieherheit zu berücksichtigen sey , verdient hier beiläufig erwähnt sa 
werden. Bessel's astron. Beob. YIII. S«.I. 



Pedometer. 3(Ä 

ii andern Anwendungen glaube ich hier nicht lange verweilen 
i dürfen, sondern werde nnr kurze Andentungen mittheilen 
ad Nach Weisung zu weiterer Belehrung geben. Bbssel näm- 
ch hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dafs man dieses In- 
tmment in einer Aufstellung, bei welcher die Drehungs - Axe 
im Meridiane liegt, das Fernrohr also sich in einem östlich und 
westlich liegenden Verticalkreise bewegt, und zu Bestimmung 
ist PolhfJhe anwenden könne. Ich glaube dieses am kürzesten 
deodich zu machen; wenn ich die Lage der £bene, in welcher 
das Fernrohr sich bewegt , als ganz genau vertical und ab ganat. 
genaa senkrecht auf den Meridian voraussetze; alsdann nämlich 
geben die beiden -Durchgänge des Sternes, der östliche und 
mstliche, eine Zwischenzeit, die uns den südlich vom. Zenith 
abgeschnittenen Theil des Tagekreises dieses Sternes kennen 
kbt und folglich, mit Hülfe der genan bekannten Deklina- 
tion des Sternes, die Polhöhe zu finden dient ; umgekehrt kann 
die Deklination desSternes hnden,:wenn die Polhöhe gejpiaa 
ist. Diese Methode, die Polhöhe zi^ bestimmen^ >ist' von 
ScBDMACHBB, Hansen, Struve undEsssEL selbst mitVortheil 
ittgnrandt worden« Sie hat übrigens Veranlaesung zu gettAuea 
Uataittchangen über den Fall, wo theils' die Aufstellung p^ht 
ToBkommen genau , tbeils das Fernrohr nicbt vollkommen senk-» 
leeht auf die Axe ist, gegeben und Bess£L sowohl als Ha N-; 
SCI haben durch diese Untersuchungen die Theorie des.allge- 
meinen Gebrauchs des Passagen --.Instruments sehr erweitert^. 

B. 

Pedometer. 

# • 

Die altern Schrittzähler , unter denen der von Hohlfeld 
angegebene wohl entschieden den Vqrzug hat, sind bereits oben * 
i^eschriebcn worden. Kürzlich hat der Uhrmacher W. Payne in 
London ein neues Taschen -Pedometer er^pden und patentisi* 
fCD lassen , welches beim Gehen, Reiten und Fahren in der Ta- 
sclie getragen wird. £in Pendel in demselben soll dann bei je- 
der Bewegung oscilliren und durch seine Schwingung das mit 
ihm verbundene Rad um einen Zahn fortschieben , so dafs des» 



1 Schumacheb's astr. Nachr. III. No. 49. Y. Nr. 126. 131. 1^1. 

2 Art. Hodometer Bd. V. S, 271. 




iidel. 

■en Zeiger äie Einheiten «ngiebt, wabrend A\e ^*S" ^^^ " 
ihm vetbiindenen Bdder die Vielfachen Dich bekannten Gesetz* 
2ÜhIen. Es scheint mir jedoch nicht , dafg auf diese Mfäae i 
Summe der Schrille mit Sicherheit zu erhallen sey. Mt. 

1. 

Petidnluni, Funependiilum ; Pendule- Penduhim. 

Das Wort Pendel ist aus dem Laleiniscfaen {pendm, 
herabhängen) entnommen und bezeichnet zunächst jeden Jiei* 
Abhängenden Körper, Mit dem Begriffe des Herabhangeni tcf- 
bindel man zugleich einen andern, nämhch den des Befailigl' 
seyns in irgend einem Fnncle, von welchem derselbe dann «nf 
eine solche Weise herabhangt, daCs er uro diesen beweglich iit. 
Beim Vorhandensein dieser Bedingung wird der K«rper in Folgt 
der onabjässig auf ihn einwirkenden Schwere so herabhängen, 
dafs eine durch den Aufhangepimct und den Schwerpunct ge- 
hende gerade Linie, bis zur Horizontal-Ebene verlängert, mit 
letzterer blofs rechte Winkel bildet, welche Linie zugleich di> 
Falllinie genannt wird, weil er in dieser zu fallen das Destn- 
ben Bufsert. Wird der Kiirper durch irgend eine £raft >0 tt« 
wegt, dafs die genannte Linie , welche zugleich die lothreefite 
oder verticale heifst, mit der Horizontal -Ebene ungleiche W»- 
hel bildet, so mufs nach dem Aufhören der Wirkung dieur 
Kraft der Körper durch die-stets wirkende Schwere iu seine nr- 
Bprüngliche Lage wieder zurückkehren oder sein SchwerpuDCt 
wird bis zur gröfstmöglichen Tiefe wieder herabsinken ; inJem 
er aber hiernach in Bewegung gesetzt ist, so kann er vermBge 
der Trägheit in dieser Lage nicht augenblicklich beharren, son- 
dern mufs nach der entgegengesetzten Seite mit der erlaBglM 
Fallgeschwindigkeit wieder aufsteigen , bis die Wirkung dei 
Trägheit erschöpft ist. Ans diesen elementaren Gesetzen folgt 
also, dafs ein solcher herabhängender Körper, das Pendel, lO 
Zustande der Ruhe diese lolhrechle oder verticale Linie angielit, 
sobald sein Schwerpunct und AuHiängepunct gegeben ist, wel- 
ches am einfachsten im sogenannten Senkel °esc\i\ehx, einem ID 
einem dünnen Faden herabhängenden schweren Körper, wobd 
der Faden die Richtung der genannten Linie bezeichnet, nnd 
dafs ein einmal in Bewegung gesetztes und dann sich selbst 
iiberlassenes Pendel so lange hin und her in einer beliebigen 



ciUin, bis die I-Iinderoisse der Bewegung es sumStill« 
nde bringen. 

Das Pendel kommt unter beiden angegebenen ModificatJo- 
» häufig in Anwendung. Als blofs herabhängend zur Auffir»-. 
og der Verticallinie oder Falllinio besteht dasselbe am ein- 
haien und zweckmäfsigslen aus einem äiücke Blei an einem. 
nen, aber zum Tragen hinlänglich starken Faden, welche 
orichlung ho gemein ist, dafs ein solcher Apparat schlechlliin ' 
aLoch oder auch das Bleitotfi und das Suchen der verticalei 
iide das Lothan, Ablolhen, so wie die Herslellung der hori-i ] 
)BtaIea Ebene vermillelst desselben das Abbleien, ins Bhi~ 

n genannt wird '. Stall des Bleies nimmt man jedoch selbst, \ 

SDieine technische Inalrumente zuweilen messingne Kugeln,. 
I physikalische und mallie malische Instrumente geschieht die— 
allezeit, und zugleich läuft dann die Kugel unten in einQ: ' 
ilze ans, um durch diese genauer den Punct zu beslimi 
l die verlängerte Falllinie die Oberflucha der Erde triFt. 
tonomischen Werkzeugen, namentlich grofsen Sectorcn, giebl, 
I gemeiner Faden die Yerticallinie für die erforderliche Ge-' 
Bigkeit nicht hinlänglich scharf und wird daher mit einem fei- 
{D Metallfäden, meistens einem Silberfaden, vertauscht, und. 
al die Lotbe aufserdem durch die geringfiigigslen Ursachen. 
ebt in Schwankungen versetzt werden , aus diesen aber nur ' 
^Mm zur vijüigen Ruhe kommen, so senkt man das GewichttJ 
ein Geräf» mit Wasser herab, damit der Widers [and die sei tj 
bsigkeit die Schwingungen vermindert oder ganz aufhebt. 

Von ungleich gröfserer Wichtigkeit und weit zahlreichem. 



nvendunj 

rd, und 
B in den 
!t voUstä 

achat betrachtet mi 
ige Kraft, welche i 
iBusgerückten Körpi 
dann nach di 



=n iit dasPendelin seiner zweiten angegebenen Mo>i 

lämlich insofern dasselbe als schwingend betrachtet' 

/enn die Theorie und praktische Anwendung von je- 

wenigen hierüber so eben mitgetheiltenZeilenziem- 

idig enthalten ist , so erfordert dieses für das Letz- 

itiihrliche und mitunter schwierige Untersuchungen.^ 

ihch zwar blofs dieSchwere als die- 

s der angegebenen verticalen Linie' 

lei in dieselbe zurückzieht, worauf ' 

Gecetse der Trägheit in der erhaltenen Be- J 



Uebereinatimmenil hiermit sind die fruQzoaischeu AasdrucLo: 
h, Aplotnh, Flombtr, prindre l'aplomb. 



306 Pendel. 

« 

wegnng beharrt , bis die entgegenwirkende Schwere die letztere 
wieder aufhebt , woraus die bekannten 'Pendelschwingungen 
▼on selbst folgen; allein es ist klar, dafs eben solche Schwin- 
gungen auch in allen denjenigen Fallen entstehn müssen , wenn 
ein durch irgend eine Kraft in einer bestimmten Lage festgehal- 
tener uud zur Ruhe gebrachter Körper durch irgend einen hin- 
zukommenden Impuls aus dieser seiner Lage gerückt wird, wor- 
auf dann jene zugleich stetig wirkende und daher eine beschleu- 
nigte Bewegung erzeugende Kraft den Körper wieder in seine 
ursprüngliche Lage mit beschleunigter Geschwindigkeit zurück- 
zieht, und die Wirkung der Trägheit, vermöge deren eriiber 
diese hinaus nach der entgegengesetzten Seite getriebep md, 
allmälig verschwinden macht. Hiernach sind also die Schwin-« 
gungen von Stäben , die vermöge ihrer Starrheit in ihrer Rich- 
tung zu verharten streben , von Saiten, die durch Gewichte oder 
spannende Kräfte gerade gezogen werden , kurz alle diejenigen 
elastischen Körper, die zur Erzeugung des Schalles dienen, na- 
mentlich auch die longitudinalen und die durch Drehung von 
Cylindem um ihre Axe entstehenden , die Oscillationen von 
Ringen und Scheiben , die eine Feder zunehmend stärker bis ta 
einem gewissen Grade spannen und durch diese wieder rüdt«' 
wärts gezogen werden, selbst auch die abwechselnden dertropf- 
baren Flüssigkeiten in communicirenden Röhren u. s. w. saaunt- 
lich pendelartig und lassen sich insgesammt auf die Pendelge- 
setze- zurückführen. Aus der angegebenen grofsen Mannigfaltig- 
keit der Anwendungen folgt dann von selbst , dafs man die all- 
gemeinen Gesetze der Pendelschwingungen zuvörderst in ihrer 
einfachsten Gestalt aufsuchen und demnächst auf die mehr zu- 
sammengesetzten ^Erscheinungen anwenden müsse. 

A. Einfaches oder mathematisches Pendel. 

£in einfaches oder mathematisches Pendel mufs nach den 
angegebenen Bestimmungen aus einem schweren oder durch ir- 
gend eine Kraft getriebenen Puncte bestehn , welcher an einer 
nicht körperlichen , also nicht selbst durch die allen Körpern ei- 
genthümlich zugehörende Schwere oscillirenden Faden so befe- 
stigt ist, dafs er um einen unbeweglichen Punct die pendelarti- 
gen Schwingungen macht. Hiernach ist also ein solches Pendel 
eben so wenig in der Wirklichkeit darstellbar, als der mathema- 
tische Hebel, und man bedient sich desselben blofs dazu, um 



1 1 

7 



( 
Einfaeiiet matliematiaclies. 307 

■ _ ' ff 

Se ^9mHm ^AirlVpBdebchwhigiingeii oliti« RScUcht auf die 

«s dar ^l^vtudunt Beachaffanheit dar KOrpar henrofgehendeii 

SndaniUao in gr6Iatat AUg'amainheit rain danoataüeo» Ana 

liaaar Unacha Aäd namendich d^r Faden nicht als aus ktfrper- 

Ikhar, äbb schwerer, Masse' bestehend betrachtet werden, weil 

iQiut jadaa eSnsfilne Element desselben tun den gemeinschafdi* 

dm' Scbwio^ngspunct osciUirend anzusehn wäre und bei der 

DMonstration ab solches berücksichtigt werden müfste« Man 

kont einem aolchen am nächsten durch eine an eineni dün- 

ool Fadta hängende Kugel , wobei die Schwere die bewegende ' 

Ktift isty-diia ganze schwere Masse des Körpers in einem einzi-* 

ptTfnmXä vereinigt gedacht und der tragende Faden als nicht 

idtirar vcrgeatiBllt wird ; eines 'solchen bedient maii sich daher 

^v Demonatnidton der Pendetgesetze« 

Bie (jesetse der Pendelschwingungen lassen sich auf eine 
idir ein&che und elementare Weise anschaulich darstellen, 
viim man iie aus den Fallgesetzen eines Körpers auf der ge- 
ai^gtao Ebebe ableitet. Ist nämlich die Kugel a an dem Faden ^' 
ctiai Pttttcte *€ befestigt , so würde sie im Zustande der Ruhe 
dlr'ina befiuden. Hebt man sie bis nach a, so liegt ihr 
Soatveipunct höher über der horizontalen El!>ene, wird also ver« 
■0ge der Schwere herabsinken und bis nach a gelangen , wo- 
idbstsie mit dem Maximum der Geschwindigkeit ankommt, weil 
in Fall eines Körpers allezeit mit beschleunigter Geschwindig- 
Ul geschieht ; sie kann aber vermöge der Trägheit in a nicht 
sofort mhn, sondern wird nach der entgegengesetzten Seite wie- 
in aufsteigen. Weil aber die Geschwindigkeit , womit sie in a 
sokam , vermöge der Einwirkung der Schwere durch den Fall 
"Vcm a bis a erzeugt ist und sie in Folge dieser erlangten Ge-> 
sdiwindigkeit so lange wieder auüsteigt , bis diese durch die Ge- 
genwirkung der Schwere wieder verschwindet , so müssen die 
dorehlaufenen Räume an beiden Seiten eidander gleich se3m; 
«Ke Kugel wird also in a* wieder zur Ruhe kommen, Wenn 
«a'= aa ist, mufs dann auf gleiche Weise von a wieder her- 
•Uallen , bis sie wieder in a anlangt, und somit, ohne ein vor- 
handenes Hindernifs dieser ihrer Bewegung, ohne Aufhören zwi- 
fdken a und a hin und her' oscilliren. Man nennt dann den 
Weg von a bis a eine halbe Oscillation, einen halben Schwung, 
eioe halbe Schwingung ^ von a bis a aber einen einfachen 
Schwung, gewöhnlicher eine einfache Schwingung. 

Ü2 



308 Pandel. 

Da das Pendel hiernach als ein fallender Körper bttrachtei 
wird| so muCs sich för ihn das Verhähnils zwischen den Zei- 
ten des Fallens und den durchlaufenen Räumen au&nden 'las- 
sen , welches auf folgende einfache Weise geschehn kann. Ver- 
bindet man die Puncte oa und aa durch gerade Linien uod 
denkt man die Kugel auf diesen fallend , so ist damit der Fall 
auf der geneigten Ebene gegeben. Die Fallgesetze der KOrper 
auf der geneigten Ebene sind aber bereits oben* abgehandelt 
worden, sie werden am leichtesten auf das rechtwinkelige Dreieck 
zurückgeführt, wobei die H3rpotenuse die geneigte Ebene bildet, 
IS' und es folgt aus ihnen unmittelbar , dafs jeder fallende Körper 
in eben der Zeit auf der Kathete b a herabfallt , in weicherei 
in der Richtung der Hypotenuse d a lothrecht herabfallen \nirde. 
Die allgemeine Formel für den freien Fall der Körper giebt al)er 
s = gt^, wenn s den durchlaufenen Raum, t die Zeit tfndg 
den Fallraum eines Körpers in einer Secnnde bezeichnet^, und 
wenn daher statt des Raumes = s die doppelte Länge des Pen- 
dels =3 21 gesetzt wird, daac = cd=cb, also der Länge des 
Pendels gleich ist, so folgt, dafs für den halben Schwang des 
Pendels 21 = gt^ seyn mufs, also für den einfachen Schwoog 

rJTT 
_. Allein die hierbei angenommene Yor- 

g 
aussetzung , dafs namHch der schwere Körper auf der Chorde 

ba herabfalle, findet in der Wirklichkeit nicht statt, vielmehi 
fallt er durch einen Theil des Kreisbogens, Man übersieht nun 
zwar leicht, dafs die Chorde um so weniger von dem ihr zuge- 
hörigen Bogentheile verschieden seyn müsse , je kleiner sie ist^ 
und da der aufgestellte Hauptsatz für jedes rechtwinkelige 
Dreieck gilt, dessen Hypotenuse ad ist, so könnte man das Bo- 
gentheil b a oder den halben Schwung des Pendels beliebig klein 
nehmen, um den Unterschied desselben von der Chorde ver- 
schwinden zu machen ; allein eines Theils bleibt dieses allezeit 
nur eine Näherung, die man bei einem so feinen Instrumente, 
als das Pendel ist , zu vermeiden suchen mufs , andern Theils 
sind so kleine Schwingungen des Pendels schwer zu beobach- 
ten , dauern nicht lange genug und das Pendel überwindet bei 
ihnen minder leicht die sonstigen Hindernisse seiner Bewegung. 



1 Bd. JII. S. 66, 

2 S. oben Bd. IV. S. 6^ 



'KiiifaGhes matbemaUcolie«. ^309 

Ehill^.l|«yna<^ imtiä^nusi entspringende Fehler vermieden wer- 

imi 90 mnb'tim den schweren Köiper des Pendeb als einen 

asf voigetchnebenem Wege iallenden betraphten utfd hiernaeh 

die VexhältoiaM aufsuchen | in welchen die Sbhwiqgungszeiten, 

die liängen Am Pendels , die Gröjae der Schwingungsbtfgen und 

dje'dwoh die, Schwere gegebenen Fallräume mit ein«iiider stehn, 

iMÜdiM mubdiurch h(jhere Rechnungen zu geschehn pflegt^. In- 

Ippabeji^diese Untersuchungen oben ^bereits in genügendem Um- 

f^p miiqretliaiU worden sind und dab^i sogleich nkht bioDs auf d^e 

üpMiigiingtin gewöhnlicher Pendel durch Bogentheile desKrei- 

mp.MHoA^iBf^ auch des Cykioidalfifnd^la .^urch Bogentheile-der 

QJdbUtlUiolQncht genommen ^^rorden ist, eo genügt es hiei;p auf 

jiie «a^vjuwaisen, und ich beschränke mich daher blols cur Be« * 

. nyniiljchteit imf dieMittheüung der dort gefundenen allgemeinen 

GkidniDg jxwischen den genannten Gröfsen, wonach für die 

Mtaatf^^e l4Ünge des Pendels =3 1, ^en Fallraum eines Kör-» 

Mp im, learen Räume und im Niveau des Meeres =;=^ , den 

Woilitinnswinlrol . dm Pendels oder den Winkel, welchen die 

linkt desselben bei ihrer grölsten Entfernung von der verticajen 

IJIjiiesrr bildtt^ =: a und das Verhältnifs des Kreises zjim 

IMunessex s= 9s die Zeit des einiacheiji^SchWungies 

i /^ 1 /1\* Sin.vers.a 

iiti Auch hieraus geht hervor, dafs für sehr kleine Bögen der- 
jeiugf Factor, welcher die einfache Potenz des Sin. vers. enthält, 
line nicht merkliche Gröfse giebt, dals aber die höheren Poten- 
zen desselben , auf jeden Fall die im mitgetheilten analytischen 
Ansdracke nicht mit aufgenommenen, fuglich »vernachlässigt wer- 
den können. Läfst man alle Glieder der unendlichen, aber 
schnell convergirenden Reihe weg , so erhält man die einfache 

foffiiel' t^^Y zJij und aus einer Vergleiohung dieser mit der 

oben gefundenen ergiebt sich das Verhältnils der Zeit eines im 

7t 

Kreisbogen tmd eines auf dfr Chorde fallenden Körpers s=-:2 

' ' .\ ' " . 

1 Eine elementare Demoostration dieses SaUff giebt unter an- 
dern Kolik in Wiener Zeittcbrift. I. 837. 
t Bd. nr. S. ib bis 23. 



- \ 



< ", 



310 Pendel. 

oder im genäherten Werthe 1,5708 : 2, worans^^Älso hervoi^cht, 
dafs ein Körper beim Falle durch eine Curve weniger Zeit ge- 
braucht , als auf der ihr zugehörigen Chorde. 

B. Zusammengesetztes oder physisches Pendel. 

Die fiir die Construction des einfachen mathematischen Pen- 
dels angenommenen Bedingungen sind in der Wirklichkeit uner- 
reichbar ; es giebt also ein solches Pendel überall nicht. Weil 
es aber zugleich das einzige absolut richtige ist, so hat man «ch 
bemüht, die Abweichungen der möglichen physischen Pendel 
zu berechnen und dadurch die letzteren auf das erstere zariidK- 
zuführen. - Eine nähere Angabe dieser Red uctionen «wird 'zeigen, 
dafs sie für manche Pendel allzuschwierig und mühsamer sind, 
als dafs der hieraus zu ziehende Vortheil den erforderlichen Auf-* 
wand belohnen sollte ; man beschränkt sich daher nur auf solclie 
Pendel, welche mit vorzüglicher Genauigkeit constrnirt fSr 
schärfere Messungen bestimmt sind , und begnügt sich bei allen 
andern mit empirisch oder nur in genähertem Werthe gefunde- 
nen GrÖfsen, z. B. bei den gemeinen Uhrpendeln oder solchen, 
durch die gewisse Maschinen in regelmäfsige Bewegung gesetzt 
werden. Folgendes sind die vorzüglichsten Constructionen der 
physischen Pendel. 

a) Eine Kugel, und in seitnern Fällen, wenn besondere Um- 
stände dieses erfordern, ein Cylinder oder ein aus zwei mit ih- 
ren Grundflächen verbundenen Kegeln bestehender Doppelkegel 
wird an einem Faden aufgehangen. Man nimmt zur Masse die- 
ser schweren Körper der Pendel meistens eine Kugel von Mes- 
sing, weil deren Durchmesser leichter mit der erforderlichen 
Schärfe bestimmt werden kann , für schlechtere Apparate Blei, 
in seltnen Fällen Platin und für specielle Untersuchungen auch 
wohl Elfenbein oder Holz. Der Durchmesser dieser Kugeln, 
Cylinder oder Doppelkegel kann von etwa 0,5 bis 2 Zoll ver- 
schieden seyn. Der Faden besteht für feinere Versuche aus Me- 
tall (Stahl, Silber, Kupfer, Messing, Platin), für gewöhnliche 
aus Seide oder Leinen ; die französischen Akademiker nahmen 
bei ihren Messungen unter dem Ae^ator einen Alot^ -'Fladen. 

b) Eine einfache, gleichmafsig dicke, runde, vierkantige, 
oder sonst willkührlich gestaltete, gerade Stange wird zwar sel- 
ten und meistens nur bei Thurmuhren als Pendel verwandt, in- 



Zusammengesetztes physisches« 311 

nrischen ist es nicht überflüssig, auch diese Construction, ihrer 
mfachheit wegen , hier zu erwähnen. 

g) Die gebräuchlichsten Pendel bestehn aus einer mehr oder 
linder schweren Linse an einer Stange. Letztere ist nur des 
;enogeren Preises wegen bei den schlechtesten Uhren rund , in 
dien andern Fällen schon zur Bestimmung der Richtung, in 
Brekhsr die anf derselben verschiebbare Linse schwingt, stets 
kaotig. Für genaue Pendel wird das Material und die Form 
dnidi anderweitige, später zu erörternde, Bedingungen bestimmt. 
Dem an ihr hängenden schweren Gewichte giebt man die Lin- 
Moform, dasüt bei den Oscillationen die Luft weniger Wider- 
iliod leiste ; allein dieses beruht hauptsächlich auf einem alten 
Vonirthflile, indem bei Uhrpendeln das hieraus erwachsende 
Hiademils als cönstante , durch wechselnde Dichtigkeit der Luft 
BOT nnmerklich sich verändernde , Gröfse corrigirt werden mufs 
nol die neuesten Quecksilberpendel auch durch die Erfahrung 
dii Tauglichkeit der Gylinderform bei den Gewichten der Pen- 
dal beorkunden. Nebenbei ist übrigens die Linsentorm für die- 
Ma Zweck eine der gefälligsten und den übrigen Theilen der 
Affaate am angemessensten, weswegen sie mit Recht beibehal- 
In.wird. Das Gewicht solcher Linsen ist oft beträchtlich groCs 
bbI beträgt von 0,5 bis zu 50 Pfd. und darüber, bei den Uh- 
ren namentlich deswegen , damit der Impuls , welchen das Pen- 
del bei jeder Schwingung durch das Uhrwerk erhalt, um es 
fortdauernd schwingen zu machen , die Regelmäfsigkeit der 
Oscillationen nicht aufhebe. Unter die Glasse der Pendel, wel- 
che aus einem schweren Gewichte an einer Stange bestehn, kann 
Quui ferner alle diejenigen Vorrichtungen aufnehmen , welche 
zum Heben von Lasten oder zur Bewegung von Maschinen be- 
mitzt werden, z. B. die Schwengel an den Pumpbrunnen, die 
pendelarti'gen Hebel bei manchen Keilpressen, und es ist minde- 
stens sehr wahrscheinlich, dafs manche Maschinen, welche durch 
die Kraft der Menschen vermittelst der Kurbel bewegt werden, 
ronheilhafter vermittelst solcher Pendel bewegt werden könnten. 
SodÜch gehören hierher auch die bereits* beschriebenen Centri- 
Bgal - oder konischen Pendel , welche aus einem sphäroidischen 
lewichte an einer meistens runden Stange bestehn und mit ihrem 
Dtern Ende einen Kreis in der horizontalen Ebene beschreiben. 



1 Oben Bd. H. S. 83. 



312 Pendel. 

d) Unter die in den neuesten Zeiten am häufigsten za den 
feinsten Messungen gebrauchten Pendel gehört das durch Caft. 
Katbr erfundene und nach ihm benannte 'Kater'sche Rever^ 
nontptndel, sonst auch unveränderliches Pendel genannt , weil 
man beim Gebrauche desselben an verschiedenen Orten der Erde 
die Länge desselben unverändert läfst und die absolute Lange 
des .einfache^ Secundenpendels fiir die gegebenen Orte aus der 
genau beobachteten Zahl der Schwingungen berechnet» Die 
nachfolgenden Untersuchungen werden nämlich zeigen, dafs die 
Reduction des physischen Pendels auf das einfache oder mithe- 
matische und somit also die Bestimmung der absoluten LSnge 
des letzteren aus dem ersteren nicht blols höchst schwierig, son- 
dern mit der hierfür erforderlichen Schärfe fast unmöglich iit 
Als daher Caft. Katb a ^ von der Kön. Societät in London den 
Auftrag erhielt, diese genannte Bestimmung mit grölster SchärCi 
aufzusuchen , weil man das englische Fundamentalmals auf diese 
Gröfse zu gründen beabsichtigte, so erfand er nicht nur dietei 
Reversionspendel , sondern führte es auch sofort in einem hobea 
Grade der Vollkommenheit aus und bewährte die Brauchbar 
keit desselben durch eine bedeutende Reihe sehr genauer Beob* 
achtungen , so dafs es also mit Recht nach ihm genannt zu wer- 
den verdient, obgleich Y*BoHNEirBEROSR^ schon früher auf dea 
Gebrauch desselben aufmerksam gemacht hat* 



1 Phil. Trans. 1818. p. S3 ff. 

2 Astronomie von J. G. F. Bohnenbebger. Tüb. 1811. S. 448. 
BonNEKBERGER thcilt an dieser Stelle nicht blofs die Theorie dieses 
Pendels mit, die er einfach aas den durch Huyghens (Hugenii horoL 
oscill. P. ly. prop. XX) aufgestellten Hauptsätzen ableitet, soodera 
giebt auch die Construction und den Gebrauch eines solchen Feadelt 
vollständig an, so dafs er hiernach der Erfinder desselben genaoDt 
werden könnte. Es ist indels yöJlig erwiesen, dafs Kater bei seiner 
gänzlichen Unkunde der deutschen Sprache hiervon durchaus niclits 
wufste nnd also aufs Neue der eigentliche Erfinder za nennen ist, 
um so mehr, als die unmittelbare praktische Anwendung desselben 
ihm hierauf ein Kecht giebt. Dafs Front keine Ansprüche auf difl 
Ehre dieser Erfindung habe , hat Kater selbst Phil. Trans. 1818. p« 
S5 nachgewiesen, Yergl. Bohnekberger in: Naturwissenschaftliche Ab- 
handlungen. Tüb. 1826. S. 12. Bailt in Phil. Mag. and Ann. of 
Phil. T. V. p. 97, wo die durch Prony in Legons de m^canique ana- 
lytique T. 11. p. B04 angegebene Construction eines Pendels mit 8 
Messerschneiden näher erläutert wird. Pasqdicb ia Mon. Cor. XU. 1S7. 



Zaaammengesetztes physiaches. ' 313 

Zur ODDStruotion eines Reversionspendek gelangt man durch 
br einfacfae Mi|teL Eine möglichst gleichförmig gearbeitete 
tange AB ^ohne das bewegliche Gewicht n) werde an zwei^^^g« 
nncten mit zwei gleichen Messerschneiden C und c versehn, ' 
«ren Schneiden in der Axe der Stange liegen , wahrend ihre 
ntgegengesetzten Grundflächen einander parallel sind. Will 
Bin im Voraus den Abstand beider Messerschneiden von ein- 
mder so bestimmen, dafs das Pendel ein richtiges Reversionspen- 
id ist, so muls zuerst nur die eine derselben angebracht, alsdann 
vermittelst einer kleinen schweren , an einem möglichst dünnen 
Faden aufgehangenen Kugel dsie 'Länge des gleichzeitig mit der 
lof der eineiL Messerschneide schwingenden Stange oscilliren- 
len (einfachen} Pendels aufgefunden werden , und diese giebt 
Inn den Abstand beider Messerschneiden von einander« Aus 
Itr Natur des Pendels folgt dann, dafs das Stangenpendel, wenn 
B tof äei Messerschneide, C ruht, demnächst umgekehrt und 
mf der Messerschneide c aufgehangen wird, beidemale in glei- 
dmi Zeiten oscillirt« Findet nämlich die Oscillation um die 
Sdilife der Messerschneide C statt, so liegt der Schwingungs- 
hpn in der Schärfe der andern c , beide müssen daher bei der 
'flakehrnng des ganzen Pendels verwechselt werden und der 
üktand beider von einander giebt daher einfach die Länge des 
mathematischen Pendels. Leichter ist es, wenn man noch oben- 
drein zugleich ein genaues Secundenpendel herstellen will, die 
Stange etwa 12 bis 15 Zolle länger zu machen, als die Länge 
Jea einfachen Secundenpendels beträgt, die eine Messerschneide 
nahe am einen Ende , die andere einige Zolle weiter entfernt, 
ib die Länge des Secundenpendels beträgt, anzubringen, ver- 
inttelt eines feinen Lothes durch Wegnehmen von der Stange 
in der einen oder der andern Seite diese so .herzustellen, 
lafs beide Schneiden genau in die verticale Ebene fallen , als- 
lann das cylinderförmige Gewicht n anzubringen und das auf 
ler Messerschneide C schwingende Pendel durch Verschiebung 
der benöthigten Falls auch Veränderung des Cylinders n und 
ibnahme des untern Endes der Stange^ zu einem genauen Se- 
sndenpendel zu machen , worauf sich zeigen wird , dafs es 
ach der Umkehrung in gleichen Zeiten schwingt, und es giebt 



1 Dieses bringt anch Bailt in Yorsohlag. 8. Phil. Mag. and Ann. 
Phil. T. JV. p. 1S7. 



314 Pendel. 

dann der Abstand beider Schärfen von einander genau die Länge 
des einfachen Secundenpendek , wenn dabei die später zu erör- 
ternden Reductionen angebracht werden. 

Nach diesen allgemeinen Principien constmirte Katkr iss 
gleich anfangs von ihm gebrauchte Reversionspendel , wonach 
später eine Menge andere von unveränderlicher Länge für die 
feinsten Messungen verfertigt worden sind. Dasselbe bestellt 

^' aus einer Messingstange ab, in welche zwei dreieckige Lochet 
zum Durchstecken der Messerschneiden a^ ß in einem Abstände 
von 39}4 Zoü geschnitten sind. Ueber denselben , die obere 
Seite des Loches genau berührend, befinden sich an jedem Ende 
zwei messingne Platten mn, m'n', 6 Zoll lang, angeschniibt, 
zwischen denen' die Messingstange noch zwei Zolle hervorragt, 
in den Raum der übrigen 4 Zolle sind zwei 17 Zoll lange hd- 
zerne Stäbe g h , g' h' befestigt , an deren Enden feine Fisdir 
beinstäbchen 1 und 1 hervorragen. Das messingne Gewicht f, 
ein Cylinder von 3,5 Zoll Durchmesser, 1,25 Z. Höhe und 2 Pfd. 
7 Unzen Gewicht, ist auf die Stange geschoben und durch einea 
konischen Stift unbeweglich festgesteckt. Noch zwei anden 
kleine Gewichte v und w sind auf der Stange beweglich und 
durch eine OefiPnung des gröfsern kann die Eintheilung aof dem 
Stabe abgelesen werden , um seinen Abstand von der Mitte ge- 
nau zu bestimmen. Die Messerschneiden des ersten Pendels 
sind von Wootz gemacht , die spätem werden aus hartem Gub- 

J^' stahl verfertigt; sie ruhn gewöhnlich in den Einschnitten a, b 
der Unterlage von Glockenmetall , welche durch die Schraube c 
niedergelassen wird und sie dann sanft auf 2 Achatplatten her- 
absinken läfst , die ihnen während der Dauer der Beobachtun- 
gen zur Unterlage dienen. t 

Das Aufhängen der Pendel im Allgemeinen geschieht auf 
verschiedne Weise. Nur bei schweren, zur Bewegung von Ma- 
schinen bestimmten , Pendeln darf man Zapfen anbringen , die 
sich wie Axen in Löchern bei jeder Schwingung drehn , W«l 
diese auch bei kleinen Durchmessern zu grofse Reibung verur- 
sachen. Für die feinern Uhrpendel giebt es nur zwei Arten des 
Aufhängens , entweder auf der Messerschneide, oder gewöhnli- 
cher an einem Stücke einer Uhrfeder. Nach theoretischen Grün- 
den scheint es, als müfste die Messerschneide, wenn ihre Schärfe 
eine gerade Linie bildet und vorzüglich fein ist, den richtigsten 
Gang der Uhr geben, allein die Erfahrung aller Astronomen 



• • 



• * . ' 

Zttaaninengesetztes pbya^iacheiu 31$ 



ilf d^.lBurfeder ^ Vorfsng, oha^.^afs j^dofibd» UrsAchf 
gfvon-iPit Ssidi!p;i ; |i »i lt ao^ßfuDden woxdßn i«t«> Beider Anf«^ 
dbaDjg dieser le^iptem muf». mau wohl berücksichtigen , dafs 
bipeodel nioht in 30 Ueioen Bögen scbwipgen, als sonstige 
i sehr ftjnen . MejMBupgen dienende Pendel , indem bei jenen 
ie glQj|(.JGiena B(5gei) als stets gleichbleibende constante Fehler ein 
k 41^^ *Q*g^S^9h^ werden , die Uhrwerke af^ dem £ip«^ 
DM kleiner Fehler in. ihrem Baue nicht so leicht nnterworfen 
iiii^. wann ihre Pendel in etwas grl^fsern Bdgfjn schwingen. 
^m^ -findet die; Ursache darin , dafs die Messerschneide 
brck dei^ bei jeder Schwingung vom Uhrwerke erhaltenen lai'*> 
mb, wfpL eine unmerkliche Gr^tjfse seitwärts gerückt wird , und 
laftlicb idnrch die Länge der Zeit feine Staubthellchen «ntier 
Bsil^b^ legen , auch die ungleiche Flüssigkeit def .iQeles. bei 
nnj^mUndeg Temper^tt^r eiQe Lage von verschiedener Dicke 
mlsr ihnen bildet. Ohne über eine so schwierige Anfgabf.mir 
n fNitscheidendes Urtheil anzumatsen , machte ich auberdem 
I9)9ll,el;\pehn|e^, .41^ die Uhrfeder, die sich Juünunt, |n4«m 
u4(^ nicht in der untern Ebene der l^emme hin qpd her be- 
WfjfDIJkann, eben hierdurch den Kreisbogen der Schwingung 
l9](!|jUoide näher bringt, so dals die imvermeidJtMien Verän- 
iera^gtn der Gr(}l!se der Elongations^nkel hiernach ihren Ein- 
ids verlieren. 

Die zu feinen Messungen bestimmten Pendel mit steifen 
hingen I namentlich die Kater^schen Reversions- und andere 
larennderliche Pendel, schwingen ingesammt auf der Messer- 
ichiieide, d. h. auf der Kante einer dreikantigen, horizontal 
landen Säule, deren Seitenflächen, welche die untere ru- 
leade Kante begrenzen , einen Winkel zwischen 45° bis 90®, 
Beistens von 60° einschliefsen. Auch hierbei ist es ganz noth- 
vendig, dafs die untere Kante eine gerade Linie bilde und mög- 
icbt scharf sey. Um bessfer geschont zu werden , ruht diese 
ttenerschneide gewöhnlich in Einschnitten von Glockenmetall 
>der Messing, wird aber beim Gebrauche auf ganz ebene Plat- 
M von Achat herabgelassen , die man in der Erfahrung besser 
ll solche von gehärtetem und polirtcm Stahl befunden hat- 
iiTsa wollte seinem oben beschriebenen Pendel auch in die- 
T Beziehung den höchsten Grad der Vollendung geben und 



I • 



1 Nach müodlieher Blittheilong, 



f ^ 



316 Pendel. 

verfiel daher auf das Mittel, zur Erreichung der gröfsten Harte 
die Schwingungen auf Diamantspitzen zu bewerkstelligen , allein 
er konnte keine hierzu geeignete finden , und als er später eine 
Kugel wählte , die in einer sphärisch vertieften Höhlung rollte, 
und deren Gentrum daher allezeit in der Schwingungsaxe liegen 
mufste , war die Reibung zu gröfs , oder nach deren Beseitigung 
wurde die Kugel schon bei einem Elongationswinkel von 3,5 
Graden aus ihrer Vertiefung geschleudert. Auch ihm schien 
daher die gehärtete stählerne Messerschneide am geeignetsten. 

Unter die zu den feinsten Messungen vorzüglich geeigneten 
Pendel gehören hauptsächlich auch die Kugeln an einem feinen 
Metallfaden hängend. Früher pflegte man allgemein den Fadei^ 
am obern Ende in einer Klemme zu befestigen, deren upteie 
Fläche dann den Oscillationspunct gab. Bessel^ wählte dage- 
gen eine andere Vorrichtung , indem er den Metallfaden unten 
in eine Klemme befestigte und diese in die Kugel schraubte, 
oben dagegen gleichfalls mit einer Klemme und diese mit einem 
sehr dünnen Streifen Messingblech versah, welcher sich um einen 
feinen Cylinder wickelte , so dafs hiernach der Mittelpunct der 
Kugel einen Bogen derjenigen Curve beschrieb, deren Evolute dei 
Durchschnittskreis des Abwickelungscylinders war. Der benilunte 
Astronom begnügte sich indefs hiermit nicht, sondern zog snr 
Erweiterung der Wissenschaft auch die Frage in den Kreis sei- 
ner Untersuchungen, welchen Einflufs es auf den Mittelpunct dei 
Bewegung eines Pendels hat, wenn das obere Ende desselben 
um einen Cylinder geschlungen , oder in einem unbeweglichen 
Halter festgeklemmt ist , oder dieser letztere sich auf der Mes- 
serschneide bewegt. Eine Vergleichung aller drei Resultate er- 
gab , dafs die dritte Art den Mittelpunct der Bewegung merk- 
lich höher hinaufrückte , als die beiden erstem ^. 



1 Untersuchungen über die Länge des einfachen Secundenpen- 
dels von F. W. Bessel u. s. w. Besonders abgedruckt aus den Ab- 
handlungen der Academie zn Berlin für 1825. Berlin 1828. Mit zwei 
Kupfert. Dieses classische und für jeden unentbehrliche Werk, wel- 
cher selbst Versuche mit dem Pendel anstellen will , werde ich künf- 
tig nur kurz durch: Bessel^s Untersuchungen bezeichnen« 

2 Bessel's Untersuchungen S. 49. a. 215, 



AUgemeine Beatimmnngeiu 317 



r- ■ 



J. Allgemeii)e Relationen«. d#r- durch die 

• ■ ■ 

Pendel ge'^ebenen Beatimiii4i>ngen.:; 

Es ist beralt^ oben (nnter A) angegeben woidfu, dau für 
man ganse PendeladbwioguDg die Zeitdauer es tdenelboQ 

+ (§fl)X^)'+"Tf • 

Hnmt Bum die Snirnn^ der in die Parenthese eiogeschlossenen 

tasiami sa S , so ist kürzer t = 4 9t. S. f±i. Ist der Elon-- 

■ g . 
||i fioii aw i nkeI des Fendeb so klein , dals der Werth der durch 

t hepejchwetcn unendlichen Reihe ab unbedeutend vernachliis- 

^ wsiden kann, so wSre t = ^ tt [ _, woraus ako folgV 

llfr d^ Pendel in beliebig groCsen Bögen isochronisch schwin* 
f|^)''^(Mrpusgesetzt, d«b diese Bögen oder die Elongationswin- 
iM tog esämmt klein genug sind, um denl/^erth der Reihe 8 
fi^(winden %a machen«. So viel ist in Beaiehang auf diesen 
dfpmein angenommenen Satz einmal gewifs, daCi! di'e hohem 
(Mensen der Reihe .3 . wegen ihrer schnellen Convergenz jBir 
■iUg grolse Elongationswinkel füglich vernachlässigt werden 
jnbn, nicht so aber verhält es sich mit der ersten Potenz. Es 
^jB&tigt nämlich selbst für einen Elongationswinkel s=: a von 5^ 
nd 1 = 1 gesetzt das dritte Glied der jEleihe nicht mehr als 
(W)00OO5O83 . . • M also eine auber den Grenzen der Messung 
Bageiide Grobe ; dagegen beträgt das zweite jGlied für a :;?= SO' 
aar 0,0000046, für « = 1« nur 0,0000190, für a = 1* SO' 
aar 0,0000428, füra = 2* nur 0,0000761, für a = 2» Zff 
aar 0,0001189, für a = 3* nur 0,0001463, für a = 4* nur. 
QD0O3O44 und für a = 5"" schon 0,0004756. 

Wenn man ferner annehmen mübte^ dab die bewegende 
Kiaft der Schwere an zwei Orten der Erde verschieden sey, 
4so an einem = g , am andern = g', so würde der Werth von 
tgsändert werden, wenn man nicht vielmehr den Werth von 1 
in einen andern = Y umänderte. Wäre dann t es t , oder än- 
derte man an beiden Orten die Pendellänge in sofern ab ^ dab 
die Pendel an beiden isochronische Schwingungen machten, so 



318 Pendel. 



wäre 



mithin 1 • ^' = g • g'> 

d, h. , die Längen isochronischer Pendel verhauen sich zu eh' 
wider tpie die beschleunigende Kraft der Schwere» Hieraus er- 
giebt sich, wie es möglich ist, aus der Länge der an verschiede- 
nen Orten in gleichen Zeiten schwingenden Pendel (der Secun- 
denpendel) die beschleunigende Kraft der Schwere und hieraus 
die Gestalt der Erde auszumitteln. Ware dagegen die Länge 
des Pendels an zwei verschiedenen Orten der Erde gleich, die 
beschleunigende Kraft der Schwere abet ungleich, so würden 
auch die Schwingungsteiten ungleich werden, upd ea folgte 
dann aus der Formel t : t = f^g^- Y^ d. h. die SchwingungS' 
Zeiten würden den Quadratwurzeln aus den beschleunigenden 
Kräften der Schwere umgekehrt proportional seyn. Man kann 
also die ungleiche Schwere der Erde «bensowohl durch die un- 
gleiche Länge der einfachen Secundenpendel, als durch die un- 
gleichen Schwingungszeiten der unveränderlichen Pendel anf- 

• n^l 

üuden. Aus der Formel folgt ferner g = ^r-^^ und esläfst sich 

also der Raum, durch welchen ein Körper vermöge der be- 
schleunigenden Kraft der Schwere in einer Zeitsecunde herab- 
fallt , mit derjenigen Genauigkeit durch das einfache Secunden- 
pendel auffinden , womit die Zeit und die ihr zugehörige Unge 
des einfachen Secundenpendels gefunden werden kann. Ist end- 
lich die Zeit einer Pendelschwingung, welche der Pendellänge 
==: 1 zugehört, = t, die eines andern für die Länge = X da- 
gegen = t', und ist die Zeit, worin eine gewisse Anzahl =:N 
Schwingungen durch jenes beendigt wird, = T , für dieses da- 

T / T' 

gegen nach N' Schwingungen = T', so ist t = ^ und t =im>i 

weil bei beiden alle Schwingungen eine gleiche Zeit dauern« Es 
folgt aber aus der Hauptförmel , dafs t : t' = |^T • Kf, J« ^ 
die Schwingungszeiten perhalten sich wie die Quadratwur^ 
zeln aus den Pendellängen y wenn die beschleunigende Kraft 
der Schwere unveränderlich bleibt oder wenn die Schwingun- 
gen an einem uhd demselben Orte stattfinden. Indem aber statt 
dessen auch gesetzt werden kann t^ : t'^ = 1 : T, so folgt hier- 
aus, dafs man die Zeiten auf das Quadrat erheben müsse, um 
die ihnen zugehörigen Pendellängen zu finden. Ist also t = 1 



V 



Allgemeine Beslimmungen. \ Ji9' 

ennde -lud £• ihr sqgefa^ge P«iid«11ätige=s 1, M-^nrird 

r ein Pendel, welches helbe Secunden schlägt, i 1 erforder-^ 

h seyn. Es folgt hieraus leicht , dab Pendel för 1 , fiir | 

id 2 Secnnden fäglich eonstruiirt werden können, die übrigen. 

wQhnlicfaen Zeitabtheilangen aber dnrch Pendel ganz nner* 

ichbliT.sind. Wäre nämlich die Länge -des Secundeni^e^del^ 

genähertem Werthe =: 440 par. Lin. , so würde die des Ter- 

i • 1 . ' .' , 

BBptndels 3^S7j;t^9 ^^ nicht viel über 0,1 p^. Lin., die des' 

Gnntenpendels aber 3600 l, also 11000 F* betragen. . 

Die angegebenen Gesetze lassen ^äch leicht durch Versache 
■rhtiilirh machen. Man nehme zu diesem Ende ein dem ein-^ 
ishto »(glichst nahe kommendes Pendel , nämlich eine- pfifft 
y7& ZoU im Dnrißhmesser haltende Messingkngel, deren Schwin- 
■igaoentnim man ohne merklichen Fehler in ihrem* 'Mittel«« 
fepefe liegend ansehn kann, hänge sie- an einem längere '2!eit' 
ugadehnten, also nicht mehr bedentend- dastisclfen S^Wilrä»^* 
slan anf , messe an diesem vom Mittelponete der Kegel tii'44Ö 
Mr. Lin.. ab ^ klemm», in- dem so erhaltenen Puncte den^äden- 
idutf «wischen dei| Fingern oder in einer Klemme fest, so 
eid äwi ein Pendel erhalten, welches so genau Seounden , 
(cMogt, daCs die Abweichung von eitlem vöUig richtigen Se<-> 
andtnpendel leicht geschätzt oder durch Veränderung der Fa- 
ledaDge empirisch corrigirt werden kann, wie die Vergleichung 
■it einer richtigen Secundenuhr ergeben wird. Um dann hier- 
VI ein Pendel für halbe Secunden zu lerhalten , darf man diese 
Zait nnr auf das Quadrat , also i erheben , und der vierte Theil 
1« Pendellänge, vom Mitte]puncte> der Kugel an gemessen, 
|ubt.das gesuchte Pendel meistens mit überraschender, minde- 
■ties für die Demonstration hinlänglich genügender 'Genauigkeit. 
Za' einem zweiten Versuche nehme man ein Gestell, welches. 
*QS einer unbeweglichen verticalen Stange A B mit einem hori« Flg. 
<QittaIen Arme C A besteht. Von letzterm lasse man an je zwei 
^oivargirenden Fäden die Kugeln a, ß und y so herabhängen, 
^ die verticale Höhe derselben die Längen 1, 4) 9 beträgt, 
"td setze alle drei gleichzeitig in Schwingungen , so werden 
^ Zeiten 'derselben in- den Verhältnissen 1:2:3 zu ein- 
^der stehn, mithin die Mengen der in einer gegebenen Zelt 
^endigten Schwingungen sich wie '3:2:1 verhalten. Die 
ersache geben eine Genauigkeit der Resultate, die für %o 



330. : PendeL 

fttine Beoba^htungeD mit so groben Apparaten allerdings übena- 
achend sind. 

Beide Versuche ergeben , dals die Pendellängen sich um- 
gekehrt verhalten "wie die Quadrate der Schwingungsmengeiii 
und eben dieses lälst sich auf folgende Weise zeigen« Nach 

der letzten Formel ist I : f =: t ^ : t'^ : da aber oben t ss =; 

Bl 

T' 
und t' s=^-=^ gefunden ist, so wird durch Substitution dieser 

Werthe 1 : Y =^7-2 ' -^z »"^ sonach für T = T' 

1 : r =N'2 : N^. Dieses Mittels bedient man sich^, um die 
Iiängen des einfachen Secundenpendels an den verschiedenen 
Orten der Erde durch ilie genaue Zählung der Schwingungen 
SU finden ,. da es zu mühsam seyn würde , ein Pendel so hersn- 
stellen t dafs es genau 86400 Schwingungen in einem Tage, tef 
es Sternenzeit oder mittlere Sonnenzeit, vollendet. Wäre näm« 
lieh die Länge des zur Beobachtung gegebenen Pendels ss l^ 
die de3 einfachen Secundenpendels =1% so ist allgemein 

l.N * 

r = * / f worin N= 86400 für ein Secundenpendel le- 

tragen würde. Weil aber N und INT wenig von einander ver- 
schieden sind, so findet Bio T es bequemer, N = M' + n zn 

setzen, wodurch dann 1' = 1 +-t^ + -j^ wird, so daftdie 

beiden letzten Glieder den Unterschied zwischen Y und 1 enge- - 
ben. Wäre n so klein , dafs das letzte Glied füglich vernach- 
lässigt werden könnte und der Unterschied durch das zweite il- - 
lein mit hinlänglicher Genauigkeit erhalten würde , so entStande «, 
hieraus allerdings eine Erleichterung des Calcüls , die mir jedoch ^ 
zu unbedeutend scheint, um von der Anwendung der eigendi- 
chen Formel abzugehn. 

D. Beobachtung und Zählung der Pevr | 

del Schwingungen. 

Wenn das Pendel blofs dazu dient, den Gang einer Uhr zu 



' 



1 Trait^ ^Mmentaire d^astrooomle phjsiqnei par J. £# Bior. 
lü. Tom. Par. 1811. T. III. Addit. p. 149. 



Beobachtung desselben. 321 

eguliren, so beobachtet man seine Schwingungen nicht nnmittel- 
lar, indem die Zahl derselben vielmehr durch die Uhrseiger an- 
;egeben wird ; die einzige Sorgfalt ist daher bloüs darlillf gerich- 
et , daCi dasselbe allezeit unveränderlich bleibt , sobald es ein- 
aal diejenige Einrichtung erhalten hat, in deren Folge es unter 
len- verschiedenen unvermeidlichen Bedingungen binnen 24 
Stunden 86400 Schwingungen macht. Es ist indefs bereits oben^ 
•ezeigt worden, dafs man das Pendel dazu angewandt hat, um 
lie Unterschiede der Schwere an den verschiedenen Orten der 
Irde und hieraus die Gestalt der letztern aufzufinden . desslei- 
:hen dafs man die unveränderliche Lange desselben an einem 
;egebenen Orte als eine nie vergängliche Normalgröfte zur Be- 
itimmnng der Einheit des Längenmafses zu benutzen vorge- 
ichlagen hat. In beiden Fällen kommt es sehr darauf an , die 
deinsten Gröfsen mit möglichster Schärfe su bestimmen, und die 
Pendelbeobachtungen gehören daher unter die feinsten und 
schwierigsten im Gebiete der physikalischen Forschungen. Nach 
len bisherigen Untersuchungen sind nur zwei Gröfsen durch die 
;enaaesten Beobachtungen auszumitteln , nämlich die Schwin- 
iUDgsxeiten und die absolute Länge des Pendels von der Schwin- 
;nngsaxe an bis zum Schwingungsmittelpuncte, dem centrum 
sciilationis ; es wird sich aber in der Folge ergeben, dafs noch 
lehrere andere Gröfsen mit der erforderlichen höchsten Genauig- 
eit aufgefunden werden müssen, deren einige jedoch, ja selbst 
le eben genannte absolute Länge durch eigenthümliche Con- 
hmctionen der gebrauchten Pendel Wegfallen. 

Wollte man die einzelnen Pendelschwingungen zahlen , so 
vare dieses nicht nur höchst mühsam , sondern es könnten auch 
«cht Irrungen im Zählen vorfallen , wodurch das Resultat be- 
Untend fehlerhaft werden müfste. Um diesem zu entgehn, 
ichlng DE Mairah ^ die Beobachtung der Coincidenzen vor, 
1. h. man solle das Pendel vor einer berichtigten Uhr aufhän- 
}eD, beide Pendel durch ein hinlänglich entferntes Fernrohr be- 
obachten und diejenigen Fälle aufzeichnen, wo ihre Schwingun- 
!en zusammenfallen , da es sich wohl selten oder nie ereignen 
^rd , dafs beide völlig isochronisch schwingen , so dafs also 



1 Art. Erde Bd. III. S. 879. und Art. Mafo Bd. VI. 

2 Boscovicu opp. pert. ad opt. et astron. 5 voll. 4« Bassano 
^85. T. V. 

Bd. VII. X 



322 Peudeh 

nothwendjg das eine jlem andern vorauseilen mufs f bis es nacb 
Vollendnng einer ganzen Schwingung mehr wieder mit dem- 
selben gleichzeitig oscilliren wird* Dieser Methode haben sich 
nachher' CoNDAMin, Cjissini und hauptsächlich de BoRDi, 
welcher von Einigen für den Erfinder derselben gehalten wird, 
BiOT und Arago nebst allen folgenden genauen Beobachtern 
bedient. Man stellt zu diesem Ende das Pendel vor eine genau 
regulirte Uhr , befestigt auf ihrem Pendel ein kleines Zeichen, 
z. B. ein kleines kreisförmiges Scheibchen Papier, am besten 
so , ^sSs dieses durch das %,u beobachtende Pendel oder ein anf 
demselben befindliches undurchsichtiges Object ganz bedeckt 
wird , wenn beide in der Verticale ruhig hangen. Alsdann be* 
festigt man in einer Entfernung von 24 bis 36 FuJEs ein Fern- 
rohr mit einem vor dem Oculare befindlichen verticalen Spin- 
nenfaden so , dals dieser die Zeichen beider Pendel deckt oder 
bisecirt* Werden dann beide Pendel gleichzeitig in Bewegung 
gesetzt, so mufs bei einer stattfindenden Ungleichheit ihrer. 
Schwingungen das Zeichen des einen sich von dem des andern 
entfernen, oder sie werden sich nicht mehr decken, bis die 
Entfernung beider ihr Maximum erreicht hat, welches nsch 
Vollendung einer halben Schwingung mehr oder weniger eintritt. 
Von da an werden beide sich wieder nähern , bis sie völlig sich 
deckend oder mit ihren Mittelpuncten zusammenfallend von der 
entgegengesetzten Seite her vor dem Spinnenfaden vo|rbeigehn 
und das eine der Pendel eine ganze Schwingung mehr vollendet 
hat. Demnächst werden sich die Zeichen nach der entgegenge- 
setzten Seite von einander entfernen , dann sich wieder nahem, ; 
bis sie völlig sich deckend von der anfänglich angenommenen <^ 
Seite her wieder vor dem Faden im Fernrohre vorbeigehn. Die« ^ 
ses genannte Zusammentreffen beider Zeichen in der Vertical« ^ 
heifst dann die Coincidenz. deren man allezeit zwei oder mehr- 
fache von zweien in Rechnung nimmt ^ so dafs nach zwei Coin- 
cidenzen die Zahl der beobachteten Pendelschwingungen Ni^ 
ist. Man erhält sonach die Proportion : Die Zahl der Schwmr 
gungen des V kr pendeis :=:zN verhält sich zu der Zahl der Schmn- 
gungen des beobachteten Pendels zwischen zwei Coincidenzeß 
= iV jf 2 , wie die Menge der Secunden der UJir in einemTag* 
= R zur correspondirenden Anzahl der Pendelschwingungen* 

Heilst letztere P , so ist P = ^^^-^^ = R ± t^ , wonach f 



l 



Beobachtung desselben. 323 

% 

lo dieSecnndenzahl der Uhr nach dem bestimmten Gange der* 

Iben bekannt seyn mufs. Geht dieselbe völlig genau , so ist 

fürSexagesimal-Eintheilung =86400, und je gleichförmi* 

T der Gang beider Pendel ist, desto geringer wird die Zahl 

2R 
»r Coinddeneen und desto kleiner der Bruch — seyn. Aller- 

ngs sind in diesem Falle die Coincidenzen schwerer zu beob* 
hten, allein dieses wird durch die Kleinheit der erforderlichen 
Drrection und die Geringfügigkeit eines unbedeutenden Fehlers 

der Bestimmung von N. aufgewogen. 

Es versteht sich hierbei von selbst, dals es nicht gerade 
)tfawendjg sey, beide Pendel vorher zur Ruhe zubringen, ja 

würde selbst leicht einen Fehler erzeugen , wenn man das In« 
rvall der ersten Coincidenz von dieser anfänglichen Bewegung 
I xählen wollte, nicht zu rechnen, dais die Gröfse des Elon- 
tionswinkels gleichfalls von Einfluls ist, die man daher vor- 
afig erst bis zu dem erforderlichen Werthe abnehmen läfst, bis 
in die geltenden Zählungen anfängt , die mit einer dann statt- 
idenden Coincidenz beginnen« Man hat aufserdem die he-^ 
hiiebene Vorrichtung in einzelnen auGserwesentlichen Stücken 
»geändert. So kann man unter andern, ohne beide Pendel 
feinander zu projiciren, ein Licht so stellen, dafs die Schat- 
n bei der Coincidenz zusammenfallen, in welchem Falle selbst 
IS Fernrohr entbehrlich wird , die Schatten aber für genaue 
eobachtungen sehr scharf seyn müssen« Capt. Sabive^ beob- 
htete den Augenblick, wenn das zum Zeichen dienende kleine 
cheibchen gänzlich verschwand^ und den, in welchem es an der 
atgegengesetzten Seite wieder zum Vorschein kam, wonach 
um die Mitte zwischen diesen beiden Zeiten die Coincidenz 
enau gab.' Bessel ^ fürchtete , dafs die Bewegung beider Pen- 
el störend auf einander wirken möge, und suchte dieses auf 
Reiche Weise als Caalini^ dadurch zu vermeiden, dafs er das 
^endel nicht dicht vor die Uhr, sondern in einem Abstände 
ron 8 F, 6,65 Z. von derselben aufstellte. Es ist nämlich eine 
lothwendi'^e Bedingung, dafs sowohl die Uhr, als auch der Pen- 



1 An Acconnt of Experiments to detennine tbe figure of tha 
lirth cet. Lond. 1825. 4. p. 16. 

2 UntersnchaDgcn n. t. w. 8. 11. 

S Effemeride di Milane 1824. App. p. SS» 

X 2 



324 Pendel. 

delapparat ganz unbeweglich feststehe, wie schon oben ^ bemerkt 
worden ist, weswegen auch zuerst Gipt. Katkr^ und späterhin 
Bessel den dort gleichfalls beschriebenen Apparat, das von 
Hardt erfundene Feder pendele dazu anwandten, um die Un- 
beweglichkeit beider Vorrichtungen , sowohl der Uhr, als auch 
des Pendelgestelles , zu prüfen. Aufserdem stelhe er, wie auch 
Carlivi und Plana gethan hatten, einen Kometensucher ohne 
Oculare in eine solche Entfernung zwischen beide \ dafs die 
Objectivlinse desselben das Bild des Pendels am Apparate ge- 
nau auf das an der Uhr warf und beide dann durch ein 15 P' 
entferntes SOzoUigcs Fernrohr beobachtet wurden. 

Dafs die Gröfse des Elongationswinkels' zur genauen ße- 
rechnung der Pendelschwingungen bekannt seyn mtTsse, weil 
hierfür eine eigene Correction erförderlich ist, wird äemnäehst 
gezeigt werden. Es ist daher nöthig ,' bei der Beöbächtnng und 
Zählung der Coincidenzpuncte gleichzeitig den 'vbnb Pendel 
durchlaufenen Bogen zu messen. Zu diesem Ende wird hinter 
dem Pendel entweder ein in Grade und Minuten getheiltes^Bo- 
genstück, oder eine nach einem Längenmafse (Linien und deren 
Theile oder Millimeter u. s. w.) getheilte gerade Scale angebracbt, 
auf welche man den Pendelfaden oder eine unter dem Pendel be- 
findliche feine Spitze (wie z. B. beim Kater'schen Reversionspen- 
del) projicirt. Im erstem Falle erhält man die Winkel unmittel- 
bar , deren Sinus in der Correctionsformel gebraucht werden, im 
zweiten Falle aber, nämlich bei der Anwendung einer geraden ge- 
theilten Scale , mufs man die Gröfse der angewandten Theile ab 
Tangenten der durchlaufenen Winkel betrachten , die dann bei 
ihrer Kleinheit den Sinussen unbedenklich gleich gesetzt werden 
können. Weil aber die zur Messung dienenden Scalentheile sich 
allezeit in einigem Abstände von dem Pendelfaden oder der zani 
Messen dienenden Spitze befinden , folglich durch die Projection 
des einen oder der andern auf dieselben ein parallaktischer Winl^^l 
entsteht, wodurch die Messung ein gröfseres Resultat giebt, als das 
genaue seyn würde, so mufs hierfür eine aus der Entfernung des be- 
obachtenden Auges und dem Abstände des Fadens oder der Spitze 
von der Scale zu entnehmende Correction anizebracht werden • 

o 

1 S. Art. Bewegung Bd. T. S. 924. 

2 Phil. Trans. 1818. p. 42. 

S Wie diese Correction genaa gefanden werde, Hat vorzüglich 
Bbssel in leinen Untersachangen u. s. w. S. 27. dcntlich gezeigt. 



Beobachtung desselben. 325 

Blan findet die Pendellänge mit der erforderlichen Genauig- 
)äat ans dem Unterschiede der Schwingnngsmengen zweier un- 
iirich langer Pendel, ohne die letztem selbst überall gemessen 
haben, aber dann mufs der Unterschied beider mit gröfster 
lärfe bestimmt seyn. Bedient man sich eines unyeränderli- 
Pendels, so kommt dessen absolute Länge gleichfalls nicht 
Betrachtung , weil man aus der Menge der Schwingungen 
»Ibei^ an einem gewissen Orte , verglichen mit der Zahl der 
ringungen des nämlichen Peodek an einem andern Orte, 
Länge des einfachen Secundenpendels finden kann, wenn 
Gröfse für den letztern Ort bekannt ist : zu diesem Zweck« 
muls diese durch genaue Messungen bekannt seyn« Es läCst 
demnach im ersten Fall^ die genaue Messung des Unters- 
tes beider Längen , im letzten die der absoluten Länge des 
lalpendels für einen gegebenen Ort, womit das unverän- 
le Pendel verglichen ist, auf keine Weise umgehn. Hierzu 
man auf jeden Fall einen möglichst richtigen Mafsstab K 
^^ schob vermittelst einer feinen Mikrometerschraube ein« 
»Dtale , polirte Stahlplatte von unten herauf bis zur Beruh- 
ter ruhig hängenden Kugel seines Pendels , nahm dann 
idel weg, hing vermittelst der Messerschneide den Mals- / 
auf den nämlichen Unterlagen auf, versah diesen unten 
dner beweglichen Zunge , welche bis zur Berührung mit der 
Jatte sanft hinab gerückt wurde, erhielt auf diese Weise 
Abstand zwischen der untern Fläche der Pendelkugel und 
In Äufhängungspuncte des Pendels und bestimmte diese Ver- 
eines Normal -Mafsstabes auf dem Comparateur. Bes- 
rbestimmte den Unterschied der von ihm beobachteten Pen- 
jnrch eine genau verificirte Toise, wobei er noch obendrein 
kVorsicht gebrauchte, diese in ihrer Mitte schwebend aufzu- 
m, damit sie durch ihr eigenes Gewicht sich nicht ver- 
m möchte. Kater legte sein Pendel zum Messen des 
mdes der beiden Messerschneiden von einander auf eine 
^a vorgerichtete Unterlage von Mahagony und dehnte es 
eine Feder so stark aus , als dieses durch das eigne Ge- 
lt desselben geschehn seyn mochte. Ueber die erforderli- 
Längenmessungen selbst , bei denen verschiedene Metho- 



4 Vergl Art. Mqfs Bd. VI. Abtk. 2. 

iS Astronomie phjs. T. III. addit. p. 157. 



l 



326 PendeL 

den befolgt werden, kann hier nur im Allgemeinen bemerkt 
werden , dafs sie mit den genauesten , fein getheilten MaEssta- 
ben und mit Hülfe von stark vergröfsernden Mikroskopen so- 
wohl , als auch von rectiilcirten Mikrometern geschehn milssen. 
Zugleich versteht sich von selbst, dafs man bei den Pendelver- 
suchen den Gang der Uhr durch die bekannten astronomischen 
Mittel vergewissern oder corrigiren müsse , nicht minder unter- 
liegen did Zahlen der Schwingungen einer Correction wegen der 
GrOfse der Elongationswlnkel , welche letztern daher genau zu 
beobachten sind ; jeder Luftzug , welcher störend auf die Be- 
wegung des Pendels wirken könnte , mufs sorgfältig vermieden 
werden , welches meistens durch Einschliefsung der Apparate in 
Glaskasten geschieht, endlich aber nützen diese zugleich dazu, 
um die Temperatur wahrend der Dauer der Versuche unverän- 
dert zu erhalten , indem die Wärme bedeutend auf die Längen 
der Pendel wirkt und daher durch mehrere in der ganzen Länge 
der Pendel anzubringende zuverlässige Thermometer gemessen 
werden mufis. 

E. Reductioii des physischen Pendels auf das ein- 
fache oder mathematische Pendel. 

Die aufgestellte Theorie des Pendels bezieht sich auf äa» 
einfache oder mathematische Pendel. Man begreift jedoch leicht, 
dafs ein solches in der Wirklichkeit nicht existiren könne, und 
die in Anwendung kommenden physischen Pendel müssen daher 
auf jenes reduoirt werden, wobei dann die erforderlichen Re- 
ductionen leicht aus der Natur der Sache aufzufinden sind. Selbst 
das mathematische Pendel erfordert bei kreisförmigen Schwin- 
gungen eine längere Zeit zur Vollendung derselben, wenn die 
durchlaufenen Bögen gröfser sind, und da bei längerer Dauer 
der Schwingungen die Bögen wegen der unvermeidlichen Hin- 
dernisse der Bewegung nicht stets gleichbleiben können, so 
wird hierfür eine Correction erfordert. Beim mathematischen 
Pendel wird ein blofser schwerer Punct und eine nicht schwere, 
stets gleich lange Linie angenommen, das physische dagegen 
erfordert einen schweren Körper von endlicher Ausdehnung 
und einen materiellen Faden von schwerer Masse, dessen ein- 
zelne Elemente daher als schwere Körper , jedes für sich um 
den gemeinschaftlichen .Schwingungspunct oscillirend| zu be- 



Reduction des physischen. 327 

trachten sind> so dafs maD also den^ gemeinschaftlichen Schwin- 
gungspnnct, die SchwiDguDgi|iaxe und den Schwingungsmittel- 
pnnct alier vereinten Elemente aufsuchen mufs« Das Pendel 
5o1Ite ferner uin einen geometrischen Punct oder eine horizon- 
tale mathematisphe Linie schwingen , von wo an seine Länge 
bb zum Schwingungsmittelpuncte gemessen werden mu(^, allein 
die Fläche des Körpers, woran es hängt, ändert ihre Lage und 
Richtung, und ist der Faden desselben eingeklemmt, so giebt die 
Fläche des diesen haltenden Körpers nicht in absoluter Schärfe 
die: geometrische Grenze seiner Biegung. Endlich sind die Fall- 
gesetze fiir den leeren Raum festgestellt , die Pendel aber be- 
wegen sich in einem Widerstand leistenden Mittet, welches 
nicht (^nei J^influfs auf die zu ijptersuchenden Bewegungen sejn 
kann, wo^^ ^och der Umstand hcmpit, dafs die zu messende 
lÜDge iBlsjjpi|yeränderlich angenojj^t^eh wird^ jeder in der Natur 
gegebene. jEvörper aber sowohl durch seine Elasticität, als auch 
durch den J^uß-uts der Wärme ausdehnbar ist. Pie auf allen 
diesen Bedingungen beruhenden Correctionen müssen nothwen- 
dig einzeln untersucht und genau bestimmt werden. 

a) Gorrectian wegen der Gtöf^e der Schwingungsbogen. 

■ 

Aus der t/efeits mehrmals erwähnten Formel fiir die Zeiten 

der Pendelschwingungen bei gegebener Lange der Pendel und 

unveränderhcher Schwere geht hervor, dafs die Zeitdauer der 

Oscillationen mit der Zunahme der SchwingungsbÖgen um eine 

Gröfse wächst, die nur durch eine unendliche Reihe ausgedrückt 

Werden kann. Es ist gleichfalls bereits gezeigt worden, dafs bei 

den in der Ausübung stattfindenden Oscillationen die Elongations- 

^kel nie so grofs werden, dafs die höhern Potenzen der Reihe 

»ach einen mefsbaren Einflufs auf die Zeitdauer derselben haben 

klonen, und die deswegen erforderliche Correction wird also 

hioläoglich genau, w^enn sie sich auf die erste Potenz der Elon- 

gationswinkel beschränkt. Inzwischen suchte schon Huyghens 

diejenige Curve, worin ein Pendel schwingen müsse, wenn die 

Gröfse dieses Winkels keinen Einflufs ausüben solle, und fand, 

dafs dieses die Cykloide sey. Newton^ bewies nachher, dafs 

in eiftem widerstandleistenden Mittel b^i einem dem einfachen 

Verhältnisse der Geschwindigkeit proportionalen Widerstände 



1 FhiL Nat. Frinc. L. 1. sect» X. prop. 46. 



328 Pendel. 

der Cykloida die Eigenschaft des Tantochronlsiniis xakomme, in 
gröbter Ausführlichkeit ilt aber dieses Problem dorch L. EuLsa ^ 
bearbeitet worden. Inzwischen fand Hutghevs , insbesondere 
durch einige von Pascal mitgetheilte Aufgaben veranla£sty dab 
die Evolvirende einer Cykloide gleichfalls eineCykloide sey, und 
• er versuchte es daher , die sogenannten Cyiloidal^^PenM wirk- 
lich darzustellen. Dieses ist anscheinend leicht praktisch ans- 
^*|' fuhrbar. Ist nämlich der Pendel&den, woran der Körper p 
I hängt, biegüfqa, so dafs er sich bei den Oscillationen an die 

cykloidischen Flächen a b , ab' anlegt , also sich um dieselben 
auf- und von ihnen abwickelt, so ist der Schwingungsbogen 
p p' ein cykloidischer. Schon früher hat inan solche Pendel 
wirklich hergestellt , bei denen die Stange an einer biegsamen 
Uhrfeder aufgehangen war, und auch neuerdings sind sie in ei- 
nigen Zeitschriften als neue und grofsen Nutzen gewährende Er- 
findung angegeben worden, allein eine nähere Betrachtung zeigt 
sie als völlig unnütz , namentlich für Uhren , deren Pendel stets 
in ganz gleichen Elotigationswinkeln schwingen, so daÜB also der 
Einflufs von diesen bei einmaliger Regulirung derselben ausge- 
glichen werden kann. Am vollständigsten zeigte L. Euler ^, 
dafs zur Erreichung eines vollkommenen Tautochronismns zu- 
gleich eine Bewegung im leeren Räume und ein einfaches Pen- 
del erforderlich sey , welches letztere daher aus einer sehr klei- 
nen Kugel an einem höchst dünnen Faden bestehn müfste« Mit 
der Aufgabe , die Tautochrone für jedes Verhältnifs .des Wider- 
standes der Mittel zu finden, beschäftigten sich mehrere Gelehrte, 
namentlich Dan« Beanoulli'^, hauptsächlich aber L. Eulib, 
welcher auch die Tautochrone für ein zusammengesetztes Pendel 
auffand^. Ein praktischer Nutzen wird jedoch durch diese Un- 
tersuchungen nicht gewährt, da es unmöglich ist, für die fei- 
nen Pendelschwingungen die erforderlichen Abwickelungsflä- 
chen mit geometrischer Schärfe darzustellen, um das absolut ge- 



1 Mechanica sive motns Scientia analytice exposita cet. Fetrop* 
1736. 2 voll. 4. T. II. p. 238 sqq. 

2 Nov. Comm. Pet. T. III. p. 286. Vergl. T. II. p. 126. 
S Comm. Pet. T. V, p. 106. 

4 Nov. Comm. Pet. T. III. p. 290. Ebenders. über die Taoto- 
chrone im widerstandleistenden Mittel in Nov. Comm. Pet. T. X. p* 
156. Die Petersbarger Denkschriften enthalten überhaupt eine Menge 
Abhandlangen über den Tautochronismas der Pendel» 



Reduction des physischen.. 329 

nane Anlegen der biegsamen Feder wirklich zu erreichen, L. 
£ui.KA ^ gesteht auch in einer ausfuhrlichen Untersuchung dieses 
Gagenstandes, daCs die schwere Aufgabe blols als eine Uebung 
in der Analysis anzusehn sey i die in Kreisbögen schwingenden 
-Pendel aber den gesuchten Zweck volbtändig gewähren« 

Weil indeb bei diesen gemeinen , in Kreisbögen schwin- 
genden Pendeln, wie fein dieselben auch constiuirt seyn mögen, 
die Elongationswinkel .in der für eine genügende Reihe von Be--> 
obachtnngen erforderlichen Zeit zunehmend kleiner werden, die 
dorcUanfenen Bögen aber nicht allzuklein seyn dürfen, wenn 
die Coincidenzen mit gehöriger Schärfe beobachtet werden sol- 
len , so ist es nothwendig, hierfür eine Correction anzubringen, 
wenn apch derWerth derselben nur gering ausfällt. Die hier- 
zu erforderliche Berechnung ist von verschiedenen Gelehrten 
mitgetfaeilt worden , am vollständigsten durch Biot^, an des— 
sen Darstellung ich mich daher zunächst halte. 

.Wenn man sich bei der oben zur Bestimmung der Schwin- 
gnngszeit eines im Kreisbogen schwingenden Pendels mitgetheiU 
ten Formel auf die erste Potenz des Elongationswinkels be- 
schränkt, so erhält man 

Fa • /.n * Sin. vers. anV^ol - 

worin a den Winkel bezeichnet, welchen die Pendellinie zwi- 
schen der verticalen und ihrer Richtung bei der gröfsten Elon- 
gation einschliefst, so- dafs also der bei einer einfachen Schwin- 
gung durchlaufene Bogen den Winkel =s 2 a mifst. Es ist 
aber Sin. vers. a = 2 (Sin. 4- a) ^ und die in die Parenthese 
eingeschlossene Reihe verwandelt sich daher in folgende 

1 -I -^- — . Allein der Bogen a bleibt sich beim Fortgange 

16 , 

der Schwingungen nicht stets gleich , sondern nimmt ab. Wird 

•r also = a' , a" , a" , so erhielte man hierfür 

Sin. ^ a . _i S*"* ^ "' A j^ Sin. ^ g 

* + ~16~' ^"^ 16 ' ^"^ 16 

SO dafs also nach einer Anzahl von n Schwingungen , welche 
stattgefunden haben , nachdem der Elongationswinkel = a war, 
^ie allen diesen Theilen zugehörigen Schwingungen 



1 Nov. Gomm. Pet. XVII. p. 333 bis 380. 

2 Astron. pliys. T. III. Add. p. 169. 



330 Pendel. 

°+-16~ + ~T6~' + -16— +••••+ 16 ■ 
seyn würden. Um den Werth zu erhalten, der zu n hinzu- 
kommt , müCste die Reihe summirt werden. Zu diesem Ende 
nimmt man nach den theoretischen Ansichten von de Borda, 
die durch die Versuche von Biot Bestätigung erhalten, als aus- 
gemacht an, dafs ditJ'Crdbe 'der Eloiigationswinkel gleichmafsjg 
abnimmt, was mit eintend 3em Quadrate der Geschwindigkeit 
proportionalen Widerstände der Luft am besten übereinstim- 
mend seyn würde. Hiernach bildet die Abnahme der Elonga- 
tionswinkel eine geometrische Reihe, wenn die Menge der 
Schwingungen in einer arithmetischen' fb^tgeht. So BiäH also jene 
Reihe leicht summirt werden kann. Aufserdem 4ürfen^ statt je« 
ner Winkel selbst bei ihrer Kleinheit ohne Nachtheil die Sinusse 

derselben gesetzt werden , so dafs also Sin a^"' = -v~~ — wird, 

wobei der Werth von K von der Lange und sonstigen physi- 
kalischen Beschaffenheit des Pendels abhängt und für jedes ein- 
zelne besonders bestimmt werdeifmuß. Reifst dann die Sum- 
me der gegebenen Reihe S , so ist 

und durch $umi^irung der eingeschlossenen endlichen Reihe 

Sin.» a K»^ — 1 

' "^ 16 • (K._i)Kn- 
Aus dieser Formel läfst sich K eliminiren und das 'Ganze auf 
den Werth des ersten gröfsten und des letzten kleinsten Elonga- 
tionswinkels zurückbringen. Es ist nämlich ' 

n 
Sin. 



Sin. a^W / §-jj^ ^(«) 

mithin ist 

o Sin, a (Sin, a — Sin. «<»^)) 

~« [(i^^)" - '] ■ 

Besteht die Kugel oder die Pendellinse, überhaupt der schwin- 
gende Körper, aus einer specifisch bedeutend schweren Masse, 
und ist das Pendel fein genug construirt, wie bei solchen Pen- 
deln allezeit der Fall zu seyn pflegt , so dafs die Gröfse der Bö- 
gen a und a('*> wenig verschieden ist, so genügt es, die nte 



Reduction de^ physischen. 331 

Wurzel nur in genähertem Werthe zu suchen« Man hat mxürf 
lieh in gemeinen Logarithmen 






T / Sin. a \ 



n 



und -das letzte Glied der Gleichung entwickelt 
/.^in^\a.__ M Sin.« 



O ' ■ • » • 



?^/ 



, M? , . . Sin.« . 



worin M den Modulus der gemeinen Logarithmen = 2,302585 

bezeichnet. Aufserdem weicht „. "' f , wenig von der Einheit 

, Sm. o ^'^> . ^ 

ab, weswegen man sich auf die erste Potenz des Logarithmen 
beschränken kann , wonach also ' ....... 

ß n . Sin. a (Sin. a — Sin. a ^^^) 

iSin. n 

wird. HeiJEsen dann n die corrigirten oder auf verschwindend 

kleine B^gen reducirten Mengen der Schwingungen , n aber die 

mit abnehmenden Elongationswinkeln wirklich beobachteten, so ist 

, r Sin. a (Sin. a — Sin. a ^"^-i 
n = n I 1 + c^ I 

Endlich darf man bei der I^leinheit der Schwingungsbö'gen statt 
Sin. a — Sin. a^"^ unbedenklich Sin. (a , — a^"0 setzen, wo- 
nach also die durch Biot angewandte Formel wird: 

. /^ , Sin. a Sin. Ca — a^**^X 
n=n/l-j ^ \ 

V 16 M.Log. -1-, ; 

statt deren man für ' kurze Zeit dauernde Beobachtungen , bei 
denen a und a ^^^ keinen bedeutenden Unterschied darzubieten 
pflegen, noch einfacher setzen kann -> 

/, . , c. ^ (a + a^*0\ 
n's=n (^l+T'i?Sin.» "--—^ ^J - 

DE BoRDA substituirte statt des ersten gemessenen Bogens , also 
statt Sin, a , das arithmetische Mittel aus dem ersten und letz- 

it. ■ I n ^^^ 

tcn = —^ und setzte bei der Kleinheit der Elongations-i 



332 Pendel. 

• * * 

(et -f- ce ^"^\ 
— -~ j , wodurch er 

6ie von ihm ohne Beweis gegebene Correctionsformel 

n Sin. C« + ««»>) Sin. (a — «<»)) 
n. = — — q: — 

32 M.Log, ^j^-^ 

erhielt, die er bei seiner berühmten Pendelmessung anwandte. 
IßiOT bemerkt jedoch, dafs das Resuhat von dem nach seiner 
Formel berechneten nur unmerklich abweicht, indem die Cor- 
rection aufserdem nicht mehr als zwei bis drei Schwingungen auf 
100000 betrug. 

Diese Formel wird bei ihrer Anwendung von den verschie- 
denen Beobachtern etwas modificirt, ohne dafs jedoch die Re- 
sultate dadurch eine merkliche Aenderun«; erleiden. KAter^ 
z. B. addirte eine Correctum =: C, welche durch folgende For- 
mel erhalten wird : 

worin 3 den Unterschied der Schwingungen in der Cykloide 
und im Kreisbogen von 1® binqeji 24 Stunden bezeichnet , der 
aber fiir jedes Pendel verschieden ist und für das von ihm ge- 
brauchte =1,635 gefunden wurde. Sabik£^ dagegen bediente 
sich der bessern und bequemern Formel , welche W. Wats ^ 
bei der Prüfung der Kater'schen aufgefunden hat , wonach für 
die Zahl n der gezählten Schwingungen die Zahl n' der corrigir- 

ten gefunden wird 

nC a-fb).Ca-b) 
n = n -f" —^ ' 

241886,08 Log. ^ 

worin a den ersten und b den letzten beobachteten Schwingungs- 
bogen bezeichnet*. 

Neuerdings suchte C^pt. Sabine* auf dem Wege der Er- 
fahrung auszumitteln, ob die durch diese Formel erhaltenen Re- 



2 



1 Phil. Trans. 1818. p. 46. 

2 An Account of Experiments cet. p. 16. 
S Edinb. Phil. Journ. N. II. p. S25. 

4 Eine etwas verwickeitere Formel zur Reduction der Schwin- 
go'ngsbögen giebt J. W. L. (Lubbock) in Phil. Mag. and Ann. of Phil. 
T. IV. p. S38. 

5 Phil. Trans. 1831. p, 461. 



Reduction des physiächan. 333 

sultate genau seyen, was sich dadurch ergebet muftts»; ddfs ei 
das nämliche Pendel mit WegschafFung des Luftwiderstandes^ 
unter ganz gleichen Bedingungen in kleinern und gröfsern Bö- 
gen schwingen liefs. Hierzu benutzte er den nachher weiter zu 
erwähnenden Apparat für Pendfeischwingungen im Vacuum und 
liefs ein Kater'sches unveränderliches Pendel zuerst durch Bögen 
von f ^32 bis 0%73; dann von 0^7 bis 0%42; dann von 0^42 
bis (r,19in zwei Versuchsreihen schwingen, wobei die Länge 
)edes Grades 0,833 engl. Zolle betrug. Bei einer folgenden 
Reihe von Versuchen war die GröTse der durchlaufenen Bögen 
1S46 bis 0',80 ; dann von 0",80 bis 0°,4l ; dann von 0**,4l bii 
0%18; bei' noch einer folgenden betrug dieselbe von 1®,32 bii 
0%89; dann von 1%44 bis 0*,84; dann von 0^37 bis 0^26; 
endlich von 0^,26 bis 0M6; bei allen war das gr^fsere Gewicht 
oben. lin 'Mittel aus allen Versuchen ergab sich, dafs die For- 
mel mit 1,4 multiplicirt werden müsse, wenn äie gröfsern Bö- 
gen auf kleinste richtig reducirt werden sollten. Mehrere Ver- 
suchsreihen mit Schwingungen durch Bögen von ungleicher 
Gröfse, wobei das grofse Gewicht unten hing, gaben das Re- 
soltat, da(s ein constanter Factor = ],13 erforderlich sey ; aus 
mehrern andern folgte jedoch, dafs es gar keiner Multiplication 
mit einem constanten Factor bedürfe, und dieses JErgebnifs 
schien am richtigsten zu seyn , weil bei den letzten VersucheA 
eine Uhr von mehr unveränderlichem Gange angewandt war. 

b) Correction wegen der Temperatur. 

Die Wärme dehnt alle Körper aus , und da man bei Pen- 
delbeobachtungen in der Regel die Temperatur nicht nach Will* 
kür reguliren kann , so mufs es sich ^hiernach ereignen , dafs 
das beobachtete Pendel während der Dauer seiner Schwingun- 
gen durch den Einflufs der Wärme länger oder kürzer war , als 
zur Zeit seiner Messung auf dem zur Norm dienenden Mals- 
stabe, beide können aber auch während ihrer Vergleichung län- 
ger oder kürzer seyn, als bei einer einmal angenommenen 
Normaltemperatur. Es ist indefs sehr leicht , die hierfür erfor- 
derliche Correction zu finden , wenn nur die Gröfse der Aus- 
dehnung der gebrauchten Substanzen durch Wärme mit hinläng- 
licher Genauigkeit als bekannt vorausgesetzt werden kann^. Es 



1 Die Resultate der bisherigen Bemühungen findet man Bd. I. S. 559. 



334 PendeL 

f ey demnach die Temperatur des Pendels ^ welche auf die oben 
angegebene Weise du,rch einige in dessen Nähe befindliche Ther- 
mometer sorgfältig gemessen werden mufs, zur Zeit der beob- 
achteten Schwingungen = T , bei der Messung auf dem Mals- 
Stabe = T'f die Ausdehnung der Substanz des Fadens für ei- 
nen Grad der Thermometerscale = D, die gemessene Lange 
B= 1 , die corrigirte = 1', so ist 1' = 1 D (T' — T)^ Istiemei 
die Normallänge desMafsstabes für die Temperatur T" bestimmt 
und die Ausdehnung für einen Grad der gebrauchten Thermo- 
meterscale = D' , so wird die durch Messung auf dem Mals- 
stabe gefundene GrOfse kleiner, wenn letzterer durch Wärme 
-ausgedehnt ist, und man erhält also 

r = 1 [1 — D (r — T) + D' (r — t")]. 

In den meisten Fallen ist die normaleLänge des Mafsstabes, wie 
2. B. beim Meter fiir 0^ C. bestimmt, und dann giebt die Formel 

r = 1 [1 — D CT' — T) + D' r] 
diejenige Länge, welche das Pendel bei der Temperatur der 
Messung hat , wenn es auf dem Mafsstabe bei 0^ Temperatur des 
letztern gemessen wäre. Soll hieraus die Länge des Pendels 
gleichfalls bei 0^ Temperatur sx= l" bestimmt werden , so ist 

r = r(i + Dr). 

Weil aber auch die Linse oder die Kugel , überhaupt der am 
Pendelfaden oder an der Pend^lstange schwingende Körper sich 
gleichfalls durch Wärme ausdehnt, so mufs auch diese Gröfse 
mit in Rechnung gebracht werden. Es läfst sich annehmen, dafs 
man sich zu den feinen Pendelmessungen nur des Kater^schen 
Reversionspendels bedient, wobei blofs die Länge der zwischen 
den beiden Messerschneiden befindlichen Stange eine Correction 
wegen der Temperatur erfordert, oder dafs man eine Metallku- 
gel an einem Metallfaden schwingen läfst. Im letztern Falle 
wird der Schwerpunct der Kugel, in welche der Faden vermit- 
telst einer Klemme oben eingeschraubt ist, ihrer Ausdehnung 
proportional tiefer herabsinken. Ist also die ganze Länge des 
Pendeb von der untern Fläche der Kugel bis an den Schwin- 
gungspunct gemessen und hierfür die angegebene corrigirte 
Länge gefunden , der Halbmesser der Kugel aber = r und die 
Ausdehnung des Körpers, woraus sie besteht, = D" (wofür 
DE BoRDA bei der von ihm gebrauchten Platinkugel 0,000008665 
für 1® C. fand), so ist die corrigirte Länge des gebrauchten 
Pendels L = 1" — r (1 + D" T). 



Rednction des physischen» 33$ 

Der um diesen Gegenstand yorsügltch verdiente Capt. Sa- 
bine ^ hat wohl das sicherste Mittel angewandt, um die erfor- 
dediche Correction wegen der Temperatur für die insgesammt 
sehr gleichförmig construirten Kater'schen Reversionspendel mit 
grölster Schärfe aufzufinden , indem er die Temperatur des Be- 
pbiwfhtiingszimmers künstlich veränderte und die Schwingnn— 
gfli.des nämlichen Pendels bei ungleicher WärmOfBfihUe« Hier-* 
bei war es aber nicht wohl möglich , die künstliche Erwärmung 
'iange genug unverändert zu erhalten, und zur Controlirung die« 
^fOt (erstem Versuche verglich er daher andre im Winter ange^ 
stellte Messungen mit solchen aus. der Zeit des Sommers, ümd 
die Resultate beider Versuchsreihen jedoch wenig von einand^ 
abw^cfaend und erhielt als mittlem Werth 0,44 Schwingungen 
einer Temperatunreränderang von 1® F. zugehörig, wo^i^ch 
also die Correction leicht zu bewerkstelligen ist. Eine dieser 
Bestimmung sehr nahe kommende hatte Gipt. Kate A^* bereit» 
früher durch directe Messung der Ausdehnung seines Pendele 
gefunden , nämlich 0,00000962 der ganzen Länge desselben fiiz 
1? F* , welches einer Correction von 09423 Schwingungen bin- 
nen 24 Sttmden zugehört. Diese hinlänglich genau bestimmte 
Correction wird daher bei' allen , im Ganzen sehr gleichfi^rmig 
construirten , dem Längenbüreau in London zugehörigen Pen- 
deln in Anwendung gebracht« Meistens pflegen jedoch die zu 
wichtigen Messungen verwandten Pendel auf die durch Sabine 
befolgte VTeise geprüft zu werden , um bei ihnei;! als Indivi- 
duen die erforderliche Correction aufzufinden. So geschah dieses 
unter andern mit dem auf der russischen Entdeckungsreise un- 
ter Capt. LuETKE gebrauchten Kater'schen Reversionspendelf, 
welches bei den mittlem Temperaturen 31^)5 und 82%5 F. ge- 
prüft wurde, wobei sich fand, dals seine Wärmecorrection 
0,458 Schwingungen für 1® F. in 24 Stunden betrug. Die Ab- 
weichung von der durch Sabine gefundenen Gröfse leitet 
LcsTKE von grölserer Weichheit der Messingstange ab. 



1 Phil. Trans. 1830. p. 251. 

2 Phil. Trans. 1819. p. 337. 

$ M^m. de TAcad. de Fetersb. 1830. 



336 Pendel. 

c) Entfernung des SchwingungsiTiil,leip.ii»nctes 
von der Umdrehungsaxe beim phy^is^hen 

-FendeL 

Soll die eigentliche Länge eines Pendels gefunden wenden, 
80 ist wohl zu berücksichtigen, dafs diese vom Schwingungs- 
.mittelpuncte (dem centrum osciuätionii) an h\i zur geometri- 
schen Umdrehungsaxe gemessen werden mufs. Wenn nun vor- 
läufig angenommen wird, dafs die geometrische Umdrehungs- 
axe da liegt, wo das Pendel auf einer Unterlage ruht oder am 
obern Ende befestigt ist , so kommt es nur darauf ah , den Mit- 
telpunct der Schwingung genau aufzufinden. Beim einfachen 
Pendel ist dieses leicht, indem man einen schweren Punct in 
einer Curve bewegt voraussetzt, deren Abstand vom Umdre- 
hungspuncte die Länge des Pendels unmittelbar jgiebt; ist aber 
statt eines solchen Punctes ein schwerer Körper von beliebiger 
Form und Gröfse gegeben , so erfordert es eine nicht leichte 
Correction , die gesuchte Lange mit völliger Genauigkeit zu fin- 
den. Man entgeht dieser Mühe durch Anwendung des Rever- 
sionspendels oder durch Messung des Längenuhterschiedes 
zweier ungleich langen Pendel, wenn die beiden letztern aus 
der nämlichen Kugel und dem nämlichen Faden bestehn. 

Das Problem , für jedes gegebene Pendel den Mittelpunct 
der Schwingung aufzufinden, hat die Geometer vielfach be- 
schäftigt; inzwischen kanti dasselbe hier nur im Allgemeinen 
erörtert werden. Sogleich nach Auffindung der allgemeinen 
Gesetze der Pendelschwingungen geriethen auf die durch Mer- 
SEXNE gegebene Veranlassung Cartesius und Roberval mit 
einander in Streit über dieses Problem, welches zuerst Hütchens* 
auflöste, indem er den allgemeinen Satz aufstellte : man divi- 
dire die Summe der Trägheitsmomente der Massen durch 
das statische Moment oder das Moment der Summe ihrer Ge- 
wichte , so ist der Quotient die Länge des einfachen Pendels, wel- 
ches mit dem zusammengesetzten gleichzeitig schwingt. Später 
haben Jacob Bernoulli^, Johann Bernoulli^, Hermann*, 



1 Horolog. oscill. Par. 1773. p. 93. 

2 Mem. de l*Acad. 1703. Op^). Jac. BernonUi p. 98. 
8 Acta Erud. 1714. Opp. Joh. Bern. T. 11, p. 96. 

4 Comm. Soc Pet. T. III. p. 1. 



:Redaction des physischen. 337 

Daviil Bbavoülli ^ und insbesondere L. Euler ^ dieses PnHk 

blem tasfiihrlich behandelt. Da es allezeit schwierig ist, die zn 

dieser Correction erforderlichen Bestimmnngen bei einem gege-^ 

banen physischen Pendel anfzufinden, und man für feinere Pen-^ 

del in der Anwendung in der Regel entweder das Reversions- 

pendel oder eine Kugel an einem feinen Faden wählen wird , $o 

genügt es hier, nur die einfachsten Fälle näher zn berück« 

sichtigen. 

Wenn eine schwere Kugel an einem nicht schweren Faden 

beCestigt pendelartig schwingt, so liegt nach den Regeln der 

Mechanik der Mittelpunct ihrer Schwingung oder das cenirum 

OMciUaiionia unter ihrem Mittelpuncte, und zwar um eine Grd-» 

2 r* 
Ise • welche = -tt- beträgt , wenp r den Halbmesser der Ka-» 

gel und L die Länge des Pendels von der Schwingungsaxe bis 
zum Mittelpuncte der Kugel bezeichnet, vorausgesetzt, dals die 
Kugel aus gleichartiger Masse besteht und also überall gleiche 
Dichtigkeit hat^. Darf man also bei einer Kugel aus einer spe- 
cifisch beträchtlich schweren Substanz das Gewicht des feinen 
Fadens , woran sie herabhängt , vernachlässigen , so ist hiernach 
die corrigirte Länge des Pendels durch Aufnahme dieser Cor- 
rection in die mitgetheilte Formel 

L" =1" - r (1 + D" T') + |-P • 

In der Regel kann man jedoch bei einem geforderten hohen Gra- 
de von Genauigkeit das Gewicht des Fadens oder der Stange, 
woran das Gewicht hangt, nebst den Vorrichtungen , wodurch 
diese am Gewichte und an der Umdrehungsaxe befestigt sind, 
nicht vernachlässigen, und es würde mindestens rathsam seyn^ 



1 Nov. Comm. Pet. XVni. 268. 

8 Acu Pet. T. III. P. II. p. 95. TBeoria motoi corp. rig, Cap. 
VI. a. YIL Yergl. K&sthbr höhere Mech. Abichn. III. (. 6 ff. Foia» 
»ov Traitd de M^c» T. II. p. HO. 

8 Elementi di Meccanica e d'Idraalica di Giuseppe Tehturoli cet. 
Terza edit. Milano 1817. 2 voll. 8. T. I. p. 148. Bei einem überall 
gleiofamätsigea Stabe, eigentlich einer geraden Linie, ist die Entfer^ 

' * . iL 

niiag der Schwingangsaxe vom Mittelpuncte der Sehwingjapg; = ._- , 

weldies auf jeden gleicbmafslg dicken imd :geradeii, am einen £ade 
aufgehangenen Stab Anwendung leidet. 

VII. Bd. Y 



338 .Pencl^l. 

ihreo, Einfluft zur Entscheidung, bienibex vorläufig zif. berechnen» 
In dieser Besjiehung wird .es hierg^doch genügen > qmr.die ein- 
tachste Construction solcher .Pendel zu berücksiqhtjgen. . Es 
werde daher, angenommen , dab sich über dem AuQiängepuncle 
des Pendi^ll^ keine merklich groOfeJVIasse desselben weiter befinde 
und also die Länge von diesem Puncto, an bi^ apfi-Ende der 
Jf* Stange I tjgq von o bis b gemessen werden könne; es sey femer 
das Gewicht des Fadens oder der dünnen Stange cb = p^^ das 
Gewicht des angehängten ]^örper^>, dessen Mindpi^nigt sich in 
k befindet, = p'i die ganze. Zwinge des Pendels qb^ =9], die 
Länge bis an den Mitftelpunct.k;.dei9 schweren Kiirgi^, =9:. L^ so 
ist allgemein die corrigirte Länge des Pendels^ .» . 

L' -iil£±i!x . 

also für eine Kugel mit Rücksicht auf die Lage des Mittelpuactas 
der Schwingung in derselben b i :.'• ' - ' 

~~ Jlp + Lp' ' 

für eine nicht sehr dicke kreisß^rmige Scheibe, deren H^bmes- 
ser gleichfalls durch r bezeichn/^t werden möge, 

r._ ii* P-KL*+tr«)p' 

"^ — ~- ilpf Lp' ' 

und für eine Linse vom Halbmesser des Flächenclurchschnittes 
= r und dem Halbmesser der Dicke := r , welche sich also der 

Kugel um so mehr nähert, je näher — der Einheit kommt, 

- 4lp + Lp' — ' 

Unter die genauesten frühern Versuche mit Pendeln gehö- 
ren die sehr bekannt gewordenen von de Bohda 1792, zur Be- 
stimmung der absoluten Länge des Secundenpendek mit einer 
Platinkugel an einem sehr dünnen Platindrahte angestellt. Sie 
wurden später wiederholt durch Biot und Aaago , und es war 



1 Lancsdorf Handbuch der gemeinen and höhern Mechanik fe- 
ster und flüssiger Körper. Heidelb. 1807. S. SOU Andere bequeme 
Formels geben W. Brandes Lehrbuch der Gesetze des Gleichgewichts 
ond der Bewegung fester und flüssiger Körper« Leipz. 1818« Th. If, 
S. 250. 



l 

* ■ ■ ■ 

. iftMlüction des physischen. '^jQB 

ehm ^mkAmk'^VL b6rücksiGhti|8ii^ '^eil die «ibsolute Linge 
des ^IBälhiti^^hicandenpendels aiuTV^^ScliwiDgungssehili ittd 
dctflilig«!^^ Kobftchfeten geücmden werden sollte. Fiit des 
bei' (iie^^^fen Versuchen gebrauchte Pendel wurde die frag* 
Uehii^äiail'^df^blgende "VV^i^corrigirt«: 

Bj^hMk SA L&nge vdfa^fähMDgepuncte bis xnm Cen«> 
tnüD der Kftgd<' . . ''^Y'K j . . . . . V ; • L 
Hsn^*Jäl^'aA'Platink»|8I b^ • ..'h.'.. . ' r 

Gewioht'liW'Kugel in Grammen ' w^ • v • • . . m 
AbstanU^^dir* Aufhängungsaxe bis xum Anfange des .> , 
Platin&dens • • • • • .. • • ,. •; • • • » :• • \^ 

Abstand des Sohwerpnnctes der ^.Hülsey, womit der 
Draht in der Kngel befestigt war, vom Mittelpancte der 

Kngel '. ; ««^.^ i d 

' . Gewicht des Platinfadens in Grammen •..#•• p 
Gewifiht der Hüls^ in Grammen ....^r.tf«? 

Die LSnge des Pendels wäre diesemnach 

L*: = 1" — r (1 + D" T*) +|y! - Q. 

m 

d) Einflufs der Fläche der Messerschneide. 

Die Messerschneiden , worauf die Pendel meistens schwin- 
gen , müssen auf jeden Fall in einer geraden Linie liegen, und 
bei den Versuchen ist darauf zu sehn , dafs dieses so vollstkn— 
dig der Fall sey, als es überhaupt möglich ist, eine geometri-* 
sehe gerade Linie physisch darzustellen. Nach BesSel's ^ sehr 
genauen Prüfungen besteht das, was man die Schneide nennt. 



1 Recaeil d'observations g^od^siqaes, astronomiques e^ physi^es, 
ez^oatdet par ordre du bureau des longitudes de France en Espagne, 
en France, en Angleterre et en l^cosse cet. redigd par MM. Biot et 
AmAGO. Par. 1821. p. 441, wo über die Gorrectioneo bei Pendeln aas- 
fiihrlicb gebändelt wird« Vergl. Garlui und Flava in E£fem. di Mil. 
1824. App. p. 28 ff. 

2 Untersnchangen 8. 46. and 8. 69 ff. 

Y2 



M) Pendel. 

tus einer krummen Fläche , deren Krümmung einem Kegel- 
schnitte ai7geh(jir y der sich der Kleinheit wegen nicht völlig ge- 
nau bestimmen läCst, Diese Krümmung ist durch zwei Ebenen 
begrenzt ,' die einen Winkel von 90^ oder von 120^ einzuschlie- 
fsen pflegen.. Früher nahm man allgemein an , die Form und 
Gröfse dieser allezeit sehr kleine« krummen Flüche habe auf die 
Länge des Pendels gar keinen BiniluTs und man dürfe also die 
Berührungslinie .derselben mit der Ebene der achatnen Unterlage 
als die Schwingungsaxe des Pendels ■ betrachten y allein la 
Place ^ zeigte zuerst, dafs auch die feinste Schneide eine 
krumoM Fläche bilde, welche sich daher auf der ebenen Unterlage 
bei den Pendelschwingungen w<älze, wodurch -dann die Schwin- 
gungsaxe unter oder über die £bene der Unterlage falle. Uiot 
und Araoo glaubten sowohl in* Beziehung auf ihre eigenen, als 
auch auf die vcMi db Boa da angestellten Pendelmessungeti, dals.die 
hieraus zu entnahmende Correction eine zu unbedeutende Grobe 
betrage und daher füglich vemachlässigt werden k^nne, allein 
Bessel hat durch eine eben so weitläufige als genaue Beihe 
schätzbarer Versuche, bei denen er den Pendelfaden sich um 
einen Cylinder wickeln lieb oder z»(ischen einer, hori^ntalen 
ebenen Fläche festklemmte oder an einer Messerschneide befe- 
stigte, genügend dargethan , da£s die Messerschneide überhaupt, 
insbesondere aber ihre Form und Breite, einen Einflufs auf die 
Pendelschwingungen habe. Wäre z. B. die krumme Fläche der 
Theil eines Cylinders von 0,1 Lin. Halbmesser, so würde sie 
bei einem Elongationswinkel des Pendels von 1%25 als dem 
gröfsten in Kater's Versuchen vorkommenden das Pendel um 
0,1 Lin, verlängern , wenn sie auch nur eipe Breite von 0,0043 
Lin. hätte, Bessel hat die Gröfse, um welche das physische 
Pendel hiemach verkürzt werden müfste, wenn dasselbe mit dem 
einfachen isochronisch schwingen soll, für die verschiedene 
Form der krummen Fläche berechnet, inzwischen würde es 
überflüssig seyn, die gefundenen Bestimmungen hier mitzuthei- 
len, da dieser geübte Experimentator es selbst für unmöglich 
erklärt, die Gestalt einer gegebenen Messerschneide voii der 
nöthigen Feinheit durch Beobachtung mit genügender Schärfe zu 
bestimmen. Wichtiger für die praktische Anwendung dagegen 



1 Ann." de Chim. et Pbys. IL 92, G. LVII. 225. Vergl. Th. 
Toung in PIul. Tinns. 181«. p. 95u 






nrj^WiidtflwAtf'ltcMrfall« l^wiesen \ha^ «XMfieh chA4les«r 

«icHif p^ndib T«itt4ihwnkdt<^ '> ittdeta^^^ks^s nui^ ^Mia "tm^ WM iey^ 
-vretin V^e Sbiito«iden dtiröhi gfekhe CyIiikl«vfiMdliifQ. ^«gr^tfEt 
8iiid»^<^Jfifa'fihirveM«r i^doidi 4M£iiifiafs d«i!8«lben«iaa|ii»«WeBii 
auü^ (%äl«r>Scteeideri ' %ö eittlftht^i- da& sie* verwechselt ^eid^n 
JkVpwd^ lif Odoreh der Fehlet* «lif) die «iMigegengissettffi dehe fällt, 
nndral^' liWrechwindet y wenn «latn; die PendeUän^^eim dem 
Mhtd 4bh 9i¥tÄ 'VersQcfaereÜMtf iHtd Meseangett beetiiämt« Au-^ 
fserdem i^'^h^' sich klar, daflpiiferBinflub der Hfeeenchneida, 
scfitii^itigeit^ifyn wird ^' ' {^Isohär&it diettilbe is^y^ tcMnsge^. 
84M,,'4hfl^8ie'''Äich( so dünttiü^, um gebogen oder'abgeantst 
saweid^fi^^ weil sotist äesr^^f 4ifle«'tioob' btuieuteMtor 4iif«^ 
iti/'Ww^WABiin den Wlfil^^ider sie einsefaUiifiitoden Bbehen 
waU^iueht" kleiner als bindissleos öO^maöfae&wird, meistens^ 
ilm übei^xBiQQf* Djiniiit. ^ BB09EL-'^at siftneiVersiMhe auch so 
wieiteiu^eiiehnt, 'dafs er faet^^ttem fUr diesen ^Zweck eigends 
vüigeriehteten Pendel mit reciproken Axen die Messerschneiden 
nicht blofs Iverwechselte, sondern auch abstumpfte und «elbst 
den fiit^tffs ihrer Abnutzung {^fte \ Als -ein für di» Wissen«- 
sdttft höchst wichtiges Resultat geht.hieraus*,4liiVor, da(s maa 
die Messersohneide vor und %iach dem Gebrauche genau prüfen 
itaiisse , um sich zu überzeugen , dafs dieselbe nach ihrer Lange 
völlig gerade oder dafs eine an ihre Oberfläche gelegte^ mit 
derSchwingungsaxe parallele Linie möglichst genau eine gerade, 
die gekrümmte Fläche aber so Schmal sey, als sie sich darstellen 
läfst , welches Letztere man vermittelst eines Mikroskops prüft. 
Die Breite der durch Bessel gebrauchten Messerschneide betrag 
nach der Abstumpfung 0,0216 par. Lin« und nach einer stärke«- 
ren Schärfung 0,0135 par. Linien, die beiden, deren sich Biot 
niid Aaago bedienten, 0,0166 und 0,0023 par. Linien, weswe- 
gen die mit der letztern angestellten Versuche ein gröfseres Vejr 
trauen -verdienen, obgleich beide Beobachter keinen Einflüfs 
dieses Unterschiedes auf die Resultate wahrgenommen haben,. 



1 Das vom Capt. Luetre auf der russischen Entdeckungsreise 
gehranchte Pendel gab zu Greenwich niich der Rückkehr 0,6 Schwin- 
gungen mehr in 24 Stunden, woraus also eine Abnutzung der Messer« 
schneide wahrend des Gebrauchs folgte. S« Meffl. de l'Acad. de Pe- 
terab. 1830. 



342 Pendel. 

was Be88BL jedoch für eine Folge des ZuCslIs , namentliok der 
eigenthümlichen Krümmung beider Flächen hält» • Gleich wich- 
tig ist die Versicherung Bessel's, dafs nach seinei ü rij ^a e u gong 
der Eittflub der Messerschneide auf die Länge desiJÜJmdela bei 
den durch KJkTkn angesteUten Versuchen wo Aiohi; > ganz ver^ 
schwindend, doch"tnindesteflB sehr gering geweran^sey, weil 
dieser Beobachtet" ^ch durch 'seine Genauigkeit eben .so sehr als 
seine Etfindnngfaigabe auscdehnet, weswegen seine «bnahin von 
dem sehr hai^tetf Woots verfertigten Messerschneidaalibei der 
auf sie verwanfdten Sorgfalt keine Abnutzung und keine gröfsere, 
als etwa OjOOl ein«r Linie betragende Breite erwarten lassen. Dia 
vielen , nach dieseui ersten Normalpendel verfeirtigtea ähnlichen 
sindindefs sMmMliofamit demselben verglichen wordeny- »wodurch 
dann ein etwa Vorhandener Fehler von selbst corrigirt wurde« 
Endlich versteht sich von selbst^ -'dab die oberiialb der Schwin- 
gungsaxe befindliche Masse der Messerschneide genau durch ein 
Gegengewicht balancirt werden müsise, weil sie sonst dem Pen-- 
del entgegeMgeMtfct schwingen '"«nd auf dessen OsciUationen 
störend einwirken' würde. 

Aufser der Anwendung der Messerschneide zum Aufhängen 
der Pendel bedient man sich noch einer Klemme und des Ab- 
wickelungs-Cylinders. Bessel^s^ Versuche mit allen diesen 
drei Arten des Aufhängens beweisen , dafs die Klemme sowohl 
als auch der Abwickelungs - Cylinder den Mittelpunct der Be- 
wegung um einige Hunderttheile einer Linie zu tief geben, was 
allerdings zu berücksichtigen ist , wenn die absolute Länge des 
- einfachen Pendels aus Versuchen mit einem einzigen solchen 
Pendel gefunden werden soll. Dafs man sich jedoch hierzu ge- 
genwärtig ganz allgemein anderer Mittel bediene^ wird im näch- 
sten Abschnitte (unter F) gezeigt werden. 

Die Unterlagen der Messerschneide bei Pendelversuchen 
bestehn fast ohne Ausnahme aus Achatplatten, welche möglichst 
eben geschliiFen sind und denen man daher keinen Einflufs auf 
die Pendellängen einräumt. Inzwischen wurde Bessel aufmerk- 
sam auf einen möglichen Einflufs derselben durch die Resultate 
der Versuche, welche Sabine ^ mit den beiden von ihm ge- 
brauchten Pendeln anstellte. Dieser prüfte nämlich nach seiner 



1 Dessen Untersachungen S. 8^« 

2 An Account of Experiments cet, p. 1^ fif. 



Reduction d«'9'{]^y9i3chtn. 343 

Rncfckuiillt 'voB der Reise beids' von ihm bemtlils Pendel I\r. 3. 
und Nr. 4< it^ London, um die Ueberzeu^ung au «Hangen, Hüls 
sie ODterirrgs keine Veränderung erlitten hallen, und fand die- 
ses zwar allerdings, zugleich ober auch, dafs das eine derselben 
Nr. 3. auf den Achatplanen des Kater'schen Pendels um ^^770 
«■ich, indem es taglich 1,46 Schwingungen mehr machle, 
während sich bei dem andern diese Abweichung nicht «eigle. 
Die genaueste Prüfung der gebrauchten Plallen, der Rater'schen 
und der den Pendeln zugehörigen, die sich ancli iibrigenii ganz 
gleich waren , liefs keinen Unterschied der Politur, Harle oder 
;r sonstigen Eigen thürolichkeit wahrnehmen, woraus man 
diesen Einflufs ableilen konnte, . dessen Ursache um so weniger 
ZQ ergründen war, als er sich nur bei dem einen der gebrauchten 
, Pendel zeigte. Bessel* wurde indefs hierdurch bewogen, das 
von ihm construine Reverstonspendel auf Unterlagen von un- 
gleicher Hiirte und Form schwingen zu lassen , um den hiernach 
merklicheren HinHufs derselben aufzufinden. Die hierbei ge- 
brauchten Unterlagen waren Platten von Achat, von mallge- 
'SohliiTenem Glase und von Stahl, Glascylinder , Platten und 
^linder von Messing. Die erhaltenen Resultate ergaben, dafs 
'ilie ersten vier Unterlagen keinen Einüofs ausüben , denn wenn 



«Dch bei wiederholten vi 
■chied henutsges teilt hi 
weith , diesem weiter i 
darlhun , dafa ein solchi 
gleicher Masse stattfinder 
jedoch, als Ebenen von ) 
^aem Messing angewandt 



ielen Ver 



i doch 



kleiner 


Unter 


nicht de 


Muh 


ise's V 


ersuch« 


nen Platten von 


verhielt 


es sich 


maliges, 


chliffe- 



ichznforschen , 
.ch bei ve 

1 kann. Ganz 

gehämmertem u 

n-urden. Im Allgemeinen waren nSm- 
'lich die Schwingnngszeiten beträchllich kürzer, als auf härteren 
Unterlagen, jedoch hatte die Schneide keinen bleibenden Ein- 
1 blofs eine schmale Flache polirl, deren 
Breite mit dem Mikroskope nicht mefsbar war. Bei der An- 
wendung von Messing -Cylindern zeigte sich ein sehr grofser 
nnd mit den Elongationswinkeln veränderlicher Einflufs, auch 
waren in diesen Einschnitte von 0,01 bis 0,0)3 Lin. Breite, aber 
Weit geringerer Tiefe erzeugt. Als Endfesullat aller Versuche 
jBTgiebl sich, daTs die Schneide, indem sie sich in die Unterlage 
■indrückt, auch vielleicht Theile derselben über ilire urspmng- 



1 UutersaekaDgea 



. w. S. { 



344 Pendel.. 

liehe OberilHche erh(ilit, UD.d dadurch , bei der Bewegung des 
Pendels, eine Bewegung der Materie der Unterlage erzeugt^ 
sich nicht um ihre Schärfe , sondern um einen höhern oder nie- 
drigem Punct dieht^ jenechdem niedrigere oder hdhere l*heile 
der Unterlage leichter ans^viBicHen. Wie man auch diesem Ein- 
flüsse bei der ^weQd..u|^,de9.ReversionsppndeU c^gf^ ]i)önne, 
soll gleichifalU uptei[.F gezeigt werden. ' 

Da es keiflea Körper giebt, welcher m<At eitf5§e, *wenn 
auch nur geringe Elastidtät zeigt, so unterliegt es keinf^tB Zwei- 
fel, dafs nicht bjofs die Messerschneiden und ihre Unterlagen 
durch das Gewitht det schwingenden Pendel zusammengedrückt 
werden , sondern dafs auch der Pendelfiaden sich langen mufs. 
Ueber die Elasticität der Messerschneiden hat Th. YorifG* Un- 
tersuchungen angestellt und gefunden , dafs ihr Einflufs unnfierk- 
lich ist. Wären ferner die Blotlgationswinkel schwingender 
Pendel gröfser, als sie bei allen feinern Messungsversuchen zu 
seyn pflegen, so würde die Schwungkraft des-'aus gröfserer 
Höhe herabfallenden schweren Körper» wachsen , "^durch die 
Ausdehnung des Pendelfadens Innehmen und älsfö för verschie- 
den grofse Schwingungsbögen ungleich werden. Da ^ber jene 
kaum 10,5 erreichen, auf jeden Fall diese Gröfse' ftiölit uber- 
treifen , so darf man annehmen, dafs die Pendel stets' gleich- 
mäfsig durch ihr eigenes Gewicht ausgedehnt sind und die Grö- 
fse der Zusammendrückung der stets angewandten sehr harten 
Unterla^splatten sich nicht ändert. Auf gleiche Weise geht 
aus den Versuchen über die Elasticität der Körper ^ genügend 
hervor, dafs bei den feinen Pendeln die Gröfse der durch ihre 
Elasticität bewirkten Ausdehnung nur unmerklich ist und da- 
her füglich vernachlässigt werden kann , obgleich Kater bei 
der Messung seines Secundenpendels es für rathsam hielt, das- 
selbe durch eine gleiche Kraft auszudehnen , als das eigene 
Gewicht desselben betrug. Man hat zwar theoretische Unter- 
suchungen über Pendel mit elastischen Fäden angestellt, sollte 
aber ein genügendes Resultat hieraus hervorgehn , so müfsten 
diese auf gleiche Weise mit Versuchen verbunden seyn , als die 
von Bessel über den Einflufs der Unterla^jeA. Vorläufig darf 



1 Phil. Traut. 1818. p. 99. 

2 Vergl. Elasticität Bd. III. S. 181. 



Reductlon des pkysiscilen. S45 

van^dine deswegea anzubriogenda Correetion für überflüiaig 

^ l^i44il^iltand der Mittel gegen die sehwin- 

i^. )iL ii;>i; genden Pendel. . .v 

EigdifHt^ sollte das Pendel im Itlftle^^ii Baume schwill« 
gen, weil die auf dasselbe wirki^de Kraft ''äer Schwere, die 
durch g<)bkf«eicfatiet wurde, hierfür festgesetzt rist« .Die Beob- 
achtangem {Verden aber im lufterfüllten Räume angestl^llt, wobei 
noch, obebllrein die Dichtigkeit und Elaiticität des Mediums ei- 
nem Wechsel unterworfen ist. Diesei letztere^ kann zwar leicht 
durch .gleichzeitige Barometer-^ Thermomfetet- und Hygro- 
meter r< Beobachtungen auf eine normale^ Grörse* -^rückgebracht 
werde»! ^^I^n ies« kommen dabei noch zw<&i' andere schwierige 
Fragen intBetraohtung, nämlich- zuerst, ob und inwiefern das 
Gewicht dea pendelarttg -osoillürenden Körpers durch den statin 
schwa.Einflnfsdfer Luft vermitfider^ wird, und zweitens, iawel- 
cbiPim.Xirade die gleichzeitig '«ifb Bewegung gesetsle Flüssigkeit^ 
die »atmosphärische Luft , diei Schwingungen virünäert. 

In.- Beziehung auf die erste Frage' war man früher allgemeio 
der Meinung.^, dafs die Schwere des Pendels um so viel ver- 
mindert; wei^e, als die durch dasselbe verdrängte Luft wiegt, 
und dafs demnach die Schwingungen desselben dieser Vermin-« 
derung seaner Schwere proportional verzögert würden, weil sie 
ursprünglich als eine Function der letztern angenommen sind^. 



1 Bessel's analytische Untersnchungen über die Federkraft des 
Pendelfedeas beziehn sich zunächst anf die Garve, in welche der ela^ 
•tische Pendel faden bei den Schwingungen gebogen wird , jedoch ek*« 
wähnt er zugleich auch die Ausdehnbarkeit desselben, S, dessen ITn* 
tersuchangeu u. s. w. S. 104 £F. 

2 BiOT Astron. phys.- T. IIL Addit. p. 157. Recneil d^Observa- 
tions cet. p. 441 fF. 

S Man hat seit Newton allgemein angenommen, dafs der Wi« 
derstand der Luft auf die Schwingungszeiten keinen Einflnfs habe, 
weil derselbe fiir die halben Schwingungen entgegengesetzt and dft-i 
durch aufgehoben werde; dagegen solle eine vermehrte Dichtigkeit 
der Luft die Elongationswinkel andern. Dayies Gilbert in Journ» of 
Science, Lit and Arts XXXIX. 69. findet, dafs die Elongationswinkel, 
bei denen die entgegengesetzten Wirkungen sich vollkommen aufhe« 
ben , für gewöhnliche Pendel 1<* 56^,5, für Mercarialpendel 1* St be- 
tragen. 



Pendel. 

Um die deswegen erfoiderliche Correction auf die kürzeste Weise 
auszudrücken , sey das für Temperalur iind Barometerstand 
corrigirte speciiische Gewicht der Lnfl während des Versuchs 
= fi , das gleichfalls corrigirte mittlere des Pendels werde als 
Einheit angenommen , indem das Volumen des letztern zugleich 
als Einheit für beide gilt und also wegfallt, so ist sehr einfach, 
wenn die beobachteten und für die bereiU angegebenen EinflÜMe 
corrigirten Zeiten, Längen und Schwingunga mengen durch t, 
L" und n' , die für den statischen Einflufs der Lufi eturigiiteh 
aber durch t', iL und n" bezeichnet werden*, 

t' = t <i _ rti 

Es ist hierbei bloFs nöthig , und bisher in der Anwendung auch 
so angenommen , dafs man bei der Bestimmung der Gröfiie ft nur 
den liarometerstand und die Temperatur 7u beriicksicbtigen 
habe, weswegen auch bei der (oben unter D) gegebenen An- 
weisung zur Beobaoblung des Pendels die gleichzeitige Unter- 
suchung des Feuchligheitszustandes der Luft vermittelst des Hy- ■ 
grometers nicht erwähnt ist, Aulserdem aber hat P. VAW Gl- 
LEB* durch Rechnung gefunden , dafs der Einflufs des Wasser^' 
dampfes in der Luft ganz unmerklich sey und daher fuglich ver- 
nachlässigt werden könne. Wenn man übrigens das specifische 
Gewicht der Luft und das mittlere des gebrauchten Pendels 
beide aof Wasser im Puncte seiner gröfsten Dichtigkeit nach 
der oben 3 angegebenen Methode reducirt und hiernach den 
Werth von ft für den jedesmaligen Barometer- und Thermo- 
meter-Stand bestimmt, so liefse sich aus den dort angegebenen 
Bestimmungen leicht die Correclion wegen des jedesmaligen 
Hygrometerstandes finden , noch leichter würde dieses jedoch 
durch unmittelbare Berechnung der hygrom et tischen MeraUng* 



1 lil der bei der Bestimmung den spec. Gewichts der Luft an- 
gGDonunene normale Barometerstand = B, der beobachtete = b, die 
Temperatur bei der Meianng = t, dm auf 0" Temperatur reducfrte 
«pec. Gewicht der Pondelkugel eefien Luft = p, lo ist betanutlich 

** " B (1 + t . 0,00i(7&) p' ■ 
S Disputat!o mathem. inHiig, de Pendula eiiisi]ue ailplicatione ail 
tellnris figuram determinandam cet. Amst. 1830. gr. 4. p. 53. 
S Art. Gtwicht , specif. 8J. IV. S. 1433 ff. 
4 Art. HygrumatT Bd. V. S. 648, 



Reduction tiea pliysischen. 



347 



^eschehn'kSniwn, jedoch scheint es mir überilüssSg, dis ohnehin 
«eitlauggen Kerechnungen derPetidehchwingiingen durch diese 
nnmerkliehe Correclion nocli verwickelter zu machen. 

Eine aujfiihrliche Erfirterung derjenigen Cotteclion, welche 
daraus folgt, dals die Bewegung des Pendels zugleich auf alle 
IVlasseniheilohen der gleichzeilig mit in Detvegung gesetzten 
Flüssigkeit vertheilt wird, ist durchDESSBL* mi^theilt worden. 
Da sie sehr, weitläufige Formeln erfordnl und das erhaltene Re- 
sultat nach den neuesten Untersuchungen dennoch zweifelhaft 
bleibt, so begnüge ich mich damit, blofs die Hatiptpuncte an- 
,sudetiten, um dadurch zu zeigen, aufweiche Weise eine Un- 
tersuchung dieser schwierigen Aufgabe anzustellen sey , und 
verweise übrigens auf die angezeigte Quelle. 

HeifsC die Entfernung des Schwerpuncts eines pendelartig 
vrn eine horizontale Axe schwingenden Körpers s, seine Masse 
m, die Summe aller Massentheile in das Quadrat ihrer Entfer- 
nung von der Axe multiplicirt ni (^ -|~ $^)i ^o ^^^^ °'so m^ 
das Moment der Trägheit fii» den Schwerpnnct ist, der Elonga- 
tionswinkel a,, die Länge des einfachen Secundenpendels X, so 
Iial man nach dem Salze von der Erhallung der lebendigen 
Kraft für die Bewegung im leeren Kaume dJe DifiFerential^Iei- 
cbung für die Geschwind! j^keit 



o=li(p+.n 



m- 



2nn.in8.Cos. I 



r Flüssigkeit, 
neue Theile 



Igt zuerst 

sigkeit in 



Bewegt lieh d« Körper 
der Stofs desselben gegen in 
jedem Puncte des Raumes einen Verlust von Kraft, also eine 
Verminderung von c, welche von der GescMvindigkeit der Be- 
.vegiing und der Form des Kdrpers abhüngt und also durch 

bezeichnet vrerden kann. Indem sich aber der Kör- 



C^)' 



|)er während des Zeittheilchens dt durch das Raumtheilchen d u 
bewegt, so darf man die Verminderung von c in diesem Zeit- 

theil^en durch dttip i j — \ bezeichnen und nach einem end- 
lichen Zeitintervalle wird sich eine — /duqj I — J verwan - 



1 UntersuchuDgeo u, s. w. S- 3S ff. 
nktmlebre. Sup^lemcptband I. S. SOt Q'. 



S48 Pendel. 

dein. Ferner kommt zum zweiten Gliede der Gleicknng die 
Summe alier Theilchen- der Flüssigkeit multiplicirt mit dem 

Quadrate der Geschwindigkeit, also / v^ dm' jiin2;a. End- 
lich wird dein dritten Gliede die Summe der Producte dez auf 
jeden Punet ^er Oberfläche wirkenden , nach der Richtung der 
Schwere zerlegten Druckes in die Entfernung von der durch 
die Drebungsaace gelegten horizontalen Ebene, tnit 2n^X mtA- 
tipücirt, hinzugefügt, welche = 2n^Xm' s Cos', u ist, wenn 
m' die verdrängte Flüssigkeit und s die Entfernung des Schwer- 
punctes der Form des Körpers von der Äxe bezeichnet. Lie- 
gen dann die Schweipuncte der Masde und der Form des Ktlr- 
pers und die Dt ehungsazfe in einer Ebene , so ist 

c _/duy (i^) = m 0. + s^) (^y 

+ /v^dm' — 27r^X (ms — m's') Cos.u. 

In dieser Gleichung bezeichnet das erste Glied den Widerstand, 
welchen die Flüssigkeit «gegen das bewegte Pendel ausübt, und 
welcher nur bewirkt, dafs die Elongationswinkel allmälig ab- 
nehmen ; für das letzte Glied hat man bisher s = s* angenom- 
men , welches nur dann erlaubt ist , wenn das Pendel aus ho- 
mogenen Theilen besteht. Am wichtigsten ist das zweite Glied 
und setzt die vollständige Integration von v^dm' voraus, wel- 
che aber nicht zu bewerkstelligen ist , so lange man das Verhal- 
teü der Flüssigkeit bei solchen Bewegungen nicht kennt. Liefse 
sich annehmen , dafs jedes Theilchen derselben nur so lange in 
Bewegung bliebe, als sich das Pendel bewegt, so wären die Ge- 
schwindigkeiten beider einander proportional und man erhielte 

worin K eine beständige Gröfse bezeichnet. Die Schwingungs- 
zeit würde demnach durch die Integration der Gleichung 

c=m ^^ + s2 + ^ K^ (^)^— 2n^X (ms — m's) Co«, u 
erhalten oder das Pendel würde mit einem einfachen von der 

Länge = "" 



2 

9 



m , 

— s 

m 



Reduction dea phyaiflchen. 349 

gleichzeitig schwingeD, Bessel gesteht selbst za, dafs die 
hierl^i zuqi Grunde - liegende Annahme mit det wirklich statt- 
findenden Bewegung der^Iüssigkeit nicht übereinstin^me, glaubt 
jedoch ^arch eine dlgem^o« Voraussetzung über die Form die^ 
tes lategffJs zu dem nämliohea'ifiicht ttieJHT'frypothetischen Re-^ 
fohate SU gelangen. Es rdai£ nämlich ai^enommen werdenj 
dbi^'deK.Werthi..;walahea 4^ Integral allgemdin für die Zeift 
lifi^y nach der Volleadixvg^vpD zwn Schwirfgnngen-wiedeikehn^ 
"Viyi^' das Pendel so aingeiiöhtet ist, daCs es beim HiQ>>'ihid 
Hergänge^ der ,vriderstehtBdi»a FJ^igkei^ gleiche Flächen dar- 
bi^|t«t, .waa.wohl <phne AusMhme der Fdl seyn wird, ife 
ll^rgehung der au9£iihrliK)hf|l Untersüchmig wird «^bt^ ge^ 
nügen, nur im Allgea)ftiiM|.]p i9P )}f«n««ifcil^<i da& dem Aach die 
Länge des ei;ifachen , mit , dem. iA d«r Flüssigkeit isochrpiiiscli 
schwingenden^ ^endels^ i*' . * .^ f . ... *, . 

ml ■ ,•!■ -I 

»-+ — K 

m 



( 






gefunden wird* Ob die ^ernach hinzuge^ofumepe GröCse K 
mit ier GrOfs^e, der Elongationswinkel sich TeTände]:t, muls sich 
daraus entnehmen lassen , ob diese durch die gewöhnliche Me« 
thode reducirt werden können^ ui)d da oben (untex a) gezeigt 
worden ist, namentlich durch die neuesten Versuche von Sabiv« 
dafs sich die gröfserenElongatic^swlnkelmjbdestQns ohow.nqH^rf^ 
liehe Abweichungen auf verschwindend kleine durch die ange- 
gebene Methode reduciren lassen , so wird es unnöthig , diesen 
Theil der Aufgabe weiter zu beiücksichtigeh ^. .Besteht das 
Pendel aus einer an einem Faden aufgehangenen Kugel, so ist 
die Einwirkung der Flüssigkeit auf die Schwingungszeiten von 
der Länge des Pendels unabhängig oder d^^^indp^.yon.B/SflH 
SEL gewählten bequemen Formel, wonach das in .der Lut 
schwingende Pendel . . 



1 Bks9el Untersuchangen S. 54. fand durch eeiiie sehr feinen 
Versacke y dafs der Werth von K mit abnehmenden Schwingiingswin-« 
kela zunimmt. Da man aber die sammtlichen Winkel auf einen initt« 
lern redacirt , so wird dieses ausgeglichen | wenn nar* der Werth' von 
K gehörig bestimmt ist. '' 



352 Pendel. 

deatendsten Gelehrten überein. ''Bessel^ üufserte nämlich , dafs 
das einfachste MittM zu seyn scheine, Pendel in der Luft und 
im leeren Räume schwingeti zu lassen , furchtet aber , dafs die- 
ses Schwierigkeiten haben würde , welehe Zweifel anderer Art 
erzeugen könnten. Leider hat der scharfsinnige Forscher die 
Schwierigkeiten nicht näher - angegehen , um hiernach >zn beur- 
theileoi ob^diesetben wirklich bereits überwunden sind, oder 
nicht« -Allerdings ist die Construction eines hierzu tauglichen 
Apparats mit grofsen Schwierigkeiten verbunden , welche je- 
doch durch die Erfindungsgabe des Capt. Sabihe und die Ge- 
achicklichkeit der ihm ^ Gebote stehenden Künstle» glüoklich 
überwunden "kn S^n scheinen , so dafs die von ihm) erhaltenen 
Resultate bdD-der* bekannten Genauigkeit seiner £xp^tt«tate al- 
lerdings Ztrtüäueh verdienen ^. Er liefs nämlich in mehrmals 
wiederholten Versuchen die nämlichen Pendel in atmosphärischer 
JjujEt bei mittlerem Barometerstande, dann in ungleich verdünn- 
ter Luft und endlich auch in Wasserstoffgas schwingen und 
fand ais mittleres Resultat^ dafs zur Reduction auf den leeren 
Raum täglich 10)36 Schwingungen hinzu addirt werden müssen, 
statt dafs die Formel nur-4i26 gab, also 4)1 weniger, wonach 
also die gewöhnliche Correction im Verhältnii)^ von 1,6558 1 zu 
nehmen Seyn würde« Merkwürdig war zugleich, dafs die Ver- 
zögerung des Pendels, in atmosphärischer Luft zu der im \Vas- 
«erstoffgas bei gleicher Temperatur und gleichem Drucke sich 
wie 5,25:1 verhielt, statt dafs das Verhältnifs 13: 1 n^ch den 
Dichtigkeiten beider seyn sollte. Diese Abweichung legtet Sa- 
bine von einer gewissen Zähigkeit oder Klebrigkeit der Gase 
ab, inzwischen scheint es mir, dafs sie vielmehr der bei beiden 
Gasarten gleichen Elasticität und dem hierdurch gröfstentheils 
bedingten Widerstände derselben beizumessen sey. Auch mit 
dem . bekannten , durch Kater gebrauchten Revorsionspendel 
stellte er diese Versuche an und fand, dafs b^,<^pyv«pdung der 
(oben beschriebenen) gröfsem hölzernen Endstücke (jtail pieces) 
von 17 Zoll Länge mit dem gröfsern Gewichte oben die tägli- 
chen Schwingungen um 16,1 Schwingungen , das gröfsere Ge- 
wicht unten aber um 15,7 Schwingungen vermehrt werden 



1 UntersachuDgen n*. s. w.. S. 37. 

S Phil. Trans. 18^. p. S07. Früher hat schon Dbbham Pendel 
im luftverdünnten Räume sch^/van^en lasten* S« Phü. Tr. Ko. 294. 



Rednclion de« phyaischen. 353 

% 

moTstem Wurden jene aber mit kleinem, nur 6|4 Zolle hingen 
vertanedit^.ilOrbetrag die Vermehrung. im erstem Falle 14^9, iiä 
letktem ,i2ikWiif^hei der Anwendung von messingnen, 7 Zolle 
langen, im ersten Falle 12,8, im letztem nur II3 Scli\nngiin« 
gen^» Wegen der ungleichen Anzahl der zur Correction.erfbr- 
derlicheU Schwingungen ^in den beiden gekannten Fällen wiav> 
dMbolter&^BZHB^ die Versuche noobmalrni|. wo möglieh ver- 
mehrter Genauigkeit und faj^ibei der Vergleichung der Schwin« 
gungsmengen im leeren Räume und in^derLüft^daCi dieSchwin-* 
gungen für einen ganzen Tag V^iSO Z« Barombterstand und 
57^i3 F* Temperatur um 13,68 vermehrt wefden^jnüssen, wenn 
dar griSfsere Gewicht .oben hängt, dagegen bfi gleichem Baro- 
meterstande und 57^,4 F. Temperatur um 12,1 Schwingungen, 
wenn dasselbe unten hing, t^eswegen. der Schieber auf 1,637 
der Scale gestellt werden* mufs, wenn da« Pendel ,eia eigentfi- 
chet Reversionspendel sejn solL 



;. . 



f) Reduotion auf die Meer^sfläche. 

Die Schwere, welche die Pendelschwingungen bed^gt, 
hat im Niveau des Meeres ihre^Qormale Gröfse und wird daselbst 
als Einheit angenommen und durch g bezeichnet. Sicrnibint 
aber der Erfahrung nach ab , wenn man sich über den Sjjiegel 
des Meeres erhebt , und zwav- den Quadraten der Entfernung 
proportional, die letztere nach dem Erdhalbmesser, als Einheit 
angenommen , gemessen ^. Heifst daher der Erdhalbmesser r, 
die Erhebung über den Meeresspiegel h , die Schwere in dieser 
Hdhe g , so ist 

,/r + h\« ;/ r»+2hr + h« \ 

g=g (-T-j =H— T^ j' 

h* ' 

und weil — eine sehr kleine , der Beachtung nicht werthe Grtf- 
r 

fse ist, in hinlänglich genähertem Werthe, 

Die Pendel müssen daher in mefsbarer Erhebung über der Mee- 



1 UntersocHuDgsn S. SSI. 

2 Phil. Trans. 18S1. p. 470. 

S Einige allgemeine fietrachtangen über dieses Problem voa LA 
Placs findet man in Ann. de' Ch. et Piiys. XXX; ^JU 
YII. Bd. Z 



354 Pendel. 

rasfläche lo^ngsamer sclrgi'ingen , oder lia müssen verkiiret wer- 
den , wenn sie mit denen im Niveau des Meeres i&ochronisch 
schwingen soIUol Heilsen also die bereits für die übrigen Be- 
dingungen corrigirten Pendellängtn Jind Schwingnngszeiten U' 
und t' , die auf die Meeresiläche zu reducirenden aber X und t\ 
so ist in hinlänglich genäherten Werthen , wenn man die Wer- 
the von g und g' in die Formel für das einfache Pendel setzt, 

t''«t(i_|)«„dx=L-(i4-^). 

Thomas Yovhg^ bemerkt in dieser Beziehung y '4afs bei dieser 
Correction zugleich die Anziehung der Bergmasse^ über wel- 
cher die Messungen angestellt werden y zu berücksichtigen sey. 
Weil aber hierbei sowohl die Form als auch der Inhalt der Berge 
in Betrachtung kommen , die nicht allezeit bekannt sind , zumal 
da man meistens nicht wissen kann , ob die Berge bedeutende 
Höblungen einschliefsen , so läfst sich hierüber nicht füglich 
eine allgemeine Anweisung geben. Young meint indefs, dafs 
die Masse des Berges aus der Höhe selbst in genähertem Werthe 
entnommen werden könne« und werde dann, im Mittel dessen 
Dichtigkeit = 2,5» die der Erde = 5,5 C^eides wohl ; etwas zu 
grofs) angenommen» so sey für tnäfsig steile Berge und für 
Hochebenen 

X = L" (l + 0,7 ^) nnd X=L" ( 1 + 0,66 ^V 

Dafs die geognostische Beschaffenheit des Bodens auf die Pendel- 
schwingungen einen merklichen Einflufs habe, hat inf^esondere 
Sabine schon bei seinen frühern ausgedehnten Pen.delmessungen 
aufgefunden^, noch neuerdings aber zeigten sich solche örtliche 
Einwirkungen bei der im Jahre 1827 durch eben diesen Beob- 
achter angestellten Vergleichung der Pendelschwingungen zu 
Portland - Place (in London) und Greenwich« Es ergab sich 
nämlich, dafs das Pendel an letzterem Orte täglich 0,48 Schwin- 
gungen mehr gab , statt dafs es der Berechnung nach 0,27 we- 
niger geben mufste , so dafs also die Gesammt Wirkung der ört- 
lichen Einflüsse daselbst eine Vermehrung von 0,75 Schwin- 
gungen täglich betrugt. Ein gleiches Resultat geht aus der 

1 Phil. Trans. 1819. p. 93. 

2 Hierüber aad über andere BeoBachtungen s. Art. Erde Bd. III. 
S, 910. 

3 Phil. Trans. 1829, p. 8S. ' 



Einfache» Se^rundenpendel. 355 

PendelmetsnDg benror, we|ohe Carlivx und Flava «of imm 
MoDt Cenifl «DStallten*, denn ai« fanden tdie Länge dea ei»- 
&cheii Secnndenpendcls dort 'sxs SOSJOS MiUim., statt dids 
aie nach andern genauen Beatimmnngen =B^93|496MiUinHaeyn 
miilate« 



» *. 



.,..!■» '1, 



.M^.: 



F. 'Anwendungen des Pendels k'Wm prak- 

i tischen Gebrauche. ' * 

Es 16t ^chon im Anfange dieser Untersnchnngen bemejnkt 
iHrorden^ dafs das Pendel oder-dab die pendelartigen Schwin^ 
gnngefi'^I^Mfack'^'aogewandt -werden und daftjidkr'jConstraction 
dies^S^ilai^Wesenthchen höchst einfachen Appai«(^t%i>f}ach der je^ 
desmaligen Bestimmung mannigfaltig modificirt kvifdi Hiernach 
wirdedie Zusammenstellung der gesamaaten Anwendungen des- 
selben Ton nicht geringem Umfange seyn, nnrenn sie auf VoU«- 
ständigkeit Anspruch machen wollte ; indefs scheint mir dieses 
überflüssig und ich begnüge mich daher mit den wesentlichsten 
Andeutungen) aus denen sich dann alles Uebrige leicht entneh«» 
men läfst. '•^"«^l j • 

■ -■ ■'' ' ■■ '' . 

a) Einfaches Secundenpendel. ., 

Die Hauptanfmerksamki^it dar Physiker ist seit geraumer 
Zeit und vorzugsweise in den letzten Decennien darauf gerichtet 
gewesen , die Länge des einfachen Secundenpendels hiit gröfster 
Schärfe 'aufzufinden , theils um hieraus die Schwere unter den 
verschiedenen Breite ngrad>»n und somit die Gestalt ' der ßrde 
auszumitteln , theils um jen^ für irgend einen Brefferfgrad oder 
vielmehr irgend einen Hauptort genau bestimmte Gr^Üüe als Norm 
für ein geregeltes Mafssystem zu benutzen oder ihindestens 
beide mit einander zu vergleichen. Was in beiden Rüi^M^chten 
bisher geleistet wurde, ist in der Hanptsache bereits mitge- 
theilt worden^, und es bleibt daher hier nur noch übrig, dieje* 
nigen Apparate etwas näher anzugeben, deren man sich' zu die** 
sem Zwecke bedient hat* 

Da ma^n nach den (unter C) mitgetheilten Bestimmungen die 
Längen und Schwins^unoszeiten verschiedener Pendel leicht und 



1 EfTemeride di Milano 18$M. App. p. 98, 

ü 3. Art. Erde Bd. lü. S. 879. ood Art. Mafo Bd. TU. 

Z2 



356 Pendel. 

mit absoluter Genauigkeit auE einander zu reduciren vermag, so 
ist es unnöthig , die Pendel gerade so zu construiren , dafs sie 
genau 86400 Secunden während eines Tages , sey es nach Ster- 
nenzeit, oder, was gewöhnlicher ist, nach mittlerer Sonnenzeit, 
schwingen , auch würde diese Aufgabe fast unmöglich, auf jeden 
Fall schwieriger seyn, als das ganze Problem der Pendelmessung. 
Man begnügt sich vielmehr damit, die Länge eines gegebenen 
Pendels genau zu messen und ans der Anzahl seiner Schwingun- 
gen die Länge des einfachen Secundenpendels für den gegebe- 
nen Ort abzuleiten , oder man läfst das nämliche Pendel ab ver- 
tchiedenen Orten schwingen und bestimmt den Unterschied 
der Schwere aus den ungleichen Mengen seiner Schwingungen. 
Im letztern Falle ist es unnöthig , die absolute Länge des ge- 
brauchten Pendels zu kennen , jedoch hat man gerade hierauf in 
den neuesten Zeiten die meiste Mühe verwandt. 'Weil es übri- 
gens nicht hinreichendes Interesse gewähren kann, die gesamm- 
ten einzelnen Versuche zur Auflösung dieses Problem^* und die 
vielfach abgeänderten Constructionen der Pendel zu beschreiben, 
so beschränke ich mich darauf, nur die drei wesentlichsten Ar- 
ten solcher Pendel näher zu bezeichnen* 

1) Das erste gemessene Secundenpendel war von einfach- 
ster Form und bestand aus einem dünnen Faden mit daran hän- 
gender Kugel von Blei oder gewöhnlicher von Messing. Eines 
solchen bediente sich schon Galileo Galilei^ nach seinen er- 
sten Beobachtungen der im Dome zu Pisa oscillirenden Kron- 
leuchter , HuTGHENS ^ aber bestimmte vermittelst eines Solchen 
den Fallraum in einer Secunde zu 15 par. Fufs und l'Z.^ in- 
dem er zugleich den dritten Theil desselben als alJgemeiries Nor- 
malmafs einzuführen vorschlug. Später bemühte sich de Mat- 
RAN^, die Länge des Secundenpendels für Paris genau zu mes- 
sen, BoüOUEH* verglich die Pendellängen unter dem Aequ«^ 
tor und zu Paris. Der Faden zu diesen Pendeln wurde der 
Feinheit, Gleichförmigkeit und geringen Elasticität wegen zu- 



1 Discorsi e dimostrazioni matematiche intorno a dae nnove 
Scienze attinenti allaMeccanica cet. Disc. I. in Opere ; Fioreaze 1718. 
4. III Tom. 4. T. II. p. 538. T. 111. p. 171 u. 419. 

2 Ilorologium oscillatorium. In opp. var. ed. s'Gravesande. L. 
Bat. 1724. IV T. 4. T. I. p. 87. 

S Mem. de TAcad. de Par. 17S5, p. 273, 
4 Figure de la terra p. 342. 



Einfaches Secunclenpendel. 357 

weilen tod einer Aloe {agave amerioana) genommen ißls tk§ 
piie') und man nannte sie daher JPiU'^ Pendel ^ weil sie aber 
nicht anhaltend in der verticalen Flache schwingen, sondern zu- 
weilen mehr oder weniger rotiren, so untersuchte Claikaut^ 
den Einflufs dieser Bewegung auf die Pendellängen. Der nach 
DE Mairan's Methode construirten Pendel bediente sich auch 
Gooiflr ? auf Domingo , Grahabc in London und Cam pbei. auf 
Jamaica, jedoch bestand dieser Graham^sche Apparat aus* einer 
kupfernen Ki^gel an einem feinen Kupferdrahte 3. Bougver 
und CoNDAMiNB gebrauchten aufser der Kugel ein Gewicht aus 
zwei mit ihren Grundflächen vereinten abgestumpften Kegeln \ 
stellten mit beiden und dem spater ' zu erwähnenden unverän^« 
derlichen Pendel eine Menge Messungen an verschiedenen Or-> 
ten der äquatorischen Zone an und liefsen unter dem Aequator* 
die dort gefundene Länge des einfachen Secundenpendels 
= 439)21 par. Lin* in ein steinernes Monument hauen ^. Auch 
die von Darquier ® zu Toulouse gemessene Pendellänge ge- 
hört unter die bekanntesten altern, eben so wie die wegen des 
Luftwiderstandes nicht corrigirte von Jagquier^ für Rom ge- 
fundene Bestimmung von 39,0974 engl. Zollen. 

BouGUER^ ist wohl der erste, welcher die Idee de^ un- 
veränderlichen Pendels aus der bekannten Beobachtung von Ri- 
CHER entnahm, dafs dessen Uhrpendel auf Cayenne langsamere 
Schwingungen machte , und welcher diese Construction auf das 
einfache Mairan'sche Pendel anwandte. Diese unveränderlichen 
Pendel Mpird^n an jedem einzelnen Beobachtungsorte nach ei- 
nem genauen Mafsstabe hergestellt und aus der Zahl ihrer 
Schwingungen berechnete man demnächst die dem Orte zuge- 
hörige Länge des einfachen Secundenpendels. Die ältesten 

1 M^m. de TAcad. de Paris 1735. p. 382. Eine allgemeine Un- 
tersuchang der Gurven, worin solche Pendel schwingen , ron Moll- 
TVEiDB findet man in G. XXIX. 194. 

2 Mdm. de l'Acad. 1734. p. 682. 
. 3 Phil. Trans. 1734. p. 302. 

4 M^m. de PAcad. 1735. p. 705 ff. 

5 M^m. de TAcad. 1747. p, 515. Condavine Journ. d*un Vojage 
cet. p. 99 u. 162. 

6 Observations astronomiques faifces aToulonse. Par. 1782. p. 219. 

7 Nbwto« Phil. nat. princ. malh. ed, Jac^uier et Le Seur. T. I« 
p. 115. 

8 Figurc de la ttrre p« 338. 



358 Pende). 

Beobachter gebrauchten daher entweder das Mairan*8che verÜn« 
derliche oder das Boogner'sche unverSoderliche öder meisten« 
theils beide in ihrer ursprünglichen Einfachheit. Unter andern 
geschah dies6j^ düirch Jörgs Juav uiid Avtovio dbUlloa^ un- 
ter dem Aeqiiator und zu Quito, Utnrch laCaille^ anf demCap, 
durch LK GcvriL ^ su Pondicheri , beide indem sie die LSnge 
des Pendels iri Paris als Einheit annahmen, und durch Lulof^ 
ZQ Leiden. D^s Mairan^schen Pendels bedienten sich aufserdeia 
hauptsächlich ' Gaisciiow * an verschiedenen Orten des mni- 
sehen Reichs , Mallbt ^ zu Petersburg und Ponoi in Lappland 
und RoMowSK.1^ in einigen hoch nördlichen Gegenden. Alle 
diese Versuche sirid ihrer Zeit zur Bestimmung der '-Erdgestalt 
benützt worden. Wenn ich indefs die minder bekannt gewor- 
denen Untersuchungen über die Construction solcher Pendel 
übeijgehe, so verdienen v« Zacb's* Bemühungen noch kurz 
erwähnt zu werden. Um nämlich die Pendelversuche mtfgGchst 
zu vervielfältigen, schlug fit einen leicht zu transportirenden und 
überall an einer festen Wand leicht anzuheftenden Apparat vor, 
an welchem das Pendel durch Einklemmung des Aloefadens auf- 
gehangen werden sollte. Statt der Kugel wählte er die mit ih- 
ren Grundflächen vereinten abgekürzten Kegel "von Silber , oben 
und unten mit einem Schräubchen versehen, um den Faden fest- 
zuklemmen und zugleich den osciUirenden Körper Umzukeh- 
ren. Durch das Zusammenfügen der Kegel entstand eine scharfe 
Schneide^ welche beim Osciüiren des Pendels auf einer hintern 
polirten und mit einer dünnen Lage von Lampenrufs bedeckten 
messingneh' Tafel eine feine Linie zeichnete, deren Abstand 
vomSuspensionspuncte dann die Lange unmittelbar geben sollte, 
mit Rücksicht auf den Schwingungspunct , welcher bei dem 



1 Obtenraciones aBtronomicas hechai de Orden de S. Mag* en 
as rejnos del Peru. En Madrid 1748. p. SS4. 

2 M^m. de PAcad. 1751. p. 436. 1754. p. 108. 

S Yoyage dans les mers de Tlnde» Far. 1751. T. I. p. 453. T. 
I. p. 327. 

4 Verband, der Haarl. Maatsck. T. IIT. p. 419. 

5 Not. Comm. Pet. T. VJI. p. 449. 

6 Ebcnd. XIV. P. II. p. 28. Phil. Tran«. 1770. p. 365. 

7 NoF. Comm. Pet. T. XL 474. T. XVI. 575. 

8 BooB Samml. astron. Abhandl. Erster Soppl. Bd. Gotha 1793. 
8. 173. Daraas in Lichtenberg Mag. IX. I. S. 142. 



EiiifacIicB Seoundeiippiidei. SSt* 

durch T. Zach constriiirUn Probependel Oiüli'S pT, Lii). unlur 
n SchvverpiiDcte lag. Die Lan^enm essung endlich wiirtle 
, einem Stangen - Cirkel angestellt, woran eine Ramsden'sLliB 
ftlikrom et ersch raube bis 0,01 p.ir, Lin, zn messen erlaubte. Mil 
sem Apparate wurde die Länge des einfachen Secundenpen- 
dels zu Gotha für milllere Sonnenzeit = 440,6ü3 par. Lin. be- 
amt. Allerdings ist dieser Apparat sinnreich construirt, in- 
defs ergiebt sich zugleich , wie viel weiler die Technik zur Her- 
stellung 9o feiner Instrumente in unsern Zeiten vorgerückt ist. 

In höchster VoHendiing wurde dk Maihas's Tendel lierge- 
«tellt und zur Bestimmung der Länge des einfachen Secntiden- 
pendels benutzt durch de lioiinA' und Cassisi. Um kleinere 
Abweichungen leichter zu beseitigen, machte DR DüHnA das- 
selbe V2 Fufs lang, wählte eine Kugel von Tlatin an einem sehr 
inen metallenen FaJen , hing dieses an einer Messerschneids 
r Achalplatten anf, deren horiionlale Lage genau nivelliil 
wurde, auch konnte die IVlesserschneide vermittelst eines Ge- 
gewichts an einer Schraube so balanctrt werden , dafs sie 
ttiit dem Pendel iaochronisch oscÜliite, und die Mengen der 
Schwingungen wurden vermittelst der Coincidenzen gezählt, 
endlich wurde eine nivellirle Stahlplalte inikrometrisch bis zur 
Berührung mit der untern l'lriche der Kugel erhoben, um die 
Lange des Pendels mit gröfater Genauigkeit zu messen. Aus zwei 
von DE BuitDA zu Paris gebrauchten Pendein folgt im Mittel die 
Länge des einfachen Secundenpendels daselbst = 0,993SJ646S 
'Meter. Solcher nach DR BoHDA conslruirter Pendel, deren 
- Longo jedoch mil der des Meters sehr nahe zusaramenlraf , be- 
dienten sich nachher Biot und AhAi'.o bei ihren Messungen in 
Frankreich, welche Bcot später nördlich bis Unst und östbch 
■ bis Fiume ausdehnte *, DuFEiiBBt ^ und Fheycihet* sowohl in 
Frankreich, als auch auf ihren Entdeckungsreisen, und mehreie 



t fiaie H-i Sj-il^mc Bi«tri.|i.e. T. III. p. 337. VeiaL Ue':.m"m. 
AftionDmie tlie'orique et prHCt. T. III. p. 580, 

2 Recucil d'^bsornliana e<<oJ^>iqDei cet. pur Blut etAragn. Cti. 
»1821. auch T. IV. <ler Bnae lueliiijDe geuauiit ; Biot in Miiniuiies 6r 
tfAoadeniie roy. dei Sc. Ai<ii<tB 18ü5. T. VIIT. p. 1 ir. 

S CODI), de* Ten». ISSS. p. 980. und 1H30. A'IH. [•. S3. 
4 Freycinet VoysfiB autour du inaiule. Pul. 1S25. Olocivaliunt 
du pendulr. 1S36. p. i5. 



360 Pendel. 

fianzösische Gelahrte. Aach Carlivi und Pla«4^ bedienten 
üch bei ihrer Messang auf dem Mont Cenis- -dieses Borda'«* 
sehen Pendels , mit der Abänderung ,' dab sie den Silberfadeo 
nicht vermittelst einer Hülse (caloUe) in der Kugel befestigten, 
sondern ihn durch dieselbe, steckten und mit einem Knoten be- 
festigten I aych vertauschten sie diei Messerschneide mit einem 
sehr feinen Cylinder , maben dann die Länge des Fadens vom 
Aufhängepunct^ desselben bis. ^u, seinem Eintritte in die Kugel 
und den Durchmesser der let^^tern vermittebt eines stark ver^ 
gröfsernden Mikroskopes uni eines Mikrometers. .\ Mit einem 
von Lehoir verfertigten , durch Brisbase nach Nenholland ge- 
brachten Borda^scben Pendelapparate endlich mals RüMKBa^ 
1827 die Länge des eintlachen Secundenpendels za Paramafta 
unter SS"" 48^ 49'',79 S. B. und fand diese = 992403488 
MiÜimeter. 

2) Die Uebersicht der vielen, oben bereits erörterten 
Schwierigkeiten, welche einer ganz scharfen Messung der Länge 
des einfachen Secundenpendels im Wege stehn und sich nur 
durch die höchste Sorgfalt beim Experimentiren , verbunden mit 
ausführlichen Corrections-Rechnungen, beseitigen lassen, fiihrte 
auf die Idee , mehrere jener Schwierigkeiten dajorch zu um- 
gehn j dafs die Länge des Versuchspendels nicht unmittelbar, 
sondern dafs nur der Längenunterschied zweier ungleich langer 
Pendel gemessen würde , um aus den Schwingungszeiten beider 
die Schwingungszeiten eines diesem Unterschiede an Länge 
gleichen Pendels zu £nden , woraus dann bei genau gegebener 
Länge und Schwingungszeit dieses blofs durch Rechnung gefun- 
denen Pendels die Länge des einfachen Secundenpendels leicht 
zu entnehmen war. Es ist bereits oben^ erwähnt worden, dafs 
zuerst Hatton diese Idee angab und Whitehurst sie in Aus- 



1 Sffemeride di Milane 1824. App. p. SS. 

2 Transact. of the Roy. astronom. Soc. T. III. P. II. p. 277. 
Nach einer spätera Prüfung des gebrauchten Mafsstabes würde diese 
gefundene Lange merklich gröfser werden , allein es ist kaum glaub- 
lich, dafs ein solcher Unterschied sollte stattgefunden haben. S. 
Phil. Trans. 1829. P. III. p. 151. Aufserdem stimmt der erhaltene 
Werth sehr genau mit andern Messungen unter ähnlichen Polhöhen 
überein. In der Tabelle ist die endliche Bestimmung von Brisbans 
aufgenommen. 

3 Art, Mafs Bd. VI. 



Einfaches Secnndeapendel. 



sei 



rung brachte, auch hat später v. Zacl* einen solchen Ap- 
[ parat für die Slernwarle auf Seeberg veiferligen lassen; allein 
icheint, dofs die Technik damals noch nicht weit genug vor- 
■ücktwar, um so feine Apparate in genügender Vollendung 
■zustellen^, denn v. ZaoH findet die Vorrielitung zu sehr 
laniDiengeselzt und auf Reisen insbesondere nicht brauchbar, 
I obgleich die Ctiostruction eines solchen Pendels keine gröfsern 
I Schwierigkeiten als die des Mairan'schen darbieten kann. Es ist 
mirindels nicht bekannt, dals jener Vorschlag spater von irgend 
jemand in Anwendung gebracht wc den sey, bis in den neuesten 
Zeiten Bessel denselben für dieBeslimmung der Pendellänge zu 
Königsberg benulzte. Der oben erwaimle, hierzu gebrauchte Ap- 
parat ist allerdings ein ganz anderer als derjenige, wozu Hat- 
»OM und WniTEauHST die rohe Idee angaben , er wurde viel- 
■ Mehr in höchster Vollendung durch den geüblen Eepsold ver-, 
fertigt nnd die Art seines Gebrauches beurkundete die umfan— 
gendste Kenntnifs der hierbei in Betrachtung kommenden phy- 
sikalischen Gesetze und die ausgezeichnetste Fertigkeit in der 
Kunat des £?{perimentirens. Bessel's Untersuchungen und 
Messungen gehören daher unter die vorzüglichsten, welche die 
neueste Zeit im Gebiete der Naiutforschung aufzuweisen hat. 
Inzwischen läfst sich zugleich nicht in Abrede stellen , dafs ein 
solcher Apparat hauptsächlich nur dazu geeignet ist, um an 
Haupt Stationen die absolute Länge des einfachen Secundenpen- 
'deUauCr-nfinden; soUen dagegen die relaiiveti Pendellängen an 
-verschiedenen Orten der Erde, namentlich auf Reisen, be- 
stimmtwerden, so gewährt das tinveränderliche Pendel In die- 
Mr Beziehung die leichtesten und sichersten Hesnltate, 

3) Bougij'br's Vorschlag, das Mairan'sche Pendel als 
1 unveränderliches zu Versuchen anzuwenden, wurde durch 
'CoSdamisb' verbessert, indem er eine eiserne Slange mit ei- 
' aer Linse von Blei vermittelst der Messerschneide auf stähler- 
nen Cylindem als unveränderliches Pendel schwingen liefs. 

1 BoöB Samml. «Hr. Ahi. 1. Siipp!, Bd. S. 175, 
S WuiTEUuaiT hat indals mit seiaem Feadel lehr genau gemei- 
(en. Nach TaoDcnToii faail er nämlich die Lauge dca einracliEa Se- 
cundenpeadeU nach den erforderlichen Correctioiien =39,13916 I>ei 
62" F., welfhes von Kateii's BEitinimung = 39,13a6 ensl ZoUeunicIit 
Merklich abwticht, S. Edinb. Phil. Joiiro. I, 75. 
3 Jouinat du Vojage cct- Par. 1751, p. l-H. 



302 



l'cMtItl. 



Mir Molchen Pendeln, wobei man in don n)ei«len Fn 
■chon durch ihren Gebrauch bekannt gewordenen »u 
suchte, wurden *n verschiedenen Orlen der Erile Vers 
geslellr, indem man sich ihrer entweder allein oder in 
dung niit dem Mairan'schen bediente. Dieses geschah fa: 
lieh durch Condamiii:* selbst ar 
(juator oder in geringem Abslandi 
len , dnrch Madfebtuis^ unter 
einem von Grahaw verfarti^ien 
ttCAitLE^zuPnris und auf d et 
mit einem Pendel von «lern na 



erhalle 



Verfain- 
Jieses geschah faauptsäcli- 
chiedenen unter dem Ae- 
demselben liegenden Or- 
lördlichen Polarkreise mil- 
iderlichen Pendel, durch 
Vorgebirge der guien Hoffming 
Llichen Künstler, insbesondere 



hlihe 
gehöre 



r durch die Petersburger Akademiker an vielen Ortei 






1 Itreiten. Unter die bekanntesten Mi 
die von Ghischow *, welcher sein Gr 

ir. Zolle kngen siühUrnen Snnge mit einer Linf 
m DiuohmeasEr bestehendes Pendel von la GAii.t 
te, au Petersburg, Arensberg, Pernaw, Dorpi 
e von MALtiT* mit dem durch pe la Lasd 
idel CiiiTDAMi NE's ZU Petersburg und Ponoi i 
eben diesem z 



Art 



einer fast 36 p 
von 5,fi(iZolli 
bekommen hiti 
und Reval, di 
erhaltenen Pe: 

Lappland, desgleichen durch Bui 
Seleginsk, Archangel und Kola. DiesePeodel wurden zugleich 
mit einem Zeigerwerke versehn, um die Anzahl der Schwin- 
gungen in Zahler), was sie jedoch keineswegs vorzüglicher 
macht. Endlich sind hierhin auch die zahlreichen Beobsohtun- 
gen niAtESi'iiTA's an verschiedenen Orten der neuen Welt un- 
ter höh ern und niedern Breiten zu rechnen, welche mit einem 
nnveränderlichen, aber leider nur aus einer tannenen Stange 
verfertigten Pendel angestellt und von den vielen unschätzba- 
ren, mit groFsem Unrecht unterdrückten Resultaten jener Reise 
durch Jahbo OltmamSS ' der Vergessenheil entrissen sind. 

In gröfster Vollendung wurde das unveränderliche Pendel, 



1 M^m de l'Acad. 1745. p. 4?5. 

2 Mo'm. de l'Aod. 1737. p. 465. 

S U<iia. de I-Acad. 1751. p. 436. 1754. p, 108. 

4 No». Comm. Pet, T. Vif. p. 449, 465. 495. 514, 

5 Ebead. T. XIV. P. II. p. S8. CollecHo oninhiiii ol»(-.t<t., 
tjusF occB'ioue traniihii V«iiBrii cei. iiiilitnUd tiint. Fetrop. 1770. 

6 No». Comm. Pei, T. XI. p. 474. T. XVI. p. 575. 

7 Orell*'s Journ. für die reine uud sugowaudte Math, Beclui 
ISA). Th IV. S. 7i. 



Einfaches S'eonnd'eiipentlcl, 363 

euj-leich als Retorsion spende!, durch Capl.KATsn so dargestellr, 
-wie dasselbe bernts oben (unter B. d.) nach seinen wesentlichsten 
Theilen beschrieben worden ht, so daTs man seit dieser Zeit un- 
ter dem Ausdrucke unveränderliches oAer Ji'ater'sckes Pendel nur 
dieses zu verslehn pflegt. Der Vorzug desselben besteht haupt- 
sächlich in seiner Dauerheiligkeit , indem die meisten nach 
langem Gebrauche auf weiten Reisen hei einer spatem Verglei- 
chung am ursprünglichen BeobachtungSOtto nicht einmal nm 
eine einzige Schwingung während 24 Stunden abznweichen 
plleglen , auch überlieben sie den BeobaLchter der mühsamen 
Berechnung einiger der angegebenen Correclionen , namentlich 
der Aufäuchung des Mitidpancies der Schwingung und der geo- 
metrischen Schwingnngsaxt!, wenn beide Sehnt 
wechseln eingerichtet sind. Insbesond 
bald, wie sicher und leicht es verhaltnifsniärsig ist, mit diesem 
Pendsl bei'seiner dauerhaften Unveranderlichlceit nach einmali- 



n Ver- 

r übersielit mttn 



r R, 



.egul 



rgl eichbare Mei 



selbst 
lind verschie- 
ichenden Re- 



indels 



izuslellen, die alsdann bloFs d. 
1 wegen des Elongationswinltels, der Temperati 
und der Erhebung über die Meeresfiäohe bedürfen, 
der AViderstand der Luft bei ungleichem Drucke 
dener Wärme auf die blofs mit einander /u vergle 
sultate keinen merkbaren EinHurs haben kann. Gi 
it es aber, wenn an einem gegebenen Ol 
' desselben die absolute Länge des einfachen See 
t werden soll, and in dieser Beziehung h 
BssSEi, nachgewiesen, dafs die Messit 
dingnngen unterliegt, deren Einilufs n 
.SO bedeutend zn halten pflegt. Der ] 
die cyljridrische Form der Messersch 
i selbst, wenn beide Schneiden e 
ond es läfst sich von der Fertigkeit d( 
1er, welche solche Apparate verfertigi 
dafs sie dieses allezeit bis auf einen 
■chied erreichen, aufserdem aber kann jed< 
e Fehler ganz beseitigt werden, wem 



Be- 



g desselben manchei 
m gemeiniglich nict 
Bringe Einflufs, wel 
eide hat, verschw 



lusgezeichnelen Kiinst- 
mit Grunde erwarten, 
rsohwindenden Unter- 
hieraus enlsprin- 
man die Messer- 



t Bsiar.ii's Unternuoliim 
^c» tena IttSS, Add. p. 41. 



I S. 73. Vergl. Püu, 



a&t PendeL 

sc&n^iden verwechselt und zwei Reihen von Versuchen , die 
eine vor , die andere nach der Verwechselung , anstellt. 

Ungleich schwerer ist es dagegen, den Widerstand der Luft 
zn corrigiren ^ dessen Bedeutsamkeit sowohl ans den erwähnten 
Untersuchungen von Bbssil , als auch noch mehr aus den Ver- 
SQchen von Sabiie hervorgeht, indem nach den letztem, die 
absolute Länge des einfachen Secnndenpendels allerdings eine 
nicht unbedeutende Aendemng erhalten wurde« Um anch diese 
Conrection zu nnige)in, bringt Bcssel^ folgende sinnreiche 
Constructiön des Reversionspendels in- Vorschlag. Dasselbe 
Biifste eigentlich der Sniseni Figur nach symmetrisch seyn^ und 
dft es dieses der MasM nach nicht svy^.darf , so wäre die me- 
tallene Stange mit zw^ g^g^n die^ gleichmäfsig gerichteten, 
ganz gleichen Linsen zä versehn, deren eine hohl seyn, die 
andere dagegen mit Blei ausgefüllt werden mülste, 'wodurch 
also der Einfluls der Luft bei gleicher Temperatur und Dichtig- 
keit derselben wegfiele and nur in Beziehung auf Aenderungen 
dieser letztem eine unbedeutende Conrection erfordern würde. 
Die bereits angegebene Verwechslung der Schneiden bleibt anch 
finr dieses Pendel erforderlich , aniserdem aber hält Besser es 
fiic besser, das bewegliche Gewicht ganz wegzulassen und 
das Pendel so zu constmiren , dafs es in der Luft auf beiden 
Schneiden gleichzeitige Schwingungen macht, welches dadurch 
erreicht werden kann, da(s man die Stange anfangs etwas zu 
lang macht und sie dann an beiden Seiten symmetrisch so 
lange verkürzt, bis die Schwingungszeiten vor und nach der 
Umkehmng nahe gleich sind. Das bewegliche Gewicht soll 
dann vregbleiben , allein es scheint mir, dals man dasselbe nur 
so klein machen dürfe , dafs sein übriger Einflob verschwindet, 
nnd es gerade nur hinreicht', nm die Gleichheit der Schwin- 
gungszeiten auf beiden Messerschneiden vollständig zn er- 
reichen. 

Der hier erwähnten Constructiön ist diejenige sehr ähnlich, 
'Welche Ca&lisi^ in Vorschlag gebracht hat, zunächst nm 
den Einfluls der ungleichen Dichtigkeit der Luft auf die Pen- 
delschwingungen zu corrigiren , welcher nach seiner Berechnung 
bis auf eine Zeitsecunde binnen 24 Stunden steigen kann« Der 



1 Uotersnchiuigen o. s. w. S. 96. 

t2 Bni£DJitelli Giora. di fis. dum. elc. 5 bia. 1&25. p. SSS. 



Eiiifache« SecundenpendeL" 365 

WHwnUtni der Luft wird - nämlich die Schwiiignngen im Ver* 
hätniCs der Dichtigkeit dieses widerstehendfrn Mittels verztf» 
gern, indem für dte Pichtigkeitei) D und d die beschleunigend« 

Kraft der Sdtwerc g' == g ( 1 — TT ) wird , »Weaftt die LioiM 

unter der UiädreSungsaxe hängt. Man soll daüx^ das Pendel 
mit zwei Linsen verseiiUY die eine unter und die andere über 
der Üdidrehungsaxe. Heifst dann das yi^Junieli dtfr untern V^ 
ihre Dichtigkeit D und ihr Abstand von d^r Umdrebnngsaxe j-^ 
bezeichnen dagegen v, d und^x, eben diese Gröfsen fiir die 
obere und nennt man L die Lttnge des einfachen im leeren 
Räume schwingenden Pendels^ ' die fVertoderliche Dichtigkeit 
der Luft aber d, so ist 

T _ ' y^DV + x^ dv 

^-^y (P^d) V — X (d-d) v^. 
un4 der Einflaüs der veränderlichen Dichti^eil wird wegfallen, 
wenn die beiden die Gröfse S enthaltenden <Fec1^cM:en sich gegen- 
seitig* aufheben, oder wenn y V = xv wird^ d, h. virenn die 
.Volumina der Linsen ihren Abstanden von der Drehnngsa^ce 
umgekehrt proportional sind..;?, Es i|cheint eis ob dieses^^iesulttit 
von der Dichtigkeit der Liqj^e^.,^nz /unabhängig sey^ «Ueln £fir 
D = d wird der Nenner = i unfl beide Grdbeg, mij^enrd^r 
her sehr ungleich seyn , damit die beschleUnigieqyij^ l^raft der 
Schwere eine nur geringe Aenderung erleidet; aufserdem a^et 
mufs das Verhältnifs der Gröfsen y und x so gewählt werden, 
dafs das Pendel keine unförmliche Gestalt erhält. CArlivi 
schlägt daher vor , x = 0,1 y zu nehmen , fiir welchen Fall 
dann die obere Linse aus Holz bestehn oder noch besser eine 
hohle metallene seyn müfste^. 

Eine vollständige Theorie des R^y^loQSpendels nach den 
in PoibsoN^s Mechanik enthaltenen Gesetzen hat Lubbock.^ 
mitgetheilt und darin die Fehler nachgewiesen, welche bei 
unrichtiger Construction desselben entstehn, ohne jedoch den so 
eben erörterten störenden Einflufs der Luft zo berücksichtigen^ 
Hiemach erzeugt eine Abweichung der Messerschneiden im 
A2dmuth keinen merklichen Fehler, dagegen giebt eine Abwei-« 



1 Ueber den Einflols der Terdichteten Laft auf den Gang der 
Chronometer s. Harvbt in Phil« Trans. 1824. P. U. p. 872 ff. 

2 Piul. Tritni. 1830. p. 201. 



306 PendeL 

dnuig Ton einem Gnde in der Hübe eine tigKcli> Vcrmefaning 
4er SehwingoDgen um 3« vnd cum Abwekahnng tob der Ho- 
lixcmtftlitit der Acfaatpblten in Betrage to«. Jftllinaten giebt 
sogar eine VermehmDg Ton 6 Schwingungen täglich; beide 
Fehler Teilingem also den Abstand beider Blesserscbneiden von 
«nander, wenn diese als das richtige Blais des ein£Mben Pen- 
dek gelten solL Zugleich bat er anck gefunden , dab man die 
Acbatplatten am Pendel befestigen und auf einer Alesseradmeide 
des Getiistes schwinge» lassen ktente , in welchem Falle iler 
Abstand der Platten die gesuchte Länge geben würde. 

Das Rater'sche Reversionspendel ist vorzüglich von den 
Engländern in Anwendung gebracht worden, theils um die abso- 
lute Länge des einfKhen Secundenpendels anfsufinden , theils 
um die Abplattung der Erde zu bestimmco. Unter die vorzüg* 
Uchsten Bemühungen dieser Art gehören insbesondere die ersten 
Beobachtungen von Kater selbst , theils zur Auffindung der 
absoluten Länge des eingehen Secundenpendels^, theils zur 
Messung der Pendellängen an allen Hauptstatiooen der bekann- 
ten englischen Gradmessung ^. Noch ungleich häufiger hat sich 
Sabive desselben bedient, sowohl zu seinen gröfstentheils schon 
erwähnten Versuchen zu London, als auch insbesondere zu 
seinen Messungen der Pendellängen an verschiedenen Orten der 
Erde, zu \7elchem Zw^ecke noch aulserdem eine Menge oben^ 
bereits genannter Gelehrten die von ^tm Board of JLongitude zu 
London angeschafften Pendel benuzt haben. Nachträglich theile 
ich daher hier nur die mir später bekannt gewordenen wichti- 
gem Messungen mit« Dahin gehören vorzüglich die durch Fo— 
STKJi^ zu Port-Bowen, welcher die Länge des einfachen Se- 
cundenpendels zu Green wich = 39,13911*9 zu Port -Bo wen 
= 39^203468 engl. Zolle fand und hieraus die unter dem Ae- 
quator = 39,009797 engl. Zolle der Scale von Shlc&bubgh 
ableitet« Ferner malsen Svambehg und CRoy^TAASo^ die 



1 Phil. Trans. 1813. p. 87. 

2 Ebend. 1819. p. 330 u. 416. Edinb. Phil. Journ. N. IT. p. 319. 

3 S. Art. Erde, Bd. HI. S. 879 ff. 

4 Joaroal of a third Voyage for the discorery of a North- West 
paitage cet. of Capt. W. E. Paket. Lond. 1826. 4. App. Vargl. Phil. 
TniDi. 1826. P. lY. p. 62. 

5 Stockholmer Denkschr. 1825. 1. Parans in Joorn. of the Roy. 
IntUt. XLilJ. 152. 



hefi.Si 



' e c u liu e n p e nj el. 3Ü7 



[□iacIienSecHndcnpenJcls niif dem Observatorium %a 

iDler 5if '20' 4i" N. B. und fanden diese auf den 

ind den Meeresspiegel reducirt = 39|llu414 engl. 



I desselben gehör 



r Stern- 



Länge des 

Zolle. 

Unter die wichtigsten Anwendungei 
Messungen, welche Feahok Fallows 
»Barte auf Jem Vorgebirge der guten Hoffnung, in Verbindung 
mit Capt, RoNAtD und Lieiilenant Johnson dortanstellte. Das 
gebrauchte Exemplar war das Nr. 4. bezeichnete, von Jones iu 
idon verfertigte und von Sadink und Katbii zu Porlland- 
Place meJirfach geprüfte. Die erforderlichen Correctionen sind 
ichl hlofs durch die Beobachter vorgenommen worden, sondern 
auch durch Sabiüe , die Hesullale stimmen hiernach genau darin 
iiberein, dafs das Secundenpendel in London täglich 86164,64, 
dem Cap unter 33° 55' 56" S. B. aber 67,12 Schwingungen 
weniger, also 86097,51! Schwingungen macht. Die Länge des 
er'sdien Normalpendels für l'ortland-Place unter 51° 31' 
8",4 N. B. ist aber =39,13900 engl Zolle, mithin ist die Lange 
^es einfachen Secundenpendels auf dem Cap unter der angege- 
en S. B., -wenn sie nach der oben unter C. angegebenen For- 
mel aus den Schwingungen berechnet wird, =39,07013 engl. 
Zölle. Auf gleiche Weise erhielt Schumacheb das zuGreenwich 
;r 51' 2Ö' 40",4 N. B. probirte Pendel Nr. 12, um dessen 
Schwingungen zu Altona zu zählen. Nach allen Reductionen 
fand sich , dafs dasselbe am erstem Orte 85969,77 , am letztem 
'aber 05979,1 Schwingungen machte, folglich am leUtern 9,33 
;hwingungen täglich mehr; mithin ist die auf gleiche Weise 
gefundene Pendellänge für Aliona onler 53° 32' 45",27 N. B. 
-^39,14737 engl. Zolle. 

Bei weitem die bedeolendslen unter den Pendelm essungen 
neuesten Zeit sind aber diejenigen, welche auf der russi- 
schen Entdeckungsreise unter Capt. Luetke angestellt wurden^. 
Hierzu wurde ein in London verfertigtes, vor und nach der 
Jleise zu Greenwich gepüftes Kater'sches Reversionspendel ver- 
idt, welches nach den erforderlichen Correctionen folgende 
den Meeresspiegel und die in England Übliche Normaltem- 
jjeiatur von 62° F. reduciile Länge in engl. Zollen gab. 



1 Phil, Trans. ISA 

2 M^m. de l'Acad. 



I. p. 153. 

de Fetenb. 1830. 



3GB 



Pendel. 



Orte. 


Polhfihen. 


LSngea. 


Ualan .... 


5» 


21' 


t&' n 


39,02756 


Guahan . >, . 


13 


26 


21 n 


39,03242 


St. Helena . . 


15 


54 


59 s 


39,03933 


Boni .... 


27 


4 


12 n 


39,06980 


Valparaiso . . 


33 


2 


30 s 


39,07533 


London . . . 


51 


31 


8 n 


39,13929 


St. Peter nnd Paul 


53 





53 n 


39,14838 


Sitka . . . . |57 


2 


58 n 


39,15810 


St. Petersburg . 


59 


56 


31 n 


39,16950 



Nach LuBTKE weichen die Messangen zu Greenwich , Peters- 
burg ,' St. Peter u. Paul , Valparaiso und Boni höchstens um O9I 
iSchwingungen täglich , die zu Sitka und Ualan um 0,25 nnd die 
zu Guahan und St. Helena höchstens um 0,5 Schwingungen täg- 
lich Ton der Wahrheit ab. 

Wenn von der Länge des einfachen Secundenpendels. die 
Rede ist, so mufs vor allen Dingen Folgendes berücksichtigt 
werden. Hutghevs, der eigentliche Erfinder des Pendels, 
glaubte, das Secundeilpendel sey an allen Orten der Erde von 
ganz gleicher Länge, allein Newtot^ zeigte richtig, dafs die 
Längen an verschiedenen Orten sich wie die Schweren verhal- 
ten mülsten. Wäre demnach die Länge desselben unter einer 
gewissen Polhöhe , wozu man in der Regel die unter dem Äe- 
quator anzunehmen pflegt , und die Abplattung der Erde , mit- 
hin auch die Zunahme der Schwere nach dem Pole hin mit völ- 
liger Genauigkeit bekannt , so könnten hieraus die Pendellängen 
für jeden Ort scharf berechnet werden ; allein keine dieser beiden 
Bestimmungen genügt denjenigen Anforderungen, welche man 
gegenwärtig an solche Messungen macht, und man hat daher viel- 
mehr den umgekehrten Weg gewählt, nämlich durch die opnaue- 
sten Messungen an verschiedenen Orten sowohl die Pendellänge 
unter dem Aequator , als auch die Zunahme d<?r Schwere nach 
den Polen hin auszumitteln. Dafs die letztere den Quadraten 
des Sinus der Breite proportional sey, also = y Sin. ^ (jp, wenn 
9 die Polhöhe bezeichnet, unterliegt keinem Zweifel * , allein 
der beständige Coefficient y mufs durch Versuche aufgefunden 
werden, und da diese insgesammt mit Beobachtungsfehlem, 



1 Phil. nat. Princ. math. L. IIL prop. 20. 

2 YergL Art. Schwere* 



9 
I . ■ I « 

.Einfachea SeQundenpendel. 309 

gliSbeni od^Ktn^iigeni, bis so Terschwindend kleinen, bebau- 
tet aind , 'Mliake . Einflösae auf die gemessenen Pendellängen 
nicht zn leofaaeii,' ao begreift man leicht, dafa die Beatimmang 
dea beatändigea Coefficienten y hiernach Terachieden ausfallen 
müh. 

Die trachtigate unter den verachiedenen BeatimBmngen Von 
y ist wohl diejenige , welche Sabine aoa allen aeinen vielen 
Messungen entnommen hat ^, wonach in englischem Mafse die 
Länge des einfschen Secundenpendels unter dem Aequator auf 
den leeren Raum und den Meereaspiegel redndrt =3 39,01520 
engl, Zolle und y =: 0,20245 Z. aeyn soll. Diese betragen in 
fransdsischen Linien der Toiae von Peru 439,2984 und 2,27952 
per. Linien'. An Umfang «ad Wichtigkeit kommen diesen 
nahe die Messungen, welche auf der Entdeckungsreise des Capt. 
L. ns FaiTCxvET angestellt, nachher berechnet und mit andern 
frühem und auch spätem* in einem ausführlichen Werke zusam- 
mengestellt wurden^. Da das Ganze später in der demnächst 
zu erwäjbnenden groben Abhandlung von Biot über diesen 
Gegenstand benutzt worden ist , ao genügt es hier anzugeben, 
dala als Endresultat die Länge des einfachen Secundenpendela 
L = 991,02557 und y= 5,07188 Miliim. gefunden w^rd, wor- 
aus dann eine Abplattung s=: f\^ folgt Diesen Messungen 
dürfen die oben bereits mitgetheilten , zahlreichen und vorzüg- 
lich genauen angereiht werden , welche Capt. Lvetke auf der 
russischen Entdeckungsreise bewerkstelligte. Aus ihnen allein 
folgt die Länge des einfachen Secundenpendels ^=39}02422 und 
y =0,191787 engl. Zolle, woraus dann eine Abplattung = -^^^ 
hervorgeht , mit Weglassung der Messungen zu Boni und Val« 
paraiso aber wird jene Grö£se = 39,023923 und y = 0,192535 



1 8. Art. Erde Bd. III. S. 904. 

2 Bessel UntersachuDgen u. s. w. 8. 62. findet statt dessen 
439,S975 und 2,28174 par. Lin., inzwischen ist das bei der Redoction 
zum Grunde liegende Yerhältnifs nicht angegeben , weichet ich ans ^ 
den neuesten Bestimmungen entnommen habe. Tergl. Art. Mafs 
b) engl. Marse. 

S Observations du pendele , faites dans le Vojage autonr da 
Monde, pendant les ann^es 1817, 1818, 1819 et 1820; par M. L. dk 
Fretciket. Par. 1826. 4. Sie bilden die erste Hälfte des 6ten Ban- 
des des Yoyage autonr da Monde nnd enthalten zaglelch die For- 
nein zur Correction der gemessenen PendelläDgeo. 
^. Vil. Aa 



370 Pendel. 

•BgL Zolle , welches eine Abplattang = 7^ giebt« Durch Re« 
duction dieser Werthe auf pir. Linien erhält man aus den obern 
439,40000 und 7=2,15945 par. Lin., aus den untern 439,3968 
und y = 2,16788 par. Linien; durch Reduction auf metrisches , 
Mals aber erhält man aus der ersten Bestimmung L = 991,2193 
und 7 = 4,87141 , aus der zweiten aber L = 991,2120 und 
7 = 4,89041 AüDimeter. 

Itobt^ findet aus den gemessenen Pendellängen eine hier- 
von etwas abweichende Gröüse , nämMch die Länge des Secun- 
denpendels unter dem Aequator = 39,01335 und 7 = 0,2056 
engl. Zolle. Galbraith ^ hält sich hauptsächlich an die Mes- 
sungen von Kater und Biot , berücksichtigt jedoch auch die 
übrigen und findet hiemach die Länge des einfachen Secun- * 
denpendels unter dem Aequator =39,01 1654 und 7:= 0,209068 
engl. Zolle. Frahcoeua' nimmt eine Abplattung von -^^ an 
^und findet aus den gemessenen Pendellängen die des einfa- 
chen Secundenpendels unter dem Aequator = 990,9262 und 
7 = 5,152813 Millimeter, welche Gröfce ich deswegen nicht 
reducire , weil sie zu sehr von spätem genauen Bestimmungen 
abweicht. Ueberhaupt stehn die altem Messungen den neuesten 
so weit nach, dafs die Mittheilung der daraus entnommenen 
Gröfsen gegenwärtig nur noch historisches Interesse haben kann* 
Die wichtigste unter den altem Bestimmungen ist die voQ 
Käaft*. welcher vorzüolich die Messungen der französischen 
Akademiker unter niedern und der Petersburger Akademiker un- 
ter höhern Breiten verglich, hiernach die Pendellänge unter 
dem Aequator = 439,178 und y = 2,321 par. Lin. fand und 
mit Benutzung dieser Gröfsen die Pendellängen nach der ange- 
gebenen Formel vom Aequator bis zu den Polen berechnete, 
die mit den Messungen sehr nahe übereinstimmten. Schon 
1731 maus Campbel^ die Pendellänge auf Jamaica und zu Lon- 
don und bestimmte hiernach die unter dem Aequator = 39,00 
engl. Zolle und y = 0,206 engl. Z. Wenig abweichend hier- 



1 Phil. Mag. «nd Ann. 1828. T. TU. p. 165. 

2 Phil. Mag. LXIV. 163. LXV. 12. 

S Nourean Bullet, des Sciences par la Soc. phll. 1825. Scpt, 
p. 1^. 

4 Comm. Pet. T. VIII. p. 2SS. 

5 Phil. Trans. Nr. 432. 



Einfaches SecundenpendeL 371 

von sind die Groben , welche Capt. Johv Wahrev ^ aus seiner 
Messung auf Madras und zu London 9j>Ieitet , nämlich ^8)987 
oder nahq qFF 39>,und; y = 0^207 engl. 2^11e. 

Nach d^i allgemeinen Einführung des Decimalmafses wollte 
man in Frankreich dasselbe^ auch auf die Eintheilung der Zeit 
anwenden, wonach auf einen T^g 100000 Secunden kommen 
würden. Diesem gemäüs sind die frühern Berechnungen der 
Länge des Secundenpendels namentifch durch Bxot^ gemacht 
worden , wonach mit Anwendung der angegebenen Formel 
X =;= A -|- y 8in.^ g> die Länge des. «infachen Secundenpendels 
A = 739,704212 und y = 3.9Q52I2 Millimeter seyn sollte. 
Galbhaith ^ reducirt dann mit An^endun^ der bekannten For- 
mel diese Länge auf englisches MaCs und findet die Länge des' 
englischen SecundenpendelsL=(|4f )2 ;, oder (#11^)2 X3937079 

= 52,74079. engl« Zolle nach S^ucicbuagh^s Scale, das Meter 
beiO*C. und die Scale bei 62® F. angenommen. Nach Bird's Par- 
lamentmaTs ist L = 52,740564 engl. Zolle. Kater * endlich 
findet aus seinen Pendelmessungen, zu Unst und Dunnose die 
Länge des einfachen sechzigtheiligen Secundenpendels unter 
dem Aequator = 39,00734 engl. Zolle, Ivoäy^ aber hat^gleichr 
falls bei seiner spätem Untersuchung zur Bestimmung des nu« 
n^rischen Werthes der Gröfsen in seiner Formel, wonach 

1 = A (1 -|- f Sin. 3 y) und f = ■■ ^. — j — ist, keineswegs 

die neuesten genauesten Messungen mit berücksichtigt. 

' Der angegebenen Formel , wonach ^ = A + y Sin. * g> 
seyn soll, wenn X die corrigirte Pendellänge, A diese Grölse 
unter dem Aequator und g) die Polhöhe bezeichnet, liegt die 
bisher allgemein und auch von mir im Art. JErde angenommene 
Voraussetzung zum Grunde , daTs die Erde mit Ausnahme eini- 
ger örtlicher Abweichungen im Ganzen ein regelmäfsiges ellip- 
tisches Sphäroid bilde. Aus den neuesten Gradmessungen, 



1 Asiatic Researches T. XL Art, 5. 

2 Recueil d'Observations cet. Par. 1821. p. 441 ff. 

5 Phil. Mag. Nr. LXV. p. 22. Das erhaltene Resultat ist übri- 
gens das entgegengesetsite von dem gesuchten, indem das Decimal« 
secundenpendel das kürzere ist und nach Kater's Bestimmung viel- 
mehr = (1^6) 2 X 39,13908 = 29,217166 engl, Zolle seyn würde. 

4 Phil. Trans. 1819. p. 415. 

6 Phil. Mag. and Ann. of Phü. T. VII. p. 412. 

Aa 2 



372 Pendel. 

namentlich der durch Gauss ^ vollfiihrten Hannoverschen, folgt 
ledoch evident, dals die Abplattung der Erde unter den Polen 
am geringsten und unter dem Aequator am stärksten ist, ein- 
zelne Ertliche Abweichungen auch von dieser Regel nicht ge- 
rechnet ^ , und eben dieses fp]gt auch aus den neuesten Messun- 
gen der Pendellängen , namentlich denen von Biot^ im südli- 
chen Frankreich und Italien. Bei dieser Uebereinstimmung 
zahlreicher und mit der höchsten Genauigkeit angestellter Mes* 
sungen können wir dasjenige Endresultat, welches Biot aus 
diesen entnommen hat, als richtig betrachten, nach welchem 
die Abplattung der Erde von 0® bis 45® im Mittel -7^ , von 
45* bis 90* aber ^^^ und von 0* bis 90** endlich ^^^^ be- 
trägt , und da diese letztere mittlere Bestimmung für die ganze 
Erde von der oben^ angenommenen, nämlich ~^j nur un- 
• merklich abweicht, so sind auch die dort mitgetheilten Dimen- 
sionen als genugsam^ genähert schon deswegen zu betrachten, 
weil diejenigen unter ihnen am wichtigsten sind, die niedern 
und mittlem Breiten angehören , wo die Abplattung verhältnifs- 
mäfsig am stärksten ist. Mit Rücksicht auf diese verschiedene 
Abplattung ist dann die Pendellänge in Millimetern 

von 0° bis 45* = 991,027015 + 4,980672 Sin. « (p, 
von 45* — 90* = 991,027015 + 5,337224 Sin.^ ip, 
von 0* — 90* = 991,027015 + 5,161948 Sin.« 9^ 

welche Bestimmungen für alle wissenschaftliche, um^ so mehr 
aber alle technische , Zwecke als völlig genügend zu betrachten 
sind. Es verlohnt sich allerdings der Mühe , diese Angaben auf 
altfranzösisches und englisches Mafs nach den £[enauesten mir 



.^^»WWW *^^« ..HV«A **W« Q. 



1 Diese ron mir Bd. III. S. 860. nur vorläufig erwähnte, da- 
mals noch unvollendete, höchst genaue Gradmessung in den £beoen 
Lüneburgs, welche sich an die durch Schumacher in Holstein ausge- 
führte anschliefst, ist seitdem benutzt worden von J. C. E. Schmidt in : 
Lehrbuch der mathem. und phys. Geographie 2Th. 8. Gott. 1829. Th. 
I. S. 192. 

2 Gauss Bestimmung des Breitenunterschiedes zwischen den 
Sternwarten von Göttingen und Altena. Gott. 1828. J. C. E. Schmidt 
in Schumacher Astron. Nachrichten 1829. Nr. 161. 

S M^m. de l'Acad. Roy. des Sciences. Par. 1829. T. VlfL p. 1 if. 
Auch diese Messungen konnten von mir im Art. Erde Bd. 111. S. 90S. 
noch nicht benutzt werden. 

4 Art; Erde Bd. III. S. 980. 



-^ - - 

Einfaclies Secundctipendcl, 



373 



(iarübec zu Gebote itehenden Bestimmungen zu reducircn'. 
Diesemnach wären also die PeDdellängen in Linien der Toise 
von Peru , wenn das Meier = 443,296 Lin. angenommen wird , 
von 0" bis 45° = 439,318248 + 2,210578 Sin.» y, 
von 45" — 90" = 439,318248 + 2,365969 Sin.' .p, 
von 0" — 90° = 439,318248 + 2,288303 Sin. ' tp. 
Soll aber die Reduciion so angestellt werden, dafs die Toise 
Halt der Notmallemperatur von 16'',25 C. gleichfalls bei Q" G., 
eben so wie das Meier, angenommen würde, welches allerdings 
wohl richtiger isl , wonach das Meter 443,379273 . . . Linien be- 
tragt, so wären die Längen 

von 0" bis 45" = 439,400837434 + 2,210998 Sin.= y, 
von 45' — 90" = 439,400837434 + 2,366414 Sin. » y, 
von 0° — 90" = 439,400837434 + 2,288734 Sin.' tp. 
Wird bei der Reduction auf englisches Mafs das Meter bei 0° C, 
der engli^cbe FuTs aber bei der Normalte mperator von 62' t'- 
angeDommen und hiernach Kater's Bestimmung zum Grunde 
gelegt, wonach 1 Meter =39,37079 engl. Zolle beträgt, so 
sind jene Gröfsen in engl. Zollen 

von 0" bis 45" = 39,01751649 + 0,196330 Sin.» <p, 

von 45" — 90' = 39,01751649 + 0,210131 Sin." y, 

von 0° — 90" = 39,01751649 + 0,203233 Sin.' ^. 

Wenn man dagegen sowohl das Meter als auch den englischen 

Fuis bei 0" C. annimmt und die genauen, durch Bessel mitge- 

theilten Messungen zum Grunde legt, wonach 1 Meter = 39,37 

engl, Zolle beträgt, so sind jene Grölsen in englischen Zollen 

von 0" bis 45" = 39,01673358 + 0,196326 Sin.» y, 

von 45" — 90" = 39,01673358 + 0,210126 Sin.* q', 

Ton 0» — 90" = 39,01673358 + 0,203228 Sin.« y. 

Vorzugsweise kommt die Länge des einfachen Secundenpendels 

unter 45° N. B. in Betrachtung, weil sie nicht blolä die miliare 

Gröfse der Pendellangen vom Aequator bis zu den Polen i>l, 

sondern unter diesem Parallele und in mafsiger Entfernung von 

demselben die meiste Cultur herrscht, folglich von dieser De- 

, Stimmung die meisten Anwendungen gemacht werden. Biot' 

Llial diese auf das Sorgfältigste zu bestimmen gesucht und sie im 

ültel aus den genauesten Messungen = 993,534239 Millimeter 



1 Verfil. Art. Mnfi Bil. VI. Alilh. 2. 

2 A. a, 0. S. 56. 



374 



Pendel. 



gefunden. Diese Gröfse nach beiden angegebenem Verhältnissen 
•uf franzSsisches nnd englisches Mafs reducirt giebt ' 
440,429754 oder 440,5124886 par. Lin. und 
39,11622788 oder 39,1154430 engl. Zolle. 
Bei weitem die meisten !m den neuern Zeiten gemessenen 
Pendellängen sind bereits oben ^ angegeben , und zwar in engli- 
schen Zollen, welches Mafs durch den fleifsigsten Beobachter, 
Ciipt. Sabine, angenommen' war. Seitdem sind indefs noch ei- 
n^e sehr genaue Messungen hinzugekommen , unter denen die 
von BsssBL zu Königsberg in gröfster Ausführlichkeit vollen- 
dete wohl den ersten Rang einnimmt. Darunter gehören ferner 
die eben so zahlreichen als sehr genauen von Biot^, die wie- 
d^rholten in London zur definitiven scharfen Bestimmung der 
Lfinge des dortigen einfachen Secundenpendels und verschie- 
dene bereits oben erwähnte mit dem Kater'schen Keversions- 
pendeL BiOT hat indefs fast alle durch die neuesten Messun- 
gen gefundenen Pehdellängen auf Millimeter reducirt, wenn sie 
nicht ohnehin schon in diesem Mafse angegeben waren , wes- 
wegen ich diese hier mittheile , zugleich aber die ihm nicht be- 
kaqnt gewordenen , auf das nämliche Mafs nach dem so . eben 
angegebenen Verhältnisse leducirten, eibschalte^. Die altern 
Bestimmungen haben gegenwärtig nur einen untergeordneten 
Werth. Da aber P. van Galkn* sich die Mühe gegeben hat, 
sie insgesammt auf neufranzösisches Mafs zu reduciren , so mö- 
geni sie zum Andenken an die schätzbaren Leistungen älterer 
Physiker hier gleichfalls eiaen Platz finden. 



X Art. Erde Bd. III. S. 891 ff. 

2 Mt^inoires de hAcad. Roy. des Sciences de Tlnstitut de France. 
Paris 1829. T. VIII. Die sehr genaue Messung von Carlini und Plana 
auf dem Mont Cenis ist bereits mehrmals erwähnt worden. 

3 Eine Tabelle der Pendellängen in dem verschiedenen ur- 
sprünglich angewandten Mafse findet man in Baumcartner's Natur- 

•hre. Suppl. Bd. Heft S. S. 1008. 

4 Dissert. math. inaog, de Pendulo« 



Einfach-es SecundeupendeL 



375 



Beobachteri 



Malaspina, 

Malaspina 

Malaspipa 

Malaspipa 

La Caille 

Malaspina 

La Caille 

Don Juan 

HaUey ^ 

"Des Hayes 

Malaspina 

Couplet 

Condatnine 

Condamine 

Bouguer 

Godin 

Don Juan] 

Ulloa 

Bouguer 

Condamine 

Bouguer 

Condamine 

Bouguer 

Richer 

Malaspina 

Godin 

Bouguer 

Condamine] 

Feuill6 

Godin 

Bouguer 

Le Gentil 

Malaspina 

Le Gentil 

Malaspina 

Des Hayes 

Des Hayes 

Warin 



Orte- 



Puerto Egmont 

Sta. Elena 

Concepcion , . 

Montevideo 

Cap d. g. Hoffnung 

Puerto Jackson 

Isle de France 

Guarico 

St. Helena 

Granada 

Lima 

Paraiba 

Para 

Quito 

Quito 

Quito 

Pichincha 

Riojama 

Riojama 

Puntapalmar 

Aequator 

Cayenne 

Zamboanga 

Panama 

Portobello 



Pondichery 

Umatag 

Manille 

Manila 

Gorea 

MartiniMle 

Guadaloupe 



Breiten- 
grade. 


Pendellangen.- 


51« 21' 


993,94 Mill. 


44 3a 


993,74 - 


36 42 


992,59 - 


34 55 


992,63 - 


33 55 


992,88 - 


33 51 


992,54 - 


20 10 


992,07 . - 


19 46 


991,32 ^ 


16 00 


991,82 - 


12 6 


989,16 -\ 


12 5 


991,01 - 


6 38 


985,80 - 


1 28 


990,81 - 


38 


989,95 - 


25 


990,53 - 


25 


990,69 - 


13 


989,61 - 


9 


990,15 - 


9 


989,90 - 


2 


990,22 - 


00 


990,78 - 


4 56 


991,10 - 


6 55 


990,92 - 


8 35 


990,76 - 



11 

13 
14 
14 

14 
14 
16 



9 33 



56 
1« 
34 
36 

40 
44 
00 



987,13 
990,47 
990,49 
991,08 
990,83 
991,48 
991,37 
989,29 
989,16 
989,16 



370 



Pendel. 



Aeobaehter. 


Orte« 


grade. 


Malaspina 


Aoapulco 


16» 50^ 


Dei Haye« 


St. Christophore 


17 19 


Le Gentil 


Foulpoint 


.17 40 


Campbell Jamaica [ 


18 00 


CondauuBe 


■ 

Domingo 


18 27 


Boaguer 


^^^H 


— — 


Godin ' 


— . 




Malaspina 


Babao 


18 39 


Des Hay«a ' 


Domingo, Gap 


19 48 


Malaspina 


Macao 


23 12 


Chazellee 


Cairo 


30 2 


Malaspina 


Cadix 


36 32 


Malaspina 


Monterey 


36 36 


Couplet 


Lissabon 


38 42 


Jacquier 1 
Le Seur i 
Picard 


Rom 


41 54 


Port de Sete 


43 24 


Picard 


Bayonne 


43 30 


Darquier 


Toulouse 


43 36 


Ximenes 


Florenz 


43 47 


Mouton 


Lyon 


45 46 


Picard 


Lyon 


45 46 


Liesganig 


Wien 


48 12 


Picard, 


Paris 


48 50 


Huyghens 


— 


— — 


Hieber 


— 


— — 


Warin , des Hayes 


i^lMH^ 


-_ — 


Cbazelles 


_ 


__ __ 


Godin 


_ 


^M •« 


Bouguer 


.^ 


— — 


Condamine 


mm^ 


_ _— 


Mairan 


... 


__ — 


De Borda 


—.• 


*« ~— 


La Caille 


Paris 


48 51 


Malaspina 


Nutka 


49 35 


Von Zach 


Gotha 


50 58 


Kumowski 


Seleginsk 


51 6 


Roemer 


London 


51 31 



PeildeUäDfen. 

991,23 MilL 

989,75 - 

991,30 - 

991^ - 

991.30 - 
99033 - 
991,14 - 
99139 - 

990.31 - 
991,10 - 
993,13 - 
992,54 - 
992,2§ - 
988,03 - 

993,20 - 

993,69 - 

993,69 > 

993,38 - 

993.72 - 

988.73 - 
993,69 - 

993.83 - 
993,69 - 
993,92 " 
993,92 - 
993,81 - 
993,69 - 
993,63 - 
993,87 - 
993,75 - 
993,85 - 

993.84 - 
994,35 - 
993,65 - 
993,94 - 
993,78 - 
993,69 - 



1 

Einfaches Secundenpendel. 



877 



Beobai^(er. 



1 m* ■» 



4 



Graham. 

Wbitehurst 

Ficard 

Barthcdii 

Lulofb 

Maye^, i 

Ficard 

Grischow '■ > 

Grischow 

Grischow 

Malaspina, ^j 

Grischow 

CeUiaa 

Mallet \ 

Grischow | 

Rumowski 

Henry 

De risle \ 

De laCroy^rej 

Rumowski 

Maupertuis 

MaUet 

Rumowski 

Mulgrave 



«» 



Orte. 



s^Gravenhage 

Leiden 
Greifswald . 
Uranien bürg 
Arensberg 
Fernau , 
Dorpat 
Mulgrave 
Reval 
Upsala 

Petersburg 



Archangel 



FeUo 
Fonoi 
Kola 
Spitzbergen 



Breiten- 


grade. 


o 


t 


&i 


•4 


52 


9 


54 


4 


55 


41 


58 


15 


58 


23 


58 


23 


59 


23 


59 


26 


59 


52 


59 


56 


— 


— 


64 


34 


66 


48 


67 


4 


68 


52 


79 


50 



Fendellangen. 

994,26 MilL 

993,62 - 

993,69 - 

994,17 - 

994,44 - 

993,69 - 

994,48 - 

994,55 - 

994,57 - 

995,09 - 

994,60 - 

994,62 - ■ 

994,75 - 

993,81 - 

992,75 - 

994,03 - 

995,09 - 

995,20 - 

995,23 - 

995,54 - 

995,68 - 



Unter den neuern Fendelmessungen befinden sich einige, 
die wegen ihrer vorzüglichen Genauigkeit eine besondere Er- 
wähnung verdienen. Dahin gehört vor allen andern die bereits 
mehrmals erwähnte von Bessel in Königsberg, wonach er die 
Länge des einfachen Secundenpendels daselbst, auf den Spiegel 
der Ostsee und 0° C. Temperatur reducirt, = 440,8179 par. Li- 
nien fand. Eine gleiche Sorgfalt verwandte Kater auf die Be« 
Stimmung dieser Gröfse für Lopdon, wie namentlich aus der 
genauen Uebereinstimmung des von ihm gefundenen Resultates 
mit den spätem durch Sabine erhaltenen hervorgeht. Die Ver* 
suche von de Bohda gehören gleichfalls unter die sehr genauen^ 
wrerden jedoch von den durch Biot und Ahaoo uild einigen 
nachher durch mehrere pariser Gelehrte angestellten übertrofFen- 
Vorzugsweise verdienen nämlich die wiederholten Bemühungen 



378 Pendel. 

erwähnt zu werden , durch die man eine directe Vergleichang 
der Pendellängen in Paris und London zu hewerkstelligen sachte, 
wozu der Vorschlag schon 1817 durch AaAeo dem Bureau des 
Longitudes zu Paris gemacht und bald darauf zur Aosfuhrang 
gebracht wurde , indem er selbst in Verbindung mit Bjeot und 
T* HuMSOLDT die Pendellänge zu Paris und Greeawich mit 
Anwendung von zwei an beiden Orten gebrauchten anveränder- 
lichen Pendeln bestimmte. Wo möglich noch genauere Versu- 
che wurden später durch Capt. Sab lars^ ausgeführt, indem er 
im Jahre 1827 zwei Kater'sche unveränderliche Pendel nach 
Paris brachte und in Verbindung mit Mathieu, Nicollet 
und Savart dort beobachtete, dann dieselben wieder nach 
London sandte und die frühem Versuche an der dortigen Haupt- 
station zu Portland -Place wiederholte, wobei ihn Qüktelet 
und Capt. Chafmav unterstützten. Das IVIittel aus 23 Messun- 
gen zu Paris und 17 zu London mit beiden Pendeln gab für 
den letztern Ort eine Beschleunigung von 12 Secunden fiir ei- 
nen Tag. Früher hatte aber Ka^er die Länge des Secunden- 
pendels für Londotf = 39,13908 engl. Zolle und Biox für 
Paris = 39,12843 engl. Zolle gefunden , der Unterschied beider 
= 0,01065 giebt 11,76 Secunden , anstatt dafs 0,01088 Z. Län- 
gendifferenz 12Secuöden zugehören würden. Nähme man letz- 
tem Unterschied als richtig an , so müfste Kater's Pendel in 
Paris 39,12820 engl. Z. statt 39,12843 lang seyn und Biot's 
Pendel, nach London übergetragen, 39,13931 statt 39,13908 
engl. Z. lang seyn. Borda*s Messung im Jahre 1792 gab die 
Länge des Secundenpendels = 39,12776 engl. Zolle, und wenn 
man den Unterschied der Höhe berechnet, wo er beobachtete, 
80 wird diese Gröfse =39,12764 engl. Zolle. Wenn man dem- 
nach Biot's Messung und de Borda's Messung nach London 
überträgt, so liegt Kater's Messung zwischen beiden nahe 
genau in der Mitte, indem sie der von Biot um 0,00011 Li"- 
näher kommt, als der von de Borda. 

Die zuletzt angegebeng Länge des durch Kater zu Port- 
land -Place gemessenen Normalpendels ist als die definitive, 
durch mehrere Correctionen und Wiederholungen der Versuche, 
namentlich durch Sabiste, erhaltene zu betrachten; im Ganzen 
aber gehören diese Bemühungen unter die anhaltendsten und 



1 Phil. Trans. 1828. p. 35. 



Einfach es rSecuhdenpendel. 



.379 



genanesfen im Gebiete- der Phy$ik. Zum Messen bidientd sich 
Kater* dies von Shuckbvrgh Evelyn^ gebrauchten Mafesta- 
bes Von TROUGHTOfT, dessen Genauigkeit nichts zu wünschen 
übrig laTst, und eines durch ein Mikroskop beobachteten Mikro- 
meters, Welches nac)i vielen Messungen' im Mittel den ZoUSii 
23363 TPheile theilte. Die Ausdehnung desselben durcli VTÄriÄi^ 
betrug nach diröcter Messung in heifsem" Wasser OiOOÖOÖQÖS^ 
Thelle des Ganzen fiir 1* F. Die Vergleichung ies Pendels mit 
dem Mabstabe geschah bei der Normal temperatur von 62^ ^«t 
zur Reduction auf das Vacuüm wurde bei 53** F. Temperatür 
und 29>27 engl. Zoll Barometerstand das ispec. Gewicht des 
Wassers gegen Luft= 836:1, der Pendelmasse gegen Wassef 
= 8,409:1 gefunden. Die wiederholten Messungen endlich 
ergaben die corrigirte Länge ISes einfachen Secundenpendels iiir 
Sexa^esimalsecunden 'mittlere 'Sonnenzeit nach Troüghton's 
Scale =±s 39,1386; "hafch der von Roy zu^' trigonometrischen 
Messung gebrauchten == 39,13717; nach Bird's im Parla- 
meritshause befindlichen = 39,13824 öfagt Zolle bei 62** F*. und 
unter 51^ 31' 8'',4 N. B, und die einzelnen llesultate wichen 
nicht ^ über yttVtü" ^®^ ganzen Länge von einander ab. Sfäch' 
eirtigW '*ipätern Correctionen setzte KaTer^ diese GröTse, 
= 39,139^29 Zolle des Troughton'schen Mafsstabes als normal 
fest, welches von der obigen Bestimmung nicht merklich ab- 
weicht. Neuerdings hat Sabine* die Länge des einfachen Se- 
cundenpendels auch für Green wich unter 51° 28' 40",4 N. B, 
mitgröfster Genauigkeit gemessen und mit Benutzung der 
oben (unter E. b) erwähnten Correction für die Ausdehnung 
durch Wärme = 39,13734 engl. Zolle gefunden. 

Folgende Tabelle enthält die sämmtlichen , mir bekannt 
gewordenen Pendellängen an den verschiedenen Orten, 



1 Phil. Trans. 1818. p. 35. 

2 Vergl. Mafsf englisches, 
3, Phil. Trans. 1819. p. 415. 
4 Phil. Trans. 1831. p. 475. 



380 



PendeL 



Boobaditer* 



Freydnet 

Dnperrey 
Fallows 
Ib^ydjpet 
Fnjrcinet 

Dopenre/ 

BrisiMDe 

Dnnlop 

Ereycinet 
Fofter 
BimlHaU 
Doperny 

Sabine 

Sabine 

Dnpenrey 

Saune 

Ffey einet 

Sabine 

Basil HaU 

Lnetke 

Sabine 

Sabine t 

Goldingham 

Lnetke 

Freycinet 

Sabine 

Freycinet 

BasU HaU 

Fester 

Luetke 

Biot 

Biot 

Sabine 

Biot 

Duperrey 

Biot, Mathieii 



Orte« 



Malvinen 



Gap d. g. Hoffnung 



Port Jackson 
Port Jackson 
Paramatta 
Paramatta 
Valparaiso 
Bio de Janeiro 
Bio de Janeiro 
Rio de Janeiro 
Isle de France 
St. Helena 
Bahia 
Ascension 



Breiten- 
grade. 



11 



1 ■« 



Ifaranham 

Rawak 

St. Thomas 

Gallopagos Ins, 

Ualan 

Sierra -Leone 

Trinidad 

Madras 

Guahan 

Guatn, Ins, 

Jamaica 

Mowi 

San Blas 

San Blas 

Boni 

Lipari 

Formentera 

New - York 

Barcellona 

Toulon 

Figeac 



5f35' 18^ 

51 31 44 

33 55 56 

33 55 15 

33 51 34t992,6260 



33 51 34 
33 48 43 
33 48 43 
33 2 30 
22 55 13 
22 55 22 
22 55 22 

20 ^ 40 
15 54 59 

12 59 21 
7 55 48 

7 55 9 
2 31 43 
1 34 
24 21 
32 19 
5 21 16 

8 29 28 
10 38 56 

13 4 9 
13 26 21 
13 27 51 
17 56 7 

2052 7 

21 32 24 
21 32 24 
27 4 12 
38 28 37 
38 39 56 

40 42 43 

41 23 15 

43 7 20 

44 36 45 



Fendelläu- 
gen. 

994,0637 
994,1293 
992,3887 
992,5677 



992,5879 
992,5390 
9Ö24730 
992,5178 
9di,6936 
991,7137 
991,7170 
991,7707 
991,6033 
991,2203 
991,1948 
981,1824 
99a897j 
990,9466 
991,1109 
991,0403 
991,3b43 
991,1073 
991,0609 
991,2723 
991,4277 
991,4320 
991,4725 
991,7850 
991,5633 
991,5903 
992,3773 
993,0792 
993,0697 
993,1586 
993,2321 
993,3652 
993,4578 



Einfache«. Secundenpendel. 



88f 



Beobachter. 

Biot, Mathiea 

Biot ,; 

Biot ^ 

Biot 

Biot, Mathieu 

B(»da, (j!a8sini 

Biot| BouTavd 

Sabin« y Kater 

Kaltr 

Biot, Mafhiea 

Kater 

Kater 

Lvetk« . 

Kater 

Sd^nmaohei 

BeiS(^ .j 

Kater 

Biot 

Luetke 

Kater 

Syanberg \ 

CronstrandJ 

Luetke 

Sabine 

Kater 

Biot 

Sabine 

Sabine 

Sabine 

Fester 

Sabine 

Sabine 

Sabine 



Orte. 


Breiten- 


FtDddlSi»- 


~^ 


grade.' 


gen. 


Bordeaux 

• 


44*50' 26" 


993,4529 


Fiume 


45 19 


993484t 


Padua 


45 24 3 


993^6073 ' 


Mailand 


45 28 1 


993^76 


Clermont Per» 


45 46 48 


993,5823 


Paris 

■ » 


48 60 14 


993,6469 


— 


— _. — 


993,8088 


— 


— — -^ 


993,8606 


Shanklin - Farm 


50 37 24 


994,0470 


Dünkirchen 


61 2 10 


994,0604 


London 


51 31 '8 


994,1234- 


Arbniy-Hill 


52 16 55 


994,2275 


St. Peter und Paul 


53 053 


9943734 


Clifton 


53 27 43 


994,3016 


Altona 


53 32 45 


994,3520 


Königsberg ^ 


54 42 50 


cKf494Ucftr 


Forth-Leith 


55 58 37 


994,5352 


— 


_ 


994,5310 


Sitka 


57 2 58 


994,6200 


Portsoy . 


57 40 59 


994,6906 


Stockholm 


59 20 43 


994,8059 


Petersburg 


59 56 21 


994,9100 


Brassa 


60 9 42 


994,9985 


ünst 


60 45 25 


^749^304 


— 





994,9457 


Drontheim 


63 25 54 


995,0132 


Hare - Island 


70 26 17 


995,6370 


Hammerfest 


70 40 5 


995,5312 


Port-Bowen 


73 13 39 


995,7724 


Grönland 


74 32 19 


994,7465 


Melville 


74 47 12 


9953560 


Spitzbergen 


79 49 58 


996,0359 



1 Nach der Redaction, wobei das Meter =: 448,296 Lin. waftr 
nommen wird. Wenn dagegen Meter und Toise aof 0^ C« 
werden^ so erhält mau 994^2231. 



I 
% 



382 ' Pendel. 

b) Uhrpendel. 

i 
Die wichtigst« Anwendung, welche man vom Pendel 

macht, ist die Regalirang des Ganges der Uhrtfim Indem nam- 
. Bph das Pendel seine Schwingungen darch gleich grobe B^en 
. anf das Genaueste in gleichen Zeiten vollendet, so darf man 
mit demselben nur eine Maschine verbinden , welche einestheik 
demselben bei jeder Schwingung einen neuen und genau so ab- 
gemessenen Impuls ertheilt , dals dadurch die Hindernisse sei- 
ner Bewegung gerade überwunden werden , damit es unaQf ge- 
seist - gleichmäfsig schwingt, andemtheils die Zahl dieser 
Schwingungen mechanisch aufzeichnet^ \rodurch dann die ver- 
fiesiene Zeit von selbst gemessen wird« Die hierdurch gegebe- 
nen Uhren . ibessen selten willkiihrliche Zeiten , meistens dage- 
gen Stemenzeit oder mitdere Sonnenzeit, und heifsen sonach 
Uhren ftir Stemenzeit, auch astronomische Uhren genannt, weil 
sie fiir die Astronomie gebraucht werden , oder Uhren fiir mitt- 
len^ Sonnenseit» Solche Uhren, welche die wahre Sonnenzeit 
messen , lassen sich zwar durch künstliche Mechanismen gleich- 
falls verfertigen, sind aber ungleich weniger gebräuchlich, eben 
wie solche , die zugleich Sternen - und mittlere Sonnenzeit zei- 
gen, oder gar solche, die alle drei Zeiten zugleich angeben. 
Die Form der Uhren ist im Allgemeinen entweder die der Stand- 
oder Wand -Uhren mit verticalen, in Kreisbögen schwingenden 
Pendeln , oder die der Tertienuhren mit konischen Pendeln, die 
auch Centrifugalpendel heifsen, oder endlich die der Sackuhren, 
Taschenuhren , Chronometer mit Pendeln , die in jeder Ebene, 
meistens in der horizontalen, schwingen^. 

Die Pendel der Uhren sind wohl ohne Ausnahme für ganze 
oder aliquote Theile von Sexagesimalsecunden nach Sonnen- 
oder Sternenzeit construirt, indem die verticalen Kreis- und 
I lu>nischen Pendel ganze oder halbe , die Pendel der Sackuhren 
selten ganze, zuweilen halbe, meistens Viertel oder auch wohl 



1 Eiae genauere Beschreiboog der Uhren , der einzelnen Theile 
derselben nebst der Geschichte ihrer Erfindung nnd Verbesserung 
liegt zu weit aufser den Grenzen dieser Untersuchungen. M. s. Poppe 
die Wand-, Stand- nnd Taschen -Uhren. Frankf. 1818. 12. Eine 
gehaltreiche Untersuchung über Hujghens Anwendung der Pendel zur 
Hegalirong der Uhren s. Edinbnrg Phil. Joum. N. XII. 197. XIII. 85. 

TOn TAN SWIHDUV. , 



Uhrpendel. 383 

Fünftel Secünden schwingen« Indem man aber in der Regel nicht 
oder wohl nie beabsichtigt , die absolute Länge dieser Pendel 
zu messen, ib kommt es nur darauf an, dafs sie ihren gleich- 
förmigen Gang unausgesetzt beibehalten. Alle oben genannte ' 
Hindemisse bedürfen daher bei ihnen keiner, eigentlichen Cor-' ' 
xection, weil sie bei jeder Schwingung gleichmäfsig stattfinden ~ 
und sich daB^V ein für allemal ausgleichen lassen, wenn nnr 
das Uhrwerk so genau gearbeitet ist , dafs der durcli dieses bei 
jeder Schwingung gegebene Impuls stets unverändert bleibt, 
was -sich ieim leichtesten durch ein grofses Gewicht und sehr 
leichte' Beweglichkeit des Pandels Erreichen läYst , indem ein ' 
solches durch geringfügige Aenderungen der ertheilten Stöfse ' 
nicht merklich afficirt werden kann. £s ist "daher auch unrich-« ' 
tig, wenn man glaubt, solche Pendel müfsten in möglichst 
kleinen Elongationswinkeln schwingen, indem es. vielmehr 
vortheilhafter ist, diese zur leichtem Ueberwindung der unbe- 
deutend ungleichen Hindernisse nicht zu klein zil n^achen ; doch ' 
nimmt man sie nicht leicht gröfser als 3 bis 5 Gradö. Hiernach 
kann selbst der durch Temperatur und Barometerstand bedingte 
ungleiche Widerstand der Luft keine merkliche Ungleichheiten ' 
hervorbringen , alles dieses jedoch unter der Voraussetzung ei- ' 
nes hinlänglich genauen und feinen Baues der Uhr und'deir ge- 
hörigen Festigkeit aller Theile des Pendels ^ damit dasselbe im 
strengsten Sinne ein unveränderliches bleibe. Dafs es ferner 
am besten sey, dasselbe an einer Uhrfeder aufzuhängen, ist be- 
reits oben gesagt worden. 

Nur die eine der oben erläuterten Correctionen , nämlich- 
für den Einfiufs der Wärme , wird durch das Hinzufügen des 
Uhrwerks nicht unmittelbar beseitigt, ist aber um so wichtiger, 
da namentlich die astronomischen Uhren auf den nicht geheiz- 
ten Sternwarten sehr ungleichen Temperaturen ausgesetzt sind, 
alle Körper durch Wärme ausgedehnt werden und gleichmtf- 
fsige Länge des Pendels die erste und nothwendigste Bedingung 
seiner gleiclibleibenden Schwingungszeiten ist^. Man war da- 
her schon seit Graham im Jahre 1715 darauf bedacht, Pendel 



1 Kateh in: The cabinet Cyclopaedia. Mechanics. Lond. 1851« 
p. SOS. berechnet, dafs eine Aenderang der Temperatur Ton 25^ F. 
einen Unterschied von 6 Seconden täglich bei einer eisernen Pendel« 
ttange erzenst. 



384 Pendel. 

Ton anveründtrlicher Läng«^. mechanisoh sa construiren. Am 
»Mchsten lag die Idee , die Pendektange von Holz zu machen, 
weil diesea nach den Längenfasem durch Wanne nur unmerk- 
lich ausgedehnt wird , und Gbaham brachte daher Stangen von 
Ebenholz oder Nufsbaumholz in Vorschlag ; allein dagegen un* 
feiliegt das Holz dem Einflüsse der Feuchtigkeit , welche viel- 
mehr eine Verkürzung, leicht auch eine Krümmung erzeugt, 
f ndem aber ist seine Ausdehnung durch Wärme zwar sehr ge- 
ring , aber keineswegs =3 0« Mad hat daher die hölzernen Pen- 
delstangen mit und ohne Compensation angewandt, in beiden 
Fällen jedoch den Einfluls der Feuchtigkeit durch Tränken mit 
Oel und Ueberzüge von Firnifs abzuhalten gesucht. So viel ist 
wohl gewifs, dafs bei der geringen Ausdehnung des Holzes 
durch Wärme die auf gehörige Weise gegen den Wasserdampf 
der Atmosphäre gesicherten hölzernen Pendelstangen wegen ih- 
\ res geringen Preises für solche Uhren , die einem nicht zu gro- 

ben Wechsel der Temperatur ausgesetzt sind , einen entschie- 
denen Vorzug haben , um so mehr als < inige Compensation 
durch die stärkere Ausdehnung der metallenen Linse gegeben 
ist , deren .Centrum , wenn sie auf ihrem untern Theile ruht, 
durch Temperaturerhöhung höher hinaufrückt. 

Ein hölzernes Pendel ohne eigentliche Compensation , be- 
stehend aus einer in Oel getränkten fichtenen Stange mit einer 
messingnen Linse , gebrauchten Dov Jose de EsIpinosa und 
Don CiRiAco Cevallos, die Begleiter Malaspina's, zu ih- 
ren Pendelmessungen ^ in den Jahren 1789 bis 1794, spater im 
Jahre 1808 schlug jedoch Kater ^ eine sinnreiche Compensation 
durch Zink vor. Nach seiner Vorschrift '^ nimmt man eine 
Stange von weifsem Tannenholz Oj75 Z. breit und 0,25 Z. dick, 
legt diese in einen heifen Ofen , bis sie der Verkohlung nahe 
kommt , taucht dann die Enden der Stange in geschmolzenes 
Siegellack, reinigt die Stange und überzieht sie etliche male mit 
KopalBrnifs. An das untere Ende derselben wird eine Fassung 
von Messing haltbar befestigt und mit einer starken stählernen 
Fig. Schraube versehn , um damit das Pendel zu reguliren , wie die- 
^' ses die Zeichnung angiebt. Ferner wird das untere Ende der 



1 Grelle Joarn. für die reine n. angew. Mathem. Th. IT. S, 72. 

2 NishoUon's Joura. 1803. Joly. 

3 Cabinet Cyclopaedia. Mechanics. p, 320. 



ührpendei; 385 

Stange - schon t'orher so stark verkleinert ^ dafs sie sich bequem , 
in eine hohle Höhre von Zink stecken lafst« Letztere ist ein 
hohles Paacallelepipedon , 7 Zoll lang und Von 0)75 2oll Seite 
des Querschnittes, die Dimensionen der innern OefFnung beira^ 
gen aber nur 0,4 Z. , doch aber mufs der Verdünnte Theil der 
Stange si«h leicht beweglich durchstecken lassen. In den Bo- 
den dieser Böhre von Zink ist ein Stück Messihg von 0^25 2« 
Dicke gelöthet) mit einer nahe 0^4 Z. weiten runden Oeffnung 
und "einer weiblichen Schraube y in welche ein Cylinder von 
Zink mit einermätinlichen Schraube zurRegulirung derCon^pen- 
sation geschraubt und mit einer Klemmschraube versehen wird) 
um nach hergestellter richtiger Compensation jede Verrückung 
zu verhüten.. Es versteht sich Von selbst, dafs dieser Cylindet 
zu einer Verlängerung und somit auch zur Begulirung der com^ 
pensirenden Zinkstange die'ntj weswegen derselbe in seiner Axe 
durchbohrt ist, um die Stahlschraube der hölzernen Stange durch- 
zulassen und auf dem unten vorgeschraubten messingnen Kna- 
pfe zu ruhn. Die Stange wird mit ihrer untern messingnen 
Fassung und Stahlschraube von oben herab durch die Pendel«- 
linse gesteckt, indefs ist das Loch in letzterer von unten an bis 
ztfa Ceritrum so erweitert, dafs sich die Zinkstange hinein- 
schieben läfst und jene also mit ihrem Mittelpuncte auf dem 
obern Ende von dieser ruht* Hierdurch hat Katür es auf eine 
sinnreiche Weise erreicht, dafs die Zinkstange gerade das Cen- 
trum der Linse so hoch emporhebt, als die nöthige Gompensa-» 
tion erfordert. 

Die Berechnung der Längen , welche für Holz und Zink 
eine vollständige Compensation geben , ist leicht anzustellen^. 
Es darf nämlich nur nachträglich^ bemerkt Werden, dafs nach 
Versuchen von Struve ^ Tannenholz durch eine Erhöhung der 
Temperatur von V C. um 0,00000352, nach Kater* um 



1 Eine ausführliche allgeiheitie Anweisung: zu dieseü Berechnua-^ 
gen giebt Fr. Baily in Phü. Mag. IXY. 40 flF. 

2 Zu Art. Ausdehnung Bd. I. S. 582. 

S Beschreibung des grolsen Kefrackors ton Fraunhofer^ Dorpat 
1825. fol. S. *♦ • ^ 

4 C&binet Cyclopaedia p.SlO« NachlCATER hat Staute 0,Ö000028444| 

er Reibst aber 0,0000022685 für 1*» F. gefunden. An der erwähnten 

Stelle aber giebt Struve nur 0,0000044 für 1® R* an, welches 

0,0000019556 für V F. beträgt. Andere haben die Ausdehnung uöcli 

' Bd. Vif. 15 b 



386 PendeL 

Oj0000040833 seiner Länge ausgedehnt wird. Die Aufgabe ist 

dann, die Länge einer Zinkstange zu finden-, deren Ausdehnung 

durch Wärme genau so viel beträgt , als die Ausdehnung der 

ganzen Pendelstange. Es sey zu diesem Zwecke die Länge des 

Stückes der Uhrfeder, woran die Pendelstange hängt, = X; 

die Länge der hölzernen Stange von der Uhrfeder bis zum Gen- 

trum der Linse = L (wobei L + ^ etwas kürzer als die Läi^ 

des gesucliten einfachen Pendels genommen wird) ; die LHngr | 

der Stahlschraube = %! ; die Länge der hölzernen Stange unter \ 

dem Mittelpuncte der Linse , welche nach dem Halbmesser der | 

letztern bestimmt wird, =1; die Länge der erforderlichen Zink- 

Stange = x ; ferner seyen die Ausdehnung des Holzes = a, det. 

Uhrfeder und Stahlschraube, beide als gleich angenommen, =^1] 

des Zinkes == a" , so ist 1 

(L + 1) a + (X + X') a' = xa", also j 

(,.4-l)a+(i + V)a' 

X — . ji — ■ • 

a 

Nimmt man z. B. in englischen Zollen L -f-I==40 Z. ; }l^=2' 
r = 3 Z. ; ist ferner a = 0,00000352 ; a' == 0,00001j 

a' = 0,00003108, so ist 

_ 0,0001408 + 0,0000576 _^^^^ 
"""" 0,00003108 — o,ciö'i--M 

wobei es auf ganz scharfe Bestimmungen nicht ankommt, 
man vermittelst des Cylinders von Zink die Compensation ei 
pirisch reguliren kann. Aufserdem läfst sich das Pendel 
kürzen oder verlängern , indem man entweder die Länge 
Uhrfeder ändert, oder die Linse vermittelst der unten voi 
schraubten Nufs hebt oder herabsenkt. Nach Kater ist L< 
teres rathsamer, indem die Feder am besten in ihrem Sei 
bleibend festgeklemmt wird. 

Nach Katek's* sehr entscheidendem Urtheile ist Holz 
beste Substanz, die man zu Pendeln verwenden kann, wenn 
möglich ist, dasselbe gegen den Einfliifs der Feuchtigkeit 
schützen. In dieser Beziehung führen viele von Baownb (i^ 
dessen Wohnung zu Portland- Place die zahlreichen Pendelm« 
sungen angestellt sind) gemachte Versuche zu dem Results 
dafs eine Stange von Holz des Theka- Baumes (teak^ ein hol 



geringer oder fast = gefunden. S. OarsberctteUcr cm Vctei 
framateg. Stockh. 1822. p. 165. 
1 A. •. O. S. S34. 



\ 
I 

l 



t/ UhrpendeL 387 

ostindischer Bamn), wenn sie getrocknet und dann vergoldet 
ist, keine Feuchtigkeit mehr annimmt. Um- aber das Pendel 
leicht, herstellbar und wohlfeil zu haben, schlMgt Francis 
Bailt^ vor, eine hölzerne Stange von nur •}• Z. Durchmesser 
unten statt der Linse mit einem bleiernen hohlen Cylinder au 
verseben. Die Constructionsart ist aus der Figur ersichtlickPig- 
und bedarf keiner weitem Erläuterung. Blei statt Zink zu neb- 
men wird des geringern Preises und gröfsern Gewichts wegen 
vorgeschlagen, auch ist die Ausdehnung beider Metalle nicht 
sehr Verschieden. Ist dann die Länge des Bleicylinders s= 2^^^ 
der hölzernen Stange = L , die Ausdehnung der letztem =» a, 
des erstem :±=s a', so ist (L-{-lc) a=xa' und also 

L a 
a — a 
Bailt berechnet fiir L = 46 Z. engt 2x =3 14^3 2., Katee 
nahe gleich 2 x = 14,44 Z. , wobei die Uhrfeder und StahU t 
schraube als zu unbedeutend unberücksichtigt bleiben. Die Re- 
gulirang soll anfangs durch die Schraube am untern Ende des ' 
Pendels, zuletzt aber für die feinsten Correctionen der Schwin- 
gungen durch einen kleinen , auf der Stange beweglichen und 
durch eine Schraube stellbaren Schieber geschehn , eine Regu- 
liruDg, welche sehr empfohlen zu werden verdient. 

Die Urtheile über die Brauchbarkeit der hölzernen Pendel- 
stangen sind verschieden. Katea empfiehlt sie sehr und hält 
nebst Bailt dieselben für gleich gut als die metallenen , auch 
behauptet M. Beaufot ^ nach mehrjährigen Erfahrungen, 
dafs ein hölzernes Pendel von elliptischem Querschnitt der 
Stange gleiche Genauigkeit mit einem Rostpeqdel gewähre. Da- 
gegen will E. Walker* während acht Jahre hindurch fortge- 
setzter Beobachtungen bedeutende Unrichtigkeiten wahrgenom- 
men haben, und FaETCi5ET's^ Versuche ergeben, dafs sie den 
metallenen hinsichtlich der Genauigkeit Uachätehn. 

Da die verschiedenen Compensationen der Uhrpenddi be* 



1 Phil. Mag. LXV. 40 

a Ann. of Philos. T. XV. p. 176. Fortgesetzt io ^ew Aniials: 
T. I. p. 203. T. in. p. 406. Edinb. Phil. Joarn* N. VIII. 355. 

3 Phil. Magaz. 1809. Jnly. 

4 Voyage autonr du Monde cet. Obsenrations da pendule. Par. 
1826. 4. , 

Bb2 



388 PendeL 

■ 

reiu angegeben worden sind ^, te darf ich hier anf jenen Artikel 
verweisen und füge blofs noch einige der vorziiglichem, meistens 
erst neuern Vorschläge hinsn, wobei ich die dort gewählten 
Abtheilungen beibehalte» 

1) QuecktilberpmM wurden schon 1721 durch Graham 
verfertigt und probirt, scheinen aber den Erwartungen nicht ge* 
]|ügt zu haben und mulsten daher den Rostpendeln weichen« 
la der Regel werden sie ans einer Stahlstange mit einem Steig- 
biigel und einem darauf ruhenden Glasgefäfse mit Quecksilber 
verfertigt; allein die bereits erwähnte Einwendung , dafs die 
grofse Masse dieses Metalls die Warme nicht so schnell an« 
nimmt, als die dünne Stahlstange, wird von mehrern für gegrün- 
det angegeben, wenigstens versichert Kater ^ unzweifelhaft 
1>erechtigt zu seyn zu behaupten , dals die Mercnrialpendel von 
der angegebenen G>nstrnction ^ bestehend aus einer eisernen 
Stange und einem gläsernen Gefafse, keineswegs durch die Ver- 
Inderung der Temperatur gleichmäbig afficirt werden, Hoa- 
vsa'a Vorschlag , ein eisernes Gefafs statt eines gläsernen Cylin- 
ders zu nehmen , scheint allerdings dieses Hindernifs zu beseiti- 
gen., Kater aber schlägt vor, . einen gläsernen Cylinder von 
ungefähr 7 Z. Höhe und 2)5 Z. Durchmesser zu nehmen und 
diesen mit einem langen Halse zu versehn, welcher die Pen- 
delstange bildet , alles aus dem nämlichen Glase ohne Zusam- 
mensetzung geblasen. An das obere Ende der Stange wird eine 
Qiessingne Fassung vermittelst Schrauben befestigt und an diese 
die tragende Uhrfeder mit Stiften befestigt. Kater meint, dafs 
bei einem solchen , aus einem Stücke und der nämlichen Masse 
überall von gleicher Dicke verfertigten Pendel die Ausdehnung 
des Ganzen gleichzeitig erfolgen und sich von den innern Wan- 
dungen des Glases schnell durch die Masse des Quecksilbers 
verbreiten müsse. Er sagt ferner, dafs Biot ein solches Pendel 
gekannt zu haben erwähne und sich wundere, aus welcher Ur- 
sache dasselbe bei seiner Vortrefflichkeit nicht allgemeiner in 
Anwendung gekommen sey ; er selbst aber gebrauchte ein ähn- 
liches gläsernes Pendel , welches sehr genau compensirte. Bei 
dÜBsem war die gläserne Stange vermittelst einer Fassung am un- 
tern Ende im Centrum einer eisernen Scheibe befestigt, mit einem 



1 S. Art« Compensation Bd. IT. 6. SOO ff. 

2 Gabinet Gyelopaedia p. SS9« ■' 



/ . 



UlirpehdeL 389 

auf den aafsernHatid geschraubten Ringe und dem in diesen ein- 
gekitteten gläsernen Cylinder für das Quecksilber. Nach seinem 
Urtheile steht zvtrar diese Construction der andern nach, weil das 
Ganze nicht aus einer gemeinschaftlichen Masse verfertigt .ist, hat 
aber insofern einen Vorzug, als sie erlaubt, das Quecksilber mit 
einer gläsernen Scheibe zu bedecken, wie dieses durch Baowvk 
\rirklich geschah. Da mir dieses wegen des Staubes und der leichten 
Oxydirung der Oberfläche des Quecksilbers sehr wesentlich scheint, 
so glaube ich, dafs sich die letztere Construction leicht zu üirem 
grofsen Vortheile abändern lasse. Indem nämlich die Ausdeh» ' 
nung ähnlicher Glasarten nicht wesentlich verschieden ist , ein« 
mögliche Verschiedenheit aber bei einem später erst empirisch zu 
regulirenden Pendel gar keine Berücksichtigung verdient > so 
würde es am einfachsten seyn , den etwas dicken Boden des 
zur Aufnahme des Quecksilbers bestimmten gläsernen Gylinderft 
in der Mitte zu durchbohren , die gläserne Pendelstange von 
unten herauf durch die OefFnung zu schieben und mit ihrem 
untern etwas konischen Ende in dieselbe einzuschmirgeln ; alles 
übrige würde dann nach der mitgetheilten Angabe eingerichtet* 
Bekanntlich wird ein Quecksilberpendel durch Zugiefsen von 
kleinen Quantitäten dieses Metalls regulirt , für die letzten fein^ 
Sten Correctionen gab aber Kater nach mündlicher Aeufserung 
einem auf der Pendelstange verschiebbaren kleinen Gewichte 
den Vorzug. 

Die Berechnung der Höhe des Qnecksilbercylinders könnte 
ganz nach der oben für Holz und Blei gegebenen Formel enge* . 
stellt werden , da es unnöthig ist , die nur höchstens 2 Zoll 
lange Stahlfeder und die Ausdehnutig des gläsernen Cylinders, 
-worin sich das Quecksilber befindet, zu berücksichtigen. Will 
man jedoch die letztere Gröfse gleichfalls in Rechnung nehmen, 
so bezeichne L die Länge der Glasstange und Uhrfeder bis zum 
Mittelpuncte der Schwingung , 2x die Höhe des erforderlichen 
Quecksilbercylinders , a die lineare Ausdehnung und k die ku«* 
bische (== 3a) Ausdehnung des Glases, a' die kubische Aus- ■ 
dehnung des Quecksilbers oder die Ausdehnung seines Volu- 
mens | und man erhält 

_ La 

"""a (1 — k) — a- 
Wäre z^ B. L = gf6 par. Zolle , a = 0,00000861 , also 
k = 0>00002583 und a' = 6»00018, so erhielte man 



390 Pendel. 

, __ 0.00030996 _ . «na« 7 
* T 0.0001^13853 - ^^^^ ' • ^•' 

ijbo würde die Htthe des Qaecksilbercylinders vorläufig und bis 
spr nähern Regolirang zu 3)617 psr. Z. anzunehmen seyn^. 

2) Bei der Beschreibnng des rostförmigtn Pendels ist oben 
blob die Compensation durch Zink angegeben, was {iir den prak- 
• tischen Gebrauch allerdings zweckmäfsig genannt werden mufs, 
indem dieser vor jeder andern iSo sehr der Vorzug gebührt , dafs 
man nicht leicht ein anderes Metall für die so gestalteten Pendel 
wählen wird. Die ursprünglichen, durch HARRisoir seit 1726 
vorgeschlagenen Pendel bestehn aber aus einer Verbindung von 
•isornen und messingnen Stangen, und die durch Trouohton^ 
verfertigten gleichfalls aus eisernen Stangen, aber aus hohlen^ 
messingnon , diese umschliefsenden Röhren , um bei geringerer 
, Metallmasso eine gröbere Festigkeit zu erhalten ; beide haben 
drei herabgehendo Längen von Eisen und zwei aufwärts gerich« 
feto Längen von Messing zur Compensation , beide haben den 
Ifachtheily defs durch das Gewi^t der Pendelstange der Mittel- 
ponct der Schwingungen nicht unmerklich tiefer hinabgerückt 
wird. Auch die durch Juiixir le Rot um das Jahr 1748 bei 
einer Uhr auf der Sternwarte zu Cluny angebrachte Compensa- 
tion bestand aus Eisen und Messing, aber nur aus einer einzi« 
gen Stange von jedem dieser Metalle , wodurch jedoch die obere 
Hälfte des Pendels über das Uhrgehäuse emporragte und daher 
das Ganze keine gleichmäfsige Temperatur haben konnte. Auch 
DsPARCiEUX construirte eine Compensation aus zwei herab- 
gehenden Eisenstangen mit einem eisernen Träger an den un-*- 
tem Enden ^ worauf die aufwärts gerichteten zwei Messiogstan- 
gen mit einem auf ihren obern Enden ruhenden Querbalken 
standen , an welchem dann die eigentliche eiserne Pendelstange 
hing. Beide haben aulserdem den Mangel , dafs bei jenem die 
Gompensirende Messingstange, bei diesem die beiden herabge- 



1 Einen Yorsclilag von Farbaii in Boston Journ. of Science T. T. 
p« 491., wonach die durch Wärme aasgedehnte Luft auf das Queck- 
süber drucken und einen der gleichzeitigen Ansdehnnng des Glases 
proportionalen Theil desselben in die Höhe treiben soll, übergehe 
ich^ weil er mir onansführbar und nnzweckmäfsig scheint. 

2 Nicholson's Journal 1804. Dec. T. IX. p. 225. Vergl. Bodb 
astron. Jahrb. 1808. 8. 249. Eine Beartheilang dieser Compensation 
TOD ScaaiTTSK ebend. IBiO« 8. 184. 



Uhrpeudel. 391 

henden Eisenstangen für sich an der Wand oder dem Gehäuse 
befestigt sind, eine Einrichtung, welche Küter mit Recht 
durchaus verwirft , weil es ihr leicht an der gehörigen Festigkeit 
gebricht und die einzelnen Theile nicht gleichmäCsig erwärmt 
werden können^. 

Auch die Compensation durch Zink ist auf verschiedene 
Weise abgeändert, wenn gleich die ursprüngliche < rostförmige 
Construcfion meistens beibehalten wurde« Eine Erwähnung ver- 
client wohl der Vorschlag von Henry Ward , wofür ihm von 
der Society of Arts die silberne Medaille zuerkannt wurde. 
Hiernach besteht die Pendelstange aus zwei flachen eisernen^* 
Stangen HH, II von etwa ],5 Lin. Dicke, zwischen denen 
eine Zinkstange KK von etwa 3 Lin. Dicke einigeschlossen ist. 
Vermittelst der Schraube m wird die Zinkstange KK an die Ei* 
senstange H H festgeschraubt und zum Beguliren sind -in die 
«rstere mehrere Löcher über einander gebohrt, die Stange II • 
dagegen ruht mit ihrem obern Haken auf der Zinkstange und 
wird an dieser durch die Schrauben O, O^ O festgehalten, 
die sich in länglichen Löchern in 'den Stangen K K und H H 
frei auf- und abwärts bewegen könneti. Einfacher noch ist aller- 
dings die durch Adam Heid^ vorgeschlagene Compensation, 
wofür ihm die Society of Arts eine Remuneration von 15 Pfd.' 
Sterl. zu Theil werden liefs. Das ganze Pendel besteht aus 
einer eisernen Stan<;e SB, welche an einem Stücke Uhrfeder^'/?* 
aufgehangen ist. Der untere Theil derselben geht durch einen 
hohlen Cylinder D von Zink , welcher auf dem aufgeschraubten 
untern messingnen Knopfe ruht, mit seinem obern Ende aber 
an einem messingnen Querbalken die Linse C in ihrem Cen* 
trum trägt. Ein Mangel dabei ist, dafs sich die Compensation 
nicht reguliren lafst , indem man von dem hohen Cylinder et- 
was abnehmen mufs, wenn die Compensation zu stark ist, und 
im entgegengesetzten Falle etwas ansetzen müfste, beides sehr 
schwierige Operationen , welche jedoch bei der praktischen An« 
Wendung nicht vermieden werden könnten , da sich die Starke 
der Ausdehnung nicht mit derjenigen Schärfe berechnen läfst, 
die hierzu erforderlich ist. Eine sinnreiche Compensation durch 



1 Eine ahnliche, ans gleichen Gründen verwerfliehe Compensa- 
tion hat DÖHLER vorgeschlagen. G. VII. 318. 

2 Annales de Chimie T. LXXXV. p. 183. 



392 FendeL 

Zink hat endlich JoHir Smeatov ausgedacht. Die Pendelstange 
besteht hiernach aus massivem Glase, unten mit einer stählernen 
Schraube und einer aufgeschraubten Nufs versehn. Auf letz- 
terer ruht ein auf die Glasstange geschobener hohler Cylinder 
von Zink , ungefähr 12 Z. lang und ^ Z. dick. Ueber diesen 
"wird von oben herab eine hohle Höhre von Eisenblech gestürzt, 
deren oberer Rand so. stark einwärts gebogen ist, dafs sie auf 
dem Cylinder ruht , unten dagegen ist der Hand auswärts gebo- 
gen und trägt auf der hierdurch gebildeten Fläche einen hohlen 
Cylinder von Blei etwas mehr als 12 Zoll lang. Es folgt hier- 
aus, dafs die Glasstange und die Röhre von Eisenblech sich 
herabwärts ausdehnen , der hohl^ Cylinder von Zink und der 
von Blei aber aufwärts^ so dafs also der Mittelpunct der Schwin- 
gung durch beide einander entgegengesetzte Wirkungen stets in 
gleicher Höhe erhalten wird. Auch hierbei fehlt die Regulirung 
der Compensation , welche jedoch leicht dadurch zu erhalten 
wäre , wenn man auf die oben bei Kater^s hölzernem Pendel 
bereits beschriebene Weise dem Cylinder von Zink unten einen 
Boden mit einem Loche gäbe und in dieses einen Cylinder 
von Zink schraubte , um diesen hinaufwärts oder hinabwärts zu 
schrauben und dadurch die Compensation des Zinks zu verklei- 
nern oder zu vergröfsern. Kater* bemerkt, dafs solche Pendel 
beim Gebrauche sehr brauchbar befunden wurden, und es sey 
daher auffallend , dafs sich nirgends eine Bekanntmachung der- 
selben finde. 

Für die Berechnung des Verhältnisses der einzelnen Theile 
scheint es mir am leichtesten und sichersten zu seyn , die Län- 
gen der Glasstange, der Uhrfeder, der untern Stahlschraube der 
eisernen Röhre und des Bleies als bekannt anzunehmen und 
hieraus die erforderliche Länge des Zinks zu finden. Es sey 
deimnach die Länge der Glasstange L = 38 Z., der Feder X = 2Z., 
der eisernen Schraube bis an die aufgeschraubte Mutter X =2Z., 
der Dlechröhre 1 = 10 Z. , des bei dieser Einrichtung nur mit 
seiner halben Länge compensirenden Bleicylinders 2b = 10 Z., 
der Zinkröhre = x ; ist ferner die lineare Ausdehnung des Gla-^ 
ses = a, der eisernen und stählernen Theile, alle als gleich 
angenommen , = a', des Bleies = a", des Zinkes = a " , so ist 
La + (1-|-X+ i')a' — ba" + xa"', also 



1 Cabinet Cyclopaedia. Mechanics p. Wq. 



Uhrpendel. ' 393 

_ La + (1 + X 4- V) >' — 6>" 



X -— ' — - ' m 



Werden die linearen Ausdehnungen a = 0,00000861 ) 
a' = 0,00001152, a*' = 0,0000288 und a" = 0,00003 ange- 
nommen , 80 erhält man 

^ 0,00032718 + 0,00016128 — 0,000144 _ ^^ ^^ 
^~ 0,00003" —11,402, 

wonach die Compensation vorläufig eingerichtet werden kdnntei 
die sich dann vermittelst der Stahlschraube an der Pendelstange 
und des eingeschraubten Cylinders von Zink reguliren liefse. 

Schon 1802 hat Behzbvbero^ vorgeschlagen, statt des 
Zinkes Blei zur Compensation zu nehmen« Dabei hat er jedoch 
die Form des Rostes beibehalten, denn sein Pendel hat oben an 
einer kurzen eisernen Stange einen Querbalken von Eisen oder 
Messing , von welchem zwei eiserne Stangen herabhängen und 
unten wieder in einem Querbalken befestigt sind. Auf diesem 
letztem ruht in der Mitte die verticale Bleistange und trägt oben 
einen Querbalken , von welchem abermals zwei eiserne Stangen 
herabhängen , durch den genannten untern Querbalken frei be«» 
weglich gesteckt sind und selbst einen kleineren Querbalken 
tragen, in dessen Mitte die zum Tragen der Linse dienende 
kurze eiserne Stange befestigt ist. Kater ^ schlägt statt dessen 
vor , die erste Stange durch einen hohlen Gylinder von Blei her-^ 
abgehn zu lassen und am untern Ende desselben zu befestigen, 
auf seinem obern Ende aber eine Röhre von Eisenblech ruhn zii' 
lassen und an deren unterm Ende die Linse entweder unmit* 
telbar oder vermittelst einer kurzen eisernen Stange zu befesti- 
gen. Sonach erhalt also das Pendel genau die vouHerafath^ 
vorgeschlagene Gestalt, mit dem Unterschiede, dafs Letzterer 
Zink statt des Bleies in Vorschlag bringt. Dieses ist ofifenbar 
besser wegen seines geringern specifischen Gewichtes, seiner 
gröfsern Härte und stärkern Ausdehnung durch Wärme, woge«» 
gen der etwas höhere Preis nicht in Anschlag kommen kann« 



1 Voigt's MogaBin Tb. IV. S. 787. Im .olgenden Jahre brachte 
ebender3elbe das leichtflüssige Rose^sche Metall cor Compensation ia 
Vorschlag. G. XIV. 3J5. 

2 Cabinet Cyclopaedia p. 817. 

3 S. Bd. I^ S. 205. dieses Werks and die dort angegebene 
Fig. 67. 



« 4 



- \. 



304 Pendel. 

Sehr zweckmäfsig ist dann ferner die am obern Ende der Röliie 
von Eisenblech (oder besser eines Flintenlaufes) angebrachte 
Schraube I vermittelst deren die Röhre auf dem hohlen Cylinder 
von Zink auf- und abwärts geschraubt werden kann , um die 
Compensation des Zinks zu reguliren. Weil aber das ganze Pen- 
del verlängert oder verkürzt wird, wenn man diese Schraube 
fainabwärts oder aufwärts schraubt, so i^t es zweckmäfsig, die 
eiserne Röhre unten durch einen Boden mit einer OefFnung 
BQ verschliefsen , in welcher (|ie kurze, zum Tragen der Linse 
in deren Mittelpuncte bestimmte eiserne Stange gleichfalls auf-* 
und abwärts ge^iphraubt werden kann , um die veränderte Länge 
meder herzustellen» 

Zur Berechnung der jCompensation darf man nur annehmen, 
dab die Theile von Eisen , welche die ganze Länge des Pen- 
dels bilden, und eine der Zii|]^öhre an Länge genau gleichkom- 
mende Eisenstange sich herabwärts ausdehnen , während das 
Zink aufwärts compensirt. Heifst demnach die Länge der er- 
stem L 4" x> der letztern x, die Ausdehnung des Eisens a, des 
Zinks a' , so ist 

(L + x) a=xa' also x = -7 . 

^ '^ a — a 

Für L kann man in genähertem Werthe etwa 38 par. Zoll an- 
nehmen, da die Mittel zur Regulirung gegeben sind, die Be- 
rechnung ist dann leicht und genügend sicher, insofern die Wer- 
the von a und a' mit hinlänglicher Genauigkeit bestimmt sind, 
und diesemnach gehört diese Construction der Compensations- 
pendel ohne Widerrede unter die vorzüglichsten, wenn ihr 
nicht vor allen andern der Vorzug gebührt, 

3) und 4) Sonstige Compensationsarten sind im Allge- 
meinen minder solid , nicht leicht mit gehöriger Genauigkeit 
zu berechnen und herzustellen , so dafs man ungleich weniger 
Gebrauch davon zu machen pflegt. Das Nöthige hierüber ist 
oben bereits mitgetheilt worden, auch darf ich als bekannt vor- 
aussetzen , was sich sonst noch über den Bau des Pendels und 
das Verhältnifs seiner einzelnen Theile sagen liefse. Vor allen 
Dingen mufs die Uhr höchst fest und unbeweglich aufgeliangen 
werden, so dafs die Schwingungen des Pendels sie selbst auf keine 
Weise zu bewegen vermögen. Hieraus folgt dann von selbst, 
dafs das Gewicht des Pendels sie nicht wolil belasten kann ; das 
Gewicht der Linse aber wählt man deswegen beträchtlich grofs, 



Ulirpendel. 39S 

nämlioh von etwa 8 his höchstens 40 Pfd/i damit die ihiii durch 
das Uhrwerk mitgetheilten Stöfse die Schwingaogen des Pen«* 
dels blols fortdauern machen, ohne einen sonstigen Einflufs dar-^ 
auf zu äuTsem. Soll der'Mittelpunct derjSchwingung nahe un«« 
ter das C^Dtrum der Linse fallen , so m als diese in eben dem 
Verhältnisse ^n gröfseres Gewicht erhalten, als die PendelstangQ 
selbst schwerer wird. 

Wenn die Pendel rücksichtlich der Compensation hinlängr 
lieh genau hergestellt s^nd und also die Veränderung der Tem r 
peratur keinen weitern Einflufs auf sie hat , so bleibt ■ oft die 
Schwierigkeit, sie mit gröfster Schärfe der bezweckten Zeit an-f 
zupassen , so dafs sie genau in halben oder ganzen Secunden 
schwingen« Nach HoAnbr^ giebt eine Längendifferenz cfes . 
Pendels von 0,064 Linien einen Unterschied von etwa 6,5 Se- 
canden bei einem Secundenpendel in 24 Stunden j welches in 
zwei Mgnaten schon eben so viele Minuten beträgt. Man kann 
zwar die Länge des Pendels durch die Schraube der Nufs, auf 
welcher die Linse ruht, vermindern oder vergröfsern, allein so 
feine . Correctionen , als hierbei erfordert werden, sind schwer 
zu bewerkstelligen. Das beste Mittel zu dieser Regulirung ist 
bereits erwähnt worden und besteht nach Kater aus einem 
kleinen Gewichte, welches auf der Pendelstange aufwärts oder 
abwärts geschoben und mit einer Klemmschraube festgehalten 
wird, um das Pendel (oder vielmehr die reducirte Länge des- 
selben vom Aufhängepuncte bis zum Mittelpuncte der Schwin-* 
gung) sehr wenig zu verkürzen oder zu verlängern. Ein ande- 
res, eben so feines Mittel hatPAONT^ vorgeschlagen. Ist näm- 
lich ab die Messerschneide, worauf das Pendel schwingt, so^'g- 
wird in der verticalen , durch den Schwerpunct des Pendels 
gehenden Linie der feine Stift of ungefähr 18 Lin. lang aufge- 
richtet und nahe an seinem obern Ende mit einem Ringe versehn? 
welcher sich leicht auf dem Stifte umdrehn läfst, aber durch 
seine Reibung festsitzt. Der Ring ist mit zwei feinen, einan- 
der diametral gegenüberstehenden , ungefähr 14 Lin. langen und 
perpendiculär gegen die Axe des Stiftes gerichteten Stäbchen .. 
versehn , an deren Enden die kleinen Kugeln c und d von etwa 
2 Lin. Durchmesser, alles von Metall genau gearbeitet, bcfe- 



1 Oben Bd. II. S. 198, 

2 Ann. de Gbim. et Phy«. V. 509. 



306 Pendel. 

•dgt sind» tDiese Kugeln ventfgara den Gang des Pendels am 
meisten, wenn eine darch sie gelegte verticale Ebene die durch 
die Axo der Messerschneide' gelegte anter zwei rechten Win- 
keln schneidet , und am wenigsten , wenn beide zusammenfal- 
len ; der Gang des Pendels lälst sich also auf das Feinste regu- 
liren, wenn tnan die Kugeln um sehr kleine Winkel im Azimuth 
lierumdreht ; es steht jedoch der Anwendung dieser Correction 
der Umstand entgegen, daüs sie nur bei Pendeln' mit der Mes- 
serschneide angebracht werden kann. 

Die meisten Uhrpendel sind solche , die ganze Sexagesi- 
inalseeunden schwingen, mindestens bei den astronomischen 
und den:gTtfIsemStanduhrenr Für kleinere nimmt man auch 
halbe Secundenpendel , bei denen jedoch geringe Fehler in glei- 
chen .Zeiten durch Summirung doppelt so grofs werden, und 
fiir noch kleinere Zeittheilchen wurde die Verfertigung der Pen- 
del stets wachsende Sdiwierigkeiten erzeugen. Inzwischen ist 
es oft wünschenswerth , kleine Zeittheilchen zu messen, ja man 
ist sogar darauf bedacht gewesen , in gleicher Progression fort- 
steigend Sechzigstel einer Secunde oder Tertien zu messen 
luid hiemach sogenannte Tertienuhren zu construiren. Einige 
Künstler haben dieses durch . die schnelleren Schwingungen der 
Unruhe in einer Art Sackuhren zu erreichen gesucht, die sie 
bis zu 10 in einer Secunde vermehrten, oder darch eine Be- 
schleunigung der regulirten Bewegungen vermittelst der Räder; 
allein ich zweifle , dafs auf diese Weise die erforderliche Ge- 
nauigkeit überhaupt erreichbar sey. Dieses ist dagegen sehr 
leicht möglich vermittelst des sogenannten Centrifugal - oder ko- 
nischen Pendels, welches jedoch bereits oben^ beschrieben 
worden ist und nicht blofs für Tertienuhren, sondern auch 
insbesondere da angewandt wird , wo man eine stets gleichför- 
mige Bewegung sucht, z.B. bei Fernröhren, die sich gleich- 
tnäfsig mit den Sternen bewegen sollen , den Heliometern , dem 
grofsen Refractor zu Dorpat u. s. w. Auch Zamboni hat das- 
selbe an der Uhr angebracht, welche durch zwei seiner trock- 
nen Säulen in steter Bewegung, erhalten werden. Hier ist so- 



1 Art. Centrifugal ' Pendel Bd. IF. S. 83. Vcrgl. Bbkzerbbrg in 
Voigt Mag. XII. 182. Eipe ausführliche Abhandlung Über das koni- 
sche Pendel vonPouiLLET findet sich in dcrCorrespondance sur TEcole 
poljtechnique T. III. p. 27. 



ülirpendeL 397 

nach blofs noch erfotdierlich , dieses Pendel mit dem vertlca« 
len zu vergleichen. 

Es sey demnach die Länge des Pendels CA = 1 ; die Höhe^j^T- 
de3 Kegels , dessen Oberfläche dasselbe bei seinen Schwingun- 
gen beschreibt jCsS 33= h; der Halbmesser des mit dem Hori«* 
zonte parallelen , durch das Gewicht durchlaufenen Kreises = n 
Auf dieses Gewicht oder den sdiweren Körper an einem ab 
nicht schwer angenommenen Faden wirken drei Kräfte , zuerst 
die Schwungkraft in der Richtung SA, welche den Körper vom 
IVlittelpuncte des Kreises zu entfernen strebt, die Schwere, wel- 
che der Richtung CS parallel wirkt und als Einheit = 1 an- 
genommen werden kann, und die au». beiden zusammengesetzte 
Spannung des Fadens. HeiCsti dic( Centxifiigalkraft k^ so er-* 
hält man •; : 

CS : SA=h:1^>tol:k• 



1 -f. 



V* 



Es ist aber die Schwungkraft k == ^-^ und mit der Schwere als 
Einheit und dem hierdurch bewirkten freien Falle der Körper 
verglichen ist k = - — . Da aber die Geschwindigkeit dem 
Räume direct und der Zeit umgekehrt proportional ist, also fiir 
die Bewegung im Kreise v == , so ist v ^ =s — , also 



k = - — 7j • Folglich erhält man 



2gT 

1 : — -r- = h:r 

odergt^ =2;r2h, und t = ;i /^?J} . 

g 
Insofern aber h die Länge des Pendels ist, wird 

g . 

und da die Zeitdauer einer einfachen Schwingung eines vertica^ 
len Pendels 

ist ) so gebraucht das Centrifugalpendel genau doppelt so viele 
Zeit, um einen ganzen Kreis zu durchlaufen, als das verticale 
zu einer Schwingung, so dals das erstere den vierten Theii 



ggg Pendel. 

der Onge haben muls , wenn es mit dem letztem gleichzeitig 
aeine Schwingungen vollenden soll. 

' Eine für astronomische Beobachtungen bestimmte sinnreiche 
Vonrichtung, um beim Appulse eines Sternes an den Spinnen«« 
faden im Femrohre die Zeit auf 0)1 See. unmittelbar genau zu 
messen, hat Br^oukt^ erfunden und ausgeführter Sie besteht 
ans zwei Zeigern , deren einer auf einem Bogentheile von 60 
Graden 10 einzelne Sekunden zeigt, der andere aber auf einem 
xweiten , etwas gröfsem Bogentheile Zehntheile einer Secunde. 
Beide werden gleichzeitig mit dem sich nähernden Sterne beob- 
achtet, um die Zeit des Appulses genau zu erhalten, wozu al- 
lerdings einige durch Uebung erlangte Fertigkeit erfordei;t wird. 
Eine nähere Beschreibung dieses sinnreich construirten Appara- 
tes, welcher an jedem mit Spinnenfäden versehenen Fernrohre 
angebracht werden kann, liegt zu weit aufser den Grenzen die- 
ses Werks. 

Diejenigen Pendel, welche die gleichmäfsige Zeiteinth eilung 
.der Sackuhren, Taschenuhren, Chronometer u. s. w. bedingen, 
bestehn aus Ringen, die durch einen dünnen, sehr elastischen, 
spiralförmig aufgewundenen Faden, die Spiralfeder, um eine 
feine, durch ihr Centrum gehende Axe hin und zurück ge-» 
Schwüngen werden. Denkt man sich diesen Ring, die söge-» 
nannte Unruhe , als stillstehend , wobei die Spiralfeder nicht 
gespannt ist, und dreht ihn dann in seiner Ebene um einen ali- 
quoten Theil des Bogens um seine Axe, so wird die Spiralfe- 
der gespannt, zieht also den losgelassenen Ring mit beschleu- 
nigter Bewegung rückwärts , bis er wieder in seine anfängliche 
Lage kommt. In dieser wird er aber nicht beharren, sondern 
mufs nach dem Gesetze der Trägheit mit der erlangten Ge- 
schwindigkeit weiter schwingen , bis seine erhaltene Bewegung 
durch den Widerstand der entgegengesetzt gespannten Spiralfe- 
der = wird , wodurch dann eine ganze oder einfache Pen- 
delschwingung vollendet ist. Die entgegengesetzt gespannte 
Spiralfeder zieht ihn dann wieder rückwärts und es erfolgt eine 
zweite gleiche, aber der ersten der Richtung nach entgegenge- 
setzte Schwingung , und so würden diese ohne Aufhören fort- 
dauern, wenn nicht die Reibung und der Widerstand der Luft sie 
Stets verzögerten und endlich aufhören, machten. Hiernach also 



l ^Ann. de ähim. et Phys. X. 4SI. 



Taktmesser; Metronom« 399 

tritt die Blasticität der Spiralfeder an die Stelle der die Pen-^ 
delschwingUDgen bedingenden Schwere ; die Schwingungszeiten 
hängen ab von der Gröfse und Masse der Unruhe und von äet 
Kraft der Spiralfeder. Werden beide, ebenso wie das Hindernifs 
der Reibung , stets gleichmäfsig erhalten , so sind die Schwin- 
gungen isochronisch und die Uhr zahlt stets gleichmäfsige Zeit- 
abtheilungen. Hierzu wird die Compensatiön^ erfordert, da die 
Wärme sowohl die Spiralfeder ausdehnt und dadurch minder 
elastisch macht,' als insbesondere auch den Ring vergröfsert 
nnd seine Geschwindigkeit vermindert. Damit die pendelarti- 
gen Schwingungen nicht aufhören , ethalt die Axe des Ringes, 
die Spindel, zwei unter einem «von der Grölse ^e% vom Ringe 
durchlaufenen Rogens abhängenden Winkel gegen einander 
geneigte oder auch einander gegenüberstehende Lappen, ge- 
gen welche das Räderwerk der durch eine Feder angespannten 
Uhr bei jeder Schwingung einen kleinen Stofs ausübt. Eine 
Regulirung der Schwingungszeiten bewerkstelligt man durch 
eine geringe Verlängerung oder Verkürzung der Spiralfe- 
der, indem diese durch Verkürzung mehr gespannt und ela- 
stischer wird , also die Geschwindigkeit der Unruhe beschleu- 
nigt« Eine allgemeine Formel zur Rerechnung der Schwingungs- 
zeiten ist deswegen nicht möglich, weil die Grölse des Ringes 
und die Elasticität der Spiralfeder unbestimmt sind* 

c) Taktmesser, Taktpendel. 

Auf das Gesetz , dafs vermittelst eines Pendels Zeiten von 
willkürlicher Länge mefsbar sind , hat man die Construction 
der musikalischen Taktmesser gegründet, unter denen das Me-^ 
tronom von Malzel in Wien und das Taktpendel von Gott- 
fried Weber die bekanntesten sind. Um die Einrichtung des 
erstem zu begreifen, mufs zuerst folgende einfache Betrachtung, 
vorausgehn. 

iK>ll ein Pendel in längern Zeiten schwingen, so müssen 
seine Längen den Quadraten dieser Zeiten proportional seyn, 
mithin erfordert ein Pendel für 2 Secunden schon die vierfache 
Länge des Secundenpendels und ist hiernach allerdings be- 
schwerlich zu construiren , für noch ^röfsere , in langsamen 
Tempels der Compositionen vorkommende Zeitintervalle würde 



1 S. Bd. II. S. 210. 



I 
\ 



Q letztern gleichzeitig 



Votrichtui 



Graden 10 
iweiteD, I 






: grOt« 



Deobaclituagei 
Appiilso eines Ste 
Zeit auf 0,1 See. 



398 

der Lange haben miifa 

seine Schwingungen vouenaen aoii. 

beaiimmta sinnreichp 

nes an den Spinneno 

aninillelbar genau la 

m und ausgeführt. Sie besteht 

auf einem liogentheile von 60 ' 
eigt, der andere aber auf eiaen \ 
ilheile Zehnilieile einer Secunde^ . 
Beide werden gleichzeilig mit dem sich nähernden Sterne beob- ' 
achtet, um die Zeit des Appulses genau zu erhallen, -woza d- 
lerdings einige durch Uebung erlangte Fertigkeit erfordert wirf, j 
Eine nähere Keschreibiing dieses sinnreich construirten Appn» J 
les, welcher an jedem mil Spinnenfäden versehenen Ferwofiri I 
angebracht werden kann , liegt zu weit aufser den GrenzeD üfi 
Ses Werks. J 

Diejenigen Pendel, welche die gleJchmäfsigeZeiteintheili 
der Sackuhren, Taschennbren, Chronometer u. s. \v. beding 
bpstehu aus Ringen , die durch einen dünnen, sehr eUstischel 
Ifeder, um ÖD 
hin und zurück 
esen Ring, dieioge* 
die Spiralfeder uicKt 
Ebene um einea ^o 
50 wird die SpiralTe* 
n Ring mit besohlea- 
r in seine anfänj^Ui^ 
ht beharren, sond*|ff 
mit der erlangi«n Üt* 
«vhalleue Dew« 
gespannten SpinI 
oder einfache Pen^ 
;eg enge setzt g«p! 



. Spm 



fein 


e, durch ihr Cenlruin ge 


henJe Axe 


schwunoen werden. Denkt 


man sich d 


nan 


te Unruhe, als stillstehe 


nd , wobei 


gesF 


annt ist, und dreht ihn d 


nn in seine 


cjuoten Theil des Rogens um 


seine Axe, 


der 


gespannt, zieht also den 


losgelassen 


nigier Bewegung rückwärts, 


)is er wiede 


Lag 


e komnit. In dieser wird 


er aber ni 


n.u] 


nach dem Gesetze der 


Trägheit n 


ech 


vindigkeit weiterschwinge 


n, bis sein 


dur 


h den Widerstand der ent 


gegengesetz 


der 


=i wird, wodurch don 


1 eine ganz 


dels 


chwingung vollendet ist. 


Die entge 


Spi 


alfeder zieht ihn dann wie 


der Tilcli» 


zweite gleiche, aber der e|-»if 


n d f ' 


setz 


e Schwingung, und so \ 




dan 


rn, wenn nicht die « 




Stets 


venögerten 






M«. dl 







xaktmesaei; Melronom. '4oi 


and. 


l':g = I:g', iilsol'= '-I, 




i_ ' 



Hiernach kann ä'ie Länge des physischen Pendels nach Will- 
- äer Einheit nahe bringt, 



vergiöhe. 






auch ergiebt sich aus dec 
wenn p =; ist, dagegei 
kiirliche Verlängerung d 
Schwjngungsaxe angebr 
angegebene Modificationi 
ander gleich, nämlich i 



I Vorigen von selbst, dafs 1' = 1 wird, 
unendlich, wenn p = P. Eine will- 
'S Pendels ist also durch ein über der 
chles Gegengewicht möglich. Geide 
D sind übrigens dem Wesen nach ein- 
lan kann durch das angegebene Mit- 



,tel die Schwingungszeilen eines Pendels willkürlich TergrÖ- 
' Isern , welches mit einet beliebigen Verlängerung desselben 
identisch ist. 

Nach diesem Principe hatMlLZEL sein Metronom construirt, 
dessen Bestimmung ist, das Zeitmafs der Takle in den verschie- 
denen Tonslücken genauer anzugeben, als dieses durch die 
Ausdrücke der Componislen, z. B. Allegro , Largo, Presto 
u. s. w. möglich ist. Der Erfinder reiste in Deutschland, Eng- 
land und Frankreich und suchte überall die bedeutendsten Com- 
ponislen für die Anwendung dieser bessern Methode zu gewin- 
nen, welche auch gegenwärtig ziemhch allgemein aufgenom- 
men ist. Das Melronom (von ^hgov das Mafs und vöfiog das 



Xied, die Melodie, od< 
fichtiger wohl von fujQov das 
das Mafs der gesetzlichen, i 
I ichwaizen hölzernen Kasten 
lanljgen Pyramide A. Im obi 
nen Pfannen die dünne met 



)n fujgoyüfiog der Mafsaufseher, 
Mafa und vo/tos das Gesetz, also 
ichtigen Zeit) besieht aus einem 
in Form einer abgekürzten 
m Deckel derselben ruht in 
allne Axe, wovon die höh 



■-r.-i 



Stange dP lothrechl durchbohrt ist. Unten an dieser etwa 0,5 
Z. breiten und 0,25 Z. dicken Stange ist eine Linse P befestigt, 
welche dieselbe pendelartig schwingen macht, an ihrem obern 
Ende aber ist da» verschiebbare Bleigewicht p befindlich, 
dessen statisches Moment, also, nach der Bezeichnung in der 
Formel, dessen Werth , wächst, so wie man es höher hinauf- 
achiebl. Auf der Stange von c bis d sind Zahlen aufgelragen, 
Vll. Bd. C c 



402 Pendel. 

auf welche das Grewicht p gestellt wird , und diese sind so ab- 
gemessen, dafs sie zugleich die Menge der Schwingungen des 
Pendels in einer Minute angeben , wobei sich von selbst ver- 
steht f dafs von diesen die gröfsern , die mit 160 anfangen , un- 
ten stehn und die kleinem, die mit 30 endigen^ am obern 
Theile der Stange. Ist dann irgend eine Composition auf die 
hiernach übliche Weise bezeichnet , z. B. p = 36 Mälz, oder 
p= 60 Mälz, oder T = 70 Mälz. , so heifst dieses, das rich- 
tige Tempo findet dann statt , wenn die im bezeichneten Ton- 
Stücke vorkommenden Noten von dem ihnen eigenen Werthe 
so lange gehalten werden, als eine Schwingung des Pendels 
dauert, bei welcher das Bleigewicht auf die angegebene Zalil 
gestellt ist^. 

Dais hierdurch ein absolut genaues Taktmafs angegeben 
"werde, welches allerdings von grofser Wichtigkeit fiir den rich- 
tigen Vortrag der Musikstücke ist , unterliegt keinem Zweifel. 
Es versteht sich dabei von selbst, dafs beide Instrumente, das 
des Künstlers und des Componisten , gleichmäfsig eingerichtet 
sind , was sich jedoch bei jedem einzelnen leicht durch Ver- 
gleichung mit einer richtigen Uhr und Zählung der auf eine 
Minute gehörenden Schwingungen ausmitteln läfst. Allerdings 
wird die hölzerne Stange dem Einflüsse der Feuchtigkeit ausge- 
setzt seyn und deswegen keine absolut scharfe Messung gestat- 
ten , allein sie bleibt für ihren Zweck immer noch hinlänglich 
genau, und wollte man einige Erhöhung des Preises nicht 
scheuen , so könnte man eine metallne Stange wählen und diese 
auf einer Messerschneide schwin«zen lassen. Immerhin behält 
die Maschine durch den grofsen Umfang der gemessenen Zeit- 
theile , die sich leicht von halben Minuten bis etwa zu Drittel 
Secunden vermehren liefsen, bei einer Höhe von nicht völlig 
2 par. F. einen entschiedenen Vorzug. 

Wohlfeiler dagegen und leichter selbst nur für Kunstlieb- 
haber in einzelnen Fällen herstellbar ist Gottfried Weber's^ 
pendelartiger Taktmesser ^ welcher zu grofserer Bequemlichkeit 
mit dem Metronom correspondirt , so dafs gleiche ßestimmun- 



1 Leipz. musikal. Zeilang 1813. Nr. 27 u. 48. S. 441. 1814. Nr. 
27 n. 41. 1815. Nr. 5. Allg. Aut. d. Deutschen 1814. Nr. 74 u. 101. 

2 Allgemeine Musiklehre zum Selbstunterricht für Lehrer und 
Lerueade u. s. w. 1831. 8. S. XC. Leipziger musik. Zeit. a. a. O. 



Taktmes9er; Metronom. 403 

• 

gen darch beide erhalten werden» Dieser besteht aus einem 
blofsen Faden niit einer Bleikugel , kommt also dem einfachen 
Pendel sehr nahe und dient zur Taktmessung dadurch, dafs man 
bei ungleichen Längen des Fadens die Schwingungen der Kugel 
zählt. Zur gröfseren Bequemlichkeit des Messens liefse sich 
die Kugel an einem schmalen seidenen Bande befestigen , auf 
welches die erforderlichen , dem Metronom correspondirenden 
Längen durch Zahlen gedruckt werden könnten und das man 
in einer Klemme durch aufwärts und abwärts 2iiehen gehörig 
feststellte, um die erforderlichen Schwingungen zu erhalten, 
wie die Zeichnung dieses zu besserer Versinnlichung darstellt, ^'8* 
worin p die schwingende Kugel und e die Klemme bezeichnet, 
die am Ende eines horizontalen Armes an einer verticalen Säule 
angebracht ist ^. Allerdings ist ein bloiset Faden sowohl , als 
auch das vorgeschlagene Band dem Einflüsse der Feuchtigkeit 
ausgesetzt , auch werden beide sich als elastisch etwas dehnen, 
allein die hieraus erwachsenden Unrichtigkeiten sind fiir den 
beabsichtigten Zweck ganz unbedeutend, indem dennooh die 
zu erreichende Genauigkeit gröfser ist, als sie verlangt wird» 
Weber hat zu gröfserer Bequemlichkeit die Zahlen des Mälzel'- 
schen Metronoms auf die Längen des taktmessenden Pendels in 
rheinländischen Zollen , englischen Zollen und Metern reducirt, 
fangt aber erst mit der Zahl 50 an, weil für die niedrigem das 
Pendel zu lang werden würde, geht dagegen weit über die bis 
160 reichende Grenze des Metronoms hinaus* Folgende Tabelle 
ist hieraus entstanden. 



1 Die Figur zeigt den Te|rtiealen Dorchschnitt einer 4,5 F« ho- 
lieo Säule, an deren einer Seite Webba's Taktmesser, an der andern 
Malzel^s Metronond, welches jedoch aus einer feinen Messingstango 
und einer auf einer Messerschneide balancirttin Linse besteht, darge- 
stellt ist. 



Cg2 



402 Pendel. 

auf welche das Grewicht p gestellt wird , und diese sind so ab- 
gemessen, dafs sie zugleich die Menge der Schwingungen des 
Pendels in einer Minute angeben , wobei sich von selbst ver- 
steht , dafs von diesen die grüfsern, die mit 160 anfangen , un- 
ten stehn und die kleinem, die mit 30 endigen^ am obern 
Theile der Stange. Ist dann irgend eine Composition auf die 
hiernach übliche Weise bezeichnet, z. B. p = 36 Mälz, oder 
p= 60 Mälz, oder T = 70 Mälz., so heifst dieses, das rich- 
tige Tempo findet dann statt , wenn die im bezeichneten Ton- 
Stucke vorkommenden Noten von dem ihnen eigenen Werthe 
so lange gehalten werden, als eine Schwingung des Pendels 
dauert, bei welcher das Bleigewicht auf die angegebene Zahl 
gestellt ist^« 

Dais hierdurch ein absolut genaues Taktmafs angegeben 
verde, welches allerdings von grofser Wichtigkeit für den rich- 
tigen Vortrag der Musikstücke ist , unterliegt keinem Zweifel. 
Es versteht sich dabei von selbst, dafs beide Instrumente, das 
des Künstlers und des Componisten , gleichmäfsig eingerichtet 
sind , was sich jedoch bei jedem einzelnen leicht durch Ver- 
gleichung mit einer richtigen Uhr und Zählung der auf eine 
Minute gehörenden Schwingungen ausmitteln läfst. Allerdings 
wird die hölzerne Stange dein Einflüsse der Feuchtigkeit ausge- 
setzt seyn und deswegen keine absolut scharfe Messung gestat- 
ten , allein sie bleibt für ihren Zweck immer noch hinlänglich 
genau, und wollte man einige Erhöhung des Preises nicht 
scheuen , so könnte man eine metallne Stange wählen und diese 
auf einer IMesserschneide schwin^^en lassen. Immerhin behält 
die Maschine durch den grofsen Umfang der gemessenen Zeit- 
theile , die sich leicht von halben Minuten bis etwa zu Drittel 
Secunden vermehren liefsen, bei einer Höhe von nicht völlig 
2 par. F. einen entschiedenen Vorzug. 

Wohlfeiler dagegen und leichter selbst nur für Kunstlieb- 
haber in einzelnen Fällen herstellbar ist Gottfried Weber's^ 
pendelartig«r Taktmesser y welcher zu gröfserer Bequemlichkeit 
mit dem Metronom correspondirt, so dafs gleiche Bestimmun- 



1 Leipz. musikal. Zeilang 1813. Nr. 27 u. 48. S. 441. 1814. Nr. 
27 n. 41. 1815. Nr. 5. Allg. Aut. d. Deutschen 1814. Nr. 74 u. 101. 

2 Allgemeine Musiklehre zum Selbstunterricht für Lehrer und 
Lerueade u. s. w. 1831. 8. S. XC. Leipziger musik. Zeit. a. a. O. 



Taktmes9er; Metronom. 403 

• 

gen darch beide erhalten werden» Dieser besteht aus einem 
blofsen Faden niit einer Bleikugel, kommt also dem einfachen 
Pendel sehr nahe und dient zur Taktmessung dadurch, dafs man 
bei ungleichen Längen des Fadens die Schwingungen der Kugel 
zählt« Zur gröfseren Bequemlichkeit des Messens liefse sich 
die Kugel an einem schmalen seidenen Bande befestigen, auf 
welches die erforderlichen , dem Metronom correspondirenden 
Längen durch Zahlen gedruckt werden könnten und das man 
in einer Klemme durch aufwärts und abwärts 2iiehen gehörig 
feststellte, um die erforderlichen Schwingungen zu erhalten, 
wie die Zeichnung dieses zu besserer Versinnlichung darstellt, ^M* 
worin p die schwingende Kugel und e die Klemme bezeichnet, 
die am Ende eines horizontalen Armes an einer verticalen Säule 
angebracht ist^. Allerdings ist ein bloiset Faden sowohl, als 
auch das vorgeschlagene Band dem Einflüsse der Feuchtigkeit 
ausgesetzt , auch werden beide sich als elastisch etwas dehnen, 
allein die hieraus erwachsenden Unrichtigkeiten sind fiir den 
beabsichtigten Zweck ganz unbedeutend, indem dennooh die 
zu (erreichende Genauigkeit gröfser ist, als sie verlangt wird* 
Weber hat zu gröfserer Bequemlichkeit die Zahlen des MälzeP- 
schen Metronoms auf die Längen des taktmessenden Pendels in 
rheinländischen Zollen , englischen Zollen und Metern reducirt, 
fängt aber erst mit der Zahl 50 an, weil für die niedrigem das 
Pendel zu lang werden würde, geht dagegen weit über die bis 
160 reichende Grenze des Metronoms hinaus* Folgende Tabelle 
ist hieraus entstanden. 



1 Die Figur zeigt den Te|rtiealen Dorchschnitt einer 4,5 F* ho- 
Leo Säule, an deren einer Seite Webba's Taktmesser, an der andern 
Malzel^s Metronom, welches jedoch ans einer feinen Messingstange 
und einer auf einer Messerschneide balancirttin Linse besteht, dtrge- 
stellt ist. 



Cg2 



rl.Zolle l Meter 

54,7U81,«98 

50,581 1,35'» 

4»,90a 1,23,58 

43,6131,1399 

40Ji571,0630 

37,99*0,1""" 

34,45m! 

31,3980,8305 

38,7370,7508 

26,3830,1)895 

33,0790,6188 

31,3690,5585 

19,383p„')065 

17,6610,4615 

16,1.560,4235 

14,8390,3876 



'JM: 



56,346 100 
2,090 104 
8,302 108 
44,914 112 
41,870 116 
",135 130 
,487 126 
32,334 132 
29,.584 138 
27,170 144 
24,385 152 
22,007 160 
19,961 168 
18,18« 176 
I6.6:ei 184 
15,283 192 



Met. 



,6450, 



,9030, 



13,1)77 

12,645 

11,725 

10,903 

10,164 
9,4980, 
8,615 0, 
7,8480, 
7,181 
6,595 
5,91 
5,343 
4,845 
4,41, 
4,039 
3,709 



Metei 



0,3574 
' ,3305 
0,3Oti4 
3844 
0,26.50 
2482 
,3251 
1,2051 
0,1877 
0,1733 
0,1547 
0,1396 
0,1266 
0,11.54 
U,lü.')6 
0,0969 



■jl.Z. 



14,085 
13,022 
12,075 
11,328 
10,467 
9,781 
8,672 
8,083 
7,396 
6,792 
6,096 
5,.502 
4,990 
4„547 
4,159 
3,830 



d) Pendel zum technischen Gebraache. 

Pendelanige Vorrichtungen der verschiedensten A/t wer- 
den bei Maschinen vielFsch gebraucht. Dahin gehtiren die in 
horizontaler Ebene beweglichen Balken mit starken Gewichten 
an ihren Eoden , vermittelst deren die Schraubenpressen die 



! Gröfsei 



In Je 



Stempel , z. 
niederdrückt 
werden aus ihrer lil: 
und der dabei in D 
entnommen. Die K 
govemor genannt) mit der 
schwingen nach den Gesetz 
sachlich aber bedient man si 
genden schweren Gewichter 
beim Heben schwerer Last, 
• man sich noch häufiger bedi, 
menthch zu solchen Dewegi 
Kurbel erfordern , weil die 
haft hierfür » , als zur Bewe 
vorausgesetzt , dafs die 
Dauer einer OsciUation 



grofser Gewalt 

echnung ihrer Wirkung 

theilten Geschwindigkeit 

n Lange der Hebelarme 

;n Hegiitalnreii (englisch 

Stangen , woran sie befestigt sind, 

'u des konischen Pendels. Haupt- 

h verticaler Stangen mit daran han- 

, um hierdurch eine Erleichterung 

n zu erhalten, ein Mittel, dessen 

ienen sollte, als bereits geschieht, na- 

^ungen, welche die Umdrehung einer 

menschliche Kraft minder vortheil- 

■egung eines Pendels, benutzt wird, 

gleiche Geschwindigkeit wahrend der 

;ht nachlheilig wirkt. Am vortheil- 



haftesten bedient man sich daher der Pendel bei solchen Alaschi- 



l Vergl. Krafi Bd. V. 8. 1 



Technische. 405 

nen xor Verstärkung der Kraft durch die Schwungbewegung 
derselben, bei denen die Masse absatzweise gehoben wird, z. B, 
j^ei -den BrunnenscHwengeln , den Maschinen zum Sjtofsen ^ei 
Butter u. s. w. Auch das Läuten der Thurmglocken ist eine 
sehr zusammengesetzte Pendelbewegung. Zuvörderst ist an- sich 
klar, dafs die rücksichtlich der Länge- und der Vertheilung det 
Masse ungleichen Kürper, die Glocke selbst und der Klö'pfel, 
nicht gleichzeitig (isochronisch) schwingen können, aber auch 
nicht dürfen, weil sonst der letztere mitten in der ersteren her- 
abhängend gleichzeitige Schwingungen machen und den Ranrd 
überall nicht berühren würde. In der Regel schwingt die Glocke 
durch die höhere Läge ihres Schwerpunctes und die ihr vermit- 
telst des Ziehens gegebene gröfsere Geschwindigkeit schneller, 
der Klöpfel erreicht sie beim Anfange der einen Schwingung, 
wird zurückgeschnellt und trifft sie wieder nach bereits begon- 
nenem Rückgänge» Um diesen periodischen Wechsel plötzlich 
eintreten zu lassen und den ersten Schlag sofort kräftiger zu ma^ 
chen, wird bei grofsen Glocken der Klöpfel vermittelst einet 
Gabel so lange festgestellt, bis die Glocke ihre regelmäTsigen 
.Oscillationen angenommen hat. 

Mehrfach bedient man sich der pendelartig schwingenden 
Hämmer zum Eintreiben von. Keilen oder sonst zum Stofse ge- 
gen bewegliche Lasten , indem man sie an einer Welle auf- 
hängt und sie vermittelst eines horizontalen auf die Axe der 
Welle perpendiculär gerichteten Hebelarmes bis zu einer gewis- 
sen Höhe emporhebt, damit sie beim Herabfallen im Puncte ih- 
rer gröfsten Tiefe den verlangten Stofs ausüben. Bei einer sol- 
chen Vorrichtung macht zwar die Reibung der Welle und die 
schwer bestimmbare Länge des Pendels von der Umdrehungs- 
axe bis zum Mittelpuncte der Schwingung eine völlig genaue 
Berechnung fast unmöglich , allein da es hierbei zunächst nur 
auf eine genäherte Bestimmung des zu erreichenden Nutzef- 
fectes aus der Masse und der Geschwindigkeit des schlagenden 
Hammers ankommt, so läfst sich die Aufgabe auf folgende 
Weise auflösen. Wird der Hammer aus der lothrechten Lage^'Ä» 
C P bis P' gehoben , so dafs er den Elongationswinkel a mit der 
verticalen Linie CP bildet, so wird er auf der geneigten Ebene 
PP' herabfallend am Ende die nämliche Geschwindigkeit er- 
langen , als ob er lothrecht von a bis P herabgefallen wäre. 
Derselbe fällt zwar nicht auf der Chorde , sondern bewegt sich 



406 Pendel. 

in der Curve , und «rhält somit eine grtffsere Geschwindigkeit ; 
allein wenn man dagegen die Reibung in Anschlag bringt und 
zugleich berücksichtigt, dab die Schwingungen nur durch grö- - 
fsere Bogentheile geschehn, wodurch die Schwingungszeit 
verlängert , also die Geschwindigkeit vermindert wird , so folgt 
Hieraus , dafs das gefundene Resultat vom wahren Werthe nicht 
bedeutend abweicht. Eben dieses gilt für den Fall , wenn der 
Hammer bis P'' gehoben wird , und es verhalten sich also die 
Fallräume bei verschiedenen Elongationswinkeln , wie aP : bP. 
Es ist aber für die Länge des Pendels (von der Schwingungsaxe 
bis zum Mittelpuncte der Schwingung) G P = 1 der Fallraum 
aP, bP der sinus versus des Elongationswinkels , also der 
durchlaufene Raum 

8=1 Sin. vers. o = 1 . (1 — Cos. «). 
Um auf dem kürzesten und leichtesten Wege zu dem gesuchten 
Resultate zu gelangen , möge das einfache Secundenpendel als 
Einheit angenommen werden. Wird hiernach die Länge dieses 
Pendels als Einheit angenommen , so ist 

8 = 1 — Cos. a 
der vom Pendel in lothrechter Richtung bei dem Elongations- 
winkel = a durchlaufene Raum. Der Raum , welchen ein frei 
fallender Körper in einer halben Secunde durchläuft, ist (^^^g) 

also -^- , und es verhalten sich also beide Räume 

s' : s = 1 — Cos. a 2 — . 

4 

Für ein Pendel von einer andern Länge verhält sich dieSchwin-^ 
gungszeit wie die Quadratwurzel aus der Länge , 

t;t'=5rT:rTi 
und wenn also die Länge und Schwingungszeit des Secunden-»- 

pendeis als Einheiten angenommen werden , so ist t' = 1^7", 

Es verhalten sich aber die Geschwindigkeiten bewegter Jvörper 

direct wie die durchlaufenen Räume upd umgekehrt wie die 

Zeiten, also ist 

t s _^_^ 1 — Cos. a 

und wenn diese Geschwindigkeit mit derjenigen verglichen wird, 
Welche aus dem von einem frei fallenden Körper in einer halbem 
Secunde durchlaufen wird , so ist 

4 1 — Cos. a g 



• 



Periode. 407 

und s|)init| wenn g = 15 p^r, Fufs und die Länge des SecUn- 
deapendels =: 3,05833 Fufs als Einheit angenommen wird, 
' ,' ^ 4(L±^os^) ^ ( 1 -Cos. a) 

•wodurch das Verhältnifs zwischen der Geschwindigkeit, der 
Länge und dem Elongationswinkel eines solchen Hammers ge- 
geben ist, dessen Trägheitsmoment dann aus dem Producte 
seiner Masse in das Quadrat seiner Geschwindigkeit gefunden 
wird K M. 

V 

Periode, 

Periodus; Periode; ist im Allgemeinen ein Zeitraum, 
nach dessen Vollendung gleiche Erscheinungen immer wieder 
eintreten. Unter den in der mathematischen Chronologie vor- 
kommenden Perioden ist die Julianische ^ deren Gebrauch Jo— . 
SEPH Scaliger 2 eingeführt hat, die merkwürdigste, weil man 
gewohnt ist, alle verschiedenen Zeitrechnungen auf dieselbe 
zurückzuführen. Da von dieser im Art. Cychis umständlich gere- 
det worden ist, so erwähne ich hier nur einige andere Perioden, 
Die griechisch-römische Periode des Pagi sollte zu einem ähn- 
lichen Zwecke in der Zeitrechnung dienen, wie die Julianische ; . 
da sie aber nie in Gebrauch gekommen , so ist es nicht nöthig, 
dabei zu verweilen^. Die Hund&sterftperiode (annus magnus 
cannicularis). Die Aegyptier haben nach CensorinüS ein 
Jahr von 365 Tagen ohne Einschaltung gehabt, aber bald be- 
merkt, dafs in 4 Jahren der gleiche Stand der Sonne um einen 
Tag später eintrat, also der Anfang des Jahres in4X365== 1460 
Jahren alle Jahreszeiten durchlief. Da sie ursprünglich den ' 
Anfang ihres Jahres auf den Früh -Aufgang des Sirius zu setzen 
cewohnt waren , so hiefs diese Periode von 1460 Jahren , nach 
welcher nämlich aufs neue der Früh - Aufgang des Sirius mit 
dem Anfange des Jahres zusammentraf, die Hundsstern periode. 
Dafs diese Periode 1322 Jahr vor unsrer Zeitrechnung anfing 



1 Auf eine ähnliche Weise Hat sich Hüttoit des Pendels zum 
Messen der Geschwindigkeit geschossener Kugeln bedient, wie Bd. I. 
S. 715. Art. Ballistik bereits gezeigt worden ist. 

2 De emendatione temporum, Joseplii Scaligeri opus novumi 
absolatum, perfectiim etc. Francof. 1593. p. 198. 

3 Ideler's Ilandb. der Chronologie. Th. II. S. 450. 



406 Perpetuum mobile. 

und im ISdtten Jahre unserer Zeitrechnung wieder anfing, zeigt 
Idelbr, der auch alles, was die alten Schriftsteller hierüber 
angeben, gesammelt und verglichen hat^. 

Woher bei den Aegyptiem die Phönixperiode von 500 
Jahren entstanden sey , ist unbekannt , aber glaublich ist es al- 
lerdings, dab die Fabel von dem alle 500 Jahre eintretenden 
Wiedererscheinen des Phönix eine astronomische Bedeutung 
hatte <• 

Von den verschiedenen Perioden , die man fiir das Znsam- 
mentreffen der Mondphasen mit den gleichen Tagen des Son- 
nenjahres angegeben hat, ist in dem Art» Cyclua das Wichtig- 
ste erwähnt worden'. 

Die Perioden der Indier, welche viele Jahrtausende um- 
fassen, gehören zwar sofern hierher, als sie sich an astronomi- 
sche Begriffe anschliefsen, sie scheinen aber keine auf wirkliche 
Beobachtungen und Berechnungen gegründete Periode zu seyn« 
Die Periode Maha Yug von 12000 Jahren der Götter oder 
4320000 = 360 • 12000 Sonnenjahren scheint einen Zeitraum 
darstellen zu sollen , an dessen Anfang und an dessen Ende alle 
Planeten in Conjnnction sind ; aber nach Stühr's Vergleichnn- 
gen finden bei der Bestimmung des Anfangs dieser und ähnli- 
cher indischer Perioden die seltsamsten Ungleichheiten statt ^. 
Nach Stühr's Meinung, welcher alle bekannten Nachrichten 
sorgfaltig verglichen zu haben scheint, ist die ganze Sternkunde 
und Chronologie der Indier zu wenig genau , um ihr einen 
Werth beizulegen, und iiberdiefs scheinen diese Perioden erst 
in ziemlich später Zeit ausgedacht worden zu seyn^, also kei- 
neswegs sich auf alte Beobachtungen zu beziehn* B* 

Perpetuum mobile. 

Unter einem perpetuum mobile^ welches selten auch ein 
Selbstbeweger genannt wird, versteht man ein Etwas, das 



1 Ha|dbach Th. I. S. 124. 

2 Ebendas. Th. I. S. 18S. 

8 MoRTucLA bist, des math. I. 162. and Ioelbr Th. I. S. 299. 
und an mehrem Stellen« 

4 Stdhr UntersachoBgen über die Stemkande unter den Chine- 
sen und Indiern. (Berlin 1831.) 8. 120. 124. 

5 Yergl. aach Mostucla bist, des math. L 427. 



Wenn man unter einem Perpi 
ne des Wortes ein Etwas versteht, 
Vlso in alle Ewigkeit hin bewegt, so ge. 
lieht in die Physik , denn diese ist 
\atnr und ihren Gesetzen beschäfti 
j^hrung entnimmt, kann aber da 
ob die Natur selbst ewig dauern 



Perpetnum mobile. 

lieh stets bewegt, ohne sofort die Frage za berück sieht! gen, 
Vas für eine Ursache diese stete Bewegung hervorbringt. Auf 
lern Mangel einer Bestimmung hierüber beruhen manche Ab- 
weichungen in den Ansichten der Gelehrten über diese vielbe- 
sprochene Aufgabe und es scheint mir daher nÖthig, sogleich 
im Anfange die Begriffe hierüber gehörig festzusetzen. 



ichls 



rifTe < 



reiche der auf endlic 
1er Natur fremd bleiben 
lufgabe in das Gebiet di 
üufs der BegrifT selbst ^ 
«uer beslimnit werden. 
leschehu, indem sie ui 
|s vielmehr ( 



lobile im strengsten 
LS sich unausgesetzt, 
diese Untersuchung 
it mit den Erscheinungen 
tigt, die sie aus der Er- 
1 Frage nicht beantworten, 
weil die Erfahrung hier- 
Imehr liegt schon iin Be- 
1 Dauer die Bestimmung der Unendlichkeit, 
ndliche Grenzen beschränkten Untersuchung 
Soll daher die vielbesprocheno 
naiischen Nalurlehre gehören, so 
dge- 



irher erst hiernach abgeändi 

'on einigen Gelehrten ist dii 

sie nicht sowohl die Zeitdauer der 

bewegende Ursache berücksichtiglei 



und da- 
stets wir- 



tende sey, oder eine allmäüg , wenn auch noch so wenig , ab- 
lehmende, weil im ersleren Falle zugleich die stete Fortdauer, 
m letzteren das einstige Aufhören von selbst gegeben ist . ohne 
«doch die Behauptung einer absolut ewigen Fortdauer positiv 
iprechen. Auf gleiche Weise wird in der Ulathematik 
lendlichen Reihen geredet und deren wirkliche Existenz 
weil bei ihnen durchaus kein Grund 
st. Die metaphysische Betrachtung 
teit einer absolut ewigen Fortdauer 
werden, und auf gleiche Weise 
ersuchen, ob das Materlole ei- 
Vergänglichkeit aller irdischen 






a gegeben angenommer 

SS Authtirens vorhandei 

i>er die absolute Mtigji 

lufs daher gan; 
ist es daher zweckwidrig i 
nes Perpetuum mobile bei 
Dinge nicht endlich der Zerstörung nnierliegen müsse, denn die 
Barte und Dauerhaftigkeit der Körper lafst sich Stets vermehren, 
die Reibung und Abnutzung dagegen stets vermindern, ohne 
dafs man eine Grenze anzugeben genöthigt ist, über welche 
beides binanszugehn nicht vermag. 




410 Perpetuum mobile« 

Tfach dieser auf die bewegende Ursache gegründeten Be- 
stimmung giebt es zwei oft mit einander verwechselte Classen 
von Maschinen , die in das Gebiet des Perpetuum mobile fal- 
len f die schon an sich durch ihren Namen kenntlich werden, 
wenn man das perpetuum mobile phyaicum Von dem perpe- 
tuum mobile mechanicum unterscheidet ^. 

Reden wir zuerst vom perpetuum mobile pJiysicum^ so 
unterliegt es keinem Zweifel, dafs es ein solches geben könne, 
da der Kreislauf der Dinge in der Natur ein stets fortdauernder, 
ununterbrochen sich erneuernder ist. Vermag man daher ir- 
gend eine solche, in der Natur vorhandene Kraft zur Bewegung 
einer Vorrichtung zu benutzen, so ist damit die Aufgabe gelöst. 
Verschiedene Mechanismen dieser Art sind in der Wirklichkeit 
gegeben , die man in dieser speciellen Beziehung oft nicht ein- 
mal hinlänglich beachtet. So ist unter andern unser Plane- 
tensystem ein wahres perpetuum mobile , nicht minder die sich 
nm ihre Axe drehende Erde , ein Flufs , welcher durch den un- 
ausgesetzten Wechsel der Verdunstung und des Niederschlags 
ununterbrochen flielst , ein Barometer , dessen Schwankungen 
wegen nie fehlender Luftströmungen ohne Unterlafs statt finden, 
die täglich osciliirenden Magnetnadeln ; alle diese und unzählige 
andere Apparate bewegen sich unverkennbar beständig, aber die 
bewegende Kraft oder Ursache ist durch die Natur selbst gege- 
ben, und sie gehören also insgesa^mt unter diejenige Classe 
von Vorrichtungen, die man mit dem gemeinschaftlichen Na- 
men emes perpetuum mobile physicum benennen kann ^. Nach 
diesem allgemeinen Principe wird dann auch die Frage zu be- 
antworten seyn, ob das aus zwei trocknen elektrischen Säulen 
und einem Pendel bestehende perpetuum mobile electricum 
diesen seinen Namen wirklich verdiene. Es beruht dieses näm- 
lich auf dem durch Erfahrung schwer auszumittelnden Satze, ob 
die fortgesetzte Entwickelung der Elektricität in solchen Säulen 
ohne die mindeste Veränderung der beiden angewandten Elek- 



1 KRATZENSTEiir Nov. Comixi. Fet. IT. 222. unterscheidet auf 
gleiche Weise das •perpetuum mobile naturale vom artificiale oder 
mechanicum,, 

2 Dahin gehört auch Kratzenstein's nicht verwerflicher Vorschlag, 
die Ausdehnung der Metallstangen durch den gewöhnlichen Wechsel 
der Temperatur als mechanisches Bewegungsmittel zu benutzen. S. 
a, a. O. 



Perpetuum mobile. 4il 

tromotoren und dar leitenden Substanz geschebn könne oder 
nicht, indem im erstem Falle die Frage bejaht werden mtifste^ 
im andern aber verneint^. 

Die hier aufgestellte Ansicht nebst den darauf gegründeten 
Bestimmungen scheint mir so einfach und klar, dafs ich es für 
überflüssig halte, noch etwas Weiteres hinzuzufügen. Ganz an- 
ders verhält es sich dagegen mit dem perpetuum mobile me- 
chanicum^ welches meistens verstanden wird, wenn von der 
Möglichkeit seiner Darstellung die Rede ist. Beim gesammten 
Maschinenwesen kommt nämlich vorzugsweise die bewegende 
Kraft in Betrachtung, sie erfordert in der -Kegel den gröfsten 
Aufwand, und manche übrigens höchst sinnreiche Con^tructio- 
nen können nicht in Anwendung gebracht werden, weil es an 
einem leicht zu erhaltenden und einfachen bewegenden Mittel 
fehlt. Man verfiel daher zuerst wohl des grofsen Nutzens we- ' 
gen auf die Idee, ob es möglich sey, eine solche Maschine zu 
construiren' , welche die Ursache ihrer Bewegung in sich selbst 
habe , oder welche durch ihre eigene Bewegung die bewegende 
Kraft stets wieder erneure , und als diese Aufgabe unerwartet 
grofse Schwierigkeiten darbot, so fand der menschliche Scharf-« 
sinn eben hierin einen bedeutenden Antrieb- zur Anstrengung, 
um nicht an den hierbei zu überwindenden Hindernissen zu 
scheitern. Obgleich man daher den grpfsen zu erzielenden Ge- 
winn nie ganz aus den Augen verlor , so strebte man doch zu- 
nächst meistens nur nach einer wissenschaftlichen Lösung des . 
an sich so wichtigen Problems. Hiermit beschäftigten sich seit 
den ältesten Zeiten bis auf diesen Augenblick nicht blofs die 
mit den Gesetzen der Natur und der Bewegung wohl vertrauten 
Gelehrten, sondern hauptsächlich, solche , die bei einiger, aber 
beschränkter, Kenntnifs der Mechanik ihren Kräften zu viel 
zutrauten, eben daher ihre unreifen Ideen sogleich durch ei- 

I 

nen Versuch zu realisiren strebten und dabei nicht selten 
durch zu grofsen Eifer mehr Zeit und Aufwand auf eine Reihe 
erfolsloser Proben verwandten, als mit ihren Verhältnissen ver- 
träglich war , so dafs schon mancher sein ganzes Vermögen und 
eine gute Existenz den vergeblichen Bemühungen dieser Art 
zum Opfer brachte. Schon aus dieser Ursache ist der Gegen- 
stand keineswegs unwichtig , verdient vielmehr eine nähere Be- 



1 8. Säule, elektrische y trockne* 



412 Perpetuum mobile. 

trachtnng, die sich jedoch füglich auf einen geringen Umfang 
beschränken läfsU 

I 

Vor allen Dingen ist die Frage von grolser Wichtigkeit, 
ob ein perpetuum mobile mechanicum überhaupt im Gebiete 
der Möglichkeit liege. Die Urtheile der Mechaniker hierüber 
sind verschieden, indem einige sich dafür, andere dagegen er- 
klären , wovon die Ursache zum Theil an der nicht hinlänglich 
. scharfen Feststellung der Aufgabe beruht, von welcher der bei- 
den Arten des Perpetuum mobile eigentlich die Rede sey. 
Ohne dafs es mir der Mühe werth scheint , in eine Prüfung der 
einzelnen hierüber vorhandenen Aussprüche einzugehn , glaube 
ich durch, folgende Betrachtungen die Sache in ein hinlänglich 
helles Licht zu stellen • 

« 

Dafs es irgend eine Maschine geben könne, welche in Ruhe 
befindlich die Ursache ihrer Bewegung im strengsten Sinne aus 
sich selbst nehme, ist ganz unmöglich, denn eine jede solche 
Vorrichtung mufs aus Materie bestehn und es gilt als ein un- 
bestrittenes Axiom in der Physik, dals die Materie die Ursache 
ihrer Ruhe und ihrer Bewegung nicht iui sich selbst habe. Wollte 
man hiergegen einwenden, dafs alles Materielle allerdings die 
Wirkungen von Kräften zeige, namentlich die der Anziehungs- 
kraft, so würde man durch die Ansprüche an eine solche stetig 
wirkende Naturkraft aus dem Gebiete eines perpetuum mobile 
mechanicum in das des physioum übergehn, wie sich im Ver- 
folge dieser Untersuchungen noch näher ergeben wird. Aufser- 
dem ist die gesammte angewandte Mechanik nur auf einige we- 
nige Fundamentalmaschinen, die Seilmaschine, den Hebel und 
die geneigte Ebene, beschränkt, bei denen zunächst nur das 
Verhältnifs der durchlaufenen Räume und der hierauf verwand^ 
ten Zeiten für gegebene Kräfte und Lasten in Betrachtung kommt. 
Indem aber alle mögliche Constructionen hierauf zurückkommen, 
80 setzt eine ans der blofsen Anordnung der Maschin entheile 
von selbst hervorgehende Kraft die Entstehung eines Etwas 
aus dem Nichts voraus , welches im Gebiete der Naturlehre un- 
zulässig ist,' wo der Satz ex iiihilo nil fit einmal als unum- 
stöfsliches Axiom gilt, wie auch immer die speculative Philo- 
sophie über dessen Begründung urtheilen mag. Genau genom- 
men sind auch alle diejenigen, welche die Möglichkeit, eines 
perpetuum mobile mechanioiim behaupteten oder gar sich mit 



^Perpetuum mobile. 413 

I I 

der Herstellung desselben beschctfdgten , dieser nämlichen Mei« 
nung gewesen. 

Ganz anders aber stellt sich die Sache dar, wenn man «ein- 
räumt, dafs die Bewegung ursprünglich durch irgend einen Im- 
puls gegeben werde und dann nur ohne Aufhören fortdauern 
solle. Diese Voraussetzung , von welcher alle Vertheidiger und 
Erfinder solcher Maschinen ausgingen , machte die Aufgabe un- 
gleich verwickelter und schwieriger und leitete alle diejenigen 
irre, die sie nicht auf ihre ursprüngliche Einfachheit zurück- 
führten« Ist nämlich einmal eine Bewegung gegeben , »o for- 
dert das Gesetz der Trägheit , dafs sie ewig» fortdaure , wenn 
nicht Hindernisse dieselbe früher oder später durch ihre Reaction 
aufheben , und hierdurch ist die theoretische Möglichkeit eines 
perpetuum mobile mechanicum ohne Widerrede bündig bewie- 
sen , weil man in abstracto annehmen darf , dafs die möglichen 
Hindernisse einer gegebenen Bewegung bis zum gänzlichen 
Verschwinden derselben sich beseitigen lassen* Darf man an- 
nehmen, dafs unser Planetensystem selbst ursprünglich durch 
irgend einen Impuls in Bewegung gesetzt worden sey^und diese 
einmal erhaltene ste;ts beibehalte , so ist auch dieses ein solches 
perpetuum mobile mechanicum^ und wenn alle im steten Wech- 
sel befindliche Naturkräfte anfangs in Thätigkeit gesetzt wurden, 
so kommt ein jedes noch jetzt vorhandenes physisches Perpe- 
tuum mobile auf ein anfängliches mechanisches zuriick. Frucht- 
barer als alle diese zu keinem nützlichen Ziele führenden Be- 
trachtungen"'ist die zunächst bei der Sache liegende Anwendung, 
dai^s ein jedes solches einfaches perpetuum mobile mechanicum 
keinen gröfsern NutzefFect bringen könne , als die ursprünglich 
verwandte Kraft beträgt, weil der NutzeiFect eine zu überwin- 
dende Reaction voraussetzt, die der Action allezeit proportional 
seyn mufs, selbst wenn alle Hindernisse der Bewegung völlig 
beseitigt wären. Wenn man daher z. B. an einer sehr feinen 
Axe ein Rad befestigte , dabei den Widerstand des Mittels und 
die Reibung gänzlich aufhöbe und dasselbe dann in Bewegung 
setzte, so müfste, diese einmal erhaltene Bewegung in Ewigkeit 
fortdauern. Eben dieses würde bei einem schwingenden Pen- 
del und bei vielen andern Apparaten stattfinden müssen und die 
Erfindung eines perpetuum mobile mechanicum wäre sonach 
eben so einfach als leicht; aber eben diese Einfachheit und 
Leichtigkeit mufs alle diejenigen von ihrem vergeblichen ße- 



414 Perpetuum mobile. 

müben aurüclschrecken , welche die wirkliche Ausfiihrang des- 
selben aufgefunden zu haben sich schmeicheln , weil die hierbei 
"Vorausgesetzten Bedingungen, nämlich gänzliche Beseitigung der 
Reibung und des Widerstandes der Mittel, in der Wirklichkeit 
{lir irdische Gegenstände nicht erreichbar ist. 

Es ist jeaoch bekannt, dafs man bei dieser einfachen, aber 
allen andern zum Grunde liegenden Construction keineswegs 
stehn blieb , vielmehr die Lösung des grofsen Problems durch 
höchst zusammengesetzte und ungewöhnlich kunstreich gebaute 
Maschinen zu erreichen suchte , wodurch zwar die Uebersicht 
des Mechanismus erschwert, die Sache selbst aber dem er- 
wünschten Ziele keineswegs näher genickt wurde. Man könnte 
hierbei folgendes Princip zum Grunde legen. Ist einmal irgend 
ein theil einer Maschine durch eine gegebene Kraft in Bewe- 
gung gesetzt, so kann er diese einem andern, mit ihm verbun- 
denen, mittheilen, dieser einem folgenden, und so ins Unend- 
liche. Würde hierbei unter der oben angenommenen Voraus- 
setzung einer gänzlichen Abwesenheit aller Hindernisse der Be- 
wegung die ursprünglich angewandte Kraft gar nicht vermin- 
dert, so müfste auch auf diesem Wege ein perpetuum mobile 
mechanicum möglich seyn , aliein die Unmöglichkeit der letzt- 
genannten Bedingung nicht gerechnet würde ein solches eine 
unendliche Menge von Theilen erfordern und liegt also ganz 
aufser dem Gebiete der blofs auf das Endliche beschränkten Na- 
tur. Aber auch dieser Weg ist derjenige nicht, auf welchem 
man zum Vorgesetzten Zwecke zu gelangen strebte, obgleich die 
Erfinder solcher Maschinen bei der wirklichen Ausführung zu 
den bereits vorhandenen Theilen stets neue hinzufügten oder 
hinzufügen zu müssen glaubten, wenn sich die bereits vorhan- 
denen als ungenügend zeigten, vielmehr sollte der anfangs in 
Bewegung gesetzte Maschinentheil einen andern und dieser 
wieder einen andern und so fort alle mit einander verbundene 
bewegen, jedoch so, dafs ihre Anzahl eine endliche sey und 
der zuerst bewegte nicht nur in seine ursprüngliche Lage zu- 
rückgebracht würde, sondern auch durch die Bewegung der 
übrigen Maschinentheile eine seiner anfänglichen nicht blofs 
gleiche, sondern diese sogar noch übertreffende Kraft erlangt 
habe, um diese dann aufs Neue mitzutheilen. Wenn man bei 
dieser hypothetischen Construction annimmt, dafs durch die 
Hindernisse der Bewegung in der ganzen, vorläufig unbestimm- 



Perpetuum mobile. 415 

ten Menge der Maschinentheile von der ursprünglich mitgetlieil-* 
ten Kraft nichts verloren wurde, so wäre eine solche, wie 
künstlich auch immer zusammengesetzte, Maschine dem Wesen 
nach keine andere , als die oben genannten einfachen , insofern 
ein jeder Maschin entheil als eine einfache , für sich bestehende, 
die anfängliche Bewegung erhaltende und ungeschwächt mit* 
theilende Maschine betrachtet werden kann, weswegen auch 
das dort Gesagte hier Anwendung findet; man wollte jedoch 
durch mechanische Mittel die ursprünglich gegebene Kraft nicht 
blofs erhalten , sondern auch noch so viel gewinnen , als durch 
die unvermeidlichen Hindernisse der Bewegung verloren wird» 
Bringt man aber auch diese Aufgabe auf die einfachsten Grund- 
sätze zurück^ so besitzen wir aller zahllosen und kunstreichen 
Combinationen ungeachtet nur zwei mechanische Mittel, nämlich 
den Hebel und die geneigte Ebene, die jedoch beide weder ein- 
zeln noch in ihrer Verbindung irgend eine neue Kraft erzeugen 
können , um dadurch den endlichen Stillstand der aus ihnen er- 
bauten Maschinen in Folge der unvermeidlichen Hindernisse 
der Bewegung aufzuhalten K 

Je auffallender aus diesen Untersuchungen die Unmöglich- 
keit hervorgeht, ein perpetuum mobile mechanicum zu con— 
struiren, um so mehr mufs man sich wundern, dafs so viele 
Männer in einem so langen Zeiträume unbeschreiblich viele Zeit 
und Mühe auf die Erfindung desselben verwenden konnten. 
Die Ursache hiervon liegt in dem bei den bisherigen Betrach- 
tungen noch nicht berücksichtigten Umstände, dafs das mecha- 
nische Perpetuum mobile von dem physischen nicht gehörig 
geschieden wurde, indem man meistens eine stetig wirkende 
Katurkraft zur unablässigen Bewegung irgend einer Maschine 
benutzen, jene aber zugleich durch künstliche Combinationen 
80 verstecken wollte, dafs es scheinen möchte, als ob der er- 
haltene Effect blofs aus der Anwendung mechanischer Mittel 
hervorgegangen sey. Wenn wir hierbei von der durchaus un- 
genügenden Construction solcher Maschinen abstrahiren , deren 
Erfinder die Bewegung durch die Elästicität gespannter Federn 
hervorzubringen sich bemühten , die jedoch auf jeden Fall keine 
gröfsere Wirkung äufsern kann , als die zu ihrer Spannung vei- 



1 Eine ähnliche Betrachtong von Airt findet sich in Trans, of 
the Cambridge Roy. Sog. T* HI. p. 369. 



416 Perpetuum mobile. 

wandte Kraft an sich schon' giehliy so bleibt einzig iie Schwere 
übrig, welche einen stetigen. Druek erzeugt • und daher aller- 
dings als eine unanterbroehcM- wit^ende Kraft betitachtet werden 
kapn« Man mufs jedoch berücksichtigen, dafs dieser Dmok 
nur so lange stattfindet, als - der Körper ruht, dagegen auf seine 
eigene Bewegung verwandt wird , sobald derselbe , in ^welcher 
beliebigen Bahn es seyn mag , zn fallen anföngtn JDieser im 
Fallen begriffene Körper eraeugt alsdann zwar allerding» dorok 
Mittheilung eine seiner eigenen quaniitaa motus^ proportionale 
Bewegung, und dieses so lange y als er selbst fällt (worauf un- 
ter andern die Anwendung • der Gewichte bei den Standuhren 
beruht), allein da die Schwere selbst eine Wirkung der An*- 
Ziehung unsrer Erde und im IVlittelpuncte der letztem ass 0-ist, 
so mufs auch der durch sie erzeugte Fall der Körper endUiek 
aufhören , es sey denn , dafs man die Aufgabe wiederum, auf 
ein ganz einfaches perpeiuum mobile physicum zurückführte 
und einen von der Oberflache der Erde durch ihr Centrum nach 
der entgegengesetzten Seite fallenden und von da an zu sei- 
nem ursprÜDglichen Orte zurückkehrenden Körper annehmen 
wollte, was physisch unmöglich und gewifs niemanden wirk- 
lich anzuwenden jemals in den* Sinn gekommen ist. Die durch 
einen fallenden Körper erzeugte quantitas motus kann aber nie 
gröfser werden, als dazu erfordert wird, um einen gleich schwe- 
ren Körper zu einer derjenigen gleichen Höhe zu bringen , wo- 
von der erstere herabfiel , aber auch dieses nur unter der Bedin- 
gung, dafs durch die Hindernisse der Bewegung bei beiden 
nichts von der gegebenen Kraft verloren geht. Allerdings wird 
eine geringere Last durch eine gröfsere verhältnifsmäfsig höher 
gehoben und kann daher bei gleicher Geschwindigkeit beider 
auch eine längere Zeit in Bewegung erhahen werden ; wollte 
man jedoch hierauf ein Perpetuum mobile gründen , so ist klar, 
dafs hierzu ein unendliches Gewicht erfordert würde, um ein 
gegebenes kleineres ohne Aufhören zu bewegen, oder das letz- 
tere müfste unendlich klein seyn, wenn seine Bewegung nie- 
mals aufhören sollte , welches beides abermals aufser den Gren- 
zen der Natur liegt. Soll dagegen das ursprünglich bewegte 
Gewicht wieder an seinen anfänglichen Ort zurückgebracht wer- 
den, um seinen ersten Impuls wieder zu erneuern, so wird 
dazu eine der von ihm erzeugten ganz gleiche Kraft erfordert, 
welche aus seiner eigenen Schwer^ und der ihm mitgetheilten 



Perpetuum mobile» 41,7 

besteht. Die erstere ron diesen wird durch die erforderliche 
Hebung = 9 die letztere dagegen würde ohne vorhandene 
Hindernisse der Bewegung ohne Aufhören fortwirken, nnd die- 
ses wird .um so mehr der Fall seyn ^ je einfacher die nach die- 
sem Principe gebaute Maschine ist, weil die Menge der an- 
gewandten Maschinentheile im Allgemeinen die Hindernisse der 
Bewegung im directen Verhältnisse vermehrt. Hiernach Jkäme 
man jedoch auf die einfachen Vorrichtungen , z. D. ein schwiü-* 
gendes Pendel oder einen oscillirenden Waagebalken u. s. w«^ 
zurück y welche allerdings ohne alle Hindernisse derBewegung- 
unaufhörlich sich zu bewegen fortfahren würden , dennoch aber 
ist es gewifs niemanden in den Sinn gekommen , sie zur Con- 
struction eines perpetuum mobile mechanicum zu benutzen, 
-weil von einer gänzlichen Entfernung jener Hindernisse keine 
Rede seyn kann. 

Nach diesen Betrachtungen , aus deäen die Unmöglichkeit 
der Construction eines perpetuum mobile mechanicum unwider- 
sprechlich hervorgeht, wird es überflüssig seyn, die vielen 
Versuche zur Lösung dieses Problems einzeln, zu untersuchen, 
vielmehr scheint es mir zweckmäfsiger , Folgendes im Allge- 
meinen hierüber zu bemerken. Die gesammten bekannt gewor«* 
denen Mechanismen kommen darauf hinaus , durch den Fall ei- 
nes gegebenen Gewichtes ein anderes zu heben und den dabei 
unvermeidlichen Verlust durch Benutzung der mechanischen 
Mittel, namentlich des Hebels und der geneigten Ebene, zu er- 
setzen ; denn obgleich mitunter auch die Elasticitat gespannter 
Federn hierbei in Anwendung gebracht würde , so geschah die- 
ses doch nur von denen , die mit den Gesetzen der Natur all-* 
zuwenig vertraut waren. Kein Körper ist nämlich in der Art 
vollkommen elastisch, dafs seine Rückwirkung gröfser oder auch 
nur gleich grofs seyn könnte , aJs die ihn zusammendrückende 
Kraft, indem es allgemein bekannt ist, dafs eine vollkommen 
elastische Kugel nach dem Falle eben so hoch steigen müfste, 
als sie herabgefallen ist , und also bei gänzlicher Abwesenheit 
der Hindernisse ihrer Bewegung unmittelbar ein perpetuum mo" 
hile geben würde ^. In wiefern die Anwendung der geneigten 
Ebene, die man mitunter für herabfallende Kugeln zu benutzen 
gesucht hat, durchaus zwecklos ist, bedarf keiner weitern Er- 



1 Vergl. Elasticitat Bd. VI. 3. 177. 
Bd. VII. Dd 



418 Perpetumn moibile. 

örternng, da l)ekaDntIich der Fdl.der K^frptr MzCiirDrgeschrie- 
bener Bahn durchaas mit dem freien Falle derselben übeffeiar 
kommt und daher in den bisherigen Untersuchungen sehoti er- 
ledigt ist. Am meisten hat man die Anwendung des Hebels 
versucht , dessen Unzulässigkeit 2ur Erreichung des vorliegen- 
den Zweckes jedoch aus folgender- Betrachtung hervorgeht* • 

Die meisten Versuche einer Erfindung des Perpetuum mo- 
bile beruhn dem Wesen nach auf den Gesetzen des Hebels in 
der Art, wie dieselben sich am besten durch geometrische Con- 
struction anschaulich machen lassen , wenn auch die- Gestalt der 
Maschinen und die Anordnung der Hebelarme nebst den sie be- 
wegenden Lasten verschieden seyn mag« Ist nämlich der Ring 
F'ß-oder das Rad AB überall gleichmafsig dick und in-seinem Ceo- 
' trum C auf einer Axe befestigt , befinden sich femer die gleichen 
Lasten a, b, c, d in gleichem Abstände vom Mittelpnncte, so 
ivird die Maschine in jeder Lage ruhn. Wäre es dann : mtfglicii, 
das Gewicht a an diejenige Stelle zu bringen , welche- a ein- 
nimmt, so würde c mit einem der Länge seines Hebelarmes 
^ iproportionalen Uebergewichte herabsinken. Auf den ersten 
Blick scheint nur eine unbedeutende Kraft erforderlich am seyn, 
um die angegebene Ortsveränderung hervorzubringen, wenn 
namentlich die Bewegung in horizontaler Ebene stattfände, wo- 
bei also blofs die Reibung zu überwinden wäre, die aus dem 
Ueberschusse der Hebelkraft leicht hervorgehn würde; allein 
man mufs wohl überlegen, dafs bei der angenommenen Anord- 
nung der Theile ursprünglich gar keine bewegende Kraft vor- 
handen ist, wenn a in der horizontalen Lage sich befindet, mit- 
hin auch gar keine Bewegung desselben stattfinden kann, wie 
gering man auch die hierzu erforderliche Kraft annehmen mag. 
Diesem Mangel könnte jedoch in Gemafsheit der vorausgegan- 
genen allgemeinen Betrachtungen abgeholfen werden, \^enn 
man vermittelst einer ursprünglich angewandten Kraft die erfor- 
derliche Bewegung hervorbrächte , und das perpetuum mobile 
wäre wirklich hergestellt, wenn demnächst das Uebergewicht 
am längen Hebelarme so viel betrüge, als erforderlich ist, um 
die Last a bei ihrer Rückkehr zur anfänglichen Stelle wieder an 
den Ort a zu bewegen und zugleich die Reibung der ganzen 
Maschine zu überwinden, weil dann die ursprünglich ange- 
wandte Kraft ohne Ende in ihrer ganzen Gröfse erhalten würde. 
Man übersieht jedoch bald , dafs durch die angegebene Ortsver- 



Änderung d*r Lagt a, auf welche Weise dieselbe anck bewert- 
wcrden mag, das Gewicht c herabsinken nnd an die 
Ifitelle Yon b gelanfjen würde, während « den Ort S erhälr, 
Kimnil min hierbei auf die Verlailschting der Buchstaben keine 
icksiclit,-80 würden dann die Gewichte c, a, b und J auf die 
Hebelarme wirken. Bei der hiernach erzeugten Bewegung, 
■wenn nümlicli c an die Stelle von b und a an die Sielle von tf 
welangl, kann b durch seinen Fall nicht ganz bis an den Ort a 
«inporsteigen , weil es zwar allerdings nach mechanischen Ge- 
iwizen eben so hoch steigeti mülsle, als es herabgefallen iit, 
ijabei über durch den Widerstand des Mittels, worin die ße- 
Jippe^iing stattfindet, und durch Reibung etwas verliert. Dieser 
tei jfldorDrehung stattfindende Verlust würde also die ursprüng- 
lich milgetheilte Kraft allmäJig erschöpfen und die Maschine 
Wäre nichts anderes als ein Pendel, vcelches so lange oscillirt, 
oder eine Scheibe auf einer Axe , welche so lange herumläuft, 
%is die ursprünglich mitgeiheilten Bewegungen durch die zu 
'fiberwindenden Hindernisse erschöpft sind. 

Wenn man von einer Fortdauer dieser ursprünglich milge- 
theilten Bewegung abstrahirt und also blofs annimmt, dafs durch 
' «ine anfänglich wirkende Ursache daij Gewicht a in die Lage« 
gebracht, hierdurch also diejenige Bewegung erzeugt sey, ver- 
leren C durch den Einflufs des längeren Hebelarmes her- 
, bis es den Ort b einnimmt, wenn man ferner die Os- 
Q nicht berücksichtigt, vermöge deren das aus dem Orte 
!D des b Übergegangene Gewicht einigemale zwischen a 
und C oscilliren wird , so ist klar , dafs durch das Gleichgewicht 
■der Lasten c und a und das Uebergewicht Von b über J die 
rHaschine wieder in Ruhe kommen muf«. Zur Fortsetzung der 
> Bewegung wäre dann erforderlich , dafs abermals a nach a ver- 
netzt würde, was jedoch keine Umdrehung der Maschine durch 
^90 Grade, sundern nur durch 4ü Grade zu erzeugen vermöchte, 
erbei die etwa erfolgende Oscillalioo nicht 
'berücksichtigt, weil die beiden Lasten c und b durch ihre glei- 
«hen Uebergewichte nur in gleichem Abstände von einem durch 
C gehenden Perpendikel zur Ruhe gelangen können. Hieraus 
ich schon unmittelbar, dafs selbst der Einflufs einer an- 
fänglich wirbenden Kraft allmalig abnimmt, indem eine solche, 
■ auf den Ort a beschrankte, bei der angenommenen Anordnung 
r dei MaschiacDtheile, weit« sich zu aufsern aufhören und also 
. Dd 2 



42Q Perpetuum mobile« 

Stillstand Erfolgen m übte. Soll dieses nicht geschehn, so wäre 
unter der Annalime einer anläiifilichen Versetzunc; der Last a 
nach a erforderlich, dafs diese, in d angelongt, wieder bis d 
in ihre ursprüngliche Lage gehoben würde. Dafs hierzu aber 
das gesammte Uebergewicht der Last c über die Last a erfor- 
derlicli sey, ergiebt sich einfach, wenn man berücksichtigt, dafs 
beide als pendelartig in den Kr(>isb^>gen p p und n n schwin- 
gend anzuselm sind, diese Schwingungen sich aber auf die loth- 
xechten Coordinaten Cp' uiid Cti zurückfahren lassen. Der 
Ueberschufs des Fallraums ist hiernach = Tc'p', und da dieser 
genau = ^t^-i s ^^^ = ^^^ Höhe ist, auf welche das dem Ge- 
wichte c gleiche Gewicht J gehoben werde» mufs , ' um an den 
Ort d zu gelangen , so wird das gesammte gewonnene Ueberge- 
wicht hierdurch erschöpft und die Maschine mufs stillstehiii 
sobald die ursprünglich mitgetheilte Bewegung zur Ueberwin- 
dong der unvermeidlichen Hindernisse verwandt ist ; sie hat in 
si<;h keine fortdauernde Ursache der Bewegung und ist kein 
perpetuum mobile mechanicum. 

Diejenigen , welche sich vergebens bemühten , auf dem 
angegebenen Wege zur Erreichung des erwünschten Zieles za 
gelangen , würden isich hiervon gleichfalls ohne Mühe über- 
zeugt haben , wenn sie bei dieser einfachen Construction stelin 
geblieben waren. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, dafs 
die angegebenen Schlufsfolgerungen auch dann noch stattfinden, 
wenn man statt der angenommenen 4 Gewichte eine beliebige 
Anzahl annehmen wolhe; die Demonstration wird dadurch nur 
verwickelter und die Uebersiclit schwieriger, wenn man die 
Wirkung aller in ihren verschiedenen La«jen beriicksichtinen 
und das gemeinschaftliche Resultat in eins zusammenfassen will, 
wobei es keinem Zweifel unterliegt, dafs dasselbe kein anderes 
«eyn kann, als wozu man weit leichter gelangt, wenn man die 
einander balancirenden Gewichte blofs in ihren Hauptlagen, 
nämlich der horizontalen tind der verticalen, berücksichtijzt. Es 
folgt hieraus ferner von selbst, dafs durch die künstlichsten Vor- 
richtungen im Wesentlichen nichts gewonnen wird, wenn man 
z« B. statt der vier gewählten Cy linder deren 16 oder 30 oder 
sonst eine beliebige Menge nach gleichen oder ungleichen Zah- 
len in Anwendung bringt, oder statt einer Verschiebung des 
Qewichts a an den Ort a einer Drehung desselben um eine im 
Ringe AB befestigte horizontale Axe den Vorzug einräumt, 



Perpetuum mobile. 421 

ocler Kugeln lotnreclit herabfallen und auf der geneigten Ebene 
oder in sonstigen Curven wieder gehoben werden läfst u. s. w. 

Wenn aus diesen Betracbtimgen die Unmöglichkeit folgt, 
ein perpetuum mobile mechanicum wirklich darzustellen , so 
wird es nunmehr geniigen, nur die bekanntesten Mascliinen, 
die diesen Namen erhalten haben , kurz namhaft zu machen, 
wobei ich jedoch diejenigen weglasse , welche unter die Clause 
des perpetuum mobile physicum gehören, als das Barometer 
•von CoxE , die durch den Luftzug oder die Erschütterung be- 
wegten Uhren des Le Paute* und Recorder 2^* Jig Uhren mit 
Zamboni sehen Säulen u. s. w. Die unbestimmten Andeutungen 
älterer. Maschinen dieser Art, z. B. durch Caspar Schott^, 
Fhafciscus deLanis* u. a. , das uneLcht^ perpetuum mobile, 
w^elches Papinüs und Berngülli* prüften, und die grofseZahl- 
der sonstigen , zwar Öffentlich bekannt gemachten, aber ohne 
nähere Untersuchung von selbst wieder vergessenen , also sicher 
ungenügenden Apparate verdienen keine nähere Erwähnung. 
Am meisten Aufmerksamkeit aber erregte das perpetuum mobile 
des Okffyret (eigentlich Bessler)^, welches sogar von einer 
£ielehrten Commission , worunter sich auch Dr. Fr. Hoffmanü 
und T. Wulff befanden, für ein solches erkannt wurde''. Den 
heftigsten Gegner fand diese Maschine an dem gelehrten Mecha- 
niker Gärtner in Dresden, welcher sich öffentlich zur Zahlung 
von 1000 Reichsthalern erbot, wenn dieselbe nur vier Wochen 
sich unausgesetzt bewegen würde®, wie denn schon früher 
auch EoRLACH^ dieselbe für betrügerisch erklärt hatte. Der 
I^andgraf Carl von Hessen -Cassel rief jedoch den berühmt 
cewordenen Künstler nach seiner Residenz, damit er ihm eine 

1 Le Pacte Traite siir l'IIorlogcric. Par. 1755. 4. p. 129. 

2 Journ. de Pliys. XVI. 60. 

3 Technica ciirlosa. Lips. 166-i. Lib. X. Part. I. p. 732, 

4 Magisteriom naturae et arlis T. 1. L. VIII. 
6 Acta Erud. Lips. 1686. 

6 Gott. Tascheulial. 1797. S. 171. 

7 Gründliclier Bericht von dem durch Herrn OrirFYREDM glück- 
Jich inventirten Perpetuo - mobili. Leipz. 1715. s*Guavksam)k oeiiv. 
philos. Amst. 1774. T. L p. 305. Acta Erud. liips. 1715. p. 46. 

8 OlVerte von Eintausend Thaler gogen llerru Ortfyreus. Dres- 
den 1717. 

9 BoRLAcu's Gegenbericht von dem Perpetuum - mobile , dal« 
dergleichen keins in natura gehen könne. 1716. ' 



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solche auf dem Weifsenstein daselbst aufzustellende Maschine 
verfertigen möge, womit derselbe auch zu StanAe* {gekommen 
seyn, das Kunstwerk aber nachhek* s^lbut Virie^e^ l^er&chlagen 
haben soll^ Inzwischen bewog die beharrliche Behauptung 
Gartvea's,^ dafs in der vielbesprochenen Maschine 4ine bewe- 
gende Kraft dem Auge des Beobachters verborgen s^^, 'den Kff- 
nig AuouST II. von Polen' zu der Aufforderung, da&* atiöb er 
selbst eine solche mit einem versteckten Mechanismus zu Stande 
bringen möge, worauf derselbe drei Maschinen dieser Ai^ con- 
struirte. Zwei von diesen waren von der Art, wie man sie noch 
jetzt zuweilen in Cabinetten findet , bei denen Kageln c^in Aad 
zu bewegen und durch dasselbe auf einer schraubehfinrmig ge- 
wundenen geneigten Ebene wieder in die Höhe gehoben zu 
werden scheinen, das eigentliche Triebwerk ist aber in dem 
Kasten verborgen , auf welchem die Maschine steht , und wird 
durch ein verstecktes Schlüsselloch aufgezogen, 

Aehnliche Vorrichtungen mit einem künstlich verborgenen 
bewegenden Mechanismus sind die Uhren des GROLL'ita de 
SiRvi^.RE^, unter andern diejenige, wobei eine Kugel auf ei- 
ner spiralförmig gewundenen geneigten Ebene herabrollte und 
dann durch eine Feder wieder emporgeschnellt wrurde , oder 
wobei eine Kugel die Körper von zwei Schlangen durchlief, 
indem sie allezeit aus dem Maule der einen in den Schwanz^ der 
andern ausgespien wurde, ferner die durch Seiler in Ulm ver- 
fertigte Maschine^, die bekannte, durch Borlach geprüfte 
Merseburger*, das Rad von Charles Castelli*, das anschei- 
nend durch Kugeln getriebene von Conrad Schiviers und 
IsAAC Bltdensteyn®, das Modell, welches Zoll und Koppe''